Klassiker der Erotik 51: Ein lüsternes Mädchen - Anonymus - ebook

Klassiker der Erotik 51: Ein lüsternes Mädchen ebook

Anonymus .

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Opis

Er hatte bereits die Tür geschlossen. Wir waren im Dunkeln allein. Dann zog er mich an sich und umarmte mich. Sein Mund suchte den meinigen. Ich ließ mich küssen. Mit der anderen Hand hob er hinter meinem Rücken mein Kleid hoch und befühlte meine Beine. Seine Hand fuhr auf und ab. Sehr geschickt löste er die Bänder meiner Unterhose und zog sie bis zu meinen Knien herunter. Dann ergriff er meine Hand und ich mußte diesen gewissen Körperteil berühren. Er war groß, brennend heiß und ein wenig feucht. Ich fühlte, wie er wieder mein Kleid hochhob. Meine Unterhose schützte mich nicht mehr. Ich war entblößt. Er liebkoste mich. Dann fühlte ich, wie etwas meine Oberschenkel berührte ..."

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ANONYMUSEIN LÜSTERNES MÄDCHEN

Inhalt

Freitag, den 1.Oktober.

Montag, den 4. Oktober.

Dienstag, den 5. Oktober.

Donnerstag, den 7. Oktober.

Freitag, den 8. Oktober.

Montag, den 11. Oktober.

Donnerstag, den 14. Oktober.

Freitag, den 15. Oktober.

Sonntag, den 17. Oktober.

Montag, den 18. Oktober.

Dienstag, den 19. Oktober.

Mittwoch, den 20. Oktober.

Donnerstag, den 21. Oktober.

Freitag, den 22. Oktober.

Samstag, den 23. Oktober.

Samstag, den 30. Oktober.

Mittwoch, den 3. November.

Montag, den 15. November.

Dienstag, den 16. November.

Donnerstag, den 18. November.

Mittwoch, den 1. Dezember.

Samstag, den 4. Dezember.

Sonntag, den 5. Dezember.

Montag, den 6. Dezember.

Donnerstag, den 9. Dezember.

Freitag, den 17. Dezember.

Samstag, den 18. Dezember.

Montag, den 20. Dezember.

Mittwoch, den 22. Dezember.

Donnerstag, den 6. Januar.

Freitag, den 7. Januar.

Samstag, den 8. Januar.

Montag, den 10. Januar.

Dienstag, den 11. Januar.

Mittwoch, den 12. Januar.

Donnerstag, den 13. Januar.

Freitag, den 14. Januar.

Samstag, den 15. Januar

Dienstag, den 18. Januar.

Mittwoch, den 19. Januar.

Donnerstag, den 20. Januar.

Freitag, den 21. Januar.

Samstag, den 22. Januar.

Dienstag, den 25. Januar.

Mittwoch, den 26. Januar.

Donnerstag, den 27. Januar.

Freitag, den 28. Januar.

Samstag, den 29. Januar.

Dienstag, den 1. Februar.

Mittwoch, den 2. Februar.

Freitag, den 4. Februar.

Dienstag, den 8. Februar.

Dienstag, den 22. Februar.

Donnerstag, den 24. Februar.

Mittwoch, den 9. März.

Freitag, den 11. März.

Samstag, 12. März.

Sonntag, den 13. März.

Donnerstag, den 17. März.

Freitag, den 18. März.

Samstag, den 19. März.

Sonntag, den 20. März.

Donnerstag, den 24. März.

Samstag, den 26. März.

Montag, den 28. März.

Samstag, den 2. Mai.

Mittwoch, den 6. Mai.

Freitag, den 8. Mai.

Sonntag, den 10. Mai.

Montag, den 11. Mai.

Dienstag, den 12. Mai.

Freitag, den 15. Mai.

Sonntag, den 18. Mai.

Sonntag, den 25. Mai.

Donnerstag, den 29. Mai.

Sonntag, den 31. Mai.

