Können Hunde träumen? - Stanley Coren - ebook

Können Hunde träumen? ebook

Stanley Coren

0,0

Opis

Können Hunde träumen?? Erkennen sie sich selbst im Spiegel, und verstehen sie, was sie auf dem Fernsehbildschirm sehen? Sind sie musikalisch? Können sie Eifersucht empfinden oder unter Depressionen leiden? Können sie wirklich Krebszellen riechen? Und warum schlafen manche Hunde auf dem Rücken? In unterhaltsamem Plauderton gibt der für sein Hundefachwissen bekannte Psychologieprofessor und erfolgreiche Autor Stanley Coren Antworten auf diese und viele weitere Fragen, die Hundehalter sich Tag für Tag stellen. Dabei fließen ganz ohne Anstrengung die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschungstätigkeit mit ein und widerlegen so manche Mythen und falsche Vorstellungen rund um unsere vierbeinigen Freunde.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 283

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



© für die englischsprachige Originalausgabe 2012 SC Psychological Enterprises Ltd.

Englische Originalausgabe erschienen 2012 bei W. W. Norton & Company Inc., New York unter dem Titel »Do Dogs Dream? Nearly Everything Your Dog Wants You to Know«

© für die deutschsprachige Ausgabe 2013

KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH, Nerdlen

www.kynos-verlag.de

Übersetzt ins Deutsche von Gisela Rau

Titelfoto: Danielle Schartz

Alle Fotos in diesem Buch zeigen Tierheimhunde aus dem Tierheim Gasperich in Luxemburg, http://www.deierenasyl.lu. © Danielle Schartz.

eBook-Ausgabe der Printversion

eBook-ISBN: 978-3-95464-011-9

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-004-1

Mit dem Kauf dieses Buches unterstützen Sie die Kynos Stiftung Hunde helfen Menschenwww.kynos-stiftung.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Haftungsausschluss: Die Benutzung dieses Buches und die Umsetzung der darin enthaltenen Informationen erfolgt ausdrücklich auf eigenes Risiko. Der Verlag und auch der Autor können für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art, die sich bei der Umsetzung von im Buch beschriebenen Vorgehensweisen ergeben, aus keinem Rechtsgrund eine Haftung übernehmen. Rechts- und Schadenersatzansprüche sind ausgeschlossen. Das Werk inklusive aller Inhalte wurde unter größter Sorgfalt erarbeitet. Dennoch können Druckfehler und Falschinformationen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Der Verlag und auch der Autor übernehmen keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte des Buches, ebenso nicht für Druckfehler. Es kann keine juristische Verantwortung sowie Haftung in irgendeiner Form für fehlerhafte Angaben und daraus entstandenen Folgen vom Verlag bzw. Autor übernommen werden. Für die Inhalte von den in diesem Buch abgedruckten Internetseiten sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Internetseiten verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1: Wie nehmen Hunde die Welt wahr?

Können Hunde Farben sehen?

Wie gut können Hunde sehen?

Warum leuchten Hundeaugen im Dunkeln?

Verstehen Hunde, was sie im Fernsehen sehen?

Wie testet man das Gehör von Hunden?

Wie gut ist das Gehör eines Hundes im Vergleich zu dem eines Menschen?

Wie empfindlich ist der Geruchssinn eines Hundes?

Haben manche Hunderassen bessere Nasen als andere?

Können Hunde Krebs erschnüffeln?

Wie gut ist der Geschmackssinn eines Hundes?

Warum haben Hunde Tasthaare?

Empfinden Hunde Schmerzen genauso wie wir?

Erkennen Hunde sich selbst im Spiegel?

Teil 2: Können Hunde wirklich denken, und haben sie Gefühle?

Haben Hunde die gleichen Gefühle wie Menschen?

Bestimmt die Genetik die Persönlichkeit eines Hundes?

Warum sind manche Hunde so nervös und ängstlich?

Wie erkennt man, ob ein Hund aggressiv ist?

Sind manche Hunde aggressiver als andere?

Empfinden Hunde Eifersucht und Neid?

Können Hunde wirklich unter Depressionen leiden?

Können Hunde lachen?

Können Hunde rechnen?

Sind Hunde musikalisch?

Haben Hunde den siebten Sinn?

Können Hunde träumen?

Können Sie die Intelligenz Ihres Hundes fördern?

Teil 3: Wie kommunizieren Hunde?

Was möchten Hunde mitteilen, wenn sie bellen?

Warum bellen Hunde so viel, und was können wir dagegen tun?

Was bedeutet Schwanzwedeln?

Warum haben manche Hunde kupierte Schwänze?

Warum heulen Hunde?

Was ist der Unterschied zwischen Heulen und Spurlaut geben?

Kündigt das Heulen eines Hundes den Tod eines nahen Menschen an?

Benutzen Hunde wirklich Urin zur Kommunikation?

Warum heben Rüden das Beim beim Pinkeln?

Warum beschnüffeln Hunde uns so gern im Schritt?

Warum besteigen auch kastrierte Hunde noch andere Hunde?

Warum wälzen Hunde sich in Müll, Mist und anderen stinkenden Dingen?

Warum berühren sich Hunde mit den Nasen?

Wie gut verstehen Hunde die menschliche Körpersprache und Kommunikationssignale?

Teil 4: Wie lernen Hunde?

Wie schlau sind Hunde im Vergleich zu anderen Tieren?

Sind manche Hunderassen schlauer als andere?

Was funktioniert besser: Belohnungs- oder disziplinbasiertes Training?

Was ist Clickertraining?

Was ist »Einfangen« von Verhalten?

Was ist Training durch Locken?

Training mit körperlicher Einwirkung

Was ist »Formen« von Verhalten?

