Glücksgefühle - Selma Sell - ebook

Glücksgefühle ebook

Selma Sell

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Opis

In den beiden erotischen Erzählungen geht es um Jungs, die sich ihrer Gefühle noch nicht ganz im Klaren sind. Dann aber erleben sie eine Situation, die ihr ganzes Leben umkrempelt. Nach Enttäuschungen mit ihren Freundinnen führt sie ihr Weg auf andere Bahnen, die sie nie für möglich gehalten hätten. Sie erleben Höhen und Tiefen und müssen um ihre Liebe bangen. Auch Beruf- und Privatleben müssen unter einen Hut gebracht werden, was nicht immer so einfach ist.

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Table of Contents

Title Page

Bleib hier bei mir

Jeremy kennenlernen

Sherry und Susan

Die große Überraschung

Das Mädchen Kathleen

Die Tournee beginnt

In London

In Paris

Endlich daheim

Davids Geburtstag

Die Ausstellung

Die Festveranstaltung

Begegnung mit Dorian

Verwirrende Gedanken

Drachensteigen im Park

Ärger mit Dorians Eltern

Klare Worte

Weihnachtszeit

Winterzeit

Aufregung um nichts

Der Frühling naht

 

 

 

 

Selma Sell

 

 

Glücksgefühle

 

 

Bleib hier bei mir

&

Am Ende siegt die Liebe

 

 

Erotischer Roman

 

 

 

 

 

BLEIB HIER BEI MIR

 

 

JEREMY KENNENLERNEN

 

 

Es ist Mitte April 2017. Heute ist wieder ein sonniger und milder Frühlingstag. Die Vögel zwitschern in den schon grünen Bäumen, und irgendwie liegt ein Zauber in der Luft. Die Blumen duften herrlich süß und das Gras riecht nach frischen Kräutern.

David, der Kunstmalerei und Fototechnik studiert hat, stapft mit seiner Staffelei über die Wiese zu den drei Eichen, die in der Nähe eines kleinen Flusses stehen. Er ist nicht breiter als zehn Meter und seine tiefste Stelle misst höchstens einen Meter dreißig. Seine Strömung ist eher seicht, doch bei Unwetter kann er auch zu einem reißenden Strom werden.

Heute aber ist so ein idyllischer Tag, dass es den 26-jährigen Blondschopf in die Natur zieht, um die herrliche Landschaft auf seiner Leinwand festzuhalten.

David, der eine Körpergröße von 1,76 Meter misst und sonst auch eine gute Figur abgibt, ist es gewohnt, höflich und respektvoll mit Menschen umzugehen. Er hat eine vorbildliche Erziehung und Ausbildung genossen und behandelt seine Mitmenschen gefühlvoll und kann auch problematische Situationen diplomatisch lösen. Er würde sich niemals auf das Niveau eines Straßenjungen herablassen und bewahrt immer Haltung vor Leuten, die es nicht ganz so gut mit ihm meinen, wie er es von ihnen erwartet. Darum kann David Enttäuschungen gut wegstecken und hält sich mit Ärger oder entstehenden Problemen nicht lange auf. Er ist ein realistischer Mensch, wobei seine Träume nicht auf der Strecke bleiben. Auch er versinkt oft genug in sie, und in dieser Stimmung hält er den Zauber der Natur auf seinen Leinwänden fest. Von seiner Kunst kann David gut leben und er ist ein rundum zufriedener, fröhlicher und ausgeglichener Mensch, der nur Gutes im Sinn hat. Er weiß auch, dass man Glück nicht kaufen kann und genießt deshalb jeden schönen Tag, der ihm neue Inspirationen und Schaffenskraft schenkt.

An den Eichen angekommen, setzt er sich auf eine Bank, stellt seine Staffelei auf und beginnt bald die ersten Farbstriche zu setzen. Er hat noch nichts Bestimmtes im Kopf, schaut deshalb zu den Wolken hoch und lässt sich von ihnen leiten. Kaum hat er ein paar von ihnen auf die Leinwand gebracht, erblickt er auf der anderen Seite des Flusses einen Jungen, der gerade sein Angelzeug auspackt und sich auf einen schon vom Wetter gezeichneten Baumstamm setzt. Er holt seine Utensilien heraus, befestigt einen Köder am Haken und wirft seine Angel aus. Die Pose klatscht auf die Wasseroberfläche und verursacht kleine Wellen. Die Szene strahlt eine gewisse Ruhe aus und sorgt für Entspannung. Da die Pose durch die leichte Strömung Schlagseite bekommt, ist es nicht ganz leicht, den Moment abzupassen, wenn ein Fisch am Haken ist. Doch es dauert gar nicht lange, bis der Angler seinen ersten Fisch an Land zieht. Es ist ein prächtiges Exemplar – eine Forelle, glaubt David zu erkennen.

Der Junge blickt hinüber zu David, beide heben sie automatisch ihre Hand und winken sich unverbindlich zu. Da er seitlich zum Flussufer sitzt, kann er gut beobachten, wenn der Fremde wieder einen Fisch aus dem Fluss zieht. Er ertappt sich dabei, dass er immer öfter hinübersieht und sich für seinen Fang interessiert, denn im Stillen hofft David, dass er ihm einen Fisch schenken wird, dann hätte er sein Mittagessen für heute gesichert.

