One Moment Meditation - Martin Boroson - ebook

One Moment Meditation ebook

Martin Boroson

0,0

Opis

Wie viele alltägliche Momente gehen Ihnen "verloren", z.B. an der Kasse im Supermarkt, im Stau auf der Autobahn oder in langweiligen Meetings? Was wäre, wenn Sie solche Momente dazu nutzen könnten, um ruhiger, ausgeglichener und zufriedener zu werden? Wie das geht? Martin Boroson gibt darauf eine einfache Antwort: One Moment Meditation. Indem Sie nur eine Minute lang meditieren, können Sie jeden Moment nutzen, um in kürzester Zeit zu entspannen, Stress abzubauen, den Geist zu erfrischen und kreative Kräfte zu wecken. Fundiert, spielerisch und vor allem praktisch zeigt Boroson, dass innerer Frieden kein unerreichbares Ziel ist das viel Zeit erfordert. Es braucht tatsächlich nur einen Moment.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 197

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



one moment meditation

Titel der Originalausgabe: One Moment Meditation© 2007, 2009 Martin BorosonHerausgegeben von Winter Road Publishing NY, USA

Martin Boroson:    One Moment Meditation    Projektmanagement:    Marianne Nentwig    © J. Kamphausen Verlag &    Distribution GmbH, Bielefeld 2012    [email protected]    Übersetzung: Frances Hoffman    

Lektorat: Adele GerdesCoveridee übernommen von Level CGestaltung und Satz:Wilfried KleiDruck & Verarbeitung Printausgabe:Westermann Druck Zwickau GmbHDatenkonvertierung E-Book:Bookwire GmbH

www.weltinnenraum.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diesePublikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internetüber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN E-Book: 978-3-89901-608-6ISBN Printausgabe: 978-3-89901-548-5

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

martin boroson

onemoment

meditation

stille in einer hektischen welt

Für meine Eltern,Florence und Louis Boroson,in Liebe

Wenn ein Mensch seinen letzten Atemzug tut,sollte er vorbereitet sein auf einen neuen Anfang.

NIKOS KAZANTZAKIS (vermutlich)

Einleitung

Teil 1: Basistraining

Die Basisminute

Zum Verständnis der Basisminute

Wo und wann

Der Nutzen (für dich)

Der Nutzen (für alle anderen)

Steine auf dem Weg

Aufwärmen

Cool-Down

Übung und Perfektion

Die Basisminute und das Gebet

Potenzielle Nebenwirkungen

Teil 2: Training für fortgeschrittene Anfänger

Die portable Minute

Die Notfallminute

Die Überraschungsminute

Die Bonusminute

Teil 3: Der Moment im Kontext der Zeit

Das Zeitempfinden

Zum Wesen der Zeit

Teil 4: Training für Fortgeschrittene

Der Einmal-Durchatmen-Zyklus

Die Rituale weglassen

Die Kontrolle abgeben

Spontanität

Teil 5: Die Begegnung mit dem Moment

Was der Moment ist

Vor dem Moment

Ein paar berühmte Momente

Nach dem Moment

Was der Moment nicht ist

Teil 6: Weit fortgeschrittenes Training

Schau dich um

Beweg dich

Bleib präsent

Teil 7: Das Wunder des Augenblicks

Ruhe und Erholung

Der Moment deiner Wahl

Ewige Jugend

Zeitmanagement für Fortgeschrittene

Momentmanagement

Der Moment der Umkehr

Der richtige Moment

Der ultimative Moment

Ein Moment des Dankes

Teil 8: Meisterschaft des Moments

Der Moment, der keiner ist

Meister für einen Moment

Danksagung

Über den Autor

Anmerkungen

Einleitung

Denken wir einmal an all die Momente, die uns „verloren gehen“ – wenn wir im Stau stehen oder an der Kasse, wenn wir in einem langweiligen Meeting sitzen. Denken wir an all die Momente, die wir „verschwenden“ – auf Partys, die uns gar keinen Spaß machen, bei der Arbeit, wenn wir unkonzentriert sind, oder wenn wir vorm Zubettgehen noch eine der zahllosen TV-Shows anschauen. Und dann sind da noch diese „gestohlenen Momente“ – die Momente, die wir uns nehmen, wenn gerade niemand zuschaut – bummeln gehen, im Internet surfen oder am Handy rumfummeln. Und schließlich gibt es noch die Momente, die völlig unbemerkt vorüberziehen – die Momente zwischen anderen Momenten. Was ist, wenn jeder dieser Momente eine einmalige Chance darstellt? Was, wenn jeder einzelne Moment uns die Gelegenheit bietet, ruhiger, wachsamer, ausgeglichener und zufriedener zu werden? Was, wenn wir in einem dieser kleinen Momente etwas tun können, das unser Leben grundlegend ändert?

