Perry Rhodan 2479: Technomorphose - Arndt Ellmer - ebook

Perry Rhodan 2479: Technomorphose ebook

Arndt Ellmer

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Die JULES VERNE im Umbau - der Raumer geht in einen neuen Einsatz Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung. Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay - ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden. Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zu stören. Die Chancen für einen Sieg über die Mächte des Chaos sind dadurch gestiegen, dass Perry Rhodan seine Dokumentation einer erfolgreichen Retroversion nach Terra bringen konnte. Zudem gelang es, die Dienstburg CRULT auszuschalten und damit Zeit zu gewinnen, und auch die Friedensfahrer sind endlich in eine aktive Rolle hineingewachsen. Mit der JULES VERNE fliegt Perry Rhodan nun nach Hangay, doch unterwegs durchläuft der Hantelraumer eine TECHNOMORPHOSE...

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Nr. 2479

Technomorphose

Die JULES VERNE im Umbau – der Raumer geht in einen neuen Einsatz

Arndt Ellmer

Die Lage für Perry Rhodan und die Menschheit ist verzweifelt: Eine gigantische Raumflotte, die Terminale Kolonne TRAITOR, hat die Milchstraße besetzt. Sie wirkt im Auftrag der Chaotarchen, und ihr Ziel ist kompromisslose Ausbeutung.

Die Milchstraße mit all ihren Sonnen und Planeten soll als Ressource genutzt werden, um die Existenz einer Negasphäre abzusichern. Dieses kosmische Gebilde entsteht in der nahen Galaxis Hangay – ein Ort, an dem gewöhnliche Lebewesen nicht existieren können und herkömmliche Naturgesetze enden.

Mit verzweifelten Aktionen gelingt es den Menschen auf Terra und den Planeten des Sonnensystems, dem Zugriff der Terminalen Kolonne standzuhalten. Sie verschanzen sich hinter dem TERRANOVA-Schirm und versuchen, die Terminale Kolonne zu stören.

Die Chancen für einen Sieg über die Mächte des Chaos sind dadurch gestiegen, dass Perry Rhodan seine Dokumentation einer erfolgreichen Retroversion nach Terra bringen konnte. Zudem gelang es, die Dienstburg CRULT auszuschalten und damit Zeit zu gewinnen, und auch die Friedensfahrer sind endlich in eine aktive Rolle hineingewachsen. Mit der JULES VERNE fliegt Perry Rhodan nun nach Hangay, doch unterwegs durchläuft der Hantelraumer eine TECHNOMORPHOSE …

Die Hauptpersonen des Romans

Largo Fantain – Ein Kristallspezialist wird zum Kristallagenten.

Lanz Ahakin – Der Kommandant der JULES VERNE treibt seine Leute unermüdlich voran.

Perry Rhodan – Der Expeditionsleiter der JULES VERNE sorgt sich um die Zukunft.

Der Nukleus –

1.

11. Juli 1347 NGZ, 13:38 Uhr

Da war mit einem Mal dieses Gesicht. Zunächst bemerkte ich es gar nicht, denn es glänzte schwarz wie der Hintergrund. Dann aber bewegte es sich, als wolle es meine Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Ich beugte mich über die gewölbte Abdeckung des Aggregatblocks und versuchte, die seltsame Erscheinung zu ergründen. Sie flirrte leicht, zerfaserte im nächsten Augenblick in unzählige winzige Stücke – Fetzen, die sich blitzartig wieder zu einem zusammenhängenden Gebilde vereinigten.

Eine Projektion der Metaläufer!, durchzuckte mich der Gedanke. Als wir das Solsystem erreicht hatten, war plötzlich ein Schaltpult aufgetaucht, das es vorher nie gegeben hatte, ein Hologramm baute sich auf, eine Stimme sprach.

Ich empfand solche Vorgänge als gespenstisch und geheimnisvoll. Selbst seit wir wussten, wer dahintersteckte, behielten sie dieses Flair. Unsere JULES VERNE steckte voll von neuen Maschinen und Aggregaten, von Umbauten und Modifizierungen. Längst hatten wir nicht alle aufgespürt, das würde Jahre dauern.

Und so lange blieb die JULES VERNE bei ihrem Einsatz in Hangay ein unkalkulierbares Risiko, wie Istorico es genannt hatte. Es machte uns die Arbeit nicht leichter.

