Merowinger und Karolinger - Matthias Becher - ebook

Merowinger und Karolinger ebook

Matthias Becher

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Opis

Das Frankenreich unter den Merowingern und Karolingern, auf ehemals römischem Territorium entstanden, wuchs in die Rolle der dominierenden Macht im westlichen Europa hinein. Dabei entwickelte es Strukturen, die beispielhaft für benachbarte Regionen werden sollten. Ohne das Vorbild des Frankenreiches wären viele Entwicklungen im Mittelalter kaum vorstellbar: die Christianisierung, die karolingische Kultur, die Ausbildung mittelalterlicher Herrschaftsstrukturen wie das Lehnswesen und die Grundherrschaft, das Kaisertum. Matthias Becher, einer der wichtigsten Historiker der fränkischen Epoche, beschreibt anschaulich Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden bedeutenden Dynastien und wie sie mit ihren jeweiligen Mitteln Herrschaft, Kultur und Institutionen des mittelalterlichen Europa schufen.

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Geschichte kompakt

Herausgegeben vonKai Brodersen, Martin Kintzinger, Uwe Puschner, Volker Reinhardt

Herausgeber für den Bereich Mittelalter:Martin Kintzinger

Berater für den Bereich Mittelalter:Heribert Müller, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter

Matthias Becher

Merowinger und Karolinger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt.Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig.Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung inund Verarbeitung durch elektronische Systeme.

© 2009 by WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), DarmstadtDie Herausgabe des Werkes wurde durchdie Vereinsmitglieder der WBG ermöglicht.Einbandgestaltung: schreiberVIS, SeeheimRedaktion: Daphne Schadewaldt, WiesbadenSatz: Lichtsatz Michael Glaese GmbH, Hemsbach

Besuchen Sie uns im Internet: www.wbg-wissenverbindet.de

ISBN 978-3-534-15209-4

Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich:eBook (PDF): 978-3-534-71423-0eBook (epub): 978-3-534-71424-7

