Matt schlägt los: Circle C-Ranch 58 - Glenn Stirling - ebook

Matt schlägt los: Circle C-Ranch 58 ebook

Glenn Stirling

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Circle C-Ranch Band 58 Western von Glenn Stirling Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten. Cliff Copper soll den jungen Reno Ludlow ins Gefängnis nach Yuma bringen. Der Vater des Jungen will das verhindern und hat ein paar Revolvermänner angeheuert. An Coppers Seite ist nur Matt Wade, der als unzuverlässig gilt. Mitten in der Wüste kommt es zu einer tödlichen Auseinandersetzung.

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Glenn Stirling

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Inhaltsverzeichnis

Matt schlägt los: Circle C-Ranch 58

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Matt schlägt los: Circle C-Ranch 58

Circle C-Ranch Band 58

Western von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

Cliff Copper soll den jungen Reno Ludlow ins Gefängnis nach Yuma bringen. Der Vater des Jungen will das verhindern und hat ein paar Revolvermänner angeheuert. An Coppers Seite ist nur Matt Wade, der als unzuverlässig gilt. Mitten in der Wüste kommt es zu einer tödlichen Auseinandersetzung.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: Tony Masero

© dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Cliff Copper blickte durch den großen Mannschaftsraum von Camp Lowell, in dem Bänke und Stühle in Reihen aufgestellt worden waren, auf denen sich Soldaten und Leute aus Tucson und der Umgebung drängten. Cliff saß im Zeugenstand neben dem Podest, auf dem Major McLean hinter einem Tisch thronte.

Sein Blick wanderte durch den Raum, zu Captain Edward Thompson, dem großen Offizier mit dem eiskalten Gesicht, hinüber, der in Akten blätterte, und dann weiter zu dem Angeklagten, dem jungen Reno Ludlow, den er, Cliff, selbst hierher gebracht hatte. Neben Reno Ludlow saß sein Verteidiger, ein alter, ausgetrocknet wirkender Advokat aus Lordsburg, den Renos Vater mitgebracht hatte, als er vor einer Woche ins Fort kam. Reno Ludlow war zweiundzwanzig, ein zäh und wild wirkender, blonder Bursche.

„Mister Thompson, haben Sie noch Fragen an den Zeugen?“, erkundigte der Major sich ungeduldig.

„Einen Augenblick, Euer Ehren!“

Cliff blickte wieder zurück. Vorn auf der ersten Bank saß sein Schwager, Captain Harricks, unter den Zuschauern. Joe lächelte Cliff zu und nickte schwach, als wollte er sagen, es ginge alles in Ordnung.

Captain Thompson, der Ankläger, stand auf und kam mit ein paar Blättern Papier in der Hand vor den Zeugenstand. „Mr. Copper, hatten Sie den Angeklagten gesehen, als er nach Tucson kam und mit seinen Freunden in Joel Madsons Saloon ging?“

„Nein“, erwiderte Cliff.

„Sie haben also erst von ihm gehört, als Joel Madson überfallen worden war und um Hilfe rief?“

„Ja. Ich hatte den Angeklagten bis dahin niemals gesehen, Sir. Und auch zu diesem Zeitpunkt sah ich ihn nur von hinten, schon eine halbe Meile von Tucson entfernt.“

„Aber dann haben Sie ihn nicht mehr aus den Augen verloren – keine Minute?“

„Keine Minute, Sir.“

Der Captain blickte zu dem Angeklagten und seinem Verteidiger hinüber, dann schaute er Cliff wieder an. „Wie nahe waren Sie, Mr. Copper, als die drei Männer auf Sie schossen?“

„Ich war etwa dreihundert Yard hinter ihnen, und wir hatten uns gut sechs bis sieben Meilen von Tucson entfernt.“

„Bis dahin war nicht geschossen worden?“

„Nein“, sagte Copper.

„Erklären Sie dem Gericht, was dann geschah, Mr. Copper“, verlangte der Ankläger und trat etwas zurück.