In Gedanken verloren wird David von einem springenden Fisch aufgeschreckt und plötzlich kommt ihm eine Idee. Schnell holt er seinen Zeichenblock aus einem Pappkarton, greift zum Bleistift und malt den Jungen am anderen Ufer, der interessiert herübersieht und David beim Zeichnen beobachtet. Das weich fallende, rotbraune Haar des Jungen, das sein Gesicht umschmeichelt und ihm bis zu seinen Schultern reicht, lässt ihn feminin aussehen. Auch seine großen, ausdrucksvollen Augen und sein besonders schönes Lächeln fängt David ein.

Er malt den Jungen so, wie er ihn sieht, mit der Angel in der Hand, lächelnd und zufrieden. Der vor ihm stehende Eimer und der dunkle Baumstamm, auf dem er sitzt, kommen ebenfalls aufs Bild.

Was David nicht ahnt, dieser gut aussehende Junge genoss ebenfalls eine gute Erziehung und pflegt niveauvollen Umgang, er bewegt sich in Kreisen, die nicht für jeden Normalsterblichen zugänglich sind, denn er ist etwas Besonderes – und das nicht nur für seine Großeltern und Eltern. Doch leider behandeln sie ihn immer noch, als wäre er zwölf Jahre alt.

David malt zunächst einmal nur grob die Umrisse des Jungen, nach und nach ergänzt er die Feinheiten seines Gesichtes, die David nur schwer von Weitem ausmachen kann. Halb fertig legt er den Zeichenblock wieder in seine Mappe zurück und wendet sich wieder seiner Leinwand zu. Hin und wieder nimmt er aus den Augenwinkeln wahr, wie der Junge einen Fisch in seinen Eimer plätschern lässt. Als der Junge gerade einen weiteren vom Haken fummelt, schaut David auf und ruft hinüber: »Na, wie viele hast du denn schon im Eimer?«

Der Junge schaut hinein. »Vier!«, ruft er lächelnd und wirft seine Angel wieder mit Schwung aus. »Was malst du da?«, schallt es dann vom anderen Ufer herüber.

»Wenn du willst, kannst du es dir ansehen«, antwortet David grinsend und spült den Pinsel in seinem Wasserglas aus. Er kann sich heute nicht so recht auf das Malen konzentrieren.

Plötzlich fällt David ein, dass er seine Digitalkamera dabeihat. Er holt sie aus seiner Umhängetasche und schießt jedes Mal ein Foto, wenn der freundliche Junge ihm lächelnd einen guten Fang zeigt. David hebt jedes Mal anerkennend den Daumen, wenn der Fisch sehenswert ist und lächelt ihm von der anderen Uferseite nickend zu.

Statt dass sich sein Herz beruhigt, schlägt es immer heftiger, doch David kann das noch nicht einordnen. Der süße Bengel macht ihn langsam nervös, weil sich ihre Blicke ungewöhnlich oft treffen. Davids Hände werden feucht und er schüttelt unmerklich den Kopf und fragt sich, warum er sich von ihm so angezogen fühlt, doch das kann er sich nicht erklären.

Der junge Angler hält gerade wieder stolz einen Fisch in den Händen, der auch wirklich prächtig aussieht und eine beachtliche Größe aufweisen kann.

»Heute ist wohl dein Glückstag, was?«, ruft David ihm schmunzelnd zu.

»Na, ja, wenn es so weitergeht, dann ist das wohl so.«

Eine Weile angelt der Junge noch, dann aber packt er plötzlich alles zusammen, verabschiedet sich von Weitem mit einem »Tschüss« und winkt ihm kurz zu, bevor er mit seinem Fahrrad, das er am Baum gelehnt hatte, wieder aus Davids Sichtfeld verschwindet.

›Schade, das war wohl nichts mit dem Mittagessen‹, denkt sich David nur, packt ebenfalls seine Malsachen ein, weil sich der Himmel plötzlich mit grauen Wolken zuzieht und es nach Regen aussieht.

Er geht mit schnellen Schritten nach Hause und kaum hat er die Haustür hinter sich geschlossen, beginnt der große Platzregen. Dicke Tropfen prasseln an die Fensterscheiben. David stellt erleichtert seine Sachen im Flur ab. Er räumt sie nicht weg, da er vorhat, morgen wieder zum Fluss zu gehen, um sein Bild zu vollenden.

Als er sein Mittagessen zubereitet, fällt ihm die Zeichnung von dem Jungen wieder ein. Er unterbricht seine Tätigkeit, holt den Zeichenblock und seine Kamera aus der Tasche, setzt sich ins Wohnzimmer auf die Couch und schaut sich das Bild, das er am Fluss skizziert hat, an. Mit den Fotos auf dem Kameradisplay kann er nun die weichen Züge des Jungen studieren und sich ans Werk machen, um das Porträt mit dem Bleistift fertig zu zeichnen. Während er sich die Fotos betrachtet, wird ihm immer heißer und plötzlich spürt er ein Kribbeln im Bauch. Es fühlt sich seltsam, aber auch gut an. Seine Gefühle werden immer stärker, umso mehr er sich diesen Jungen betrachtet. David bekommt feuchte Hände, die er an seiner Jeans abwischt und weiter malt.