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte kompakt

    I. Die Entstehung des Frankenreiches unter den frühen Merowingern

1. Spätrömische Voraussetzungen: Die Franken und das Imperium

2. Chlodwig – primus rex Francorum

3. Die Franken: Siedlung, Recht, Sozialverfassung

4. Die Söhne Chlodwigs: Reichsteilung und weitere Expansion

5. Die Bruderkriege und die Ausbildung der drei Teilreiche

   II. Strukturen des Frankenreiches

1. Die ideellen Grundlagen königlicher Macht

2. Die realen Grundlagen königlicher Macht

3. Der königliche Hof

4. Die regionale Verwaltung

5. Die Kirche

6. Das Mönchtum

  III. Von den Merowingern zu den Karolingern

1. Reichseinheit und Eigenleben der Teilreiche

2. Der Aufstieg Pippins des Mittleren

3. Karl Martell

4. Bonifatius und die angelsächsische Mission

5. Der Dynastiewechsel von 751

6. Pippin als König: Beschützer des Papstes und Eroberer Aquitaniens

  IV. Karl der Große: Das Frankenreich auf dem Höhepunkt seiner Macht

1. Der junge König

2. Die Bewährungsprobe: Dreißig Jahre Krieg mit den Sachsen

3. Verwandtenstreit: Karl der Große und Tassilo III. von Bayern

4. Karl als Kaiser

5. Regelung der Nachfolge und Karls Tod

   V. Herrschaft und Verwaltung unter den Karolingern

1. Der Königshof

2. Die Amtsträger im Reich

3. Schriftliche Normsetzung und Bildung als Herrschaftsinstrumente

4. Das Kaisertum und die Reform des Reiches

  VI. Ludwig der Fromme: Von der Einheit zum Bruderkrieg

1. Die Anfänge Ludwigs des Frommen und die Ordinatio imperii

2. Die Aufstände der älteren Söhne

3. Das Ende Ludwigs des Frommen

4. Bruderkrieg und Reichsteilung

 VII. Die wachsende Eigenständigkeit der fränkischen Teilreiche

1. Gefährdungen von außen: Normannen und Sarazenen

2. Das Mittelreich unter Lothar I. und seinen Söhnen: Zwischen Einheit und Aufteilung

3. Das Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen: Ein erfolgreicher Überlebenskampf

4. Das Ostfrankenreich unter Ludwig dem Deutschen und seinen Söhnen

5. Karl III. der Dicke und das Ende des karolingischen Imperiums

VIII. Das Ostfrankenreich nach 887: Zwischen gesamtfränkischer Tradition und Neuanfang

1. Arnulf von Kärnten und Ludwig das Kind

2. Ein Nachspiel: Konrad I. – der letzte ostfränkische Karolinger?

   IX. Rückblick und Ausblick: Das Frankenreich unter den Merowingern und Karolingern

Stammtafeln der Merowinger und Karolinger

Literatur

Personenregister

Geschichte kompakt

 

In der Geschichte, wie auch sonst,dürfen Ursachen nicht postuliert werden,man muss sie suchen. (Marc Bloch)

Das Interesse an Geschichte wächst in der Gesellschaft unserer Zeit. Historische Themen in Literatur, Ausstellungen und Filmen finden breiten Zuspruch. Immer mehr junge Menschen entschließen sich zu einem Studium der Geschichte, und auch für Erfahrene bietet die Begegnung mit der Geschichte stets vielfältige, neue Anreize. Die Fülle dessen, was wir über die Vergangenheit wissen, wächst allerdings ebenfalls: Neue Entdeckungen kommen hinzu, veränderte Fragestellungen führen zu neuen Interpretationen bereits bekannter Sachverhalte. Geschichte wird heute nicht mehr nur als Ereignisfolge verstanden, Herrschaft und Politik stehen nicht mehr allein im Mittelpunkt, und die Konzentration auf eine Nationalgeschichte ist zugunsten offenerer, vergleichender Perspektiven überwunden.

Interessierte, Lehrende und Lernende fragen deshalb nach verlässlicher Information, die komplexe und komplizierte Inhalte konzentriert, übersichtlich konzipiert und gut lesbar darstellt. Die Bände der Reihe „Geschichte kompakt“ bieten solche Information. Sie stellen Ereignisse und Zusammenhänge der historischen Epochen der Antike, des Mittelalters, der Neuzeit und der Globalgeschichte verständlich und auf dem Kenntnisstand der heutigen Forschung vor. Hauptthemen des universitären Studiums wie der schulischen Oberstufen und zentrale Themenfelder der Wissenschaft zur deutschen und europäischen Geschichte werden in Einzelbänden erschlossen. Beigefügte Erläuterungen, Register sowie Literatur- und Quellenangaben zum Weiterlesen ergänzen den Text. Die Lektüre eines Bandes erlaubt, sich mit dem behandelten Gegenstand umfassend vertraut zu machen. „Geschichte kompakt“ ist daher ebenso für eine erste Begegnung mit dem Thema wie für eine Prüfungsvorbereitung geeignet, als Arbeitsgrundlage für Lehrende und Studierende ebenso wie als anregende Lektüre für historisch Interessierte.

Die Autorinnen und Autoren sind in Forschung und Lehre erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Jeder Band ist, trotz der allen gemeinsamen Absicht, ein abgeschlossenes, eigenständiges Werk. Die Reihe „Geschichte kompakt“ soll durch ihre Einzelbände insgesamt den heutigen Wissenstand zur deutschen und europäischen Geschichte repräsentieren. Sie ist in der thematischen Akzentuierung wie in der Anzahl der Bände nicht festgelegt und wird künftig um weitere Themen der aktuellen historischen Arbeit erweitert werden.

