Ich verstehe dich - Georg Fraberger - ebook

Ich verstehe dich ebook

Georg Fraberger

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Opis

Wenn Menschen miteinander in Kontakt treten, entsteht eine Verbindung zwischen ihnen, wie eine Leine. Klar zu kommunizieren heißt, dem anderen Akzeptanz und Verständnis entgegenzubringen und gleichzeitig anderer Meinung sein zu können. Aber wie schaffen wir es, dass unser Gegenüber sich verstanden weiß und sagt "Du sprichst mir aus der Seele"? Der Psychologe Georg Fraberger und der Hundecoach Roland Raske zeigen Möglichkeiten der Kommunikation auf, die uns davor bewahren, zu Marionetten von Missverständnissen zu werden. Nur wer rücksichtsvoll und klar ausdrücken kann, was er möchte, kann langfristig harmonische Verbindungen aufbauen. Erst wenn die seelischen Bedürfnisse durch Akzeptanz und Einfühlsamkeit gedeckt sind, kann man von gelungener Kommunikation sprechen.

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Über dieses Buch

Keine Missverständnisse mehr! Wie gelingt es, dass wir uns von unserem Gegenüber verstanden fühlen und aus tiefster Seele sagen können: „Du verstehst mich“? Nur wer rücksichtsvoll und klar ausdrücken kann, was er möchte, kann langfristig harmonische private und berufliche Beziehungen aufbauen.

Der Psychologe und Bestsellerautor Georg Fraberger und der HundeCoach Roland Raske zeigen auf, was wir aus der Mensch-Hund-Kommunikation für uns lernen können und wie wir Missverständnisse ab sofort vermeiden können. Erfahren Sie, wie Klarheit und Akzeptanz im Miteinander zu harmonischen Beziehungen und zu einem glücklichen Leben führen!

Inhalt

Wer versteht wen?

Doch was ist Kommunikation?

Erste Schritte

Psychologe und Tiertrainer begegnen sich

Der Hintergrund – des Pudels Kern

Wir müssen nicht reden, um zu sagen, was wir wollen

Zeige, was du kannst

Kommunikation als Schlüssel zur Beziehung

Authentisch kommunizieren

Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg?

Zeitlose Kommunikation

Kommunikationsmodelle

Modelle im Überblick

Fraberger’sches Kommunikationsmodell

Unsichtbare Aspekte von Kommunikation

Sachliche Unterhaltungen

Zur Konstruktion des Kommunikationsmodells

Hundekommunikationsmodell nach Roland Raske

Wertvoll kommunizieren

Hoffnung kommunizieren

Gut und Böse kommunizieren

Missverständnisse und deren Folgen

Wie entstehen Missverständnisse?

Alltägliche Missverständnisse

Kleine Worte, große Gefühle

Missverständnis Nummer eins: Verstehen heißt Rücksicht nehmen

Umgang mit Missverständnissen

Umgang mit Erinnerung

Finde den richtigen Partner

Beuteschema oder nur ich selbst?

Rassemerkmal statt Beuteschema beim Hund

Beziehung als Gefängnis

Liebe als Gefängnis

Mitgefühl oder Egoismus?

Freie Liebe oder goldener Käfig?

Zielgerichtete Beziehungen

Freiheit kommunizieren

Was muss kommuniziert werden, um den richtigen Partner zu finden?

Erziehung zur Beziehung

Werte kommunizieren

Ja sagen und Nein sagen

Beziehung und Sinn

Beziehung und Materialismus

Autorität und Respektverhalten

Der Mensch als Rudeltier

Der Umgang mit Autorität

Erfolg kommunizieren

Respekt kommunizieren

Dress to impress – oder doch der freie Wille?

Kommunikation und Seele

Frei bleiben in Beziehungen

Eindruck oder Ausdruck?

Ich weiß genau, was ich will

Freiheit und Verantwortung

Sex und Geld in der Kommunikation

Kommunizieren ohne Sex und Geld

Kommunizieren mit Sex und Geld

Harmonie durch Konsequenz? Von Liebe, Freiheit und Frechheit

Grenzen zeigen

Wenn-Dann: Das hast du nun davon

Konsequenz kommunizieren

Konsequenz als Wert

Liebe kommunizieren

So kommunizieren, dass wir einander verstehen

Du sprichst mir aus der Seele

Wie bleibe ich, der ich bin?