Als das Bild nahezu perfekt ist, geht er wieder in die Küche und macht sich sein Essen zurecht, holt seine Kamera aus dem Wohnzimmer, setzt sich an den Küchentisch und betrachtet beim Essen abermals die Bilder von dem Fremden. Er hat plötzlich das Gefühl, als würden tausend Schmetterlinge in seinem Bauch umherschwirren. Er kann sich nicht daran erinnern, jemals so gefühlt zu haben, nicht einmal bei einem Mädchen, in das er verliebt war.

David macht die Kamera aus und konzentriert sich nun auf seine Spagetti, die ihm richtig gut schmecken – es ist ja auch sein Lieblingsgericht. Nach dem Essen räumt er das Geschirr in die Spüle, geht ins Wohnzimmer und schaltet den Fernseher ein. Als sein Blick immer wieder auf die Zeichnung von dem Jungen fällt, schlägt er den Zeichenblock zu, legt ihn auf seinen Schreibtisch, der in der linken Ecke im Wohnzimmer gleich neben der Tür steht. Dann setzt er sich wieder auf die Couch und schaut sich eine seiner geliebten Tierdokumentationen an.

Der Regen peitscht immer noch gegen die Fensterscheiben. Doch irgendwie macht sich ein Hauch von Gemütlichkeit in seiner Stube breit. Er holt sich einen Manga aus dem Schrank und beginnt darin zu lesen.

Am Abend geht David mit einem Lächeln ins Bett und sieht in Gedanken den gutaussehenden Jungen am Fluss, wie er ihm stolz seinen ersten großen Fisch zeigt. Ein Schmunzeln huscht über sein Gesicht, bevor ihm vor Müdigkeit die Augen zufallen und er in einen tiefen Traum versinkt.

Er sieht sich und den Jungen mit einer Angel in der Hand auf dem Baumstamm sitzen. Gemeinsam ziehen sie einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser. Als sich ihre Angeln ineinander verhaken, versuchen beide, diese hektisch zu entwirren. Doch sie schaffen es einfach nicht …

Dann wacht David plötzlich auf. Er sieht auf den Wecker, es ist gerade mal sieben Uhr. David steht auf und geht unter die Dusche. Für sein Frühstückt nimmt er sich kaum Zeit, weil er es eilig hat, wieder zum Fluss zu kommen. Im Stillen hofft er, dass der Junge auch wieder dort sein wird. Sofort macht sich wieder dieses Kribbeln in seinem Bauch breit und er denkt sich: ›Was ist bloß los mit mir?‹, aber schnell schiebt er das Gefühl auf die Vorfreude, wieder Fotos von dem ungewöhnlich gutaussehenden Jungen schießen zu können, der ihn so fasziniert.

Als David wenig später am Fluss sitzt, bemerkt er, dass er seine Kamera nicht dabeihat. Sie liegt sicher noch auf dem Küchentisch. ›So ein Mist‹, flucht er in Gedanken und packt sein Malzeug aus, um an seinem Bild von gestern weiterzuarbeiten.

Plötzlich taucht der Junge mit seinem Angelzeug am anderen Ufer auf und beide begrüßen sich schon wie alte Bekannte.

Wenig später ist Motorengeräusch zu hören. David beobachtet, wie zwei Motorräder näherkommen, die dann hinter einer großen Eiche abgestellt werden. Drei Männer kommen zum Vorschein und gehen direkt auf den Angler zu, der wieder auf dem alten Baumstamm sitzt. Zuerst sieht es aus, als ob sie einander kennen, aber dann kommt es zu einem Handgemenge und schließlich prügeln die Rowdys auf den Jungen ein. David kann sich vor Schock kaum bewegen. Alles geht ganz schnell. Die Männer schnappen den Jungen und werfen ihn in den Fluss. Während sie zu ihren Maschinen laufen, springt David auf. Der Junge im Fluss regt sich nicht und liegt mit dem Gesicht auf der Wasseroberfläche. David springt in den Fluss und schwimmt, so schnell er kann, zu dem langsam weiter treibenden Jungen. Als er bei ihm ist, richtet er sich auf, das Wasser reicht ihm hier nur bis zur Hüfte. Er dreht den Jungen um, zieht ihn an Land und sieht, dass er auf der rechten Stirnseite eine leicht blutende Schürfwunde hat. Ohne lange zu überlegen, beginnt er mit der Mund-zu-Mund-Beatmung. Nach etwas Luftzufuhr hustet der Verletzte laut, spuckt etwas Wasser und schlägt die Augen auf.

»Oh, Gott sei Dank, ich dachte schon, du wärst tot! Hast du Schmerzen?«

»Ja, etwas … mein Magen … aber das ist nicht so schlimm«, stottert er.