„Sie eröffneten auf einmal das Feuer auf mich“, sagte Cliff. „Sie mussten gemerkt haben, dass es unmöglich war, mir anders zu entkommen. Aber da sie die Pferde nicht anhielten, konnten sie nicht richtig zielen. Andererseits konnten sie mich durch Zufall treffen. Ich hatte drei gegen mich und musste zurückschießen. Dabei wurde einer der Männer getroffen und stürzte von seinem Pferd. Das Tier ging durch, trat sich wahrscheinlich auf die Zügel und stürzte. Es kam nicht mehr auf die Beine. Die beiden anderen Männer schlugen auf ihre Pferde ein und flohen weiter in die Wüste hinaus.“

2

Cliff Copper blickte aus zusammengekniffenen Augen gegen die tief im Westen stehende Sonne, vor der er die schwarzen Silhouetten der beiden Reiter sah. Dichter Staub wehte in der Luft und senkte sich auf den Toten, neben dem Copper hielt.

Er blickte wieder auf die beiden Fliehenden, stieg aber dann ab und wälzte den Toten auf den Rücken. Er sah ein verzerrtes, langes und pferdeähnliches Gesicht, das er niemals zuvor gesehen hatte.

Mit einem Satz war Cliff wieder im Sattel und trieb den Falben an. Er folgte den beiden anderen Kerlen, und der Abstand begann allmählich wieder kürzer zu werden.

Nach einer halben Stunde war er ihnen so nahe gekommen, dass er sie fast riesengroß vor der in der weiten Ferne bereits halb versunkenen Sonne sah, und er wusste, dass sie jetzt auf die Nacht hofften, eine Nacht in der Wüste, in der sie nicht verschwinden konnten, weil sie nicht dunkel genug dazu sein würde.

Der eine drehte sich im Sattel um und feuerte wieder zurück. Die Kugel traf den Sand weit links von Cliff und warf eine kleine Fontäne in die Höhe.

Der andere schoss ebenfalls. Cliff hörte das Pfeifen einer Kugel und duckte sich im Sattel. Er repetierte sein Gewehr, zügelte den Falben, legte die Winchester an und drückte ab. Krachend löste sich der Schuss, Pulverrauch zerflatterte vor der Mündung, ein Pferd wieherte schrill, ein Reiter flog durch die Luft und das Tier brach zusammen.

Der gestürzte Mann sprang wieder auf, blickte auf sein zusammengebrochenes Tier, schaute dann zurück, zerrte den Revolver aus dem Halfter und schoss mehrmals.

Indessen hatte der andere Reiter sein Pferd gezügelt und rief etwas zurück. Der andere rannte hinter ihm her und stieg mit auf das Pferd des anderen. Aber noch bevor Cliff sein Pferd wieder antreiben konnte, fiel abermals ein Schuss, und dann stürzte der vordere der beiden Reiter vom Pferd, und der andere trieb das Tier an, offenbar von der wahnwitzigen Vorstellung beseelt, doch noch entkommen zu können.

Cliff schüttelte den Kopf, repetierte sein Gewehr, legte an und schoss noch einmal. Die Kugel zog neben dem dahinstürmenden Pferd eine Furche in den Boden, das Tier brach jäh aus, und der Reiter stürzte aus dem Sattel.

Cliff trieb sein Pferd an, schob das Gewehr in den Sattelschuh und zog den Revolver.

Noch auf dem Boden liegend feuerte der letzte der Kerle auf ihn, war aber offensichtlich so erregt, dass er die Hand nicht stillhalten konnte.

Cliff beugte sich über den Hals seines Pferdes. Er hörte noch einen Schuss fallen. Der Kerl musste sich jetzt verschossen haben. Im nächsten Augenblick war ein Fluch zu hören, der Kerl sprang auf und schleuderte Copper, der nun heran war, seine Waffe entgegen.

Cliff warf sich vom Sattel aus auf den Kerl, packte ihn und brachte ihn mit sich selbst durch die Wucht zu Fall. Sie rollten über den noch heißen Wüstenboden, sprangen wieder auf, und zum ersten Mal sah Cliff das Gesicht des jungen Burschen richtig, ein hitzig leuchtendes, wildes, von Schweiß bedecktes Gesicht. Der Kerl fluchte, sprang ihn an und schlug zu, aber Copper nahm den Kopf noch rechtzeitig zur Seite. Der Kerl prallte gegen ihn.

