Ich, du und sie - Isabella Lovegood - ebook

Ich, du und sie ebook

Isabella Lovegood

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Opis

Genau an dem Tag, als Michael plant, seiner langjährigen Freundin einen Heiratsantrag zu machen, erfährt er, dass sie eine Affäre hat. Mit einer Frau! Schweren Herzens gewährt er Jessica Bedenkzeit. Als er jedoch im Urlaub auf Mallorca eine Jugendfreundin wiedertrifft, läuft auch für ihn alles aus dem Ruder. Aber manchmal kann gerade aus dem Chaos etwas völlig Neues und sehr Ungewöhnliches entstehen. Ein Roman mit liebevollen, aber deutlichen erotischen Szenen vor der bezaubernden Kulisse der Sonneninsel Mallorca, jedoch weitab vom berüchtigten Ballermann. Das Buch ist gleichzeitig der Auftakt einer neuen Serie. Die Reihe "Mallorca-Erotic-Romance" umfasst folgende Bände: Ich, du und sie - Band 1 Wir drei für immer - Band 2 Zitronenblütenküsse und Lebkuchensterne - Band 3 Weil die Liebe siegt - Band 4 Wahre Liebe rostet nicht - Band 5 Das Meer, du und ich - Band 6 Band 7 (Ein Boot, ein Ende und ein Anfang) erscheint im Winter 2020/2021 Von der Autorin sind außerdem erschienen: Die Reihe "Nachhilfe für die Liebe" "Die Sexpertin" NEU! "Patchwork mit Herz" "Dich zu sehen" Die Reihe "Club Red Vulcano" "Zweite Chance für Lust und Liebe" "Wer mit dem Feuer spielt" "Keine Cupcakes für Bad Boys" - zwei Romane in einem Band ab 12.01.2020 - "(K)ein Bad Boy für Carolin" von Isabella Lovegood - "Ein Cupcake zur Mittsommernacht" von Tamara Leonhard Die Reihe "Zimmer frei für die Liebe" "Heiße Küsse für das Christkind" "Ein Koch zum Verlieben" "Die Liebe kommt in Gummistiefeln" "Liebe ist kein Computerspiel" "Zuckerbäcker küssen besser" "Regenbogenküsse" "Kreuzfahrt zurück ins Leben" "Starthilfe fürs Herz" "Herzenskinder" Die "Rosen-Reihe": "Sommerflirt mit Folgen" "Liebe zu dritt" "Rosen-Himmel" "Geteilte Liebe" "Drei plus zwei" "Auf Liebe gebaut" "Herbstgenüsse" "Aller guten Dinge sind 5" "Weihnachten am Heckenrosenweg" "Hot Holiday Lovers" - erotischer Liebesroman "Neujahrsliebe" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte "Venus trifft Venus" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte Unter dem Pseudonym C.P. Garrett "A Groupie's Dream" - erotische Kurzgeschichte "Nina" - erotischer Roman "Mein 10. Hochzeitstag" - erotische Kurzgeschichte "Der Zucker und das Salz des Lebens" + "Honig und Chili" 2-teiliger, erotischer Roman

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Ein paar Worte vor Beginn
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
Nachwort
Leseprobe aus „Liebe zu dritt“

Ich, du und sie

Ein liebevoll-erotischer Roman

von

Isabella Lovegood

Band 1

Mallorca-Erotic-Romance

Copyright © 2018 Isabella Lovegood

Alle Rechte vorbehalten. Jede Weitergabe, Kopie oder sonstige Vervielfältigung verletzt das Urheberrecht und fügt der Autorin finanziellen Schaden zu.

www.Isabella-Lovegood.at [email protected]

Covergestaltung: Isabella Lovegood Cover-Fotos: Vlada Z und Sesa - beide stock.adobe.com

Alle Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten sind rein zufällig und ungewollt.

Ein paar Worte vor Beginn

Dieser Roman ist reine Fiktion, eine erdachte Geschichte. Erfundene Personen können sich nicht mit Krankheit anstecken oder schwanger werden – außer ich denke mir dieses Schicksal für sie aus.

Für echte Personen im realen Leben gilt das nicht. Sie sind selbst verantwortlich für das, was ihnen zustößt und dafür, sich vor Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften zu schützen.

Ich habe mir in diesem Roman die Freiheit genommen, die Themen Verhütung und ‚Safer Sex‘ auszuklammern, bitte jedoch Sie, liebe Leserinnen und Leser, im realen Leben nicht darauf zu verzichten!

Und nun wünsche ich viel Spaß – beim Lesen und im realen Leben!

Isabella Lovegood

1. Kapitel

Mona

Ich war ungewöhnlich früh aufgewacht. Die Morgendämmerung kroch gerade erst durch die Ritzen der geschlossenen Fensterläden. Genüsslich streckte ich mich. Dann kam mir zu Bewusstsein, dass sich mein Körper in höchst angenehmem Aufruhr befand. Mein Herz klopfte schnell und zwischen meinen Schenkeln war es heiß und feucht. Offenbar war ich gerade aus einem erotischen Traum erwacht, aber außer einem nicht fassbaren Nachhall und dem charakteristischen Entspannungszustand, hatte ich bedauerlicherweise keine greifbare Erinnerung an das Traumgeschehen.

Ich beschoss, mich nicht noch einmal umzudrehen, sondern dem zarten Licht und den Geräuschen des anbrechenden Tages zu folgen. Nur mit einem leichten Bademantel bekleidet und auf bloßen Füßen stieg ich die Außentreppe hoch, die zu meiner Dachterrasse führte. Ich trat an die Brüstung und legte die Hände auf den kühlen, rauen Stein. Ein frischer Windhauch, der vom Meer her wehte, strich über meine erhitzte Haut und ließ mich leicht frösteln. Ich war oft hier heroben, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Er faszinierte mich jedes Mal aufs Neue, denn kein Tagesbeginn glich dem Vorherigen. Manchmal verdeckte ein Dunstschleier das Farbenspiel, doch heute präsentierte sich die Luft über dem Wasser ungewöhnlich klar.

Das Meer war silbrig-blau mit einem scharf abgegrenzten, sehr hellen Streifen am Horizont. Darüber kündete ein leuchtendes Orange-rosa die Sonne an, bevor es sich nach und nach im dunklen Himmel verlor. Ich zuckte ein wenig zusammen, als etwas Weiches meine Wade streifte.

„Hola, Susa, bist du heute so hungrig? Ein bisschen musst du dich noch gedulden.“ Ich machte mir nicht die Mühe, mich zu bücken. Die Tigerkatze würde sich ohnehin nicht streicheln lassen. Um meine Beine zu streifen, war bei der ehemaligen Streunerin bereits ein Zeichen des Vertrauens. Oder großen Hungers, weil sie mittlerweile daran gewöhnt war, von mir gefüttert zu werden.

Wieder blickte ich aufs Meer hinaus. Das Orange war intensiver geworden, der Kontrast zur hellen Wasseroberfläche noch schärfer. Tief atmete ich die kühle, frische Morgenluft ein. Sobald die Sonne am Himmel stand, würde es rasch heiß werden. Ich liebte jede Facette des Inselsommers: Die trockene Hitze des Tages, die durch eine leichte Brise gemildert wurde. Die warmen Abende, die dazu verlockten, bis spät in die Nacht im Freien zu sitzen. Der meist sternenklare Himmel und die taufeuchte Morgenkühle.

Es war ein beinahe meditatives Erlebnis, zu beobachten, wie sich das feurige Licht immer weiter ausbreitete, bis schließlich der gleißend helle Ball über dem Meer erschien. Geblendet schloss ich die Augen. Sofort wurde die Wärme spürbar, die von ihm ausging. Noch war sie mild und angenehm und ließ nicht erahnen, dass die Hitze um die Mittagszeit erbarmungslos sein würde.

Ich wandte mich ab und lief leichtfüßig die Treppe hinunter. Susa folgte mir und überholte mich, kurz bevor wir das Erdgeschoss erreichten. Erwartungsvoll sah sie zu mir auf.

„Ja, natürlich bekommst du jetzt dein Frühstück“, beruhigte ich sie schmunzelnd. „Wir beide. Ich freue mich schon auf meinen Kaffee.“

Scheppernd fiel das Trockenfutter in den blanken Edelstahlnapf und wurde sofort gierig verschlungen. Erst dann schaltete ich die Kaffeemaschine ein.

Ich würde meinen ‚Café con leche‘ wie immer, wenn es draußen warm und trocken war, im Freien genießen. Meine geflieste Terrasse schloss sich auf drei Seiten an das kleine Steinhaus an. Die schräg auftreffenden Sonnenstrahlen tauchten die Küche in helles Licht. Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als sich das Aroma des Kaffees verbreitete.

Ich seufzte zufrieden, als ich mich mit meinem Frühstückstablett an der kleinen Sitzgruppe niederließ, über die langsam die milden Strahlen der Morgensonne krochen. Bald würde ich wie jeden Tag in die fröhliche Betriebsamkeit des gemütlichen Finca-Hotels eintauchen, das meine Eltern betrieben, doch die morgendliche Stille gehörte mir.

Während ich mir mein Marmeladenbrot schmecken ließ, lauschte ich auf die vertrauten Geräusche ringsum. Ein Wiedehopf schmetterte sein ‚Tu-tu-tu‘, Stieglitze, Schwalben und Fliegenschnäpper begrüßten lauthals zwitschernd den Tag. Von der benachbarten Finca schallten hin und wieder Glockengebimmel, das beruhigende Blöken der Schafe und das hellere Rufen der Lämmer herüber. Ich lächelte unwillkürlich. Ich liebte mein Leben aus vollstem Herzen. Genau hier gehörte ich hin: an die Südostküste von Mallorca.