Dieses Buch habe ich in einem solchen Moment empfangen.

Es war eines Morgens, bei meiner üblichen dreißigminütigen Meditation: Ich war fest entschlossen, ganz still zu sitzen, den Blick nach unten gerichtet, und zwar die ganzen dreißig Minuten lang. Doch an diesem speziellen Morgen fand ich einfach keine Ruhe, meine Gedanken rasten nur so dahin, während die Zeit im Schneckentempo zu vergehen schien. Ich glaubte schon, ich hätte vergessen, den Wecker zu stellen, und würde nun stundenlang so dasitzen müssen. Jedenfalls fühlte es sich so an. Zu gern hätte ich auf die Uhr geschaut. Viele Male. Doch ich war fest entschlossen, still zu sitzen, und wollte dem Drang einfach nicht nachgeben. Und dann gab ich doch auf.

Ich sah zur Uhr und stellte fest, ich hatte keineswegs vergessen, den Wecker zu stellen. Eine Minute hätte ich noch ausharren müssen. Das hieß, ich hatte neunundzwanzig Minuten darauf verschwendet, zu überlegen, ob nicht schon dreißig Minuten vergangen waren! Enttäuscht dachte ich: „Jetzt, wo nur noch eine Minute übrig ist, kann ich eigentlich gleich aufhören für heute.“ Und dann traf es mich wie der Blitz: „Was ist verkehrt an einer einminütigen Meditation? Was habe ich in dreißig Minuten zu erleben gehofft, was ich nicht auch in einer Minute erleben könnte?“ Ich beschloss, noch einmal zu beginnen, von Anfang an. Ich würde nun einfach so lange meditieren, wie noch Zeit übrig war: eine Minute lang … dafür aber mit vollem Einsatz.

Von diesem Augenblick an veränderte sich mein Verhältnis zur Zeit. Ich begann, weniger über langfristige Ziele nachzudenken und mehr über gegenwärtige Möglichkeiten. Und dabei wurde mir klar, wie viel man in sehr kurzer Zeit erreichen kann. Ich fing an, auf eine ganz neue Weise zu meditieren: nicht einfach nur jeden Morgen dreißig Minuten auf meinem Meditationskissen sitzend, sondern für kurze Augenblicke über den ganzen Tag verteilt, ganz egal wo – in der Bahn, am Schreibtisch, im Fitnessstudio. Und langsam begriff ich: Je schneller ich in den Zustand der inneren Ruhe hinübergleiten konnte und je weniger Stützen ich dafür brauchte, desto besser. Kurz gesagt: Ich begann, immer dann zu meditieren, wenn ich einen Moment Zeit hatte.

Die meiste Zeit über sind wir uns des enormen Potenzials eines einzigen Moments überhaupt nicht bewusst. Dann stellen wir uns unter einem Moment lediglich einen sehr kurzen und völlig unerheblichen Zeitraum vor – ein paar Sekunden, die weiter keine Rolle spielen. Doch das Wort „Moment“ stammt aus dem Lateinischen, wo es beispielsweise so etwas bedeutet wie „ausschlaggebender Impuls“. Mit anderen Worten: Ein Moment kann etwas wirklich Umwälzendes sein. Er kann dein Leben völlig auf den Kopf stellen. Ein Moment kann wortwörtlich „den Ausschlag geben“.

Stellen wir uns nur einmal vor, was in einem Moment alles geschehen kann: ein Damm kann brechen, die Erde beben, ein trockenes Waldstück in Flammen aufgehen. In einem einzigen Moment überfährt ein betrunkener Autofahrer ein Stoppzeichen und kracht in deinen Wagen. In einem einzigen Moment stürzen die Börsenkurse ab. In einem einzigen Moment kann, was du für selbstverständlich hältst, unwiederbringlich verschwinden.

