Perry Rhodan 2656: Das Feynman-Kommando - Wim Vandemaan - ebook

Perry Rhodan 2656: Das Feynman-Kommando ebook

Wim Vandemaan

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Rhodan und der Solare Resident - sie kämpfen gegen die Invasoren Teresa Wir schreiben das Jahr 1469 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) - das entspricht dem Jahr 5056 christlicher Zeitrechnung. Auf bislang ungeklärte Art und Weise verschwand das Solsystem mit seinen Planeten sowie allen Bewohnern aus dem bekannten Universum. Die Heimat der Menschheit wurde in ein eigenes kleines Universum transferiert, wo die Terraner auf seltsame Nachbarn treffen, die ihnen allem Anschein nach übel wollen. Seither kämpft die solare Menschheit um ihr Überleben. Von den geheimnisvollen Spenta weiß man am wenigsten: Ihnen liegen Sonnen am Herzen. Ihrer Ansicht nach wird Sol durch den Leichnam der Superintelligenz ARCHETIM verschandelt - deshalb haben sie das Herz des Systems "verhüllt". Ganz anders die Fagesy: Sie sehen in den Menschen gemeine Diebe, die den Leichnam einer Superintelligenz gestohlen haben, und fordern Sühne. Ihnen zur Seite stehen die Sayporaner, die nichts Geringeres im Sinn haben als die "Neuformatierung" der Menschheit. Es ist eine heikle Lage entstanden ... und dann kommt auch noch DAS FEYNMAN-KOMMANDO ...

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Nr. 2656

Das Feynman-Kommando

Rhodan und der Solare Resident – sie kämpfen gegen die Invasoren Terras

Wim Vandemaan

Wir schreiben das Jahr 1469 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) – das entspricht dem Jahr 5056 christlicher Zeitrechnung. Auf bislang ungeklärte Art und Weise verschwand das Solsystem mit seinen Planeten sowie allen Bewohnern aus dem bekannten Universum.

Die Heimat der Menschheit wurde in ein eigenes kleines Universum transferiert, wo die Terraner auf seltsame Nachbarn treffen, die ihnen allem Anschein nach übel wollen. Seither kämpft die solare Menschheit um ihr Überleben.

Von den geheimnisvollen Spenta weiß man am wenigsten: Ihnen liegen Sonnen am Herzen. Ihrer Ansicht nach wird Sol durch den Leichnam der Superintelligenz ARCHETIM verschandelt – deshalb haben sie das Herz des Systems »verhüllt«.

Ganz anders die Fagesy: Sie sehen in den Menschen gemeine Diebe, die den Leichnam einer Superintelligenz gestohlen haben, und fordern Sühne.

Die Hauptpersonen des Romans

Reginald Bull – Der Terranische Resident hat die Erde verlassen.

Rhodan – Er sagt, er kenne die Erde nur flüchtig.

Shamsur Routh – Der Terraner will zur Erde zurückkehren.

Toufec – Der geheimnisvolle Kämpfer ist ein Kind der Erde.

Shanda Sarmotte

1.

Einflug der TOLBA

Im Kastell von Neo-Ganymed, 22. November 1469 NGZ, gegen 12 Uhr Terrania-Standardzeit: »Hier ist die TOLBA. Bitte um Einflugerlaubnis. Gezeichnet Rhodan.«

*

Reginald Bull hielt die Folie in der Hand. Es war ein Ausdruck, mehr nicht, ein altmodisches Hilfsmittel, mit dem er aber immer noch am liebsten arbeitete. Striche und Punkte, angelegt in Linien, die Zusammenfassung eines Funkspruches.

»Wer zum Teufel benutzt heutzutage Morsezeichen?«, knurrte er halblaut. Und wie hatte Perry Rhodan auf einer Frequenz senden können, von der sie gedacht hatten, nur die Leitung des Kastells selbst und die Society of Absent Friends würde sie kennen?

Bull seufzte und stand auf; die Folie ließ er achtlos fallen. Sie würde sich in den folgenden Sekunden von selbst auflösen; ihre Reste würden von der Klimaanlage eingesaugt und einer nächsten Bestimmung zugeführt werden.

