Homosexualität im deutschen Profifußball - Christoph Rohlwing - ebook

Homosexualität im deutschen Profifußball ebook

Christoph Rohlwing

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Opis

Auch nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger wirkt der deutsche Profifußball wie eine "schwulenfreie Zone". Dabei müsste es - rein statistisch betrachtet - so einige homosexuelle Profifußballer geben. Christoph Rohlwing untersucht, warum sich bisher noch kein aktiver Spieler zu seiner Homosexualität bekannt hat. Er interviewt Corny Littmann, den ehemaligen Präsidenten des FC St. Pauli und bekennenden Homosexuellen, und liefert damit eine Insiderperspektive auf ein immer noch tabuisiertes Thema. Rohlwing setzt sich aus soziologischer Sicht mit den Begriffen Männlichkeit, Homosexualität und Heteronormativität auseinander und analysiert die Hintergründe einer Problematik, die sich in vielen anderen gesellschaftlichen Kontexten relativiert hat. Nur eben (noch) nicht im Fußball.

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WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG

Reihe Sozialwissenschaften

WISSENSCHAFTLICHE BEITRÄGE AUS DEM TECTUM VERLAG

Reihe Sozialwissenschaften

Band 65

Christoph Rohlwing

Homosexualität im deutschen Profifußball

Schwulenfreie Zone Fußballplatz?

Tectum Verlag

Christoph Rohlwing

Homosexualität im deutschen Profifußball.

Schwulenfreie Zone Fußballplatz?

Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag:

Reihe: Sozialwissenschaften; Bd. 65

© Tectum Verlag Marburg, 2015

ISBN: 978-3-8288-6315-6

(Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Buch unter

der ISBN 978-3-8288-3596-2 im Tectum Verlag erschienen.)

ISSN: 1861-8049

Umschlagabbildung: shutterstock.com © Maxisport

Umschlaggestaltung: Norman Rinkenberger | Tectum Verlag

 

 

 

 

Besuchen Sie uns im Internet

www.tectum-verlag.de

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben

sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

INHALT

1Zur Themenwahl

2Einleitung

3Die Konstruktion des Begriffs Männlichkeit

4Die Konstruktion des Begriffs Homosexualität

5Zwischenfazit

6Das Interview als Methode

7Homosexualität im deutschen Profifußball

8Der Fall Thomas Hitzlsperger

8.1Der Fußballprofi Thomas Hitzlsperger

8.2Thomas Hitzlsperger: Der erste deutsche Fußballprofi bekennt sich zu seiner Homosexualität

8.3Was hat Thomas Hitzlsperger nach über einem Jahr mit seinem öffentlichen Coming-out bewirkt?

9Fazit

10Abschließende Bemerkung

Anhang

Interview mit Corny Littmann

Literaturverzeichnis

Danksagung

1ZUR THEMENWAHL

Bis Mai 2014 war ich selbst aktiver Fußballer und hatte schon vor meiner Einschulung angefangen, Fußball in einem Verein zu spielen. Dabei habe ich im Jugendbereich diverse Auswahlmannschaften (Stadtauswahl, DFB-Stützpunkt und Niedersachsenauswahl) durchlaufen. Da ich auf Vereinsebene im Jugendbereich in verschiedenen Spielklassen gespielt habe, bin ich mit den Strukturen und den Gegebenheiten im Jugendfußball seit Langem vertraut. Im Herrenbereich habe ich in der Saison 2010/2011 in der Regionalliga-Mannschaft des SV Wilhelmshaven gespielt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Vierte Liga ein schmaler Grat zwischen Amateur- und Profifußball ist. Zu Beginn der Saison wurde ich von einem älteren Spieler gefragt, ob ich denn eine Freundin hätte. Daraufhin antwortete ich mit einem Nein, worauf sofort die Frage folgte, ob ich schwul sei. Schwächen im Fußball, egal welcher Art, dürfen schon in den höher spielenden Jugendmannschaften nicht gezeigt werden und erst recht nicht im Herrenbereich. Der häufige Gebrauch von Ausdrücken wie „schwule Sau“ oder „Schwuchtel“ erweckt den Anschein, dass Homosexualität im Fußball als eine Schwäche betrachtet wird.

Es wäre sicherlich auch interessant herauszufinden, wie Amateurspieler mit dem Thema Homosexualität und Fußball umgehen oder wie mit diesem Thema im Frauenfußball (Amateur- und Profibereich) umgegangen wird. Allerdings möchte ich mich im Rahmen dieser Arbeit auf den Profibereich der Männer in Deutschland konzentrieren. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung, dem Coming-out von Hitzlsperger und dem Erlebnis im Jahr 2010 beim SV Wilhelmshaven habe ich mich für dieses Thema entschieden.