»Kommandant! Ich habe etwas entdeckt«, sagte ich. »Du musst es dir unbedingt ansehen!«

Ich erhielt keine Antwort. Ahakin und sein Begleiter steckten noch irgendwo bei dem Paratron-Konverter in der Mitte der Halle und hörten mich nicht.

Als ich meinen Blick erneut auf das Gesicht richtete, erschien es mir deutlicher als zuvor. Kein Zweifel, es besaß humanoide Züge mit einer fleischigen, an den Öffnungen ziemlich breiten Nase. Ein feuerroter Bart rahmte Mund und Kinn ein, die zopfartigen Enden liefen entlang des Unterkiefers nach hinten.

Meine letzten Zweifel schwanden. Es handelte sich um einen Metaläufer. Auf Evolux waren wir Tausenden von ihnen begegnet, aber nur ein einziger hatte den Flug Richtung Milchstraße mitgemacht. Aus Versehen! Pan Greystat hatte sich als guter Freund und Ratgeber erwiesen und um unserer Rückkehr in den Giganten CHEOS-TAI willen sein Leben geopfert.

Es war aber kein Abbild dieses so sympathischen kleinen Kerls, vielmehr ähnelte es Nox Hauthorn, der vor wenigen Wochen als Projektion zu Perry Rhodan gesprochen hatte. Allerdings wirkte das Gesicht auf der Abdeckung im Unterschied zu Hauthorn verzerrt, mit ausufernden Wangen und flatterndem Kinn. Es bewegte und veränderte sich ständig. Die Projektion, wenn es denn eine war, funktionierte nicht richtig.

Ich aktivierte den Kommunikator des SERUNS. »Kristallspezialist Fantain an Koordination. Ich überspiele euch eine Aufnahme aus Ebene vier, Außensektor 6-D-12. Es handelt sich um eine Metaläufer-Projektion.«

»Tut mir leid«, meldete sich eine Stimme. »Die Aufzeichnung lässt keinen Metaläufer erkennen. Bist du dir ganz sicher?«

Ich starrte auf die Wölbung. Das Gesicht fehlte. Es war weg, als habe es nie existiert. Ich konzentrierte mich auf die Stelle, legte alle Willenskraft hinein, um die Erscheinung wieder sichtbar zu machen. Umsonst.

»Gerade war er noch da.« Irritiert beobachtete ich die glänzende Fläche. Hatte ich mir das Gesicht nur eingebildet? Nach all dem, was wir in der Vergangenheit erlebt hatten, wäre das kein Wunder gewesen.

»Aus anderen Sektionen erhalten wir ähnliche Meldungen«, sagte die Stimme.

Zwischen mehreren Transportschlitten tauchte endlich Lanz Ahakin auf, noch immer den Zweiten Emotionauten im Schlepptau. In Coltons Mundwinkel kreiste der unvermeidliche Stummel einer erloschenen Havanna, wie man diese Art von Zigarre nannte. Sie hatte Colton seinen Spitznamen eingebracht.

Die beiden Männer blieben stehen, als sie mich sahen. Ahakins linke Augenbraue wanderte ein Stück nach oben, sein einziger Kommentar zu meiner Beobachtung.

»Das Gesicht eines Metaläufers?«, fragte Colton. »Das kann nicht sein!«

Ich wollte ihn korrigieren. Gerade noch rechtzeitig fiel mir ein, was sie in der Kantine über den Emotionauten flüsterten. Dass er nämlich ein egozentrischer Freigeist war und zu Widerspruch um des Widerspruchs willen neigte. Er dokumentierte damit seine Abneigung gegen alles, was mit Disziplin, Drill und militärischer Ordnung zu tun hatte.

Natürlich wusste Colton genau wie jeder andere an Bord über das Trafitron-Steuerpult und Nox Hauthorn Bescheid.

»Du hast völlig recht, Jason. Vergessen wir es.« Ich schickte mich an, weiterzugehen.

Ahakin hielt mich mit einem unwilligen Brummen zurück. »Wo genau, Largo?«

Ich deutete auf die Wölbung. Da flackerte wieder das Gesicht, pixelte bis zur Unkenntlichkeit, zerstob und kehrte zurück, diesmal um einiges deutlicher als beim ersten Mal.

»Jetzt sehen wir es«, erklang die Stimme aus der Koordination.

Von der Seite sah ich, wie Coltons Gesicht sich verfinsterte.