Der Resident hatte die gewünschte Einflugerlaubnis erteilt. Die TOLBA, wie das unbekannte Raumschiff hieß, befand sich bereits beim Anlegemanöver. Es wurde Zeit, dass er sich auf den Weg machte, um die Besucher abzuholen.

Perry Rhodan mal wieder ... Aber warum benutzte der alte Freund einen Morsekode? Warum kam er mit einem Raumschiff, dessen Name in keinem Verzeichnis zu finden war?

Homers Gesellschaft abwesender Freunde – sie hat überall ihre Finger im Spiel, und ich weiß bislang nicht, wer alles zu diesem verschrobenen Freundeskreis gehört. Perry aber wohl kaum.

Das Vorgehen war untypisch, und er wurde weder aus der Botschaft schlau noch aus dem Absender. Irgendetwas stimmte nicht. Die unklare Situation wurde nicht dadurch klarer, dass die Menschen auf der Erde ihn für tot hielten.

Rhodan trifft sich mit einem Toten, dachte er sarkastisch, das passt auch.

Er schaute auf sein Multifunktionsarmband. Noch war Zeit für einen kleinen Umweg, aber in wenigen Minuten würde die TOLBA landen. Der Umweg führte Bull zu einer Ausrüstungskammer, wo er sich einen SERUN anlegte.

Kurz bevor er den Zentralschacht des Kastells erreichte, kam ihm Kirte Otorongo entgegen. Der dunkelhäutige Chefmediker grüßte ihn mit einem kurzen Nicken.

»Du hast die Neuigkeit gehört?«, fragte Bull.

»Staatsbesuch.« Otorongo grinste.

Er begleitete Bull ein Stück durch Flure und Antigravschächte. In Stichworten informierte er ihn über den gesundheitlichen Zustand des Utrofaren Nachtaugs Beisohn. Der fremdartige Außerirdische wurde gut umsorgt, alles war zufriedenstellend. Bull berichtete im Gegenzug, dass Rhodan in wenigen Minuten das Kastell betreten würde.

»He!«, sagte Otorongo beschwingt und schien ein ganzes Stück zu wachsen.

Sonderbar, dass bereits der Name Perry Rhodan auf so viele Menschen wie ein Aufputschmittel wirkt, dachte Bull.

»Mich würde übrigens interessieren, woher er die Koordinaten des Kastells hat«, sagte Reginald Bull säuerlich. »Das hier ist schließlich eine Geheimstation ersten Ranges. Vielleicht von Homer G. Adams?«

»Sicher nicht von Homer«, sagte Kirte Otorongo. »Homer hat viel Wert darauf gelegt, die offiziellen Größen aus seinen Planungen herauszuhalten.«

»Sie zu unterlaufen«, verbesserte Bull mit einem Rest von Grimm. Adams' geheimniskrämerische Personalpolitik hatte ihn nicht nur einmal geärgert. Sie hatte sich aber, wie Bull zugeben musste, mit ihrem Kalkül bewährt, nichts und niemanden ins Vertrauen zu ziehen.

Otorongo tippte auf ein Sensorfeld seines Medo-Operators, den er an der linken Hand trug. Mit diesem Gerät diagnostizierte er normalerweise, nahm chirurgische Eingriffe vor oder generierte passende Medikamente. Nun aktivierte er den Kommunikationsmodus und ließ sich ein Bild der TOLBA in das kleine Holofeld spielen. Er betrachtete das Bild im Gehen und summte eine berückend schöne Melodie vor sich hin.

Wie immer, wenn er sich konzentriert, dachte Bull.

Und wie immer würde Otorongo diese Melodie gleich darauf vergessen haben.

Der Mediker spitzte kurz die Lippen und schaute nachdenklich aus der Höhe seiner 1,98 Meter Körpergröße auf Bull hinunter. »Ein merkwürdiges Schiff, mit dem Rhodan uns beehrt.«

»Perry hatte immer schon ein Faible für merkwürdige Schiffe«, sagte Bull.

Otorongo warf ihm einen forschenden Blick zu. Wäre seine Haut nicht ebenholzschwarz gewesen, hätte man meinen können, einen Ara vor sich zu haben.