Wer versteht wen?

„Mein Mann sagt immer: ‚Ich verstehe dich‘, und trotzdem nimmt er keine Rücksicht auf mich.“ – „Meine Frau sagt immer: ‚Ich verstehe dich‘, aber ich bin nicht in Stimmung.“ Wieso macht der andere also nicht das, was man möchte, wenn er/sie doch versteht, wie es einem geht?

Beide Aussagen zeigen, dass Beziehungsprobleme nicht damit gelöst sind, dass einer den anderen versteht. Man fühlt sich erst dann wohl, wenn man einander versteht. Dieser kleine Unterschied macht eine gute Beziehung aus.

Der große Wert zwischenmenschlicher Kommunikation besteht darin, dass wir durch das gegenseitige Verstehen der Bedürfnisse Lösungen finden können, wie alle Gesprächspartner zufrieden und glücklich werden können. Vorausgesetzt, wir verstehen einander. Viele Menschen versuchen nicht, den anderen zu verstehen, sondern lediglich zu bekommen, was sie wollen. „Verstehe mich doch“ wird gegenwärtig verwendet, damit etwas getan oder unterlassen wird. Das bedeutet, dass einer von zwei Gesprächspartnern auf sein Glück warten muss.

Doch was ist Kommunikation?

Heutzutage muss man Kommunikation mit der Bereitstellung einer Signalintensität eines Handynetzes vergleichen. Sie ist ebenfalls unsichtbar und hat unterschiedliche Stärken. Volles Signal heißt Liebe, wenig Signal heißt Bekanntschaft. Kommunikation bedeutet, eine Beziehung mit jemandem einzugehen. Bei einem Handy kann man es sich aussuchen, bei wem man abhebt. Bei einer Beziehung mit einem Menschen wird die Verbindung sehr einfach hergestellt. Es genügt ein Kontakt in Form eines Blickes oder Händedrucks. Wir suchen uns oft nicht aus, mit wem wir eine Beziehung eingehen. Die Art der Beziehung muss noch definiert und erarbeitet werden. Dies funktioniert, indem Gefühle zugelassen oder abgewehrt werden. Wenn ich mit jemandem eine intensive Beziehung eingehen will, müssen Gefühle für den anderen erkennbar sein, man muss einander verstehen. Um mit jemandem eine rein berufliche Beziehung einzugehen, müssen Gefühle in den Hintergrund gestellt werden, ein Thema steht im Vordergrund. Die Besonderheit menschlicher Kommunikation besteht darin, sowohl sich selbst als auch das Gegenüber erfassen zu können.

Um jemanden zu verstehen, muss ich mich mit ihm auseinandersetzen, und zwar mit allem, was diesen Menschen ausmacht. Hierfür ist es wichtig, offen und bereit zu sein, die Identität des anderen zu erkennen. Das bedeutet noch nicht, dass man mit diesem Menschen in näheren Kontakt treten möchte oder ihn akzeptieren muss. Es heißt, sich nicht von vornherein dagegen zu wehren. Das bedeutet für beide Kommunikationspartner, das auszuhalten, was der jeweils andere bietet.

Die große Herausforderung bei der Auseinandersetzung mit Kommunikation liegt darin, dass viele für die Kommunikation wichtige Aspekte unsichtbar sind – wie das Netzwerk eines Handybetreibers. Von einem Kommunikationsratgeber erwartet man eine Anleitung dafür, was man sagen muss, damit man verstanden wird und Kommunikation konfliktfrei verlaufen kann.

Der vorliegende Kommunikationsratgeber betrachtet die unsichtbare Verbindung zwischen zwei Menschen anhand von Beziehungsproblemen und deren Ursachen. Mithilfe von Beispielen und Modellen wird gezeigt, wie man bereits nonverbal klar vermitteln kann, wo es Grenzen gibt, indem man sich selbst vorab Gewissheit über diese Grenzen verschafft. Müssen wir erst einmal reden, um unsere Position zu verteidigen, haben wir schon verloren. Kommunikation beginnt viel früher als beim gesprochenen oder geschriebenen Wort. Es soll gezeigt werden, wie wichtig bereits unsere Gedanken sind, die andere Menschen zwar nicht lesen, aber fühlen können.