2. Kapitel

Michael

Erleichtert schloss ich die Tür meines Büros hinter mir und sperrte ab. Kevin war schon lange vor mir gegangen. Als ich ins Freie trat, begrüßte mich die laue Luft des Frühsommerabends. Ich beschloss, den Stadtpark zu Fuß zu durchqueren, statt wie sonst mit der Straßenbahn rundherum zu fahren. Lächelnd wich ich einem Kleinkind aus, das mit seinem Dreirad auf mich zuschoss. Ich freute mich auf das Wochenende. Ein weiterer, wichtiger Auftrag war unter Dach und Fach. Die letzten Monate waren hart gewesen. Auch wenn Jessica sich nicht beschwerte, belastete es unsere Beziehung, dass der Aufbau meines Online-Marketing-Unternehmens viel Energie und Einsatz erforderte. Doch nun waren Kevin und ich auf einem guten Weg. Wir hatten uns einen soliden Kundenstock und einen guten Namen erarbeitet, die uns endlich ein kleines, aber relativ sicheres Grundeinkommen gewährleisteten. Nun konnte ich mich mit gutem Gewissen endlich wieder mehr um meine Freundin kümmern.

Ich betrat den Drogeriemarkt und ergriff eines der Drahtkörbchen, die neben dem Eingang gestapelt waren. Seit Tagen plante ich diesen Abend. Zuerst suchte ich nach einem duftenden Massageöl. ‚Mit pflegendem Kokosöl und dem verführerischen Duft von tropischen Blüten‘, stand vielversprechend auf der Flasche. Ja, das passte. Schließlich schwärmten wir oft zusammen von einem Luxus-Urlaub in der Karibik, den wir irgendwann einmal machen wollten. Ich lächelte, als ich mir ausmalte, wie sie auf meine romantische Überraschung reagieren würde. Spontan legte ich auch ein Schaumbad mit demselben Duft in den Korb. Das Wochenende bestand ja nicht nur aus dem Freitagabend. Im nächsten Gang fand ich meinen Rasierschaum. Nun fehlten nur noch Teelichter. Schwungvoll bog ich um die nächste Ecke und stieß beinahe mit einer Frau zusammen.

„Verzeihung ... Eva? Was tust du denn hier?“, rief ich überrascht. Ihr Gesichtsausdruck wechselte schlagartig von erschrocken zu verlegen. Röte stieg ihr ins Gesicht und es war eindeutig, dass sie sich ertappt fühlte.

„Hallo Michael“, presste sie hervor, ohne auf meine Frage zu antworten.

„Ich dachte, du triffst dich mit Jessy? Wolltet ihr nicht ins Kino gehen und diesen kitschigen Mädelsfilm ansehen?“ Im selben Moment wurde mir bewusst, dass ich nicht einmal den Titel des Films kannte, den meine Freundin unbedingt hatte sehen wollen. „Der ist nichts für dich“, hatte sie gesagt, als ich Interesse signalisierte, sie zu begleiten. Ein unangenehmer Druck breitete sich in meinem Magen aus, als ich ihrer besten Freundin ins Gesicht sah.

„Sie ist gar nicht im Kino, stimmt’s?“, sagte ich ihr auf den Kopf zu. Eva biss sich verlegen auf die Unterlippe und sah an mir vorbei den Gang entlang.

„Es tut mir leid.“ Sie flüsterte beinahe. „Ich hätte in der Wohnung bleiben sollen, so wie immer, aber es war ein Notfall.“ Erst jetzt fiel mir auf, dass sie eine Schachtel Tampons an ihre Brust presste. Sie warf mir einen verzweifelten Blick zu, der ihren inneren Zwiespalt spiegelte. Dann wandte sie sich um und lief den Gang entlang, den sie gekommen war.

Ich hatte genug gehört. Blicklos starrte ich auf den Inhalt des Einkaufskorbes. „So wie immer“, hallten Evas Worte in meinem Kopf nach. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Schlag in die Magengrube bekommen. Bewusst zwang ich mich, einige Male tief ein und aus zu atmen, um die Übelkeit loszuwerden, die in mir hochkroch.

Wie in Trance stellte ich alles Stück für Stück in die Regale zurück, nur die Dose mit dem Rasierschaum blieb im Korb. Meine Füße fühlten sich schwer wie Blei an, als ich mich mit schleppenden Schritten zur Kassa bewegte. Ein Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, ließ mich so abrupt stehenbleiben, dass mich jemand anrempelte.

„Hey, pass doch auf“, brummte eine männliche Stimme, aber ich registrierte sie kaum.

‚Vielleicht tue ich Jessy unrecht? Könnte es sein, dass sie irgendeinen Kurs gebucht hat? Dass sie ein neues Hobby hat? Vielleicht will sie mich ja mit etwas überraschen?‘ Ich durchforstete mein Gedächtnis nach Begebenheiten oder Bemerkungen, die eine solche Schlussfolgerung rechtfertigen würden. Dann stieg Evas Gesicht wieder vor meinem inneren Auge auf und mir wurde bewusst, dass ich mich an einen Strohhalm klammerte. Ich kannte Eva beinahe genauso lange wie Jessy. Sie war eine ehrliche Haut und eine schlechte Lügnerin. Was man von meiner Freundin offenbar nicht behaupten konnte. Ich setzte mich wieder in Bewegung, um meinen Rasierschaum zu bezahlen.

Jessica wollte von ihrem Mädelsabend gegen zwanzig Uhr zurücksein und ich hatte geplant, sie mit einem Candle-Light-Dinner auf spanische Art zu überraschen. Etwas wie Trotz kam in mir hoch, als ich den kleinen Delikatessen-Laden betrat. Warum sollte ich darauf verzichten? Ich hatte die letzten Monate wirklich hart gearbeitet und mir eine Belohnung verdient.

Zwei Flaschen Rioja, schwarze Oliven mit Rosmarin, Ziegenkäsewürfelchen mit roten Paprikastücken in Olivenöl, hauchdünn geschnittener Serrano-Rohschinken ... Schon beim Aussuchen lief mir das Wasser im Mund zusammen und mein Magen knurrte verlangend. Das Stangenweißbrot war noch warm und duftete herrlich. Dabei wunderte ich mich selbst, dass mir die bittere Erkenntnis, dass Jessy mich betrog, nicht auf den Appetit schlug. Allerdings hatte ich mich mit Essen immer schon gerne getröstet, was mir während meiner Pubertät eine unerwünschte Körperfülle eingebracht hatte.

„Ist das alles?“, fragte mich die Verkäuferin freundlich und sah mich abwartend an. Unschlüssig ließ ich meinen Blick wandern. Er fiel auf gesalzene Mandeln und ich nahm auch davon noch ein Säckchen mit. Würziges Knabberzeug war meine Leidenschaft und Nüsse hatten wenigstens außer Kalorien auch noch Nährstoffe zu bieten.

Ich nahm die schwere Plastiktüte vorsichtshalber unter den Arm, als ich den Laden verließ. Es war nicht weit zu Jessicas Wohnung, trotzdem war ich erleichtert, als ich die Einkäufe abstellen konnte.

Ich verstaute die Lebensmittel im Kühlschrank, dann öffnete ich die erste Flasche. Der Rotwein lief mit leisem Gluckern ins Glas. Ich hob es an die Nase und schnupperte genießerisch, um das schwere, fruchtige Aroma bewusst wahrzunehmen. Den ersten Schluck behielt ich ein paar Sekunden im Mund, bis sich der Geschmack vollends verteilt hatte. Erst dann schluckte ich ihn und spürte ihm nach, bis er in meinem Magen ankam.

Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich noch zwei Stunden Zeit hatte, bis Jessy heimkam. Da ich mörderisch hungrig war, beschloss ich, mir einen ersten Imbiss zu gönnen.

Als ich mir im Badezimmer die Hände wusch, vernahm ich überrascht den Klingelton von Jessys Mobiltelefon. Ich folgte dem Klang und erhaschte gerade noch einen Blick auf den Namen des Anrufers, bevor das Display erlosch und das Handy wieder still auf der Ladenkommode lag, in der Jessy ihre Unterwäsche aufbewahrte.

Mit meinem Teller, gut bestückt mit leckeren Kostproben von allem, und dem vollen Weinglas setzte ich mich auf den Balkon. Ich befand mich im sechsten Stock eines modernen Neubaus und hatte einen guten Blick über die Dächer der Grazer Altstadt. Die Sonne schickte bereits schräge, gelbliche Strahlen, die den Schloßberg und mit ihm den mächtigen Uhrturm, das Wahrzeichen der Stadt, in goldenes Licht tauchten. Mit der richtigen Gesellschaft wäre die Stimmung romantisch gewesen. Stattdessen überfielen mich trübe Gedanken.

