Nick 1 (Pionier des Weltalls): Start in die Unendlichkeit - Fred Hartmann - ebook

Nick 1 (Pionier des Weltalls): Start in die Unendlichkeit ebook

Fred Hartmann

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Opis

Dank eines von Professor Raskin neuentwickelten Raumschiffantriebs können zukünftig beliebig große Entfernungen im Weltraum zurückgelegt werden, und Nick soll als Kommandeur einer kleinen Raumflotte das gesamte Universum durchqueren! Ein gigantischer Auftrag, der mit Magellans Weltumseglung im 16. Jahrhundert vergleichbar ist: Drei Sternenschiffe erheben sich vom Raumhafen New York zur ersten transkosmischen Expedition … Dieser Roman ist nach Motiven der Comics von Hansrudi Wäscher geschrieben.

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Impressum

Originalausgabe Oktober 2020

Name und Charaktere Nick – Pionier des Weltalls © Hansrudi Wäscher / becker-illustrators

Text © Fred Hartmann

Copyright © 2020 der eBook-Ausgabe Verlag Peter Hopf, Minden

Korrektorat: Thomas Knip

Redaktionelle Betreuung: Ingraban Ewald

Umschlaggestaltung: etageeins, Jörg Jaroschewitz

Titelillustration: © Axel Blotevogel

ISBN ePub 978-3-86305-300-0

www.verlag-peter-hopf.com

Hansrudi Wäscher wird vertreten von Becker-Illustrators,

Eduardstraße 48, 20257 Hamburg

www.hansrudi-waescher.de

Alle Rechte vorbehalten

Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse sind rein fiktiv.

Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Begebenheiten, mit lebenden oder verstorbenen Personen wäre rein zufällig und unbeabsichtigt.

 

 

 

 

Gewidmet Hansrudi Wäscher,

dem Erfinder meines Lieblingshelden,

der mich seit dem 9. Lebensjahr begleitet

und meine Kindheit geprägt hat.

 

Vorwort

Einige Jahre sind seit den Abenteuern vergangen, die in der 3. Piccolo-Serie1

 

 

FRED HARTMANN

Start in die Unendlichkeit

Teil 1 des Zyklus‘ »Unternehmen Magellan«

 

 

 

 

Nick – Pionier des Weltalls

nach Motiven von Hansrudi Wäscher

 

Inhalt

Vorwort

Prolog

Kapitel 1: Ein gigantischer Auftrag

Kapitel 2: Dunkle Wolken

Kapitel 3: Im Dschungel von Kom 2

Kapitel 4: Start in die Unendlichkeit

Kapitel 5: Rätsel um die Ree

Kapitel 6: Verwüstung

Kapitel 7: Der Gott des Grauens

Kapitel 8: Im Labyrinth des Schreckens

Kapitel 9: Den Tod vor Augen

Kapitel 10: Finale

Kapitel 11: Tödliche Energie

Kapitel 12: Die Spur der Lorgs

Kapitel 13: Das Ende des Grauens

Kapitel 14: Das Geheimnis der Lorgs

Epilog

Vorschau

Nachwort des Autors

 

 

Prolog

 

– Endlich nach Hause.

So lang schon gewartet.

Fern von der Heimat,

was ist dort gescheh’n –

in all diesen Jahren?

Ich will es doch wissen!

Ich muss es begreifen,

will endlich zurück!

Zurück jetzt zu ihnen!

Auch wenn sie verloren,

gefallen und blind

und arg deformiert,

zurück, nur zurück.

Zurück jetzt zu ihnen.

Und diese Gefahr,

die sie plötzlich ereilte,

ist sie wirklich vorbei?

Zurück! Schnell zurück!

Und dann? Was kommt dann?

Ich ahne es schon.

Doch der Weg wird sehr schwer,

bis zum bitteren Ende,

für das ich bestimmt;

bis zum leidvollen Ende.

Ich ahne es schon,

das Ende …

 

Kapitel 1

Ein gigantischer Auftrag

Das gleißende Sonnenlicht auf seiner imposanten Glasfassade widerspiegelnd, erhob sich die Zentrale der Weltraumforschungsbehörde wie ein zurechtgeschlagener Felskoloss in den türkisblauen Sommerhimmel von New York.

Auf dem geräumigen Dach des Monumentalbaus setzte ein Heli-Car geräuschlos zur Landung an, vier Personen entstiegen dem Fluggerät – drei Männer und eine Frau. Ein Rezeptionist begrüßte die Ankommenden mit Handschlag und geleitete sie zum Antigravschacht, der einladend unter einer metallenen Schutzkuppel die kleine Gruppe aufnahm und in das tiefergelegene Stockwerk beförderte.

Mit langsamen Schritten näherten sie sich schweigend dem Büro ihres allmächtigen Chefs, gespannte Erwartung lag in ihren urlaubsgebräunten Gesichtern, nur die Haut des Marsianers Xutl* 2 – dem einzigen Überlebenden des atomaren Holocaust auf dem Nachbarplaneten vor nun gut einigen Jahrzehnten – leuchtete wie immer in einem matten Olivgrün. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, aber dann unterbrach die attraktive und noch immer jung aussehende Zoologin und Tierpflegerin Jane Lee* die gespannte Ruhe. »Jetzt werden wir gleich erfahren, warum uns Mr. Marsh* zu einem persönlichen Gespräch geladen hat.«

Der bekannte Biologe und Botaniker Tom Brucks* schob mit einer ruckartigen Bewegung etwas ungeschickt seine Brille der Nasenwurzel entgegen. Er liebte diese altmodische Sehhilfe; sie gehörte zu seinem persönlichen Outfit und um keinen Preis der Welt wollte er sie mit einer künstlichen Linse oder einem genetisch manipulierten Auge tauschen. »Geheimnisvoll genug hat er ja getan«, skandierte der Biologe nachdenklich, »irgendetwas muss da im Busch sein. Sicher hängt das mit Professor Raskin* zusammen. Der scheint in seiner Hexenküche mal wieder etwas Neues zusammenzubrauen. Und wir wussten die letzten Monate nicht einmal, wo er steckte. Völlig abgeschottet hat man ihn vom Rest der Welt. Das lässt nichts Gutes ahnen …«

Sein Freund Nick Steel*, der weltbekannte und von allen Menschen verehrte Weltraumpionier, schüttelte missbilligend den Kopf. »Selbst die fünf Monate Urlaub haben deinen sprichwörtlichen Pessimismus nicht beheben können. Warte doch erst mal ab! Meistens gibt es bei ihm immer etwas phantastisch Neues. Ich jedenfalls freue mich schon drauf.«

Xutl hatte als Einziger geschwiegen, aber er blickte freundlich aus seinen sympathischen Augen. Er und die anderen waren in den vergangenen Jahren zu einem unzertrennlichen Team zusammengewachsen und hatten schon die unmöglichsten und gefährlichsten Abenteuer gemeinsam erlebt – und überlebt. Sie alle wussten: Xutls liebster Ort war der unendliche Kosmos. Ob es diesmal wieder dort hingehen würde? Jeder von ihnen spürte unvermittelt: Da wartete auf sie ein besonderer Auftrag.