»Kannst du dich aufsetzen?«, fragt David und stützt den Jungen. Dieser nickt und richtet sich auf. Noch leicht benommen, sagt er. »Vielen Dank, Sie haben mir das Leben gerettet. Ich bin Ihnen wirklich sehr dankbar.«

»Ist schon gut, das hätte doch jeder getan. Was wollten diese Männer von dir? Kennst du sie?«

»Nein. Die habe ich hier noch nie gesehen. Auf meine Fische haben sie es abgesehen, doch ich hatte noch gar nichts gefangen. Sie waren wütend, haben mich geschlagen und in den Fluss geworfen, dann gingen bei mir die Lichter aus.«

»Hm«, macht David. »Ach übrigens, ich bin David, und das Sie kannst du weglassen, wir sind doch etwa gleich alt.«

»Also ich bin 22«, grinst er und reicht David die Hand. »Jeremy.«

Die beiden lächeln sich an, dann sagt Jeremy: »Ich habe dich schon gestern von hier aus beobachtet. Warum hast du mich fotografiert?«

David fühlt sich ertappt. »Em … ich … habe deinen Fang von gestern bewundert und der war es wert, auf Fotos festgehalten zu werden.« David grient ihn verschmitzt an.

»Ich sehe, du hast da drüben deine Staffelei wieder aufgestellt. Was malst du denn so?«

»Ach, alles Mögliche, ich verdiene damit mein Geld. Hauptberuflich bin ich aber Fotograf und arbeite für einen Verlag. Wohnst du hier in der Nähe? Soll ich dich nach Hause begleiten? Ich meine, falls die Mistkerle wiederkommen sollten?«

»Ja, das wäre nett von dir. Vielen Dank, David. Ich bin noch ganz durcheinander. Ich wohne nicht weit von hier und habe mein Fahrrad dort drüben am Baum abgestellt.«

»Na komm, ich bringe dich erstmal nach Hause. Du musst aus diesen nassen Klamotten raus.«

»Ach, weißt du, eigentlich würde ich lieber noch etwas hierbleiben, mich auf die Bank setzen und dir beim Malen zusehen, wenn ich darf.«

»Ja natürlich, wenn es dich nicht langweilt.«

Jeremy holt sein Fahrrad und beide gehen zum nahegelegenen Steg, der über den schmalen Fluss führt.

»Und was machst du so?«, fragt David.

»Ich habe Literatur und Geschichte studiert und nebenbei, wenn ich nicht model, schreibe ich Bücher, drei davon sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Aber hauptsächlich arbeite ich zurzeit als Model für das Magazin ›Mode für Männer‹.«

»Davon habe ich noch nie etwas gehört«, gesteht David. »Aber ich lese auch eigentlich keine Magazine oder Zeitschriften.«

»Wenn du willst, kann ich dir mal ein Exemplar mitbringen.«

»Gerne, ich würde schon mal sehen wollen, wie du dich im Zwirn präsentierst.« David zeigt ihm ein auffällig sympathisches Lächeln.

Als sie an der Bank ankommen, wo David seine Staffelei zu stehen hat, schaut Jeremy auf die Leinwand und sagt: »Du bist aber nicht weitgekommen, was?«

»Na ja, ich musste doch erstmal einen Jungen retten.«

Sie schauen sich an und müssen lachen.

»Jeremy«, sagt David dann, dem trotz der Sonne langsam kalt wird, »wir müssen wirklich aus den nassen Klamotten raus, sonst erkälten wir uns noch. Lass uns unsere Sachen dort drüben über den Busch in die Sonne legen, da werden sie schnell trocken.«

»In Ordnung.«

Als sie sich bis auf die Unterhose ausgezogen haben, sieht David den gut trainierten Körper von Jeremy und den Ansatz seiner Bauchmuskeln. Der Junge sieht so gut aus, dass David seine Augen nicht mehr von ihm nehmen kann und plötzlich denkt er: ›Oh Mann, was ist denn mit mir los? Warum macht mich der Anblick seines Körpers so nervös?‹

Auch Jeremy betrachtet David lange und starrt ihn genauso an, wie David es tut. Sie sehen sich in die Augen, dann lachen sie plötzlich aus Verlegenheit und legen ihre Sachen nach und nach auf dem Strauch ab. Dann setzen sich die beiden nur mit ihrem nassen Slip auf die Bank und Jeremy sieht David beim Malen zu.

»Malst du öfter hier? Ich habe dich gestern das erste Mal gesehen.«

»Ich habe mir auch gerade erst hier ein Häuschen gekauft und hatte bis vor zwei Tagen allerhand zu tun. Das Übliche eben – Tapezieren, Reinemachen, hier und da noch Ausbesserungen erledigen und all solchen Kram. Da hatte ich bis gestern keine Zeit zum Malen. Das ist heute mein zweiter freier Tag, an dem ich nichts mehr im Haus machen muss und nun nutze ich die schönen Frühlingstage, um mich nach den letzten sechs Wochen etwas zu entspannen.«

»Und wo steht dein Häuschen, David?«

»Es sind nur ein paar Meter von hier. Siehst du den Feldweg dort drüben? Von dort aus sind es etwa hundert Meter in Richtung Siedlung, direkt am Waldrand. Vielleicht kennst du es ja? Wenn du willst, kannst du mich ja mal besuchen kommen. Ich wohne Waldweg 8, den breiten Hauptweg einfach rechts entlang.« David stockt kurz und wechselt dann das Thema. »Die Idioten müssen wir natürlich bei der Polizei anzeigen, sie hätten dich ja fast umgebracht. Wenn ich dich nicht aus dem Wasser gezogen hätte … Ich will mir das gar nicht ausmalen. Kannst du die Mistkerle beschreiben, Jeremy? Ich habe sie nicht genau gesehen, und als ich mitbekam, was los war, waren die verdammten Saukerle auch schon weg.«