Montag, den 1. Juni.

Mittwoch, den 3. Juni.

Montag, den 8. Juni.

Mittwoch, den 10. Juni.

Dienstag, den 16. Juni.

Sonntag, den 21. Juni.

Dienstag, den 23. Juni.

Mittwoch, den 24. Juni.

Donnerstag, den 25. Juni.

Samstag, den 27. Juni

Sonntag, den 28. Juni.

Montag, den 29. Juni.

Dienstag, den 30. Juni.

Freitag, den 3. Juli.

Sonntag, den 5. Juli

Dienstag, den 7. Juli

Mittwoch, den 8. Juli.

Donnerstag, den 9. Juli.

Sonntag, den 12. Juli.

Dienstag, den 14. Juli.

Samstag, den 18. Juli.

Dienstag, den 21. Juli.

Freitag, den 24. Juli.

Montag, den 27. Juli.

Dienstag, den 28. Juli.

Mittwoch, den 29. Juli.

Samstag, den 1. August.

Sonntag, den 2. August.

Montag, den 3. August.

Dienstag, den 4. August.

Mittwoch, den 5. August.

Donnerstag, den 6. August.

Samstag, den 8. August.

Sonntag, den 9. August.

Dienstag, den 11. August.

Donnerstag, den 13. August.

Samstag, den 15. August.

Sonntag, den 16. August.

Dienstag, den 2. September.

Donnerstag, den 11. September.

Dienstag, den 16. September.

Donnerstag, den 18. September.

Freitag, den 19. September.

Sonntag, den 21. September.

Donnerstag, den 25. September.

Donnerstag, den 2. Oktober.

18. Dezember.

2. Januar.

10. Januar.

20. März.

Sie starb am 28. März.

Weshalb soll man die Wahrheit verbergen? Ich bin der Held in diesem Buch und trete mit meinem Vornamen auf. Aber ich bin weit davon entfernt, stolz zu sein, weil ich in dieser Geschichte die Hauptperson bin.

Das junge Mädchen, welches dieses Tagebuch geschrieben hat, wurde meine Frau. Doch war sie während dieser so kurzen Verbindung für mich nicht die wunderbarste und liebenswürdigste Gefährtin?

Sie war gerade 19 Jahre, als ich sie zum Altar führte. Die zahlreichen neugierigen Zuschauer an der Kirchentür hielten sie eher für eine Kommunikantin als für eine Braut.

Sechs Monate später starb sie. Schwäche, Tuberkulose und eine zu frühe Schwangerschaft wurden nacheinander von den Ärzten als Gründe angeführt.

Allein und fürchterlich unglücklich suchte ich nach alldem, was bei mir die Erinnerung an sie wachrief. Ich entdeckte dieses Tagebuch und dann begriff ich …

Ich begriff, weshalb dieses junge Mädchen, obgleich es äußerlich so gesund zu sein schien, allmählich zugrunde gerichtet wurde, als es in die Hände von Lüstlingen fiel. Um das schamlose Verhalten dieser Männer zu beschreiben, ist kein Wort zu hart!

Man wird auf den folgenden Seiten sehen, wie das Böse allmählich in ihrer Seele sich ausbreitete, die bis zu diesem Zeitpunkt unverdorben war. Schließlich wurde sie ganz davon beherrscht. Nichts, weder Religion, Familie noch Studien schützen einen Menschen vor den unheilvollen Freuden flüchtiger Bekanntschaften.

Arme kleine Micheline! Sie richteten Dich allmählich völlig zugrunde! Ich hätte zur Polizei gehen und die Schuldigen, diese Ehrenmänner, anzeigen können, die sich hinter dem ehrenwerten Namen „gute Gesellschaft“ verbergen. Ich könnte sie alle an den öffentlichen Pranger stellen. Welcher Skandal würde in der feinen Gesellschaft entstehen!

