Nikolai Roerich: Kunst, Macht und Okkultismus - Ernst von Waldenfels - ebook

Nikolai Roerich: Kunst, Macht und Okkultismus ebook

Ernst von Waldenfels

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Opis

Nikolai Roerich – Maler, Magier und Liebling der Reichen Ein Lebensentwurf, wie ihn nicht einmal Hollywood hätte erfinden können Er war Maler, Okkultist, Liebling der Reichen und Mächtigen und entwickelte seine eigene mystische Lehre. Im zaristischen Russland geboten, beriet er später höchste amerikanische Regierungskreise, unterhielt aber auch Verbindungen zum Geheimdienst der jungen Sowjetunion. 1925 reiste er für drei Jahre durch Indien, China, die Mongolei und Tibet auf der Suche nach dem mythischen Zentrum der weisen Mahatmas. Roerich und seiner Lehre folgen heute noch Hunderttausende von Anhängern in Russland und der ganzen Welt. AUTORENPORTRÄT Nikolai Roerich (1874–1947) wurde im vorrevolutionären Russland ein angesehener Maler. Sein starkes Interesse galt dem Okkultismus, das ihn schließlich zur Lehre der Theosophie führte. Nach der russischen Revolution ging Roerich ins Exil nach London. Dort und später in New York erhielt seine Frau Helena fast täglich Mitteilungen der mythischen Mahatmas, die ihren Mann zu Großem ausersehen hatten. In kurzer Zeit scharte sich ein Kreis von Gönnern und Anhängern um den Künstler, die ihm 1929 am vornehmen Riverside Drive in Manhattan ein 29-stöckiges Hochhaus errichteten. Waldenfels' Biografie bringt erstmals Licht in das Dunkel eines geheimnisvollen Lebens.

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Ernst von Waldenfels

Nikolai Roerich

Kunst, Macht und Okkultismus

Biografie

Saga

Nikolai Roerich

German

© 2011 Ernst von Waldenfels

Alle Rechte der deutschen Ausgabe © Osburg Verlag Hamburg 2009 www.osburg-verlag.de. Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen

All rights reserved

ISBN: 9788711449530

1. Ebook-Auflage, 2016

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschtzt. Kopieren fr andere als persnliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt und Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com – a part of Egmont, www.egmont.com

Für meine Eltern

Anstelle eines Vorworts:Das Tagebuch des Dr. Rjabinin

Ich fand das Buch in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, an einem kalten Herbstabend 2004. Es lag unter einem Stapel von Büchern in einem kleinen Antiquariat, das hauptsächlich russische Bücher im Angebot hatte. Es war die alte Intelligenz aus sozialistischen Zeiten, die hier aus Not ihre Schätze verkaufte. Wissenschaftliche Abhandlungen über Archäologie, Geografie und Kunstgeschichte, die nun niemanden mehr zu interessieren schienen, und eben dieses Buch.

Sein Titel war »Tibet – Enthüllt« und erschienen war es 1996 bei »Amrita-Ural«, einem Verlag irgendwo in der russischen Provinz. Das Buch sah ungewöhnlich aus. Es war solide gebunden und hatte einen festen blauen Umschlag. Der Titel war zwar in kyrillischer Schrift gesetzt, aber der Stil der Buchstaben erinnerte an Sanskrit oder das, was der Layouter für Tibetisch gehalten haben muss. Das Buch war umfangreich, über sechshundert Seiten, hatte beinahe DIN-A4-Format, enthielt Fotos und Zeichnungen und war ungewöhnlich liebevoll gedruckt. Auch das Papier verriet, dass die Herausgeber weder Mühe noch Kosten gescheut hatten. Während sonst im Russland der chaotischen neunziger Jahre Bücher gewöhnlich auf Zeitungspapier gedruckt wurden, hatte man hier schweres und völlig weißes Papier gewählt.

Die Herausgeber mussten vermögend oder selbstlose Enthusiasten sein, denn das Buch war wohl keines von der Sorte, das sich zu Zeiten Jelzins in Russland gut verkaufen ließ.

Es war weder ein Kriminalroman, noch wartete es mit angeblichen oder wahren Sensationen auf, die man in den erst seit wenigen Jahren zugänglichen Archiven gefunden hatte.

Der Untertitel des Buches lautete: »Die Original-Tagebücher der Expedition von N. K. Roerich« und der Autor hieß K.N. Rjabinin. Auf der ersten Druckseite stand die Jahreszahl 1928 und das Motto »Keine Religion übertrifft die Wahrheit und die Weisheit ist ihr Licht«.

Auf der nächsten Seite standen folgende weitere Angaben: »Das Buch enthält die originalen Tagebuchaufzeichnungen von K. N. Rjabinin. Diese Dokumente hätten nie das Licht erblickt und wären zweifellos auf ewig unbekannt geblieben, wären sie nicht 1992 zufällig durch die russischen Diplomaten A. M. Kadakin und B. S. Starostin auf dem Landsitz der Roerichs in Kullu (Indien) entdeckt worden«

Das Buch interessierte mich. Tibet war in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts das unzugänglichste Land der Welt. Die Todesstrafe bedrohte jeden Tibeter, der ohne ausdrückliche Erlaubnis des Dalai Lama Fremde ins Land ließ. Selbst der unermüdliche Sven Hedin hatte es nur geschafft, die Randgebiete zu bereisen, und war nie nach Zentraltibet, nach Lhasa vorgedrungen. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts kann man die Zahl der Expeditionen nach Tibet an zwei Händen abzählen. Ich kannte die berühmten Aufzeichnungen von Alexandra David-Neel und Sven Hedin und sogar die obskuren Notizen eines japanischen Mönches, der 1901 bis nach Lhasa gekommen war. Von der Expedition eines N. K. Roerich hatte ich aber bis dahin noch nie gehört.

Ich erwarb das Buch.

Das Vorwort stammte von B. S. Starostin, einem der beiden Diplomaten, die das Manuskript gefunden hatten. Über Rjabinin stand zu lesen, dieser sei ein talentierter Arzt und Psychologe gewesen und habe sich sowohl für die allermodernste westliche Medizin als auch für östliche Heilkunde interessiert. Etwas mysteriös hieß es weiter, er habe Forschungen im Bereich des menschlichen Geistes betrieben und auf diesem Gebiet erfolgreich experimentiert. Er habe höchsten Hofkreisen nahegestanden und sei der Arzt von Felix Jussupow, des Verwandten des Zaren und Mörders des Wunderheilers Rasputin, gewesen.

Vom Leiter der Expedition, Nikolai Konstantinowitsch Roerich, wurde anscheinend vorausgesetzt, dass dem Leser des Buches seine biografischen Daten bereits bekannt waren. Seine Leistungen als Maler und Denker wurden gepriesen. Es fanden sich dort Sätze wie: »Die kulturelle Hinterlassenschaft Roerichs wird noch lange Zeit von allen Seiten untersucht werden und es ist nicht sicher, dass sie jemals bis ins Letzte verstanden werden wird. Nicht nur weil seine Tätigkeit so umfassend und seine Interessen so vielfältig waren, sondern auch, weil er so tief in den Mikrokosmos des menschlichen Daseins, wie auch den Makrokosmos dessen, was den Menschen umgibt, eingedrungen ist.«

Weiter war in dem Vorwort von einem seltsamen Flugobjekt die Rede, das die Teilnehmer der Expedition beobachtet hätten. Laut der Mongolen und Tibeter unter ihnen hätte dieses Objekt zur »Bruderschaft« gehört, die den Apparat dazu genutzt hätte, mit dem Pantschen Lama in Mukden Kontakt aufzunehmen. Welche Bruderschaft und was für ein Apparat?

Und natürlich war die Frage interessant, wie ein sowjetischer Diplomat, nach Ausbildung zweifellos Marxist-Leninist, überhaupt solche Sätze kommentarlos zitieren konnte.

Dem Vorwort folgte eine Seite mit einigen wenigen, sehr groß gedruckten Sätzen.