Doch ein einziger Moment kann auch Heilung bringen, Inspiration, Freude. In einem einzigen Moment blitzt eine fantastische neue Idee in deinen Gedanken auf. In einem einzigen Moment löst jemand für dich ein Problem oder du erhältst einen Anruf von einem lange verschollenen Freund. In einem einzigen Moment fällt nach Jahrzehnten der Teilung eine Mauer. In einem einzigen Moment setzt vielleicht die Genesung ein von einer langwierigen Krankheit, und niemand vermag zu erklären, wieso.

Doch ganz gleich, ob ein lebensverändernder Moment nun glücklich oder traurig ist, ob er globale oder persönliche Auswirkungen hat, er ruft uns in Erinnerung, dass in unserem ganz gewöhnlichen Leben immer auch etwas Außergewöhnliches geschehen kann. In einem einzigen Moment kann sich in unserem normalen Alltag jäh ein Riss auftun, der eine uns bis dahin völlig unbekannte, neue Realität preisgibt. Mit anderen Worten: Dramatische Veränderungen brauchen nicht viel Zeit – ein einziger Moment reicht völlig.

Ich habe schon viele Menschen und Unternehmen durch große Veränderungsprozesse begleitet. Und obwohl derartige Prozesse durchaus ihre Zeit brauchen, lässt sich doch eines ganz klar sagen: Wenn der Durchbruch kommt, dann ganz plötzlich, in einem einzigen Moment. Dabei kann niemand vorhersehen, wann das geschieht oder welche Formen es annimmt. Die beste Voraussetzung für einen Durchbruch ist allerdings, dass alle Beteiligten äußerst präsent sind im gegenwärtigen Augenblick und offen für alle Eventualitäten. Mit anderen Worten: Sie sind offen für die radikale Möglichkeit, dass, ganz gleich, wie ihre Pläne, Gewohnheiten oder Erwartungen auch aussehen mögen, dieser eine Moment das Potenzial für einen grundlegenden Wandel in sich birgt.

Dieses Buch wird dir dabei helfen, den Moment wahrzunehmen, zu verstehen und wertzuschätzen, im Moment zu sein und das enorme Potenzial eines Momentes für dich zu nutzen. Und das wird nicht sonderlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Für die erste Übung brauchst du täglich nicht mehr als ein bis zwei Minuten aufzuwenden – garantiert! Mit wachsender Erfahrung wird diese Übung immer kürzer werden und weniger Zeit in Anspruch nehmen, bis du schließlich nicht länger dafür brauchst als einen Moment.

Auf diese Weise wird es dir möglich, dich im Laufe eines Tages immer wieder „aufzutanken“ und deine Batterien aufzuladen. Du wirst lernen, inmitten von Aktivität (die deiner Natur entspricht) tiefe Stille (die ebenso deiner Natur entspricht) zu empfinden. Du wirst ein völlig neues Zeitverständnis entwickeln und Techniken erlernen, mit deren Hilfe du einen Tag, der sich gedrängt und hektisch anfühlt, zu einem Tag machen kannst, der dir Weite und unzählige Möglichkeiten schenkt.

Wenn du dich in diesen Techniken übst und dein Verständnis dieser Philosophie vertiefst, wirst du der Meisterschaft des Moments immer näher kommen. Meisterschaft bedeutet hier jedoch nicht, den Moment zu beherrschen oder zu kontrollieren. Es bedeutet auch nicht, dich dem Moment einfach passiv auszuliefern. Es bedeutet ganz einfach, von tiefem Frieden erfüllt im Moment zu ruhen – ohne jegliche Spannungen zwischen dir und dem, was gerade geschieht.

Ich habe diese Technik in Vorträgen und Workshops unterrichtet, im Radio, in Führungsseminaren und bei betrieblichen Weiterbildungen, und dabei erlebt, wie die Menschen in vielerlei Hinsicht von ihr profitieren. Wenn du noch nie zuvor meditiert hast, erlernst du mit dieser Technik eine direkte Methode, die sich ganz leicht in deinen üblichen Alltag einbauen lässt. Wenn du schon öfter meditiert hast, aber immer wieder „gescheitert“ bist, bietet dir diese Technik eine Möglichkeit, es noch einmal zu versuchen – eine Möglichkeit, die sich nicht auf den langfristigen Erfolg konzentriert, sondern auf kurzfristige Gelegenheiten. Und wenn du der Meinung bist, du seist „zu beschäftigt zum Meditieren“, wird dieser Ansatz dich um eine Ausrede ärmer machen – denn einen Moment hat jeder Mensch übrig.