Aber meine Rache wird viel schlimmer sein: dieses Tagebuch nämlich, das von ihr selbst geschrieben und auf dessen Seiten sie sich wiedererkennen werden. Vielleicht sind sie einsichtig, falls sie dazu fähig sind. Doch ich bezweifle dies. Ihre Gewissensbisse mögen sie dazu antreiben, für ihre Verbrechen zu sühnen! Denn ihre Tat war ein Verbrechen.

Ich muß selbst gestehen, daß ich mitschuldig bin. Aber war ich mir dessen bewußt? Unwissenheit ist keine Entschuldigung. Ich bin fürchterlich bestraft worden: Du bist gestorben.

Wer diese Aufzeichnungen liest, wird vielleicht nachdenklich werden. Wenn vielleicht ein zartes Wesen meinen Lesern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, dann hoffe ich, daß das Bild von Micheline vor ihren Augen erscheint.

Vielleicht ziehen sie sich rechtzeitig zurück, so daß sie niemals meine Qualen und Gewissensbisse kennenlernen werden.

R. M

Freitag, den 1.Oktober.

Die Direktorin sieht uns mit strenger Miene an.

„Junge Damen!“

Ihre Stimme ist sogar noch unangenehmer als ihr blutleeres Gesicht. Die kleine Ansprache, die nun folgte, oh! Ich glaube, daß ich überhaupt nicht zugehört habe. Ich fand mein Schreibheft und meine neuen Schulbücher, die so sorgfältig eingebunden waren, bei weitem viel interessanter.

1. Oktober! Schulanfang!

Wer weiß schon, was dieses verhaßte Wort „Schulanfang“ für uns Schülerinnen bedeutet? Aber ich will nicht an meine Ferien denken! Mein Herz ist schwer genug! Ich war glücklich, daß ich eine Tagschülerin war. Ohne die Hilfe von Mme Sand hätte ich noch nicht einmal dieses Glück genossen. Meine Augen waren auf die Internatsschülerinnen gerichtet, die alle auf einer Seite des Klassenzimmers saßen. Oh, diese schrecklichen Schürzen, häßlichen Uniformen und die schwarzen Strümpfe! Und diese müden Gesichter, auf denen man die Erschöpfung des vierundzwanzigstündigen Eingesperrtseins ablesen konnte! Ich wage gar nicht daran zu denken, daß ich deren Schicksal teilen müßte!

Ich höre meinen Namen und springe auf.

„Micheline de R.“

Die übliche Befragung jeder neuen Schülerin. Die Direktorin glaubte die Miene einer Richterin annehmen zu müssen.

„Wie alt sind Sie?“

„18 Jahre“

„Genau 18 Jahre?“

„18 Jahre und zwei Monate!“

„Die Adresse Ihrer Eltern?“

„18, L'Avenue. Ich wohne nicht bei meinen Eltern!“

Ich erzähle nun, daß mein Vater, ein Witwer, mich zu Tante nach Paris geschickt hat, die sich um mich bis zum Ende meiner Schulzeit kümmern solle.

„Vier oder fünf Jahre lang?“

„Ist Mme. Sand unverheiratet?“

„Nein, sie ist verheiratet!“

„Hat sie Kinder?“

„Nein!“

„Der Beruf von M. Sand?“

„Er ist Vertreter und viel auf Reisen.“

„Allein!“

„Wir haben einen Begleitservice für die Schülerinnen in diesem Bezirk organisiert. Das kostet 20 Francs im Monat extra. Sagen Sie dies Mme Sand! Übrigens rechne ich damit, daß sie mich in nächster Zeit besuchen wird.“

„Andrée M.“

Meine Nachbarin hebt ihre Hand und steht auf. Ich höre, daß sie ungefähr so alt wie ich ist. Seit einem Jahr ist sie in dieser Schule.