Die Tür zu Mr. Marshs Büro öffnete sich abrupt und der Chef der Weltraumbehörde und Weltsicherheitsbehörde trat ihnen freudestrahlend und mit ausgestreckter Hand entgegen. »Miss Lee! Nick! Tom! Xutl! Wie schön, Sie wiederzusehen. Ich hoffe, Sie hatten einen erholsamen Urlaub.«

»Danke«, erwiderte Nick stellvertretend für die anderen, »zwei Monate länger als vorgesehen, da kann man mehr als gründlich ausspannen.« Mit verstohlenem Blick auf seine Freunde fügte er etwas verhalten hinzu: »Es ist uns schon richtig langweilig geworden und ich weiß gar nicht mehr, wie ein Raumschiff von innen aussieht und ob ich es überhaupt noch steuern kann.«

»Dafür kennst du dich hervorragend im Hover-Surfen aus – und im Generieren von Dienst- und Animierprojektionen«, spottete Jane; schnippisch ergänzte sie mit einem leichten Seitenhieb auf ihren Gefährten: »Besonders von attraktiven und leicht bekleideten jungen Damen.«

Nicks Gesicht rötete sich ein wenig.

Tom grinste. »Oho, unsere verliebte Dame ist wohl eifersüchtig, was?«

Janes Augen weiteten sich und sie schleuderte giftige Blicke auf den amüsierten Biologen. »Halt du dich da raus, Tom! Das geht nur Nick und mich etwas an!«

Tom war über ihre Worte so verblüfft, dass er mit offenem Mund vor ihr stand und keine Silbe mehr über seine Lippen brachte.

Nick versuchte zu besänftigen. »Du weißt, Jane, dass ich Freude an technischen Spielereien habe. Aber bei unserer nächsten Expedition nehme ich andere Geräte mit. Versprochen!«

Schließlich unterbrach Mr. Marsh die Kabbelei. »Ihre persönlichen Dispute können Sie privat weiter austragen. Jetzt fordere ich Sie auf, mich in mein Büro zu begleiten. Es erwartet Sie eine Überraschung.«

Sofort war die kleine Auseinandersetzung vergessen. Neugierig betraten sie das Allerheiligste und richteten ihre Augen staunend auf die Gäste ihres Vorgesetzten. Dort saß nicht nur eine Überraschung, sondern es waren gleich zwei.

»Oh!«, entfuhr es Nick. Um einen ovalen Sitzungstisch mit grandioser Aussicht auf das imposante Glas- und Stahlgebirge der Millionenmetropole saßen Prof. Raskin und André Coomb*. Nick erinnerte sich lebhaft: André war schon auf der ersten Sternenschiffexpedition dabei gewesen und hatte sich als einer der fähigsten und zuverlässigsten Techniker und Piloten der terranischen Raumflotte bewährt. Unvergesslich war Nick das gemeinsame Abenteuer auf einem fernen Planeten, dessen Zivilisation durch einen Krieg untergegangen war, während nur ihre maschinellen Hinterlassenschaften noch reibungslos funktionierten. Warum war der Gefährte früherer Abenteuer zu diesem Gespräch geladen? Nicks fragenden Blick richtig deutend, blieb der Chef der Weltraumbehörde die Antwort nicht lange schuldig: »Sie kennen André aus vergangenen Einsätzen schon sehr gut. Seine Kompetenzen sind unbestritten und er wird Ihnen auf der geplanten Mission in hoher Verantwortung zur Seite stehen.« Mit einer Kopfdrehung zu Prof. Raskin ergänzte er: »Und Ihren Freund, den Professor, brauche ich ja nicht mehr vorzustellen.«

Herzlich begrüßten sich alle Anwesenden per Handschlag und nahmen dann in aufgelockerter Stimmung und fröhlicher Wiedersehenslaune ihre Plätze an dem mit mehreren Raumschiffmodellen drapierten und sehr nüchtern wirkenden Tisch ein. Mr. Marsh griff zu einer Karaffe, die Gäste richteten neugierig ihre Blicke auf den gelblich-grün schimmernden Inhalt, der sich unter seiner vorsichtigen Bewegung perlend in ziselierte Metallkelche mit Ornamenten interstellarer Früchte ergoss.

»Etwas Besonderes«, erklärte er seinen Gästen und verwies auf das würzig duftende Getränk.

Mr. Marsh angelte sich den Eiscrusher vom Beistelltisch, entnahm einem gläsernen Kübel mehrere Würfel und zerkleinerte sie, bevor er die kristallenen Stücke mit einem silbernen Löffel in die Becher seiner Gäste beförderte. »Der Fruchtcocktail heißt ›Schamon‹. Er wird aus der Schamone, einer Frucht von Eden*, gewonnen. Der Geschmack ist unübertrefflich.« Er hob seinen Becher. »Zum Wohl.« Nick atmete tief durch und sog das Aroma des exotischen Getränks tief in sich hinein, dann leerte er seinen Kelch genussvoll in einem Zug. »Das schmeckt wie eine Mischung aus Agaven- und Limettensaft mit Ingwer gewürzt, dazu eine weitere Geschmackskomponente, die ich von keiner Frucht auf der Erde kenne. Ein vorzügliches Gebräu.« Die anderen nickten bestätigend. »Aber nun spannen Sie uns nicht länger auf die Folter. Um was geht es und warum durften wir ohne erkennbaren Grund zwei Monate länger Urlaub machen als ursprünglich geplant?«

Mr. Marsh lehnte sich mit durchgedrücktem Rücken weit in seinem Sessel zurück, seine Haltung deutete auf einen bedeutungsvollen Augenblick hin, aber die Gesichtszüge blieben entspannt.

»Zunächst zu Ihrem Urlaub: Ich habe Ihnen einen längeren verordnet, weil Sie möglicherweise in den nächsten Jahren keine Gelegenheit mehr zur Erholung haben werden.«

»Wie?« Nicks Kinnlade klappte nach unten.

Ungläubige Blicke.

»Ich schicke Sie auf eine Mission, die in der Geschichte der Menschheit und wahrscheinlich aller Völker des Universums einmalig sein dürfte.«

Angespannte Neugierde.

»Dieses Unternehmen wurde durch eine epochemachende Erfindung von Prof. Raskin möglich.«

Absolute Stille.

»Der Professor hat einen neuen Raumschiffantrieb erfunden.«

Ungeteilte Aufmerksamkeit.

»Seine Arbeiten waren so geheim, dass er nicht einmal mit Ihnen Kontakt aufnehmen durfte.«

Knisternde, unerträgliche Spannung. Worauf wollte ihr Chef hinaus? Mr. Marsh zögerte einen kurzen Augenblick, dann brachte er die Bombe zum Platzen:

»Mit diesem Antrieb können Sie das gesamte Universum durchqueren, und genau das ist Ihre Aufgabe.«

»Was?«

Grenzenloses Erstaunen.

Erstarrte Mienen.

Ungläubige Verwunderung.

