Menschenwürde nach Nietzsche - Stefan Lorenz Sorgner - ebook

Menschenwürde nach Nietzsche ebook

Stefan Lorenz Sorgner

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Opis

In der Auseinandersetzung mit Nietzsches Kritik der Menschenwürde nimmt dieses Buch zugleich Stellung zur aktuellen Diskussion. Wie ist die gegenwärtige Norm der Menschenwürde, wie sie auch im Grundgesetz enthalten ist, vor dem Hintergrund der Theorien des vehementen Moralkritikers Nietzsche einzuschätzen? Welchen Stellenwert hat die Würde des Menschen im Zeitalter des Posthumanismus überhaupt? Im ersten Teil skizziert der Autor zunächst die wichtigsten philosophischen Konzeptionen der Menschenwürde von Cicero bis Kant. Dabei macht er deutlich, welche Probleme die gegenwärtige Rezeption historischer Konzeptionen aufwirft. Der zweite Teil ist der ausführlichen Darstellung von Nietzsches Kritik der Menschenwürde gewidmet. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für die gegenwärtige Diskussion und konkrete Hinweise, wie ein tragbarer Begriff der Menschenwürde für die Zukunft aussehen könnte.

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Stefan Lorenz Sorgner

Menschenwürde nach Nietzsche

Die Geschichte eines Begriffs

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Impressum

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme.

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-534-20931-6 © 2010 by WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt Die Herausgabe dieses Werkes wurde durch die Vereinsmitglieder der WBG ermöglicht. Einbandgestaltung: Peter Lohse, Büttelborn eBook ISBN 978-3-534-70802-4 (epub) Als epub veröffentlicht 2010.