Wo liegen die Grenzen des Lernens für Hunde?

Teil 5: Das Besondere an Welpen und alten Hunden

Wie entstehen Welpen?

Warum sehen die Welpen in einem Wurf oft so unterschiedlich aus?

Warum kommen Welpen mit geschlossenen Augen und Ohren zur Welt?

Warum sind Welpenaugen anfangs blau?

Warum schlafen Welpen auf einem Haufen?

Warum erschlaffen manche Welpen, wenn man sie hochhebt?

Warum machen Hündinnen ihre Welpen in den ersten Wochen sauber?

Wie alt ist Ihr Hund?

Können alte Hunde Alzheimer bekommen?

Teil 6: Was Sie sonst noch über Ihren Hund wissen sollten

Sind Hunde einfach nur zahme Wölfe?

Gibt es mehr Wölfe als Hunde?

Wie viele Hunde gibt es auf der Welt?

Warum gibt es so viele Hunde auf der Welt?

Was sind Windhunde und Laufhunde?

Welches sind die schwersten, leichtesten, größten und kleinsten Hunde?

Wie viele Hunderassen gibt es?

Von der FCI anerkannte Hunderassen

Sind Hunde wirklich die schnellsten Landtiere der Welt?

Können Hunde schwitzen?

Warum schlafen Hunde manchmal auf dem Rücken?

Warum haben Hunde Wolfskrallen?

Heilen Wunden und Schnitte besser, wenn Hunde sie ablecken?

Warum lieben Hunde Knochen?

Kann ein Hund meine Gesundheit unterstützen?

Ausgewählte Quellen und Literaturempfehlungen

Index vorgeschlagener Suchwörter

Vorwort

Es gibt so vieles, das die meisten von uns ihre Hunde gerne einmal zu ihrem Verhalten, zu ihren Ursprüngen und zu ihrer wahren Natur fragen würden. Leider neigen Hunde aber dazu, ihre Geheimnisse für sich zu behalten und nie direkt auf unsere Fragen zu antworten.

Als Psychologe und Verhaltensforscher habe ich das Verhalten von Hunden fast ein halbes Jahrhundert lang studiert und erforscht. Ich habe ein Dutzend Bücher über Hunde und mehrere hundert Artikel geschrieben und hatte eine eigene Fernsehsendung namens Good Dog!, die über zehn Jahre lang in ganz Kanada ausgestrahlt wurde. Weil bekannt ist, dass ich mich so ausführlich mit Hunden befasst habe, bekomme ich immer wieder Fragen zu besonderen Merkwürdigkeiten im Hundeverhalten gestellt. Die Besitzer möchten gerne Erklärungen für einige der seltsamen Dinge, die ihre Hunde so zu tun pflegen. Außerdem möchten sie Wesen, Persönlichkeit und Gefühlswelt ihrer Vierbeiner besser verstehen und erfahren, welche Art von intellektueller Aktivität wohl so im Inneren der pelzigen Köpfe stattfinden mag.

Dabei tauchen immer wieder die gleichen Fragen auf, so, als ob sie die Quintessenz dessen wären, was wir gerne über unsere Hunde wissen würden. Vielleicht spiegeln sie auch wider, was die Hunde sich wünschen würden, das wir über sie wissen sollten, wenn wir eine vertrauliche Unterhaltung mit ihnen führen würden. Dieses Buch versucht, die meisten dieser Fragen zu beantworten und stellt Ihnen dabei auch einige interessante Forschungsergebnisse zu Hunden vor, die aus irgendeinem Grund bisher nicht ins Allgemeinwissen gelangt sind.

Über den Autor

Stanley Coren ist emeritierter Professor für Psychologie der Universität von British Columbia, Kanada. Seine Bücher Die Intelligenz der Hunde oder Die Geheimnisse der Hundesprache waren auch auf dem deutschen Markt sehr erfolgreich.

Von der »Dog Writer’s Association of America« wurde er für seine Hundebücher mit der begehrten Maxwell Medal of Excellence ausgezeichnet.

Mit seiner Frau und seinen drei Hunden lebt er in Vancouver.

Wie nehmen Hunde die Welt wahr?

Können Hunde Farben sehen?

Die einfache Variante der Antwort auf diese Frage – nämlich dass Hunde farbenblind sind – wird von vielen Menschen fälschlicherweise so interpretiert, dass Hunde keine Farben, sondern nur Graustufen sehen könnten. Diese Annahme ist falsch. Hunde sehen sehr wohl Farben, allerdings nehmen sie diese weder so intensiv noch so variantenreich wahr, wie wir Menschen das tun.

Sowohl Menschen- als auch Hundeaugen enthalten spezielle lichtempfindliche Zellen, die sogenannten »Zapfen«, die auf Farben reagieren. Hunde haben weniger Zapfen als Menschen, weshalb wir annehmen können, dass ihr Farbensehen nicht so intensiv wie das unsere ist. Der Trick beim Farbensehen besteht aber nicht nur darin, Zapfen zu besitzen, sondern darin, verschiedene Arten von Zapfen zu besitzen, die jeweils auf bestimmte Wellenlängen von Licht eingestellt sind. Menschen haben drei verschiedene Arten von Zapfen, deren kombinierte Aktivität es uns ermöglicht, das ganze Farbenspektrum zu sehen, das für menschliches Sehen typisch ist.

Die häufigsten Arten der Farbenblindheit beim Menschen entstehen dadurch, dass eine der drei Zapfenarten fehlt. Ein Mensch mit nur zwei Arten von Zapfen kann immer noch einige Farben sehen, aber viel weniger als jemand mit normalem Farbensehen. Das entspricht genau der Situation bei Hunden, die auch nur zwei Arten von Zapfen im Auge besitzen.

