Klettern in der Halle - Gabi Flecken - ebook

Klettern in der Halle ebook

Gabi Flecken

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Opis

Die Herausforderung, eine steile Wand zu erklimmen und sich dabei voll auf seinen Sicherungspartner zu verlassen, verspricht Spannung pur. Damit dieses "Abenteuer" in Freizeit und Schule rundum sicher gestaltet werden kann, gibt das vorliegende Buch eine praxisorientierte, klar strukturierte und gut bebilderte Anleitung zum Klettern im Toprope. Dabei liegt der Schwerpunkt zunächst auf dem Erlernen der Sicherungstechniken. Aufbauend auf den ersten Klettererlebnissen, helfen Techniktipps beim Erreichen hoher Ziele. Klettern stellt ein faszinierendes Schul- und Vereinssportangebot dar. Die mehrperspektivischen Möglichkeiten dieser Sportart werden anschaulich erläutert. Ausgehend von grundlegenden Lernvoraussetzungen, wird eine methodische Vorgehensweise zur Bewältigung einer Kletterlandschaft aus Turngeräten beschrieben. Klettergelegenheiten in der Sporthalle fordern zum Nachmachen auf. Das Buch richtet sich an alle Kletterinteressierten, Eltern und Lehrer, die Klettern als Freizeit- oder Schulaktion, als Ausflug oder Klassenfahrt durchführen möchten. Hinweise zur Organisation von Kletterprojekten sowie Kontaktadressen helfen beim Einstieg.

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Liczba stron: 82

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Gabi Flecken / Detlef Heise-Flecken

Klettern in der Halle

Meyer & Meyer Fachverlag & Buchhandel GmbH

Inhaltsübersicht

Zu diesem Buch1 Ausrüstung und Sicherungstechnik1.1 Materialkunde1.2 Einbinden in den Klettergurt1.3 Partnersicherung1.3.1 Sichern mit HMS-Karabiner1.3.2 Sichern mit Tuber1.3.3 Sichern mit fixiertem Abseilachter1.4 Partnercheck1.5 Seilkommandos und Ablassen1.6 Hintersicherung1.7 Sicherung über einen Fixpunkt oder mit Zusatzgewicht2 Klettertechnik2.1 Körperschwerpunktverlagerung und Gleichgewicht2.2 Tritttechnik2.3 Grifftechnik2.4 Eindrehtechnik2.5 Froschtechnik2.6 Spreiz- und Stütztechnik2.7 Gegendrucktechnik2.8 Probleme und Lösungen2.9 Stürzen2.9.1 Sturzübungen3 Klettern in der Schule3.1 Klettergelegenheiten in der Sporthalle3.1.1 Die „Everest-Expedition“3.1.2 Klettern an Turngeräten3.1.3 Sichern an der Sprossenwand3.1.4 Kistenklettern3.2 Mit Gruppen in der Kletterhalle3.2.1 Aufwärmen3.2.2 KletterspieleAnhang1 Literatur2 Schwierigkeitsbewertung3 Glossar5 Adressen6 Ausblick7 Bildnachweis

HINWEISE:

Auf Bitten des Verlages wurde zur besseren Lesbarkeit die männliche Form der Anrede gewählt. Einsteigerinnen, Kletterinnen und Lehrerinnen bitten wir, sich trotz dieser Schreibweise angesprochen zu fühlen.

Das vorliegende Buch wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder die Autoren noch der Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch vorgestellten Informationen resultieren, Haftung übernehmen.

Zu diesem Buch

Klettern ist eine Grundform menschlicher Bewegung und stellt ein elementares Bedürfnis in der kindlichen Entwicklung dar. Als innovative Sportart findet Klettern verstärkt Eingang in die Bewegungswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Klettern eignet sich in besonderer Weise für gemeinsame Aktionen von Eltern und Kindern und berücksichtigt dabei die Interessen beider Gruppen. Die Fitness älterer Menschen ermöglicht die Ausübung des Sports unabhängig von Altersgrenzen. Klettern ist eine Lifetimesportart.