Erste Schritte

Die unsichtbare Verbindung zu einem anderen Menschen kann durch Worte, Blicke oder Gesten leicht hergestellt werden. Doch Kommunikation ist so vielschichtig, dass das, was gesagt wird, verschieden interpretiert werden kann.

Beziehungen werden unter anderem dazu benutzt, um von dem, der mein Problem versteht, zu fordern, dass er es löst. Der Satz „Ich habe Hunger“ wird dann beispielsweise nicht als einfache Aussage verstanden, sondern als Aufforderung „Koche mir bitte etwas“ oder „Gehe mit mir essen“. Doch Kommunikation stellt mehr als eine verständliche Wunschliste dar. Kommunikation ist eine unsichtbare Verbindung zwischen zwei Menschen, in der etwas erkannt wird. Der Prozess des Erkennens bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, jemanden zu verstehen.

Kommunikation beginnt mit einem Blick, einem Ausdruck von Empfindung, Gefühl oder Wissen und sie benötigt jemanden, der diesen Ausdruck als Botschaft erkennt. Sie ist eine Verbindung, bei der etwas geteilt wird – im Sinne von mitgeteilt und vermehrt.

Benutzen wir Kommunikation, um durch Verständnis Rücksicht zu erlangen, geht der Wert menschlicher Kommunikation verloren. Nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation ist das gegenseitige Erkennen von beiden Gesprächspartnern wichtig. Wird nur einer erkannt, so wird der andere ausgenutzt. Diese Tatsache bemerkt man nur dadurch, dass man sich gestresst oder überfordert fühlt, verantwortlich für alles, falsch am Platz, hin- und hergerissen oder verunsichert fühlt. Für diese Gefühle macht man all jene Menschen verantwortlich, die einen nicht verstehen. Besser wäre es aber, über den eigentlichen Wert von Kommunikation nachzudenken. Hierfür ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass der Mensch nach einem Sinn im Leben strebt und dass dieser im Prozess des Erkennens liegt. Die Tatsache, dass jeder Mensch nach Erkenntnis strebt, macht es notwendig, dass man sich gegenseitig versteht. Versteht nur ein Mensch den anderen, bleibt einer der beiden auf der Strecke. Dieser fühlt sich gestresst und überfordert. Stress kann somit mit Verständnis in Verbindung gebracht werden. Verstehen wird somit relativ.

Grundlegende Annahme des Buches

In diesem Buch wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch geliebt und verstanden werden möchte. Das ist durch Kommunikation erreichbar. Sie hat somit ein Ziel und kann manipulativ eingesetzt werden, indem Bedürfnisse anderer erkannt werden und kommuniziert wird, wie man diese befriedigt. Derjenige, der Bedürfnisse befriedigt, wird aufgrund dessen auch gemocht. Eine wichtige Frage dabei lautet: Wird man dafür gemocht, was man ist, oder dafür, welche Bedürfnisse man befriedigt? Wenn die Frau vom Mann Geld für Sex erwartet oder wenn eine Frau, die den Körper eines Models hat, nach sieben Jahren Ehe und vier Kindern an Gewicht zugenommen hat, stellt sich die Frage, ob der Partner auch dann noch gemocht wird. Inwieweit darf man nun seinen Partner von seinen Eigenschaften trennen? Es muss immer erlaubt sein, Gefühle und Meinungen zu äußern, auch dann, wenn der Partner dafür nicht bereit ist. Entscheidend ist, dass man sich frei ausdrücken und damit jegliche Variation von Beziehung eingehen oder auflösen kann. Wir brauchen Klarheit darüber, wie wir uns ausdrücken können, unabhängig davon, ob wir mit dem anderen eine Beziehung eingehen wollen oder nicht. Diese Klarheit können wir dann jedem Menschen vermitteln, sei es in einer Liebes-, Arbeits- oder Freundschaftsbeziehung oder im weit entfernten Bekanntenkreis. Es geht also darum, nicht mehr zu fordern, dass man verstanden wird, sondern Wege zu finden, wie man sich besser ausdrücken kann.

FALLBEISPIEL: Wer versteht wen zu Beginn der Beziehung?

Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern kommt zur psychologischen Beratung mit der Frage, wie sie sich verhalten soll. Sie habe einen Mann im Internet kennengelernt und ihn im Kaffeehaus getroffen, wo sie sich circa eine Stunde lang unterhalten haben. Nach diesem Treffen, bei dem sie sich auch geküsst haben, sei aber jeder zu sich nach Hause gegangen. Nun stehe sie vor dem Dilemma, dass sie den Mann sehr nett und aufregend finde, sich von ihm jedoch emotional erpresst fühle. Das schrecke sie sehr ab. Vor dem Schlafengehen nach dem Treffen erfolgte nämlich folgende Unterhaltung per SMS:

Mann: Kann ich dich noch etwas fragen?

Frau: Ja gerne.

Mann: Hast du morgen Zeit für einen Kaffee?

Frau: Würde mich gerne mit dir treffen, kann aber leider nicht.

Mann: Ach so …

Frau: Ich muss arbeiten und mit meinen kranken Eltern und den Kindern einkaufen gehen.

Mann: Hätte mir die Zeit genommen, habe in der Früh, mittags und abends Zeit.

Frau: Ich auch, wenn es möglich wäre.

Mann: Hab morgen sturmfrei.

Frau: Schade.

Mann: Ich wäre auch mit einem Kaffee zufrieden.

Frau: Quäl mich nicht.

Mann: Nicht meine Absicht. Wo ein Wille, da ein Weg.

Frau: Das ist nicht fair.

Mann: Es war nur eine Bitte.

Frau: Hartnäckigkeit funktioniert bei mir, darum ist der Versuch okay.

Mann: Hätte mich gefreut, wenn es geklappt hätte.

Frau: Mich auch.

Mann: Spät abends, wenn die Kids schlafen? Ein Nein tut mehr weh, als wenn du sagen würdest: „Ich versuch’s.“

Frau: Das ist emotionale Erpressung … bitte lass das.

Mann: Hätte mich nur gefreut, dich zu sehen …

Dieses Beispiel zeigt, wie es bereits nach kurzer Zeit zu Problemen durch unklare Kommunikation kommen kann. Unklar wurde die Kommunikation, da der Mann nicht sah, dass die Spannung seiner Gesprächspartnerin von seinem vehementen Fordern ausgelöst wurde. Von außen betrachtet ist das Problem leicht zu erkennen. Beide scheinen sich zu mögen und an einer Liebesbeziehung interessiert zu sein. Der Mann erlebt das Keine-Zeit-Haben der Frau als persönliche Zurückweisung. Bei ihm entsteht ein Gefühl der Spannung, wenn er mit der Frau kommuniziert. Diese Spannung könnte auch als Vorfreude oder Sehnsucht empfunden werden. Der Mann jedoch hat die Spannung als Ablehnung und Enttäuschung erlebt. Ein Gefühl, das er offensichtlich nicht aushalten kann. In der Unterhaltung per SMS gibt er der Frau einen Teil dieses Gefühls weiter. Sie spricht darüber mit ihrem Psychologen. Nachgeben sollte die Frau in dieser Situation nicht, das würde das Problem nur auf andere Situationen verschieben. Um die Situation zu lösen, müsste die Frau den Mann auf sein Problem mit Zurückweisung hinweisen und deutlich machen, dass sie dieses Problem nicht lösen kann.

In diesem Beispiel wird ein weiteres Hauptproblem von Kommunikation deutlich: Deutet einer der beiden Teilnehmer an, dass er den anderen versteht, ist jener, der sich verstanden fühlt, derart erleichtert, dass er das Gefühl hat, dem anderen gar nicht mehr zuhören zu müssen. Er hat ja seinen Standpunkt ausdrücklich dargestellt.

Das Bedürfnis, verstanden zu werden, ist mit dem Bedürfnis verbunden, einen Platz in der Gesellschaft oder im Herzen eines Partners zu erhalten, und zwar durch Kommunikation. Folglich stellt es ein existenzielles Problem dar, das große Auswirkungen auf Körper und Geist hat. Wenn wir also nicht verstehen, weshalb der Partner oder die Partnerin unerwünscht handelt, entsteht Druck in uns und es entwickelt sich eine unangenehme Spannung zwischen uns und dem Gegenüber. Erst dann beginnen wir darüber nachzudenken, was Kommunikation bedeutet – stets mit dem Ziel, so respektiert, geachtet und gemocht zu werden, wie wir sind. In diesem Ziel liegt auch die Ursache dafür, dass wir Worte oder Handlungen des anderen persönlich nehmen.