Cliff stieß ihn zurück, setzte nach und schmetterte dem jungen Burschen die Faust ins Gesicht, und der Kerl stürzte zu Boden. Er stand noch einmal auf, bekam aber wieder einen Schwinger, schrie, taumelte rückwärts und stürzte abermals zu Boden.

Cliff wischte sich den Schweiß mit dem Ärmel vom Gesicht, ging zurück und hob den Revolver auf, der ihm entfallen war.

Der junge Bursche bewegte sich und hob den Kopf. Cliffs langer Schatten, der seine Konturen schon verlor, fiel auf ihn.

„Wie heißt du?“, fragte Cliff Copper.

Der junge Bursche fluchte, packte Cliff mit der linken Hand und schlug mit der Rechten zu, aber er traf Copper nur gegen die Schulter.

„Nun reicht‘s aber!“, stieß Cliff hervor, holte kurz aus und setzte dem Kerl die Faust abermals ins Gesicht, dass es krachte. Der Kerl ließ los und fiel auf den Rücken, und Cliff sah in seinen Augen, wie er das Bewusstsein verlor.

Er ging um den Mann herum, kniete sich in den Sand und griff dem Bewusstlosen unter die Jacke. Er hörte das Knistern unter seinem Hemd, öffnete es und sah die Geldscheine, die sie Joel Madson gestohlen hatten.

3

Captain Thompson, der falkengesichtige Ankläger, blickte zu dem jungen Burschen auf der Anklagebank hinüber, und Reno Ludlow senkte langsam den Kopf. Thompson schaute Cliff wieder an.

„Und was taten Sie dann, Mr. Copper?“

„Ich habe ihn gefesselt auf das Pferd gesetzt“, erklärte Cliff. „Dann lud ich die beiden Toten auf und kehrte nach Tucson zurück. Ich schickte einen Boten hierher. Der Mann kam am folgenden Morgen zurück. Indessen hatte Reno Ludlow seinen Namen genannt und gesagt, dass er aus Lordsburg käme, wo sein Vater leben würde. Ich schickte einen Freund von mir, Matt Wade, nach Lordsburg, damit der Vater von Ludlow verständigt würde. Der Mann kam zwar nicht mehr zurück, aber da Mr. Milton Ludlow hier ist, dürfte er auf jeden Fall verständigt worden sein.“

„Danke, das genügt.“ Captain Thompson wandte sich dem Kommandanten zu. „Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.“ Er ging zu seinem Platz zurück und setzte sich.

„Möchte die Verteidigung noch Fragen an den Zeugen richten?“, erkundigte sich der Major.

Donald Pyle, der kleine Advokat mit den Froschaugen, stand auf, kam um seinen Tisch herum und auf den Zeugenstand zu. „Mr. Copper, Sie gaben an, auf die fliehenden Männer geschossen zu haben. Ist das richtig?“

„Ja.“ Cliff merkte, wie sich seine Haltung zu spannen begann.

Der kleine Advokat griff nach der Barriere vor dem Zeugenstand. „Sie gaben ferner an, mein Mandant wäre hinter seinem Freund auf dessen Pferd gestiegen, dann wäre ein Schuss gefallen, und der andere stürzte zu Boden.“

Cliff nickte. „Ja, das habe ich gesagt, Mr. Pyle.“

„Nun, wäre es denn nicht denkbar, dass mein Mandant nur geschossen hat, um das Pferd anzutreiben und nicht auf einen Mann, der schließlich sein Freund war?“

Ein Murmeln ging durch den großen Raum, und die Männer begannen sich unruhig zu bewegen.

„Wäre es nicht denkbar, dass der Freund meines Mandanten schon vorher von einer Kugel aus Ihrem Gewehr getroffen wurde, aber sich noch solange im Sattel halten konnte?“

„Nein, das ist nicht denkbar“, erwiderte Cliff kühl. „Ich sagte doch, ich habe auch die Toten mit nach Tucson genommen. Mr. Mills, unser Arzt, hat sie alle untersucht. Der Freund des Angeklagten wurde aus nächster Nähe erschossen, denn dort, wo ihn die Kugel traf, war sein Hemd angesengt. So nahe bin ich diesem Banditen, solange er lebte, niemals gekommen, Mr. Pyle.“

Der Verteidiger duckte sich und blickte über die Schulter zu dem Angeklagten hinüber, der seinerseits das Gesicht langsam seinem Vater zuwandte.