www.wbg-wissenverbindet.de

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Innentitel

Inhaltsverzeichnis

Informationen zum Buch

Informationen zum Autor

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Siglen

1 Einleitung

1.1 Der Begriff „Menschenwürde“

1.2 Anthropozentrische Würdekonzeptionen

1.3 Facetten der genaueren Klärung der Menschenwürde

1.4 Relevanz des Begriffs „Menschenwürde“

1.4.1 Rechtswissenschaftliche Relevanz – Menschenwürde als Verfassungsbegriff

1.4.2 Unterschiedliche Deutungen der Menschenwürde des Artikel 1 des Grundgesetzes

1.4.3 Bioethische Relevanz – Menschenwürde als moralisches Konzept

1.5 Zusammenfassung

2 Menschenwürde bei Cicero

2.1 Ciceros Erkenntnistheorie

2.2 Ciceros Begründung der Menschenwürde

2.2.1 Vernunft

2.2.2 Seele

2.3 Die Stellung der Würde innerhalb Ciceros Ethik

2.3.1 Das höchste Gut

2.3.2 Honestum

2.3.3 Der Weise

2.3.4 Weisheit

2.3.5 Gerechtigkeit

2.3.6 Tapferkeit

2.3.7 Mäßigung

2.3.8 Hierarchie der Pflichten

2.3.9 Vier-Personae-Theorie

2.4 Fazit

3 Menschenwürde bei Manetti

3.1 Manettis Erkenntnistheorie

3.2 Manettis Begründung der Menschenwürde

3.2.1 Seele

3.2.2 Weitere Eigenschaften der Seele

3.3 Die Stellung der Würde innerhalb Manettis Ethik

3.4 Fazit

4 Menschenwürde bei Giovanni Pico della Mirandola

4.1 Picos Erkenntnistheorie

4.2 Picos Begründung der Menschenwürde

4.3 Die Stellung der Würde innerhalb Picos Ethik

4.3.1 Glückseligkeit

4.3.2 Rückkehr zu Gott durch Moralität, Dialektik, Naturphilosophie und Theologie

4.3.3 Arten des Friedens und der Liebe

4.3.4 Unio Mystica

4.4 Fazit

5 Menschenwürde bei Kant

5.1 Kants Erkenntnistheorie

5.2 Kants Begründung der Menschenwürde

5.2.1 Autonomie/Heteronomie

5.2.2 Wille

5.2.3 Wert und Würde

5.2.4 Extension

5.3 Die Stellung der Würde innerhalb Kants Ethik

5.3.1 Imperative

5.3.2 Maxime und das moralische Gesetz

5.3.3 Pflichten

5.3.4 Das höchste Gut und die Motivation für moralisches Handeln

5.3.5 Probleme

5.4 Fazit

6 Nietzsches Kritik der Menschenwürde

6.1 Anmerkungen zu Nietzsches tatsächlichen Aussagen zu Cicero, Pico, Manetti und Kant

6.2 Die textliche Grundlage der vorliegenden Nietzsche-Interpretation

6.3 Grundlagen von Nietzsches Philosophie

6.3.1 Nietzsches Erkenntnistheorie

6.3.2 Wille zur Macht

6.3.3 Ethik und Moral

6.4 Menschenwürde beruhe auf vier Irrtümern

6.5 Der erste Irrtum: Die unvollständige Erkenntnis

6.5.1 Vernunft und Wille zur Macht

6.5.2 Bewusstsein/Leib

6.6 Der zweite Irrtum: Erdichtete Eigenschaften

6.6.1 Der freie Wille

6.6.2 Die immaterielle Seele

6.6.3 Gottebenbildlichkeit

6.7 Der dritte Irrtum: Falsche Rangordnung zu Tier und Natur

6.7.1 Der Mensch als krankes Tier

6.7.2 Nietzsches Evolutionstheorie

6.7.3 Das Mensch-Natur-Verhältnis und die Menschenwürde

6.8 Der vierte Irrtum: Ewige und unbedingte Gütertafeln

6.8.1 Genealogie der Moral

6.9 Ewige Gütertafeln, die Genealogie und Menschenwürde

7 Reflexionen

7.1 Notwendige Menschenwürde in der Gegenwart

7.1.1 Verweise auf historische Konzeptionen

7.1.2 Eigenständige Argumente für die notwendige Menschenwürde

7.2 Kontingente Menschenwürde in der Gegenwart

7.2.1 Sonderstellung des Menschen: Das Mensch-Welt-Verhältnis

7.2.2 Die Gültigkeit der Sonderstellung für alle Menschen: Würde als universale Norm

7.2.3 Die Gleichwertigkeit aller Menschen. Das Mensch-Mensch-Verhältnis

7.3 Höhere Menschen, der letzte Mensch und die Übermenschen

7.3.1 Der letzte Mensch

7.3.2 Die höheren Menschen

7.3.3 Der Übermensch

7.4 Reflexionen zu Nietzsches Kritik der Menschenwürde

7.4.1 Perspektivismus

7.4.2 Wille zur Macht

7.4.3 Herren- und Sklavenmoral

7.4.4 Einschätzung

7.5 Ein Gegenvorschlag

7.5.1 Menschenwürde und das schwache Denken

7.5.2 Exkurs: Kritik der christlichen und kantischen Überreste der gegenwärtigen Menschenwürde

7.5.3 Die Sonderstellung des Menschen

7.5.4 Reflexionen zur Sonderstellung des Menschen

8 Schluss

Bibliografie

Personenregister

Sachregister

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Dank

Ich danke den Lektoren der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft für die intensive Zusammenarbeit bei der Erstellung dieser Monografie. Der lange währende und stimulierende Austausch mit verschiedenen Mitarbeitern der WBG war für dieses Projekt ein großer Gewinn.

Die in dieser Arbeit vertretene Position hat sich im Laufe meines Lebens herausgebildet, weshalb die verschiedenen Menschen, mit denen ich befreundet war oder die mich unterrichtet haben, an der Erarbeitung beteiligt waren. Auch war mir das Unterrichten bei der Ausformung von Gedanken von großer Hilfe. So war ich gezwungen, eine Position klar aufzubereiten, darzustellen und zu erläutern. Ich danke den Studentinnen und Studenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die an den Seminaren und Übungen teilgenommen haben, in denen ich die verschiedenen Aspekte der Menschenwürde beleuchtet habe.

Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der eigenen Position sind ebenso die verschiedenen Lehrer, die mich im Laufe des Studiums unterrichtet haben. Diesbezüglich bin ich insbesondere den folgenden Hochschullehrern zu speziellem Dank verpflichtet: Prof. Dr. M. M. McCabe, Prof. David E. Cooper, Chris Long.

Ohne Freunde, mit denen man Gedanken durchspielen und entwickeln kann, ist es schwierig, Gedankengebilde nachzuvollziehen, Schwachpunkte zu erkennen und zu versuchen, sie zu beheben. Für die intellektuelle und emotionale Unterstützung meiner Freunde, nicht nur bei der Erstellung dieser Arbeit, bin ich äußerst dankbar. Diesbezüglich möchte ich besonders die folgenden Freunde von mir erwähnen: Dr. Ralf Beuthan, Prof. Dr. H. James Birx, Prof. Dr. Irina Deretic, Dr. Oliver Fürbeth, Prof. Dr. Frank Hentschel, Dr. Saskia Hogreve, Sophie Annerose Naumann, Markus Peuckert, Luca Pignatelli, Robert Ranisch, Alina Rusakova, Dr. Michael Schramm, Dr. Joe Sen, Dr. Christian Spahn, Prof. Dr. Heiko Zude.

Einen außerordentlichen Dank schulde ich meinem Doktorvater, Prof. Dr. Wolfgang Welsch, der mit seinen treffenden Nachfragen von unschätzbarem Wert hinsichtlich der Entwicklung dieser Arbeit war, sowie dem Zweitgutachter Prof. Dr. Gianni Vattimo, dessen philosophische Reflexionen mein Denken seit Langem entscheidend geformt haben. Der geistige Austausch mit zwei solch herausragenden Denkern war mir eine Freude, Ehre und enorme Bereicherung.

Der größte Dank gilt meinen Eltern, Karin und Lorenz Sorgner, sowie meiner Großmutter Theresia Guha, ohne deren unerlässliche und bedingungslose Unterstützung und Liebe die Fertigstellung dieser Arbeit unmöglich gewesen wäre.

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Siglen

Friedrich Nietzsche

Sigle der Werkausgabe, Sigle des Textes, Bandzahl, Seitenzahl (Beispiel: KSA, GT, 1, 46).

KSA

1967ff: Sämtliche Werke – Kritische Studienausgabe in 15 Bänden. Hg. v. G. Colli u. M. Montinari, Deutscher Taschenbuch Verlag, München/New York.

KSB

1975ff: Sämtliche Briefe – Kritische Studienausgabe. Hg. v. G. Colli u. M. Montinari, Deutscher Taschenbuch Verlag, München/New York.