Betitelt waren sie mit »Geleitworte der Lehrer des Ostens«. Der Sinn dieser wenigen Sätze war dunkel, die Sprache alttestamentarisch: »Unvergesslich zu wissen, wie die Reisenden im Namen der Errichtung einer neuen Welt vorwärtsschreiten, da die Städte sie mit ihrer Bequemlichkeit verlocken; da kleinliches Streben nach Eigentum die besten Geister gefangen nimmt, haben sie kühn beschlossen, das Silber ihrer Arbeit beizutragen.«

Diesen Sätzen folgte eine Einleitung des Autors, Dr. Rjabinin, selbst. Unter anderem schrieb er: »Einige Seiten des Tagebuchs betreffend die Bruderschaft im Himalaja oder die verbotene Zone von Schambala; über den legendären, aber wahrhaftig existierenden Meteoriten, den man den Schatz der Welt oder Tschintamani nennt, mögen einem Leser, der sich nicht in die Literatur vertieft hat, als Erfindung oder zumindest Aberglauben vorkommen. Ich bitte zu bedenken, dass der Autor des Tagesbuchs die fünfzig bereits überschritten hat und über grundlegende Kenntnisse in der Medizin und den Naturwissenschaften verfügt. Die betreffenden Stellen gründen sich nicht nur auf das, was der Autor gelesen hat, sondern auf Fakten, deren Zeuge er selbst gewesen ist.«

Weiter schrieb Dr. Rjabinin mehrere Seiten über Nikolai Roerich, der im Petersburg der Zarenzeit ein hoch angesehener Künstler mit Zugang zu höchsten Kreisen gewesen war. Er hatte ihn bereits 1898 kennengelernt, wie er schrieb, und die beiden verband ein Interesse an »Experimenten im Bereich des Geistes«, wie es Dr. Rjabinin ausdrückte, ohne Näheres mitzuteilen. Später kam auch noch die Ehefrau Roerichs, Helena, dazu, und »das Verständnis der beiden für mein geistiges Streben war die Grundlage für unsere Nähe. Ich erinnere mich, wie wir damals über die großen geistigen Errungenschaften Indiens sprachen und über die ›Lehrer des Ostens‹. Die Tiefe ihrer Gedanken und Lehre bezeugte die gewaltige Kenntnis des menschlichen Geistes, die sich in den geheimen Zentren der Eingeweihten, vor allem aber in der Bruderschaft des Himalaja, laut uralter Überlieferung angesammelt hatte. Das letztere Zentrum erschien uns immer als Quelle des unübertrefflichen Wissens und der Wahrheit. Den Weg dorthin hofften wir über Indien zu finden.«

Es folgte das Tagebuch selbst, das streckenweise hochspannend war. Die Karawane durchquerte die Wüste Gobi, dann das Nan-Schan-Gebirge, stieß mit räuberischen Gebirgsstämmen zusammen, begegnete tibetischen Wundermönchen und verbrachte über einen Monat in einem Kloster der geheimnisvollen Bön-Po-Sekte.

Doch gab das Tagebuch nicht weniger Rätsel auf als das Vorwort und die Einleitung. Es fing bereits mit den ersten Tagen an. Die Expedition verließ die Hauptstadt der Mongolei nicht etwa, wie in diesen Jahren zu erwarten gewesen wäre, mit einer Kamelkarawane, sondern mit Lastwagen, die ausgerechnet die sowjetische Handelsvertretung zur Verfügung gestellt hatte. Hier lag etwas verborgen, war noch etwas Unbekanntes im Spiel. Denn im ersten Eintrag im Tagebuch des Dr. Rjabinin vom 9. April 1927 lautete gleich der zweite Satz: »Die Flagge von Buddha Matreya ist fertiggestellt. Das Ziel der Mission, die als erste in der Geschichte ohne Maskierung und Geheimnistuerei auftritt, ist die Schaffung eines wahren Buddhismus und von erregender Bedeutung.«

Nur, was konnte die sowjetische Handelsvertretung für ein Interesse an einer Expedition mit offensichtlich religiösen Zielen haben?

Noch rätselhafter war, wie Dr. Rjabinin, offensichtlich alles andere als ein überzeugter Kommunist, überhaupt die Erlaubnis bekommen konnte, die Sowjetunion zu verlassen. Noch dazu in wenigen Tagen, als sei die Sache von ganz oben abgesegnet worden. Normalerweise dauerte es in der Sowjetunion jener Jahre Monate, bis ein Mann mit solch zweifelhaftem Vorleben wie ein Arzt mit Verbindungen zur Zarenfamilie einen Auslandspass bekam. Wenn er überhaupt einen erhielt.

Es konnte eigentlich nur eine Erklärung dafür geben: Höchste Spitzen im Machtapparat in Moskau verfolgten mit der Expedition eigene Interessen.

Nur, welche es waren, ließ sich dem Tagebuch nicht entnehmen. Und falls Dr. Rjabinin sich darüber Gedanken gemacht haben sollte, so vertraute er sie dem Tagebuch klugerweise nicht an. Schließlich wollte er, wie sich den Aufzeichnungen an anderer Stelle entnehmen ließ, in die Sowjetunion zurückkehren.

Das Tagebuch hatte mich neugierig gemacht. Was hatte es mit der Bruderschaft und Schambala auf sich? Wieso glaubte nicht nur Dr. Rjabinin in den zwanziger Jahren, sondern offensichtlich auch ein sowjetischer Diplomat siebzig Jahre später an die Existenz dieser geheimnisvollen Gemeinschaft? Wieso hatten Instanzen im sowjetischen Staatsapparat die Expedition überhaupt zugelassen und sogar gefördert?

Eine schnelle Recherche in einer Encyclopedia Britannica, die ich als CD in einem Kiosk in Ulan Bator gekauft hatte, ergab, dass Roerich zumindest in Amerika eher als Fußnote der Kunstgeschichte gesehen wurde, denn die Herausgeber des Lexikons hatten seiner Biografie kaum mehr als eine viertel Spalte eingeräumt. Lapidar hieß es, er sei 1874 in St. Petersburg geboren worden, habe sich einen Namen als Künstler vor allem durch seine Bühnenbilder gemacht und sei Szenarist des berühmten Balletts »Das Frühlingsopfer« von Igor Strawinsky gewesen. 1920 sei er nach Amerika emigriert und hätte reiche Gönner gefunden, die ihm bereits zu Lebzeiten ein Museum finanzierten.

Roerich sei auch Mystiker gewesen, wurde geschrieben, und dann folgte noch die kurze Anmerkung, dass eine der einflussreichsten Figuren der amerikanischen Innenpolitik der dreißiger und vierziger Jahre, der Landwirtschaftsminister Roosevelts und spätere Vizepräsident der USA, Henry Wallace, Roerich als seinen Guru betrachtet habe. Zumindest bis 1935, als Roerich im Zusammenhang mit einer weiteren Expedition, diesmal in die Mandschurei, einen Skandal auslöste, der Wallace dazu zwang, sich von Roerich zu distanzieren.

Es verblieb der Briefwechsel zwischen den beiden. Wallace hatte Roerich als »mein Guru« angesprochen, und es fanden sich dort seltsame Sätze wie: »Die Affen suchen Freundschaft mit den Herrschern, um das Land der Meister unter sich aufzuteilen. Der Wandernde glaubt dies und hegt großes Misstrauen gegenüber den Affen.«

1948 wurden diese Briefe dazu benutzt, Henry Wallace, die Galionsfigur der amerikanischen Linken und bis dahin aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat, in den Augen der Wähler zu diskreditieren.

Mehr war in diesem wichtigsten Lexikon der englischsprachigen Welt nicht zu erfahren. Das Internet dagegen wartete mit Abertausenden von Seiten auf. Augenscheinlich war Roerich ein Liebling der Verschwörungstheoretiker, besonders der amerikanischen. Unzählbar die Seiten, die Wallace und Roerich mit der mysteriösen Pyramide auf den amerikanischen Ein-Dollar-Noten und dem darunter gedruckten Motto »Novus ordo seclorum« in Verbindung brachten. Ominöse Deutungen dieses harmlosen Mottos waren fast so zahlreich wie die in Umlauf gebrachten Noten selbst.

Im deutschsprachigen Teil des Internets dagegen war die Zahl der Seiten über Roerich vergleichsweise bescheiden. Hier dominierten ernsthafte Erörterungen einer mystischen Lehre namens »Agni Yoga«, die Roerichs Ehefrau Helena ins Leben gerufen hatte. Es fanden sich Übersetzungen ihrer Bücher und zahlreicher Briefe mit okkultem, schwer verständlichem Inhalt. Auch zu Nikolai Roerich gab es einiges, der als »Prophet der Schönheit und Kultur« und »großer Friedensstifter« gerühmt wurde.

Am meisten war zu Roerich im russischen Internet zu finden. Mehrere Museen präsentierten sich, die ganz oder teilweise seinem Schaffen gewidmet waren. Die meisten Texte stammten von seiner Frau Helena oder von Anhängern, die sich zu Vergleichen Roerichs mit Leonardo da Vinci verstiegen oder Roerich sogar als »Retter Russlands« priesen. Er wurde als Nachfahre Ruriks vorgestellt, jenes skandinavischen Warägers, der am Anfang der Kiewer Rus steht, und im Zusammenhang mit der Expedition 1927 war zu erfahren, er sei vorher in Moskau gewesen, um der sowjetischen Staatsspitze eine wichtige Warnung zukommen zu lassen.

Es gab allerdings auch ein paar wenige Seiten, die Roerich in einem ganz anderen Licht erscheinen ließen. Einigen galt er schlicht als Agent der sowjetischen Geheimpolizei, der seinen Mystizismus als raffinierte Tarnung verwendet habe, um Spionage zu betreiben. Andere hielten ihn für einen bloßen Scharlatan, der auf nichts als das Geld seiner reichen amerikanischen Gönner aus gewesen war.

Allen Seiten gemeinsam war ihre Mythologisierung des Mannes. Zwischen Vergötterung und Verdammung, Schwarz und Weiß schien es keine Schattierung zu geben.

Wer war dieser Mann und was hatte es mit alledem auf sich?

