Perry Rhodan 2517: Die Prototyp-Armee - Arndt Ellmer - ebook

Perry Rhodan 2517: Die Prototyp-Armee ebook

Arndt Ellmer

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Die JULES VERNE erreicht Multika - Atlan auf der Spur geheimer Experimente Auf der Erde und den zahlreichen Planeten in der Milchstraße, auf denen Menschen leben, schreibt man das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung - das entspricht dem Jahr 5050 christlicher Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht in der Galaxis weitestgehend Frieden: Die Sternenreiche arbeiten zusammen daran, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Die Konflikte der Vergangenheit scheinen verschwunden zu sein. Vor allem die Liga Freier Terraner, in der Perry Rhodan das Amt eines Terranischen Residenten trägt, hat sich auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Der aufgefundene Polyport-Hof ITHAFOR stellt eine neue, geheimnisvolle Transport-Technologie zur Verfügung. Gerade als man diese zu entschlüsseln beginnt, dringt eine Macht, die sich Frequenz-Monarchie nennt, in diesen Polyport-Hof vor. Der Angriff kann zumindest zeitweilig zurückgeschlagen werden. Während Perry Rhodan einem Hilferuf der Terraner in das in unbekannter Weite liegende Stardust-System folgt, bricht der unsterbliche Atlan mit der JULES VERNE auf, um mehr über den geheimnisvollen Gegner herauszufinden: In Andromeda stößt er dabei auf DIE PROTOTYPARMEE...

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Nr. 2517

Die Prototyp-Armee

Die JULES VERNE erreicht Multika – Atlan auf der Spur geheimer Experimente

Arndt Ellmer

Auf der Erde und den zahlreichen Planeten in der Milchstraße, auf denen Menschen leben, schreibt man das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung – das entspricht dem Jahr 5050 christlicher Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht in der Galaxis weitestgehend Frieden: Die Sternenreiche arbeiten zusammen daran, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Die Konflikte der Vergangenheit scheinen verschwunden zu sein.

Vor allem die Liga Freier Terraner, in der Perry Rhodan das Amt eines Terranischen Residenten trägt, hat sich auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Der aufgefundene Polyport-Hof ITHAFOR stellt eine neue, geheimnisvolle Transport-Technologie zur Verfügung. Gerade als man diese zu entschlüsseln beginnt, dringt eine Macht, die sich Frequenz-Monarchie nennt, in diesen Polyport-Hof vor. Der Angriff kann zumindest zeitweilig zurückgeschlagen werden.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Unsterbliche lässt das Doppelsternsystem Multika untersuchen.

Dork – Ein Tlunx versucht aus den Fängen der Frequenz-Monarchie zu entkommen.

Ruitort – Der Vatrox durchstöbert das Erbe der Vergangenheit.

Semwat Lenz – Der Captain der Landetruppen wandelt auf den Fährten der Vergangenheit.

Weisnech

1.

»Es ... fängt ... wieder ... an!« Dork versuchte erst gar nicht, seine Furcht zu verbergen. Er lauschte auf das lauter werdende Summen, das aus den Schlitzen an der Decke drang.

Kuike antwortete nicht. Er stand neben der Tür, presste die kleinen Tellerhände gegen die Ohren und schloss die Augen. Der Kopf pendelte hin und her, als wolle er mit der Bewegung die Zeit messen, die bis zum Eintreffen der Darturka verstrich.

»Die Schlächter«, flüsterte Kuike nach einer Weile. »Vielleicht ...«

»Was ...?« Dork brachte nur dieses eine Wort heraus. Die aufsteigende Angst schnürte ihm die Kehle zu. Instinktiv hielt er die Luft an. Sein Gesicht fing an zu glühen.

»Dork, nicht! Nicht die Luft ...!«

Ein Schlag traf seine Schulter und holte ihn von den Beinen. Dork stürzte – Taafun sei Dank dafür, dass Tlunx nicht weit vom Boden entfernt lebten –, fing sich ab und fiel auf den Rücken.

»Denk einfach nicht daran«, zischte Kuike.

Dork blieb reglos liegen, aber als draußen die ersten stampfenden Schritte erklangen, sprang er auf. Die endlosen Tage der Gefangenschaft hatten sein Zeitgefühl durcheinandergebracht.