Der alte Ludlow starrte mit verzerrtem Gesicht auf Copper, und plötzlich begann Hass in seinen Augen zu leuchten.

„Haben Sie noch Fragen an den Zeugen?“, erkundigte sich der Major.

„Nein, Euer Ehren, keine weiteren Fragen“, sagte der kleine Advokat gepresst und ging hinter seinen Tisch zurück.

Cliff stand auf und verließ den Zeugenstand.

„Ist Mr. Mills, der Arzt aus Tucson, anwesend?“, fragte der Advokat noch immer gepresst.

„Mr. Mills!“, rief der Major. „Bitte, treten Sie in den Zeugenstand!“

Cliff setzte sich neben seinen Schwager.

„Der ist so gut wie verurteilt“, murmelte Harricks. „Weil du die Toten mitgenommen hast.“

Mills ging vorbei und betrat den Zeugenstand, und der Advokat stand wieder auf.

4

Cliff Copper ging vom Tisch zum Fenster und blickte über den Hof von Camp Lowell hinüber zu dem langen Mannschaftshaus, in dem die Verhandlung, die er verlassen hatte, in der letzten Runde lief.

„Willst du noch einen Kaffee, Cliff?“, fragte Rosalie, seine mit Captain Harricks verheiratete Schwester.

Cliff wandte sich um und lächelte Rosalie an. „Nein.“

Rosalie verließ das nicht sehr große Wohnzimmer und ging in die Küche. „Was denkst du denn, was er bekommen wird?“, fragte sie.

„Keine Ahnung, Rosalie.“

Die junge Frau tauchte wieder auf. „Es ist ein besonders scheußliches Verbrechen, den eigenen Freund zu erschießen, weil man sein Pferd braucht, nicht wahr?“

„Ja, natürlich.“

Rosalie setzte sich an den Tisch. „Alle Leute sagen, sein Vater wäre ein reicher Mann. Er soll in Lordsburg zwei Geschäfte haben und außerdem mit Pferden und Rindern handeln. Man erzählt, er würde auch mit den Indianern und den Rebellen in Mexiko zusammenarbeiten. Er hat vier Männer mitgebracht. Vier finstere Kerle, die für ihn arbeiten. Wieso hat er keine Arbeit für seinen Sohn gehabt?“

„Was weiß ich, Rosalie? Vielleicht hat er ihn zu knapp gehalten.“

„Das wird ihm jetzt sehr leid tun.“

„Ja, das glaube ich auch.“ Cliff blickte wieder hinaus, wandte sich dann aber ab, ging zum Tisch und setzte sich seiner Schwester gegenüber auf einen Stuhl. „Aber das ist nicht unser Problem, Rosalie. – Wie gefällt es dir hier?“

„Wie soll es mir gefallen? Es ist doch überall fast gleich.“

„Ist Joe viel unterwegs?“

Rosalie zuckte die Schülern. „Manchmal ja, manchmal nein, je nachdem. Wie geht es denn draußen auf der Ranch?“

Cliff lächelte. „So wie immer.“

Laute Stimmen drangen herein. Rosalie stand auf und lief zum Fenster. „Die Verhandlung ist zu Ende“, sagte sie. „Joe kommt herüber.“

Cliff blieb sitzen. Nach ein paar Sekunden hörte er Schritte, dann wurde die Tür geöffnet. Rosalie hatte sich umgewandt. Joe Harricks kam herein und schloss die Tür hinter sich.

„Und?“, fragte seine Frau.

Harricks blickte von Rosalie auf Cliff. „Fünfzehn Jahre Yuma.“

„Fünfzehn Jahre?“, fragte Rosalie. „Das ist doch …“

„Was?“, fragte Harricks.

„Das ist sicher nicht sehr viel“, sagte die Frau leise.