Jay Neitz hat an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara Versuche zum Farbensehen von Hunden gemacht. In vielen Versuchsreihen wurden den Hunden hintereinander drei Farbtafeln gezeigt – zwei gleichfarbige und eine dritte, andersfarbige. Aufgabe der Hunde war es, die andersfarbige Tafel mit Nase oder Pfote zu berühren. Für jede richtige Lösung warf der Computer eine Futterbelohnung in eine unterhalb der Farbtafel angebrachte Schüssel aus.

Neitz bestätigte, dass Hunde Farben sehen können, aber viel weniger, als normale Menschen es tun. Hunde würden in einem Regenbogen nicht violett, blau, blaugrün, grün, gelb, orange und rot sehen, sondern dunkelblau, hellblau, grau, hellgelb, dunkelgelb (in Richtung braun) und dunkelgrau. Anders gesagt: Sie nehmen die Farben der Welt vor allem als gelb, blau und grau wahr. Grün, gelb und orange sehen sie als gelblich, violett und blau als blau. Blaugrün erscheint für sie grau.

Etwas belustigend oder merkwürdig ist dabei die Tatsache, dass die beliebteste Farbe für Hundespielsachen rot oder leuchtend orange ist (wie für Warnwesten oder Baustellenkegel). Dabei ist Rot für Hunde schlecht erkennbar. Es sieht für sie sehr dunkel graubraun oder vielleicht sogar schwarz aus. Das heißt, dass das für Sie so gut sichtbare leuchtend rote Spielzeug für Ihren Hund sehr schlecht zu erkennen sein kann. Wenn Ihre Heimversion von Lassie also beim nächsten Mal an dem Ball vorbeirennt, den Sie ihr gerade geworfen haben, dann ist das Problem also nicht ein dummer oder sturer Hund, sondern die Farbe, die für sie schwierig von dem Grün der Wiese zu unterscheiden ist.

Wie gut können Hunde sehen?

Sehschärfe ist ein Maß dafür, wie klein ein sichtbares Detail noch sein kann, sodass eine Person es noch identifizieren kann. Die übliche Methode zum Testen des Sehvermögens ist, eine Sehtest-Tafel zu verwenden, wie man sie auch beim Optiker findet. Die klassische Variante dieser Tafeln mit einem großen E in der oberen Reihe ist der sogenannte Snellen-Index, benannt nach Hermann Snellen, der sie im späten 19. Jahrhundert entwickelte. Der Snellen-Index arbeitet mit formal als »Optotypen« bezeichneten Sehzeichen. Optotypen sehen aus wie Blockbuchstaben und sollen auch als Buchstaben gesehen und gelesen werden. Es handelt sich dabei aber nicht etwa um Buchstaben aus irgendeinem beliebigen Schriftsatz, sondern sie haben eine ganz bestimmte, simple Geometrie, in der die Größen der Linien, Lücken und weißen Flächen sehr genau bestimmt sind: Wenn Sie diese nicht mehr deutlich genug sehen können, werden die Buchstaben schwierig zu lesen und verschwimmen. Die Buchstaben (und die Weißräume und Lücken, die sie ausmachen) werden weiter unten auf der Tafel immer kleiner. Die Zeile mit den kleinsten Buchstaben, die Sie noch erkennen können, ist ein Maß für Ihre Sehschärfe – oder genauer gesagt für die Fähigkeit Ihres Auges zur Auflösung von Details.

Die Kennzahl, mit der man Ihre Sehschärfe bezeichnet, beruht darauf, wie Sie im Vergleich zu einer Person mit normaler Sehschärfe abgeschnitten haben. Wenn Sie aus einer Entfernung von sechs Metern die gleiche Zeile mit Buchstaben noch lesen können, die eine Person mit normaler Sehschärfe aus sechs Metern Entfernung erkennen kann, ist der Snellen-Wert Ihrer Sehschärfe 6/6 (es gibt auch noch andere Messmethoden). Wenn Ihre Sicht nicht so gut ist, müssen die Buchstaben für Sie größer sein, damit Sie sie aus dieser Entfernung auch noch erkennen können. Wenn zum Beispiel die Buchstaben, die Sie gerade eben noch so aus sechs Metern Entfernung richtig erkennen können, von einer Person mit normaler Sehschärfe aus zwölf Metern noch lesbar sind, wäre Ihre Sehschärfe 6/12.

Nun können wir einen Hund natürlich nicht dazu bringen, uns Buchstabenreihen vorzulesen und müssen uns deshalb andere Techniken zur Überprüfung seiner Sehschärfe einfallen lassen. In diesem Test soll der Hund uns zeigen, dass er Details erkennen kann, die ein Muster bilden. Das Muster, das wir für Hunde benutzen, ist ein einfaches, aus gleich großen schwarzen und weißen senkrechten Streifen bestehendes Gitter. Dieses Muster wird neben ein einfarbig graues Muster gelegt. Hunde, die gut genug sehen, um das Streifenmuster zu erkennen und es korrekt anzeigen, bekommen ein Leckerchen. Hunde, die das graue Muster anzeigen, bekommen nichts. Als nächsten Versuch lässt man die Streifen dann immer enger und enger werden, was den kleiner werdenden Buchstaben beim Sehtest für Menschen entspricht. Irgendwann sind die Streifen so schmal, dass die Sehschärfe des Hundes nicht mehr ausreicht, sie überhaupt noch zu erkennen. Sie verschwimmen und verlaufen für sein Auge ineinander, sodass die Tafel mit den Streifen genauso aussieht wie die einfarbig graue Tafel. Wenn die Größe der Streifen an diesem Punkt angelangt ist, haben wir die Grenze der Sehschärfe bei diesem Hund erreicht. Die Größe der Streifen, die der Hund erkennen kann, kann zu dem gleichen Snellen-Wert für die Sehschärfe konvertiert werden, den wir aus einem Sehtest für Menschen kennen. Die bislang höchste mit dieser Methode belegte Sehschärfe stammt von einem Pudel aus Hamburg. Aber selbst die Sehkraft dieses Hundes war ziemlich schlecht: Er konnte nur diejenigen Muster erkennen, bei denen die Streifen etwa sechs Mal breiter waren als das, was ein Mensch mit normalem Sehvermögen erkennen kann. Würde man dies in die gewohnten Zahlenangaben für Sehschärfe übersetzen, hätte der Hund nur 6/23. Dies bedeutet, dass ein Muster, das vom Hund aus sechs Metern Entfernung erkannt wird, so groß ist, dass ein Mensch mit normaler Sehschärfe es aus 23 Metern erkennen kann. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schlecht das ist: Mit diesem Wert würden Sie beim Sehtest für die Führerscheinprüfung gnadenlos durchfallen und müssten zum Autofahren eine Brille tragen.

