Perry Rhodan 2507: In der Halbspur-Domäne - Arndt Ellmer - ebook

Perry Rhodan 2507: In der Halbspur-Domäne ebook

Arndt Ellmer

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Sie suchen den Heimweg - und treffen auf alte Bekannte Auf der Erde und den zahlreichen Planeten in der Milchstraße, auf denen Menschen leben, schreibt man das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung - das entspricht dem Jahr 5050 christlicher Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht in der Galaxis weitestgehend Frieden: Die Sternenreiche arbeiten daran, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Die Konflikte der Vergangenheit scheinen verschwunden zu sein. Vor allem die Liga Freier Terraner, in der Perry Rhodan das Amt eines Terranischen Residenten trägt, hat sich auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Der aufgefundene Polyport-Hof ITHAFOR stellt eine neue, geheimnisvolle Transport-Technologie zur Verfügung. Gerade als man diese zu entschlüsseln beginnt, dringt eine Macht, die sich Frequenz-Monarchie nennt, in diesen Polyport-Hof vor, kann aber zumindest zeitweilig zurückgeschlagen werden. Perry Rhodan wird zum Erben der " Halbspur-Changeure " erhoben, die sich nicht gegen die Feinde wehren können, und muss erkennen, dass nur sein Sieg auch Terras Sicherheit gewährleisten kann. Von der Heimatwelt der Halbspur-Changeure flieht er nach OROLOGION, einem Transporthof IN DER HALBSPUR-DOMÄNE...

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Nr. 2507

In der Halbspur-Domäne

Sie suchen den Heimweg – und treffen auf alte Bekannte

Arndt Ellmer

Auf der Erde und den zahlreichen Planeten in der Milchstraße, auf denen Menschen leben, schreibt man das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung – das entspricht dem Jahr 5050 christlicher Zeitrechnung. Seit über hundert Jahren herrscht in der Galaxis weitestgehend Frieden: Die Sternenreiche arbeiten zusammen daran, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Die Konflikte der Vergangenheit scheinen verschwunden zu sein.

Vor allem die Liga Freier Terraner, in der Perry Rhodan das Amt eines Terranischen Residenten trägt, hat sich auf Forschung und Wissenschaft konzentriert. Der aufgefundene Polyport-Hof ITHAFOR stellt eine neue, geheimnisvolle Transport-Technologie zur Verfügung. Gerade als man diese zu entschlüsseln beginnt, dringt eine Macht, die sich Frequenz-Monarchie nennt, in diesen Polyport-Hof vor, kann aber zumindest zeitweilig zurückgeschlagen werden.

Die Hauptpersonen des Romans

Perry Rhodan – Der Terraner begegnet alten Bekannten.

Galhamo Ciono – Der Acroni versucht die Verteidigung von OROLOGION zu gewährleisten.

Icho Tolot – Der Haluter muss diesmal zurückbleiben.

Grek-1

1.

Im Kamin zwischen zwei Polyport-Höfen, irgendwo ...

»Ist das nicht wundervoll, Perry?«

Rhodan blinzelte in die grellen Lichter des Universums, die sich auf seiner Helmscheibe spiegelten. Aus dem Nichts entstanden Galaxien, andere kehrten ins Nichts zurück. Sterne und Planeten wurden geboren oder starben – Augenblicke nur in seiner Wahrnehmung, aber kosmisch ebenso bedeutend wie das entstehende Schwarze Loch, das sich in sein Blickfeld schob. Seltsam mutete der kontrahierende, exakt kreisrunde und lichtlose Schlund an, umkränzt von einer Wolke heller Materie.

Das Schwarze Loch verharrte kurz am obersten Punkt der Wölbung, ehe es abwärts wanderte und im Helmkragen verschwand, als sei es ein Teil von ihm selbst oder zumindest von seiner Ausrüstung – ein fremdartiges Gefühl und doch irgendwie vertraut ... Rhodan erschauerte leicht, und eine Gänsehaut lief seinen Rücken hinab. Gleichzeitig empfand er es als durchaus angenehm.

»Ja«, antwortete er Mondra Diamond. »Es ist – unbeschreiblich.«

Das Atmen des Universums, Geburt und Tod von Galaxienclustern im Rhythmus seines eigenen Pulsschlags machten ihm bewusst, dass alles in dieser Welt aus ein und demselben Stoff geschaffen worden war, in diesem Moment geschaffen wurde oder irgendwann geschaffen werden würde.

Angesichts dieser Offenbarung, wie sie gewöhnlich nur wenigen Lebewesen des Kosmos zuteilwurde, kam Rhodan sich winzig und unbedeutend vor. Er fühlte sich kleiner als ein Sandkorn, kleiner als ein Atom. Ein Nichts?