‚Eva hat sie also nicht vorwarnen können. Das eröffnet interessante Möglichkeiten.‘ Eine Art grimmiger Sarkasmus überkam mich, der im Gegensatz zu meinem sonst eher sonnigen Wesen stand. ‚Dann bin ich mal gespannt, wie sie sich verhält, wenn ich sie direkt konfrontiere.‘ Die Erkenntnis erschütterte mich, als mir klar wurde, dass ich Jessicas Reaktion überhaupt nicht einschätzen konnte. ‚Wir haben drei Jahre zusammen verbracht. Wie kann es sein, dass ich sie so wenig kenne? Dass ich überhaupt nichts gemerkt habe? Wie lange das wohl bereits geht? Ob sie auch schon früher fremdgegangen ist?‘ Ich versuchte, mich an Begebenheiten der letzten Zeit zu erinnern, die auf eine Affäre hindeuteten. Ihre neue Frisur fiel mir ein. Ihre schönen, kastanienbraunen Haare hatten schon über ihre Schulterblätter gereicht. Mich hatte fast der Schlag getroffen, als sie eines Tages mit einer neuen Frisur heimkam, bei der die längsten der fransig geschnittenen Haare nur noch bis zur Schulter reichten. Nach dem ersten Schock hatte ich zwar festgestellt, dass sie ihr sehr gut stand, aber sich die Haare abschneiden zu lassen, ohne mit mir darüber zu reden und tage- oder wochenlang zu überlegen, war absolut untypisch für Jessica. Der Verdacht war also naheliegend, dass ihr neuer Lover der Auslöser dafür gewesen war. Wie konnte es sein, dass jemand so schnell so großen Einfluss auf sie gewonnen hatte? Oder lief das schon viel länger, als ich mir vorstellen konnte? Bald würde ich Antworten bekommen. Der Duft des Essens bahnte sich verführerisch in mein Bewusstsein und kurzzeitig gelang es mir, meine quälenden Fragen beiseitezuschieben. Der Serrano-Schinken war erstklassig, nicht zu salzig und trotzdem würzig. Ich probierte zuerst nur Schinken und Brot, dann nahm ich eine Olive dazu. Die Geschmackskomposition ließ mich genussvoll aufseufzen. Ich liebte alles, was mit Spanien zusammenhing, seit ich mit meinen Eltern als Kind zum ersten Mal auf Menorca Urlaub gemacht hatte. Damals war die Kleinere der Balearen-Inseln noch ein relativ unerschlossener Geheimtipp. Wir hatten auf einer Finca gewohnt, die einem Freund meines Vaters gehörte. Das Steinhaus war einfach und nicht gerade luxuriös, aber für mich war es der perfekte Urlaub gewesen. Mit Pepe, dem gleichaltrigen Sohn unserer Gastgeber, hatte ich die Umgebung unsicher gemacht. Wir konnten uns anfangs nur mit Händen und Füßen verständigen, doch am Ende der drei Wochen, die wir auf der Insel verbrachten, konnte ich die notwendigsten Vokabeln und er ein paar Brocken Deutsch. Damals hatte sich der feste Vorsatz bei mir manifestiert, die Sprache richtig zu erlernen. In den letzten Jahren war mein Spanisch dann leider wieder etwas eingerostet. Ich überlegte, wie lange ich Pepe schon nicht mehr geschrieben hatte. Ich war mit meinen Eltern noch einige Male auf Menorca gewesen. Dann war Vaters Freund überraschend verstorben und Pepe zog mit seiner Mutter und den zwei jüngeren Schwestern zu den Großeltern aufs Festland nach Valencia. Auch in meiner Familie hatte es danach gravierende Veränderungen gegeben und im Nachhinein hatten sich diese Jahre als die glücklichsten meiner Kindheit herausgestellt. Pepe und ich hielten den Kontakt noch einige Zeit aufrecht, doch irgendwann verloren wir uns dann aus den Augen.

Einer spontanen Eingebung folgend holte ich meinen Laptop und schaltete ihn ein. Zuerst versuchte ich, bei Google etwas über José Gili herauszufinden. Es kamen einige Treffer, aber keine der Fotografien oder Texte ließen den Schluss zu, dass es sich um meinen Jugendfreund handeln könnte. Leider erinnerte ich mich nicht an seinen zweiten Familiennamen. Wie in Spanien üblich benutzte er ihn im Alltag kaum.

Ich loggte mich auf Facebook ein und suchte dort weiter. Das Symbol für eine eingegangene Nachricht zog meinen Blick auf sich und ich klickte darauf. Andy war ein alter Schulfreund, mit dem ich anschließend auch studiert hatte. Gesehen hatten wir uns schon eine ganze Weile nicht, aber auf der Social Media-Plattform hielten wir Kontakt.

„Hallo Mika!“, schrieb er mich an. „Hab schon lange nichts mehr von dir gehört. Was gibt’s Neues?“

„Hey Andy. Bin selten hier auf FB. Sitze ohnehin viel zu viel am PC.“

„Ja, wem sagst du das. Im Büro komm ich nicht rein und daheim macht mir Lizzy die Hölle heiß, wenn ich mich am Computer verschanze, statt mich um die Kids zu kümmern.“ Er entschärfte die Aussage mit einem breiten Grinse-Smiley. Noch bevor ich antworten konnte, kam die nächste Nachricht. Es war ein Baby-Foto, gefolgt von: „Ich finde, Nummer drei ist mir besonders gut gelungen!“, und drei Smileys mit Herzchenaugen. Ich grinste. Andy war zu unserer Schul- und Studienzeit ein ziemlich wilder Hund, der keine Gelegenheit ausließ, ein Mädchen in sein Bett zu bekommen. Lizzy hatte ihn gezähmt, und wie es schien, gefiel er sich in der Rolle des Ehemanns und Familienvaters. Einen Moment durchfuhr mich ein Stich, als mir einfiel, was der Anlass für diesen besonderen Abend hätte sein sollen. Nun, das war nun hinfällig. Eilig wandte ich mich gedanklich wieder meinem Freund zu.

„Also geht es euch gut?“, schrieb ich.

„Ich bekomme zwar zu wenig Schlaf, aber abgesehen davon läuft es.“ Seine Nachricht wurde vom ‚Daumen hoch‘-Emoticon bekräftigt. „Treffen wir uns mal wieder auf ein Bierchen?“

„Ja, gerne!“, schrieb ich zurück.

„Melde dich nächste Woche! Ich muss Schluss machen. Das Abendessen steht auf dem Tisch. Bis bald!“ Ohne meine Antwort abzuwarten, meldete sich Andreas ab. Ich klickte auf sein Profil und sah mir die Beiträge an: Andy gemeinsam mit seinem Schwiegervater beim Bau eines Spielhauses für die Kinder. Mit Frau und Kids beim Grillen im Garten. Seine Stirn war höher geworden und um die Mitte hatte er deutlich zugelegt, seit ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Was mir jedoch vor allem auffiel, war die unübersehbare Tatsache, dass er glücklich wirkte. Unbarmherzig kämpfte sich die Realität in mein Bewusstsein. Kurze Zeit war es mir gelungen, sie zu verdrängen, aber angesichts dieser Bilder stieg ein Cocktail aus Enttäuschung, Frustration und Wut in mir hoch. Ich wollte doch auch eine Familie, und zwar mit Jessica! Verdammt, das durfte einfach nicht wahr sein. Ich nahm einen großen Schluck von meinem Rotwein. Dann setzte ich das Glas noch einmal an und leerte es auf einen Zug. Wärme breitete sich von meinem Magen ausgehend aus, stieg mir in den Kopf und ich spürte, wie ich mich entspannte. Langsam scrollte ich auf Andys Seite nach unten und klickte bei fast allen Fotos auf die kleinen Däumchen. Eines erregte besonders meine Aufmerksamkeit. Es zeigte eine junge Frau vor schroffen Felsen, über die schäumend die Gischt des aufgewühlten, smaragdgrünen Meeres schlug. Sie trug Shorts und ein enganliegendes Top. Die dunklen, langen Haare flatterten im Wind. Ich klickte auf das Bild und vergrößerte es, bis ich das Gesicht besser sehen konnte. ‚Wow, das ist tatsächlich Moni! Ich hätte sie nicht wiedererkannt‘, dachte ich verblüfft. ‚Aber das ist sie eindeutig. Dieses Lächeln ...‘ Ich zuckte zusammen, als sich eine Hand auf meine Schulter legte. Ich war so vertieft gewesen, dass ich nicht hörte, dass Jessica heimgekommen war.

„Hier bist du also“, stellte sie fest und beugte sich über mich, um mir einen Kuss zu geben. Augenblicklich fiel mir unsere Misere wieder ein und mein Herz fing an, schneller zu schlagen. Ich versuchte, an meiner Freundin einen fremden Geruch wahrzunehmen, doch sie roch wie immer.

„Wer ist das?“, fragte sie, als sie die Großaufnahme der jungen Frau entdeckte. Ich verkleinerte es wieder auf Originalgröße und klickte mich auf die Seite meines Freundes zurück. „Andys kleine Schwester. Monika.“

„Ach, ich wusste gar nicht, dass er Geschwister hat.“

„Sie ist mit seinen Eltern vor ungefähr zehn Jahren ausgewandert. Also lange vor deiner Zeit.“

„Hattest du damals was mit ihr?“ Jessy blickte noch immer auf das Foto.

„Mit der Schwester meines Freundes? Außerdem ist sie sechs oder sieben Jahre jünger als ich.“ Ich sah zu ihr auf. „Bist du hungrig oder warst du mit Eva etwas Essen?“

„Ich hab einen Bärenhunger“, stellte sie fest. „Hast du schon gegessen?“

„Nur ein Häppchen vorab. Dann lass uns etwas herrichten. Heraußen wird es ohnehin schon zu kühl.“ Außerdem brauchten die Nachbarn nicht mitzuhören, was wir zu bereden hatten. Meine Hände zitterten, als ich den Laptop herunterfuhr und in seine Tasche steckte. Mir graute vor der Aussprache und ich überlegte einen klitzekleinen Moment, ob ich es nicht einfach dabei belassen wollte. Vielleicht würde sich ja alles von selbst einrenken, wenn ich ihr wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmete? Ich bedauerte, das Massageöl nicht doch gekauft zu haben. Doch dann verwarf ich den Gedanken. Mit diesem Wissen oder dem Verdacht konnte ich nicht einfach so weitermachen.