Lassen Sie sich aber von diesen Zahlen auch nicht allzu sehr beeindrucken. Auch wenn die Sehschärfe eines Hundes erheblich geringer ist als die eines Menschen, gelangt doch immer noch sehr viel Information von seinen Augen in sein Gehirn. Sein Blick ist lediglich »weicher« und kann nicht so viele Details ausmachen. Stellen Sie es sich ungefähr so vor, als ob Sie durch einen feinen Vorhangstoff oder ein Stück Klarsichtfolie schauen würden, das mit einer Schicht Vaseline beschmiert wurde. Die Umrisse von Gegenständen sind sichtbar, aber viele der inneren Details verschwimmen oder gehen sogar ganz verloren.

Warum leuchten Hundeaugen im Dunkeln?

Vielleicht haben Sie schon einmal bemerkt, dass die Augen eines Hundes, wenn sie nachts von einem Autoscheinwerfer oder einer Taschenlampe angestrahlt werden, in einem unheimlichen Gelb oder Grün aufleuchten und ihn wie einen Höllenhund aussehen lassen. Der Grund dafür hat mit der Tatsache zu tun, dass die Wildkaniden, von denen Hunde abstammen, dämmerungsaktive Tiere sind und deshalb Augen brauchen, die auch bei schwachem Licht gut funktionieren. Ihre Augen sind daher etwas anders aufgebaut als die von Menschen.

Die Konstruktion eines Auges ist einfacher zu verstehen, wenn man sich dabei eine Kamera vorstellt. Sowohl Ihr Auge als auch eine Kamera brauchen eine Öffnung, durch die das Licht hineinfällt (die Blende bei der Kamera, die Pupille im Auge), eine Linse, um das Licht zu sammeln und bündeln und eine empfindliche Oberfläche, um das Bild zu registrieren (der Film oder die lichtempfindliche Schicht in der Kamera, die Netzhaut im Auge). Sowohl Auge als auch Fotoapparat brauchen die Möglichkeit, sich an verschiedene Lichtbedingungen anpassen zu können und beide machen ständig Kompromisse zwischen guter Funktionsfähigkeit bei schlechtem Licht und der Wahrnehmung kleiner Details. Bei der Konstruktion des Hundeauges wurde anscheinend die Entscheidung getroffen, etwas von der Fähigkeit zum Erkennen kleiner oder feiner Umweltdetails zugunsten besserer Sicht bei Dämmerung zu opfern.

Wenn es darum geht, Licht ins Auge zu lassen, sind die Pupillen eines Hundeauges viel größer als die der meisten Menschenaugen. Bei manchen Hunden sieht man fast gar nichts mehr außer der Pupille, die das Auge beinahe ganz ausfüllt und nur einen kleinen farbigen Streifen der Iris am Rand übrig lässt. Mit ihren größeren Linsen können Hundeaugen auch besser Licht sammeln als Menschenaugen.

Um viel Licht aufzufangen, muss eine Linse groß sein, weshalb Sternenteleskope wie zum Beispiel das auf Mount Palomar in Kalifornien Linsen von fünf Metern Durchmesser besitzen. Sowohl beim Menschen als auch beim Hund dienen effektiv zwei Bestandteile des Auges als Linse. Das erste ist die »Cornea« oder Hornhaut, das ist die durchsichtige Abdeckung des Auges, die sich nach vorne herauswölbt. Die Hornhaut ist für das eigentliche Sammeln des Lichts zuständig. Der zweite Bestandteil, die Linse, liegt hinter der Pupille und ist dafür zuständig, die Bündelung des Lichts zu verändern. Dämmerungsaktive Tiere haben in der Regel eine große Hornhaut: Schauen Sie nur einmal, wie groß die Hornhaut Ihres Hundes im Vergleich zu der eines Menschenauges ist. Diese Größe ermöglicht es, mehr Licht aufzufangen und zur Weiterverarbeitung in das Auge zu schicken.

Das durch die Pupille und die Linse einfallende Licht formt dann letztendlich ein Bild auf der Netzhaut. Hier wird ein Großteil des Lichts aufgefangen und von speziellen Nervenzellen, den sogenannten Fotorezeptoren, registriert. Genau wie beim Menschen enthält auch die Netzhaut eines Hundes zwei Arten von Fotorezeptoren: die länglichen und schmalen »Stäbchen« sowie die kurzen, dicken und kegelförmigen »Zapfen«. Die Stäbchen sind auf das Arbeiten bei dämmrigem Licht spezialisiert. Kein Wunder also, dass Hunde einen viel höheren Anteil von Stäbchen in ihren Augen besitzen als Menschen. Sie haben aber außerdem auch noch einen zusätzlichen Mechanismus, der beim Menschen nicht vorkommt und der ihnen beim nächtlichen Jagen hilft.