Mr. Marsh war barmherzig. Nach einer kurzen Pause fuhr er mit seinen Erläuterungen fort: »Prof. Raskin wird Ihnen gleich in aller Kürze erklären, worauf seine Erfindung beruht, dann werde ich Ihnen noch wichtige Einzelheiten für das Unternehmen unterbreiten.«

Marshs Blick richtete sich auf Raskin. »Bitte, Herr Professor!«

»Ich kann Ihre Verblüffung verstehen, auch Ihren Unglauben«, begann dieser ohne Umschweife. »Ich selbst hielt es bis vor Kurzem kaum für möglich, so etwas Bahnbrechendes zu erfinden. Aber ich sollte der Reihe nach erzählen: Seit der Konstruktion des Hyperantriebs habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob es nicht auch möglich sein könnte, Energie aus dem Hyperraum zu gewinnen und nutzbringend anzuwenden. Und genau das ist mir nach monatelanger – eigentlich jahrelanger – Forschung gelungen. Ich habe einen Hyperenergiekonverter entwickelt, kurz HEK genannt, der unbegrenzt Energie des Hyperraums in Energie unseres vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums umwandeln kann, und zwar in jeder beliebigen Menge. Die Energievorräte in diesem übergeordneten Raum sind unbegrenzt. Momentan habe ich nur ein Verfahren für die Nutzung bei Antrieben entwickelt, aber wenn wir diese neue Technologie auch für die Energieversorgung auf der Erde und anderer Planeten anwenden könnten, wären unsere Energieprobleme für alle Zeiten gelöst.«

Auf Nicks Stirn bildeten sich steile Falten. »Kann das nicht gefährlich werden?«, warf er zweifelnd ein. »Angenommen, es kommt zu einem unkontrollierten Energieausbruch. Könnte damit nicht die ganze Welt zerstört werden?«

Raskin schüttelte den Kopf. »Nein. Das haben wir doch bei der Atomkraft auch schon befürchtet, aber nach dem Absturz des Übungsbombers über London 1972* wurde sie nur noch friedlich genutzt. Es ist uns gelungen, so perfekte Sicherheitssysteme zu entwickeln, dass bei Kernkraftwerken nie etwas passiert ist. Selbst das Problem der Entsorgung des Atommülls konnten wir ein für alle Mal lösen. Wie Sie wissen, werden Raumschiffe damit beladen und in die Sonne gelenkt.«

»Und der Hyperenergiekonverter arbeitet auch so sicher und störungsfrei?«, wollte jetzt Xutl wissen. Er hatte sich neben der Astronavigation auf Antriebe spezialisiert und zollte Raskins Erklärungen seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

»Genau. Der Kontakt zum Hyperraum wird nur den Bruchteil einer Millionstel Sekunde dauern. Danach schließt sich die Öffnung automatisch wieder. Sollte das nicht passieren, wird eine Art Überlaufventil aktiviert, das die überschüssige Energie wieder in den Überraum zurückfließen lässt. Bei meinen Experimenten auf dem Pluto habe ich das Verfahren bereits erfolgreich getestet.«

Nick atmete tief durch. »Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob nicht doch ein Restrisiko bleibt – ich lasse das jetzt mal stehen. Einzelheiten können Sie uns ja später erläutern.« Er wandte sich wieder dem Chef der Weltraumbehörde zu. »Wie soll unser Auftrag genau ausgeführt werden?«

Mr. Marsh räusperte sich hörbar und leerte seinen Becher in kleinen Schlucken, dann lud er seine Gäste ein, aus einer zweiten Karaffe nachzufüllen, und nachdem alle der Aufforderung nachgekommen waren, setzte der Leiter der Weltraumforschungsbehörde seine Ausführungen fort.

»Wir haben drei Sternenschiffe mit dem neuen Antriebsverfahren ausgerüstet. Außerdem sind die Schiffe mit den aktuellen Entwicklungen terranischer Technologie ausgestattet, doch dazu später. Sie, Nick«, er schaute mit gönnerhaftem Blick auf den Weltraumpionier, »werden die Delcano, das Flaggschiff, kommandieren und die oberste Leitung der Mission übernehmen. Das Kommando über die Wilberforce hat Xutl, und André Coomb übernimmt die Lascasas. Sie, Tom, leiten die biologische Abteilung und Sie, Miss Lee, die zoologische. Sie dürfen auch Tiere mit auf die Erde bringen, aber nur nach eingehender wissenschaftlicher Prüfung, ob sie für eine Haltung außerhalb ihres natürlichen Lebensraums geeignet sind.«

Tom und Jane nickten. Diese Aufgaben übernahmen sie gern.

»Professor Raskin wird natürlich auch dabei sein«, ergänzte Mr. Marsh. »Kein anderer kennt sich besser mit dem Antrieb aus als er. Deswegen ist er für Ihre Mission unverzichtbar.«

»Wir haben ihn aber auch gern als Freund dabei.« Jane Lee lächelte Professor Raskin an. Durch gemeinsam durchstandene Gefahren der vergangenen Jahre war auch eine tiefe und untrennbare Freundschaft zu dem Professor gewachsen.

Raskins Schnauzer schob sich um ein minimales Stück nach oben, auf seinen Lippen lag ein leises Lächeln. »Und es werden noch zwei Energiespezialisten mit auf die Reise kommen, die Sie auch von früher gut kennen.« Er blieb dienstlich-sachlich und ließ sich nicht anmerken, wie sehr er sich über Janes Sympathiekundgebung gefreut hatte.

Nick schaute den Professor mit gespannter Erwartung an. Eine leise Ahnung stieg in ihm auf. »Energiespezialisten? Doch nicht etwa …?«

Raskin kam Nick zuvor: »Dr. May Caryll und Dr. Pete Gray* – Ihre Begleiter auf den Merkur vor etlichen Jahren.«

Nick konnte sein Erstaunen kaum zurückhalten. »Ja, ich kann mich an die beiden noch sehr lebhaft erinnern. Ihr Projekt, Sonnenenergie auf dem Merkur aufzufangen und drahtlos auf die Erde zu übertragen, ist ja leider gescheitert.«

»Aber die beiden haben in der Forschung hervorragende Grundlagenarbeit geleistet und neue energetische Anwendungsverfahren entwickelt. Sie haben mir bei meiner wissenschaftlichen Arbeit ausgezeichnet assistiert. Ihren Kompetenzen habe ich es zu verdanken, dass wir die drahtlose Übertragung von Hyperenergie in unsere Systeme ohne größere Probleme verwirklichen konnten. Die beiden müssen einfach auf der Expedition dabei sein. Sollte ich aus irgendeinem Grund ausfallen …«

»Herr Professor!« Janes tadelnder Blick verriet alles.

»Dr. Caryll und Dr. Gray sind übrigens seit einiger Zeit verheiratet«, ergänzte Raskin.

»Na, ein Glück, nicht wahr, Nick?« Mit spitzer Zunge und ironischem Grinsen, ihren Gefährten herausfordernd beäugend, wartete Jane auf eine Antwort, und die ließ nicht lange auf sich warten.

»Dann lieber dich!« Es klang lakonisch.

Schallendes Gelächter füllte den Raum und löste die Spannung. Janes Augen blitzten wütend, giftige Blicke trafen den Weltraumpionier. »Du warst schon immer pietätlos!«

Nick grinste zurück. Er kannte seine Gefährtin und wusste, wie er ihre Bemerkungen zu verstehen hatte.