Im Kunstlicht ihres Gefängnisses gab es keine Nacht und kaum Schlaf. Sie zählten ihre Existenz in Strichen, die Kuike in die Tür geritzt hatte. Jeder Strich ein Tlunx. Zu elft waren sie gewesen, aber die Riesen mit den fischartigen Schädeln und dem Brechreiz hervorrufenden Mundgeruch hatten immer wieder einen von ihnen geholt.

»Hilf mir!«, hauchte Kuike. »Irgendwann muss es uns gelingen, die schlummernden Kräfte zu aktivieren.«

Bisher hatten sie es nicht geschafft. Einer nach dem anderen war abgeholt worden, ohne dass sie etwas ausgerichtet hatten. Darturka schienen nicht nur immun gegen aktiv auf sie angewendete Parakräfte, sondern auch Fähigkeiten wie Niveauwechseln und Gestaltwandeln, die sich nicht direkt auf sie bezogen, funktionierten in ihrer Nähe nicht.

Erste bellende Befehle klangen durch den Korridor. Die blecherne Stimme des Robotwächters erklang.

»Gut«, sagte Dork, »los, zusammen, ein letztes Mal.« Er versuchte sich zusammenzureißen, so gut es ging, aber das Zittern seiner Finger ließ sich nicht abstellen. Er barg die Hände hinter dem Körper, überschlug seine Chancen, zwischen den hohen Beinen der Häscher hindurchzuschlüpfen und irgendwie hinter den Roboter zu gelangen, wo dieser ihn mit seinen Waffenarmen nicht erreichen konnte, ohne sich selbst zu zerstören.

Sie konzentrierten sich. Das gemeinsame Wahrnehmen von Energieströmen paramechanischen Ursprungs gehörte zu ihrem Leben wie die Luft zum Atmen. Es gelang ihnen schwach, als steckten sie unter einer wattierten Haube. Dork glaubte, dass es tatsächlich der Fall war, aber solange sich die Darturka ebenfalls unter ihr aufhielten, hätten sie einen winzigen Erfolg erzielen müssen.

So aber blieb ihnen nur das Gefühl der Ohnmacht.

Dork ächzte leise. Aus den schräg stehenden Augen floss Tränenflüssigkeit seitlich ab, rann an den Wangenknochen abwärts bis zum hochgestellten Schwammkragen. Lange hielt er die Konzentration nicht mehr durch. Dumpfe Leere wollte sich in seinem Bewusstsein ausbreiten, noch gelang es ihm, sie fernzuhalten.

Draußen verstummte der Lärm. Dork ließ sich von der plötzlichen Stille ablenken, was ihm ein ärgerliches Brummen Kuikes einbrachte. Ein Luftzug entstand, als die schwere Tür ihres Gefängnisses lautlos zur Seite glitt.

Jetzt!, dachte Dork und spürte die Emotionen des Kameraden. Kuike war zu allem entschlossen.

Es blieb still und fing an zu stinken. Dork öffnete vorsichtig ein Auge: Er sah ein Gebirge vor sich, einen Darturka-Körper, der bis zur Decke reichte. Einer der baumdicken Arme schob sich zeitlupenhaft in den Raum und packte Kuike. Die unsichtbaren Fäden zu Dork zerrissen lautlos.

Kuike schoss durch die Luft, knallte gegen den Körper des Riesen und landete unsanft draußen auf dem Boden.

Das dumpfe Geräusch führte Dork vor Augen, dass es gegen die Häscher keine Möglichkeit erfolgreicher Gegenwehr gab.

Böse Wesen, hirnlose Wesen ... was wollten sie von den Tlunx? Und wieso gebärdeten sie sich wie Feinde?

In seiner Verzweiflung schob er alle Bedenken zur Seite und wollte sich auf den Darturka werfen, aber der Riese schien seine Absicht zu ahnen. Eine leichte, kaum erkennbare Armbewegung schleuderte den Tlunx zur Seite. Er prallte mit dem Kopf gegen die Wand. Das Gefängnis verwandelte sich in ein Meer aus Sternen, das sich nur zögerlich auflöste.

Als die letzten Novae und Supernovae verblassten, fand Dork sich allein in dem Raum. Die Tür hatte sich geschlossen.

Es ist nur ein böser Traum, versuchte er sich einzureden. Der Gestank belehrte ihn eines Besseren. Es war die Wirklichkeit.

Kuike fehlte.

Eine kleine Lache glänzte am Boden, deren Geruch nach und nach den Gestank der Darturka überlagerte.