»Möchtest du, dass ich dich begleite? Vielleicht erwartet er ein Empfangskomitee.«

»Ich bin sein Empfangskomitee«, entschied Bull nach kurzer Überlegung. Dann erhob er seine Stimme ein wenig. »OTHERWISE? Hat die TOLBA ihr Anlegemanöver angeschlossen?«

»Ja«, sagte die Zentralbiopositronik des Kastells. »Ich habe eine Prallfeldblase über dem Landeplatz errichtet. Rhodan kann aussteigen.«

*

Kurz darauf stand Bull auf dem Dach des Kastells. Die rötliche Scheibe des Riesenplaneten Jupiter füllte seinen Gesichtskreis fast zur Hälfte aus. Der Eingang zum Zentralschacht schloss sich hinter ihm. Das unsichtbare Prallfeld schützte die Luftblase.

Dass Bull dennoch einen SERUN trug, war bloß der Vorsicht geschuldet. Der Anzug würde im Notfall binnen eines Sekundenbruchteils das Helmsegment entfalten und seinen Kopf schützen.

Natürlich hätte er Rhodan und sein Schiff auch im Vakuum empfangen können. Aber der Aufwand, die Prallfeldhaube mit Luft zu fluten, war gering, und Bull hielt es für eine nette Idee von OTHERWISE. So würde er Rhodan von Angesicht zu Angesicht begrüßen können.

Da war die TOLBA. Die Ortung in der Zentrale des Kastells hatte ihnen ein gerechnetes Bild gezeigt. Nun, leibhaftig, wirkte das Schiff, mit dem Rhodan ins Solsystem zurückkehrte, noch befremdlicher.

Jemand in der Zentrale hatte es das Goldfischglas getauft. Nicht ganz zutreffend, aber suggestiv. Tatsächlich war das Schiff aus zwei Komponenten aufgebaut: Da war die äußere, völlig transparente Kugel, die 110 Meter durchmaß. In dieser Kugel schwamm eine zweite, kleinere Kugel mit einem Durchmesser von 75 Metern.

Bull kniff die Augen zusammen: Ja, sie schwamm tatsächlich; sie driftete kaum merklich mal in die eine, mal in die andere Richtung, wie von den unsichtbaren Strömungen in ihrem kristallklaren Medium getrieben.

Sonst tat sich nichts.

Oder? Täuschte er sich, oder sank die innere Kugel allmählich ab?

»Was geht in der TOLBA vor?«, fragte er den SERUN.

Der SERUN bestätigte seine Vermutung. Die innere Kugel sank, wenn auch quälend langsam, wie durch zähes Gelee.

Bull überlegte, ob er versuchen sollte, Rhodan über den SERUN anzufunken und zu begrüßen. Nein. Er würde keine Ungeduld zeigen. Keine Schwäche.

Vielleicht wurde er aus der TOLBA beobachtet. Er wandte seinen Blick so demonstrativ wie möglich von dem Schiff ab und schaute sich um. Die TOLBA lag wie eingebettet in eine alles umfassende Nacht. Als wäre das ganze Universum mit Blindheit geschlagen. Nicht einmal die Matrix war sichtbar. Licht brauchte es in den Abgründen des größten Gerüstes nicht, das die Menschheit je gebaut hatte; in den Tiefen der Matrix arbeiteten nur Maschinen, deren Energieemissionen den Betrieb des Kastells nebenbei bestens kaschierten. Diese Maschinen verfügten über bessere und genauere Möglichkeiten, sich zu orientieren, als mit lichtempfindlichen Augen.

Nicht nur in der Matrix herrschte Finsternis. Sol lag unter der Fimbulkruste verborgen, einer undurchdringlichen Schicht aus ephemerer Materie. Ob dieser Anblick Rhodan schockiert hatte? Bull glaubte, den Blick seiner grauen Augen zu spüren, wenn er ihn fragen würde: Was hast du mit der Sonne gemacht, Dicker?

Was hatte er gemacht? Zulassen müssen, dass die Spenta ihre Folie um den Stern gelegt hatten, aber nicht zugelassen, dass das Leben auf den Planeten starb. Terra und die anderen bewohnten Planeten und Monde wurden von Kunstsonnen am Leben erhalten; allerdings verstrahlten diese Sonnen ihr Licht nicht unökonomisch in den leeren Raum, sondern schickten ihre elektromagnetischen Wellen so gezielt wie möglich zu den Oberflächen der licht- und wärmebedürftigen Welten.