Mit dem Tagebuch des Dr. Rjabinin hatte eine Suche begonnen, die mich schließlich nach Indien, in die USA und mehrmals nach Russland führte. Dabei stieß ich wie beim Öffnen einer russischen Matroschka auf immer neue Schichten und neue Puppen in der Puppe. Nichts war bei diesem Mann so, wie es auf den ersten Blick schien. Und das fing schon mit seiner Herkunft an.

Teil I

Der Prophet der Schönheit

Kapitel 1

Die geheimnisvolle Herkunft

Nikolai Roerich war ein Mann, der die unglaublichsten Gerüchte und Legenden über sich selbst zu verbreiten wusste. Ob als wiederkehrender König von Schambala, Maler heilbringender Bilder oder sogar zur Weltrettung berufener Messias, in all diesen Rollen fand er glühende Anhänger. Oder auch Zweifler, die sich über seine Posen lustig machten. Mit einem allerdings sollte er sich bei Freund und Feind durchsetzen: mit der selbstgesponnenen Legende von der hohen Herkunft.

Danach war Begründer des »Geschlechts« der Roerichs kein anderer als Rurik selbst, der aus Skandinavien stammende mythische Begründer der Rus, des Vorläufers des russischen Reiches. Im Mittelalter sei einer der Nachfahren Ruriks in seine Urheimat, nach Schweden, zurückgekehrt, während der Rest der Familie noch lange Jahrhunderte die Herrscher Russlands stellte.

Dieser, der erste Teil der »Familiengeschichte«, wird nur von seinen glühendsten Anhängern für bare Münze genommen. Zu offensichtlich beruht sie auf nicht mehr als einer bloßen Namensähnlichkeit zwischen Roerich und Rurik. Der Teil dagegen, der mit dem »Rückkehrer nach Schweden« anfängt, ist von sämtlichen Biografien und Lexika, ob russisch- oder englischsprachig übernommen worden.

Die Nachfahren jenes nie genauer benannten Rückkehrers seien dann als Tempelritter hervorgetreten, was nur zu gut zu den okkulten Neigungen ihres späteren Nachfahren passte. Der erste Roerich auf russischem Boden schließlich soll Nikolais Urgroßvater, ein schwedischer General, gewesen sein, der mit Karl XII. in den Krieg gezogen und nach der Niederlage der Schweden in den Dienst Peters des Großen getreten sei. Der Zar habe ihm dann Ländereien im Norden Russlands, in der Nähe der Ostsee, geschenkt. Sein Großvater, ein Fjodor Roerich, war angeblich ein hohes Mitglied der okkulten Geheimgesellschaft der Freimaurer und sein Vater Konstantin nicht nur ein angesehener Notar, sondern soll auch führend an der Gesetzgebung zur Abschaffung der Leibeigenschaft beteiligt gewesen sein.

Eine wahrhaft illustre Ahnenreihe. Bereits eine kurze Recherche ergab, dass Roerich in seinen verschiedenen Varianten der Schreibung (Rörich, Röhrich, Roehrich etc.) ein geläufiger deutscher Familienname ist, den die Namensforschung entweder auf das Röhricht oder auf den Vornamen Roderich zurückführt. Im schwedischen Telefonbuch dagegen gelang es trotz Suche nach allen möglichen Namensvarianten nicht, mehr als elf Röricks und zwei Röhrichs zu entdecken. Aber weder einen Rörich noch einen Roerich.

Dass der 1837 geborene Vater an der 1861 erfolgten Aufhebung der Leibeigenschaft beteiligt gewesen sein soll, war auch kaum glaubhaft, und dass Nikolais Großvater, angeblich ein hoher Staatsbeamter, gegen das strikte Verbot der Freimaurerei im damaligen russischen Staat verstoßen hatte, war zwar möglich, aber doch eher unwahrscheinlich.

Die Wahrheit über Nikolai Roerichs Herkunft kam erst vor wenigen Jahren ans Licht. Es war der lettische Forscher Ivars Silars, der sich die Mühe machte, alle Taufregister der deutschen Minderheit durchzusehen,1 Register, die 1939 zusammen mit den ausgesiedelten Deutschen ins »Dritte Reich« und dann 1971 aus Rostock wieder zurück ins Baltikum gekommen waren.

Bereits bekannt war, dass Konstantin Roerich aus der heute zu Lettland gehörenden Landschaft Kurland stammte. Diese war damals eine Provinz des russischen Reiches, in der eine Oberschicht deutscher Herkunft, die »baltischen Barone« über die Masse ihrer hauptsächlich lettischen Untertanen herrschte.

Als nun Ivars Silars sich in die Kirchenregister Kurlands vertiefte, traf er auf eine Überraschung nach der anderen. Zuerst einmal stellte sich Konstantin als unehelich geboren heraus. Seine Mutter war ein Dienstmädchen, die aus Preußen stammende Konstantia Schuhschel. Doch damit nicht genug. Im Taufregister fehlte der Name des Vaters! Den Namen Roerich sollte Konstantin erst zwölf Jahre später bekommen. Nicht etwa, weil der Namensgeber, ein Nachfahre deutscher Handwerker namens Friedrich Roerich, tatsächlich der Vater war. Zumindest nicht, wenn man der Indizienkette des lettischen Historikers folgt, der bei seinen monatelangen Untersuchungen auf eine Reihe von Ungereimtheiten gestoßen ist, die zusammengenommen den Stoff für einen Roman über die Klassengegensätze des damaligen Kurland ergeben würden.

Wie Ivars Silars herausfand, war Konstantia Schuhschel 1837, zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Sohnes, Dienstmädchen auf dem Gut Paplacken, das einer der mächtigsten Familien Kurlands, den Freiherren von der Ropp, gehörte. Friedrich Roerich, der siebte Sohn eines Schneiders, dessen Vorfahren vor gut hundert Jahren ins Baltikum eingewandert waren, hatte es zum Verwalter von Paplacken gebracht. Dass Friedrich Roerich erst zwölf Jahre später als Vater von Konstantin genannt wird, wäre vielleicht nicht so bemerkenswert, gäbe es nicht mehrere außergewöhnliche Umstände. Zum einen gebar sie ein Jahr später einen weiteren Sohn, Albrecht, und einige Jahre danach noch ein Kind – diesmal dauerte es nicht zwölf Jahre und sie gab gleich Friedrich als den Vater dieser Kinder an. Zum anderen hatte ausgerechnet der erste, der nicht nur uneheliche, sondern auch vaterlose Konstantin, gleich drei Würdenträger als Taufzeugen, einen Arzt, einen Amtmannn und einen Müller nämlich, während die Taufe ihres zweiten Kindes sehr viel standesgemäßer von einem Viehhüter und einem Sattler bezeugt worden war.

Eine weitere Seltsamkeit betraf die Eintragung der Taufe in das Kirchenbuch. Sie war gegen jede Regel vorgenommen worden, was erklärt, warum erst Silars auf die uneheliche Geburt Konstantins stieß. Statt in der richtigen Reihenfolge – Konstantin hatte man am 7. Juli getauft – wurde die Geburt im Dezember eingetragen. Auch war Konstantin nicht, wie die anderen beiden Kinder von Friedrich und Konstantia, in der für Paplacken zuständigen lutherischen Kirche von Nord-Durben getauft worden, sondern in Birsdorf und schließlich in das Kirchenbuch noch einer weiteren Gemeinde, nämlich Wirgen, eingetragen. Mit Wirgen hat es eine besondere Bewandtnis: Es war nämlich die Heimatgemeinde derer von der Ropp. Ein Zufall? Wohl kaum, wenn man den weiteren Lebensweg von Konstantin Roerich bedenkt. Immer wieder taucht eine schützende Hand über dem Jungen auf, der es schließlich bis in die oberen Schichten der Zarenhauptstadt bringen wird.

Es fängt 1849 an, als der uneheliche Sohn des Dienstmädchens an das Technologische Institut, eine der bekanntesten Schulen St. Peterburgs, aufgenommen wird, um dort Jura zu studieren. Auf einmal ist er nicht mehr vaterlos, sondern trägt den Nachnamen Roerich. Im gleichen Jahr geben die von der Ropps Friedrich Roerich zwei ihrer Güter zur Pacht. Dies ist auch schon das letzte Mal, dass er im Leben seines angeblichen Sohnes auftaucht. Den Antrag zur Aufnahme in das Institut wie auch die Aufnahmekosten für den Jungen bezahlte ein Eduard von der Ropp, früher ansässig auf Gut Paplacken, der auch als Vormund des Jungen figuriert.

Zunächst blieb Konstantin am Technologischen Institut, brach dann aber seine Ausbildung aus unbekannten Gründen ab. Man könnte vermuten, der Jugendliche aus der Provinz mit der niederen Herkunft habe die Hänseleien seiner Mitschüler aus höheren Kreisen nicht ertragen. Das ist bloße Spekulation, aber vielleicht auch mehr als das, wenn man an die Erzählungen Gogols oder die Romane Dostojewskis denkt, die die brutalen Erniedrigungen geschildert haben, denen die kleinen Beamten, das Fußvolk der Administration des Kaiserreiches, ausgesetzt waren.

