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Der Gestank der Themse erreichte 1858 das Zentrum der politischen Macht. Was zunächst als sommerliche Belastung erschien, entwickelte sich rasch zu einer Staatskrise, die Verwaltung, Wissenschaft und Ingenieurwesen miteinander verband. Die Große Stinkkrise zwang Großbritannien dazu, seine Hauptstadt technisch neu zu erfinden. Über Jahrzehnte hatte London seine Abwässer direkt in den Fluss geleitet. Mit dem Wachstum der Industrie stiegen Bevölkerung, Müllmengen und Krankheitswellen zugleich. Als die Hitze des Sommers den Geruch verstärkte, gerieten Behörden unter enormen Druck. Zeitungen berichteten von chemisch getränkten Vorhängen im Parlament, während Ingenieure längst vor den Folgen gewarnt hatten. Erst jetzt erhielt Joseph Bazalgette die politische Unterstützung für ein gigantisches Netz aus Tunneln, Pumpwerken und Sammelkanälen. Das Buch verbindet Technikgeschichte mit Fragen staatlicher Autorität und öffentlicher Verantwortung. Es zeigt, wie moderne Infrastrukturprojekte nicht allein aus wissenschaftlichem Fortschritt entstehen, sondern aus politischen Krisen, finanziellen Konflikten und gesellschaftlicher Angst. Die Entwicklung der Londoner Kanalisation wurde zum Vorbild für zahlreiche europäische Großstädte des späten 19. Jahrhunderts. Unter den Straßen Londons entstand ein verborgenes System, das weniger sichtbar war als die Monumente des Empire und dennoch entscheidend für dessen Fortbestand blieb.
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Liczba stron: 177
Rok wydania: 2026