Bald darauf saßen wir einander gegenüber. „Das war eine tolle Idee von dir“, stellte Jessy anerkennend fest und hielt mir ihr Weinglas zum Anstoßen hin. „Gibt es etwas zu feiern?“

Zusammen mit dem Wein schluckte ich den Kloß hinunter, der in meiner Kehle drückte. Sollte ich ihr erzählen, was ich für sie gekauft und nun in der hintersten Ecke meiner Sockenschublade verstaut hatte? Wie würde sie darauf reagieren? Ich verwarf den Gedanken wieder, nickte aber trotzdem.

„Könnte man sagen. Durch den neuen Marketing-Vertrag, den wir diese Woche abgeschlossen haben, bin ich endlich so weit, wieder an mich und an uns zu denken. Ich wollte einfach einen schönen Abend mit dir verbringen und damit einen neuen Abschnitt beginnen.“

Sie lächelte. „Das ist schön!“ Ich versuchte, in ihrer Mimik zu lesen, was sie wirklich dachte. War es ihr lästig, dass sie nun vielleicht weniger Zeit für ihren Liebhaber hatte?

„Wie war der Film? Hat er euch gefallen?“

Sie senkte den Blick auf ihren Teller und ließ mir keine Möglichkeit, in ihre Augen zu sehen, als sie mir antwortete. „Ja, er war gut.“

„Und wo warst du wirklich?“

Sie erstarrte für einen Moment, bevor sie den Kopf hob. „Was meinst du?“

„Ich habe Eva im Drogeriemarkt getroffen, als ich Utensilien für einen romantischen Abend für uns beide kaufen wollte“, stieß ich hervor und war plötzlich angewidert von meiner Naivität, nicht früher gemerkt zu haben, dass ich an der Nase herumgeführt wurde. Dass Jessy nur verlegen da saß und auf ihrer Unterlippe knabberte, schürte meine Wut.

„Wer ist der Kerl, mit dem du dich triffst? Wie lange geht das schon?“

„Seit fast zwei Monaten. Und es ist kein Mann.“

Zuerst registrierte ich nur den ersten Teil. In meinen Ohren rauschte es. ‚So lange hat sie bereits eine Affäre und ich habe nichts gemerkt? Auf welchem Planeten lebe ich denn?‘ Dann sickerte der Rest ihrer Worte in mein Bewusstsein. „Was soll das heißen?“

Zum ersten Mal sah mich Jessy kurz an, bevor sie den Blick wieder senkte. Sie fuhr mit den Fingern die Rundung des Weinglases entlang. „Gina ist eine Arbeitskollegin. Es passierte auf der Geburtstagsparty meines Chefs.“

‚Zu der ich nicht mitkam, weil ich eine Präsentation vorzubereiten hatte. Verdammt!‘

„Ich hatte zu viele Cocktails und brauchte frische Luft. Sie ging mit mir nach draußen ... Es tut mir leid, Michi!“ Sie sah mich an und in ihren Augen schwammen Tränen. „Ich hatte das nicht geplant. Es ist einfach passiert.“

„Willst du mir allen Ernstes einreden, dass du plötzlich lesbisch bist?“ Ich konnte nicht anders, als sie einfach nur anzustarren. „Dass du mir im Bett immer etwas vorgespielt hast?“

Sie schüttelte heftig den Kopf. „Nein, niemals! Nicht ein einziges Mal! Ich habe diesen Teil von mir bisher immer verdrängt, aber jetzt kann ich das nicht mehr.“

„Wie soll das weitergehen? Willst du dich von mir trennen und mit dieser Gina zusammenleben?“ Ich fuhr mir mit allen zehn Fingern durch die Haare. „Wir wollten doch Kinder ... Verdammt, Jessy, ich hatte vor, dich dieses Wochenende zu fragen, ob du mich heiraten willst!“ So, nun war es heraußen. Wir starrten uns an. Tränen liefen ihr über die geröteten Wangen, doch sie schien es nicht zu bemerken. Als sie anfing zu sprechen, war ihre Stimme so leise und brüchig, dass ich sie kaum verstand.

„Die letzten beiden Jahre, seit du dein Unternehmen gegründet hast, war ich so viel alleine, Michi. Ich hatte das Gefühl, ich existiere für dich nur noch als Randfigur. Es hat mir nicht gefallen, aber ich habe es verstanden. Ich hatte nie vor, fremd zu gehen. Du musst wissen, dass ich nicht so bin! Das weißt du doch, oder?“ Sie sah mich mit einem gequälten Ausdruck an. Fast widerwillig nickte ich. Es wäre unfair gewesen, ihr die ganze Schuld an der Situation zu geben. „Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Ich ... Ich glaube, ich hab mich in Gina verliebt. Aber dich liebe ich auch!“ Jessy brach in Tränen aus. Es überraschte mich selbst, wie stark der Impuls war, sie tröstend an mich zu ziehen. Dann kam mir zu Bewusstsein, dass sie noch vorhin in Ginas Armen gelegen war. Und Dinge mit ihr gemacht hatte, die ich nur aus Pornos kannte. Ich schämte mich vor mir selbst, als sich mein Penis regte. ‚Ich finde die Vorstellung geil, dass meine Freundin mit einer Frau Sex hat! Himmel, bin ich jetzt pervers, oder was?‘ Doch die Empfindungen waren da und ich beschloss spontan, das Beste daraus zu machen. Versöhnungssex stand doch in dem Ruf, besonders intensiv zu sein. Vielleicht konnte ich sie sogar davon überzeugen, dass ein steifer Schwanz und ein einfühlsamer Mann doch nicht so leicht zu ersetzen waren?

3. Kapitel

Jessica

Nun war genau das eingetroffen, vor dem ich mich gefürchtet hatte. Ich fühlte mich schrecklich. Michi war der Mann meines Lebens, meine große Liebe. Ihn zu verletzen war das Letzte, was ich wollte. Trotzdem war es passiert. Als ich mich mit Gina eingelassen hatte, war ich nicht nüchtern gewesen. Doch darauf konnte ich mich nicht ausreden, nicht einmal vor mir selbst. Ich hatte gewusst, dass ich mit dem Feuer spielte, aber die Versuchung war zu groß gewesen. Ich hatte mich schon lange zu meiner Kollegin hingezogen gefühlt und in diesem Moment der Schwäche wollte ich es wissen. Ich war zu neugierig, was es damit auf sich hatte, dass ich Frauen so aufregend fand. Dass weibliche Rundungen meine Blicke anzogen wie Magnete und meine Fantasien auf verbotene Art und Weise anregten. Ich hatte die Büchse der Pandora geöffnet, den Zauberbesen aus der Ecke geholt, und konnte es nicht mehr rückgängig machen, selbst wenn ich es gewollt hätte.

Es war unfair, Michi nun auch noch etwas vorzuheulen, aber ich konnte nicht anders. Ich fühlte mich schuldig. Er hatte enorm viel Energie und Zeit in den Aufbau seines Unternehmens gesteckt und ich bewunderte ihn für seine Zielstrebigkeit. Er war der Mann, mit dem ich mir eine Familie gewünscht hatte, doch nun hatte ich alles kaputt gemacht. Trotzdem war mir gleichzeitig bewusst, dass ich das, was ich mit Gina erlebte, niemals bereuen würde. Durch sie hatte ich einen Teil von mir selbst kennengelernt, der immer nur im Verborgenen existiert hatte. Ihn auszuleben, machte mich ganz und vollständig.

Ich hatte die Hände über mein Gesicht gelegt und gar nicht bemerkt, dass Michael aufgestanden war. Ich registrierte seine Nähe erst, als er mich sanft zu sich hochzog und einen Arm eng um mich legte. Mit dem Daumen der anderen Hand wischte er die Tränen von meinen Wangen.

„Ich glaube dir, dass du unbeabsichtigt da hineingerutscht bist und habe keine Ahnung, wie es weitergehen wird. Vielleicht bekommen wir es irgendwie hin und finden eine Lösung, aber jetzt ...“ Er senkte den Kopf und legte seine Lippen zärtlich auf meine. Im ersten Moment konnte ich kaum glauben, dass er mir tatsächlich nahe sein wollte, aber die Botschaft, die sein Körper aussandte, war unmissverständlich. Meine Emotionen fuhren Achterbahn. Schuldgefühle, Liebe und Erleichterung vermischten sich zu einem erregenden Cocktail. Obwohl ich den Abend mit Gina wie üblich hauptsächlich im Bett verbracht hatte, ließen seine Küsse, die nun fordernd und besitzergreifend wurden, das Verlangen heiß durch meine Adern strömen. Es sammelte sich an der verborgenen Stelle, die pochend nach seiner Aufmerksamkeit verlangte. Ich schmiegte mich noch enger an den harten, männlichen Körper. Michaels feste Muskeln bewegten sich unter meinen Handflächen, als ich die Hände unter sein Shirt schob. Ein Schauer der Erregung lief mir über den Rücken, während sein Daumen über meine empfindlichen Nippel strich. Gina hatte ziemlich heftig damit gespielt. Entsprechend intensiv reagierten sie. Ich stöhnte in Michis Mund und rieb mich fest an seinem Schenkel. Die Beule in seiner Hose drückte hart gegen meinen Bauch. Er wollte mich. Trotz allem. Seine Küsse waren liebevoll und gierig zugleich, wie ich es von ihm kannte. Ein Glücksgefühl stieg in mir auf und nahm mir den Atem. Verdammt, er war mein Traummann! Wie konnte ich nur so dumm sein, das aufs Spiel zu setzen? Beinahe hätte ich wieder angefangen zu weinen, doch die Lust, die er in mir entfachte, war stärker. Mit beiden Händen strich ich ihm über den Rücken und genoss die straffe, glatte Haut, die sich über seinen Muskeln spannte.