»Kuike!«

In das Stampfen der Riesen draußen mischten sich die Angstschreie des Tlunx. »Dork! Hilf mir, Dork!«

Dork versuchte sich zu konzentrieren, aber es klappte nicht.

Ich bin ein Versager!

Er hielt sich die winzigen Ohrmuscheln zu, weil er die Schreie nicht ertragen konnte. Als es endlich still wurde, lehnte er sich mit der Stirn gegen das kalte Metall der Tür.

Er hatte die ganze Zeit gehofft, dass sie Kuike holen würden und nicht ihn. Jetzt bedauerte er es. Kuike hatte es bald hinter sich. Er hingegen steckte noch immer in dieser Zelle voller Angstgeruch.

2.

Das blau strahlende Oval schwebte in der Luft – zwei Meter lang und eineinhalb Meter breit bei einer Dicke von wenigen Millimetern.

Die Fingerspitzen Tristan Kasoms steckten in dem blauen Material, die Finger bewegten sich, als seien es eigenständige Lebewesen. Ab und zu durchlief sie ein Zittern wie von elektrischen Schlägen. Ihre Konturen verwischten sich ein wenig, erhielten ein gezacktes Muster wie bei einer Schuppenoberfläche.

Für einen Augenblick fror jede Bewegung ein, als würde die Zeit den Atem anhalten. Dann schnellten die Finger blitzschnell auf mich zu.

Ich wollte mich zur Seite werfen, aber mein Körper schien plötzlich in dickem Sirup zu stecken. Die Tentakel verwandelten sich in die Arme eines Maahks, der mich durch die Helmscheibe seines Druckanzugs anstarrte.

Narr!, vernahm ich die lautlose Stimme meines Extrasinns. Deine Fantasie geht mit dir durch! Wieder einmal!

Ich blinzelte die Eindrücke weg. Tatsächlich befanden sich die Fingerspitzen des Ertrusers noch immer dort, wo sie sein sollten, halb eingesunken in das Material, das gleichzeitig eine energetische und eine feststoffliche Eigenschaft besaß. Die Scheibe mit der Trafitron-Steuerung stellte über die Nervenbahnen der Finger und Arme eine Verbindung zum Gehirn des 2,56 Meter großen Riesen her, der mit geschlossenen Augen vor ihr stand.

Es ist nicht allein die Fantasie, antwortete ich lautlos. Es sind die Erinnerungen, die mich überwältigen.

Der Methankrieg vor fast 13.000 Jahren ... Damals hatten die aus Andromeda vertriebenen Maahks unser Großes Imperium an den Rand des Untergangs gedrängt. Nur einer neuen Superwaffe war es zu verdanken gewesen, dass die Arkoniden überlebt und im Gegenzug die Maahks beinahe ausgelöscht hatten. Die Superintelligenz ES hatte mir damals die Baupläne für die Konverterkanone förmlich aufgedrängt.

Fast schien es mir, als sei das erst gestern gewesen ...

Aus Hathorjan – Andromeda – drohte erneut Gefahr für die Milchstraße, nicht von den Maahks oder den Tefrodern, sondern von vollkommen Fremden, die sich in der Spiralgalaxis eingenistet hatten. Wir hatten ungefähr eine Vorstellung, wo sie sich aufhielten: im Sternhaufen Bengar, 4500 Lichtjahre von Tefrod entfernt.

Ich wischte den Gedanken zur Seite und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf den Kommandanten der JULES VERNE. Wie ein Gebirge ragte der Ertruser auf. Nach einer Weile hob Kasom die Lider. Der Blick aus seinen eisgrauen Augen jagte selbst mir einen leichten Schauer über den Rücken. Ein wenig erinnerte mich sein Blick an den Perrys, nur war der des Ertrusers unerbittlicher.

»In dreißig Sekunden kehren wir in den Normalraum zurück. Entfernung zum Flugziel Multika 500 Lichtjahre.«

Ich senkte zustimmend den Kopf. 500 Lichtjahre, das war nah genug, um unauffällig Emissionen und Funkverkehr aufzufangen, und weit genug, um selbst nicht geortet zu werden. Je mehr wir bei unserer Ankunft über das Zielgebiet wussten, desto besser war es für die Sicherheit des Schiffes und seiner Besatzung.

Ich schaute hinüber zum Holo-Globus. Im Hauptring der 17 Meter hohen Projektion war es noch dunkel. Digitale Ziffern zählten von 30 rückwärts, und bei Null explodierte die gleißende Sternenflut des galaktischen Zentrums darin.