»Schluss jetzt!«, befahl Mr. Marsh, »sonst lasse ich Sie zu Hause und übertrage einem anderen das Oberkommando.« Er beugte sich etwas vor. »Haben Sie zu diesem Punkt noch Fragen?«, wollte er schließlich wissen.

»Ja«, meldete sich Xutl, »ich wundere mich über die Namen der Schiffe. Nach wem sind sie benannt?«

»Xutl hat recht«, warf Tom ein. »Für dieses Unternehmen hätte ich auch eher Namen wie ›Kolumbus‹ oder ›Magellan‹ erwartet.«

»Das Projekt ist vergleichbar mit der ersten Weltumseglung, da haben Sie ganz recht«, musste Mr. Marsh einräumen, »und die Person Magellans hätte für das Flaggschiff vor diesem Hintergrund ohne Weiteres gepasst, aber unsere Entscheidung fiel bewusst auf Namen, die nicht für Eroberung und Gewaltherrschaft stehen, auch wenn Magellan selbst – im Unterschied zu Eroberern wie Cortez, Pizarro und Vasco da Gama – nicht als unmenschlicher Gewalttäter in Erscheinung getreten war, aber im Namen des Habsburger Kaisers Karl V. hat er trotzdem die von ihm entdeckten Inseln zum Besitz der spanischen Krone erklärt. Inzwischen haben sich die Zeiten grundlegend geändert. Wir haben mit der irdischen Weltraumfahrt schon immer friedliche Ziele verfolgt. Sie als Team sind auf all Ihren Einsätzen für diese Maxime zu großen Vorbildern geworden und genießen deswegen nicht umsonst weltweite Bewunderung. Auch zu dieser Expedition werden wir Sie nicht als Eroberer aussenden, sondern als Boten des Friedens und der Menschlichkeit. Die Entdecker der Neuzeit dagegen segelten als Eroberer über die Weltmeere und erklärten alle Territorien, die sie betraten, als den Besitz ihrer Herrscher. Die Folgen waren für die indigenen Völker fatal, noch heute sehen die First Nation People von Amerika zu Recht keinen Grund, die Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus zu feiern. Die erste Weltumrundung hat zwar unter Magellan stattgefunden, aber er selbst hat das Ziel nie erreicht. In grenzenloser Überheblichkeit und sträflichem Leichtsinn mischte er sich im April 1521 auf der philippinischen Insel Mactan in eine lokale Auseinandersetzung ein, um den frisch zum Christentum bekehrten Ureinwohnern die Überlegenheit und Macht der Kirche zu demonstrieren. Das Ganze endete mit einer Niederlage und seinem Tod. Delcano übernahm nach ihm die Gesamtleitung und vollendete schließlich mit 15 Mann Besatzung die Umrundung der Welt. Deswegen, und weil er nach unserem Wissen nicht als Eroberer aufgetreten ist, soll das Flaggschiff seinen Namen tragen.«

»Und die Namen der beiden anderen Schiffe?«

Mr. Marsh wandte sich Xutl zu, der die Frage gestellt hatte. »Ich weiß, Xutl, dass Sie als Marsianer mit der irdischen Geschichte nicht so vertraut sind wie mancher Terraner, der einiges aus der Zeit der Entdeckungen in der Schule gelernt hat. Lascasas war ein katholischer Priester, der im 16. Jahrhundert in Südamerika lebte und als einer der wenigen die grausame und Menschen verachtende Kolonialpolitik der Spanier und Portugiesen öffentlich anprangerte. Und für Menschlichkeit hat sich auch William Wilberforce eingesetzt. Als Politiker hat er im 19. Jahrhundert im Britischen Königreich die Sklaverei abgeschafft. Es hatte ihn manche Kämpfe gekostet, aber am Ende seiner Karriere konnte er sich gegen den Widerstand vieler Adliger und Handelsleute durchsetzen. Das Verbot von Sklaverei und Menschenhandel wurde Gesetz. Ich denke, wir konnten keine besseren Namen für jene Schiffe wählen, die das Projekt ›Magellan‹ im Weltraum wiederholen sollen.«

»Ich bin ganz Ihrer Meinung«, unterstützte Nick die Ausführungen seines obersten Vorgesetzten. »Sie können sich felsenfest darauf verlassen, dass wir in diesem Geist das Unternehmen durchführen werden.«

Mr. Marsh nickte. »Ich hatte nichts anderes erwartet und danke Ihnen.«

»Wie genau lautet unser Auftrag?«, wollte jetzt André Coomb wissen.

Mr. Marsh richtete seine Augen durch das Fenster auf den wolkenlosen Himmel, der durch die gläserne Fensterfront sein strahlendes Blau wie das farbenfrohe Gemälde eines alten Meisters erscheinen ließ, dann schaute er jeden einzelnen seiner Gäste mit bedeutungsschweren Blicken an, hielt seine Hand vor den Mund und räusperte sich erneut, bevor er mit seinen Ausführungen fortfuhr.

»Damit kommen wir zu dem nächsten wichtigen Punkt. Sie waren ja schon mal am anderen Ende des sichtbaren Universums in der Galaxis Lorgos*. Ich habe mir Ihren Bericht noch einmal gründlich durchgelesen, Nick. Wenn ich mich nicht irre, sind die Lorgs, das Zentralvolk, Insekten mit ameisenähnlicher Gestalt und so groß wie wir Menschen.« Mit diesen Worten betätigte er einen Knopf auf seinem Tisch, Außenjalousien schoben sich vor die Fensterfront und verdunkelten den Raum, gleichzeitig flimmerte auf der gegenüberliegenden Wand ein Monitor auf und gab Bilder von Lorg und den grünschaligen Insektenwesen frei, die – aufrecht gehend und mit vier Armen und vier Tentakeln – ihren Alltagsgeschäften nachgingen, zu Fuß, auf Rollsteigen und in Fahrzeugen, die bis auf ihre überdimensionale Größe den irdischen gar nicht so unähnlich waren.

»Archivaufnahmen Ihres Schiffes«, erklärte Mr. Marsh. Nick bestätigte durch ein leichtes Kopfnicken.

»Und diese Intelligenzen«, erklärte der Chef der Weltraumbehörde weiter, »haben in ihrem Spiralnebel durch brutale Unterdrückung anderer Völker ein riesiges Imperium aufgebaut.«

»Hinzu kommt, dass sie mit unkontrollierten Zeitexperimenten und den dafür aufgewendeten Energien die Existenz vieler Völker im Kosmos gefährdet hatten«, wusste Nick ergänzend zu berichten. »Wir wollten sie an ihrem Vorhaben hindern und wären dabei fast selbst ums Leben gekommen. Schließlich zerstörten die Ameisen durch den unmäßigen Einsatz einer Zeitkanone ihre eigene Zentralwelt und verloren danach jede Motivation, weiter gegen uns zu kämpfen3.«

»Aber wir haben seitdem nie wieder etwas von ihnen gehört«, warf Mr. Marsh ein. »Wir wissen nicht, was aus ihrem Imperium geworden ist und ob sie für uns in irgendeiner Weise noch eine Gefahr darstellen.« Er unterbrach sich für einen kurzen Augenblick, dann fuhr er – jedes Wort betonend – weiter fort: »Ihr erstes Ziel wird also die Galaxis Lorgos sein. Sie werden die Situation dort untersuchen und uns dann einen Lagebericht übermitteln.«

»Wie das?«, entfuhr es Xutl. Er musste an das Verbot des Hyperfunks denken, das die Altarker*, die selbsternannten Wächter des Friedens, allen Völkern der Galaxis auferlegt hatten, um auf diese Weise interstellare Allianzen und Zusammenschlüsse mit kriegerischen Absichten zu verhindern und Hegemonialbestrebungen sowie imperialistische und kolonialistische Ambitionen im Keim zu ersticken.