Ich öffnete Michaels Hose und streifte sie ihm über die Hüften. Sein Penis sprang mir hart, heiß und prall entgegen. Mit beiden Händen umfasste ich ihn. Michis tiefes, raues Stöhnen durchrieselte mich und ließ meine Muschi erwartungsvoll zucken.

Er drängte mich zur Couch. Ich drehte mich in seiner Umarmung um und drückte meinen Hintern gegen seinen harten Penis.

Ich war noch immer vollständig bekleidet und das war eindeutig zu viel. Während er aus seiner Hose stieg, streifte ich den Slip ab. In dem Moment, wo ich den Rock hochschlug und ihm meinen nackten Po präsentierte, gab es kein Halten mehr. Schon fühlte ich die Eichel an meinem Eingang. Michael strich damit ein paarmal auf und ab, um sie mit den reichlich fließenden Säften zu benetzen, dann rammte er sich mit einem einzigen Stoß tief in mich hinein. Ich schrie auf und klammerte mich mit beiden Händen an der Rückenlehne des Sofas fest. Die starken Männerarme umschlangen mich und ließen mir keinen Spielraum mehr. Eine große Hand umfing meine Brust und drückte sie genussvoll. Zielsicher fanden Daumen und Zeigefinger meinen Nippel und kniffen ihn. Michis lange Finger legten sich zärtlich über meinen Venushügel. Die Berührung seiner Fingerspitze am richtigen Punkt ließ mich beinahe in die Knie gehen. Tiefe, harte, schnelle Stöße. Heißer Atem in meinem Nacken. Ein zarter Biss. Die Erregung breitete sich aus wie ein Buschfeuer, schlug über mir zusammen und ließ mich meine Lust herausschreien. Gleich darauf ergoss sich Michael zuckend und stöhnend tief in mir. Er zitterte und sein Atem strich schnell und heiß über meine Wange. In der Leere in meinem Kopf breitete sich ein einziger Gedanke aus: ‚Ich will ihn nicht verlieren.‘

Michael war im Bad und die elektrische Zahnbürste brummte. Rasch griff ich nach meinem Handy, das ich in der Eile auf der Kommode vergessen hatte. Die zahlreichen Anrufe und Nachrichten von Eva erfüllten mich mit Unbehagen und Scham. Ich musste mich unbedingt bei ihr entschuldigen, weil ich sie in eine unmögliche Lage gebracht hatte. Sie als Alibi zu missbrauchen, war schäbig gewesen. Doch das musste warten. Ich rief Ginas Nummer auf, die ich unter ihrem Familiennamen Zauner abgespeichert hatte und schrieb ihr eine Nachricht: „Michael weiß es.“

„Und? Wie hat er reagiert? Du weißt, dass du jederzeit zu mir kommen kannst!“ Ein Kuss-Smiley und ein rotes Herz folgten.

‚Was soll ich ihr schreiben? Dass wir gerade höllisch guten Sex gehabt haben, bestimmt nicht‘, überlegte ich. Die Zahnbürste verstummte. „Nicht so schlecht. Gute Nacht“, antwortete ich eilig und fügte einen Kuss-Smiley an. Dann schaltete ich das Telefon aus und legte es auf mein Nachtkästchen.

Als ich aus dem Bad kam, schlief Michael schon beinahe. Selbst in dem Dämmerzustand, in dem er sich befand, griff er herüber und streichelte meinen Arm. Ich lag noch eine Weile wach und überlegte, wie ich aus der Lage, in die ich mich hinein manövriert hatte, wieder herauskommen konnte. Und das, ohne die beiden Menschen, die ich liebte, noch mehr zu verletzen. Es erschien mir im Moment eine schier unlösbare Aufgabe zu sein und erschöpft vom Grübeln schlief ich doch irgendwann ein.

Am Montagabend saß ich Eva in unserem Lieblingscafé gegenüber. Ich war sehr erleichtert, dass sie meine Entschuldigung angenommen hatte. „Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll! Ach Eva, was soll ich bloß machen?“

Bedächtig nahm sie einen Schluck von ihrem heißen Kaffee. Ein bisschen schien es mir, als wollte sie Zeit gewinnen, um sich eine Antwort zu überlegen.

„Zunächst finde ich es gut, dass das Versteckspiel zu Ende ist. Das passt so gar nicht zu dir.“

Ich nickte zustimmend.

„Über kurz oder lang wirst du dich entscheiden müssen. Es sei denn, einer der beiden kommt dir zuvor.“

Wieder musste ich ihr recht geben. Die Situation behagte mir gar nicht und ich vermutete, dass es besonders für Michael noch viel schlimmer war. Wir hatten am Sonntag das Thema vermieden und so getan, als ob Gina nicht existierte. Doch das war keine Lösung. Sie hatte mich heute in der Mittagspause gefragt, wann ich wieder zu ihr kommen würde und ich hatte keine Antwort darauf. Michael weiter anzulügen war keine Option mehr. Wir würden einen Modus finden müssen, das wurde mir nun klar.

„Stell dir vor, er ist am Samstag noch mal in den Drogeriemarkt gefahren und hat das Massageöl und die Teelichter gekauft, mit denen er mich überraschen wollte. Wusstest du, dass er vor hatte, mir an diesem Wochenende einen Heiratsantrag zu machen?“

„Echt? Nein, natürlich nicht. Mensch, Jessy, du bist wirklich ein ... Schaf.“ Ich ahnte, dass sie ursprünglich einen schärferen Ausdruck benutzen wollte. Angesichts der Tränen, die mir in den Augen standen, hatte sie darauf verzichtet.

„Er hat mir den Ring gezeigt. Allerdings gibt er ihn heute zurück, hat er gesagt.“ Ich schniefte und ließ mir von meiner Freundin ein Taschentuch geben. „Es ist ein Scheißgefühl, dass ich ihn eigentlich gar nicht verdiene.“

„Das kannst du laut sagen“, meinte Eva trocken. „Michi ist ein absoluter Traumtyp und du ... Was hat diese Gina nur an sich, dass sie dir so den Kopf verdreht?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich kann es dir nicht beschreiben. Das wäre, als ob du jemandem, der Schokolade nicht kennt, erzählen sollst, wie sie schmeckt und wie es sich anfühlt, sie im Mund schmelzen zu lassen. Wahrscheinlich wäre es niemals so weit gekommen, wenn Michael nicht ständig seine Firma im Kopf gehabt hätte.“

Eva machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das ist kein Grund und das weißt du genau. Ich hab es dir schon einmal gesagt: Ich finde es falsch von deiner Kollegin, dass sie sich an dich herangemacht hat, obwohl sie wusste, dass du vergeben bist.“

„Sie sagt, es sei unheimlich schwierig, als Lesbe eine passende Partnerin zu finden. Sie hat sofort gespürt, dass da etwas zwischen uns ist.“

„Ach komm, für uns Heteros ist es auch nicht leicht. Du weißt, wie sehr ich auf Chris, meinen Kollegen aus der Buchhaltung, stehe. Wenn der Single wäre, bräuchte er nur mit den Fingern zu schnippen und ich spränge mit Anlauf in sein Bett. Aber er ist verheiratet und damit tabu. Das hat was mit Charakter zu tun.“ Sie sah mich kämpferisch an.

Ich seufzte. „Aus deinem Mund klingt das ganz einfach. Aber es ist nicht immer alles nur schwarz und weiß. Ein anderer Mann hätte bei mir keine Chance gehabt.“ Zu meiner Überraschung nickte Eva.

„Ich weiß ja, dass du eigentlich nicht so bist. Sonst wären wir keine Freundinnen. Ich denke, du solltest dir zu allererst darüber klar werden, was du selbst willst.“

Ich senkte den Kopf. „Das weiß ich längst, aber das spielt es vermutlich nicht.“ Gedankenverloren streifte ich über mein eiskaltes Glas, in dem das Vanilleeis langsam schmolz und sich mit dem Kaffee vermischte. Dann begegnete ich Evas fragendem Blick und klärte sie auf: „Am liebsten würde ich es so belassen, wie es ist. Ich liebe jeden auf eine andere Art und habe das Gefühl, nur so bin ich wirklich komplett.“ Ich zuckte ratlos mit den Schultern. „Aber ich denke, jeder möchte mich für sich alleine haben.“

„Verständlich. Stell dir vor, Michi käme plötzlich darauf, dass er bi ist, und träfe sich parallel mit einem Mann.“

Ich musste lachen, so widersinnig erschien mir die Vorstellung, Michael könnte sich in einen Mann verlieben. „Okay, das wäre für mich auch keine Option.“

„Siehst du! Du mutest ihm ohnehin ziemlich viel zu, meinst du nicht auch?

„Ja, das schon“, gab ich kleinlaut zu. „Er hätte mich ebenso gut rauswerfen können.“

Meine Freundin sah mich scharf an. „Wäre dir das lieber gewesen?“

„Nein, auf keinen Fall. Aber ich hätte es verstanden.“

Eva legte ihre Hand auf meine. „Hör auf dein Herz, Jessy.“ Sie sah mich eindringlich an. „Dein Herz und dein Bauch wissen viel besser, was gut für dich ist als dein Kopf.“

In der Verwirrung, in der ich mich befand, war das jedoch auch nicht besonders hilfreich. Ich konnte nur hoffen, dass sich das Chaos irgendwie von selbst lösen würde.