Siglen der einzelnen Werke

AC

Der Antichrist (KSA 6, 165–254)

BA

Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (KSA 1, 641–752)

CV

Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern (KSA 1, 753–792)

PW

Ueber das Pathos der Wahrheit (KSA 1, 755–760)

GZA

Gedanken über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (KSA 1, 761ff)

GS

Der griechische Staat (KSA 1, 764–777)

VSPC

Das Verhältnis der Schopenhauerschen Philosophie zu einer deutschen Cultur (KSA 1, 778–782)

HW

Homer s Wettkampf (KSA 1, 783–792)

DD

Dionysos-Dithyramben (KSA 6, 375–411)

DS

David Strauss, der Bekenner und der Schriftsteller (Unzeitgemäße Betrachtungen 1) (KSA 1, 157–242)

DW

Die dionysische Weltanschauung (KSA 1, 551–577)

EH

Ecce homo (KSA 6, 255–374)

FW

Die fröhliche Wissenschaft (KSA 3, 343–651)

GD

Götzen-Dämmerung (KSA 6, 55–161)

GG

Die Geburt des tragischen Gedankens (KSA 1, 579–599)

GM

Zur Genealogie der Moral (KSA 5, 245–412)

GMD

Das griechische Musikdrama (KSA 1, 515–532)

GT

Die Geburt der Tragödie (KSA 1, 9–156)

HL

Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (Unzeitgemäße Betrachtungen 2) (KSA 1, 243–334)

IM

Idyllen aus Messina (KSA 3, 333–342)

JGB

Jenseits von Gut und Böse (KSA 5, 9–243)

M

Morgenröthe (KSA 3, 9–331)

MA

Menschliches, Allzumenschliches (I und II) (KSA 2, 9–704)

NF

Nachgelassene Fragmente (KSA 7–13)

MD

Mahnruf an die Deutschen (KSA 1, 891–897)

NH

Ein Neujahrswort an den Herausgeber der Wochenschrift „Im neuen Reich“ (KSA 1, 793–797)

NW

Nietzsche contra Wagner (KSA 6, 413–445)

PHG

Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen (KSA 1, 799–872)

SE

Schopenhauer als Erzieher (Unzeitgemäße Betrachtungen 3) (KSA 1, 334–427)

SGT

Sokrates und die griechische Tragödie (KSA 1, 601–640)

ST

Sokrates und die Tragödie (KSA 1, 533–549)

VM

Vermischte Meinungen und Sprüche (KSA 2, 379–534)

WA

Der Fall Wagner (KSA 6, 9–53)

WB

Richard Wagner in Bayreuth (Unzeitgemäße Betrachtungen 4) (KSA 1, 429–510)

WL

Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne (KSA 1, 873–890)

WS

Der Wanderer und sein Schatten (KSA 2, 535–704)

WzM

Wille zur Macht (tlw. in: KSA, NF, 7–13)

Falls nicht in der KSA vorhanden, werden die Passagen wie folgt zitiert: WzM, Nummer des Abschnitts (Beispiel: WzM, 358). Der Wille zur Macht – Versuch einer Umwertung aller Werte. Ausgew. u. geord. v. P. Gast unter Mitw. v. E. Förster-Nietzsche, mit einem Nachw. v. A. Baeumler, 12. Aufl., Kröner, Stuttgart, 1980. Konkordanz zur KSA und KGW: Vgl. Simmons, S.: A Concordance indexing „The Will to Power“ with the Critical Editions of Nietzsche’s collected works (KGW & KSA). In: New Nietzsche Studies, vol. 1, Numbers 1 & 2, Fall/Winter 1996, 126–153).

Za

Also sprach Zarathustra (KSA 4, 9–408)

Arthur Schopenhauer

Sigle der Werkausgabe, Sigle des Textes, Bandzahl, Seitenzahl (Beispiel: GA, GE, 3, 631).

GA

1911–1926: Sämtliche Werke. Hg v. Paul Deussen, Piper, München, Bd. I–VI.

GE

Die beiden Grundprobleme der Ethik (GA, 3, 429–746)

PP

Parerga und Paralipomena (GA, 4, 1–5, 724)

Immanuel Kant

AA

1902ff: Gesammelte Schriften in 29 Bd. Akademieausgabe, Berlin et al. Sigle der Werkausgabe, Sigle des Textes, Bandzahl, Seitenzahl (Beispiel: AA, KpV, 5, 31).

KpV

Kritik der praktischen Vernunft (AA,5, 3–163)

GMS

Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (AA, 4, 384–463)

MS

Metaphysik der Sitten (AA, 6, 205–493)

Cicero

Sigle der Werkausgabe, Buch Abschnitt (Beispiel: Fin. V 26).

De fin.

De Finibus Bonorum et Malorum

Tusc.

Tusculanae Disputationes

De off.

De Officiis

De nat. deor.

De Natura Deorum

Luc.

Lucullus (nur Abschnittsangabe)

De orat.

De oratore

De leg.

De legibus

Platon

Sigle der Werkausgabe, Bandzahl, Seitenzahl; Texttitel (Beispiel: W, 5, 212–219; Parmenides, 132a/b, 132c–133a).

W

1990: Werke in 8 Bd. Griech./Dt., WBG, Darmstadt.