„Ich hoffe, daß Sie sich mehr anstrengen!“ sagte unwirsch die Direktorin. „Um in die Prima zu kommen, müssen Sie sich sehr viel Mühe geben!“

„Marie-Anne B.“

Meine Gefährtin setzte sich wieder hin. Ich hatte sie vorher nicht bemerkt. Sie ist schön, liebenswürdig und gut gekleidet. Sie sieht mich an und lächelt. Unter dem Tisch schütteln wir uns die Hände. Wir sind Freundinnen. Während die Befragung in dem von Geflüster erfüllten Klassenraum weiterging, neigte sich meine Nachbarin zu mir hin und flüsterte mir ins Ohr: „Du wohnst in der L'Avenue? Welch ein Glück! Meine Eltern wohnen ganz in der Nähe in der S… Straße. Wir können zusammen nach Hause gehen, denn ich nehme an, daß Du nicht von einer der Schulangestellten begleitet werden willst!“

„Bitte, meine Damen, sind Sie im Klassenraum etwas ruhig!“ Die Direktorin schlägt mit ihrem Lineal auf den Pult und ein wenig Ruhe tritt in den unruhigen Klassenraum ein.

Nach einigen Minuten des Schweigens lehnt sich Andrée zu mir hin. Sie hielt sich ihre Hand vor den Mund, damit man die Bewegungen ihrer Lippen nicht sieht. Sie sagte zu mir: „Wirst Du beaufsichtigt?“

„Ja.

Dieser Ausdruck der Schulsprache teilte die Schülerinnen in zwei Klassen ein. Die „freien“ Schülerinnen gehen heim, sobald der Unterricht beendet ist. Die „beaufsichtigten“ blieben in der Schule, um in dieser Zeit ihre Hausaufgaben für den nächsten Tag zu erledigen. Da Sand ängstlich darauf bedacht war, mich nicht länger als notwendig zu Hause zu haben, wurde ich eine „Beaufsichtigte“.

„Ich muß ebenfalls hierbleiben!“ vertraute mir meine neue Freundin an.

Das traf sich alles sehr gut. Von Anfang an fiel mir ihr sympathisches, angenehmes und fröhliches Wesen auf. Ich bin so allein in der großen Stadt Paris, daß ich mit Freude auf die Versicherung einer Freundschaft wartete. Hatte ich mich nicht an diesem Morgen vor dem Schulbesuch und dem spöttischen Verhalten der älteren Schülerinnen den neuen wie mir gegenüber gefürchtet? Nun mußte ich mich nicht mehr fürchten. Ich hatte jemanden, auf den ich mich verlassen konnte. Andree, Du bist großartig! Ich will Deine Freundin sein!

Um sechs Uhr gingen wir zusammen heim. Es war bereits dunkel. Wie kurz die Tage sind! Wir schlenderten langsam durch die große Allee in der Nähe der Schule. Wie fremdartig war diese Allee. Lang, gerade und unglaublich breit. Nur wenige Häuser sind bewohnt. Die meisten der Häuser sind noch im Bau. Die Beleuchtung ist spärlich. Ohne meine kleine Freundin hätte ich mich sehr gefürchtet, die ganz ruhig und lächelnd zu mir sagte: „Ich liebe die Dunkelheit!“

Als ich den Wunsch äußerte, so schnell wie möglich nach Hause zu gehen, zuckte sie mit den Schultern und erläuterte mir weitschweifig ihre Meinung. Wenn ich mich richtig erinnere, waren dies die wichtigsten Punkte: Du mußt verhindern, daß sich Deine Eltern schlechte Angewohnheiten (!) aneignen!

Man muß sich doppelt soviel Zeit nehmen, wie nötig ist, um nach Hause zu gehen. Denn diese zusätzliche Zeit kann sehr nützlich sein. Es ist immer besser, zusammen zu schwätzen als nach Hause zu gehen und vor seinen Büchern zu sitzen. Dafür hatte ich Verständnis! Aber ich verstand jetzt auch, weshalb die Direktorin heute morgen so streng zu Andree gesprochen hatte. Wie sehr sie doch studiert!

Montag, den 4. Oktober.