»Das fehlt gerade noch«, hörte ich ihn nuscheln. »Nicht genug, dass sie sich mit ihren Maschinen und Nachbauten überall in unserem Schiff verewigt haben, jetzt tun sie es auch noch mit ihren Hologrammen.«

Ich verstand die Metaläufer nur zu gut. Es war nun einmal die Lieblingsbeschäftigung dieser Wesen, Aggregate zu erfinden oder deren Leistung zu verbessern. Die Metaläufer wetteiferten darin, und sie genossen nach jeder vollbrachten Tat den unsterblichen Ruhm einer neuen »Tätowierung« auf einem ihrer Arme.

»Ich kenne diesen Kerl nicht«, fuhr Colton fort. »Zudem sieht er nicht gerade vertrauenerweckend aus.«

Mit zwei schnellen Schritten war er neben mir, schob mich ein Stück zur Seite und streckte die Hände nach der Wölbung aus. Seine Fingerspitzen berührten das Material.

Das Gesicht löste sich aus der Spiegelfläche. Es quoll heraus, blähte sich Wellen werfend auf, ein dreidimensionaler Kopf mit kurzem Halsansatz wuchs empor. Mehr war vom Körper des Metaläufers nicht zu sehen. Die Projektion fing an zu sprechen. Erst war es nur ein Krächzen, das uns erreichte. Wortfetzen erklangen, ebenso verzerrt wie das Gesicht. »Grxsssgr…läufer Ilz Namib grxsssgr …!«, verstanden wir. »Das ssspschhhh kann nurrrr … aktiviert … ssssrpong … werden, wenn trrrrrpsssskchhhhh besteht!«

In Ahakins Gesicht zuckte es, ob vor Ärger oder Belustigung – schwer zu sagen. Coltons Zigarrenstummel kreiste schneller, erstarrte dann schlagartig.

»Was kann nur aktiviert werden, wenn was besteht?«, fragte der Emotionaut übermäßig laut.

Die Projektion reagierte nicht. Wie schon zuvor zerflirrte das Gesicht in einem Pixelschauer.

»Sprachanalyse!«, wies ich die Mikropositronik des SERUNS an. Das Ergebnis war gleich null. Aus den Störungen ließen sich keine Rückschlüsse auf Wörter ziehen, weder aus der Sprache der Mächtigen noch aus einem anderen uns bekannten Idiom.

»Das war es dann wohl«, meinte Ahakin. Der Kommandant der JV-1 wühlte die Finger in seinen Backenbart. »Nicht gerade ergiebig, was dieser Ilz Namib uns mitteilt. Irgendetwas besteht nicht und kann deshalb nicht aktiviert werden. Es dürfte müßig sein, die Funktion des Kastens mit herkömmlichen Methoden zu ergründen.«

Colton fuhr mit den Handflächen über die Wölbung. »Wir könnten das Ding unter einen Paratron legen und es zerstören. Vielleicht lassen sich die Metaläufer dann herab und geben uns eine vernünftige Erklärung.«

Ernst kann er das nicht meinen, überlegte ich. Er provoziert schon wieder.

Der Emotionaut wandte sich zum Gehen. Ahakin trat selbst an den Aggregatblock und legte die Fingerkuppen auf das Material. Nichts geschah. Die Spiegelung blieb verschwunden, der Text wiederholte sich nicht.

Ein Blick des Kommandanten traf mich. »Istorico soll sich damit auseinandersetzen«, sagte er. »Und NEMO. Wir haben Wichtigeres zu tun. Uns läuft die Zeit davon.«

An meinem Kom blinkte ein Signal. Istorico rief mich zu einer Besprechung. Wenn er es nicht über Funk erledigte, musste es etwas Wichtiges, Vertrauliches sein.

»Ich kümmere mich darum, Lanz«, versprach ich.

*

Terra-Review, 5 Tage Heimaturlaub …

Eine Kugel mit Ringwulst, daneben ein Zylinder mit Ringwulst und noch mal eine Kugel mit Ringwulst – das Modell stand auf meinem Wohnzimmertisch, eine fein ziselierte Arbeit aus meiner Robotwerkstatt. Selbstverständlich gab es die Oberfläche der JULES VERNE nicht in jedem Detail wieder, das wäre zu verräterisch gewesen. Immerhin musste ich damit rechnen, dass Unbefugte durch einen dummen Zufall dieses Modell entdeckten und sich fragten, was es darstellte.