4. Kapitel

Michael

Zwei Wochen waren vergangen, seit ich von Jessicas Affäre erfahren hatte. Sie hatte mich um Zeit gebeten, um sich über ihre Gefühle klar zu werden. Seither traf sie sich offen mit Gina. Wir sprachen nicht darüber, aber ich kämpfte gewaltig mit sehr gemischten Gefühlen. Einerseits war ich erleichtert, dass sie mich nicht mehr belog. Andererseits merkte ich, wie es an mir fraß. Immer wieder fragte ich mich, was ihr diese Frau geben konnte und ich nicht. Ich nahm mir bewusst so viel Zeit wie möglich für sie und wir unternahmen wieder mehr miteinander. Wir bemühten uns um einen fröhlichen, unbeschwerten Umgang und wussten doch beide, dass das nicht echt war.

Es war Samstagabend und wir saßen in unserer Lieblingspizzeria. Jessicas Handy kündigte das Eintreffen einer Nachricht an und mein Magen zog sich zu einem Klumpen zusammen. An ihrem Gesichtsausdruck war unschwer zu erraten, von wem sie kam. Ein liebevolles, erfreutes Lächeln huschte über ihr Gesicht und ich verspürte einen schmerzhaften Stich. Als sie ihre Antwort tippte, hätte ich die Pizza am liebsten stehen gelassen und wäre aus dem Lokal gelaufen. In diesem Moment wurde mir etwas klar.

Nachdem sie das Telefon wieder aus der Hand gelegt hatte, und nach Messer und Gabel griff, sagte ich entschlossen: „So geht das nicht weiter, Jessy. Du wirst dich entscheiden müssen.“

Sie erschrak sichtlich und ich fragte mich zu spät, ob es klug gewesen war, das Gespräch so zu beginnen. Bei geschäftlichen Verhandlungen für eine Marketingkampagne war ich definitiv geschickter. Krampfhaft suchte ich nach den richtigen Worten. „Ich will dich nicht unter Druck setzen, aber diese Situation macht mich echt fertig. Ich habe das Gefühl, du bist immer nur zur Hälfte bei mir.“

Sie verzog das Gesicht zu einem gequälten Lächeln. „Gina sagt das Gleiche. Wie schön, dass ihr euch einig seid.“ Sie legte das Besteck wieder weg und sah mich an. „Ich hätte einen Vorschlag. Die perfekte Lösung für uns alle!“ Ich wunderte mich, wo dieses strahlende Lächeln plötzlich herkam. Es erinnerte mich an meinen Geschäftspartner, wenn er versuchte, einen unentschlossenen Kunden zu überzeugen. Ich wappnete mich innerlich und sah sie aufmunternd an.

„Lass hören!“

„Wir könnten doch zu dritt zusammenziehen. So eine Art Wohngemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Zwei Frauen würden dich bekochen und unsere Kinder hätten eine weitere Bezugsperson!“ Ich zog die Augenbrauen zusammen und hatte das Bedürfnis, den Kopf zu schütteln wie ein nasser Hund, um diesen aberwitzigen Gedanken loszuwerden.

„Das ist jetzt ein Scherz, oder? Wie kommst du auf diese Idee?“

„Das wäre doch perfekt!“, wiederholte Jessy. „Lass es dir erst einmal in Ruhe durch den Kopf gehen! Zu dritt könnten wir uns eine größere Wohnung leisten, oder sogar ein Haus mit Garten. Gina und ich würden uns mit der Kinderbetreuung abwechseln. Das wäre doch extrem praktisch ...“

„Wow, wow, wow!“ Ich hob die Hand, um ihren Redefluss zu stoppen. „Warum hast du es plötzlich so eilig mit Kindern? Du wolltest doch damit noch ein paar Jahre warten.“

„Ja, das stimmt. Aber wer weiß, ob es dann mit Babys überhaupt noch klappen würde. Ich bin doch schon fast dreißig!“

Mein Bauchgefühl schlug Alarm. Irgendetwas war in letzter Zeit mit meiner Freundin passiert. Sie wirkte geradezu fanatisch und das passte überhaupt nicht zu ihr. Mir wurde heiß und kalt bei dem Gedanken, dass ich mich darauf verließ, dass sie die Pille nahm. Ich beschloss, schonungslos ehrlich mit ihr zu sein.

„Ich habe nicht die Absicht, in dieser konfusen Beziehungssituation ein Kind zu zeugen, und würde dir nicht raten, hier was zu drehen! Leider verstehe ich nicht, was mit dir los ist, Jessica. Du veränderst dich gerade auf eine Weise, die mir nicht gefällt. Wenn das so weitergeht, sehe ich für uns keine gemeinsame Zukunft.“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich versuche doch nur, euch beiden gerecht zu werden.“

Ich schüttelte den Kopf. „Das funktioniert aber nicht. Wenn du dich verbiegen musst, läuft etwas falsch. Kann es sein, dass diese Idee mit dem Kind gar nicht von dir ist?“

„Doch, aber ich dachte, Gina könnte uns unterstützen, als eine Art Tante. Ich habe mit ihr noch gar nicht darüber geredet.“

Mir wurde klar, dass Jessy krampfhaft versuchte, einen Konsens zu finden. Anscheinend setzte Gina sie ebenfalls unter Druck, sich zu entscheiden, aber natürlich für sie. Ich musste etwas unternehmen, sonst würde nicht nur unsere Beziehung daran zerbrechen, sondern auch meine sensible Freundin, die es immer allen recht machen wollte. Ich beugte mich näher zu ihr und legte meine Hand beruhigend auf ihre. Sie zitterte.

„Was hältst du davon, wenn wir uns eine Woche Urlaub gönnen und versuchen, einander wieder näher zu kommen? Nur du und ich, keine Handys, kein Internet.“

Sie sah mich erstaunt an, dann lächelte sie etwas sarkastisch. „Du ohne Telekommunikation? Denkst du, die Agentur überlebt ohne dich?“

„Für dich würde ich das riskieren!“ Ich sah ihr tief in die rotgeränderten Augen. „Ich liebe dich!“ Und ich hatte das beängstigende Gefühl, sie entglitt mir zunehmend.

„Ich dich auch! Deshalb werde ich gleich morgen anfragen, wann ich Urlaub nehmen kann.“ Sie legte ihre kalten Finger auf meinen Handrücken. „Das ist eine wirklich gute Idee! Wir müssen eine Lösung für uns finden“, sagte sie beschwörend. „Ich will dich nicht verlieren!“

„Das werden wir“, erwiderte ich zuversichtlicher, als ich mich fühlte. „Und jetzt lass uns fertig essen und hier verschwinden.“

Später am Abend hatten wir beide unsere Laptops vor uns. Ich lag auf der Couch, Jessica saß am Esstisch. Unser Gespräch ging mir nicht aus dem Kopf. Ich war verwirrt und hatte das dringende Bedürfnis, mit jemandem zu reden. Ich hatte mich gerade bei Facebook eingeloggt, als eine Nachricht von Andy aufblinkte.

„Hey, wie geht´s? Hast du nichts Besseres zu tun, als dich hier herumzutreiben?“

„Nein, du ja offenbar auch nicht. Alles okay bei dir?“

Er schickte mir einen hochgestreckten Daumen als Antwort. „Was gibt es bei dir Neues?“

Ich beschloss, seinen Kontakt als Wink des Schicksals zu sehen, mich mitzuteilen. Andy war mein ältester Freund und wir hatten schon so einiges gemeinsam durchgestanden.

„Ich habe vor Kurzem festgestellt, dass Jessica bi und in eine Frau verliebt ist.“

Seine Antwort ließ mich grinsen. „Holla, die Waldfee! Darfst du zusehen?“

„Nein, du Idiot! Denkst du immer noch nur an das Eine?“

„Deshalb hab ich drei Kinder.“ Zwei breit grinsende Smileys folgten.

„Ich kann damit irgendwie überhaupt nicht umgehen. Sie entgleitet mir und das ist echt ätzend. Um ein Haar hätte ich ihr einen Heiratsantrag gemacht!“

„Oh, so ernst ist es dir mit ihr? Das wusste ich gar nicht.“

Ein wenig packte mich das schlechte Gewissen, weil ich unseren Kontakt so hatte schleifen lassen. Auch zu dem gemeinsamen Bier war es letztendlich nicht gekommen, weil ich meine Freizeit ganz Jessica widmete. Glücklicherweise war Andy ein total unkomplizierter Typ und nahm mir das nicht übel. Gerade jetzt war ich darüber sehr froh.

„Sie will, dass wir mit ihrer Freundin zusammenziehen und schnell Kinder bekommen, obwohl wir uns einig waren, dass wir damit noch warten wollen. Stell dir das vor! Ich hab das Gefühl, sie ist total realitätsfremd geworden.“

„Kennst du die Frau?“

„Wir haben uns einmal zu dritt getroffen, aber ehrlich gesagt, ist sie mir unsympathisch.“

Ein Zwinker-Smiley erschien, dann kam seine Antwort. „Warum wundert mich das jetzt nicht?“

„Obwohl sie ausgesprochen hübsch ist“, setzte ich hinzu. Wenigstens da konnte ich Jessicas Beweggründe verstehen.

Ein, zwei Minuten kam nichts von ihm. Ich ging auf seine Seite, um die neuesten Beiträge zu liken. Vor zwei Tagen hatte er den Post eines Finca-Hotels auf Mallorca geteilt. Neugierig klickte ich auf den Link zur Webseite und sah mir die Bilder an. Dann kam wieder eine Nachricht.

„Was hast du vor? Denkst du, Jessy wird das von sich aus wieder beenden?“

Ich sah zu ihr hinüber. Sie hielt ihr Telefon in der Hand und tippte konzentriert.