Und damit kommen wir zu der Erklärung, warum die Augen eines Hundes wie schaurige grünlich-gelbe Scheinwerfer leuchten, wenn sie im Dunkeln von einem Lichtstrahl getroffen werden. Die Farbe stammt von dem reflektierenden »Tapetum lucidum«, das hinter der Netzhaut liegt und wie eine Art Spiegel funktioniert. Die glänzende Oberfläche des Tapetum lucidum wirft Licht, das nicht von den Fotorezeptoren erfasst wurde, auf die Netzhaut zurück und gibt damit den Fotorezeptoren eine zweite Chance, das schwache, ins Auge einfallende Licht aufzufangen.

Das Tapetum lucidum reflektiert das Licht aber nicht nur, sondern verstärkt es auch noch durch ein fotoelektrisches Phänomen namens Fluoreszenz. Die Fluoreszenz trägt zur Helligkeit des Lichts bei und verändert außerdem leicht die Farbe des zurückreflektierten Lichts. Diese Farbveränderung bringt die Wellenlänge des Lichts näher an das heran, wofür die Stäbchen am empfindlichsten sind und was sie am besten wahrnehmen können: ein gelbliches Grün.

Das vom Tapetum lucidum zurückgeworfene Licht erhöht also die Empfindlichkeit des Auges, aber um einen gewissen Preis: Das Licht, das auf die reflektierende Oberfläche im Augenhintergrund trifft, kommt aus verschiedenen Richtungen und kehrt wie eine auf die Bande treffende Billardkugel nicht auf dem gleichen Weg zurück, wie es gekommen ist, sondern wird in einem Winkel abgelenkt. Weil Eingangs- und Ausgangswinkel des Lichts unterschiedlich sind, verschwimmen die Bilder auf der Netzhaut etwas und werden unscharf. Das Hundeauge hat also ganz klar seine Fähigkeit zum scharfen Detailsehen dafür geopfert, besser bei schwachem Dämmerlicht zurechtzukommen.

Verstehen Hunde, was sie im Fernsehen sehen?

Viele Menschen berichten, ihre Hunde würden komplett ignorieren, was sie im Fernsehen sehen, während andere erzählen, dass sie sich oft von Ereignissen auf dem Bildschirm regelrecht fesseln lassen. Ob ein Hund einem Fernsehprogramm Beachtung schenkt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem aber von der Sehkraft des Hundes. Wenn wir die Ereignisse, die wir im Fernsehen sehen, auf ihre einfachste Form reduzieren, wird die Bewegung, die wir wahrnehmen, zu einem sich wandelnden Muster von Licht auf der Netzhaut unseres Auges. Auf dem Niveau der einfachen Netzhautzellen erscheint ein bewegtes Objekt als Flimmern. Wenn das Bild des Objekts über einen Sehrezeptor im Auge läuft und sich dann weiterbewegt, verursacht es eine ganz kurze Erhöhung oder Verringerung der Helligkeit. Aus diesem Grund benutzen Verhaltensforscher die Fähigkeit eines Individuums zum Erkennen eines flimmernden Objekts gern als Maß für die Geschwindigkeit, mit der der Sehapparat Ereignisse aufzeichnen kann und für die Effizienz der Bewegungswahrnehmung.

Um die Flimmer-Empfindlichkeit einer Person zu testen, schaut diese auf einen beleuchteten Bildschirm. Wenn die Flimmerfrequenz sehr schnell ist, kommt es zur »Flimmerverschmelzungsfrequenz« und der Bildschirm sieht aus, als wäre er konstant und unveränderlich beleuchtet. Eine Neonröhre zum Beispiel wirkt, als ob sie mit immer gleich bleibendem Licht leuchten würde, dabei flimmert sie mit einer Frequenz von 120 Malen (Hell-Dunkel-Zyklen) pro Sekunde. Im Labor misst man die Fähigkeit zur Auflösung des Flimmerns, indem man die Flimmerfrequenz so lange senkt, bis die Versuchsperson das Flackern des Lichts zu sehen beginnt. Ein durchschnittlicher Mensch sieht aber ab einer Geschwindigkeit von 55 Zyklen pro Sekunde kein Flimmern mehr, das entspricht etwa der Hälfte der Frequenz, mit der ein Neonlicht normalerweise flimmert. (Technisch wird die Anzahl der Zyklen pro Sekunde mit Hertz, abgekürzt Hz, bezeichnet). Man kann auch Hunde mit dem gleichen Versuchsaufbau testen. Im Schnitt können Beagle Flimmerfrequenzen bis zu 75 Hz sehen – etwa 50 Prozent schneller als die Flimmerfrequenz, die Menschen noch auflösen können.