Eine ingenieurtechnische Meisterleistung, wie auch die Rekonstruktion Ganymeds eine sein sollte.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte bauten die Menschen einen Himmelskörper. Sie rekonstruierten den während der Jupiterkrise zerstörten Mond. Die Matrix war ein Geflecht, eine Art Rundkäfig, in den die Gesteinsernte eingebracht wurde. Nicht nur die zersprengten Reste des Originalmondes wurden dort versammelt und neu verdichtet: Auch aus dem Asteroidengürtel und der Oort'schen Wolke traf Baumaterial ein, wurde sortiert, im Orbit um die Matrix geparkt und Paket um Paket einsortiert. Da und dort operierten die Baumeister des neuen Mondes mit Traktorstrahlen; meist aber bedienten sie sich der gravitativen Kräfte, um die Massen zusammen- und an den vorbestimmten Ort zu führen.

Auch nach der Versetzung des Solsystems in den fremdartigen Raum war die Rekonstruktion zu keinem Zeitpunkt zum Erliegen gekommen. Die Stauchung des Raumes um das Solsystem war für die Mondbauer beinahe ein Glücksfall: Die Gesteinsbrocken der Oort'schen Wolke waren tiefer in das Sonnensystem gepresst und damit näher an die Jupiterbahn gerückt worden.

Die automatischen Kollektoren hatten sich ohne Verzögerung umgestellt.

Für den Außenstehenden musste das Kastell wie ein Teil der Baumasse wirken: Das fassförmige Gebilde von einhundert Metern Höhe, das an seiner dicksten Stelle 80 Meter erreichte, an seinen verjüngten Enden noch 60 Meter, befand sich in der Kaverne eines elliptischen Asteroiden. Der Brocken maß drei Kilometer in der Länge und war bis zu 500 Meter breit; seine Position lag ziemlich exakt zwanzig Kilometer senkrecht unterhalb von Galileo City, der Hauptstadt des alten Ganymed, die nun der Matrix aufsaß wie ein strahlendes Diadem.

Bull überlegte, ob Rhodan die Matrix im Anflug so gesehen hatte: als weitgehend lichtlose Sphäre, von einer erleuchteten Stadt gekrönt.

Die innere TOLBA war mittlerweile kaum zwei Meter vom Boden der äußeren Schale entfernt und rückte nun nach vorne, bis die innere Hülle mit der äußeren verschmolz.

In der Wandung der inneren Kugel bildete sich ein ovales Portal, aus dem eine weiße, schaumige Masse floss, die sich sanft nach unten verbreiterte. Die Masse schlug langsame Wellen; die Wellen gerannen zu Stufen.

Bull sah zu, wie sich die Schaummasse in eine Freitreppe verwandelte, die nichts Amorphes mehr an sich hatte, sondern wie aus Marmor gefertigt dalag, weiß, durchzogen von einem feinen hellgrünen Geäder, das, wenn Bull sich nicht täuschte, ein wenig aus sich heraus leuchtete.

2.

»Überrascht?«

Bull kniff die Augen zusammen, während der Greis die Freitreppe herunterschritt. Seine Bewegungen wirkten bedächtig, aber bei keinem Schritt unsicher. Haare und Bart waren schlohweiß; das Gesicht von unzähligen Falten gezeichnet.

Dann hatte er den Boden des Landefeldes erreicht.

Er ging gebückt, und Schritt für Schritt, den er tat, kam Bull ihm entgegen.

Sie blieben eine Armlänge voreinander stehen. Bull betrachtete die gekrümmte Gestalt. Gut möglich, dass Rhodan ihn, wenn er sich aufgerichtet hätte, um Haupteslänge überragen würde.

»Überrascht?«, fragte der Alte und schaute Bull aus klaren, frappierend jungen Augen an. Die Augen erinnerten Bull eher an Mondras als an Perrys Augen.

»Guten Tag, Delorian«, entgegnete Bull. »Wir haben uns alle gefragt, woher du die Koordinaten des Kastells hast.«

»Und was habt ihr euch geantwortet?«, fragte Delorian amüsiert.

Bull trat ein wenig zur Seite und betrachtete die TOLBA. »Wahrscheinlich besitzt dein Schiff einfach einen allwissenden Rechner, einen automatischen Langstreckentelepathen oder was auch immer zur üblichen Ausstattung des Dienstfahrzeugs gehört, wenn man Chronist von ES ist.«

»Ich verstehe mich lange schon nicht mehr als Chronist von ES«, sagte Delorian.