2EINLEITUNG

Einerseits ist Homosexualität im deutschen Profifußball ein Tabu, andererseits ist es dennoch hochaktuell, wie es der Fall Cassano oder auch das Coming-out von Hitzlspergerverdeutlichen. Der 29-jährige italienische Nationalspieler Cassano fiel im Trainingsquartier zur Zeit der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine aufgrund seiner schwulenfeindlichen Äußerungen negativ auf („Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind.“) Erst nach heftiger Kritik von Homosexuellen-Vertretern und Politikern entschuldigte sich Cassano für seine Äußerung.1

Homosexualität ist in unserer heutigen Gesellschaft in vielen Bereichen kein Tabuthema mehr. In Deutschland sind ca. 10 bis 15 % der Männer homosexuell,2 und in den ersten drei deutschen Profiligen gibt es 1581 Spieler.3 Rein statistisch betrachtet ist es eher unwahrscheinlich, dass es keinen homosexuellen Profispieler in Deutschland gibt. Das zeigt auch die Aussage von Müller-Hohenstein (Sportjournalistin und Moderatorin des Aktuellen Sportstudios im ZDF): „Wenn man eine Fußballmannschaft als Abbild der durchschnittlichen männlichen Bevölkerungsstruktur hernimmt, so kann man davon ausgehen, dass es im deutschen Profifußball homosexuelle Spieler gibt.“4 Deshalb stellt sich für mich die zentrale Frage: „Warum outen sich im deutschen Profifußball keine homosexuellen Spieler?“ Daraus ergibt sich meiner Ansicht nach Folgendes:

Fußball ist ein echter Männersport. Homosexualität gilt nicht als männlich und bedeutet, nicht normal zu sein. Um dem Ideal eines männlichen Fußballers zu entsprechen, ist der Druckgroß, die eigene Homosexualität geheimzuhalten, weil niemand wissen kann, wie das Umfeld (eigene Mannschaft, Fans, Verein, Sponsoren usw.) reagiert.

Um meine These zu belegen bzw. zu widerlegen, werde ich zunächst die Begriffe Männlichkeit und Homosexualität näher beleuchten und versuchen zu klären, was man unter diesen Begriffen aus soziologischer Sicht versteht und wie sie konstruiert werden. Dann werde ich mich direkt mit dem Thema der Homosexualität im deutschen Profifußball befassen.

Des Weiteren habe ich ein Experteninterview mit Cornelius Littmann geführt. „Corny“ Littmann, geboren 1952, lebt in Hamburg und ist Unternehmer sowie ehemaliger Präsident des FC St. Pauli. Littmann bekannte sich von Anfang an während seiner Tätigkeit als Präsident des FC St. Pauli zu seiner Homosexualität.

Den Leitfaden für das Interview habe ich in der Form von Klaus Konrad in die Makroplanung und die anschließende Mikroplanung unterteilt. In diesem Zusammenhang bestimmt die Makroplanung die Struktur des Interviews, und bei der Mikroplanung habe ich darauf geachtet, den Interviewten weder zu unter- noch zu überfordern.5

Aufgrund der Komplexität des Themas habe ich mich für das Prinzip der Triangulation entschieden.

„Vereinfacht ausgedrückt bezeichnet der Begriff Triangulation, dass ein Forschungsgegenstand von (mindestens) zwei Punkten aus betrachtet – oder konstruktivistisch formuliert: konstituiert – wird. In der Regel wird die Betrachtung von zwei und mehr Punkten aus durch die Verwendung verschiedener methodischer Zugänge realisiert.“6

Deshalb habe ich neben der Arbeit mit Literatur (1. methodischer Zugang) das Interview mit Herrn Littmann als Experten geführt (2. methodischer Zugang), um das Thema aus zwei unterschiedlichen Betrachtungsweisen zu beleuchten. Anschließend sollen Gemeinsamkeiten, aber auch mögliche Unterschiede zum untersuchten Thema (Homosexualität im deutschen Profifußball) herausgearbeitet werden, um den Blickwinkel nicht auf eine Sichtweise zu beschränken.

1Vgl. Semmler, Robert (2012)

2Vgl. de Hek, Alexandra Martine (2011): S. 83.

3Seidel, Matthias (2015)

4Erb, Andreas/ Leibfried, Dirk (2011): S. 7.

5Vgl. Konrad, Klaus (2011): S. 37.

6Flick, Uwe (2011): S. 11.

3DIE KONSTRUKTION DES BEGRIFFS MÄNNLICHKEIT

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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