Selbst das Nichts erhielt in dieser genialen Schöpfung eine Bedeutung.

Zu viert, wenn man Ramoz mitzählte, steckten sie mitten in diesem Augenblick der Ewigkeit, auf einer Reise durch einen höherdimensionalen Zwischenraum und in einem Vehikel namens MIKRU-JON. Icho Tolot, der Haluter, ragte hinter ihnen auf, gekleidet in seinen roten Kampfanzug. Und zwischen Mondras Unterschenkel und den Standfuß des Formenergieschemels quetschte sich das luchsartige Geschöpf, das auf den Namen Ramoz hörte.

Das in drei Teile zerlegte Kleinschiff wanderte zwischen den Galaxien entlang und folgte einem unsichtbaren, nicht zu messenden Zugstrahl, der es durch das noch immer ungewohnte Polyport-Netz beförderte. Der Polyport-Hof PERISTERA lag hinter ihnen. Irgendwo in Bewegungsrichtung existierte ein anderer Transporthof mit dem Namen OROLOGION, das Ziel ihrer Reise.

Ob Bewegungsrichtung der korrekte Begriff dafür ist?, überlegte der Terraner. Gibt es hier so etwas wie eine Richtung?

Jede Reise von einem Polyport-Hof zum anderen begann in einem sogenannten Transferkamin, einer Röhre mit kreisförmigem Grundriss, in der sich das Transportfahrzeug vorwärts bewegte. Nach wenigen Minuten verschwanden die Begrenzungen im Innern des Kamins. Um die Reisenden in ihrem Fahrzeug offenbarte sich ein Universum voller Wunder und Geheimnisse. Oben und Unten, Vorn und Hinten, Links und Rechts verloren ihre Bedeutung.

Rhodan entspiegelte den Helm und konzentrierte sich auf den unmittelbaren Anblick dessen, was die Hologrammprojektoren von MIKRU-JON von außerhalb des Kommandoteils übertrugen. Ein Kaleidoskop aus Galaxien bewegte sich um das kleine Schiff herum. Sie pulsierten rhythmisch, leuchteten grell auf, als wollten sie ihm Lebenszeichen geben, ehe sie Augenblicke später wieder verschwanden.

Das Universum bot den Insassen des Schiffes innerhalb kurzer Zeit ein unglaubliches Naturschauspiel dar, ein Kommen und Gehen, ein Erwachen und Einschlafen, ein ewiges Geborenwerden und Sterben. Es dehnte sich aus und zog sich zusammen. In völlig anderen Konstellationen kehrte es zurück, ein immerwährendes Auf und Ab.

Rhodan sah Spiralgalaxien, die zaghaft ihre Arme ausstreckten, während die galaktischen Zentren ungeduldig-hastig Materie ins All pumpten, als ginge ihnen das alles nicht schnell genug.

Weiter hinten – eine ausgesprochen vage und eigentlich haltlose Ortsangabe – ballten sich im Zeitraffertempo Staubwolken zu heißen Gasgebilden zusammen und schleuderten in anhaltenden Eruptionen Gammastrahlung von sich.

War es Vergangenheit, was er und seine Begleiter sahen? Oder Zukunft?

Vermutlich bleibt es bei jedem Transfer ein kurzer Ausschnitt der Schöpfung aus irgendeiner Zeit ...

Die Mikropositroniken der SERUNS speicherten alles ab. Rhodan und seine Gefährten wussten längst, dass es nie derselbe Abschnitt aus Äonen war, den sie zu Gesicht bekamen.

Eine ungewohnt grelle Sonnenprotuberanz schleuderte ihm entgegen. Instinktiv zuckte er zurück und landete in der Realität bei einer grollenden Stimme, die von der Wandung der zehn Meter durchmessenden Zentrale widerhallte.

»Rhodanos, das Schiff verstärkt soeben seine Schirmsysteme.«

Haluter drückten ihre Gefühle der Freundschaft und Hochachtung gegenüber anderen Lebewesen durch das Anhängen der Endung »-os« an einen Namen aus. Zwischen Icho Tolot und seinen alten terranischen Gefährten existierte diese Gepflogenheit seit Jahrtausenden und beruhte auf Gegenseitigkeit.

»Danke, Tolotos!« Rhodan fragte sich, ob das in drei Teile zerlegte Schiff Informationen über die Zielstation besaß, die er noch nicht kannte. »Mikru, welchen Grund gibt es dafür?«

Insgeheim erwartete er, dass die Gestalt einer kleinen, zerbrechlich wirkenden Terranerin vor ihm auftauchte – die Projektion des Schiffes, die sich Mikru nannte und sich bald nach dem Verlassen von PERISTERA aufgelöst hatte. Er wurde enttäuscht. In seinem Helm erklang lediglich die männlich tiefe Bassstimme des Wesens.