Aber da fuhr Mr. Marsh schon fort: »Leider haben uns die Altarker den Hyperfunk verboten, so dass Ihnen nichts anderes übrigbleibt, als uns Ihren Bericht mit einem Beiboot zu bringen, das ebenfalls mit einem Hyperkonverter ausgestattet ist.« Er wandte sich an Nick. »Stellen Sie eine kleine Besatzung zusammen, die uns die Dokumentation übermittelt und dann zu Ihnen zurückkehrt.«

Xutls Gesichtszüge verspannten sich. Missbilligend warf er ein: »Dieses Verbot wird uns auf der Expedition noch ganz schöne Probleme bereiten, denn wir werden uns mit der Flotte bestimmt nicht immer gleichzeitig an ein und demselben Ort aufhalten, sondern sicher auch von Zeit zu Zeit und nach Bedarf getrennt eine Forschungsfahrt unternehmen. Wie sollen wir uns da schnell verständigen – zum Beispiel bei Gefahr?«

Jetzt war es Prof. Raskin, der das Wort ergriff. »Keine Sorge, Xutl, wir haben die Altarker über das Projekt informiert. Für diese besondere Mission gestatten sie eine Ausnahme.«

»Wie großzügig!« Janes ironischer Unterton war nicht zu überhören. Sie hatte mit diesem Verbot noch immer keinen inneren Frieden geschlossen. Bevor Mr. Marsh zu einer Antwort ansetzte, fuhr die Zoologin fort: »Wir haben eine Gruppe der Ree* auf Midgard* zurückgelassen. Sie wissen sicher noch: Das ist eine paradiesische Welt, auf der wir das Sternenschiff reparieren mussten. Es gefiel den Ree dort so gut, dass sie nicht wieder zu ihrem Heimatplaneten zurückwollten, sondern auf Midgard geblieben sind, um dort eine Kolonie zu gründen. Besonders Konn ist mir zu einer wirklichen Freundin geworden. Ich vermisse sie und möchte sie besuchen. Wenn wir schon mal in ihrer Nähe sind …«

Prof. Raskin lächelte. »›Nähe‹ ist hier wohl sehr relativ. Zwischen der zerstörten Zentralwelt Lorg und Midgard liegen Tausende von Lichtjahren, denn Midgard befindet sich außerhalb des Lorg-Imperiums, aber mit dem neuen Antrieb wird der Besuch überhaupt kein Problem sein.«

Jane nickte zufrieden. »Danke!«

»Die Galaxis Lorgos ist natürlich nur Ihr erstes Ziel«, fuhr Mr. Marsh fort. »Sie befindet sich von uns aus gesehen in ca. 14 Milliarden Lichtjahren Entfernung am Ende des sichtbaren Universums. Ihrem Bericht zufolge ist es Ihnen damals nicht gelungen, weitere Erkenntnisse über unseren Kosmos zu gewinnen. Es wird also Ihre Aufgabe sein, an dieser Grenze herauszufinden, ob das Universum dort endet oder sich weiter ausdehnt. Sollte es dort zu Ende sein, untersuchen Sie die Grenze, andernfalls setzen Sie Ihre Expedition fort. Wie lange, das müssen Sie zu gegebener Zeit entscheiden.«

»Mit den Zielen dieser ersten transkosmischen Expedition ist ganz eng die Frage verbunden, welche Struktur unser Universum hat«, setzte Raskin Mr. Marshs Erläuterungen fort. »Ist es begrenzt, unendlich oder vielleicht sogar gekrümmt, dass es wie die Oberfläche einer Kugel in sich selbst zurückführt? Wir haben bis heute darauf noch keine endgültige Antwort. Aber vielleicht kommen wir einer Lösung dieses Rätsels näher, wenn wir in Lorgos über den Rand des Universums schauen.«

Nick konnte die Tragweite des Unternehmens noch immer nicht wirklich fassen. Nachdenklich wiegte er seinen Kopf von einer Seite auf die andere, die flachen Augenbrauen hatte er tief über die Lider gedrückt. Fast unhörbar raunte er: »Man stelle sich vor: Wir reisen einmal um den Kosmos und kommen vielleicht von hinten wieder zur guten alten Erde zurück.«

Tom Brucks schüttelte verhalten seinen Kopf. »Nicht vorstellbar. Und vor allem: Was kann uns da alles begegnen? Wir haben ja schon in der eigenen Galaxis Phänomene kennen gelernt, die uns an unsere absoluten Grenzen des Verstehens gebracht haben.«

Prof. Raskin heftete seinen Blick auf Tom und zupfte etwas nervös an seinem Oberlippenbart. »Wir müssen damit rechnen, auf Regionen zu stoßen, in denen völlig andere physikalische Gesetzmäßigkeiten herrschen als bei uns.«

»Das haben wir sogar schon erlebt«, warf Xutl ein, »denkt mal an den Zeitplaneten, auf dem alle physikalischen Prozesse in einem viel schnelleren Tempo ablaufen als im Normaluniversum4.«

»Ja, das war heftig«, bestätigte Tom.

»Genug lamentiert«, unterbrach Nick das Gespräch, »wir können uns um diese Fragen kümmern, wenn es soweit ist. Das erscheint mir immer noch früh genug.« Er wandte sich wieder dem Chef der Weltraumbehörde zu. »Mr. Marsh, wann soll denn diese große Expedition starten?«

Der Angesprochene lächelte einvernehmlich. »Sie sind ein Pragmatiker, Nick. Das gefällt mir an Ihnen. Die Raumschiffe befinden sich im Bau. Mit ihrer Fertigstellung ist in sechs Monaten zu rechnen, dann sind Probeflüge angesagt. In der Zwischenzeit muss die Crew ausgewählt und trainiert werden. Sie muss in alle technischen Details der Schiffe und in ihre genauen Aufgabenbereiche eingeführt werden. Bei der Zusammenstellung der Besatzung werde ich Sie involvieren. Der Start der Expedition wird also in einem Jahr erfolgen.«

»Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen«, freute sich Nick, aber bevor er noch etwas hinzufügen konnte, hatte Mr. Marsh schon wieder das Wort ergriffen. »Das Wichtigste habe ich ja noch gar nicht ausgesprochen.«

Alle Anwesenden blickten neugierig auf ihren Vorgesetzten. Was gab es wohl jetzt noch zu besprechen?

Aber es war nur eine einfache Frage: »Nehmen Sie den Auftrag überhaupt an?«

Nick reagierte als Erster: »Gestatten Sie mir ein Wort der Kritik, Mr. Marsh: Das war wohl eben die überflüssigste Frage, die Sie seit Langem gestellt haben.« Seine letzten Worte gingen in einem allgemeinen Gelächter unter.