Das heißt, Worte oder Handlungen von anderen Menschen werden mit den eigenen Gefühlen verbunden, in der Vermutung, ein Wort oder eine Handlung des Gegenübers hätte etwas mit uns selbst zu tun. Die Verantwortung für die Erfüllung der eigenen Wünsche wird durch Kommunikation an das Gegenüber abgegeben. Kommunikation hängt also immer mit Beziehung zusammen und damit, dass wir glauben, der andere tue oder unterlasse etwas unseretwegen. Alles Gesagte, alles Mitgeteilte beziehen wir auf die eigene Person. Damit wird jedes Wort, das mir gefällt und meiner Meinung entspricht, als „beziehungsfördernd“ gewertet und alles, was mir missfällt, als „beziehungsstörend“. Sofort machen wir unseren Partner oder unsere Partnerin für das eigene Gefühl verantwortlich und fragen: „Wieso verstehst du mich nicht?“

Kommunikation und Verantwortung

Kommunikation wird immer dann hinterfragt, wenn es Probleme zwischen Menschen gibt und man entweder versucht, etwas zu verbessern oder einen Schuldigen zu suchen – für all jene Dinge, die wir mit uns selbst in Verbindung bringen. Wir fragen: „Wieso tut der andere das, obwohl ich das nicht will?“

Wird man nicht verstanden, entstehen innere Spannungen. Die größte Herausforderung besteht dann darin, die Verantwortung für diese Spannungen selbst zu tragen. Meist genügt es in menschlichen Beziehungen, zu zeigen, dass man sein Gegenüber versteht, um Verbindlichkeit zwischen zwei Menschen entstehen zu lassen. Diese Verbindlichkeit wird zu einer Art Leine, an welcher wir uns orientieren. Tun wir das nicht, fühlt sich einer der beiden Kommunikationspartner unverstanden und aus einem Kommunikationswird ein Beziehungsproblem.

Im Alltag stellen wir uns meist die Frage: „Warum tut mein Kommunikationspartner nicht das, was ich will?“ Die Psychologie stellt in ihren Überlegungen aber stets das Individuum in den Mittelpunkt. Damit rückt die Person, die verstanden werden will, in den Vordergrund, nicht die Person, die verstehen soll. Folgende Fragen stehen somit im Fokus: Was strahle ich aus? Was übersehen die anderen? Warum entsteht Druck? Bin ich schuld, dass mich andere nicht verstehen?

All diese Fragen stellen sich in der Beziehung zwischen Mensch und Hund nicht. Ein Hund fragt sich nicht, ob er sich verstellen oder etwas vorspielen muss, ob er lieb sein oder gut aussehen muss, um gemocht zu werden. Er zeigt sich immer so, wie er ist.

In diesem Kommunikationsratgeber wird der Frage nachgegangen, wie wir authentisch kommunizieren können, um so zu leben, wie wir wollen, beziehungsweise andere Menschen so leben zu lassen, wie sie das eben möchten – trotz menschlicher Schwächen, die den gegenseitigen Respekt gelegentlich verschwinden lassen. Es geht darum, zu kommunizieren und gleichzeitig darauf zu vertrauen, verstanden zu werden: So gelingt es, innerlich locker zu lassen, alle Erwartungen mit weniger Kontrolle, Zwang oder Druck zu erleben.

Wie das funktionieren kann? Für den vorliegenden Ratgeber haben die Autoren – der Psychologe Georg Fraberger und der Hundecoach Roland Raske – es gewagt, Kommunikation zwischen zwei Menschen mit jener zwischen Hund und Mensch zu vergleichen. Ziel war es, die Grundlagen von Kommunikation besser zu verstehen. In beiden Formen von Beziehung ist es nämlich so, dass man nicht besser verstanden wird, nur weil man mehr oder lauter spricht. Es geht darum, die übermittelten Botschaften auch dann durchzudenken, wenn sich die eigenen Gefühle dagegen sträuben.