Das damalige Russland war ein strikter Ständestaat. Es gab 14 Ränge in der zivilen Beamtenschaft, die ihre Entsprechung im Militär hatten, wobei der erbliche Adel ganz oben stand. Rang war alles, und selbst die Kaufmannschaft war in eine erste und zweite Gilde gegliedert. Allerdings konnte man sich keinen Rang erkaufen, aber die Mitgliedschaft in einer Kaufmannsgilde. Und eben in eine solche Gilde sollte Konstantin Roerich erhoben werden.

Vorerst jedoch fing er als Buchhalter in einer Fabrik an und wurde erst technischer Zeichner und schließlich Buchhalter beim Bau der Eisenbahnlinie St. Petersburg-Warschau. Sein Vormund Eduard von der Ropp war zu der Zeit hoher Beamter beim Ingenieurskorps der Verkehrswege in St. Petersburg, also einer seiner Vorgesetzten.

Es folgte die nächste »berufliche« Station im Leben des Konstantin Roerich. Bei der Volkszählung von 1863 taucht Konstatin Roerich, der zu diesem Zeitpunkt zweifelsfrei Buchhalter in St. Petersburg ist, als Kaufmann der zweiten Gilde in der kurländischen Stadt Hasenpoth auf. Derselben Stadt übrigens, in der seine nunmehr 55 alte Mutter lebte. Und zwar mit der Adresse Kuldigas 16 direkt neben den von der Ropps, die die Adresse Kuldigas 14 hatten. Es fragt sich, woher der Buchhalter Konstantin Roerich das Geld und natürlich auch die Beziehungen hatte, um sich, obgleich in Petersburg ansässig, in Kurland als Kaufmann eintragen zu lassen. Und weshalb?

Die letzte Frage ist nicht schwer zu beantworten. 1862 nämlich hatte Konstantin Roerich die aus eben diesem Stand herkommende Maria Kalaschnikowa, die Mutter Nikolais, geheiratet.

Maria Kalaschnikowa brachte nicht viel in die Ehe mit. Man weiß, sie war Teilerbin eines Hauses in der Provinzstadt Ostrow, aber in Erbstreitigkeiten verwickelt.2 1867 musste Konstantin Roerich, der zu dieser Zeit 1500 Rubel jährlich verdiente, seine Vorgesetzten bitten, ihm ein Darlehen von 400 Rubeln zu gewähren, um eine Versteigerung des Besitzes seiner Frau zu verhindern. Aber nur wenige Monate später kam die nächste verblüffende Wende in seinem Schicksal. Aus unbekannter Quelle erhielt der nunmehr Dreißigjährige die gewaltige Summe von 10000 Rubeln, hinterlegte sie als Kaution und bekam trotz nicht abgeschlossenen Studiums eine Stelle als Notar beim St. Petersburger Kreisgericht. Aus dem Teilerbe seiner Frau kann die Summe übrigens nicht gekommen sein, denn das Haus in Ostrow war noch Jahre später im Besitz der Familie.

Damit begann sein Aufstieg, der ihm Kunden aus den besten Kreisen und ein hohes Ansehen einbringen sollte. 1872 kaufte er sogar ein gewaltiges Landgut nordöstlich von St. Petersburg und besaß damit fast alle Attribute eines Angehörigen der herrschenden Schicht des Kaiserreiches. Fast alle, denn ihm fehlte der Adel und ihn sollte er nie erlangen.

Umso wütender wird sein Sohn Nikolai eben dies später behaupten. Vor der Heirat mit seiner aus dem Hochadel stammenden Frau wird er ihren widerstrebenden Verwandten versichern, er sei adeliger Abstammung, nur könne er dies nicht beweisen, da die entsprechenden Urkunden leider bei einem Brand im Haus seines Urgroßvaters vernichtet worden seien. Als einzigen Beweis seiner angeblichen Herkunft wird er ein Wappen der Familie »Roerich« vorzeigen, das er aller Wahrscheinlichkeit selbst entworfen hat. 1930 schließlich wird es ihm gelingen, sich sozusagen selbst zu adeln, als er sich anlässlich der Erlangung der französischen Staatsbürgerschaft den adeligen Namenszusatz »de« zulegt. Von nun an wird er im Briefverkehr auf der Anrede »de Roerich« bestehen, und aus der Tagebucheintragung einer seiner Anhängerinnen können wir entnehmen, dies sei nur recht und billig, denn bereits in Russland habe seine Familie den Titel Freiherr getragen.3

Die Familie Roerich? Oder meinte er damit die Freiherren von der Ropp? Und das bringt uns zu der Frage, was Nikolai Roerich von der Herkunft seines Vaters überhaupt gewusst hat und ob man in den Abertausend Briefen und Aufzeichnungen des Vielschreibers vielleicht irgendeinen Hinweis findet. Um es gleich zu sagen, weder der Name Schuhschel noch der Name von der Ropp taucht auf. Zumindest nicht in irgendeiner der zahlreichen Ausgaben seiner Briefe und Selbstzeugnisse. Auch nicht ein Hinweis auf jemanden mit der Biografie Eduard von der Ropps. Viel ist über ihn nicht bekannt, aber in der Datenbank des Osteuropa-Instituts findet man immerhin die Angabe, dass er 1810 in Paplacken geboren wurde, es in der Verwaltung der Verkehrswege bis zum wirklichen Staatsrat, der vierten Stufe der Rangliste, geschafft hatte und kurz vor Jahresende 1869 in St. Petersburg gestorben war. Er hatte aller Wahrscheinlichkeit nach nie geheiratet, und es sind auch keine Kinder von ihm verzeichnet.4 Sein Tod könnte erklären, woher plötzlich Konstantin Roerich die gewaltige Summe hatte, die nötig war, um 1872 Iswara, jenes Landgut nordwestlich von St. Petersburg, zu kaufen.

Wenn wir die spärlichen Auskünfte Nikolai Roerichs über seine Familie väterlicherseits durchgehen, so fallen vor allem die Leerstellen auf. Weder werden Geschwister des Vaters erwähnt, noch findet sich der leiseste Hinweise auf die Tatsache, dass sein Vater Konstantin deutscher Herkunft war, wie auch dessen Muttersprache Deutsch gewesen sein muss. Hat schon Konstantin Roerich alles getan, um seine Vergangenheit in Kurland hinter sich zu lassen, war er es bereits, der sich eine »neue« Identität verschafft hat? Oder ist es erst sein Sohn Nikolai gewesen, der spätere »Urrusse«, der die Herkunft seines Vaters verdeckte?

Das wenige, was Nikolai Roerich später über die unmittelbare Familie seines Vaters berichtet hat, ist widersprüchlich. So brachte er 1912 diese Beschreibung seines Großvaters zu Papier: »Die fröhliche Kinderschar rennt die Treppe hinunter. [...] Wir dürfen in das dunkle, hohe Zimmer des Großvaters.

Alles beim Großvater ist besonders. Uns gefällt der Sessel mit den Drachen. Ach hätten wir solche im Kinderzimmer! Wunderbar ist auch die Wanduhr, die Musik spielt. In den Schränken hinter den Glastüren Bücher mit goldbedruckten Einbänden. Es hängen schwarze Bilder und eines davon ist schief, aber der Großvater liebt es nicht, wenn man etwas anfasst. Es gibt viele schöne Dinge beim Großvater. [...] Man darf die Freimaurerzeichen anfassen, aber nicht anziehen. Und wenn der Großvater guter Laune ist und ihm die Füße nicht wehtun, dann öffnet er die rechte Schublade des Tisches. Und dort sind unendlich viele interessante Dinge! [...] Nach Beendigung der Hausaufgaben lieben wir es, zum Großvater zu rennen. Wir freuen uns am Großvater.

Etwas anderes.

›Großvater verbietet es, ihn zu besuchen.‹ Der erzürnte Großvater. Groß, grau, stachelig. Unmöglich zu ahnen, was erlaubt ist. Er weiß so oder so alles besser. Am besten das, was schon zu seiner Zeit so war. Alles muss so sein und nicht anders. Schimpft und fordert zur gleichen Zeit.«5

Großväterchen Fjodor kommt in Tagebucheinträgen und Briefen Nikolai Roerichs noch einige weitere Male vor. Wir erfahren noch, er habe in seiner Jugend bei den Husaren gedient, habe geraucht wie ein Schlot und sei 105 Jahre alt geworden. Nur war dieser Fjodor identisch mit Friedrich Roerich? Oder war es jemand völlig anderes? Mit der Bezeichnung Großvater oder Großväterchen geht man im Russischen großzügig um.

Gründe zum Zweifeln gibt es. Friedrich Roerich, der Sohn eines Schneiders als Husar? Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass die Husaren entweder aus den Minderheiten im Süden des Reiches oder aus dem Hochadel und dann für die Leibregimenter der Zarenfamilie rekrutiert wurden. Genauso steht es mit der Behauptung, der Großvater sei uralt geworden. Das musste er ja auch, wenn sich der 1806 geborene Friedrich Ende des 19. Jahrhunderts bei seinem Sohn in Petersburg aufgehalten haben soll. Nur gibt es einen Brief Nikolai Roerichs an seinen litauischen Anhänger Richard Rudsites, in dem er mitteilt, das ungewöhnliche Alter Fjodors läge in der Familie, denn auch der Vater Friedrichs, Nikolais Urgroßvater also, sei mehr als neunzig Jahre alt geworden.6 Das aber trifft nicht zu, denn der Schneider Johann Roerich ist gerade einmal 57 Jahre alt geworden, wie Ivars Silars herausgefunden hat.