*

Was für ein Auftrag! Welch eine Reise! Was für eine Perspektive! Einmal durch das All!

Sie hatten den Nachmittag und einen Teil des Abends noch gemeinsam verbracht, aber nun brauchte jeder seine persönliche Zeit, und alle zogen sich in ihre Appartements zurück, die sie im Raumfahrerhotel »Ad Astra« im Herzen New Yorks direkt am Central Park bezogen hatten. Jane befand sich bereits im Schlafzimmer und hatte ihren Gefährten im Wohnbereich alleine zurückgelassen. Zusammengesunken auf einem mattbraunen Polstersessel aus Velours – die Ellenbogen auf den Knien abstützend, das Gesicht in den ausgebreiteten Händen vergraben – hing der berühmte Weltraumpionier seinen unausgesprochenen Gedanken nach. Tiefe Falten bildeten sich auf seiner Stirn.

Was würde ihm auf dieser größten und längsten, vielleicht auch sonderbarsten und absurdesten aller Expeditionen widerfahren? Hatte er nicht schon genügend Grenzen überschreitende und alle irdische Vorstellungen sprengende Abenteuer überstanden? Sein Geist tauchte in die bizarre Geschichte seiner ungewöhnlichen Laufbahn ein. Ferne Ereignisse huschten wie im Zeitraffer an seinem inneren Auge vorbei, weckten Erinnerungen, bedrückten und begeisterten ihn zugleich: Der erste Flug zu einem anderen Planeten, die Reisen durch Raum und Zeit – und in den Mikrokosmos; fremde Welten erschienen wie Phantome auf der Bühne seines Lebens und lösten sich gleichzeitig wieder auf, als wären sie nur ein Hauch von Phantasie gewesen, wie zuckende Blitze, die in zahlreichen Zacken sein Gehirn durchdrangen und im nächsten Augenblick wieder verlöscht waren, aber sie ließen ihn all der unglaublichen Begegnungen mit fremdartigen Lebensformen gedenken, von denen er vorher nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

Was für ein gigantischer Auftrag! Welch eine phantastische Reise! Was für eine unfassbare Perspektive – einmal durch das grenzenlose All!

Seine Gedanken schweiften ab und tauchten in zurückliegende Epochen ein. Er fühlte sich wie jene Seefahrer, die vor langer Zeit ins Unbekannte aufgebrochen waren, nur dunkel ahnend, welche Gefahren und Unwägbarkeiten ihrer harrten, welche Opfer und Entbehrungen sie auf sich nehmen mussten, um ihre brennende Sehnsucht nach neuen Ufern zu befriedigen – gleich Magellan, dem ersten Weltumsegler: Fünf Karavellen mit 300 Mann Besatzung stachen in die stolze See. Nur eine kam zurück – und ein gutes Dutzend Matrosen, dem Tode näher als dem Leben, abgemagert und abgewrackt, aber glücklich, die Welt umrundet zu haben. Magellan war nicht dabei …

Würde es ihm und seiner Mannschaft bei der Durchquerung des Alls auch so ergehen? Ein heftiger Faustschlag traf ihn in seinem Inneren. Nein, es gab keine Wahl: Er allein trug die Last für die Menschen an Bord und er musste in der Lage sein, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich niemals zu irren – in Gefahren, mit denen vorher kein Mensch je gerechnet hatte. Könnte er das überhaupt?

Nick spürte, dass die bevorstehende Reise alles Bisherige weit in den Schatten stellen würde. Aber auch er war nur ein Mensch – fehlbar, verletzbar, überwindbar.

Zweifel nagten an seinem Selbst. Nein, diese Aufgabe war zu groß für ihn – trotz aller Erfahrungen. Er lehnte sich weit in den Sessel zurück und atmete tief durch.

Langsam öffnete sich die Schlafzimmertür. Jane trat ins Wohnzimmer und näherte sich mit lautlosen Schritten dem Gedankenverlorenen, der ihr Kommen nicht bemerkt hatte. Sie trat von hinten an ihn heran und legte ihre Arme sanft um seine harten Schultern. Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie um seine Gefühle wusste.

»Mir geht es so wie dir«, hauchte sie ihm zärtlich zu, »aber wir werden es schaffen! Gemeinsam werden wir es schaffen!«

Nick Steel schaute zu ihr auf – kein stahlharter Blick in seinen Augen – sie waren feucht. »Danke, Jane«, stammelte er, »danke. Deine Worte tun mir gut.«

Er drückte ihre Hand und wusste jetzt: Gemeinsam würden sie es schaffen.

Was für ein Auftrag!

Kapitel 2

Eine Wunderwaffe

»Du hast schon wieder in Mathematik nur eine miese Durchschnittsnote nach Hause gebracht!« Vater Banks beäugte seinen Sohn Gordon mit strenger Miene, seine Lippen hatte er zu blutleeren Strichen zusammengepresst, farblos, bedrohlich und erbarmungslos hart.

»Bitte, Papa …« Ein 10-jähriger Junge in blauem Overall stand mit hängenden Schultern vor seinem Erzeuger, zitternd und zagend, bittend und bettelnd. Aber alles Flehen und Flennen blieb vergeblich – ein abgezogener Ledergürtel und der schroffe Befehl »Beug dich vornüber!«, dann brachen wütende Schläge und eine harsche Moralpredigt mit der Heftigkeit entfesselter Naturgewalten über ihn herein.

»Nichtsnutz!«

»Faulpelz!«

»Schande der Familie!«

Resigniert ließ sich der Wurm wie ein Verurteilter in seine Zelle führen. Die Verschlussleuchte blinkte auf. Die Tür war elektronisch blockiert.

Verzweifelt und hilfesuchend sah sich Gordon in dem großzügig eingerichteten Zimmer mit Monitor und Spielkonsolen um, aber sein Schicksal für diesen Tag war besiegelt:

in den nächsten Stunden eingesperrt

keine Computersimulation

keine Visiphon-Konferenz mit seinen Freunden

kein selbstvergessenes Gleiten auf seinem neuen Schwebe-Board über die Betonpisten des Stadtparks.

Er konnte seinem Vater nicht genügen.

Er war wertlos.

Nutzlos.

Gescheitert.

Überflüssig.

*

Zwanzig Jahre später.

Die Vorbereitungen für die große Expedition kamen gut voran – technisch und auch personell. Alle Beteiligten waren in gespannter Vorfreude, der Bedeutung ihrer ungewöhnlichen Mission bewusst.

Einer aber konnte diese Freude nicht teilen, obwohl er mit dabei war: Gordon Banks, Leitender Offizier des 5. Geschwaders der terranischen Raumflottille und mitverantwortlich für das Sol-Sicherheitssystem – gegen Gefahren von außen und innen. Ein Karrieremensch, jung und ehrgeizig, aber von beidem eine gehörige Portion zu viel.

Fassungslos und mit zorngeröteten Augen saß er an seinem Bürotisch im Weltraumforschungszentrum in Nevada und starrte auf die Personalliste der Lascasas. Der Kaffee neben ihm war kalt geworden. In seinem kantigen Gesicht zuckte es unmerklich.