Ich habe dieses Buch zwar für Anfänger geschrieben, doch ich habe dabei stets auch an die fortgeschrittenen Anfänger gedacht. (Fortgeschrittene Anfänger sind Menschen, die schon soweit fortgeschritten sind, dass sie stets bereit sind, noch einmal zu beginnen.) Ich hoffe, du bist für diesen Ansatz offen, selbst wenn du schon viel Erfahrung mit Meditation hast. Möglicherweise stellst du fest, dass dieser Ansatz deine tägliche Meditationspraxis neu belebt oder sich sehr leicht in die Herausforderungen des Alltags integrieren lässt. Und wenn du zu jenen erfahrenen Meditierenden gehörst, für die extrem wichtig ist, „wie lange sie einfach nur sitzen können, ohne dabei zu denken“ (das ist eine Art von „Meditations-Chauvinismus“), dann wird dieser Ansatz dich daran erinnern: Man kann für alles – selbst fürs Meditieren – immer nur einen Moment an den anderen reihen.

Ist es denn wirklich möglich, in einem einzigen Moment zu meditieren?

Viele Menschen betrachten Meditation als eine Art Ausdauertest: Je länger man, von Frieden erfüllt, still sitzen könne, desto spiritueller sei man. Viele Menschen glauben, Meditation müsse man in einem schönen, heiteren Retreat praktizieren – weit weg vom täglichen Leben. Diese Ansichten rühren zweifellos daher, dass unser spirituelles Erbe zum größten Teil von Mönchen, Nonnen, Einsiedlern und Propheten weitergegeben wurde – also von Menschen, die dem gewöhnlichen Leben entsagt haben, um jahrein jahraus in stiller Kontemplation zu verharren.

Doch die Zeiten ändern sich und so verhält es sich auch mit unserem Verständnis von Meditation. Wissenschaftliche Forschungen bestätigen, dass der Nutzen von Meditation nicht nur auf abstrakten, spirituellen Ebenen zu finden ist, sondern auch auf ganz konkreten, praktischen Ebenen. Laboruntersuchungen und psychologische Studien haben ergeben: Meditation hebt unsere Stimmung, mindert Ängste, lindert Depressionen, senkt den Blutdruck, stärkt das Immunsystem und fördert Optimismus und Widerstandskraft.

Immer mehr Menschen sind heute der Ansicht, die Vorteile der Meditation sollten uns genau dann zugänglich sein, wenn wir sie brauchen, und die Meditationspraxis sollte überall möglich sein – ob wir nun gerade im Stau stehen, geschäftlich tätig sind oder Windeln wechseln. Außerdem verspüren viele Menschen heute das Bedürfnis, meditative Aspekte oder Prinzipien auch in ihre Beziehungen, in die Kindererziehung und in ihre Arbeit einzubringen; deutlich wird überdies, wie sinnvoll meditative Ansätze in der Politik, bei wirtschaftlichen Beschlüssen und öffentlichen Debatten wären. Und je schneller wir zu innerer Ruhe finden und je weniger Stütze wir dazu benötigen, desto besser. Darum lass mich dir darlegen: Es ist nicht nur möglich, in einem einzigen Moment zu meditieren – es ist sogar von elementarer Bedeutung.

Wir alle stellen uns hin und wieder vor, wie wir an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit zu innerer Ruhe finden. Wir malen uns aus, irgendwann einmal, künftig, von innerer Ruhe erfüllt zu sein – am Ende des Tages, am Wochenende, wenn die Kinder erst mal aus dem Haus sind, wenn wir in Rente gehen. Oder wir malen uns aus, woanders innere Ruhe zu finden – in der Kirche, im Park, an einem einsamen Strand. Doch jedes Mal, wenn wir so fantasieren, verlassen wir den gegenwärtigen Moment. Wir nehmen uns selbst aus der Verantwortung. Das ist eine besonders selbstzerstörerische Form des Aufschiebens, denn der Moment, in dem wir das größte Bedürfnis nach innerer Ruhe haben, ist zugleich der Moment, in dem wir uns am weitesten davon entfernen.