Die Tatsache, dass Hunde Flimmern besser wahrnehmen können als Menschen, passt zu den gesammelten Daten darüber, dass sie auch Bewegungen besser sehen als wir. Damit wird auch eine häufig gestellte Frage beantwortet: Warum scheint die Mehrheit der Hunde an den Fernsehbildern nicht interessiert zu sein – auch, wenn Hunde auf dem Bildschirm zu sehen sind? Die Lösung dafür ist, dass das Bild auf einem Rasterbildschirm etwa 60 Mal pro Sekunde aktualisiert wird. Weil diese Frequenz über der Flimmerverschmelzungsfähigkeit von Menschen (55 Hz) liegt, nehmen wir das Fernsehbild als statisch wahr und die einzelnen Bilder verschmelzen glatt miteinander. Wenn man davon ausgeht, dass Hunde Flimmern erst bei 75 Hz auflösen, kann man daraus schließen, dass sie ein Fernsehbild vermutlich als schnelles Flimmern wahrnehmen, weshalb die Bilder weniger realistisch wirken und sie ihnen nicht viel Beachtung schenken. Manche Hunde scheinen aber dennoch dieses Flimmern des Fernsehers zu ignorieren und reagieren auf Hunde oder andere sich bewegende Objekte auf dem Bildschirm, wenn sie interessant genug sind. Die Weiterentwicklung der Technik lässt aber nun langsam die Zahl der fernsehenden Hunde steigen: Hoch auflösende Digitalbildschirme haben eine viel höhere Flimmerfrequenz, sodass selbst Hunde weniger Flimmern im Bild sehen und wir immer öfter von Haustieren hören, die sehr interessiert hinschauen, wenn in einer Naturdokumentation Bilder von Tieren in Bewegung gezeigt werden.

Manchmal stellen Menschen auch überrascht fest, dass ihr Hund zwar auf einen Hund oder ein anderes sich schnell bewegendes Tier im Fernsehen reagiert, nicht aber auf Hunde in Zeichentrickfilmen. Diese Unterscheidung zeigt uns, wie gut Hunde bewegte Bilder sehen und interpretieren können. Beim Anblick eines Zeichentrickhundes erkennt der Hund, dass die Figur sich bewegt, aber die Bewegungen einer Zeichentrickfigur entsprechen nicht genau dem Bewegungsmuster eines lebenden Tieres. Der Hund sieht also, dass sich etwas bewegt, erkennt aber, dass es kein Hund oder anderes echtes Tier ist, das für ihn interessant sein könnte.

Wie testet man das Gehör von Hunden?

Was Hunde hören, war schwierig herauszufinden, bevor einige neuere wissenschaftliche Neuerungen auf den Plan traten. Wenn man wissen möchte, was ein Mensch hört, ist das Testverfahren einfach: Man spielt ihm Töne verschiedener Frequenzen (hoch, niedrig und mittel) und Lautstärke vor und fragt ihn, ob er sie hört. Um die Hörfähigkeit von Hunden (oder anderen Tieren) mit der gleichen verhaltensbasierten Methode zu untersuchen, muss der Wissenschaftler das Tier zuerst dazu trainieren, auf die Geräuschquelle zu reagieren. Der Hund wird in eine Testbox gesetzt, die sowohl rechts als auch links von ihm einen Lautsprecher und einen Touchscreen oder Hebel enthält. Der Versuchsleiter lässt nun in zufälliger Abfolge über beide Lautsprecher Geräusche ertönen. Hört der Hund ein Geräusch, besteht seine Aufgabe darin, zu entscheiden, von welcher Seite es kam. Betätigt er dann den Hebel oder Touchscreen auf der richtigen Seite, fällt eine Futterbelohnung in einen Behälter, der unterhalb des Lautsprechers angebracht ist. Wenn die Entscheidung falsch ist, bekommt der Hund keine Belohnung für diesen Testdurchlauf. Das Trainieren und Testen mit dieser Methode ist mühsam und erstreckt sich oft über Wochen des Trainings und Hunderte von Testdurchläufen.

In letzter Zeit verwendet man eher einen Hörtest namens »Brainstem Auditory Evoked Response«, abgekürzt BAER-Test, zum Messen der Hörfähigkeit von Hunden. Diese Methode misst die elektrische Aktivität im Innenohr (der Cochlea) und den Nervenbahnen, die die Geräuschinformation zum Gehirn senden. Die Forscher setzen winzige Elektroden an den Kopf des Hundes und passen ihm einen Kopfhörer oder kleine Ohrhörer an. Das mag vielleicht unschön und schmerzhaft klingen, ist es aber nicht und kann gut an einem entspannten Hund durchgeführt werden. Nur sehr ängstliche oder empfindliche Hunde müssen eventuell leicht sediert werden.

Während des Tests werden kurze Geräuscheinheiten abgespielt und die Reaktionen des Gehirns von einem Computer aufgezeichnet. Der Computer stellt fest, ob das Gehirn auf das Geräusch reagiert hat. Hat es das nicht getan, können die Forscher davon ausgehen, dass der Hund den Ton nicht gehört hat. Der Vorteil dieses Tests ist, dass die Hunde nicht über eine lange Zeit trainiert werden müssen. Der Hund muss sogar noch nicht einmal wissen, worum es geht, weil die Wissenschaftler einfach nur die Reaktion des Gehirns auf Geräusche beobachten.

Aber auch die einfache Beobachtung des Verhaltens Ihres Hundes kann Ihnen Hinweise darauf geben, ob sein Gehör nachlässt – was bei älteren Hunden häufig vorkommt. Das erste Anzeichen nachlassenden Gehörs ist oft, dass die Hunde die Herkunft von Geräuschen nicht mehr genau orten können. Dieses Defizit kann sich in Verwirrung des Hundes äußern, wenn Sie ihn rufen und er Sie nicht sehen kann. Vielleicht schaut er sich unsicher um und kommt erst, nachdem er Sie endlich erblickt hat. Ein anderes Zeichen ist, dass der Hund beim Hören eines lauten Geräuschs seinen Kopf erst zur falschen Seite dreht – von dem Geräusch weg. Manchmal ist dieser Verlust der Fähigkeit zur Richtungsbestimmung von Geräuschen das einzige merkliche Anzeichen dafür, dass Ihr Hund auf einem Ohr taub geworden ist und das andere noch funktioniert.