„Keine Ahnung.“ Dann setzte ich hinzu: „Eher nicht, würde ich sagen. Sie wirkt, als hätte sie eine Gehirnwäsche bekommen.“

„Scheiße!“, antwortete Andy.

„Ich möchte mit ihr ein paar Tage wegfahren.“

Mit einem Daumen-hoch-Symbol stimmte er mir zu. „Weißt du schon, wohin? Vielleicht hätten meine Eltern noch was frei.“

„Ich hab den Beitrag gesehen. Sieht nett aus. Ruhig und gemütlich. Genau, was wir jetzt brauchen. Schöne Seite übrigens.“

„Hat Moni gemacht. Ach nein, sie nennt sich ja jetzt Mona. Erinnerst du dich an meine Schwester?“

„Klar. Sie hing an uns wie eine Klette.“

„Ja, war hart für sie, dass ich nicht mitgekommen bin auf die Insel. Sie würde sich bestimmt freuen, dich wiederzusehen.“

Ich schmunzelte. Die junge Frau auf dem Facebook-Profil hatte wenig Ähnlichkeit mit dem ausgeflippten Teenie mit den bunten Haaren und den löcherigen Jeans von damals. „Sobald wir einen Termin gefunden haben, frage ich an“, schrieb ich zurück.

„Mach das! Wie läuft es mit deiner Firma?“

„Ganz gut. Ich arbeite jetzt weniger, um Zeit für Jessy zu haben. Aber immer noch mehr als Kevin.“

„Ich verstehe bis heute nicht, warum du das ausgerechnet mit ihm aufziehst. Der hat doch schon in der Schule immer nur von uns abgeschrieben.“

„Du wolltest ja nicht.“

„Stimmt. Die Selbstständigkeit ist nichts für mich.“ Andy war nie besonders risikofreudig gewesen und bevorzugte die relative Sicherheit eines fixen Gehalts.

„Kevin ist ein geschickter Verhandler“, verteidigte ich meinen Geschäftspartner. Er konnte skrupellos und sehr überzeugend sein, während ich mich immer bemühte, auf mein Gegenüber einzugehen.

Eine Reihe unzusammenhängender Buchstaben erschien im Chat-Fenster. Der nächste Satz war wieder leserlich. „Das war ein Gruß von Laura. Sie ist der Meinung, ihr Papa sitzt schon viel zu lange am PC, statt sie mit einer Gute-Nacht-Geschichte ins Bett zu stecken.“

„Okay, viel Spaß. Und grüße Lizzy von mir!“

Es erschien noch ein hochgereckter Daumen, dann war mein Freund offline.

5. Kapitel

Jessica

„Guten Morgen, Patrick, kann ich bitte kurz mit dir reden?“ Ich fing meinen Abteilungsleiter auf dem Gang ab.

„Ja klar, komm gleich mit in mein Büro.“ Er schloss die Tür hinter uns und bot mir mit einer Handbewegung den Stuhl vor seinem Schreibtisch an. Er selbst ließ sich auf dem Chefsessel dahinter nieder. „Was gibt´s?“

„Ich würde bitte gerne kurzfristig Urlaub nehmen. Wenn es geht, von Donnerstag bis Donnerstag nächster Woche.“ Michi hatte vorgeschlagen, nach Mallorca zu fliegen und ein Zimmer in einem ruhigen, kleinen Landhotel zu buchen. Wir hatten herausgefunden, dass in diesem Zeitfenster die Flüge ab Graz am günstigsten waren.

„Kein Problem. Du solltest ohnehin endlich deine Gutstunden abbauen. Für den Rest nimmst du Urlaubstage. Nicole und Bernadette sollen dich vertreten. Hier, fülle gleich einen Urlaubsantrag aus.“

Er schob mir das A5-Formular und einen Kugelschreiber über den Tisch. Ich füllte die Daten aus, er setzte seine Unterschrift darunter und legte den gelben Zettel in eine Registermappe mit der Aufschrift ‚Personal‘. „Sonst noch etwas?“ Er sah mich mit einem freundlichen Lächeln an.

„Nein, das war es schon. Danke!“ Erleichtert lief ich zu meinem Büro, das ich mit den beiden Kolleginnen teilte. Sofort schickte ich Michi eine Nachricht, dass er die Flüge und die Unterkunft buchen konnte.

„Da könnte man ja direkt neidisch werden“, stellte Bernadette fest. „Aber du wirst uns Fotos schicken, dann können wir ein bisschen mitleben.“

„Bist du da am Ballermann?“ Nicole rümpfte ein wenig verächtlich die Nase. Sie war erst vor zwei Wochen aus Phuket zurückgekommen und hatte uns in höchsten Tönen von Thailand vorgeschwärmt.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, wir sind auf der anderen Seite der Insel. Schaut mal her, ich zeige euch die Webseite des Hotels.“

Meine Kolleginnen staunten. „Das sieht toll aus. Mit Mallorca hab ich sonst immer nur Sauftourismus und Sandstrände mit Sardinendosen-Charme verbunden“, stellte Nicole nachdenklich fest. „Bin gespannt, ob die Realität hält, was die Homepage verspricht.“

„Ich werde euch mit Bildmaterial versorgen“, versprach ich gut gelaunt. Der einzige Wermutstropfen war nur noch, dass ich nicht wusste, wie Gina darauf reagieren würde.

Wir trafen uns in der Mittagspause bei dem großen Springbrunnen auf dem belebten Platz, der den Namen ‚Am Eisernen Tor‘ trug, obwohl weit und breit kein Tor zu sehen war. Gina hatte sich ein Tüteneis gekauft und leckte daran, während ich meinen Hunger mit einem Hot Dog stillte.

„Ich hab gesehen, dass du Urlaub beantragt hast. Finde ich sehr gut“, lobte sie mich. „Du siehst müde aus in letzter Zeit.“

Ich fragte mich, ob ihr bewusst war, wie sehr der komplizierte Beziehungsstatus an meinen Nerven zerrte. Ständig versuchte ich, es meinen beiden Liebsten recht zu machen, und hatte zunehmend das Gefühl, dabei unter die Räder zu kommen.

„Ja, das stimmt. Ich fliege eine Woche nach Mallorca. Sonne, Strand und Palmen werden mir guttun!“

Für einen Moment verengten sich Ginas Augen. „Alleine?“

„Nein, mit Michael. Wir hatten seit zwei Jahren keinen Urlaub mehr und freuen uns sehr darauf!“ Es gelang mir, meine Stimme fest und unbeschwert klingen zu lassen, auch wenn ich mich vor Ginas Unmut fürchtete. In letzter Zeit reagierte sie zunehmend eifersüchtig. Ich hatte fast den Eindruck, als ob sie damit gerechnet hatte, dass Michi mich hinauswerfen würde, sobald er von meinem Doppelleben erfuhr.

Es erleichterte mich, dass sie nur einen zustimmenden Laut von sich gab und sich dem schmelzenden Eis widmete, das an ihren Fingern herunter lief. Sie leckte mit spitzer Zunge das süße Rinnsal auf und sah mir dabei herausfordernd in die Augen.

„Schmeckt fast so süß wie du“, raunte sie mir leise zu, damit die auf der nächsten Bank Sitzenden es nicht verstehen konnten. „Sehen wir uns heute Abend?“

Ich überlegte rasch. Michi hatte angekündigt, dass er am Abend länger arbeiten wollte, also war die Gelegenheit für ein Treffen günstig.

„Super!“ Sie strahlte mich an, als ich nickte. „Dann machen wir uns eine Erdbeerbowle - für danach!“ Sie zwinkerte mir zu.

„Jetzt, wo Michael Bescheid weiß, könnten wir doch auch einmal etwas unternehmen“, schlug ich vor. „Ich würde total gerne diese Ausstellung in der Neuen Galerie ansehen.“ Erst jetzt fiel mir auf, dass wir das als ganz normale Freundinnen auch schon früher hätten machen können. Händchenhalten und Schmusen in der Öffentlichkeit kam für mich ohnehin nicht infrage. Vor ein paar Wochen hätte ich Eva gefragt. Leider hatte ich für sie kaum noch Zeit, so sehr forderten Michi und vor allem Gina meine Aufmerksamkeit.

Es überraschte mich nicht, dass sie ablehnend reagierte. „Das könnten wir machen, wenn wir zusammenleben würden. Aber so ...“ Sie strich mit ihren etwas klebrigen Fingern über meinen Arm und sah mir tief in die Augen. „So müssen wir die wenige Zeit nutzen. Ich freue mich schon seit Tagen darauf, dich zu spüren.“

Beinahe hatte ich so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Michael hatte mich erst am Vorabend wieder wundervoll verwöhnt. Seine Massagen wurden von Mal zu Mal besser. Wenn er am Ende bei meinen Füßen anlangte, war ich so entspannt und erregt zugleich, das wir fantastischen, innigen Sex hatten. Anscheinend spiegelten meine Gesichtszüge meine Gedanken wider, denn Ginas Lippen wurden schmal. „Er hat dich gevögelt, oder?“

„Er ist mein Freund! Was erwartest du?“, reagierte ich ungewohnt heftig. Langsam lagen meine Nerven blank. Ich hatte es satt, mich ständig rechtfertigen zu müssen. „Michael hat das gleiche Recht auf mich wie du!“ Meine Stimme war lauter geworden und ich verstummte erschrocken.