»Es liegt kein bestimmter Grund vor«, antwortete das Schiff in der Sprache der Mächtigen. »Ich treffe zusätzliche Vorkehrungen zu unserem Schutz.«

*

Acht Minuten reisten sie inzwischen durch den unsichtbaren Schlauch. Die Ungewissheit flog mit, da gab Perry Rhodan sich keinen Illusionen hin. Wie hypnotisiert starrte er auf die Zeitanzeige des Multifunktionsarmbands, deren Ziffern sich mühsam voranschleppten. Nach einer Weile merkte er, dass Mondra Diamond ihn beobachtete.

»Geduld ist nicht deine Sache«, sagte sie. In ihrer Stimme schwang jede Menge Nachsicht mit.

»In PERISTERA haben wir zwei Tage verloren«, wiederholte er das, was er vor dem Aufbruch gesagt hatte. »Es sind zwei Tage zu viel.«

Inzwischen schrieben sie den 15. Januar 1463 NGZ, 16 Uhr Terrania-Standardzeit. Was mochte in der Zwischenzeit in der Milchstraße und im Solsystem alles passiert sein?

Immerhin waren sie wieder unterwegs, auch wenn ihr Weg sie nicht direkt nach Hause führte. Für OROLOGION hatten sie sich entschieden, weil der PERISTERA-Rechner ihn als Polyport-Hof mit der geringsten Aktivität auswies und weil es sich nicht um ein Distribut-Depot handelte. Nach ihren bisherigen Erfahrungen würden die Truppen der Frequenz-Monarchie primär die Depots besetzen, da diese die intergalaktischen Verbindungen des Polyport-Netzes bildeten.

Taktisch hielt Rhodan das für ausgesprochen klug. Er hätte in identischer Lage nicht anders gehandelt. Erst die Verkehrswege zwischen den Sterneninseln kontrollieren, der Rest ergab sich dann nach und nach.

Ein ungutes Gefühl bemächtigte sich seiner, ein schwer zu beschreibender, dumpfer Druck, der sich auf sein Bewusstsein legte. Nein, es hing nicht mit dem grandiosen Universum dort draußen zusammen, sondern mit PERISTERA. Dieser hatte zu den unbenutzten Polyport-Höfen gehört. Durch seine Aktivierung hatten sie den Kontakt zwischen dem Polyport-Hof und dem Netz hergestellt. PERISTERA war im selben Augenblick in allen Karten und Datensätzen aufgetaucht. Die Truppen der Frequenz-Monarchie hatten zur selben Zeit von seiner Existenz erfahren wie die Transfer-Operatoren.

Perry Rhodan hätte sich bessere Voraussetzungen gewünscht, um die drei Controller der Halbspur-Changeure in die Milchstraße zu bringen. Er musste nun mit dem Wissen leben, dass er die Bewohner und Betreiber PERISTERAS geopfert hatte – dass die Frequenz-Monarchie sie ungeschoren lassen würde, davon ging er nach seinen eigenen Erfahrungen in der Milchstraße nicht aus.

Unwillkürlich tastete er nach der Tasche am Brustteil des SERUNS, in der seine Scheibe steckte. Die Controller bildeten für ihn und die Gefährten nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Sie sahen sich nicht in der Lage, diese Geräte gezielt zu bedienen. Ihre Chancen, eine funktionierende Passage nach ITHAFOR zu finden, blieben deshalb gering.

Jenes Distribut-Depot in der Southside, das sie zunächst von den eindringenden Darturka befreit hatten, war in ihren Controllern zwar verzeichnet, aber die Verbindung war gesperrt. Ariel Motrifis hatte die Transferkamine von ITHAFOR mit seinem Controller abgeschaltet, um die Terraner eine Weile gegen Übergriffe der Frequenz-Monarchie zu schützen. Jetzt erwies es sich als Eigentor.

Der Polyport-Hof NEO-OLYMP im Stardust-System fehlte sogar komplett. Er tauchte in keinem Verzeichnis auf – was insofern merkwürdig war, als von dort ein Hilferuf über den Polyport-Funk empfangen worden war.

Nicht einmal Icho Tolot mit seinen zwei Gehirnen vermochte es zu erklären.