Durch seine mehrdimensionalen Aspekte stellt Klettern ein hervorragendes Angebot für Schulen und sozialpädagogische Einrichtungen dar. Überall dort, wo unter spannenden, motivierenden Rahmen- bedingungen Teamfähigkeit und verantwortungsvoller Umgang miteinander geschult werden sollen, kann das Klettern einen wertvollen Beitrag leisten.

Dieses Buch widmet sich ausschließlich den Grundlagen des Kletterns an künstlichen Kletterwänden im Toprope, d.h. mit von oben kommendem Seil. Damit der Einstieg rundum sicher abläuft, beschreibt der erste Teil des Buches ausführlich die für das Hallenklettern erforderlichen Sicherungstechniken und das benötigte Material. Sind die ersten Klettererlebnisse gemacht, helfen Techniktipps, ökonomisch zu klettern und die individuelle Leistung zu verbessern. Möchte man mit Gruppen oder Schulklassen ein Kletterprojekt angehen, so gibt es vielfältige Möglichkeiten, dies in der Sporthalle vorzubereiten und die vielschichtigen Aspekte des Kletterns zu thematisieren. Hierfür gibt das vorliegende Buch methodische Anregungen.

Gleichgültig, mit welcher Intention Sie sich dem Klettern zuwenden, das Buch beantwortet grundlegende Fragen und gibt wertvolle Hinweise. Es ist auch als Nachschlagewerk zu verstehen, um sich beispielsweise einen Knoten noch einmal in Erinnerung zu rufen, oder sich zu vergewissern, dass das Sicherungsgerät richtig benutzt wird. Zudem zeigt es, wie man z.B. Kindern die Knoten verständlich vermitteln kann. So gehört das Buch beim Einsteiger in den Kletterrucksack, dem Lehrer dient es zur Vorbereitung des Kletterprojekts und der ambitionierte Freizeitkletterer holt sich Anregungen im Kapitel „Klettertechnik“ oder lässt nach einer längeren Kletterpause die Grundlagen noch einmal Revue passieren.

Keinesfalls kann das vorliegende Buch eine Kletterschulung ersetzen. Daher empfehlen wir vor dem Einstieg dringend den Besuch eines Kletterkurses. Diese werden zumeist vom Deutschen Alpenverein oder von den Kletterhallen angeboten.

Hier gilt nach wie vor die Aussage von GutsMuths (deutscher Reformpädagoge und Mitbegründer des Turnens): „Zur Stärkung des Körpers und des Muthes ..., ist das Klettern eine der vorteilhaftesten Uebungen, und sie ist, wenn man sie methodisch, stufenweise lehrt, weniger gefährlich als das Reiten oder Fahren ...“ (GutsMuths, 1793)

In diesem Sinne wünschen wir ein sicheres, (ent-)spannendes und erfolgreiches Klettererlebnis!

So, wie das Klettern nicht ohne einen verlässlichen Partner möglich ist, wäre dieses Buch ohne die engagierte Unterstützung durch unsere Familie und Freunde nicht entstanden. Ihnen gilt unser herzliches Dankeschön.

Gabi Flecken und Detlef Heise-Flecken

1 Ausrüstung und Sicherungstechnik

1.1 Materialkunde

Für das Hallenklettern werden folgende Ausrüstungsgegenstände benötigt:

Klettergurt,

Kletterschuhe,

Sicherungsgerät (HMS-Karabiner oder Tuber mit HMS-Karabiner),

Kletterseil und

eventuell Chalkbag.