Und wenn wir annehmen, innere Ruhe erfordere viel Zeit oder sei nur in der Zukunft möglich, konzentrieren wir uns darauf, innere Ruhe zu erreichen, statt von ihr erfüllt zu sein. Wir halten uns selbst in einem Zustand des „Wollens“ – und dieser Zustand des Wollens ist per definitionem kein Zustand des Seins oder „Habens“. Mit dem Glauben, lange meditieren zu müssen, um innere Ruhe zu erlangen, erzeugen wir nur noch mehr Stress. Das ist, als würden wir einen Ball fortschleudern und ihm dann hinterherrennen, um ihn wieder einzufangen, nur um ihn, sobald wir ihn eingeholt haben, wieder wegzuschleudern – und dabei die ganze Zeit zu beklagen, den Ball nie richtig zu fassen zu bekommen.

Auf einer tieferen Ebene ist unser Gefühl der Zufriedenheit, wenn es von den Umständen abhängig ist, auch erschütterbar durch die Umstände. Sind wir nur dann zufrieden, wenn das Leben problemlos verläuft, werden wir auf jeden Fall unzufrieden sein, sobald es einmal schwierig wird. Diese Art von Zufriedenheit ist weder sonderlich stabil noch sonderlich tief gehend. Wahre Zufriedenheit transzendiert das „Auf und Ab“ des Lebens. Sie umarmt das Leben so, wie es jetzt und hier ist, mit all seinen Unzulänglichkeiten. Mit anderen Worten: Die einzige Möglichkeit, zu wahrer innerer Ruhe zu gelangen, besteht darin, in völliger Übereinstimmung mit dem zu sein, was jetzt gerade geschieht – auch dann, wenn es eben nicht ruhig und friedlich zugeht.

Der spirituelle Lehrer Krishnamurti sagt es mit den wunderbar knappen Worten: „Jetzt oder nie.“ Das bedeutet nicht etwa, dass du niemals zur inneren Ruhe gelangen wirst, wenn du sie jetzt nicht empfindest. Es bedeutet vielmehr: Zufriedenheit ist nur dann möglich, wenn du „den Ball nicht unentwegt in die Zukunft wirfst“. Zufriedenheit ist ausschließlich in der Gegenwart möglich. Wenn du wahrhaft präsent bist im gegenwärtigen Moment, ist dein Geist nicht damit beschäftigt, sich die Dinge anders zu wünschen, als sie sind – das ist Zufriedenheit.

Dass man Zufriedenheit immer nur im Jetzt finden kann, im gegenwärtigen Moment, bedeutet auch: Es nimmt überhaupt keine Zeit in Anspruch. Es kostet keine Zeit – es braucht nur einen Moment. Du musst nicht erst auf einen Retreat gehen, deinen Job kündigen oder „zweimal täglich zwanzig Minuten“ aufbringen, um innere Ruhe zu erlangen. Ruhe und Frieden sind allgegenwärtig. Sie stehen dir ständig zur Verfügung, jetzt und nochmals jetzt, ganz gleich, wo du dich aufhältst. Du bist dir dessen nur nicht bewusst, denn du bist viel zu sehr damit beschäftigt, andere Dinge zu tun – beispielsweise mit dem Versuch, innere Ruhe zu finden (oder dieses Buch zu lesen).

Betrachte also meinen Ansatz als direkten Weg zum Kern der Sache. Wenn es just in diesem Moment möglich ist, innere Ruhe zu finden, und wenn es ausschließlich in diesem Moment möglich ist, dann kannst du also direkt darauf zugreifen. Eines möchte ich allerdings klarstellen: Es geht mir nicht darum, andere Formen der Meditation oder des Gebets oder all die Wege zur Selbstfindung, zu denen es heute so viele hervorragende Ratgeber gibt, zu verdrängen. Ich will nur eines deutlich machen: Welchen Weg du auch gehst, welche Hilfe du auch suchst, wenn du nicht lernst, den Moment zu meistern, dann sind deine Chancen auf Erfolg recht überschaubar. Wenn du ihn aber zu meistern lernst, tja, dann kann dich nichts mehr aufhalten.