»Ja, ich kann sie gut beschreiben und werde sie nie mehr vergessen können. Ich danke dir, David, dass du mit mir kommst und als Zeuge für mich aussagen willst.«

»Kein Problem, schließlich sind wir doch ab jetzt Freunde, oder?«

»Ja, das sind wir. Und ich werde nie vergessen, dass du mich gerettet hast. Du hast was gut bei mir. Wenn du mich brauchst, bin ich da, versprochen.«

»Danke, Jeremy, das weiß ich zu schätzen.«

Die beiden plaudern über dies und das und schnell ist klar, dass sie sich wiedertreffen wollen. Also tauschen sie ihre Nummern aus. Dann fragt David nach Jeremys Wohnverhältnisse.

»Ich wohne noch mit meinen Eltern und Großeltern unter einem Dach. Aber so bald ich eine geeignete Wohnung für mich finde, ziehe ich aus, weil ich mich in letzter Zeit mit meinen Eltern nicht mehr so gut vertrage. Aber meine Großeltern, die verstehen mich und vertrauen mir. Jetzt, wo ich mit dem Modeln gutes Geld verdiene, mischen sich meine Eltern immer öfter in meine Angelegenheiten ein. ›Kauf dies nicht, spare da noch etwas …‹ So geht es die ganze Zeit. Dabei bin ich ein sparsamer Mensch und kaufe nicht jeden Plunder, den ich sehe. Aber ich habe mir ein neues Auto gekauft und nun denken sie, ich bin verschwenderisch, aber da irren sie sich gewaltig. Das ist das Erste, das ich von meinem Ersparten gekauft habe. Sie sagten mir, dass es ein Gebrauchtwagen auch getan hätte. Aber das kann ich doch wohl allein entscheiden.«

David nickte verstehend, dann fragt er: »Hast du eigentlich eine Freundin?«

»Ja, seit vier Monaten, aber da ich bis vor Kurzem noch öfter wegen meines Jobs im Ausland war, hatten wir bisher kaum Zeit. Am nächsten Donnerstag sind wir verabredet, ab da hat sie dann den Rest der Woche frei und wir haben endlich etwas Zeit für uns. Und du? Hast du eine Freundin?«

David schmunzelt ihn an und antwortet: »Ich habe vor einer Woche vor dem Supermarkt eine Frau kennengelernt. Irgendein Idiot hatte ziemlich dicht an ihrem Wagen geparkt und sie förmlich eingekeilt. Sie hat sich nicht getraut, auszuparken. Also habe ich ihr geholfen. Dann haben wir uns unterhalten und waren uns sofort sympathisch, also haben wir uns noch am selben Abend verabredet.«

»Wie heißt deine Freundin und wie alt ist sie denn?«

»Ach, das weiß ich gar nicht. Ich weiß nur, dass sie Susan heißt und dass sie in der Stadt wohnt. Kinder hat sie noch nicht, dafür amüsiert sie sich zu gerne, meinte sie zu mir. Jedenfalls gefällt sie mir ganz gut. Erzähle mir doch auch etwas von deiner Freundin, Jeremy.«

»Also, sie ist etwas älter als ich, hat blonde, schulterlange Haare, die sie oft zusammengebunden trägt. Sie ist lustig und ziemlich kess. Sie heißt Sherry und ist etwas kleiner als ich.«

Die beiden tauschen sich etwas über Frauen und Liebe aus und David sagt schließlich: »Solltest du mal Kummer haben und nicht wissen, wohin mit dir, dann kannst du ruhig zu mir kommen und mir dein Herz ausschütten, okay, Jeremy?«

Dann lachen sie und sehen sich für einen Moment lang in die Augen.

»Das Angebot nehme ich bestimmt mal an, aber jetzt sollten wir los, wenn wir noch zur Polizei und die Anzeige machen wollen. Ich habe meinen Eltern versprochen, dass ich zum Essen wieder zurück sein werde.«

Dann geht Jeremy zum Strauch, fasst seine Sachen an und sagt: »Unsere Klamotten sind trocken, die können wir jetzt wieder anziehen.«

David steht auf und geht ebenfalls zum Busch, dann schnappt er sich sein Hemd und seine Hose. Aber dabei streift seine rechte Hand versehentlich Jeremys Bauch. Ihm läuft plötzlich ein Schauer über den Rücken und er sieht Jeremy verlegen an. »Entschuldige, das wollte ich nicht.« Er spürt, dass er rot wird.