Kai Brodersen     

Martin Kintzinger

Uwe Puschner     

Volker Reinhardt 

I.     Die Entstehung des Frankenreiches unter den frühen Merowingern

Ab ca. 250

Fränkische Überfälle auf die römische Reichsgrenze am Rhein

294/95

Ansiedlung der Franken als Laeten in Nordgallien

454/55

Zusammenbruch der römischen Ordnung in Gallien(Ermordung des Aëtius und Valentinians)

476

Untergang des weströmischen Reiches

481/82

Tod Childerichs I.

482–511

Chlodwig I.

511

Tod Chlodwigs, Teilung des Frankenreichs unter seine vier Söhne

529–534

Unterwerfung des Thüringerreichs

532

Eroberung des Burgunderreichs

537

Besetzung der Provence

561

Tod Chlothars, Reichsteilung unter seine vier Söhne

561–613

Innerdynastische Auseinandersetzungen (bella civilia)

1. Spätrömische Voraussetzungen: Die Franken und das Imperium

Die Franken werden in römischen Quellen erstmals kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts genannt. Sie bildeten sich vermutlich aus älteren germanischen Völkern wie Chamaven, Brukterern, Chattuariern und Amsivariern, ohne sich zunächst zu einem Volk mit einheitlicher politischer Führung zu entwickeln. Der Name der Franken bedeutet wohl so viel wie ‚mutig, kühn, ungestüm, frech‘. Dagegen ist die Gleichsetzung von Franke mit Freier vermutlich sekundär. Die Franken siedelten am Nieder- und Mittelrhein und bildeten keine geschlossene politische Einheit, sondern bestanden aus mehreren Gruppen unter eigenen Anführern, die von den römischen Autoren duces, regales, aber auch reguli und reges genannt wurden. Einige fränkische Gruppen gingen seit der Mitte des 3. Jahrhunderts offensiv gegen das Imperium vor. Sie machten im Jahr 275 das Maasgebiet unsicher und nahmen Trier ein. Andere Franken betätigten sich gleichzeitig als Piraten und bedrohten vom Ärmelkanal und von der Nordsee her Nordgallien und Britannien. Um 290 profitierten Franken von innerrömischen Auseinandersetzungen und drangen entlang des Rheins auf römischen Reichsboden vor – etwa in das Gebiet der Bataver an der unteren Maas. Aber bald erstarkte das Imperium wieder und setzte den Eindringlingen wirksamen militärischen Widerstand entgegen. Gleichzeitig bahnte sich eine besondere Form der Zusammenarbeit an: Der römische Kaiser Constantius I. Chlorus siedelte 294/95 gefangene Franken als Laeten, halbfreie Wehrbauern, in Nordgallien an, anderen Franken wurden um diese Zeit Wohnsitze bei Trier zugewiesen.

Bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts bedrohten die Franken die Rheingrenze nicht mehr ernsthaft – wohl ein Erfolg der Integrationspolitik Kaiser Konstantins des Großen, der sie systematisch für das römische Heer anwarb. Ein Aufstand gegen dessen Sohn Constantius II. führte ab 350 zum Zusammenbruch der nördlichen Rheinlinie. Erst der Caesar Julian Apostata konnte zwischen 355 und 358 die Lage stabilisieren, beließ aber anscheinend einigen Franken ihre Wohnsitze links des Rheins. Dies gilt auch für eine fränkische Gruppe, die von der Forschung mehrheitlich als Salier angesprochen wird. Sie waren von der Bataverinsel aus nach Toxandrien – die Gegend des heutigen Antwerpen – in der Provinz Germania secunda vorgedrungen und wurden von Julian besiegt, der ihnen dieses Gebiet dennoch zur Ansiedlung überließ. Die Integration ging so weit, dass Franken auch Karriere im kaiserlichen Heer machten, wie der rex Francorum Mallobaudes, der als comes domesticorum unter Kaiser Gratian römische Truppen gegen die Alemannen führte, oder Merobaudes, der sogar bis zum Heermeister aufstieg.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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