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1 Einleitung

In dieser Abhandlung setze ich mich mit der Frage auseinander: Wie ist der gegenwärtige normative Begriff der Menschenwürde unter besonderer Berücksichtigung der Kritik des Moralkritikers Nietzsche einzuschätzen? Meine These ist: Hinsichtlich des gegenwärtigen normativen Begriffs der Menschenwürde besteht Revisionsbedarf, insbesondere bezüglich des Merkmals der Sonderstellung des Menschen in der Welt. Bei der Behandlung der Frage habe ich mich speziell mit Nietzsches Kritik des Begriffs „Menschenwürde“ auseinandergesetzt, da Nietzsche einer der schärfsten Kritiker von Normen und auch der Menschenwürde ist und ich seine Kritik für hilfreich erachte, um die Plausibilität der Menschenwürde besser einschätzen zu können. Ich gehe dabei wie folgt vor:

In der Einleitung wird der Menschenwürde-Begriff, der innerhalb dieser Arbeit verwandt wird, formal und analytisch gefasst. Dabei erläutere ich, welche Begriffe das Wort „Würde“ umfassen kann, welche Probleme mit dem Wort „Menschenwürde“ zusammenhängen und welche möglichen Aspekte bei der Klärung des Begriffs hinsichtlich der Zusammenhänge von Begründung, Extension und Implikationen bezüglich von Rechten und Pflichten berücksichtigt werden können. Hierbei gebe ich sicherlich keine umfassende Begriffserläuterung, jedoch gehe ich davon aus, eine klare Definition von dem Begriff zu vermitteln, der für diese Arbeit relevant ist. Eine wichtige Unterscheidung wird die zwischen der kontingenten und der notwendigen Menschenwürde sein. Die Bedeutung der auf den ersten Blick möglicherweise problematischen Ausdrücke „kontingente Menschenwürde“ und „notwendige Menschenwürde“ wird in diesem Rahmen herausgearbeitet.

Im Anschluss stelle ich zwei wichtige Diskurse vor, die die Problematik, aber auch die Relevanz des Menschenwürde-Begriffs verdeutlichen: 1. die Rolle des Begriffs „Menschenwürde“ in rechtlichen Kontexten; 2. die Bedeutung des Begriffs „Menschenwürde“ in bioethischen Diskursen. Hier stelle ich besonders heraus, dass der Begriff häufig im Verdacht steht, inhaltlich leer zu sein. Trotzdem kommt dem Begriff eine enorme Bedeutung innerhalb zahlreicher Verfassungen zu, u.a. im Grundgesetz der BRD. Zwei unterschiedliche einflussreiche Traditionslinien der Kommentierung des Artikels 1 des deutschen Grundgesetzes werden thematisiert und problematisiert. Als einen weiteren Bereich, für den der Begriff zentral ist, greife ich exemplarisch den der Bioethik heraus und erwähne kurz Fragestellungen, die bezüglich des Verhältnisses des Menschenwürde-Begriffs und Problemen am Lebensanfang und -ende auftreten.

Die Arbeit ist in drei Abschnitte untergliedert. Im ersten Teil stelle ich vier Menschenwürde-Konzepte dar, die paradigmatisch die vier wichtigsten Möglichkeiten der Begründung des Begriffs der notwendigen Menschenwürde repräsentieren (Kapitel 2 bis 5). Nietzsches explizite Kritik des Begriffs „Menschenwürde“ wendet sich nur gegen den Begriff der notwendigen Menschenwürde.

Im zweiten Teil deute ich Nietzsches explizite Kritik des Begriffs der notwendigen Menschenwürde, die aus seiner Sicht auf vier Irrtümern beruhe (Kapitel 6). Ich lege Varianten der Deutung der Irrtümer dar und zeige auf, inwiefern sie sich gegen die Begründungen der Menschenwürde richten, die von den im ersten Teil näher thematisierten Denkern gegeben wurden.

Im dritten Teil reflektiere ich über die Bedeutung von Nietzsches Kritik der notwendigen Menschenwürde für die gegenwärtige Diskussion, wobei ich auch Nietzsches implizite Kritik der kontingenten Menschenwürde thematisiere (Kapitel 7). In diesem Zusammenhang setze ich mich kritisch mit Nietzsches radikaler Ablehnung sowohl der notwendigen als auch der kontingenten Menschenwürde auseinander und erörtere, ob und, wenn ja, in welcher Form die Menschenwürde als normativer Begriff beizubehalten ist.

Nach dieser Kurzzusammenfassung der einzelnen Teile soll die Argumentationsstruktur der Arbeit noch etwas detaillierter hervortreten:

Im ersten Hauptteil der Arbeit stelle ich die paradigmatisch bedeutendsten Konzeptionen der notwendigen Würde vor. Hier habe ich die Positionen Ciceros, Manettis, Pico della Mirandolas und Kants ausgewählt, da bei ihnen nicht nur, formal betrachtet, ein Menschenwürde-Begriff auftritt, wie er von Nietzsche kritisiert wird und wie er für gegenwärtige Debatten der Angewandten Ethik relevant ist, sondern bei ihnen ist der Begriff auch in eine komplexe Weltanschauung eingebunden. Außerdem repräsentieren diese vier Denker paradigmatisch die wichtigsten Arten der Begründung des Begriffs „Würde“. Bei Cicero liegt die Würde in der Vernunftfähigkeit oder der Zugehörigkeit zur Spezies „Mensch“ (Spezieszugehörigkeit) begründet, bei Manetti in der Gottebenbildlichkeit, bei Pico im freien Willen und bei Kant in der Autonomiefähigkeit. In allen vier Fällen ist die Würde jedoch in eine komplexe Ethik1eingebunden und kann nur vor dem Hintergrund der zahlreichen Verstrickungen in ihrer Komplexität nachvollzogen werden. Aus diesem Grund sind die vier Kapitel des ersten Hauptteils wie folgt und analog gegliedert:

In einer kurzen Einleitung mache ich einige allgemeine Bemerkungen zum jeweiligen Denker, um dessen Position historisch und systematisch besser einzuordnen. Dann gehe ich auf die erkenntnistheoretische Grundlage der jeweiligen Würdekonzeption ein, denn nur diese Erörterung ermöglicht nachzuvollziehen, wie der Denker zu seiner eigenen Begründung gekommen ist. Eine angemessene Möglichkeit, um gegen die jeweilige Begründung zu argumentieren, wird hier sein, dass gegen die Plausibilität der Erkenntnistheorie der Begründung argumentiert wird. Im darauf folgenden Abschnitt thematisiere ich die jeweilige Begründung der Würde. Eine umfassende Darstellung der jeweiligen Würdekonzeption kann jedoch nur erfolgen, wenn außerdem analysiert wird, was das Hauptanliegen der Ethik des jeweiligen Denkers ist, welche Rolle die Würde innerhalb der Ethik spielt und welche Forderungen und Implikationen (Rechte, Pflichten, Tugenden etc.) die jeweilige Ethik hat. Hierbei wird sowohl deutlich, dass die zentrale Frage der Ethik der dargestellten Positionen die nach dem höchsten Gut ist und deren Würdekonzepte für die jeweilige Ethik allenfalls von marginaler, sicherlich nicht von zentraler Bedeutung sind. Weiterhin wird ersichtlich, dass deren Würdekonzepte stets in komplexe Metaphysiken eingebunden sind, die für ihre Gültigkeit notwendig sind. Abschließend fasse ich zentrale Punkte der dargelegten Würdekonzeption kurz zusammen.

Im zweiten Hauptteil analysiere ich die Argumente Nietzsches gegen den Begriff der notwendigen Würde. Der Begriff des Arguments darf hier nicht im strengen Sinne eines Syllogismus verstanden werden. Vielmehr bemüht sich Nietzsche darum aufzuzeigen, dass die Menschenwürde auf Irrtümern beruht, wobei ich die speziellen Irrtümer genauer erörtere. Auf diese Weise liefert Nietzsche letztendlich vier abstrakte Gründe gegen notwendige Menschenwürde-Konzepte, die durch zahlreiche Teilargumente untermauert werden. Nietzsche argumentiert dabei nicht direkt gegen eine der im ersten Hauptteil vorgestellten Theorien. Trotzdem lehnt er alle Begründungen ab, die von den Ethikern im ersten Teil vorgestellt werden.

In jeder umfassenderen Arbeit zu Nietzsche muss zunächst geklärt werden, auf welcher Basis und auf welchem Grundverständnis die Darstellung der Philosophie Nietzsches geschieht. Ich gehe sowohl auf meine Textauswahl als auch auf die Begründung der Textauswahl ein. Es macht einen großen Unterschied, ob man sich mit der Philosophie seiner Früh-, Mittel- oder Spätperiode auseinandersetzt, genauso wie es wichtig ist zu klären, wie man mit den, bei Nietzsche in großem Umfang vorhandenen, nicht von ihm selbst publizierten Schriften umgeht. Außerdem gebe ich eine kurze Zusammenfassung von Nietzsches Aussagen zu den vier im ersten Kapitel erwähnten Denkern, damit deutlich wird, warum ich mich hier nicht mit der expliziten Kritik Nietzsches an den Würdekonzepten der vier Denker auseinandersetze, sondern mit seiner impliziten Kritik an den Positionen der vier Denker und seiner expliziten Kritik an der notwendigen Menschenwürde. Nachdem ich die Basis meiner Nietzsche-Exegese erläutert habe, fasse ich einige Grundlagen seines Denkens zusammen, die von zentraler Relevanz für seine Menschenwürde-Kritik sind. Hierzu zählen seine Erkenntnistheorie, seine Lehre vom Willen zur Macht und seine Ethik. Im Anschluss beschäftige ich mich mit Nietzsches vierteiliger Würdekritik (die vier Irrtümer, auf denen die Würde beruhe). Jedem der vier Teile widme ich ein spezielles Kapitel. Nach Nietzsche beruht die Konzeption der Menschenwürde darauf, dass der Mensch sich erstens nur unvollständig erkennt, zweitens Eigenschaften zum eigenen Wesen hinzudichtet, drittens von einer falschen Rangordnung des Menschen zum Tier und der Natur ausgeht und viertens innerhalb nicht vorhandener ewiger und unbedingter Gütertafeln enthalten ist. In den jeweiligen Kapiteln steht eine Darlegung der so genannten Irrtümer im Mittelpunkt. Hierbei gehe ich auf Nietzsches Kritik an Begründungen der notwendigen Menschenwürde ein, auf die Nietzsche implizit hinweist, die sich jedoch an unterschiedlichen Stellen innerhalb seines Werks finden lassen und somit rekonstruktiv von mir kompiliert werden.