„Nicht sehr viel für das, was er getan hat“, gab Harricks zu. „Die hat er sich verdient. Aber trotzdem sind fünfzehn Jahre Yuma so gut wie ein Todesurteil. Das halten nicht viele durch.“

„Und wer wird ihn nach Yuma bringen?“, fragte Cliff.

Harricks lächelte dünn. „Wahrscheinlich derjenige, der ihn hierher gebracht hat. – Du, Schwager.“

Rosalie kam an den Tisch zurück und setzte sich. „Ich muss immer wieder an die vier finsteren Kerle denken. Warum hat der alte Ludlow die mitgebracht?“

„Vielleicht, weil er hoffte, es könnte irgendwelchen Eindruck auf das Gericht machen. Aber auf den Major machen nur Tatsachen Eindruck. Zum Beispiel die Tatsache, dass Reno seinen Freund erschossen hat. Und andererseits die Tatsache, dass er erst zweiundzwanzig Jahre alt ist. Ein paar Jahre älter hätte er vielleicht dreißig Jahre bekommen.“

„Sein Vater und die vier Männer.“ Rosalie starrte Cliff ängstlich an. „Die werden verhindern wollen, dass Reno nach Yuma kommt.“

„Das ist doch gar nicht sicher, Rosalie!“, erwiderte Cliff. „Der alte Ludlow ist ein undurchsichtiger, aber ein reicher Mann, der ohne Zweifel sehr an seinem Leben hängt. Wenn sie versuchen würden, Reno zu befreien, müssen sie mit der gleichen Strafe rechnen.“

„Vielleicht denkt er nicht daran“, sagte Rosalie scharf. „Cliff, du musst dafür sorgen, dass ein Zug Kavallerie dabei ist, wenn du Reno Ludlow nach Yuma bringen musst.“

„Ein ganzer Zug wegen eines Gefangenen?“ Harricks lächelte verächtlich. „Da würden die Leute sagen, der Marshal von Tucson hätte Angst und würde alt. Außerdem hat der Major bestimmt keinen Zug übrig.“

Draußen waren wieder Schritte zu hören. Jemand schlug gegen die Tür.

Harricks öffnete. Ein Soldat salutierte vor ihm und sagte: „Befehl vom Major, Sir! Der Marshal von Tucson soll zum Major kommen.“

Harricks nickte. „Danke, Corporal.“ Hacken krachten zusammen, dann entfernten sich Schritte. Harricks schloss die Tür. „Na, bitte, was habe ich gesagt? – Mr. Copper, der Major wartet mit Ihrem Marschbefehl!“

„Wie lustig.“ Cliff stand auf. „Der Kaffee war vorzüglich, Rosalie, aber dein Mann hat schon bessere Witze gemacht.“

5

Der Major, ein eisgrauer Mann mit eckigem Kopf, scharfen Augen und einer barschen, befehlsgewohnten Stimme, ging mit auf dem Rücken verschränkten Armen zum Fenster, schaute hinaus und wippte auf den Zehenspitzen.

Cliff war an McLeans Schreibtisch stehengeblieben und schaute auf die große Fahne an der Wand.

„Sie bekommen bis Tucson fünf Mann Bedeckung“, erklärte der Major gegen die Scheibe. „Dort sperren Sie den Kerl ein und warten auf eine Extrapost.“

„Eine Extrapost?“, fragte Cliff.

„Ja. Sie nehmen eine Extrapost, nach Yuma. Für den Fall, dass jemand versuchen sollte, den Gefangenen zu befreien. Es ist dann besser, es befinden sich keine Fahrgäste in der Kutsche. Sie haben die Möglichkeit, in Tucson einen Hilfsmarshal zu ernennen, der Sie begleitet. Zusammen mit dem Fahrer sind Sie dann drei. Das dürfte reichen, jeden Angriff abzuschlagen.“

„Denken Sie an Milton Ludlow, Sir?“

Der Major wandte sich um. „Ich denke an einen möglichen Angriff, den man nie ausschließen kann, Mr. Copper.“

„Na, wie Sie meinen. Ist das alles?“

„Auf dem Tisch liegen alle Papiere, die Sie brauchen, Mr. Copper. Und gute Reise!“