Lesereise Emilia Romagna - Stefanie Bisping - ebook

Lesereise Emilia Romagna ebook

Stefanie Bisping

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Opis

Der Duft von Orangenblüten an einem Sommermorgen in Rimini und das Murmeln von Stimmen auf der abendlichen Piazza Garibaldi in Parma. Badekabinen in Bonbonfarben und Kathedralen, die zum Himmel streben. Die Emilia Romagna ist das Land, das alles hat. Sie besitzt die berühmtesten Badeorte und die breitesten Strände der Adria, aber auch verträumte Dörfer, kaum berührte Natur und mit Ravenna, Bologna und Ferrara einige der prachtvollsten Kunststädte Oberitaliens. Zudem ist sie die Heimat italienischer Exportschlager von Parmesan und Parmaschinken bis zu Ferrari, Lamborghini und Maserati. Einerlei, ob es ums Essen geht - und das ist in der Emilia Romagna eigentlich immer der Fall -, um Architektur oder Design: Man gibt sich nur mit dem Besten zufrieden. Stefanie Bisping zeichnet ein facettenreiches und liebevolles Bild vom "Bauch Italiens". Sie erzählt von Regisseuren und Rennfahrern, von Schriftstellern und Schinkenbauern, sie probiert piadine, füllt ravioli und spürt den gelegentlichen Erschütterungen dieses schönen Stücks Italien nach - seismischen und politischen.

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Stefanie Bisping

Lesereise Emilia Romagna

Stefanie Bisping

Lesereise Emilia Romagna

Pasta, Strand und Glockenklang

Picus Verlag Wien

Für Julius

Copyright © 2014 Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien Alle Rechte vorbehalten Grafische Gestaltung: Dorothea Löcker, Wien Umschlagabbildung: © Peter Adams/Getty Images Datenkonvertierung E-Book: Nakadake, Wien ISBN 978-3-7117-5204-8 Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt

Informationen über das aktuelle Programm des Picus Verlags und Veranstaltungen unterwww.picus.at

Vom süßen Leben und dem guten Essen

Warum in der Emilia Romagna das eine ohne das andere nicht denkbar ist: Annäherung an den »Bauch Italiens«

Es war eines dieser Mittagessen, die sich bis weit in den Nachmittag erstrecken und einen für den Rest des Tages komplett lahmlegen. Dennoch möchte man sie um wenig in der Welt missen. Zunächst gab es mit geschmorter Ente gefüllte, hausgemachte ravioli mit ragù und tagliolini mit gratiniertem Spargel; dem folgte mit aceto balsamico beträufeltes Schweinefilet an Kräuterpralinen, bevor schließlich Erdbeeren in Lambruscosauce mit Eis aufgetragen wurden. Pinot Bianco dell’Emilia und Lambrusco di Santa Croce schossen in höherer Frequenz in die Gläser, als Mediziner empfehlen würden. Stunden später taumelten wir ins Freie, atmeten ein wenig benommen die kühle, neblige Luft und fragten uns, warum wir nicht schon früher darauf gekommen waren, dass ein kühler Herbstsonntag durch ein mehrgängiges Mittagessen im ristorante ungemein an Glanz gewinnt.

Während die Ahnung, dass wir an diesem Tag wohl nichts mehr besichtigen würden, langsam zur Gewissheit wurde, festigten sich die Erkenntnisse in unseren Köpfen wie ein ragù, das mehrere Stunden bei niedriger Temperatur vor sich hin köchelt. Es war schon immer angenehmer, als Italiener durchs Leben zu gehen. Allein die Leichtigkeit, mit der ein Angehöriger dieser Nation – die Sonnenbrille auf den Kopf geschoben, die Ärmel von Hemd oder Designerbluse lässig aufgerollt –, im Café Platz nimmt, Kaffee bestellt und sich mit Muße der Zeitungslektüre widmet, beweist, dass man hier aus dem Alltag mehr zu machen versteht als anderswo. »Erwarte nichts. Heute: Das ist dein Leben« – es scheint, als folge jeder hier ganz instinktiv dem guten Rat von Kurt Tucholsky. Dabei war der Arme nur ein Deutscher.

In der Emilia Romagna ist die Fähigkeit, den Augenblick zu genießen, besonders hoch entwickelt. Und die Menschen wissen, was den Moment adelt: vor allem nämlich gutes Essen. Selbst an der Wurst- oder Käsetheke im normalen Supermarkt duftet es so verführerisch wie in weniger bevorzugten Weltengegenden im Delikatessengeschäft. Die Bewohner der Emilia Romagna können sich diese Leidenschaft selbst in Tagen der Wirtschaftskrise leisten (sie kämen ohnehin nicht auf die Idee, ausgerechnet beim Essen sparen zu wollen). Ihren Wohlstand verdankt die Region soliden Industrien: Maschinen, Motoren und weltberühmten Automobilen, Strickwaren aus Carpi, Design aus Bologna und international geschätzten, auch in ihrer Heimat nicht preiswerten Delikatessen, vom kostbaren aceto balsamico tradizionale über den prosciutto, den womöglich besten Schinken der Welt bis zum universell geliebten parmigiano. Um nur einige zu nennen.