Im dritten Hauptteil der Arbeit reflektiere ich über den Begriff der Menschenwürde in der Gegenwart, wobei ich zunächst die Bedeutung von Nietzsches expliziter Kritik an der notwendigen Menschenwürde analysiere, indem ich darstelle, wie heutzutage mit Konzepten der notwendigen Menschenwürde umgegangen wird. Da in der Gegenwart kontingente Würdebegründungen weiter verbreitet sind als notwendige, wende ich mich diesen zu, stelle fest, dass Nietzsche diese implizit ebenfalls kritisiert, und stelle seine Kritikpunkte dar. Nach der Darlegung, dass sich Nietzsche implizit und explizit gegen alle Arten des Begriffs „Menschenwürde“ wendet, stelle ich Nietzsches Alternativvorschlag dar, der einen neuen Begriff der Würde beinhaltet und eine Entwicklung hin zum Übermenschen fördern soll. Um Nietzsches Kritik am Begriff der Menschenwürde sowie seinen Gegenentwurf kritisch einschätzen zu können, erläutere ich meine eigene Einschätzung der Positionen Nietzsches. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass ein Großteil seiner Philosophie plausibel ist, jedoch zentrale Elemente seines Denkens auch kritisiert werden müssen, was dazu führt, dass Nietzsches radikale Kritik der Menschenwürde nicht geteilt werden muss. Im Rahmen dieser Überlegungen stellt sich heraus, dass insbesondere ein zentrales Element der Menschenwürde, das Nietzsche ebenfalls kritisiert hat, an Plausibilität eingebüßt hat: die Sonderstellung des Menschen in der Welt. Abschließend stelle ich Reflexionen darüber an, welche Konsequenzen mit dem Verlust der Plausibilität der menschlichen Sonderstellung in der Welt einhergehen.

1.1 Der Begriff „Menschenwürde“

Das Wort „Menschenwürde“ hat zahlreiche In- und Extensionen. In dieser Arbeit behandle ich einen speziellen Begriff der Menschenwürde. Ich thematisiere nicht das Wort „Würde“. Erörterte ich das Wort „Würde“, dann müsste ich mich mit vielen unterschiedlichen Varianten der Würde auseinandersetzen. Im Rahmen dieser Arbeit steht aber nur ein bestimmter Begriff der Würde im Mittelpunkt. Wenn man vom Wort spricht, meint man ausschließlich eine bestimmte Zusammensetzung von Buchstaben. Zu jedem Begriff gehören jedoch eine Intension und eine Extension, wobei die Intension nach Frege als Sinn und die Extension als Bedeutung bezeichnet werden. Die Extension umfasst die Menge aller Dinge, die unter den Begriff fallen. Die Intension hingegen bezeichnet die Merkmale und die gegenseitigen Beziehungen der Merkmale eines Begriffes.

Bevor ich die Eigenschaften des hier behandelten Würdebegriffs aufliste, stelle ich Facetten des Wortes dar. Würde ist eine Eigenschaft, die dem Träger entweder notwendigerweise oder kontingenterweise zukommen kann. In den bisherigen Artikeln zur Menschenwürde wurde meist zwischen der inhärenten und der kontingenten Würde unterschieden.2Diese Unterscheidung ist sprachlich problematisch. Zumindest handelt es sich bei der Unterscheidung um keine Disjunktion, da hier eine Vermischung von Kategorien vorgenommen wurde. Als eine Disjunktion oder einen kontradiktorischen Gegensatz wird die Unterscheidung jedoch zumeist fälschlicherweise aufgefasst. Um keinen Kategorienfehler zu begehen, unterscheide ich die notwendige und die kontingente Würde. Die notwendige Würde ist eine Eigenschaft, die dem Träger notwendigerweise zukommt, wobei es metaphysisch unmöglich ist, dass sie ihm nicht zukommt. Die kontingente Würde jedoch ist eine Eigenschaft, die nicht notwendigerweise dem Träger zukommt. Sprachlich treffender als die Ausdrücke der notwendigen oder der kontingenten Menschenwürde wäre es, von der Würde, die eine notwendige Eigenschaft des Menschen darstellt, bzw. der Würde, die eine kontingente Eigenschaft des Menschen ist, zu sprechen. Um die Arbeit lesbarer zu machen und viele Relativsätze zu vermeiden, benutze ich im Folgenden die Ausdrücke „notwendige“ und „kontingente Würde“. In jedem Fall handelt es sich beim Begriff „Würde“ um eine Eigenschaft. Es gibt verschiedene Arten von Eigenschaften. Eigenschaften resultieren aus der Beschaffenheit des Objektes oder aus der Art der Wechselwirkung mit anderen Objekten (z.B. Relation, Dependenz). Ich beabsichtige nicht, alle Arten von Eigenschaften zu erfassen. Von besonderer Bedeutung für diese Arbeit ist zunächst einmal der Status der Würde, d.h., ist sie notwendig oder kontingent.

Eine notwendige Würde kann sowohl inhärent sein als auch dependent. Wenn es der Fall ist, dass im Wesen eines Menschen notwendigerweise der freie Willen vorhanden und der freie Willen der Grund für die Würde ist, dann besitzt jeder Mensch die notwendige, inhärente Menschenwürde. Wenn Gott jedoch dem Menschen notwendigerweise Würde zusprechen sollte, dann handelt es sich um die notwendige, dependente Würde, die bei allen Menschen zu finden ist. Beide Fälle wären jedoch Arten der notwendigen Menschenwürde.

Auch die kontingente Würde kann an unterschiedliche Eigenschaften gebunden sein. Wenn Menschen sich gegenseitig Würde zusprechen, dann handelt es sich um kontingente, dependente Menschenwürde. Wenn jedoch den Menschen Würde zukommt, weil sie die Fähigkeit besitzen, logische Schlussfolgerungen zu ziehen, und diese Fähigkeit eine körperliche ist, dann besitzen die Menschen, die diese Fähigkeit haben, kontingente, inhärente Menschenwürde (schließlich ist diese Fähigkeit keine notwendige). Beide Fälle stellen jedoch eine Art der kontigenten Menschenwürde dar.