Stardust – trotz der Klimaanlage begann Rhodan in seinem SERUN zu frösteln. Der Hilferuf von dort hatte ihn elektrisiert. Ausgerechnet die 804 Millionen Auswanderer und deren Nachfahren wurden von der Frequenz-Monarchie bedroht und brauchten dringend Unterstützung.

Deshalb reisten er und seine Gefährten von PERISTERA nach OROLOGION, von der Kleinstgalaxis Kyon Megas in die Hauptgalaxis Diktyon auf der Suche nach einer besseren Ausgangsbasis für die Weiterreise. Diktyon kannten sie aus ihren Sternkatalogen als Centaurus A, eine Sterneninsel knapp außerhalb der Mächtigkeitsballung der Superintelligenz ESTARTU.

Vielleicht haben wir in OROLOGION mehr Glück als bisher, dachte der Terraner. Oder mehr Pech ...

Egal, ob Darturka sie erwarteten oder Angehörige anderer Völker, als Ankömmlinge befanden sie sich immer in der schlechteren Position. Das Funktionsprinzip der Transferkamine verschaffte den möglichen Verteidigern eines Polyport-Hofes einen Vorteil und Eindringlingen einen Nachteil. Dreißig Sekunden vor der Sichtphase zeigte ein Kamin die Ankunft von Besuchern durch ein bläuliches Glimmen an, das zwanzig Sekunden andauerte. In den letzten zehn Sekunden vor der Ankunft am Transferdeck wurden die Ankömmlinge sichtbar. Diese erkannten ihrerseits, was sich auf dem Platz zwischen den vier Kaminen abspielte.

Von dieser kurzen Zeitspanne bis zum Erreichen der Kaminmündung hing im schlimmsten Fall ihr Überleben ab.

Die Zeitanzeige an seinem Arm wechselte von acht auf neun Minuten. Die holografische Darstellung besaß etwas von der Gnadenlosigkeit eines Todfeinds. Davon hatte Rhodan im Laufe seiner 3000 Jahre währenden Existenz etliche erlebt. Diese Anzeige an seinem linken Arm war aufsässiger als sie alle.

Wie viele Minuten noch?

Reisen selbst über viele Millionen Lichtjahre hinweg dauerten in einem Transferkamin nicht lange. Dennoch blieb eine gehörige Portion Ungewissheit und Unsicherheit. Sie verlor sich vermutlich erst, wenn man regelmäßig mit diesem Transportsystem reiste – und wenn einem keine Verfolger im Nacken saßen.

Zum Glück hatten sie das Schiff, und das verdankten sie zum einen den Halbspur-Changeuren und zum anderen Mondra, die den ersten Kontakt zu MIKRU-JON hergestellt hatte.

Rhodan ertappte sich dabei, wie er immer öfter auf die Zeitanzeige starrte und den Blick schließlich überhaupt nicht mehr wegnahm. Zehn Minuten, dann zehneinhalb.

Ein leises, überraschtes Seufzen Mondras ließ ihn aufblicken. Das Universum um den Kommandoteil von MIKRU-JON wich dem energetischen Glimmen der Kaminröhre. Die Schirmstaffel des Schiffes lud sich dabei elektrostatisch auf. Zahllose Elmsflämmchen huschten in geschäftiger Eile hin und her.

In Mondras Gesicht erschien ein Ausdruck gespannter Erwartung, begleitet von einem Tasten an die Seite des SERUNS, wo der Handstrahler hing. Ihre grünen Augen funkelten im Licht der indirekten Beleuchtung.

Zwanzig Sekunden später erkannte Rhodan am Ende der Röhre einen Ausschnitt des Transferdecks. Dort wimmelte es nur so von Lebewesen, die schräg über ihnen an einer Wand zu kleben schienen. MIKRU-JON drehte die drei Teile, bis der Boden der Zentrale auf derselben Ebene lag wie das Transferdeck.

Die Auskunft des PERISTERA-Rechners war falsch, dachte Rhodan. Oder die Situation hat sich tatsächlich innerhalb dieser kurzen Zeit geändert.

Laut sagte er: »Alarmstufe Rot! Volle Kampfbereitschaft aller Waffensysteme herstellen!«

*

Über die Außenmikrofone drang ohrenbetäubender Lärm in die Zentrale von MIKRU-JON. Angehörige verschiedener Völker und mit unterschiedlichen Sprechwerkzeugen benutzten die Handelssprache Yonnuu. Das Schiff reduzierte die Lautstärke, bis die Insassen den Sprachorkan nur noch als Flüstern wahrnahmen.