Einsteiger sollten sich nicht sofort eine komplette Ausrüstung kaufen. Für die ersten Versuche unter Anleitung und Betreuung steht in der Regel die Leihausrüstung der Kletterhalle zur Verfügung. Bei Anfänger- oder Grundkursen ist diese meist in der Teilnahmegebühr enthalten. Sind erste Erfahrungen gesammelt, können auch Einsteiger besser beurteilen, was für sie persönlich passend und erforderlich ist. Zudem haben sie die Möglichkeit, bei Kursleitern und Fortgeschrittenen kompetente Meinungen einzuholen – aber, Vorsicht: Es könnten persönliche Favoriten oder „Kultmarken“ empfohlen werden, deren Ausrüstungsartikel oft überteuert und für Anfänger „überqualifiziert“ sind. Durch das große Angebot sind Kletterausrüstungen inzwischen recht preisgünstig zu bekommen. Achtung ist geboten beim Kauf von gebrauchtem Equipment, bei dem vor allem der Einsteiger Alter und Grad der Abnutzung nicht erkennen kann. Dies betrifft besonders Material, welches über das Internet bezogen wird. Hierbei ist ein weiterer Nachteil, dass die Passgenauigkeit vor dem Kauf nicht überprüft werden kann. Alle sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenstände unterliegen speziellen Normen, EN, CE, UIAA, und müssen dementsprechend mit einem dieser Kürzel gekennzeichnet sein. Grundsätzlich sollte mit dem gesamten Klettermaterial ausgesprochen sorgfältig und besonders aufmerksam umgegangen werden – wir hängen im wahrsten Sinne des Wortes daran.

Klettergurt

Beim Sportklettern haben sich sogenannte Hüftsitzgurte (Foto 1) gegenüber Komplett- oder Ganzkörpergurten durchgesetzt. Komplettgurte kommen nur noch bei alpinen Unternehmungen mit großem Rucksack (Hochtouren, kombinierte Klettertouren, Klettersteige), bei Kindern unter acht Jahren aufgrund der Kopf-Körper-Proportionen und manchmal noch beim Kistenklettern zum Einsatz (Foto 2). Der korrekte und bequeme Sitz des Hüftgurts sollte in einem Hängetest überprüft werden. Verstellbare Beinschlaufen sind nicht zwingend notwendig, aber praktisch, z.B. bei unterschiedlich dicken Hosen oder einer zukünftig erhofften Gewichtsreduktion. Werden Klettergurte für den Einsatz in der Schule oder anderen pädagogischen Institutionen angeschafft, sind Variabilität, leichte Handhabung und Einheitlichkeit entscheidend. Inzwischen haben sich sogenannte Systemschnallen (Foto 3), die das manchmal mühsame Zurückschlaufen überflüssig machen, durchgesetzt.

Foto 1

Foto 2

Foto 3

Kletterschuhe

Die Fußbekleidung ist ein schwieriges Thema. Kletterschuhe für Einsteiger müssen keine besondere Form oder Verarbeitung aufweisen, sondern müssen einfach nur gut passen. Das bedeutet: So eng wie möglich, ohne dass die Zehen gekrümmt sind und man sich nach jeder Route die Schuhe von den Füßen reißen möchte. Extrem enge Schuhe haben erst ab dem 6.-7. Schwierigkeitsgrad (s. Anhang) einen effektiven Nutzen. Slipper und viele weiche Schuhe mit Klettverschluss, auch Velcros genannt, eignen sich für Anfänger weniger, da sie aufgrund der geringen Torsionsfestigkeit sehr eng getragen werden müssen. Mit Schnürschuhen kann der Kletterer auch noch auf kleinen Tritten kraftsparend stehen und sie lassen sich meist besser anpassen (Foto 4).

Foto 4

TIPP:

Der günstigste passende Kletterschuh ist für Einsteiger meist der beste Schuh, denn die ersten Kletterschuhe unterliegen wegen der noch mangelnden Fußtechnik einem starken Verschleiß.

Sicherungsgeräte

Der HMS-Karabiner (Halb-Mastwurf-­Sicherungs-Karabiner, Foto 5) ist bis heute das sicherste Sicherungsgerät. Er unterscheidet sich von anderen Verschlusskarabinern durch seine typische Birnenform.