Die kontingente und notwendige Würde müssen jedoch noch weiter unterschieden werden. Der Würdebegriff, der in dieser Arbeit thematisiert wird und der auch für die Diskurse innerhalb der Angewandten Ethik relevant ist, impliziert die normative Gleichheit hinsichtlich der Beachtung aller Träger der Würde, d.h. hier der Menschen. Das Wort „Würde“ kann auch so benutzt werden, dass es die Ungleichheit der Träger der Würde impliziert (Würdenträger innerhalb einer sozialen, z.B. kirchlichen, Hierarchie), wobei dieser Begriff für diese Arbeit nicht relevant ist. Beide Arten der Würde können sowohl auf notwendigen als auch auf kontingenten Würdekonzepten beruhen. Es gibt somit eine notwendige Würde, welche die Gleichheit, wie auch eine, welche die Ungleichheit der Inhaber der Würde impliziert. Gleiches trifft auf die kontingente Würde zu. Eine Würde ist notwendig, wenn sie notwendigerweise auf alle diejenigen zutrifft, die die Eigenschaften besitzen, mit denen die Eigenschaft der Würde begründet wird. Die notwendige Würde beruht auf metaphysischen Eigenschaften, wobei Metaphysik hier als die Disziplin aufgefasst wird, die sich mit dem Wesen der Welt, das jenseits (altgr. meta – nach) der sinnlichen Erscheinungen (altgr. physis – Natur) vorhanden ist, auseinandersetzt.3Die kontingente Würde kommt den Würdeträgern nicht notwendigerweise zu, sondern beruht auf nicht notwendigen Eigenschaften. Eine Eigenschaft kann mit einer Beschaffenheit oder einer Dependenz, wie der Entscheidung eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen, identifiziert werden.

Die kontingente Würde, die die Ungleichheit nach sich zieht und die im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter berücksichtigt wird, kann auf unterschiedliche Weise auftreten. U.a. wird zwischen einer ästhetischen, sozialen oder expressiven Würde unterschieden (Balzer/Rippe/Schaber 1998, 18f). Die ästhetische ist etwa an die Monumentalität der Erscheinung, die soziale an die soziale Position, z.B. Würde des Bischofs, und die expressive an den Ausdruck und das Verhalten gebunden. Diese Arten der Würde sind kontingent und implizieren eine Hierarchisierung der Würdeträger und Ungleichheit. Die Eigenschaft des Bischofseins ist keine notwendige, da der Träger der Eigenschaft auch einmal nicht Bischof war. Außerdem ist diese Art der Würde eine hierarchische, da dem Bischof eine größere Würde zukommt als dem einfachen Priester.4

Es gibt auch eine notwendige Würde, die die Ungleichheit nach sich zieht. Auch diese wird im Rahmen dieser Arbeit nicht näher berücksichtigt. Jedoch wird sie hier der Vollständigkeit wegen erwähnt. Die notwendige Würde kann an der Intelligenz festgemacht werden, wenn man davon ausgeht, dass Intelligenz dem Wesen eines Menschen zu eigen ist und darin seine Würde begründet liegt. Intelligenz ist jedoch zu unterschiedlichen Graden bei verschiedenen Menschen vorhanden. In diesem Fall ergibt sich eine Hierarchie der Träger notwendiger Würde, weshalb diese Art der notwendigen Würde eine Ungleichheit der Träger impliziert.

Weiterhin gibt es Theorien der notwendigen und kontingenten Würde, die die Gleichheit der Würdeträger zur Folge haben. Auf diese werde ich später noch genauer eingehen und nur diese sind zunächst einmal für die vorliegende Arbeit relevant. Beide Arten von Würdekonzeptionen können für sozial- und individualethische Reflexionen eine Bedeutung haben.

Der Begriff der hier behandelten, nicht abstufbaren Würde ist an sechs Merkmalen festgemacht: 1. Würde kann nicht für sich alleine bestehen, sondern ist stets an einen Träger gebunden; 2. Einem Träger kommt die Eigenschaft „Würde“ zu, wenn er eine nicht abstufbare Eigenschaft X besitzt, in der die Würde begründet liegt5; 3. Zwischen den Trägern derselben besteht das Verhältnis der Gleichheit, d.h., alle Träger der Würde besitzen eine Eigenschaft X, die nicht abstufbar ist und aufgrund der das Verhältnis zwischen ihnen als deskriptive Gleichheit beschrieben werden kann; 4. Die Gleichheit der Träger impliziert eine normative Gleichbeachtung (normative Gleichheit), wobei diese an ein Konzept des sittlich Guten (des Rechten bzw. Richtigen) gebunden ist und nicht an ein Konzept des Schlechten, da der hier thematisierte Begriff der Würde nur vorhanden ist, wenn alle Träger gleich gut, nicht aber, wenn alle Träger der Würde gleich schlecht berücksichtigt werden sollen; 5. Die Träger der Würde nehmen eine Sonderstellung innerhalb der Welt ein, d.h., dass sie sich kategorial von anderen Wesen in der Welt unterscheiden und ihnen im Unterschied zu anderen Wesen eine nicht unmittelbar empirisch aufweisbare Eigenschaft zukommt; 6. Der Begriff wird mit dem Wort „Würde“ oder einem äquivalenten Wort in einer anderen Sprache benannt.6Alle sechs Merkmale zusammen sind notwendig und hinreichend für das in dieser Arbeit thematisierte Konzept der Würde.7