Die Orter von MIKRU-JON lieferten erste Daten vom Transferdeck. Über tausend Personen hielten sich an diesem Ort auf. Rhodan sah kugelförmige Wesen mit Stummelflügeln, die sich dem Gedränge durch steile Hüpfer nach oben zu entziehen suchten. Die Schwerkraft holte sie gnadenlos wieder herunter. Sie beendeten ihren Sturzflug auf den Köpfen und Körpern anderer Wesen, auf Gepäckstücken und Lafetten, wobei sich Rhodan nicht vorstellen mochte, dass sie sich diese Zielorte ausgesucht hatten. Er fühlte seine Überlegungen bestätigt, als Überwachungsautomaten eingriffen und die Kugeln von den übrigen Völkern trennten.

Echsenwesen mit korkenzieherartig gedrehten Köpfen schoben sich ins Blickfeld des Terraners. Stachelartige Schuppen bedeckten ihre Körper und machten das Tragen herkömmlicher Kleidung unmöglich. Im Abstand von wenigen Sekunden versprühten Aggregate an ihren Gürteln feinen Nebel, der ihre Körper einhüllte und sie den neugierigen Blicken anderer entzog.

Auf der rechten Seite des Decks stritten sich Angehörige eines avoiden Volkes um ein einzelnes Blatt, das nicht lange fackelte. Es bespuckte sie mit Schleim. Anschließend segelte es elegant über ihre Köpfe davon.

Am Rand der Halle entdeckte Rhodan plumpe schwarze Gestalten mit beulenförmigen Köpfen; vielleicht Wesen in Schutzanzügen? Als er den Zoom einschaltete, waren sie bereits in der Menge verschwunden.

OROLOGION war alles andere, nur nicht der Polyport-Hof mit der geringsten Aktivität.

Mondra verzog das Gesicht. »Hier geht es zu wie in einem Tollhaus.«

»Was unsere Ankunft nicht gerade erleichtert.« Rhodan zoomte einen Ausschnitt der Halle und entdeckte in dem Gewusel und dem Chaos etliche Inseln der Ruhe. Sie existierten überall dort, wo er Pelzwesen mit runden Köpfen ausmachte. Sie waren ohne Ausnahme bewaffnet.

Er machte Mondra und Tolot darauf aufmerksam. »Sie scheinen die Ordnungsmacht in OROLOGION zu sein«, sagte er. »Mikru, kannst du uns das bestätigen?«

»Das ist nach bisherigen Erkenntnissen richtig«, antwortete das Schiff.

Rhodan entdeckte weitere Trupps Bewaffneter, die sich den Mündungen der Transferkamine näherten. Sie platzierten metallene Schränke, die Rhodan für Energiespeicher oder Schirmprojektoren hielt.

»Ich sehe Bokazuu«, sagte Mondra plötzlich. »Ganz hinten zwischen den trapezförmigen Trennwänden.«

Den zweieinhalb Meter großen rattenähnlichen Geschöpfen waren sie in Kyon Megas begegnet. Bokazuu wirkten von ihrem Aussehen und ihren Bewegungen her auf Menschen ausgesprochen verschlagen, aber der äußere Eindruck täuschte. Diese Wesen zählten zu den zuverlässigsten überhaupt. Sie hielten sich peinlich genau an alle Aufträge und Vorschriften.

Ob die Bokazuu in OROLOGION irgendeine Funktion erfüllten, ließ sich in der Kürze nicht feststellen. Sie waren jedenfalls vor Ort, als Angestellte oder als Flüchtlinge. Die Gruppe bestand aus annähernd zwei Dutzend Personen.

Icho Tolot ließ ein verhaltenes Grollen hören. »Auf dem Transferdeck entdecke ich keine Spuren von Kampfhandlungen oder energetischen Restemissionen, wie sie die Darturka-Kämpfer der Frequenz-Monarchie mit ihren Waffen erzeugen.«

»Ein kleiner Hoffnungsschimmer – für den Anfang«, sagte Rhodan.

Das Zugstrahlsystem des Transferkamins verlangsamte die drei Teile von MIKRU-JON. Rhodan sah, wie sich mehrere Gruppen Bewaffnete vor der Öffnung des Kamins sammelten, in den das kleine Schiff einschwebte. Sie brachten Antigravlafetten mit großkalibrigen Geschützen in Position.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, war er das: Die Besatzung von OROLOGION rechnete mit einem Angriff. Angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Lebewesen, die in kurzen Abständen aus den Kaminen drängten, wunderte es nicht.

»Die Frequenz-Monarchie steckt mitten in der Offensive«, meinte Mondra. »Ihre Soldaten tauchen in allen Polyport-Höfen auf, von denen sie Kenntnis hat. Warum sollte dieser hier eine Ausnahme darstellen? Aber es sieht so aus, als sei man vorbereitet.«