Auch die angebliche Mitgliedschaft Friedrichs bei den Freimaurern erweckt Zweifel. Zumindest wenn Fjodor und Friedrich identisch waren. Denn die Freimaurerei war im damaligen russischen Reich streng verboten und nur Hochgestellte wagten es, sich über das Verbot hinwegzusetzen. Der Aufsteiger Friedrich Roerich soll dieses Risiko eingegangen sein?

War das so detailliert beschriebene Großväterchen ein von der Ropp oder vielleicht jemand völlig anderes?

Nikolai Roerich hat die Spuren seiner Herkunft verwischt, das ist sicher. Wenn sein wahrer Großvater Eduard von der Ropp war, wie es Ivars Silars annimmt, dann hätte sein Vater den Makel der unehelichen Geburt getragen. War aber sein Großvater Friedrich Roerich, dann durfte keinesfalls dessen niedrige Herkunft ans Licht kommen. Weder das eine noch das andere wird vermutlich jemals zweifelsfrei zu belegen sein. Nikolai Roerich war ein Mann, der seine Geheimnisse zu wahren wusste.

Kapitel 2

Anfänge

Konstantin Roerich und seine Frau Maria bekamen bald nach ihrer Hochzeit eine Tochter, Lidia, die später einen Arzt heiratete und sonst wenig Spuren hinterlassen hat. Dann, am 27. September 1874, wurde ihr Sohn Nikolai geboren und im Abstand von acht und elf Jahren noch zwei weitere Söhne, Wladimir und Boris. Der eine wurde Militär und der andere Architekt, aber beide sollten unter den Einfluss ihres älteren Bruders geraten und noch die eine oder andere Rolle in seinen Abenteuern spielen.

Nikolai Roerich wuchs auf der Wassiliinsel auf, direkt im Zentrum der Hauptstadt des Zarenreiches. Wohnung wie Büro des Vaters waren in einem fünfstöckigen, klassizistischen Neubau am Newaufer, einen Steinwurf vom imposanten Bau der kaiserlichen Kunstakademie. Von hier konnte man den Winterpalast sehen, der nicht mehr als zwanzig Minuten zu Fuß entfernt lag, sowie die Paläste des Hochadels auf der anderen Newaseite. Das damalige Petersburg war eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Bauern aus der Provinz zog es in die großen Industriebetriebe, der Kleinadel versuchte in der Verwaltung des expandierenden Reiches einen Posten zu ergattern, und es gab eine starke deutsche Minderheit. Ganz oben standen die baltischen Barone, von denen es hieß, niemand habe sie in ihrer Verehrung für den Zaren wie auch ihrer Verachtung für das russische Volk übertroffen. Darunter gab es eine breite Mittelschicht aus Kleinindustriellen und Handwerkern aller Art. Vertreter der Unterschicht dagegen waren unter den Deutschen kaum anzutreffen. Wie man der russischen Literatur entnehmen kann, war diese Minderheit nicht beliebt. Bei Gogol lesen wir von den teuren deutschen Schneidern, die mit ihrer Akkuratesse ihren ewig betrunkenen russischen Standeskollegen die besten Aufträge wegnehmen, von faden deutschen Kartoffelgerichten, die die sparsamen Einwanderer zubereiten, und es ist kein Zufall, dass die geizige, unangenehm pedantische Zimmerwirtin Raskolnikows, der Hauptfigur von Dostojewskis Schuld und Sühne, eine Deutsche ist. Das »deutsche« St. Petersburg sollte mit dem Ersten Weltkrieg untergehen. Nicht nur wurde die Stadt 1914 in Petrograd umbenannt, auch all die deutschen Ladenschilder, die einem auf alten Fotos ins Auge fallen, wurden sämtlich russifiziert.

Eben das deutsche Petersburg ist in dem, was über Nikolai Roerichs Jugend zweifelsfrei dokumentarisch belegt ist, allgegenwärtig. In dem Haus am Universitätsufer ist im Erdgeschoss die große »Fleischwaarenhandlung [sic!] Gries« untergebracht, und in einem zweistöckigen Haus mit zwanzig Zimmern, das die Roerichs auf der Wassiliinsel bauen, sind als Mieter der Architekt Schperer, der preußische Untertan Zillessen und der Angestellte Njustrem samt Familien verzeichnet.7 Nikolai Roerich selbst besucht ab dem 7. Lebensjahr eine Privatschule mit deutscher Unterrichtssprache. Und genau dies wird er sein Leben lang heftig abwehren, wird sich als alles Mögliche stilisieren – als Nachfahre Ruriks, als »Retter Rußlands« und sogar als Wiedergeburt des Fünften, des »großen« Dalai Lama –, nur von seinen deutschen Wurzeln wird er nie ein Wort verlauten lassen. Damit sollte er auf lange Sicht Erfolg haben. Wird er in einer frühen autobiografischen Kurzgeschichte, zum gewaltigen Ärger des Ich-Erzählers, von einem völlig Fremden sofort für einen Deutschen gehalten,8 so werden spätere Beschreibungen des Künstlers erst das »Skandinavische« an ihm betonen und später das »Asiatische«.9

Übrigens sind Briefe auf Deutsch von ihm kaum überliefert, so wenig wie sonstige Spuren der Tatsache, dass er Deutsch perfekt beherrschte. Als er nach der Revolution das Angebot bekam, nach Berlin zu gehen, zog er es vor, nach London emigrieren.

Warum wehrte Nikolai Roerich zeitlebens alles ab, was auf eine deutsche Herkunft des Vaters und damit auch von ihm selbst deutete? Zum einen war es in den letzten Jahrzehnten vor der Revolution keine Empfehlung, ausländischer und gar deutscher Herkunft zu sein. Die späte Zarenzeit war von einem immer schärfer werdenden russischen Nationalismus geprägt. In der Ukraine, in Polen und den baltischen Provinzen des Reiches wurden die örtlichen Sprachen unterdrückt und als Verwaltungssprache nur noch Russisch zugelassen. Der russische Chauvinismus, der mit dem Antisemitismus eine unappetitliche Mischung einging, wurde von den herrschenden Kreisen des Zarenreiches als letztes Mittel gesehen, das Land noch vor der drohenden Revolution zu bewahren.

Zum anderen kann man darin eine Abwehr all dessen sehen, wofür Nikolai Roerichs Vater stand. In dem wenigen, was sein Sohn über ihn berichten wird, tritt uns Konstantin Roerich als Mann entgegen, der nur Arbeit und nichts als Arbeit kannte. Der uneheliche Sohn eines Dienstmädchens aus dem Baltikum war ein erfolgreicher Notar, bis hin zu Kunden aus Hofkreisen, der aber niemanden an sich heranließ. Nikolai Roerich wird 1937, als er selbst schon über sechzig Jahre alt ist, Folgendes in sein Tagebuch schreiben: »Was wussten wir über den Vater? Es war wenig. [...] Wir hörten von seinen geschäftlichen Angelegenheiten, aber sein Inneres blieb uns verborgen. [...] Vieles wurde nicht ausgesprochen. Wahrscheinlich hatte es Enttäuschungen gegeben. Freunde starben früh, aber neue kamen nicht hinzu. Die besten Träume erfüllten sich nicht. Wenige und vielleicht niemand wusste, woran sein Herz litt.«10

Am deutlichsten wird das Bild Konstantin Roerichs wenige Monate vor seinem Tod. Hier finden wir die einzigen authentischen, nicht im Nachhinein verfassten Aufzeichnungen über den Vater. Es ist das Jahr 1900, und Nikolai Roerich steht am Anfang seiner Karriere als Maler. Fast jeden Tag schreibt er an seine spätere Frau Helena (»Lada«) und teilt ihr seine Gedanken, Überlegungen, Hoffnungen und Probleme mit. Das größte Problem in seiner Umgebung ist der nunmehr 63 Jahre alte Vater, der immer mehr in geistige Umnachtung versinkt und zeitweise seine Frau und die Kinder wüst beschimpft. Verstörend ist die Isolation des ehemaligen Notars. Weder Verwandte noch Freunde des Vaters werden in den Briefen erwähnt. Nur ein namenlos bleibender Onkel scheint Konstantin Roerich nahe genug gewesen zu sein, um Hilfe leisten zu können. Die Ankunft jenes Onkels wird sehnlichst erwartet. Am 27. Mai lesen wir, der Onkel käme erst am 19. Juni, und »das Schwein kümmert es wenig, wie schlecht es uns geht«.11 Woher dieser Onkel kommen wird, er lebt offensichtlich nicht in Petersburg, geht aus den Briefen nicht hervor.