»Ist schon gut. Ich beiße nicht. Ist doch nichts passiert.«

Dann müssen sie lachen und gehen zurück zur Bank. David nimmt sein noch nicht fertig gemaltes Bild von der Staffelei, packt es in einem flachen Karton und bindet das Holzgestell zusammen. Anschließend räumt er sein Malzeug ein, nimmt sich seine Umhängetasche und ist bereit zum Aufbruch. Am Baum, der hinter der Bank steht, lehnt Jeremys Fahrrad, der es sich im selben Moment schnappt, damit sie gemeinsam zu David nach Hause gehen können. Vor dem Haus angekommen, staunt Jeremy nicht schlecht, denn da steht ein dunkelblauer, viertüriger Golf mit einem Stufenheck und einem großen Kofferraum.

»Ist das dein Wagen? Der ist doch nagelneu, was?«

»Ja. Was dagegen, Kleiner?«

»Nein, natürlich nicht. Der war doch sicher teuer, nach der Ausstattung zu urteilen. Der Wagen sieht toll aus. Du kannst scheinbar wirklich ganz gut von deiner Arbeit leben.«

»Ja, hab ich dir doch gesagt. Den Wagen habe ich mir angeschafft, damit ich hier nicht mehr vom Bus abhängig bin. Als ich noch in Berlin gewohnt habe, brauchte ich kein Auto, aber jetzt ist es unentbehrlich für mich.«

»Genau deshalb habe ich mir auch einen zugelegt. Was bringt er spitzenmäßig? Hast du ihn schon getestet?«

»Nein, aber er soll es auf 250 km/h bringen. Wenn du willst, können wir den Wagen zusammen ausprobieren und sehen, was der so auf dem Kasten hat«, meint David und lächelt schelmisch.

»Ja, das wäre klasse, wenn wir gemeinsam ‘ne Sause machen würden. Darauf freue ich mich jetzt schon. Ach, wo darf ich denn mein Fahrrad bei dir abstellen?«

»Stell’s einfach hinten in den Garten.«

David holt kurz seine Wagenschlüssel aus dem Haus, während Jeremy das Fahrrad wegbringt. Wenig später treffen sie sich wieder am Auto und fahren in die Stadt zum Polizeirevier.

 

»Guten Tag. Wir möchten einen Überfall melden«, sagt David mit ernster Miene.

Der Polizeibeamte setzt sich an den Computer und antwortet: »Bitte, schildern Sie zunächst den Hergang des Überfalls und dann geben sie mir bitte eine Beschreibung der Täter.«

»Also«, ergreift Jeremy das Wort, »ich bin das Opfer.« Jeremy erzählt ganz genau, wie sich alles abgespielt hat. Als er die drei großen Männer beschreibt und die zwei Motorräder erwähnt, sagt der Beamte: »Wir fahnden schon seit geraumer Zeit nach diesen drei Kriminellen. Die werden wegen sechs Straftaten gesucht und dank Ihrer Hilfe haben wir nun eine handfeste Täterbeschreibung. Auch ohne Fotos werden wir die Übeltäter sicher bald einbuchten.«

Anschließend sagt David noch als Zeuge aus und die beiden erfahren von dem Beamten: »Das sind schwere Jungs. Raubüberfälle, Beamtenbeleidigungen, Diebstahl und ich könnte noch eine Reihe von Straftaten aufzählen. Auf diese Verbrecher ist eine erhebliche Belohnung ausgesetzt worden. Sobald wir die Täter geschnappt haben, werden wir uns bei Ihnen melden, okay?«

»Danke, Herr Kommissar«, sagt David erleichtert und sieht Jeremy lächelnd mit einem Augenzwinkern an.

Die beiden jungen Männer stehen auf, verlassen das Gebäude und fahren wieder zurück zu David nach Hause.

Jeremy schaut auf die Uhr und meint: »Es hat gerade mal eine Stunde gedauert. Das ging ja schnell. Trotzdem bin ich ganz schön spät dran.«

Sie steigen aus dem Wagen und verabschieden sich voneinander.

»Na dann, bis bald, Jeremy.«

»Tschüss, David. Ich rufe dich mal an, bestimmt schon bald, dann können wir uns ja wieder am Fluss treffen. Und nochmals vielen Dank für alles.«

»Nichts zu danken. Das war doch meine Pflicht und ich hab dir gern geholfen. Das hättest du für mich doch auch getan, nicht wahr?«

»Ja, das hätte ich«, antwortet Jeremy. Dann schnappt er sich sein Fahrrad und fährt nach Hause.

Als er dort ankommt, warten schon alle ungeduldig auf ihn und wollten gerade anfangen zu essen. Noch bevor er eine Entschuldigung vorbringen kann, meckert seine Mutter schon los: »Es ist fast 13 Uhr, du weißt doch, dass wir immer pünktlich um 12 Uhr Mittagessen, oder etwa nicht? Auf dich ist kein Verlass mehr, seitdem du mit dieser ›Sherry‹ zusammen bist. Immer diese Unpünktlichkeit! Ich habe bald die Nase voll von dir und dieser Frau. Sie hat einen schlechten Einfluss auf dich. Du bist wie ausgewechselt und kommst jedes Mal erst in der Früh nach Hause. Und wer weißt, wo du dich noch so rumtreibst, mein Junge! Nun wasch dir die Hände, setzt dich endlich an den Küchentisch und starr keine Löcher in die Luft! Und wie siehst du denn überhaupt aus? Hast du dich geprügelt? Oder wo kommt diese Schürfwunde her?« Sie zeigt auf seine Stirn.