Wie kommt man aber dazu, die Hund-Mensch-Beziehung mit jener zwischen zwei Menschen zu vergleichen und dadurch etwas für uns Menschen zu gewinnen? In den Diskussionen über Kommunikation sind beiden Autoren zahlreiche Gemeinsamkeiten und hilfreiche Parallelen in zwischenmenschlichen Beziehungen beziehungsweise bei denen zwischen Mensch und Hund aufgefallen. Die Schwierigkeiten, dies auch hilfreich und nützlich zu erklären, sowie der Umstand, dass es Menschen gibt, die zu Hunden eine größere Zuneigung verspüren als zu ihren menschlichen Partnern, und dass mit Hunden viel klarer kommuniziert wird, haben sie in ihrem Ansatz ebenso bestärkt wie Redewendungen aus unserem täglichen Sprachgebrauch, die einen direkten Vergleich zwischen Beziehungen von Mensch und Hund zulassen: „Der hat ein Leben wie ein junger Hund“, „dastehen wie ein geprügelter Hund“ usw.

Psychologe und Tiertrainer begegnen sich

Auf der einen Seite ist da die Welt des Psychologen Georg Fraberger: Er wurde behindert geboren, studierte sechs Jahre lang Psychologie und ist seit 15 Jahren als Psychologe an einer Universitätsklinik und in freier Praxis tätig. Er hat erkannt, dass – stark vereinfacht gesagt – jeder Mensch nach Antworten auf zwei Fragen sucht: Wie muss ich mich verhalten, damit ich gemocht werde? Und: Wie finde ich jemanden, den ich lieben kann?

Zahlreiche psychische Krankheitsbilder sind, grob gesprochen, darauf zurückzuführen, dass Beziehungen nicht gelingen: Menschen, die sich mögen, engen sich ein, betrügen sich, mobben sich, nutzen sich aus, verbergen Dinge voreinander und werten sich gegenseitig ab. Weshalb? Weil Geld, Erfolg und Leistung den Wert eines Menschen steigern und somit eine Beziehung das Mittel zum Zweck werden kann. Kommunikation ist entscheidend, wenn es darum geht, Beziehungen einzugehen.

Auf der anderen Seite steht die Welt des Tiertrainers und Hundecoachs Roland Raske: Er ist nicht behindert, groß und stark, hat drei Jahre Erfahrung als Tiertrainer mit Tigern, Delfinen, Elefanten, Löwen und Hunden für Filmaufnahmen in Amerika gesammelt. Nach der Rückkehr nach Deutschland und Österreich spezialisierte er sich auf das Hundetraining. Seit 30 Jahren trainiert er Hunde anhand einer eigenen Coaching-Methode. Diese zielt darauf ab, die Bedürfnisse eines Hundes zu erkennen und zu erfüllen sowie ihm gleichzeitig einfach und klar zu zeigen, was man von ihm möchte. Der richtige Zugang zum Tier kann aber nur über den Hundebesitzer erfolgen.

Der Hintergrund – des Pudels Kern

Wie kommen wir dazu, die grundlegenden Kernpunkte von Kommunikation zu beachten? Ausschlaggebend war die Art und Weise, wie Georg Fraberger mit seinem Königspudel Bono umgegangen ist. Die Diskussion um Kommunikation hat im Grunde mit der Erziehung eines Hundes begonnen.

Der Kommunikationsprozess mit dem Hund hat gezeigt, dass in der Beziehung zum Hund kein gegenseitiges Verständnis erreicht werden muss. Ob ein Hund versteht, was ich von ihm möchte, ist nur daran zu erkennen, ob er sich so verhält, wie ich es als Besitzer erwarte. Verhält sich der Hund nicht so wie erwünscht, werden unterschiedliche Methoden eingesetzt, um zu erreichen, was ich von ihm erwarte. Beispielsweise erhält der Hund Futter oder Lob, sobald das gewünschte Verhalten eintritt. Erst im Vergleich der Beziehung zwischen Menschen mit der zwischen Menschen und Hunden wird die Bedeutung menschlicher Kommunikation sichtbar. Wir Menschen müssen einander verstehen, um harmonisch miteinander auszukommen. In der Beziehung zu einem Hund wird Verstehen relativ. Denn auch der Hund lernt, was der Besitzer von ihm möchte. Der Hund hat jedoch gegenüber dem Menschen eine ganz eigene Art, „Nein“ zu sagen. Er verweigert etwas oder zeigt einfach keine gewünschten Verhaltensweisen.