Am 19. Juni kommt er tatsächlich an, und Nikolai erfährt beglückt, dass auch er der Meinung ist, der Vater müsse sich einweisen lassen. Doch am 21. Juni schreibt er an Helena: »Bei uns ist es schrecklich! Mit der Einweisung des Vaters klappt es nicht. Wir werden ihn zeitweise hier behalten zusammen mit zwei Aufsehern und einem Arzt. Mama ist dagegen. Es gibt einen Skandal. Der Onkel hätte fast alles hingeworfen und wäre abgereist.«

Wer ist dieser Onkel, der neben dem mysteriösen Fjodor einzig wirklich greifbare Verwandte Konstantin Roerichs?

Aus den Briefen erfährt man, dass er über viel Geld verfügt und seichte Operetten liebt, in die er den gelangweilten Nikolai mitnimmt. Der Onkel hat längere Zeit in Paris verbracht, und er berichtet seinem Neffen von Abenteuern aus den dortigen Vergnügungstempeln, dass dieser vor Scham nicht weiß wohin. Das alles hört sich nicht nach einem der weiteren Kinder Friedrich Roerichs, den Halbgeschwistern oder Geschwistern Konstantins an, die kaum das Geld für derartige Vergnügungen hatten. Eher schon nach jemandem aus höheren Kreisen. Den schwerreichen von der Ropps zum Beispiel, die in Kurland und Litauen über dreißig Güter besaßen.

Schließlich muss der Onkel nicht abreisen, Konstantin Roerich führt sich bei einer ärztlichen Visite derart auf, dass die Einweisung gelingt. Nikolai schreibt an »Lada« (Helena): »Wie Du weißt, stehe ich mit dem Vater nicht so gut, aber trotzdem ist es schrecklich.«12

Wenig später reist die Mutter Nikolais mit den zwei jüngeren Brüdern in den Kaukasus und lässt Nikolai und den Onkel zurück. Die beiden besuchen den Vater mehrmals im Krankenhaus, wo er Ende Juli stirbt. Zur Beerdigung kommen fast mehr Freunde Nikolais als des Vaters, wie er an »Lada« schreibt. »Offensichtlich ist er ihnen jetzt nicht mehr nütze«, wie sein Sohn kommentiert.13 Und auch seine Ehefrau, die in letzter Minute, gerade noch rechtzeitig zur Beerdigung, aus dem Kaukasus zurückgekommen ist, scheint keine allzu große Trauer zu empfinden, sondern froh zu sein, als alles vorbei ist. Sie liebt keine lutherischen Gottesdienste, wie ihr Sohn berichtet.

Konstantin Roerich, dessen uneheliche Herkunft von seiner Familie und ihm selbst so sorgfältig verborgen worden ist, dass sie erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde, hat man allerdings nicht auf dem lutherischen Friedhof der russischen Hauptstadt, sondern auf einem nur wenige hundert Meter entfernten russisch-orthodoxen Friedhof begraben. Als Epitaph bleibt noch zu vermerken, dass Konstantin Roerich, der Aufsteiger, der anscheinend nur seine Kanzlei kannte, in seiner Freizeit an einem umfangreichen Manuskript gearbeitet hat. Sein Sohn Roerich wird berichten, es sei unleserlich gewesen, seine Frau Helena dagegen wird von einem interessanten Drama berichten. Was auch immer Konstantin Roerich geschrieben hat, es wurde von seiner Frau vernichtet.

Über die Mutter hat Nikolai Roerich kaum mehr berichtet, unter anderem, dass sie einem alten Kaufmannsgeschlecht entstamme, das sich angeblich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen lässt; aber das ist aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine weitere Legende. Mit Sicherheit kann man anhand der vorgefundenen Dokumente sagen, Maria Kalaschnikowa kam zwar nicht von ganz unten, aber doch aus relativ einfachen, provinziellen Verhältnissen. Auch nachdem ihr Mann erst ein prominenter Notar und wenig später sogar Gutsbesitzer geworden war, behielt sie ihre alten Gewohnheiten bei. Anders als damals in besseren Kreisen üblich überließ sie nicht den gesamten Haushalt den Bediensteten, sondern war selbst rastlos tätig und zählte regelmäßig, als könnte sie ihren Reichtum immer noch nicht fassen, jedes einzelne Stück Geschirr.14 Ihren Sohn Nikolai nahm sie öfters in ihre Heimat, das Städtchen Ostrow, mit, wo sie Mitbesitzerin eines zweistöckigen Wohnhauses war. Noch im Alter sollte sich Nikolai Roerich an den großen Garten dort und die vielen Beeren erinnern und das Holzschwert, das ihm der Handwerker Iwan Iwanowitsch Tschugunow bastelte, der im Hof seine Werkstätte betrieb. Sehr viel mehr als das hat Nikolai Roerich über seine Mutter später nicht berichtet. Auch ihre Herkunft gab nichts her, was man in besseren Kreisen vorzeigen konnte. Schon früh träumte sich Nikolai Roerich in eine andere Welt und in eine andere Vergangenheit. Der Ort, wo diese Träume geboren wurden, war Iswara, das Gut, das sein Vater 1872, zwei Jahre vor seiner Geburt, erworben hatte.

Kapitel 3

Iswara

»Alles Besondere, alles Schöne und Erinnerungswürdige ist mit den Sommermonaten in Iswara verbunden.«15 Erstaunlicherweise findet man in dem Tagebuch, das Nikolai Roerich in den letzten Jahren vor seinem Tod schrieb, das Landgut kurz vor der heutigen estnischen Grenze sechsmal erwähnt, die eigenen Eltern jedoch jeweils nur ein einziges Mal.16 Hier war der Sehnsuchtsort seiner Kindheit, hier träumte sich Nikolai Roerich, der zuerst als Beschwörer der frühen Rus, als Maler altslawischer Recken, aber auch als Ausgräber bekannt wurde, in eine ganz eigene Welt.

An einem Märztag machte ich mich dorthin auf. Vom baltischen Bahnhof aus fuhr ein Bus. Zuerst ging es durch die noch engen Straßen des St. Petersburg der Industrialisierung, vorbei an den bröckelnden Fassaden des »Stil Modern«, wie die russische Variante des Jugendstils heißt, eine Strecke, die bis auf die Abgase der vielen Autos auch Nikolai Roerich noch vertraut gewesen wäre. Später verbreiterte sich die Fahrbahn, und zu beiden Seiten tauchten die vielstöckigen Plattenbauten der Breschnewzeit auf. Mit einem Mal waren wir auf dem Land. Im dichten Schneetreiben waren Wälder zu erahnen und immer wieder Datschensiedlungen. Nach gut einer Stunde kam ich in der kleinen Stadt Wolosowo an, wo ich ein Taxi fand, das mich weiter nach Iswara brachte.

Iswara ist heute ein hässliches, zu groß geratenes Dorf mit bröckelnden Plattenbauten, nicht weit von der estnischen Grenze. Die Bevölkerung hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Arbeit im örtlichen Sowchos verloren, und wer kann, zieht in die Stadt.

Vor mehr als hundert Jahren, als Nikolai Roerich hier jeden Sommer verbrachte, muss dies ein magischer Ort gewesen sein. Hier hatte der Vater 1872 ein altes Landhaus mit gewaltigen, meterdicken Mauern erworben, die noch aus dem 17. Jahrhundert, aus der Schwedenzeit, stammten. Zu dem Gutshaus gehörte ein großer Landbesitz von 3000 Morgen, mit Landwirtschaft, einer Forellenzucht und einer Kalkbrennerei, deren großer, schöner, sorgfältig gemauerter roter Ziegelturm jetzt langsam verfällt. Er wirkt wie ein Fremdkörper zwischen den hässlichen Überbleibseln der Sowjetzeit.

In der Nähe des Turms liegt ein größerer Teich, und tritt man an die Ufer, sieht man, wie unablässig Wasser nach oben dringt und dabei Sand aufwirbelt. Hier entspringt ein kleiner Fluss, und auf der anderen Seite, zum Norden hin, beginnt bereits ein ausgedehnter, noch ungezähmter Mischwald. Auch dieser Wald war einmal im Besitz der Roerichs. Heute wildern hier die unternehmungslustigeren unter den arbeitslosen Sowchosbauern, aber vor mehr als hundert Jahren war der Wald das Jagdrevier des jungen »Barons«, wie die örtlichen Bauern den Sohn des Notars ansprachen. Ursprünglich hatten die Eltern Nikolai in die Obhut eines Jägers gegeben, um den zu Lungenkrankheiten neigenden Sohn abzuhärten, aber dann entdeckte er seine Leidenschaft für die Jagd und verschwand selbst tagelang in den sumpfigen Niederungen um Iswara.

In dem Gutshaus ist heute ein Museum untergebracht, und man findet dort sogar einige Möbel vom Ende des 19. Jahrhunderts, die man in den sechziger Jahren bei der Ortsbevölkerung wieder eingesammelt hat, die das Gutshaus nach der Revolution geplündert hatte: große, mit rotem Brokat bespannte Sessel und einen gewaltigen Esstisch.