»Oh«, machte Bull. »Hat man dir gekündigt? Oder bist du befördert worden?«

Delorian streckte den Arm aus und tippte Bull wortlos gegen die Schulter – dort, wo der Zellaktivatorchip implantiert lag. »Reden wir nicht über Dienstverhältnisse.«

»Okay«, sagte Bull. Er lächelte unfreundlich. »Entschuldige bitte. Eine alte, dumme Angewohnheit von mir: Bevor ich Gäste in mein Haus lasse, möchte ich gerne wissen, wer sie sind und was sie wollen.«

»Ungebetene Gäste, meinst du«, präzisierte Delorian.

Bull machte eine Geste zum Eingang in den Vertikalschacht, der sich durch das Kastell zog und dort als Hauptverkehrsweg diente. »Da du schon einmal hier bist – willst du nicht nähertreten?«

Delorians Augen funkelten förmlich vor Vergnügen, als er sagte: »Wer vermöchte eine so herzenswarme Einladung auszuschlagen?«

Bull ging voran. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die Freitreppe wieder in die schaumige Masse verwandelte und zurückfloss in die Hülle der TOLBA.

Ob sich die innere Kugel auch wieder auf den Weg machte ins Zentrum der äußeren Blase, sah Bull nicht.

Sie betraten die geräumige Expresskapsel. Während sie nebeneinander den Schacht hinabfuhren, sagte Bull: »Du wirst verstehen, dass ich, als der Morsespruch einkam, einen anderen Rhodan erwartet habe. Perry.«

»Mein Vater ist unabkömmlich«, sagte Delorian. »Er ist unterwegs.«

Bull nickte. »Mit der BASIS.«

Delorian seufzte leise. »Alle Pläne haben sich geändert. Wie es scheint, musst du mit mir vorliebnehmen. Aber du wirst es billigen.«

»Da bist du dir sicher?«, fragte Bull. Es klang schärfer als eigentlich beabsichtigt. »Immerhin wirst du Pläne haben. Man fliegt nicht einfach so, aus purem Zufall, in diese etwas abgelegene Region des Universums, oder? Solange ich nicht in deine Pläne eingeweiht bin oder in die Gründe, die dich hierher geführt haben, kann ich auch nichts gutheißen.«

»Du wirst es billigen, soweit du auf der Seite meines Vaters stehst. Das war doch immer dein Platz, oder? Denn ich werde das tun, was mein Vater immer schon tun wollte, sich aber bislang nicht getraut hat.«

»Und das wäre?«

Delorian schwieg. Nur seine Augen leuchteten auf.

»Verstehe.« Bull fuhr sich knisternd über das kurz geschorene Haar. »Ein Familiengeheimnis derer von Rhodan also.«

Die Kapsel hielt an; die Tür glitt zur Seite. Sie verließen den Schacht. Bull führte Delorian in einen kleinen Konferenzraum. Jemand hatte auf dem Tisch Obst, Gebäck und einige Flaschen mit Wasser und anderen Getränken bereitgestellt – oder hatte es dort nach einer anderen Sitzung vergessen. »Bedien dich«, sagte Bull.

»Was ist das?«, fragte Delorian und zeigte auf eine Banane.

»Eine Banane«, antwortete Bull. Er brach ihm eine der Bananen von der kleinen Staude und reichte sie Delorian.

Delorian nahm sie, strich mit den Fingerspitzen darüber und sagte: »Sie fühlt sich an wie Wachs.«

»Du musst sie schälen«, erklärte Bull. Plötzlich wurde ihm bewusst: »Du bist noch nie auf der Erde gewesen, nicht wahr?« Er schluckte. Perry Rhodans Sohn als Fremdling auf Terra. Dann zeigte er ihm, wie man eine Banane anbrach und die Streifen der Schale abzog.

Delorian tat es ihm nach. »Auf der Erde? Nur gelegentlich«, sagte er leise.