Ein Hund ist ein Partner, mit dem ebenfalls viel kommuniziert wird. Ob ich verstanden werde, ist letztendlich nur anhand des Verhaltens des Hundes erkennbar. Die Erfahrungen sind anhand von unterschiedlichen Situationen immer wieder Ansatzpunkte, die die Diskussion weiter vorangetrieben haben. Aus diesem Grund werden beispielhaft Hintergrundinformationen zu dem Erziehungsprozess und dem Umgang mit dem Hund gebracht.

FALLBEISPIEL: Menschlich kommunizieren mit einem Hund

Der Königspudel Bono kam zu mir, als er acht Wochen alt war. Er war der Erste von acht Hunden, der in mein Auto eingestiegen ist, der quasi mich ausgesucht hat. Er zeigte keine Scheu vor dem Rollstuhl, vor den Kindern oder vor langen Autofahrten. Binnen einer Woche war er stubenrein, dennoch brauchte ich einen Hundecoach, denn Bono zog an der Leine, lief, ohne auf mich zu hören, auf die Straße und begrüßte fremde Leute durch Hochhüpfen oder Bellen. Da half kein Reden, kein Ziehen an der Leine und kein Schimpfen. Sosehr ich auch versuchte, das Problem mit allen mir als Psychologen bekannten Modellen zur Kommunikation zu lösen, es gelang mir nicht. „Wieso versteht mich der Hund nicht?“, fragte ich mich.

So kam der Hundecoach Roland Raske in unsere Wohnung. Interessanterweise sah er das Problem sofort. Er trat bei der Tür ein und der Hund orientierte sich augenblicklich an ihm, denn der Hundecoach versuchte ohne viele Worte mit ihm in Kontakt zu treten. Der Hundecoach traf des Pudels Kern:

Die erste Begegnung als Hundecoach mit der Familie Fraberger, die ausschlaggebend für zahlreiche Überlegungen und letzten Endes für dieses Buch war, gestaltete sich folgendermaßen: Es war an einem Montag, dem 1. Dezember, und ich war sehr gespannt auf die Begegnung mit dem Psychologen Georg Fraberger, seiner Frau Susanne und den Kindern in Wien. Bereits bei der ersten Begegnung fielen mir die Ruhe und die angenehme Stimmung in der Familie auf.

Diese Ruhe wurde aber immer wieder plötzlich von einem kleinen schwarzen Wollknäuel unterbrochen. Bono, der drei Monate alte Königspudel, konnte diese Stimmung der Familie zwar deutlich wahrnehmen, bekam aber nicht den Platz als Hund in der Familie. Er war dauernd ohne Grenzen in Bewegung und unterbrach immer wieder die momentane Unterhaltung. Auch die Kinder wurden von dieser Aktivität ständig aus ihrem Rhythmus gerissen und das wiederum verstärkte die Lebhaftigkeit Bonos noch mehr.

Rasch war das Problem erkennbar: Dem Hund wurde kommuniziert, er wäre ein Mensch – jedoch einer, der nicht sprechen konnte und strenge Worte nicht als Grenze spürte. Die Betonung und Intonation hatten stets einen belohnenden Charakter. Die Art und Weise, wie etwa „Sitz“ gesagt wurde, unterbrach das spielerische Herumtollen des Hundes nicht. Im Gegenteil, es bestärkte den Hund in seiner Aktivität, denn der freundliche Tonfall wurde von Bono als Lob für sein Verhalten erkannt.

Wie konnte man dem Hund nun aber zeigen, was man von ihm wollte? Die sich wiederholenden Aussagen und Kommandos von allen Personen zeigten dem Hund nämlich nicht, was er tun sollte, sondern stifteten nur Verwirrung.