„Ja, du hast recht, entschuldige bitte.“ Meine hübsche blonde Freundin lächelte versöhnlich. „Ich bin eifersüchtig, weil ich dich liebe. Das ist doch ganz normal, oder?“

Vermutlich war es das, aber es nervte mich zunehmend. Ich stopfte mir den Rest meines Hot Dogs in den Mund. Eine Taube trippelte zu unseren Füßen herum und wartete bereits auf die Krümel, die ich von meiner Bluse strich. Dann erhob ich mich. „Wir müssen wieder zurück. Die Mittagspause ist gleich vorbei.“

Gemeinsam gingen wir über den Jakominiplatz und bogen in die Radetzkystraße Richtung Mur ein. Es war nicht weit bis zu dem Gebäude, in dem unser Arbeitgeber, ein Import-Export-Unternehmen, zwei Etagen gemietet hatte. Ich arbeitete im ersten Stock als Sachbearbeiterin, Gina ein Stockwerk höher. „Dann bis heute Abend!“, sagte sie zu mir und strahlte mich aus ihren grünen, leicht schräg stehenden Augen an. Ich sah ihr nach, wie sie in ihrem engen Bleistiftrock im Lift verschwand. Einen Moment lang gab ich mich der Vorfreude hin. In ein paar Stunden würde ich zwischen den schlanken Beinen versinken und meine Freundin zum Stöhnen bringen. Jemand riss die Tür schwungvoll auf und hätte sie mir beinahe in Rücken geknallt. Ich fühlte mich ertappt und schlüpfte rasch an dem Kollegen vorbei ins Treppenhaus.

Der Nachmittag verging, was die wartende Arbeit betraf, zu schnell. Schließlich wollte ich vor dem Urlaub noch möglichst viel aufarbeiten. Wenn die Verabredung mit Gina nicht gewesen wäre, hätte ich vermutlich noch eine oder zwei Stunden angehängt und wäre dann ungefähr gleichzeitig mit Michi heimgekommen. So aber überzog ich nur eine halbe Stunde und fuhr dann mit dem Fahrrad direkt zu ihrer Wohnung, die in einem Randbezirk lag. Hier gab es etwas mehr Grün. Ginas Wohnung befand sich im ersten Stock eines Zweifamilienhauses und war nur über eine Außentreppe erreichbar. Die Vermieterin, eine ältere Dame, die im Erdgeschoss wohnte, steckte neugierig den Kopf aus dem Fenster und rief einen Gruß. Ich winkte ihr zu und beeilte mich, aus ihrer Reichweite zu kommen. Es war mir schon einige Male passiert, dass sie mich in ein Gespräch verwickelt hatte, das kein Ende nehmen wollte. Sie war alleinstehend und ihr war langweilig, das konnte ich nachvollziehen. Trotzdem wollte ich mich nicht ihren neugierigen Fragen stellen.

Ginas Tür war unversperrt und ich trat ein, ohne zu klopfen. Ich streifte meine Sandalen ab und begab mich barfuß auf die Suche nach ihr. Die Küche war leer. Dann hörte ich im Badezimmer das Wasser rauschen. Ich schmunzelte unwillkürlich. Wie hatte es sie nur hinbekommen, gerade jetzt unter der Dusche zu stehen? Ich konnte ihre Silhouette hinter der Milchglasscheibe erkennen. Rasch streifte ich meine Kleidung ab und öffnete die Kabine. Gina drehte sich zu mir um und zog mich an sich. „Perfektes Timing!“ Ihr strahlendes Lächeln, das ich so liebte, legte sich über ihre ebenmäßigen, zarten Gesichtszüge.

Wir küssten uns, während der lauwarme Wasserstrahl über unsere Haut perlte. Gina umarmte mich eng, ihre kleinen, festen Brüste drückten gegen meine größeren, weicheren Hügel. Es war ein erregendes Gefühl, sie aneinander zu reiben. Ich spürte, wie meine Brustwarzen hart und empfindlich wurden und lustvolle Impulse zwischen meine Schenkel sandten. Gina seufzte genüsslich an meinen Lippen.

„Darauf freue ich mich schon, seit du mich das letzte Mal verlassen hast.“ Einen Moment nahm ich den Hauch eines Vorwurfs wahr, wischte jedoch das unangenehme Gefühl, das er hervorrief, sofort wieder beiseite. Ich strich über ihren zarten Nacken. Die hellblonden Haare hatte sich Gina sorgfältig hochgesteckt, damit sie nicht nass wurden. Alles an meiner Liebsten war zart: Das ovale Gesicht, der schlanke Hals, die weichen Lippen, das spitze Kinn, die schmale Gestalt und die langen, schlanken Beine. Mit ihren grünen Augen und der Anmut ihrer Bewegungen erinnerte sie mich an eine Elfe. Zärtlich strich ich über ihre zierlichen Schultern und die sanft gerundeten Hüften bis zu ihren festen Pobacken. In engen Jeans verpackt war ihr süßer, kleiner Apfelhintern das Erste gewesen, was ich von ihr gesehen hatte. Ich umfasste ihn mit beiden Händen und massierte ihn liebevoll. Das Duschgel, das sie benutzt hatte, war noch in Spuren vorhanden und ich rutschte förmlich in die Spalte zwischen den beiden Pohälften. Gina drängte sich an mich und hakte ein Bein angewinkelt um meinen Oberschenkel. Dadurch hatte ich besseren Zugriff. Vorsichtig drückte ich meine Fingerkuppe in die enge Öffnung, während wir uns tief und leidenschaftlich küssten. Dass sie es liebte anal stimuliert zu werden, hatte sie mir bald zu verstehen gegeben. Es selbst zu mögen, war mir neu gewesen.

Wir lösten uns ein wenig voneinander, um uns gegenseitig streicheln zu können. Mit den Fingerspitzen zeichnete ich die Rundung ihrer Brüste nach und neckte die rosigen Spitzen. Mit ihren zarten Händen umfasste Gina meinen Busen und hob ihn ein wenig an, als ob sie seine Schwere fühlen wollte. Ich selbst fand mich ja ein wenig pummelig, aber dass gleich zwei sehr unterschiedliche Menschen mich erotisch fanden, tat meinem Ego gut. Ich drückte den Rücken durch und wölbte mich ihrer Berührung entgegen.

Die Erregung trieb meinen Puls hoch und ließ meine Vagina pochen und kribbeln. Ich stöhnte an Ginas Mund, als sie anfing, meine Schamlippen zu streicheln, sie zu teilen und den Kitzler sanft aber zielstrebig zu stimulieren. Hitze breitete sich in mir aus, die durch die Dusche nur wenig gemildert wurde. Ich hielt mich mit geschlossenen Augen an ihr fest und konzentrierte mich ganz auf meine eigenen Empfindungen. Meine Lust erreichte den Höhepunkt, flutete in Wellen durch meinen Körper und ließ mich mit zitternden Knien und schwer atmend zurück. Gina umfing mich mit beiden Armen und hielt mich fest, bis mich meine Beine wieder zuverlässig trugen und sich mein Herzschlag beruhigte.

Dann öffnete sie die Duschkabine und legte mir ein Badetuch um. Ich war wieder so weit in der Realität angekommen, dass ich mich abtrocknen konnte.

Ich küsste meine Liebste. „Und jetzt bist du dran. Ich brenne drauf, dich zu kosten!“

Gina streckte sich erwartungsvoll auf dem Bett aus. Sie zog die Knie an die Brust und bot sich mir dar. Ich betrachtete sie einen Moment lang. Der blonde Flaum auf ihrem Venushügel sah einfach zauberhaft aus. Ich beugte mich weiter über sie. Schwach, aber unverwechselbar, stieg mir ihr Duft in die Nase. Mit der Zungenspitze berührte ich zart ihre empfindlichsten Stellen, bevor ich tiefer eintauchte. Ich liebte ihren Geschmack und leckte eifrig. Als ich mich mit einem Finger vortastete, empfing mich glitschige Nässe. Ich verteilte sie gründlich, bevor ich vorsichtig auch in ihre enge Rosette vordrang. Gina stöhnte und drückte sich mir gierig entgegen. So zart und mädchenhaft sie sonst wirkte, gefangen in ihrer Leidenschaft war sie durch und durch Frau. Es war mein größtes Vergnügen, ihre Lust zu verstärken, bis sie die Kontrolle verlor und sich in einem heftigen Orgasmus wand. Doch noch war es nicht soweit. Ich genoss es, sie zu schmecken, ihre Geilheit so unmittelbar zu fühlen, den keuchenden Atem zu hören und zu realisieren, dass ich es war, die sie dazu trieb.

Danach saßen wir nackt und entspannt an das Kopfteil des Bettes gelehnt und nippten an der Erdbeerbowle, die Gina zubereitet hatte, als ich noch im Büro war. Mit den Zehen streichelte sie über mein Schienbein.

„Du wirst mir fehlen. Eine ganze Woche ohne dich! Wie soll ich das bloß aushalten?“ Sie lächelte mir zu, doch ich spürte den Vorwurf dahinter.

„Ich hätte dich ja gerne mitgenommen, aber du und Michael, ihr passt ja leider so gar nicht zusammen“, erwiderte ich.

„Vermutlich fühlt er sich in seiner Männlichkeit bedroht.“ Sie schmunzelte ein wenig spöttisch. „Es muss ein erschreckender Gedanke für einen Mann sein, von einer Frau ersetzt zu werden. Wo sie es doch ohnehin schon schwer haben, gebraucht zu werden, seit wir Frauen unser Geld selbst verdienen.“

Ich war mir ziemlich sicher, dass es Michael nicht darum ging. Er wollte mich einfach nicht teilen, das konnte ich nachvollziehen. Aber vor allem war ihm Gina einfach unsympathisch, das spürte ich, obwohl ich nicht verstehen konnte, warum das so war. Für mich war sie ein beinahe vollkommenes Geschöpf. So ähnlich wie das mystische Einhorn. Vielleicht war er einer der Menschen, die diese besondere Schönheit einfach nicht erkannten.