»Objektortung negativ«, hörte ich die leise Stimme von Shaline Pextrel. »Emissionsortung ebenfalls negativ. Die Daten der Fernortung stelle ich euch in den Globus.«

Viel war es nicht. Das Doppelsternsystem besaß fünf Planeten. Funkverkehr existierte ebenso wenig wie andere typische Anzeichen einer aktiven Zivilisation. Dieses System innerhalb der 20.000 Lichtjahre durchmessenden Zentrumszone war nach wie vor unbesiedelt.

»Willst du es mit dem Meta-Orter ...«

Die Leiterin der Funk- und Ortungsabteilung unterbrach mich mit einem heftigen Kopfschütteln und einem nachsichtigen Blick. »Negativ.«

Wir waren so schlau wie zuvor. Das Holoin-Fünfeck hatte sich als Fehlschlag erwiesen. Je mehr Sterne ein Sonnentransmitter besaß, desto schwieriger gestaltete sich im Zeitalter der erhöhten Hyperimpedanz die Feinjustierung der Anlage. Nach unserem Vorbereitungsbesuch bei Chemtenz, wo der von ZEUT-80 geschaffene Halbraumtunnel des Situationstransmitters enden würde, waren wir zum Gercksvira-Fünfeck weitergeflogen. Dieses hatte sich ebenfalls als Fehlschlag erwiesen. Nachdem die NAUTILUS II abgesetzt worden war, um auf Halpat die Andromeda-Haluter zu besuchen, wurde das nächste Ziel angesteuert: Multika.

Vielleicht erwies sich das Multika-Duo als Joker – ein Sonnentransmitter aus zwei Sternen mit fünf Planeten. Doch womöglich passte der Joker gar nicht ins Spiel: Multika war keiner der alten lemurischen Transmitter. Es gab auf der Oberfläche des sogenannten Justierungsplaneten keine Pyramiden oder vergleichbare Anlagen.

Vielleicht existieren die Steuerungsanlagen nicht einmal mehr, überlegte ich. Logisch wäre, dass sie den letzten tefrodischen Aufräumkommandos im Auftrag der Meister der Insel zum Opfer gefallen sind.

Damals, Anfang des Jahres 2406 alter Zeitrechnung ... Die Emotionen in mir kochten noch weiter hoch.

Ein Gesicht tauchte vor meinem geistigen Auge auf, dank meines fotografischen Gedächtnisses so realistisch wie bei unserer ersten Begegnung: schön und ebenmäßig, mit einem verführerischen Lächeln – aber einem kalten Leuchten in den Augen. Mirona Thetin, die Tamrätin. Sie hatte sich als Faktor I jener Verbrecherclique entpuppt, die wir als Meister der Insel gekannt hatten. Mehr als zweieinhalb Jahrtausende lag das zurück.

Mühsam verdrängte ich das Bild, das sich mit Widerhaken in meinem Bewusstsein festklammerte.

»Atlan, wie lautet deine Entscheidung?«, wollte Kasom wissen.

»Theoretisch könnten wir zu dem Transmitter des Wracksystems ausweichen, das 3219 Lichtjahre entfernt liegt. Aber es ist von Tefrodern bewohnt und scheidet damit vorerst aus.«

Zwar hatten die Gaids uns schon in Kampfhandlungen verwickelt, und es stand zu erwarten, dass sich das Auftauchen eines Hantelschiffs irgendwann herumsprechen würde.

Aber ich wollte die Ankunft der JULES VERNE wenigstens so lange geheim halten, bis wir genauere Kenntnisse über die Frequenz-Monarchie gewonnen und Verstärkung durch die Flotte des Galaktikums bekommen hatten.

Ich nickte dem Ertruser zu. »Anflug auf Multika. Eine Etappe. Bei der Ankunft aktivieren wir den Paros-Schattenschirm.«

*

»Was machst du da?«, wollte Coubertin wissen.

Semwat Lenz, seines Zeichens Captain bei den Landetruppen, blickte hastig auf. »Ich sehe mir die Nahaufnahmen des Multika-Systems an.«

»Die Konstellation stimmt nicht mit der überein, die unsere Fernorter übermitteln.«

Lenz spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Wütend starrte er den semibionischen Roboter an. Coubertin besaß einen birnenförmigen Rumpf, kurze, aber durchaus menschliche Beine und einen Kopf, der an eine dreißig Zentimeter hohe Kartoffel erinnerte. Irgendwelche Scherzbolde hatten an Füllmasse gespart, sodass die künstliche Haut sich eng um das Metall spannte und dem Kopf im Gegensatz zum eher fülligen Körper das Aussehen eines Totenkopfs verlieh.