Andrée stellte mir alle Arten von seltsamen Fragen. Wie ich über die Liebe und über die Männer denke! Welche Meinung habe ich schon? Überhaupt keine. Zu Hause wurde mir oft gesagt, daß ich einem Fremden, der mich auf der Straße anspricht, keine Antwort geben solle. Aber dies konnte mit diesen Fragen nicht in Verbindung stehen.

Dienstag, den 5. Oktober.

An diesem Abend gingen wir wiederum ziemlich lange spazieren und ich denke, es war schon ziemlich spät. Drei junge Männer, die ohne Zweifel noch Schüler waren, folgten uns eine Weile nach und belästigten uns. Ich nannte sie Toren. Andrée war bei weitem mehr würdevoll. Mit ein paar spöttischen Bemerkungen gab sie ihnen zu verstehen, daß es besser sei, sie würden verschwinden. Nach diesem Zwischenfall bin ich etwas ängstlich geworden und zerbrach mir den Kopf. Andrée, als ob sie meine Gedanken gelesen hätte, nahm mich am Arm. Aus ihren Worten schloß ich, daß man zwar von Männern, aber nicht von jedem, sehr viel erwarten kann. Besonders aber müsse ich mir merken, daß ich jungen Männern mit Mißtrauen begegnen solle. Männer in den mittleren Jahren seien am interessantesten. Während der Ferien mußte sie einen kennengelernt haben. Bei der nächsten Gelegenheit wolle sie mir alles erzählen. Aber von alldem dürfe ich zu Hause kein Sterbenswörtchen sagen. Denn ich würde von meiner Familie noch mehr kontrolliert werden und früher oder später würde ich mein Vertrauen bereuen.

Warum? Dies fragte ich mich vergeblich. Na schön, ich will Mme. Sand nichts erzählen. Aber die Geschichte, die sie mir versprochen hatte zu erzählen, interessierte mich. Ich bin begierig, sie zu hören.

Da Sand erstaunt ist, daß es schon sieben geschlagen hat, bevor ich heimkomme, mußte ich mir eine Ausrede ausdenken: ein Lehrer habe uns noch Ratschläge erteilt und einige von uns in ein Gespräch nach Schulschluß verwickelt.

Donnerstag, den 7. Oktober.

Seitdem ich in der Schule war, sprachen die Mädchen nur von Monsieur Pival, der unser Lateinlehrer war. Ich wunderte mich, weshalb alle Mädchen so vernarrt in ihn waren. Er war der einzige Mann im Lehrerkollegium. Noch verstand ich dies nicht. Frau oder Mann, sie waren beide dasselbe für mich. Er sollte uns nach dem Lehrplan sechs Stunden in der Woche quälen. Latein macht mir keinen Spaß. Schon der Gedanke daran mißfiel mir – ja, ganz gewiß! Gestern hatten wir unsere erste Stunde bei ihm. Monsieur Pival hat ein ganz alltägliches Äußeres. Vielleicht ist er vierzig Jahre alt. Er ist hager und völlig kahl. Seine Finger sind kurz und dick und ganz mit großen Ringen bedeckt. Er schaut Dich seltsam mit seinen Augen hinter seiner goldumrahmten Brille an.

Sein Unterricht begann, indem er sorgfältig die Schülerinnen einteilte. Andrée und ich mußten in der vorderen Reihe sitzen.

Geneviève L., der wir den Beinamen „das Mammut“ gaben und Gisela, „die Zahnlose“, und mehrere andere häßliche Schülerinnen mußten in der hintersten Reihe Platz nehmen. Warum? Andrée flüsterte mir ins Ohr, daß wir nur deshalb in der vorderen Reihe sitzen durften, weil wir hübsch seien.

Meine Freundin Andrée ist bestimmt verrückt geworden!

Freitag, den 8. Oktober.