Eine leichte Staubschicht hatte sich darübergelegt. Ich nahm es auf und pustete sie weg. Die Staubwolke trieb nach oben, wo die Klimaanlage sie absaugen sollte.

Nichts geschah. Ich stellte das Modell zurück auf den Tisch und sah mich um.

»Servo?«

Der Automat antwortete nicht. Ich trat zu dem Wandsockel und musterte die Anzeigen. Die Kontrolllichter brannten nicht mehr. Das Gerät war außer Betrieb. Ich grub in meiner Erinnerung, konnte aber keinen Hinweis darauf finden, es selbst abgeschaltet zu haben.

Umständlich begann ich die Abdeckung der Steuereinheit zu lösen. Der Sensor für die manuelle Aktivierung blinkte.

»Wenigstens etwas«, murmelte ich. Mit der Fingerkuppe strich ich darüber. Das Blinken hörte auf, die Bereitschaftslampe ging an.

»Guten Tag, Largo Fantain«, sagte eine melodische Stimme. »Heute ist der 30. Juni 1347 NGZ, 6:38 Uhr Terra-Standard.«

»Wer hat dich abgeschaltet?«

»Deine Großmutter Elaine.«

Elaine! Sie besaß noch aus früheren Jahren meinen Reservekodegeber.

»Warum?«

»Meinen Protokollen zufolge wegen der Energieeinsparung. Seit Erhöhung der Hyperimpedanz neigen einige Leute dazu, Energie nicht länger als etwas zu betrachten, was unbegrenzt verfügbar ist.«

Ich ging duschen und überlegte, wie ich die fünf Tage Heimaturlaub nutzen wollte. Ein Besuch bei Elaine, vielleicht einer bei Maddy. Maddy war Elaines früherer Mann – den beiden hatte ich meine Mutter zu verdanken. Aber Sarola und mein Vater Conway lebten nicht mehr. Sie waren ebenso wie meine beiden Geschwister Kerkorya und Aloff Opfer Ramihyns geworden, jenes Dieners der Materie, der damals in Terrania und auf Terra gewütet hatte.

Und wir machen uns auf und kämpfen gegen die Mächte des Chaos, statt diese mörderischen Vasallen der Kosmokraten samt ihren Kosmischen Fabriken ins Jenseits zu pusten, dachte ich. In was für einer anachronistischen Zeit leben wir eigentlich?

Normalsterbliche wie ich würden nie vollständig begreifen können, welche kosmischen Zusammenhänge da hineinspielten. Wir wussten aber, dass uns von den Mächten des Chaos, den Chaotarchen und ihren Flotten und Heeren Gefahr drohte – nicht nur Terra und der Menschheit, sondern der Lokalen Gruppe und allen ihren Bewohnern.

Unser Kampf gegen diese Mächte war mit der Rückkehr aus der Vergangenheit nicht beendet. Die nächste Etappe stand bevor …

Seit unserer Ankunft auf Terra waren elf Tage vergangen. CHEOS-TAI, der GESETZ-Geber der Kosmokraten, war nach der schnellen Rettungsaktion für die Friedensfahrer im Lazaruu-Sternhaufen wieder in die Nähe des Grenzwalls von Hangay zurückgekehrt. In einem Riesenhangar ruhten eine Kugel mit Ringwulst, daneben ein Zylinder mit Ringwulst und noch mal eine Kugel mit Ringwulst, dazwischen jeweils zweihundert Meter Luft und alle drei Teile in gewaltigen Prallfeldern dicht über der Plattform des Tenders – das war die JULES VERNE, seit sie sich vor zwölf Tagen beim Landeanflug auf Luna geteilt hatte.

War das wirklich schon so lange her und nicht erst ein paar Stunden? Davor, als wir die lange Strecke von Evolux zur Milchstraße geflogen waren, hatten wir die Zeit in umgekehrter Relation wahrgenommen. Da war uns ein Tag wie ein Jahr, manchmal sogar wie ein ganzes Leben vorgekommen.

Auf den Zeitablauf wirkte sich die Reise in die Vergangenheit nicht aus, aber auf das individuelle Zeitgefühl. Die ständige Hast war es, die dabei unsere Wahrnehmung verzerrte. Je schneller wir vorwärtsdrängten, desto stärker komprimierte sich die nahe Vergangenheit für uns.