»Ja, ich habe mich ungewollt mit drei fremden Männern geprügelt, aber leider habe ich den Kürzeren gezogen, damit du’s weißt! Weshalb regst du dich überhaupt so auf? Es ist doch immer noch Mittagszeit. Außerdem habe ich jemanden kennengelernt und dabei die Zeit vergessen.«

»Ist mir egal. Alle sind hungrig und warten nur darauf, dass sich der Prinz mal bequemt, nach Hause zu kommen! Und nach dem Essen gehst du mir aus den Augen, verstanden! Iss jetzt!«, schreit die Mutter ihn an.

»Ich habe keinen Hunger mehr!«

Jeremy geht wütend in sein Zimmer, das eine Treppe höher liegt, schmeißt sich aufs Bett und fängt zu weinen an. Nach einiger Zeit steht er auf, geht zum Telefon und ruft David an. Als dieser sich meldet, sagt er: »Entschuldige bitte, ich bin es, Jeremy.«

»Was ist los? Du hörst dich so traurig an. Weinst du etwa?«

»Hm. Meine Mutter macht mich oft so wütend, dass mir manchmal die Tränen kommen. Sie schafft es immer wieder, mich aus der Reserve zu locken, da muss ich manchmal heulen.«

»Sag mir doch erst mal, was passiert ist. Am Besten, du kommst gleich zu mir. Da kannst du dich ausquatschen und beruhigen, danach sieht die Welt schon ganz anders aus, okay?«

»Ja, danke, David, ich habe gar nicht gedacht, dass ich dich so schnell brauche. Ich bin in etwa zehn Minuten bei dir.«

Er legt auf, rennt aus dem Haus und von Weitem hört er noch seine Mutter schreien: »Wo willst du hin? Wann kommst du wieder?«

Ohne ihr zu antworten, springt er in seinen zweitürigen weißen Audi mit Fließheck und rauscht davon. Als er an Davids Haus ankommt und aus seinem Wagen steigt, beginnt sein Herz heftig zu schlagen. Vor der Haustür breitet sich plötzlich in seinem Bauch ein komisches Kribbeln aus. Er weiß nicht, warum in ihm solche Gefühle aufkommen und wundert sich nur, dass seine Handflächen feucht werden. Dann fasst er schließlich Mut und drückt auf die Klingel.

David öffnet ihm die Tür mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. »Komm rein und setz dich auf die Couch. Ich hole dir erst einmal was zu trinken. Was möchtest du, Jeremy?«

»Mir ist alles recht.«

David reicht Jeremy nach kurzer Zeit ein Glas Whisky. »Hier, zur Beruhigung. Nun erzähl mal in Ruhe und der Reihe nach, was bei dir zu Hause los war!«

Jeremy nimmt einen Schluck, sofort wird er etwas ruhiger und erzählt David, wie seine Mutter auf ihn eingeschrien hat. Jetzt rollen ihm wieder Tränen übers Gesicht und er beginnt zu schluchzen. David setzt sich ganz dicht neben ihn auf die Couch, nimmt ihn in seine Arme und drückt ihn liebevoll an sich.

»Weine nicht, Jemy, es renkt sich bestimmt alles bald wieder ein. Ich kenne das. Meiner Mutter konnte ich damals auch nicht alles recht machen. So eine Phase machen wir wohl alle durch, was? Trink deinen Whisky, dann geht es dir gleich besser.«

Jeremy nickt ihm zu und leert das Glas in einem Zug. Dann wuschelt David ihm kurz durch sein rotbraunes, weiches Haar, steht auf und schaltet leise Musik an.

»Was ist mit deiner Freundin? Weiß sie, wie du dich fühlst? Sie steht dir doch auch nah, oder?«

»Nein, ich habe sie gar nicht angerufen, weißt du, manchmal behandelt sie mich wie ein Kind, und das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen. Außerdem wohnt sie in Berlin und da muss ich fast eine Stunde fahren, ehe ich bei ihr bin. Deshalb bleibt sie immer zwei Tage bei mir über Nacht, wenn sie für mich Zeit hat. Aber das ärgert meine Mutter, denn sie mag Sherry nicht.«

»Ach so, das habe ich nicht gewusst. Ich verstehe.«

Plötzlich klingelt das Telefon. David unterbricht sein Gespräch mit Jeremy nur ungern, geht aber ran. »Hallo, ja bitte?«

»Hier ist Susan. Wollen wir uns nicht schon morgen gegen Mittag bei dir treffen? Bei mir würde es ganz gut passen.«

»Ja gern. Wenn du möchtest, kannst du morgen gegen 14 Uhr bei mir sein und ich bestelle uns was vom Lieferservice, ja?«

»Das wäre gut, dann brauchst du nicht meinetwegen zu kochen und hast auch hinterher keine Arbeit. Du weißt schon, abwaschen und so.« Sie lacht.