Gestern langweilte ich mich zu Tode. Monsieur Pivals Übersetzung nahm den halben Tag in Anspruch. Wie lästig ist doch Latein! Als ich Andree mein Herz ausschüttete, sagte sie lachend zu mir: „Nimm doch Nachhilfeunterricht bei Monsieur Pival!“

Um Gottes willen! Macht sie sich über mich lustig?

Samstag, den 9. Oktober.

Der Samstag ist ein halber Feiertag! Die Häuser entlang der Boulevards sind leer. Kein Handwerker arbeitet heute. Die Allee schien größer und eintöniger als an den anderen Tagen zu sein. Gewöhnlich hörte man den Lärm der Handwerker, die zu dieser Zeit Überstunden machen, um ihre Arbeit rasch zu beenden. Deshalb fühlte man sich in dieser Gegend weniger einsam. Und heute ist alles totenstill. Andrée schien in Gedanken versunken zu sein. Plötzlich trat an einer dunklen Stelle hinter einem Baum ein Mann hervor. Ich bin wirklich sehr erschrocken. Aber Andrée ist völlig ruhig.

„Sei unbesorgt!“ sagte sie zu mir, „ich kenne den Herrn! Er folgte uns gestern, ohne daß Du es bemerkt hast. Am Mittag hat er uns angelächelt. „

Bescheiden mußte ich einräumen, daß ich nichts bemerkt hatte. Aber was wollte er jetzt von uns? Andrée schüttelte ärgerlich die Schulter.

„Ich sage Dir noch einmal, daß die alten Männer bei weitem interessanter als die jüngeren sind.“

„Die alten?“

„Das stimmt!“

Als ich mich vorsichtig umsah, sah ich in dem schwachen Licht der Straßenbeleuchtung seine auffallend grauen Haare, die unter einem altmodischen Koks hervorquollen. Ich war zur gleichen Zeit überrascht und beunruhigt.

Als Andree meine Nervosität sah, machte sie mir Mut, indem sie mich mit ihren Ellenbogen berührte. Lachend sagte sie zu mir: „Nicht ein Wort zu Mme. Sand!“

Montag, den 11. Oktober.

Der alte Mann ist wieder da. Ich sah ihn, sobald ich aus der Schule kam. Sah ihn auch Andrée? Auf jeden Fall sagte sie kein Wort. Sobald wir auf dem Boulevard waren, der ziemlich weit von der Schule entfernt ist, verlangsamte sie ihre Schritte und vergeblich bemühte ich mich, daß sie schneller ging.

„Wie töricht bist Du, Micheline! Warte einen Moment!“

Der alte Mann hinter uns schien es überhaupt nicht eilig zu haben. Doch erreichte uns und ging neben uns her. Ich bin sehr aufgeregt. Deshalb verhinderte ein Dröhnen in meinen Ohren, daß ich kaum verstand, was er zu meiner Freundin sagte. Sie antwortete ihm ganz ruhig, gleichsam als ob sie ihn schon immer gekannt habe.

Er spricht wieder.

„Habt Ihr keine Zeit?“

„Nein, unsere Eltern erwarten uns zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück!“

Er und Andrée zeigten dasselbe Lächeln.

Ich fühlte, wie ich rot wurde. Ich wollte Weggehen und so schnell wie möglich davoneilen. Doch ich wartete. Sicherlich eher aus Furcht als aus Neugierde.

„18 Jahre alt!“ antwortete Andrée selbstbewußt.

„Und Deine Freundin?“

„Genauso alt!“

Der alte Mann will meinen Vornamen wissen. Sie nennt ihn, ohne mich vorher zu fragen. Das geht doch zu weit!

Es kommen einige Leute vorbei. Der unbekannte Mann sagt schnell „Auf Wiedersehen“ und verschwindet. Meine Erregung ist so groß, daß ich kein Wort sagen kann. Andrée blieb ebenfalls stumm.