Foto 5

Die bis vor Kurzem noch weit verbreitete Sicherung mit fixiertem Abseilachter (Foto 6) ist inzwischen vom Tuber (Foto 7) verdrängt worden, da der Tuber höhere Bremskräfte bei vergleichbar leichter Bedienbarkeit und weniger Fehlbedienungsmöglichkeiten aufweist (Albert, 2007 a).

Foto 6

Foto 7

Halbautomaten (GriGri, Chinch, Click-Up, Eddy, Smart u.a.) sind für Einsteiger ungeeignet. Greift der Sichernde hier bei einem Sturz des Partners reflexartig an das Sicherungsgerät, kann es zu einem Ausschalten des automatischen Bremsmechanismus kommen. Zudem sind Halbautomaten teuer und erfordern einige Übung beim dosierten Ablassen des Kletterers.

Chalk

Chalk (Magnesiumkarbonat) bindet den Schweiß an den Händen und erhöht somit die Reibung an abschüssigen oder runden Griffen. Im Einsteigerstadium ist es wirklich nur denen zu empfehlen, die zu extremer Schweißbildung neigen. In zahlreichen Hallen sind Chalkballs Pflicht, die den Magnesiagebrauch deutlich feiner dosieren und die Staubbildung verringern. Eine komplett staubfreie Alternative ist Flüssigchalk (Foto 8).

Foto 8

Kletterseil

In den Topropebereichen der Kletterhallen sind die Kletterseile bereits installiert. Sie sind in der Umlenkung eingehängt und für die Länge der Route entsprechend abgemessen. Beide Seilenden müssen in jedem Fall bis zum Hallenboden reichen. Besser ist eine Seilreserve von 1-2 m. Der Einsteiger braucht sich also mit der Anschaffung eines Seils vorerst nicht zu beschäftigen, sollte aber einige Details kennen. Die Kletterseile sind zwischen 9,2 und 10,5 mm dick und haben eine Bruchlast von mindestens 20 kN. Verständlicher ausgedrückt, allerdings physikalisch nicht ganz korrekt, bedeutet das, dass sie eine Reißfestigkeit bis ungefähr 2.000 kg besitzen. Der äußere farbige Mantel des Seils ist lediglich Schutz für den Kern, sollte aber trotzdem keine Beschädigungen aufweisen. Ist durch den Mantel der weiße Kern zu sehen, darf an diesem Seil nicht mehr geklettert und die Kletterhallenleitung muss umgehend darauf aufmerksam gemacht werden. Durch häufigen Gebrauch werden die Seile meist rau. Sie sind deshalb nicht unsicher, sondern lediglich schwerer zu bedienen. Ist ein korrektes Sichern damit kaum noch möglich, müssen sie ausgetauscht werden.

Für die Sicherung über einen Fixpunkt oder mit Zusatzgewicht und für den Aufbau von Klettergelegenheiten in der Sporthalle benötigt man weiteres Material:

Karabiner

Karabiner gibt es als Verschluss- und Schnappkarabiner (Foto 5). Die gängigsten Verschlusskarabiner sind Schraubkarabiner mit einer Sicherung des Schnappers gegen unabsichtliches Öffnen. Sie werden beispielsweise für die Fixierung am Zusatzgewicht bzw. den Bau von Seilumlenkungen benutzt. Hierfür kann man auch HMS-Karabiner verwenden. Allerdings sind Schraubkarabiner aufgrund ihrer Form für die HMS ungeeignet. Schnappkarabiner werden z.B. beim Kistenklettern zum Sichern der Kisten verwendet.

Reepschnüre

Reepschnüre sind dünne Seile von 4-7 mm Durchmesser. Sie werden u.a. für die Verbindung zum Zusatzgewicht bzw. zum Sichern der Getränkekisten beim Kistenklettern benötigt (s. Kapitel 1.7 und 3.1.4). Ihre Bruchlast liegt in Abhängigkeit vom Durchmesser zwischen 3 und 10 kN. Sie kommen meist als geknotete Schlingen zum Einsatz (Foto 9).

Bandschlingen