Die Schuld daran schien allein der Gesamtkommandant zu tragen. Ahakin, der Sklaventreiber, Ahakin, der Zeitverzerrer – unterschiedliche Kosenamen kursierten unter der Besatzung.

Die Besprechung bei Istorico gehörte ausnahmsweise nicht zu den zeitverändernden Ereignissen. Auswirkungen auf die Zukunft konnte sie dennoch haben. Die Worte des Chefingenieurs klangen mir noch im Ohr, mit denen er mir meinen nächsten Einsatz schmackhaft gemacht hatte.

»Es handelt sich um einen Geheimauftrag, gerade das Richtige für dich, Largo. Immer nur Kristallen hinterherzurennen ist keine Aufgabe für jemanden wie dich. Die Leitstelle kennt die Koordinaten, ihr könnt euren Zielsektor also nicht verfehlen. Ach ja, solltest du durch Zufall einem der anderen Einsatzteams begegnen, tu einfach so, als sei es nicht vorhanden. Je weniger ihr euch gegenseitig wahrnehmt, desto besser.«

Ich schien kein besonders geistreiches Gesicht zu machen, denn der Ara legte seine ihm angeborene Zurückhaltung ab und grinste.

»Woran erkenne ich ein solches Team?«, wollte ich wissen.

»Es besteht immer aus einem Menschen und einem Roboter. Eure Aufgabe besteht darin, alles Auffällige sofort an die Koordination zu melden, Projektionen wie in 6-D-12, neue Maschinen, ungewöhnliche Vorgänge, Spione, Bomben …«

»Am besten macht das der Roboter, das geht schneller.«

»Kommt immer darauf an, wer jeweils handlungsfähig ist.«

Steif wie ein Stock drehte Istorico sich um die eigene Achse und stolzierte davon. Verblüfft sah ich dem 2,17 Meter großen Mann mit dem frisch polierten Spitzschädel nach, unter dessen durchscheinender Haut sich die blauen Äderchen abzeichneten.

Ein Geheimauftrag, der gefährlich werden konnte … Von wo ging die Gefahr aus? Ich dachte an die Umbauten und Einbauten der Metaläufer. Sie hatten die JULES VERNE bereits im Solsystem in Gefahr gebracht.

Oder es hatte mit den Tausenden neuen Kolleginnen und Kollegen zu tun, die mit dem Tender hinzugekommen waren. Befanden sich unter ihnen Spione oder Attentäter des Chaos …?

Ich hielt es für möglich. Zwar führten wir vielfältige Kontrollen bis hin zum Mentalcheck durch. Vollständig ausschließen wollte ich nicht, dass ein oder mehrere Schläfer-Agenten in den Tender gelangt und inzwischen erwacht waren. In diesem Fall schwebten das Schiff und seine Besatzung in höchster Gefahr.

Ein kurzer Blitz am Transmitter lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf die Umgebung. Aus dem Feld, das ich vor nicht einmal zwei Minuten benutzt hatte, tauchte ein Fahrzeug auf. Dicht an der vorderen Wand flog es eine enge Kurve und hielt auf mich zu.

Es war ein flacher, linsenförmiger Diskus von etwa einem Meter Durchmesser und vierzig Zentimetern Höhe, mit einem zylinderförmigen Aufsatz an der Oberseite wie eine Art Haltegriff.

»Ich bin Taxx, ein Roboter von Luna«, sagte das Ding. »Taxx mit zwei ›x‹.«

»Schön, Taxx. Du kennst deine Aufgabe?«

»Ich soll dich begleiten. Wir sind ein Team.«

»Und ein verlängerter Arm der Schiffsführung.«

Diese wusste um die Gefahren, die mit dem Umbau auf Luna und den 15.000 Besatzungsmitgliedern des PONTON-Tenders hinzugekommen waren.

Ich betrat die wartende Schwebeplattform, setzte sie in Gang und steuerte sie auf die Rampe, die durch den Fußboden in die darunter liegende Halle führte. Unter mir lag der Hangar des GESETZ-Gebers, noch riesiger und größer als »Schwarzfahrer«, der mit seinen vier mal vier mal drei Kilometern schon ein gigantischer Abstellraum und Schrottlagerplatz gewesen war. »Schwarzfahrer« war für die geteilte JULES VERNE auf ihrem Transportvehikel zu klein.