Kernpunkt dieses Buches ist der Moment. Doch ein Moment ist nun einmal etwas sehr Flüchtiges und scheint oft so rasch vorüberzugehen; deshalb hast du vielleicht Schwierigkeiten, ihn ausfindig zu machen. Aus diesem Grund wirst du in Teil 1, Basistraining, mit einer einfachen Übung beginnen, die dir das erleichtert: mit einer Minute. (Eine Minute ist so etwas wie ein Moment mit Griffen an der Seite. Du weißt, wo er anfängt und wo er aufhört, und damit ist er leichter zu fassen.) Mit der ersten Übung dieses Buches, der Basisminute, lernst du, in nur einer Minute Stille zu erfahren.

In Teil 2, Training für fortgeschrittene Anfänger, erfährst du, wie du die Basisminute vielseitig anwenden kannst. Sie wird zu einem Hilfsmittel, das überall einsetzbar ist, gleichgültig, was um dich herum geschieht, selbst in einer Notlage. In Teil 3, Der Moment im Kontext der Zeit, wird es philosophisch: Es geht um unsere Zeitwahrnehmung und um das Wesen der Zeit, und es wird deutlich werden, wie dehnbar Zeit doch sein kann. In Teil 4, Training für Fortgeschrittene, erfährst du, wie du die Länge der Basisminute Schritt für Schritt reduzierst, bis zu einem kurzen Moment. In Teil 5, Die Begegnung mit dem Moment, betrachten wir die tiefere Bedeutung eines Moments und konkrete Beispiele für außergewöhnliche Momente. In Teil 6, Weit fortgeschrittenes Training, lernst du, die Stille um dich herum wahrzunehmen – zu jeder Zeit und in allem, was du tust. Teil 7, Das Wunder des Augenblicks, macht dich vertraut mit einigen flexiblen und spielerischen Techniken, die dabei helfen, das wundersame Potenzial eines jeden Moments „anzuzapfen“. Teil 8, Meisterschaft des Moments, wird dich schließlich bewegen zu einem letzten kleinen Sprung in Richtung Meisterschaft.

Die Kapitel dieses Buches sind kurz, aber hochkonzentriert – also verschlinge sie bitte nicht. (Tust du es dennoch, bekommst du vielleicht „spirituelle Verdauungsprobleme“, eine verbreitete Nebenwirkung, wenn man zu viel gedanklich Gehaltvolles liest, ohne es wirklich aufzunehmen.) Am besten liest du dieses Buch ganz langsam. Lies ein Kapitel, kau es durch, dann lies es noch einmal. Mache die Übungen. Lebe mit ihnen. Wenn du sie vollständig verdaut hast und es dich nach mehr gelüstet, gehe zum nächsten Kapitel über.

Vielleicht ziehst du es aber auch vor, das Buch zunächst ganz durchzulesen, um dir einen Überblick zu verschaffen. Auch das ist in Ordnung. Ich möchte allerdings anmerken: Falls du es in einem Rutsch verschlingst, verstehst du es vielleicht nicht in Gänze. Das liegt daran, dass meine Beschreibungen und Definitionen im Laufe des Buches zunehmend tiefgehender und dichter werden. Jedes Kapitel ist unter der Annahme geschrieben, dass du dich vermittels der Übungen der vorangegangenen Kapitel bereits verändert hast. Mit anderen Worten: Das Ende dieses Buches ist an ein ganz anderes Du gerichtet.

Geh sorgfältig an die Übungen heran. Betreibe sie ernsthaft, aber auch wieder nicht mit zu großem Ernst. Betrachte sie eher als Spiel denn als Buße; integriere sie in dein Leben, wie es dir am besten passt. Es steht nirgends geschrieben, was für dich am besten funktioniert. Oder zu welchem Zeitpunkt.

An einem Moment und am Wesen der Zeit gibt es so vieles, was rätselhaft ist, paradox ist, unmöglich zu erklären oder zu verstehen ist. Nicht alles in diesem Buch wird für dich jederzeit einen Sinn ergeben; gelegentlich ergibt es selbst für mich keinen Sinn. Darum wirst du das Buch vielleicht irgendwann beiseite legen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Hand nehmen wollen; vielleicht siehst du es dadurch sogar in einem völlig neuen Licht.