Der hier thematisierte Begriff der Menschenwürde ist der, der für die gegenwärtigen moralischen Debatten, insbesondere innerhalb von Deutschland, relevant ist. Ein Begriff hat, wie gesagt, stets eine In- und eine Extension. Die Extension ist direkt von der Intension des Begriffs abhängig. Die Extension des Begriffs „Menschenwürde“ ergibt sich aus der Überschneidung der Extensionen der Begriffe „menschliches Wesen“ und „Würdeträger“. Ein Wesen A gehört zur Menge der menschlichen Wesen, wenn es zur Spezies der menschlichen Wesen gehört, d.h., wenn es potenziell ein Teil der Fortpflanzungsgemeinschaft der menschlichen Wesen ist. Ein Wesen B gehört zur Menge der Träger der Eigenschaft „Würde“, wenn es die Begründungen erfüllt, d.h., wenn ihm die Eigenschaften zukommen, an die die Eigenschaft der Würde gekoppelt ist. Die Begründung der Eigenschaft „Würde“ kann sowohl in einer Beschaffenheit als auch in einer Relation oder Dependenz liegen.

Menschenwürde kommt jedoch nur den Wesen zu, die zur Gruppe der menschlichen Wesen und zu der der Würdeträger gehören. Hierbei ergeben sich fünf Möglichkeiten von Verhältnissen: 1. Die Extension der Begriffe „menschliches Wesen“ und „Würdeträger“ ist identisch; 2. Die Extensionen der Begriffe „menschliches Wesen“ und „Würdeträger“ ergeben keine Schnittmenge; 3. Die Extension des Begriffes „menschliches Wesen“ ist so, dass die Extension des Begriffes „Würdeträger“ eine Teilmenge der Extension des Begriffes „menschliches Wesen“ ist; 4. Die Extension des Begriffes „Würdeträger“ ist so, dass die Extension des Begriffes „menschliches Wesen“ eine Teilmenge der Extension des Begriffes „Würde“ ist; 5. Die Extension des Begriffes „menschliches Wesen“ und die Extension des Begriffes „Würdeträger“ überlappen, es gibt jedoch „menschliche Wesen“, die keine „Würdeträger“ sind, sowie es auch „Würdeträger“ gibt, die keine „menschliches Wesen“ sind. Auf die Möglichkeiten der Verhältnisse der Begriffe „menschliches Wesen“ und „Würdeträger“ gehe ich gleich noch genauer ein.

Wenn eine Menschenwürde-Konzeption positiv verfasst, d.h. auf politischer Ebene wirksam werden soll, muss sie von den Herrschenden bzw. Verantwortlichen dort etabliert werden. Ich gehe hier von einer Sanktionstheorie der Normen aus, die behauptet, dass Normen nur dadurch gegeben sind, dass Sanktionen angedroht und (meist) auch vollzogen werden, falls auf eine bestimmte Weise gehandelt wird. Bei der Etablierung einer kontingenten Würdekonzeption ist dafür alleine die Entscheidung der Verantwortlichen notwendig. Bei notwendigen Konzepten ist die Entscheidung der Verantwortlichen zwar ebenfalls notwendig, jedoch kommt hinzu, dass davon ausgegangen wird, dass die Eigenschaften, an die die Würde gekoppelt ist, metaphysisch (sei es als Beschaffenheit oder Dependenz) vorhanden und somit auch gültig ist, ohne dass sie irgendjemand berücksichtigt oder in irgendeiner Form institutionell verankert hat.

Ausschließlich Theorien der notwendigen und kontingenten Würde, die die Gleichheit der Würdeträger implizieren und auf die die Eigenschaften des gerade beschriebenen Menschenwürde-Begriffs zutreffen, sind im Rahmen der gegenwärtigen Fragestellungen relevant, weshalb auch nur diese erörtert werden.8Es ist dabei zunächst einmal irrelevant, ob die Eigenschaften, an die die Würde gekoppelt ist, mithilfe der Beschaffenheit des Trägers, der Relation oder auch der Dependenz des Trägers zu etwas anderem begründet werden.

1.2 Anthropozentrische Würdekonzeptionen

Ich gehe innerhalb der Arbeit ausschließlich auf anthropozentrische Würdekonzeptionen, also auf die Menschenwürde, ein. Das Konzept der „Würde der Kreatur“ wird somit nicht näher thematisiert. Dem Konzept der Menschenwürde können, wie bereits kurz dargelegt, fünf grundlegende Anordnungen des Verhältnisses der Gruppe der Würdeträger und der Zugehörigkeit zur Gruppe der menschlichen Wesen Grunde liegen, wobei ich stets auf die in den Hauptteilen genauer behandelten Denker verweise, die die jeweilige Position vertreten. Nur vier Verhältnisse zwischen den beiden erwähnten Mengen sind jedoch für diese Arbeit relevant, da es bei der fünften Verhältnisvariante zu keiner Schnittmenge zwischen der Gruppe der Würdeträger und der Gruppe der menschlichen Wesen kommt. In diesem Fall kann es nicht zu Trägern der Menschenwürde kommen. Die anderen vier Varianten sind die folgenden:

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