Das Wohngebäude mit den festungsartigen Mauern ist überraschend klein. Im Erdgeschoss befinden sich neben dem großen Esszimmer sieben weitere Räume und im ersten Stock ein großes, helles, sehr hohes und vollständig mit Holz ausgekleidetes Zimmer, in dem Nikolai Roerich sein erstes Atelier hatte.

Iswara liegt in einer Landschaft mit kalkreichen, sehr fruchtbaren Böden, die bereits seit der Bronzezeit besiedelt ist. In wenigen Kilometern Umkreis um das Gutshaus erheben sich eine Vielzahl von Grabhügeln finno-ugrischer Stämme.

Hier begann der junge Gutsbesitzersohn mit ersten Ausgrabungen. Mithilfe der Schmuckgegenstände und Waffen, die er fand, fantasierte sich der 14-jährige Gymnasiast in die Welt der skandinavischen Waräger, der Wikinger, die im zehnten Jahrhundert durch diese Gegend auf dem Weg zum Schwarzen Meer gekommen waren. Hier, in Iswara, kam ihm vermutlich auch die Idee, den Namen Roerich mit dem Namen Rurik zu verbinden, und hier träumte er sich in das »goldene Zeitalter« des vorpetrinischen Russlands hinein, das Zeitalter der slawischen »Mir«, der Dorfgemeinschaft mit ihren heidnischen Göttern, Sagen und Fruchtbarkeitsriten – Themen seiner ersten Bilder.

Ein Kritiker wird 1916 sagen, Roerichs Bilder erinnerten ihn stark an die Abbildungen von Germanen in der deutschen Zeitschrift »Jugend«. Man könnte auch sagen, an die allgegenwärtigen Gallier mit ihren geflügelten Helmen in Frankreich oder an die Artusritter, die im England des späten 19. Jahrhunderts so beliebt waren.

Der deutsche Kaiser ließ sich gerne als Germane abbilden und der russische Zar in moskowitischer Tracht. Es war ein Zug der Zeit, ein Versuch, in der Vergangenheit Halt in einer sich auflösenden Welt zu finden.

Es ist nicht verwunderlich, dass Nikolai Roerich in eben diesen Jahren Richard Wagner für sich entdeckte, der für immer sein Lieblingskomponist bleiben sollte. Auf allen Expeditionen und Reisen führte er ein Grammofon mit sich und legte jedes Mal, wenn er zu neuen Taten aufbrach, die Ouvertüre aus dem Parsifal auf.

Iswara hatte auch eine andere, dunklere Seite. Die Bauern der Gegend waren bis 1861, dem Jahr ihrer Befreiung, Leibeigene gewesen und erhielten, wie überall in Russland, nach der Befreiung nicht das ganze Land zum Bebauen, sondern nur den größeren Teil, den sie auch noch abzuzahlen hatten. Die Bitterkeit, die aus der Zeit der Leibeigenschaft und dann aus der folgenden, in den Augen des Volkes ungerechten Landverteilung zurückblieb, sollte sich in den Revolutionen von 1905 und 1917 blutig entladen. Da allerdings hatten die Roerichs Iswara bereits verkauft.

Kapitel 4

Der junge Künstler

War Iswara der Ort seiner Träume, das Märchenland der Waräger und Ruriks, seines späteren »Vorfahren«, so war St. Petersburg die harte Realität, der Ort, wo Nikolai Roerich diese Träume zu verwirklichen suchte.

Hier bekam Nikolai Roerich eine hervorragende Ausbildung. Bis zu seinem neunten Lebensjahr unterrichteten ihn Privatlehrer, und ab 1883 ging er an eine der besten Schulen St. Petersburgs, das Privatgymnasium Karl May, das, auf der Wassiliinsel gelegen, von der elterlichen Wohnung leicht zu Fuß erreichbar war. Rektor und Namensgeber der Schule war ein Reformpädagoge deutscher Herkunft, »der fest daran glaubte, dass ein Schüler alles geben wird, wenn man ihm volles Vertrauen schenkt«.17 Hier gab es keine Prügel und keinen groben Umgang mit den Schützlingen wie an den mehr traditionellen Lehranstalten des Reiches, sondern es wurde alles getan, um in jedem Schüler seine ganz besonderen Fähigkeiten zu wecken. Der Lehrplan war der eines klassischen deutschen Gymnasiums mit den wichtigsten Fächern Altgriechisch und Latein, aber auch auf Kunst und Musik wurde besonderer Wert gelegt. Wie bei dem Charakter der Schule zu erwarten, war es weniger der Adel, sondern die bürgerliche Mittelschicht und die schöpferische Intelligenz, die ihre Kinder an diese Schule schickte. Nicht wenige ihrer Absolventen wurden später bekannte Künstler, Schriftsteller und Musiker.

Nikolai Roerich, der sich besonders für Geografie, Geschichte und Kunst interessierte, war bald einer der prominentesten Schüler. Er durfte Karl May, den über siebzig Jahre alten Leiter der Schule, zeichnen, stellte im Schulgebäude seine Ausgrabungen in »Iswara« aus und veröffentlichte im Alter von 15 Jahren in der Zeitschrift Jagd und Natur einen ersten Artikel. In einem der damals so beliebten Proust’schen Fragebogen gab er als Lieblingsheld in der Literatur Don Quichotte und als Lieblingsheld in der Realität Leonardo da Vinci an. Dem Letzteren sollte er zeit seines Lebens nacheifern, doch in den Ergebnissen seiner Mühen ähnelte er eher dem Ersteren. An Erinnerungen seiner Mitschüler ist die des zwei Jahre älteren Alexandre Benois, ebenfalls Künstler und später bekanntester Kritiker seiner Generation, bemerkenswert. Er hat den jungen Nikolai Roerich als einen »sanften Jungen mit roten Bäckchen« beschrieben, der von den älteren Schülern leicht eingeschüchtert war.18

1893 beendete Nikolai Roerich die Schule mit hervorragenden Zeugnissen und dem Wunsch, Künstler zu werden. Sein Vater war strikt dagegen und wollte, dass sein Sohn, wie er selbst, Jurist werden sollte. Schließlich rang man sich zu einem Kompromiss durch, und so begann der Neunzehnjährige an der Kaiserlichen Kunstakademie eine Ausbildung als Maler und einen Monat später auch ein Jurastudium.

Bei dem Versuch, beide Studien gleichzeitig zu bewältigen, bewies der junge Student eiserne Disziplin. Er stand jeden Tag um neun Uhr auf, besuchte von zehn bis ein Uhr die Kunstakademie und hörte danach bis um drei Uhr nachmittags Vorlesungen an der nahe gelegenen Universität. Zurück zu Hause arbeitete er an seinen Zeichnungen und hielt sich schließlich von fünf Uhr bis neun Uhr abends wieder an der Kunstakademie auf. Die verbleibende Zeit bis Mitternacht waren die einzigen freien Stunden, die er sich gönnte. An den Feiertagen und während der Ferien ging er auf die Jagd oder widmete sich seinen Ausgrabungen, mit denen er sich langsam einen Ruf erwarb.

Nikolai Roerichs Karriere als Archäologe – einige Jahre später sollte er an der Universität Vorträge über »die Anwendung künstlerischer Techniken bei Ausgrabungen« halten – fiel in die »heroische« Frühzeit der Disziplin. Noch überwogen wohlhabende »Gentleman-Ausgräber«, deren Held der Autodidakt Heinrich Schliemann war.

Heute wirft man Schliemann vor, er habe bei seiner Schatzsuche Unersetzliches zerstört und die historische Schichtung durcheinandergebracht. Aber Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war Schliemanns Ruf noch intakt, und wie der berühmte Deutsche war auch Nikolai Roerich fest davon überzeugt, »dass Märchen Erzählungen sind und Erzählungen immer einen historischen Kern enthalten, den man nur noch auffinden muss«.19

Anders als Schliemann, der sich an Homer hielt, befragte Nikolai Roerich die örtliche Bevölkerung in der russischen Provinz nach Legenden und Märchen und begann dann seine Grabungen. Tatsächlich fand er auch meist etwas in all den Tumuli und Grabhügeln, die die Bevölkerung mit abergläubischem Schauer betrachtete. Zweifelhaft ist nur, ob die Zuschreibungen, die er den verrosteten Schwertern und erblindeten Glasperlen gab, nicht mehr seiner Fantasie als dem zu verdanken war, was sich streng wissenschaftlich nachweisen ließ. Aber immerhin hinterließ Nikolai Roerich in dieser seiner Anfangszeit als Archäologe genaue Beschreibungen und Zeichnungen des Vorgehens und der Resultate seiner Grabungen. Später sollte er dann alle Vorsicht fahren lassen und, im Bewusstsein seines Genies, aus der Ähnlichkeit gewisser Alltagsgegenstände auf die Herkunft der Goten aus Tibet schließen oder das Gleiche von der untergegangenen Kultur der Anazasi in Arizona behaupten. Aber das lag Ende des 19. Jahrhunderts noch in weiter Ferne.