Als es Zeit ist, sich von mir zu trennen, sagt sie schroff zu mir: „Wenn es Dir nicht gefällt, kannst Du morgen Abend auf einem anderen Weg nach Hause gehen.“

Wenn es mir nicht gefällt! Zunächst, was soll mir dabei gefallen? Ich kann nicht einsehen, daß es Spaß machen soll, von einem alten Mann mit schrecklich grauen Haaren und einem Koks begleitet zu werden.

Trotzdem werde ich nichts zu Sand sagen. Ich fürchte, daß ein unüberlegtes Wort meine neue Freundin verletzen könnte.

Während einer Pause erzählte mir Andrée ihre ganze Geschichte. Es waren Ferienerlebnisse. Sie waren ganz schön schrecklich! Ich kann darüber einfach nicht hinweggehen! Sie verbrachte den August in einem kleinen Ort im Süden. Im Hotel bewohnte ein Mann das benachbarte Zimmer. Sie dachte, er sei verheiratet. Aber sie war sich nicht sicher. Die ersten Tage verbrachte sie damit, einen Teil der Nacht lang die Ohren an die Zwischenwand zu drücken, um zu hören, was im Nebenzimmer vorging. Dann ging die Ehefrau weg. Der Mann war vollkommen allein. Er bemerkte Andrée und begann zu lächeln. Dann umarmte er sie. Kurzum, sie kam nachts heimlich zu ihm. Er zog ihr alle Kleider aus, sodaß sie völlig nackt war. Er liebkoste sie und fummelte an ihr herum. Ich weiß nicht, was sie damit meint.

„Sich hingeben!“

Wenn ich aber Andrée glauben kann, tat sie nicht den letzten Schritt. Was heißt der letzte Schritt? Aber nur deshalb, weil sie keine Lust hatte. Lust wozu?

Als meine Freundin meine Unkenntnis bemerkte, sah sie mich geringschätzig an.

„Bist Du wenigstens aufgeklärt?“

„Aufgeklärt?“

Nach einigen Erläuterungen verstand ich sie. Ja, ich bin aufgeklärt. Vor einem Jahr. Aber dadurch wurde ich nicht klüger.

„Hör mir zu!“ sagte Andrée. „Ich werde Dir ein Buch geben, das Dir das nötige Wissen vermittelt. Vor allem aber gib acht, daß es Mme. Sand nicht sieht!“

Ein Buch? Worüber? Na gut, ich werde es sehen.

Donnerstag, den 14. Oktober.

Gestern gab Andrée mir das Buch. Gemäß ihrem Rat band ich es wie die anderen Bücher ein und schrieb „Lateinische Grammatik“ darauf. Dann schloß ich mich in die Toilette ein und las es. Jetzt ist mir alles klar. Ich habe begriffen. Gott sei Dank! Man kann sich auch allein vergnügen. Aber ich wage es nicht. Wenn man dies macht, riskiert man, wie es scheint, daß man krank wird, Tuberkulose bekommt und ein Idiot wird. Das zweite Kapitel erläutert, wie die Kinder zur Welt kommen. Ich hatte etwas davon gewußt. Aber neu war für mich, daß die soviel Freude bereiten soll.

Der Schluß des Buches beschäftigt sich mit dem Thema: Liebe zwischen Frauen! Diesen Teil verstand ich überhaupt nicht. Ich werde mit Andrée darüber sprechen.

Mme. Sand war sehr überrascht, daß ich so lange in der Toilette blieb. Sie klopfte an die Tür. Ich verbarg das Buch unter meinem Pullover und kam mit errötetem Gesicht heraus. Schöpfte sie Verdacht? Ich hoffe nicht!

Freitag, den 15. Oktober.

Ich bat Andrée um Erläuterung. Freundlich gab sie mir Auskunft.

„Krank zu werden“, „Tuberkulose zu bekommen“ sei völliger Unsinn. Sie habe sich vor zwei Jahren selbst befriedigt, ohne daß sie krank wurde. Was nun das Kinderkriegen anbelangt, muß man sich sehr davor in acht nehmen. Am besten, man wartet, bis man verheiratet ist, bevor man den letzten Schritt tut.