Falls Sie sich Sorgen machen, wie es um das Gehör Ihres Hundes bestellt ist, gibt es einige einfache Tests, die Sie selbst zuhause machen können. Stellen Sie sich zuerst außerhalb seines Blickfelds hinter ihn und quietschen mit einem Spielzeug, pfeifen, klatschen in die Hände oder klopfen mit einem Löffel gegen einen Kochtopf. Ein normal hörender Hund wird die Ohren aufstellen und Kopf oder Körper in Richtung der Geräuschquelle drehen. Achten Sie unbedingt darauf, sich nicht direkt über Ihren Hund zu stellen, weil Hunde Luftströmungen sehr gut wahrnehmen können und Ihre Bewegungen oder die Fußbodenvibrationen direkt hinter ihnen spüren könnten. Wichtig ist auch, dass der Hund Sie nicht gesehen hat, bevor Sie das Geräusch machen. Manchmal ist es am besten, diese Tests zu machen, wenn der Hund schläft – so verringern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund nur auf den Anblick Ihrer Bewegungen reagiert.

Bei jungen Welpen sind solche Heim-Hörtests allerdings Unsinn: Sie werden nicht mit dem gleichen guten Gehör geboren, das sie später als Erwachsene haben. Messungen an 11 bis 36 Tage alten Welpen zeigen, dass ihr Gehör zwar bei Geburt schon funktioniert, aber sich mit dem Älterwerden über die ersten ein oder zwei Monate weiterentwickelt. Eine weitere interessante Tatsache ist, dass die Fähigkeit zum Hören hochfrequenter Töne sich schneller entwickelt als die zum Hören niedriger oder mittlerer Frequenzen. Wenn Sie sich also Sorgen machen, ob ein Welpe richtig hört oder nicht, warten Sie, bis er etwa fünf Wochen alt ist, bevor Sie irgendwelche Hörtests durchführen.

Die Fähigkeit zum Hören scharfer, hochfrequenter Töne ist das, wozu das Hundeohr gemacht ist – sie bleibt auch am längsten erhalten und verschwindet meist erst als Letztes, wenn das Gehör eines Hundes nachlässt. Ein scharfes Händeklatschen oder ein kräftiger Pfiff auf einer lauten Pfeife führen oft zu einem Zucken des Ohrs und Drehen des Kopfes und lässt Sie wissen, dass Ihr Hund Sie gehört hat, auch wenn er gesprochene Worte schon lange nicht mehr verstehen kann.

Wie gut ist das Gehör eines Hundes im Vergleich zu dem eines Menschen?

Beim Suchen im Internet werden Sie oft lesen, dass ein Hund vier Mal so gut hört wie ein Mensch, was so nicht ganz stimmt. Diese Behauptung stammt aus einem informellen Versuch von P.W.B. Joslin, der unter anderem die Aktivitäten von Timberwölfen im Algonquin Park beobachtete. Joslin entdeckte, dass in Gefangenschaft lebende Wölfe auf seine Versuche zur Nachahmung von Wolfsheulen aus vier Meilen Entfernung reagierten, während seine menschlichen Kollegen das gleiche Geheul auch in einer ruhigen Nacht höchstens eine Meile weit hören konnten. Die Tatsache, dass ein Kanide ein Geräusch aus vier Mal größerer Entfernung hören kann als ein Mensch, ist vielleicht das, was zu oben zitierter Interpretation geführt hat. Die Wahrheit sieht aber so aus, dass das Gehör von Hunden bei manchen Geräuschen tatsächlich viele Hundert Mal besser ist als unseres, bei anderen aber die Geräuschempfindlichkeit von Hund und Mensch beinahe die gleiche ist.

Wie wir im vorigen Beitrag schon gesehen haben, war es bis zur Entwicklung des BAER-Tests schwer zu sagen, was ein Hund wirklich hörte. Die große Überraschung, die sich aus umfangreichen elektrophysiologischen Tests des hündischen Hörvermögens mit Hilfe dieser neuen Methode ergab, war, dass Hunde und Menschen im Mittelbereich der Tonfrequenzen, in den auch die menschliche Sprache fällt, ein fast genau gleiches Gehör haben. Bei den niedriger frequenten Tönen haben Menschen das empfindlichere Gehör. Die Lautstärke von Geräuschen wird in Dezibel (abgekürzt dB) gemessen, wobei 0 dB die durchschnittliche Lautstärke eines Tons ist, die ein junger Mensch ganz knapp nicht mehr hören kann. Jede Lautstärke unterhalb von Null wird mit einem vorangestellten Minuszeichen geschrieben und bezeichnet in der Regel ein Geräusch, das zu schwach ist, um vom menschlichen Ohr noch wahrgenommen werden zu können. Bei Tönen mit einer Frequenz von 2.000 Hertz (Hz) und darunter bis zu etwa 65 Hz haben Hunde und Menschen ungefähr die gleiche Geräuschempfindlichkeit.

Im Bereich zwischen etwa 3.000 und 12.000 Hz können Hunde Geräusche hören, die im Schnitt zwischen -5 und -15 dB leise sind, sprich sie sind für diese hochfrequenten Töne viel empfänglicher als wir Menschen. Oberhalb von 12.000 Hz ist das menschliche Gehör im Vergleich zu dem von Hunden so schlecht, dass es sinnlos ist, beides miteinander in Zahlen zu vergleichen.