Bull hob fragend die Augenbrauen. »Wann? Wieso?«

»Vertiefen wir es nicht.« Delorian nahm einen ersten Bissen. »Interessant. Nicht sehr saftig, dafür hat es wenig Kerne.«

Bull ließ ihn essen und trinken. Dann sagte er: »Kommen wir zum Geschäft.«

»Ich würde mir gern dein Kastell ansehen«, sagte Delorian.

Bull zögerte einen Moment.

»Ich will keine technischen Einrichtungen sehen«, erläuterte Delorian. »Oder denkst du, ich komme als Industriespion?«

Bull wusste, wie lächerlich eine solche Verdächtigung einem Mann gegenüber war, der über ein Schiff wie die TOLBA verfügte. »Unsinn.«

»Ich möchte die Menschen kennenlernen, die mit dir arbeiten.«

3.

Das utrofarische Gespür

Ich komme nicht weiter, dachte Bull. Seinen Wunsch, im Gegenzug zu Delorians Tour durch das Kastell die TOLBA zu besichtigen, hatte Delorian mehr oder weniger unverhüllt zurückgewiesen: »Heben wir uns das für später auf, Resident.« Auf Bulls wiederholte Frage, woher er die Position des Kastells kannte, hatte Delorian mit einem stummen Lächeln geantwortet.

Delorian war den Besatzungsmitgliedern des Kastells mit großem Interesse begegnet; er hatte Fragen gestellt und hier und da einige Scherze gemacht. Bull dachte: Der Alte kommt bei den Leuten an, kein Zweifel.

Shanda Sarmotte hielt sich erst seit Kurzem im Kastell auf; es hatte Bull ein wenig Überredungskunst gekostet, sie über die Society Of Absent Friends von Terra holen zu lassen.

Delorian hatte mit ihr zunächst nicht anders als mit den anderen gesprochen; erst am Ende ihres Gesprächs hatte er ein entschuldigendes Lächeln aufgesetzt und sie aus seinen hellwachen Augen angestrahlt. »Sei nicht enttäuscht. Ich bin gegen Telepathie sozusagen gefeit. Du hast nichts verpasst. Meine Gedanken sind so alt, manche liegen im Staub. Kein angenehmes mentales Spielfeld für einen jungen Menschen wie dich.«

Bull hatte gesehen, wie Sarmotte leicht errötete. Gegen seinen Willen fühlte er sich selbst ertappt.

Delorian aber ging auf diesen Versuch einer paranormalen Überprüfung durch Sarmotte nicht weiter ein.

Später saßen sie wieder in dem kleinen Konferenzraum. Delorian war seit drei Stunden im Kastell.

Bull schlug kurz mit beiden Händen auf den Tisch. »Also? Warum bist du hier?«

Delorian deutete ein Lächeln an. »Wir sind hier, um gegen die Invasoren zu kämpfen.«

»Wer sind wir?«

»Meine kleine Schar«, sagte Delorian. »Der Bund der Sternwürdigen.«

»Emissär Toufec«, erriet Bull.

Delorian nickte.

Bull fragte: »Und andere, die bereits auf Terra operieren oder die sich noch an Bord der TOLBA aufhalten?«

»Bereits auf der Erde«, gab Delorian, ohne zu zögern, Auskunft.

»Was tun sie dort?«

»Sie führen das Feynman-Kommando aus«, sagte Delorian.

»Erklär mir das!«

Delorian lehnte sich ein wenig zurück. »Erklär du mir erst, wo du stehst: Wirst du dich offen auf unsere Seite stellen oder im Kastell den Gang der Ereignisse abwarten?« Er schaute Bull mit seinen alterslos jungen Augen an. »Fühl dich nicht gedrängt. Entscheide frei. Mir wäre beides recht.«

Bull schüttelte langsam den Kopf. »Delorian. Solange ich nicht weiß, was du mit all deinen Geheimoperationen bezweckst, den Feynmanscharen und Sternwütigen ...«

»Sternwürdigen«

»... solange du deine Mysterien hegst, kann ich doch zu alledem nicht einfach Ja und Amen sagen. Wenn du mir nicht mehr anzubieten hast als Andeutungen und Geraune – dafür bin ich nicht zu haben. Ich ziehe Klartext vor.«

»Bitte entschuldigt die Störung«, erklang plötzlich eine Stimme, die menschlich, aber einen Hauch zu ebenmäßig klang: OTHERWISE.

»Ja?«, fragte Bull.