Im Interesse der Einfachheit habe ich auf so etwas wie Zitate, Studien, Diagramme, Schemata und Tabellen und das Thematisieren religiöser und interkultureller Aspekte verzichtet. Probiere die Übungen einfach aus. Du wirst dafür nicht deinen Job aufgeben, einen Babysitter anheuern oder gar eine einsame Höhle am Wasser finden müssen. Du brauchst auch keine besondere Kleidung dafür. Auch ein Tagebuch führen musst du nicht. Ebenso wenig wie du dich einer Gruppe anschließen, dir eine spezielle Ausrüstung zulegen, dein Büro neu einrichten, ein Programm herunterladen oder eine Lern-DVD von meiner Webseite kaufen musst. Alles, was du brauchst, ist hier – genau da, wo du bist.

Teil 1

Basistraining

In diesem ersten Teil des Buches wirst du die Basisminute kennenlernen – die Grundlage der One-Moment-Methode. Im ersten Kapitel wird dir diese Übung vorgestellt; die folgenden Kapitel helfen dir dann, deine Erfahrung mit und dein Verständnis der Basisminute zu vertiefen.

Vielleicht findest du ja, das ist ein bisschen viel Information für eine einzige, schlichte Minute. Allerdings fordert dir die Basisminute, eben weil sie so verdichtet ist, ebenso viel Können ab wie eine einstündige Übung.

Je öfter du die Minute übst, umso mehr Feinheiten wirst du darin entdecken. So gibt es bei der Basisminute beispielsweise Aspekte wie Atmung und Haltung, die dir zunächst recht selbstverständlich erscheinen mögen, mit der Zeit aber immer faszinierender werden. Vielleicht stellst du während deiner Übungen auch fest, dass deine Minute sich anfangs ziemlich eng, ziemlich „vollgestopft“ anfühlt, mit der Zeit aber zunehmend weiter wird, weil weniger Gedanken in deinem Kopf umherschwirren – und doch ist es nach wie vor nur eine einzige Minute.

Die Basisminute

Für die Übung mit der Basisminute brauchst du einen Wecker oder eine Stoppuhr, der oder die sich exakt auf eine Minute einstellen lässt. (Ein Kurzzeitwecker ist ideal.) Später wirst du den Wecker nicht mehr benötigen, doch zu Beginn ist er sehr wichtig.

Außerdem solltest du einen Platz haben, an dem du von niemandem gestört wirst. Betrachte diese Minute so, als würdest du in ihr etwas wirklich Grundlegendes erleben – auch wenn es nur eine einzige Minute ist. Sei offen für alle Möglichkeiten – in den Worten des Sufi-Dichters Jalal al-din Rumi:

Eine kleine Weile allein in deinem ZimmerKann sich als weitaus kostbarer erweisenAls alles, was dir je zuteil werden könnte.1

Pragmatisch gesprochen, heißt das: Mache hinter dir die Tür zu und stöpsle das Telefon aus. Schließe dein E-Mail-Programm und stelle deinen Anrufbeantworter leise. Hänge ein Schild an die Tür: Bin in einer Minute wieder da. Mit anderen Worten: Drücke den „Pause-Knopf“ deines Lebens. Es ist ja nur für eine Minute. Mache dir klar, dass es wirklich kaum etwas gibt, das nicht eine Minute warten könnte.

Nun, da du dir eine Minute des Alleinseins erobert hast, setze dich hin. Am besten wählst du dafür eine harte Oberfläche, wie eine Stuhlkante oder ein festes Kissen auf dem Fußboden, damit du nicht gekrümmt sitzt oder in dir zusammensackst. Außerdem darfst du dich nirgends anlehnen, auch nicht an den Armlehnen: Es liegt nun ganz an dir.

Nun zu deinen Beinen. Wähle für deine Beine eine Position, die sich im Gleichgewicht, symmetrisch und stabil anfühlt, eine Position, die du eine Minute lang halten kannst, ohne dich zu bewegen. Wenn du auf dem Boden sitzt, versuche die Beine wie im Schneidersitz zu kreuzen. Sitzt du auf einem Stuhl, stelle deine Füße einfach fest auf den Boden oder schlinge sie um die Stuhlbeine. (Achte darauf, dass nicht einer deiner Füße in der Luft hängt, sonst fängst du vielleicht irgendwann an zu wippen, ohne es zu wollen.) Welche Position du auch wählst, das Schlüsselprinzip lautet: Wenn du im Gleichgewicht, stabil und ruhig sitzen kannst, übst du zugleich, im Gleichgewicht, stabil und ruhig zu sein.