„Ja, den letzten Schritt!“

Und schließlich ist nach Meinung meiner Freundin ein Liebesverhältnis zwischen Frauen überhaupt nicht interessant.

In der folgenden Pause setzten wir die Unterhaltung fort.

So erfuhr ich, weshalb Andrée junge Männer so sehr verabscheute.

„Junge Männer“, sagte sie, „wollen sogleich alles. Die Folgen für die Partnerin sind alle Arten von Nachteilen einschließlich einer Schwangerschaft. Andererseits gefällt dem älteren Mann, der mehr erfahren ist, ein etwas weniger gefährliches Spiel, bei dem man beinahe ebenso viel Freude

„Aha! Nun, wenn ich richtig verstanden habe, der Herr gestern Abend?“

„Ja, Du dumme Gans!“ schrie Andrée, „er kommt nur aus diesem Grund.“

Wieviele Neuigkeiten in wenigen Stunden! Monsieur Pivals Stunde ging in Windeseile vorüber. Ich hörte ihm nicht zu. Ohne Zweifel bemerkte dies der Lehrer, denn er blickte mich mehrmals an. Aber ich bemerkte noch keinen Ärger in seinen Augen.

Samstag, den 16. Oktober.

Andrée sagte ziemlich kurz zu mir, sie würde an diesem Abend allein Weggehen. Sie gab vor, sie habe etwas am anderen Ende von Paris zu erledigen. Aber ich glaube, daß sie nicht die Wahrheit sagte. In Wahrheit – ich bin mir nicht ganz sicher – traf sich meine Freundin mit dem alten Mann. Ich meine, ich habe sie beide an der Ecke der T.-Straße in ein Taxi einsteigen sehen. Wohin fahren sie wohl? Ich weiß es nicht. Ich ahne, daß Andrée darüber nicht reden will. Betrübt ging ich nach Hause. An der Ecke der L'Avenue begegnete mir ein junger Mann. Er war gut gekleidet. Denn er trug einen Überrock und einen eleganten Hut. War es Einbildung? Ich glaube, er lächelte mich an.

Ich beschleunigte meine Schritte, um schnell nach Hause zu kommen.

Sand war erstaunt, daß ich so früh nach Hause kam.

Sonntag, den 17. Oktober.

Wir gingen ins Kino. Meine Tante langweilte sich. M. Sand kommt erst im nächsten Monat zurück. Da wir nicht wußten, was wir am Nachmittag machen sollten, gingen wir in ein Kino nahe unserer Wohnung. Ein armseliger Ort ist das „Palace“ trotz seines Namens. Die Sitze sind unbequem. Die ganze Zeit war das Theater erleuchtet. Deshalb glaubte ich den jungen Mann von gestern wiederzuerkennen. Aber vielleicht habe ich mich auch getäuscht. Auf jeden Fall hat er gelächelt, als ich mich umdrehte und dann in eine andere Richtung sah.

Montag, den 18. Oktober.

An diesem Morgen sah ich auf meinem Weg zur Schule den jungen Mann wieder. Ich bekenne freimütig, er ist mir unsympathisch. Ihm überall zu begegnen finde ich lästig. Andrée folgte mir unmittelbar nach. Bemerkte sie den jungen Mann? Während der Pause sagte sie mir ihre Meinung über die jungen Männer.

„Gib acht! Erlaube ihnen keine Freiheiten!“

Es ist seltsam. Je mehr Andrée ungerecht ist, desto mehr erreicht sie genau das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigt. Ich beginne Männer zu lieben, die mit einem Überrock bekleidet sind. Natürlich sage ich kein Wort und höre ihren Worten stumm zu.

Am Abend besuchte – Mae Sand die Direktorin. Ich ging mit ihr nach Hause. Welch ein Glück! Sie wollte nicht, daß ich nach Hause begleitet werde.