Auf diesem Schiff werde ich nur stellvertretender Kapitän sein, mehr nicht. Und André Coomb, dieser Schwächling, ist mein Vorgesetzter. Warum er und nicht ich?

Schweigend saß Gordon an seinem Platz, eine Haarsträhne glitt ihm langsam in die Stirn. Seine Lippen waren bleich und schmal, wie die seines Vaters. Immer und immer wieder betrachtete er die Hierarchie.

Ich halte das nicht mehr aus! So weit habe ich es gebracht, den vernichtenden Prognosen meines verdammten Vaters zum Trotz. Kommandeur eines Schiffes der terranischen Raumflotte bin ich geworden, mitverantwortlich für die Sicherheit im Sol-System – und immer loyal zur Weltregierung. Kein Opfer habe ich gescheut, habe meinem Heimatplaneten in jeder Minute gedient, habe auf Familie und Urlaub verzichtet, keinen Auftrag zurückgewiesen. Ich kann jedes Raumschiff steuern. Mein Leben gehört der Raumfahrtbehörde.

Er stieß einen tiefen Seufzer aus.

Was habe ich bloß verkehrt gemacht? Wo habe ich versagt? Ich werde es diesen Hunden zeigen! Ich werde allen beweisen, dass ich der Beste bin und eigentlich ich das Recht habe, das Schiff zu führen. André ist mein Vorgesetzter. Ich bin ihm zum Gehorsam verpflichtet. Aber ich bin besser als er. Jawohl! Und ich werde es allen beweisen. Ich muss nur eine günstige Gelegenheit abwarten – und dann werde ich handeln …

Gordon Banks erhob sich von seinem Platz. Sein Entschluss stand fest: Er würde André Coomb die Aufgabe nicht leicht machen.

*

»Die Sternenschiffe sind mit der modernsten Technik ausgestattet.« Stolz führte Professor Raskin seine Freunde durch die weiten Gänge des riesigen Kugelraumers, der mit seinen dreihundert Metern Durchmesser selbst die gigantischen Ausmaße seiner Vorgänger noch übertraf.

Die kleine Gruppe war fasziniert. Neben zehn Beibooten von unterschiedlicher Größe – alle auch mit R4-Licht- und Hyperantrieb ausgestattet – sowie mehreren Amphibienfahrzeugen, Maulwurf- und geländegängigen Allzweckwagen beeindruckte das Schiff auch durch zahlreiche Labors auf dem neusten Standard sowie durch perfektionierte 3D-Drucker einschließlich Scanner mit mehreren Millionen Kilometern Reichweite, Fernortung von Objekten in Hausgröße über Lichtjahre Entfernung, Dimensionsstrahler5 und beste Waffentechnik.

»Der R4-Lichtantrieb stellt eine verbesserte Version dar, die ich erst in den vergangenen drei Monaten entwickelt habe«, erklärte der Professor und erinnerte die Zuhörer in seinem Eifer an einen ehrgeizigen Touristen-Guide, der eine Gruppe Reisender durch die Ruinen antiker Metropolen führte. »Wir können damit in viel kürzerer Zeit als bisher bis zu 98 Prozent LG erreichen.«

Tom starrte den Professor mit weit aufgerissenen Augen an, seine Miene verriet Unverständnis. »Und wie steht es mit der Zeitdilatation? Ich will bei meiner Rückkehr keine Erde antreffen, auf der inzwischen Tausende von Jahren vergangen sind.«

Raskin lächelte. »Das wird auch nicht passieren. Ich erinnere Sie an die Fahrt mit der Plato, als Sie Miss Lee und mich aus dem energetischen Fesselfeld der degenerierten Ree befreit hatten und auf der Suche nach uns 90 000 Jahre in die Vergangenheit versetzt wurden.«

Toms Gesicht hellte sich plötzlich auf. »Ja, natürlich, jetzt wird mir wieder alles klar. Wir hatten die Rückkehr in unsere Gegenwart mit knapper Unterlichtgeschwindigkeit und ausgeschaltetem Dilatationsdämpfer geschafft, sodass für uns in wenigen Wochen Flug 90 000 Jahre vergingen6.«

Raskin nickte. »Genauso war es und unsere Schiffe werden selbstverständlich auch mit dieser Technologie ausgestattet sein.«

»Alle Wetter!«

»Lassen Sie mich weiter erklären«, fuhr der Professor mit leidenschaftlichem Engagement fort, seine Stimme bebte vor Begeisterung. »Mit dem Hyperenergiekonverter können wir Überlichtsprünge in beliebiger Länge vornehmen.«

»Wie funktioniert denn das Ding?«, wollte Xutl wissen. Seine Frage klang etwas salopp, aber das störte Raskin nicht im Geringsten – oder er hatte es überhört.

»Details muss ich Ihnen in einer stillen Stunde erklären. Hier nur das Wichtigste: Wie ich Ihnen schon bei Mr. Marsh erklärt hatte, erzeugt der Konverter für den Bruchteil einer Millionstel Sekunde eine Öffnung zum Hyperraum, saugt Hyperenergie an und konvertiert sie auf die Schwingungsebene unseres vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums.«

»Das klingt spannend.« André nickte anerkennend, aber Nick war noch nicht zufrieden. »Moment!«, warf er zweifelnd ein. »Ich erinnere mich an unseren Sprung von der Galaxis Lorgos am anderen Ende des sichtbaren Kosmos zu uns nach Hause. Das waren mehr als 13 Milliarden Lichtjahre. Fast hätten wir das nicht überlebt. Wir lagen für lange Zeit in Ohnmacht. Noch einmal möchte ich so etwas nicht durchmachen.«

Raskin wehrte mit beiden Händen ab. »Keine Angst. Das wird uns nicht wieder passieren. Inzwischen habe ich ein Gerät entwickelt, das die physischen Belastungen derartiger Sprünge neutralisiert – ähnlich wie damals, als wir bei unserem Flug zur Venus von dem gefürchteten Andruck nichts mehr gespürt hatten, weil in dem Schiff ein Andruckneutralisator eingebaut war. Das Gerät zur Vermeidung physischer Belastungen infolge überlanger Hypersprünge habe ich »Hypereffektneutralisator«, oder einfach HEN getauft.«

Tom schien zufrieden. »Haben Sie noch weitere Wunderwerke?«

»Einiges kennen Sie schon, aber ich habe die Technologien in den letzten Monaten optimiert: ein Anti-Ortungssystem, das jetzt nicht nur die Radarortung, sondern auch die optische umfasst, dann ein verbesserter Energieschutzschirm und ein Dimensionsfeldspürer zum Auffinden von Teleportationsfeldern*, ähnlich wie ihn schon Dr. Novarra auf der ersten Sternenschiffexpedition konstruiert hat, nur eine viel wirksamere Weiterentwicklung. Dr. Novarras Gerät hat die Felder nur indirekt aus der Messung der Strahlenschutzschirme ermittelt, mit der die Supermenschen7 ihre Teleportationsanlagen geschützt haben, wir dagegen können mit dem Dimensionsfeldspürer die Teleportationsfelder direkt erfassen.«

Raskin hielt einen Augenblick inne, dann fuhr er voller Stolz fort: »Und wir verfügen jetzt auch über eine Zeitkanone, wie wir sie von den Lorgs kennen.«