Um sich ein besseres Bild von der Sachlage zu machen, sollten Sie wissen, dass ein junger Mensch Geräusche bis zu einer Frequenz von etwa 20.000 Hz hören kann. Wenn man ein Klavier konstruieren wollte, auf dem man den höchsten noch hörbaren Ton spielen könnte, müsste man 28 Tasten auf der rechten Seite der Tastatur hinzufügen (etwa dreieinhalb Oktaven). Sie brauchen sich aber keine Mühe zu machen, ein solches Klavier zu bauen, weil die meisten Menschen die höchsten Töne sowieso nicht hören könnten. Wenn wir älter werden, verursacht das Auftreffen von Geräuschwellen auf die Mechanismen in unseren Ohren mechanische Schäden und wir verlieren die Fähigkeit zum Hören höherer Töne als Erstes. Laute Geräuscheinwirkung (zu viele Rockkonzerte oder zu viele Stunden Hören von Musik in zu hoher Lautstärke) verringert die Hörfähigkeit speziell im Hochfrequenzbereich sehr schnell, sodass nur wenige erwachsene Menschen Töne über 16.000 Hz hören können.

Hunde können erheblich höhere Töne wahrnehmen als Menschen. Die höchsten liegen zwischen 47.000 und 65.000 Hz, je nach Eigenschaften des Hundes. Um wieder auf unser modifiziertes Klavier zurückzukommen: Wir müssten 48 zusätzliche Tasten auf der rechten Seite anbauen, um die oberste Note zu erreichen, die ein Hund noch hören kann. Die beiden letzten zwanzig Noten wären dabei selbst für das feinste menschliche Ohr überhaupt nicht mehr wahrnehmbar.

Die Tatsache, dass Hunde ein empfindlicheres Gehör haben als Menschen, insbesondere in den höheren Frequenzen, hilft erklären, warum manche Alltagsgeräusche wie zum Beispiel die von Staubsaugern, Rasenmähern oder Bohrmaschinen bei Hunden großen Stress auslösen können. Viele dieser Maschinen haben schnell rotierende Wellen an den Motoren, die Gebläse, Messer oder Bits antreiben. Diese Konstruktion kann intensive, hochfrequente Kreischgeräusche produzieren, die für Hunde schmerzhaft laut sind, unsere weniger empfindlichen menschlichen Ohren aber nicht stören, weil sie oberhalb des Frequenzbereichs liegen, den wir wahrnehmen können.

Dass Hunde Töne in sehr hoher Frequenz hören können, hat mit der Evolutionsgeschichte ihrer wilden Vorfahren zu tun. Wölfe, Schakale und Füchse jagen oft Kleintiere wie Mäuse, Wühlmäuse oder Ratten. Diese Beutetiere machen sehr hohe Quietschgeräusche und ihr Umherhuschen in Gras oder Laub bringt weitere hochfrequente Kratz- und Raschelgeräusche hervor. Manche Wildkanidenarten wie zum Beispiel der Wolf können zwar auch größere Tiere wie Hirsche, Schafe oder Antilopen erbeuten, aber Feldstudien haben gezeigt, dass die Sommernahrung vieler Wölfe hauptsächlich aus kleinen Nagern wie Mäusen oder Ratten besteht, gelegentlich ergänzt durch ein Kaninchen. Die Fähigkeit zum Hören der hochfrequenten Geräusche, die diese kleinen Kreaturen machen, ist deshalb überlebenswichtig und nur Kaniden, die sie besaßen, konnten gedeihen und sich fortpflanzen. Katzen, deren gesamte Lebensgrundlage von kleinen Nagern abhängt, können Töne hören, die noch 5.000-10.000 Hz über dem liegen, was ein Hund wahrnehmen kann.

Wie empfindlich ist der Geruchssinn eines Hundes?

Die Nase eines Hundes dominiert nicht nur äußerlich sein Gesicht, sondern auch sein Gehirn. Während das menschliche Gehirn stark darauf orientiert ist, die von den Augen und über das Licht gesammelten Informationen zu verarbeiten, ist das Hundegehirn vorrangig dafür gemacht, Geruchsinformationen zu sammeln. Der Teil des Hundegehirns, der für die Analyse von Gerüchen zuständig ist, ist im Verhältnis vierzig Mal größer als der entsprechende beim Menschen.

Hunde arbeiten aktiver als Menschen daran, Gerüche einzusammeln. Sie lassen sie nicht nur zufällig in ihre Nase ziehen, sondern benutzen bestimmte Fähigkeiten, die Menschen nicht haben. So können sie zum Beispiel ihre beiden Nasenöffnungen unabhängig voneinander bewegen, was ihnen zu bestimmen hilft, aus welcher Richtung ein Geruch kommt. Hunde haben außerdem eine besondere Schnüffelfähigkeit, die sich stark von ihrer normalen Atmung unterscheidet. Wenn Ihr Hund seine Nase in Richtung eines Geruchs streckt, unterbricht er aktiv seinen normalen Atmungsprozess, damit das erschnüffelte Material über eine knöcherne, kammähnliche Struktur in der Nasenhöhle geführt wird. Diese ist dazu gemacht, die den Geruch beinhaltende Luft einzufangen und zu verhindern, dass sie beim Ausatmen des Hundes ausgestoßen wird. Dieser Mechanismus macht es möglich, dass Geruchsmoleküle in der Nase bleiben und sich so viele davon ansammeln, dass der Hund sie wahrnehmen kann.

Die knöchernen Platten in der Nase eines Hundes sind von einer dicken, schwammigen Membran bedeckt. Sie enthält den größten Teil der geruchsempfindlichen Zellen und Nerven, welche die Information zum Gehirn weitertransportieren. Beim Menschen ist diese Fläche mit den Geruchsanalyse-Zellen etwa so groß wie eine Briefmarke. Wenn wir den entsprechenden Bereich aus einer Hundenase herausnehmen und auseinanderfalten könnten, wäre er dagegen ungefähr so groß wie ein DIN A4-Blatt. Teilweise war es dieser Unterschied in der Anzahl der geruchsempfindlichen Zellen, der Menschen zu dem Schluss kommen ließ, Hunde könnten zwischen eintausend und zehntausend Mal besser riechen als wir.