Als Hundebesitzer musste ich Klarheit in der Kommunikation lernen, indem ich meinem Vierbeiner deutlich machte, was ich von ihm wollte. Verständnis, Einfühlungsvermögen und Rücksichtnahme bekamen damit für mich als Psychologen eine neue Bedeutung. In der Hundeerziehung kann man davon ausgehen, dass der Hund gar nicht weiß, was man von ihm will. Mit dem Hundecoach lernte ich aber, wie man den Hund durch Motivation mithilfe von Futter und Gestik für seine Wünsche bewegen und interessieren kann. Ich weiß inzwischen, dass der Hund über Futter, Liebe und das Gewähren von Freiheiten erzogen wird. Verbinde ich sein Verhalten im richtigen Moment mit der richtigen Bestätigung, zeigt er das von mir gewünschte Verhalten. Somit findet positive Hundeerziehung statt.

Im Fall Bonos war die erste Lektion, trotz der Ablenkung, die durch die Kinder verursacht wurde, nicht sofort loszulaufen, sondern in Abstimmung mit einem anderen Familienmitglied stehen oder liegen zu bleiben – eine der schwierigsten Lektionen für diesen jungen Hund. Allerdings war es für Familie Fraberger ebenfalls schwierig, Bono auch öfter zu diesem Zweck in der Wohnung an die Leine zu nehmen. Steht der Hund erst am Beginn seiner Erziehung, nützt es kaum, mit ihm zu reden. Im Gegenteil, jedes Wort gilt zunächst als Bestätigung oder Belohnung. Damit ein Hund überhaupt begreift, dass ich etwas von ihm möchte, hilft es, ihn in seinem Bewegungsraum einzuschränken, seine Bewegungen entweder komplett zu stoppen, ihn an die Leine zu nehmen oder ihn festzuhalten. Dabei verknüpfe ich ein erwünschtes Verhalten durch gleichzeitige Belohnung mit Futter oder Lob. Hierdurch wird er motiviert, auf mich zu achten und das erwünschte Verhalten zu zeigen.

Das Problem der Gewissheit

Solange nicht Gewissheit darüber besteht, ob ein Hund weiß, was ich von ihm möchte, brauche ich eine Leine zur Kontrolle und besseren Kommunikation. Was muss also vermittelt werden, damit Gewissheit bestehen kann? Widerstand oder Wille? Bei einem Hund wird durch Training und Wiederholung geübt, dass der Hund auf mich achtet.

In der Kommunikation zwischen Mensch und Hund wird aufgrund dieser gelernten Achtsamkeit Gewissheit vermittelt. In der menschlichen Kommunikation brauchen wir auch Gewissheit. Diese wird jedoch anders transportiert. Achtsamkeit allein genügt nicht. Fehlt es einer Person in einer Beziehung an Gewissheit darüber, ob beispielsweise der Partner glücklich ist, so erfolgt die Kontrolle durch Worte und Gesten, zum Beispiel durch Anrufen, Beobachten, Maßregeln oder Nachfragen. Ohne es zu bemerken, wird der menschliche Partner auf die Beziehungsebene eines Hundes gestellt. Die Kommunikation wird sehr einseitig und zielt darauf ab, sich Gewissheit zu holen. Durch häufiges Anrufen oder Nachfragen, um sicherzugehen, dass der andere auch wirklich glücklich in der Beziehung ist, entsteht zwischen diesen beiden Menschen eine Spannung. Es entsteht der Eindruck, als führe der eine den anderen an der Leine.

Menschen lernen durch ihre Neugierde und Intelligenz, sich selbst neues Wissen und neue Erkenntnisse anzueignen und sich damit stetig weiterzuentwickeln. Dieses Wissen und die damit verbundene Kommunikationserfahrung können bei der Kommunikation aber auch im Weg stehen.

Ein Hund hingegen kann sich durch ein erlerntes Kommando, welches ihm zeigt, dass ein bestimmtes Verhalten gewünscht ist, nicht selbst weitere Kommandos beibringen. Er verfügt jedoch über eine ganz wesentliche Eigenschaft: Er kann auf erlebte Abläufe genauer reagieren, denn er lernt verknüpfend und kann deshalb fast keine „falschen Schlüsse“ ziehen, wenn er entsprechend trainiert wurde. Der Mensch hingegen neigt in der „bemühten Kommunikation“, wenn er es dem Gegenüber besonders recht machen will, teilweise zu falschen Schlüssen und Äußerungen, wenn er diesen nicht selbstkritisch begegnet.