Jane zuckte zusammen und wurde plötzlich ganz bleich. »Herr Professor, wollen Sie das Universum zerstören? Sie wissen …«

»Die Lorgs hatten ihre Energie für verhängnisvolle Zeitexperimente aus dem Kristall eines besonderen Elements bezogen und gingen damit unkontrolliert um. Das wurde ihnen zum Verhängnis. Wir haben es gelernt, die Energien zu kanalisieren, sonst wären auch wir schon längst in einem atomaren Holocaust untergegangen.«

Jane war noch nicht zufrieden. »Ich habe nie so richtig verstanden, wie diese Waffe funktioniert. Könnten Sie uns das noch einmal erklären?«

Raskin lächelte. »Gern. Das Prinzip ist ähnlich, wie wir die Zeitversetzungen bereits früher genutzt haben: Wenn wir den Schutzschirm eines Gegners nicht durchbrechen können, schicken wir eine Bombe in einem Zeitfeld in die Vergangenheit, und zwar in eine Zeit, als sich der Schirm oder auch das Zielobjekt noch nicht auf dieser Position befunden haben. Das Zeitfeld ist so programmiert, dass es unmittelbar nach dem Sprung in die Vergangenheit erlischt. Das wiederum hat zur Folge, dass die Bombe in die Gegenwart zurückversetzt wird, diesmal innerhalb des Schutzschirms, und dann detoniert. Die Lorgs hätten uns mit dieser Technik fast den Garaus gemacht.«

Etwas entspannter fuhr der Professor fort: »Wir verfügen aber nicht nur über die Zeitkanone – auch das technische Equipment für Zeitreisen befindet sich an Bord. Wir könnten damit Ausflüge in die Vergangenheit und in die Zukunft unternehmen.«

»Das ist lebensgefährlich!«, platzte Jane empört dazwischen.

Raskin ließ sich nicht beirren. »Ich habe die negativen Effekte in den Griff bekommen. Vielleicht erinnern Sie sich an Platos Aussage, dass Zeitreisen doch nicht so gefährlich sein sollen, wie Nator* es ursprünglich verlauten ließ8. Ich konnte jedenfalls feststellen, dass das Hauptrisiko im übermäßigen Einsatz der dafür benötigten Energien liegt.«

»Wie es das Schicksal von Lorg ja auch gezeigt hat«, resümierte Xutl.

Raskin wurde plötzlich sehr nachdenklich. »Ja, die Atomkraft und das schreckliche Ereignis von London im letzten Jahrhundert haben uns gelehrt, dass jegliche Nutzung von Energie fatale Folgen haben kann, wenn man sie nicht beherrscht. So gesehen bleiben Zeitreisen ein hohes Risiko. Wir sollten solche Ausflüge nur im äußersten Notfall unternehmen.«

Tom stand vor Bestürzung der Mund offen. »›Ausflüge‹ nennt der das …«

»Und noch etwas wird mit an Bord sein, was Sie bereits von früheren Einsätzen kennen: der Rekapitulator.

»Re-ka-pi-tu-la-tor?« Andrés Gesichtszüge spannten sich.

»Ganz recht. Mit diesem Gerät können vergangene Ereignisse rekapituliert, d.h. rekonstruiert werden. Von jedem Vorgang in unserer Welt – zum Beispiel von diesem Gespräch hier, das wir gerade führen – gehen mehrdimensionale Impulse aus, die im Hyperraum Spuren hinterlassen. Der Rekapitulator kann diese Spuren erfassen und auswerten. Damit werden Personen, Gegenstände und Handlungen in ihrer zeitlichen Einbindung rekonstruiert.« Er atmete einmal tief durch und sah jeden Einzelnen herausfordernd an. »Mit diesem Gerät können wir Rätseln aus der Vergangenheit nachgehen, ohne durch die Zeit reisen zu müssen.«

Er wandte sich wieder der gesamten Gruppe zu. »Äh, und da ist noch etwas, das Sie auch schon kennen, was ich aber technisch optimiert habe: den Universaltranslator.«

Nick zeigte sich von allen am interessiertesten. »Erklären Sie!«

»Nun, dieses Gerät erfasst die Schwingungen einer Sprache und kann sie in Sekundenbruchteilen analysieren, Bezüge zu verwandten Sprachen herstellen und als Übersetzer in beiden Richtungen fungieren. Die auf Terranisch formulierten Worte werden auf der Schall-Ebene in jede gewünschte Sprache transformiert.«

»Das setzt aber voraus, dass dem Gerät grundlegende Strukturen anderer Sprachen bekannt sind«, warf Xutl ein und fuhr im selben Atemzug fort: »Für die Sprachen in der Galaxis hat das funktioniert, aber wenn wir durch das gesamte All gondeln?«

»Können Sie sich daran erinnern, was uns Nator einst erzählte?«

Nick erinnerte sich. »Ja, der Nator erzählte uns, dass er aus seinem sterbenden Universum zu uns gekommen sei und die Keime des Lebens mitgebracht habe. Sie wurden auf die unterschiedlichsten Welten verteilt und deswegen gibt es auch so viele Ähnlichkeiten, z.B. zwischen uns, den Ree, den Marsianern und vielen anderen humanoiden Völkern der Galaxis.«

Nick legte eine kurze Denkpause ein, dann hakte er nach:

»Und Sie meinen, dass diese Verwandtschaft der Lebewesen über den sichtbaren Kosmos hinausreicht?«

Raskin wurde nachdenklich und kratzte sich, etwas nervös geworden, sein Kinn. »Vielleicht«, entgegnete er schließlich, »um das herauszufinden, wollen wir ja diese Fahrt unternehmen, und ich bin mir sicher, da wird uns noch einiges begegnen.«

Nick lächelte. »Wir sind nicht verwöhnt, Professor.«

Raskin grunzte unmerklich. Das war wieder typisch Nick. Er scheute vor keiner Gefahr zurück.

»Möchten Sie noch etwas wissen?«, fragte er schließlich seine Freunde.

Jane ergriff das Wort. »Ja. Mir ist aufgefallen, dass es nur wenige Roboter an Bord gibt, weder auf der Krankenstation, wo wir früher Medo-Robots hatten, noch im Service-Bereich. Müssen wir unsere Kabinen jetzt wieder selbst ausfegen?«

»Wir haben die Zahl der Roboter so weit wie möglich reduziert und sie wieder durch Menschen ersetzt. Sie sollen – mit Ausnahme von Kampfrobotern und der üblichen Elektronik – nur im Notfall Verwendung finden. Keine Maschine kann menschliche Nähe und Wärme ersetzen und unsere Expedition soll unter den besten psychologischen Voraussetzungen stattfinden.«

Jane freute sich. »Sehr umsichtig, Professor! Endlich ist man in der Weltraumbehörde zur Vernunft gekommen. Viele meiner Tiere lassen sich auch nicht von seelenlosen Blechkisten abspeisen. Oder möchten Sie von einer Metall- oder Plastikhand gestreichelt werden?«

»Ha! Ha! Nein, natürlich nicht. Schön, dass Ihnen dieses Konzept gefällt«, entgegnete Professor Raskin und musste schmunzeln.