So ist der »Bauch Italiens«, wie die Emilia Romagna gelegentlich genannt wird, gewiss kein Ziel für Menschen, die im Urlaub abnehmen möchten. Mag man auch wie aufgezogen durch die Po-Ebene radeln oder täglich die Strände der Adria entlangjoggen – wer nach der Reise weniger Gewicht auf die Waage bringt als vorher, der hat vermutlich das Beste verpasst. Dass die Region auch viele Menschen hervorgebracht hat, die außerhalb der Küche schöpferisch wirkten und wirken – den Komponisten Giuseppe Verdi und den Dirigenten Arturo Toscanini, die Sänger Luciano Pavarotti und Lucio Dalla, den Schriftsteller Giovannino Guareschi und die Regisseure Bernardo Bertolucci und Federico Fellini –, dass sie dazu prachtvolle Kathedralen aus dem Mittelalter und bildschöne Paläste aus der Renaissance besitzt, scheint zu beweisen, dass hier schon immer alle Bereiche des Lebens nach Vollendung strebten.

Die Küche im Bauch Italiens ist deftig und nicht eben leicht, dafür aber umso schmackhafter. Aus Schwein wird luftgetrockneter prosciutto gemacht, wie man ihn besser kaum finden könnte, außerdem köstliche mortadella und duftender salame; industriell gefertigte Lebensmittel sind verpönt. Billige Zutaten, Fertigprodukte, pasta aus der Fabrik – Gott bewahre. Was zählt, sind hausgemachte Eiernudeln. Und natürlich ist die pasta hier – wie anderswo im Land auch – keine Hauptmahlzeit, sondern der Gang vor dem Fleisch- oder Fischgericht (oder beidem).

Dies wäre nicht Italien, würde nicht jede noch so kleine Region, mitunter jede Stadt, ihre eigenen kulinarischen Gebräuche pflegen. Wird in der Emilia zum Essen perlender Wein eingeschenkt, schätzt man in der Romagna stille, schwere Erzeugnisse. Der emilianische Lambrusco, der jung getrunken wird und das gehaltvolle Essen verträglicher machen soll, und der nicht minder berühmte, romagnolische Sangiovese, der als Vater der italienischen Rotweine gilt, sind die beiden Pole, zwischen denen sich die Bandbreite hiesiger Weine auffächert. Wie vielseitig der Lambrusco ist (und dass er gut sein kann), das erfährt man am besten hier und am eigenen Leib. Alle sechzig Variationen probieren zu wollen, erfordert Zeit; ein Einstieg aber ist möglich. Schon der trockene Lambrusco di Sorbara, der in der Ebene bevorzugt wird und hervorragend zu antipasti und zu pasta passt, ist Überraschung genug für Menschen, die perlenden Rotwein bislang als süßliche Kanisterware fürchteten. In einer solchen Umgebung lernt der aufgeschlossene Reisende rasch, am hellen Tag so sorglos Wein zu bestellen wie daheim ein schönes Glas Wasser.

Das sündige Mittagessen ließ uns nur für kurze Zeit erschöpft zurück. Einige Tage später besuchten wir einen agriturismo, einen kleinen Bauernhof mit Gastronomie, im Hinterland der Küste. Eine Speisekarte gab es hier nicht; man nahm Platz und ließ alles Weitere einfach geschehen. Nach einigen wohlschmeckenden antipasti wurde die pasta aufgetragen. Es gab mehrere Varianten, eine köstlicher als die andere. Die penne alragù hätte ich für den Rest meines Lebens Tag für Tag essen mögen. Doch wir disziplinierten uns und ließen bald die Gabel sinken. Wer weiß, welche Herausforderungen noch auf uns warteten. Schließlich hatten wir bereits gelernt, dass auch der köstlichsten Nudelspeise noch mindestens ein weiterer Gang folgt – von der Nachspeise gar nicht zu reden. Wehmütig schauten wir zu, wie die Pasta-Schüsseln abgetragen wurden. Stolz stellten wir fest, dass wir noch ein wenig Appetit hatten. Minuten vergingen, wir träumten im goldenen Oktobersonnenschein. Dann wurde auch das Besteck abgeräumt, man brachte uns kleine, halb gefüllte Tassen mit dampfendem schwarzen Espresso. Betreten rührten wir im caffè. War denn auf nichts im Leben Verlass? Nein. In diesem agriturismo war die pasta das Hauptgericht gewesen.

Zu Füßen des nackten Neptun

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