Aus den Aufzeichnungen eines Mitstudenten entnehmen wir, dass der immer korrekt gekleidete Nikolai Roerich mit seinem freundlichen Blick und dem offenen Lächeln einen angenehmen, umgänglichen Eindruck machte. Allerdings war der Sohn des Aufsteigers aus Kurland ein Außenseiter, der mit der studentischen Boheme, den stundenlangen Diskussionen um den Samowar und den nächtlichen Ausschweifungen seiner Kommilitonen aus besseren Kreisen nichts zu tun haben wollte. Dazu war er schüchtern und wurde schnell rot, worauf ihn Mitstudenten als »Mädchen« hänselten.20

Doch hinter der Maske des »Musterstudenten« verbarg sich ein ungemein ehrgeiziger Mensch, wie man aus seinem Tagebuch erfährt: »Wie sehr doch liebe ich Lob, wie sehr erhebt es mich und wie sehr bedrückt mich Ablehnung. Und diese Selbstliebe, welch Bürde ist sie, keine Minute der Ruhe lässt sie mir. Aber es ist immer noch besser, davon mehr zu haben, als weniger. Mit ihr erreicht man vieles, was ohne sie ungetan bliebe.«21

Ein Versuch unter den Studenten, einen Weiterbildungskreis zu gründen, bei dem jeder Gelesenes vortragen sollte, endete in einem Fiasko. Wütend trug er in sein Tagebuch ein: »Das sind keine Menschen, sondern grobe Schweine und nichts sonst. Seht her, Demokraten! Und verdächtigen uns des Triumphalismus.«22

1895 lernte Nikolai Roerich, der zeit seines Lebens die Gabe hatte, einflussreiche Förderer zu finden, den nunmehr über siebzig Jahre alten Wladimir Stassow kennen, den wichtigsten Kunst-, Literatur- und Musikkritiker seiner Generation. Stassow hatte Entscheidendes zur Blüte der russischen Kultur des 19. Jahrhunderts beigetragen. In zahlreichen Artikeln hatte er dazu aufgerufen, endlich über die Nachahmung westeuropäischer Vorbilder hinauszugehen und zu einer eigenständigen Sprache in Kunst, Musik und Literatur zu finden. Er hatte viele der größten Talente, darunter die Komponisten Mussorgski, Borodin, Rimski-Korsakow sowie den Maler Repin entdeckt, etliche ihrer Werke angeregt und sie gegen Kritiker verteidigt.

Allerdings waren diese Schlachten längst geschlagen, als Roerich Stassow kennenlernte. Die russische Kunst und Musik hatte schon lange Eigenständigkeit erlangt und war im Ausland anerkannt. Das jedoch hinderte Stassow nicht daran, weiter nach dem »Urrussischen« in der Kunst zu suchen. Er forschte und fand den Urgrund der russischen Kultur bei den legendären Skythen; aus der Ähnlichkeit altrussischer Legenden mit Stoffen der Veden schloss er auf einen gemeinsamen Ursprung der altslawischen und der arisch-indischen Kultur. Kein Wunder also, dass er den »urrussischen« Roerich mit seinen Warägern, Skythen und slawischen Recken unter die Fittiche nahm, ihn mit so berühmten Männern wie Leo Tolstoi und Rimski-Korsakow bekannt machte und ihm half, ein erstes Bild an den wichtigsten Mäzen Russlands, den Moskauer Kaufmann Tretjakow, zu verkaufen.

Nikolai Roerich war übrigens der einzige Maler seiner Generation, der in Stassows Augen Gnade fand. Alle anderen hielt er für »dekadent«, zu »westlich« und »unrussisch«, und der begabteste von ihnen, Michail Wrubel, war ihm geradezu verhasst.23 Ein besonderer Dorn im Auge war Stassow die Welt der Kunst, eine Künstlervereinigung, die sich um eine gleichnamige Zeitschrift gruppierte und sich zum Ziel gesetzt hatte, der jungen Generation zum Durchbruch zu verhelfen.

Deren Anführer waren Roerichs Altersgenossen Sergej Diaghilew und Alexandre Benois. Der Erstere wird sich später zum wichtigsten Ausstellungsmacher und Theaterimpressario Russlands entwickeln und Alexandre Benois zum größten Kunstkritiker seiner Generation. Beide werden noch wichtige Rollen in Nikolai Roerichs Leben spielen.

Im Sommer 1898 schloss Nikolai Roerich sein Kunststudium erfolgreich ab und einen Monat später sein Studium der Rechte. Seine Abschlussarbeit trug den Titel »Die rechtliche Lage des Künstlers im alten Russland«. Auch wenn Nikolai Roerich später nie als Jurist arbeitete, so hatte doch das Studium in mehrfacher Hinsicht Einfluss auf sein weiteres Leben. Zum einen hatte er einen idealistischen Professor, der an einer Konvention zum Schutz von Kulturgütern in Kriegszeiten arbeitete – eine Idee, die der Künstler im Exil aufgreifen sollte – und zum anderen dürfte das Jurastudium nicht wenig zu seiner späteren, berüchtigten Prozessierfreude beigetragen haben.

Nach dem Studium blieb Nikolai Roerich nur wenige Monate ohne feste Arbeit. Schon im Herbst desselben Jahres verhalf ihm Stassow gleich zu zwei einflussreichen Posten. Er wurde Mitarbeiter der wichtigsten Quelle für Stipendien und Ausstellungsmöglichkeiten im damaligen Petersburg, der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste nämlich, zu der auch noch die zweite Kunstakademie der Hauptstadt sowie ein Museum gehörten. Dazu wurde er Redakteur der von Stassow gegründeten Zeitschrift Kunst und Kunsthandwerk, mit der dieser gegen die »westlichen Tendenzen« der Jungen und vor allem der Welt der Kunst in den Krieg zog.

Die Reaktion der »Westler« ließ nicht lange auf sich warten. Diaghilew verspottete den »Lieblingsenkel« Stassows in der Welt der Kunst als Speichellecker, als »Kalb, das nicht nur an zwei Muttertieren« saugt, wie es in einem russischen Sprichwort heißt, sondern sogar an deren dreien: An den Zitzen von Stassow nämlich, an denen der Kaiserlichen Gesellschaft und an denen eines gewissen Storonnyi, eines einflussreichen Kulturbürokraten.24

Nikolai Roerich befand sich in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite war er weiter auf die Gunst Stassows angewiesen, aber bei Diaghilew und Benois lag zweifellos die Zukunft. Bemerkenswert, wie er sich schließlich herauswand. Trotz des Drängens des Großkritikers verzichtete er auf allzu heftige Angriffe gegen die Welt der Kunst und beließ es bei einer allgemeinen Kritik an der angeblich zu »unrussischen«, zu »europäischen« Haltung dieser Zeitschrift. Um das Ganze noch mehr abzuschwächen, veröffentlichte er nicht unter eigenem Namen, sondern unter einem Pseudonym.

Tatsächlich gelang es ihm, Stassows Gunst nicht zu verlieren, und auch mit der Welt der Kunst sollte er sich wieder versöhnen. 1908, die längst anerkannte Welt der Kunst hatte sich zwischenzeitlich aufgelöst, sollte er sogar Vorsitzender einer Neugründung werden. Allerdings ohne den zweiten Kopf der Welt der Kunst, den scharfzüngigen Alexandre Benois, mit dem ihn ab 1898 ein Freund-Feind-Verhältnis verband. Roerich, der sich gern als »Urrusse« stilisiert, greift Benois, den Enkel französischer Einwanderer, nicht nur einmal als »Ausländer« an, der angeblich kein »Gefühl für echt russische Kunst« hatte. Aber er wird sich auch mehrmals mit schmeichelhaften Briefen an ihn wenden, immer in der Hoffnung, den einflussreichen Kritiker auf seine Seite zu ziehen. Benois wird weder die Feindschaft noch die Annäherungsversuche voll erwidern, sondern zu Roerich immer ein distanziert-ironisches Verhältnis bewahren.

Kapitel 5

Helena

»Alle, die sie erblickten, waren von ihrem Äußeren bezaubert. Sie war von hoher Gestalt, schlank, wohlproportioniert, voller Eleganz, Weiblichkeit, Grazie und besaß eine Ausstrahlung, die unwillkürlich alle Blicke auf sich zog. Sie war immer nach der letzten Mode gekleidet, trug Ohrringe, Halsketten und teuren Schmuck. Sie hatte eine sehr melodische, zärtliche Stimme und liebte es, ihr nahestehende Menschen mit Koseworten anzusprechen.«25

Diese Zeilen stammen von einer engen Freundin, die sie 1956 in einem Invalidenheim im kasachischen Karaganda niederschrieb, vermutlich ihre letzte Station in einer langen Kette von Straflagern und Verbannung. Doch diese Beschreibung der in der Erinnerung ewig jungen Helena trifft genau den Eindruck, den auch später noch Helena auf alle Betrachter machen sollte. Helena Schaposchnikowa war eine blendende Schönheit, »toujours belle«, wie 1918 Alexandre Benois in sein Tagebuch notierte, und dazu noch intelligent, hoch gebildet und eine starke Persönlichkeit. Ein weiterer Beobachter, der amerikanische Börsenmakler Louis Horch, beschreibt sie später als »eine der klügsten Frauen, die je an diese Ufer gekommen sind«.

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