Vielleicht sollte er dem Roboter einen Hut ...

»Die Konstellation – na und?«, antwortete er.

»Warum interessierst du dich dafür? Ausgerechnet du?«

»Das geht dich nichts an!« Es juckte Lenz in den Fingern, kurzerhand die Programmierung des Roboters zu ändern. Stattdessen kratzte er sich an der Nasenspitze – wie immer, wenn er nervös war. Reiß dich zusammen, Semwat, sagte er sich. Sonst kannst du gleich nach Hause fliegen.

Wegen überreizter Nerven nicht einsatzbereit. Das hätte ihm gerade noch gefehlt!

»Ich meine ja nur, Captain!« Der Sembro verlor den Bodenkontakt und umkreiste den Tisch und den Projektor wie ein Raubtier. »Du schaust dir die Konstellation vom 9. April 2404 nach Christus an. Damals fanden auf der Oberfläche von Multika die ersten Kämpfe statt.«

»Stimmt.« Lenz senkte den Kopf und machte ein paar handschriftliche Vermerke auf der Tischplatte. Die eingebauten Sensoren übertrugen es in die Mikropositronik des SERUNS, der einsatzbereit an der Wand des sechs mal sechs Meter messenden Zimmers lehnte.

Die Abwehrsysteme Multikas hatten die CREST III damals aus dem Halbraum geholt und durch eine Art Transmitterkanal in das Materialisationsfeld des Multika-Sonnentransmitters befördert. Anschließend hatten sie das Schiff mithilfe eines Saugfelds zum dritten Planeten gezogen.

»Bestimmt hast du alle Aufzeichnungen der Ereignisse von damals gelesen, Captain.«

»Natürlich.« Die Erkundungstrupps hatten Multiduplikatoren von bis dahin unbekannter Bauform entdeckt und zerstört. »Den Namen Multika hat übrigens Icho Tolot dieser Welt gegeben. Und weißt du, wer damals die tausend Mann des Landekommandos befehligte?«

»Selbstverständlich. Melbar Kasom von der USO.«

Der Roboter konnte diese Information nur von NEMO haben. Sie gehörte nicht zu den Standardinhalten seiner Datenspeicher.

Coubertin schien auf eine Frage zu warten. Zumindest verstand Lenz das Verhalten seines Roboters so, der abwartend vor ihm hängen blieb. Als der Captain noch immer schwieg, gab die Maschine so etwas wie ein Seufzen von sich.

»Die JULES VERNE hat eine Kopie des betreffenden Datensektors der Mondpositronik an Bord, NATHAN-Historienspeicher genannt«, sagte Coubertin. »Wieso interessierst du dich derart für Kasoms Aktivität auf Multika?«

»Ich ...« Im letzten Augenblick erkannte Lenz die geschickt gestellte Falle. Der Roboter wollte ihm eine Information entlocken, die er nicht bereit war herauszugeben.

»Wie kommst du auf Kasom?«

Coubertin schien ihm nicht zuzuhören. »Kommandant Tristan Kasom ist weder mit Melbar Kasom und Toronar Kasom verwandt noch mit Tauro Kasom und Firud Kasom.«

»Und wennschon!« Irgendwie fand Lenz das merkwürdig. Wie viele terranische Familien mit Nachnamen Kasom waren damals nach Ertrus ausgewandert? Überhaupt, wieso hießen keine der dort ansässigen Familien Jones, Muller oder Wang, sondern Kasom, Esprot, Alburs, Kreyn, Masut, Rutan, Tasmaene?

Er musterte wieder den Holoschirm mit dem Archivmaterial. »Ich muss es ihm irgendwie beibringen.«

»Du meinst Tristan? Oder gar Atlan? Dann beeil dich, Captain! Wenn sie in der Zentrale erst einmal mit den Steueranlagen des Sonnentransmitters beschäftigt sind, hört dir keiner mehr zu.«

Wie wahr!, dachte Lenz und aktivierte das Funkgerät des Positroniksystems.

»Captain Semwat Lenz mit einer wichtigen Frage an die Einsatzleitung!«

*

»Schiff klar zum Gefecht!«