»Genau! Dann also bis morgen, ja?« David legt den Hörer auf und setzt sich wieder auf die Couch zu Jeremy. »Das war Susan, wir treffen uns morgen zum Essen hier bei mir.«

»Ah, schön. Weißt du was, ich werde dann doch noch meine Freundin anrufen und mich mit ihr verabreden. Das heißt, ich bin dann für zwei Tage weg.«

»Ja, mach das. Dann kommst du bestimmt auf andere Gedanken, und du wirst sehen, alles wird wieder gut.«

Nun wuschelt David ihm noch einmal durch die Haare und geht zum Fenster, um es zu öffnen. Der Regen hat inzwischen aufgehört und die Sonne lugt zart durch die noch kleinen vereinzelten grauen Wölkchen. Etwas frische Luft wird ihnen guttun.

»Hast du eigentlich Geschwister, David?«, hört er da Jeremy unvermittelt fragen.

»Nein«, antwortet er, »habe ich aber auch nie vermisst. Ich habe zwei besondere Menschen, einen Freund und eine Freundin, in meinem Leben. Die beiden reichen mir völlig aus, wenn ich ehrlich bin. Man hat sie nicht ständig um sich, aber es ist immer wieder schön, wenn man sich sieht und etwas Neues zu erzählen hat. So wie heute am Fluss, als ich dich rausgefischt habe, und jetzt sitzt du hier bei mir auf meiner Couch. Wer hätte das heute früh noch gedacht?«

Jeremy versteht, dann zeigt er auf zwei Landschaftsbilder, die David an der Wand hängen hat. »Hast du die auch gemalt?«

»Ja, das sind die ersten Bilder, die ich je gemalt habe, oben hängen noch drei.«

»Wie viele Zimmer hat eigentlich dieses Haus?«

»Komm, ich zeig dir alles.«

»Ich schau mir gerne alles von dir an.«

Sie sehen sich an und müssen über die zweideutige Aussage von Jeremy lachen.

»Das Wohnzimmer kennst du ja schon«, sagt David schließlich. »Ich habe es nach amerikanischer Art umgebaut, damit man gleich direkt von draußen ins Wohnzimmer kommt, ohne einen Vorraum. Ich musste zwei nicht tragende Wände rausreißen …«

»War wohl ein Haufen Arbeit, was?«, unterbricht ihn Jeremy, der sehr staunt.

»Das kannst du laut sagen. Ein Riesendreck hat das gemacht. Aber dafür ist es so, wie ich es haben wollte.« Er zeigt ihm die Küche samt Abstellkammer, dann das Badezimmer. »Oben sind noch zwei Zimmer, ein großes und ein kleineres«, meint David und sie gehen die Treppe hinauf. Geradezu ist ein großes Fenster, das alles recht hell ausleuchtet. Die Sonne verleiht dem Flur mit der gelben Tapete einen gemütlichen Ton.

Jeremy entdeckt zwei weitere Bilder von David. »Die sind wunderschön!«

»Und unverkäuflich, denn ich hänge sehr an ihnen. Hier rechts ist das kleine Badezimmer. Die hellgrauen Fliesen waren schon vor mir drin. Dann kommt gleich nebenan die Besenkammer und auf der linken Seite am Fenster ist das kleinere Zimmer, das ich momentan noch als Abstellraum nutze. Irgendwann, wenn ich Lust und Laune habe, werde ich es aufräumen. Wahrscheinlich erst im Herbst, wenn’s draußen ungemütlich wird. Und hier daneben ist das größte Zimmer auf dieser Etage.« David öffnet die Tür und lässt Jeremy hineinsehen.

»Oh, das sieht aber freundlich aus.« Das Zimmer hat eine hellgrüne Tapete, Decke und Scheuerleisten sind weiß gestrichen. »Das sieht klasse aus. Du hast ein schönes Haus, und geräumig ist es auch. Hast du das etwa ganz alleine renoviert und ausgestattet, David?«

»Ja, das habe ich. Es macht mir aber auch Spaß und deshalb ist es mir nicht so schwergefallen, alles alleine zu schaffen. Ich sagte ja schon, es waren sechs lange Wochen, in denen ich bis spät abends alle Hände voll zu tun hatte. Nun ist es aber endlich fertig und du bist der Erste, der es im neuen Glanz sieht.«

»Noch nicht einmal deine Eltern und deine Freundin waren hier?«

»Nein. Meine Eltern sind noch im Urlaub und kommen erst in ein paar Tagen wieder zurück. Und meine Freundin … na ja, ich kenne sie doch noch gar nicht richtig. Morgen kommt sie das erste Mal her«, antwortet David und winkt ihn herein.

Als sie im Schlafzimmer ziemlich dicht neben einander stehen, bekommen beide plötzlich feuchte Hände. Ein Kribbeln durchfährt ihren ganzen Körper. Die Jungs sehen sich verlegen an und sagen einen Moment lang kein Wort.

›Oh, mein Gott! Warum ist mir so komisch und warum bekomme ich Gefühle, die ich eigentlich gar nicht haben dürfte?‹, denkt sich David. ›Was ist nur los? Warum werde ich denn jetzt verlegen, und dann dieser Druck in meinem Magen … Ich bin bestimmt ganz rot. Meine Hände sind feucht und mein Herz schlägt so schnell … Aber warum?‹

Jeremy durchströmen ähnlich seltsame Gedanken, die er aber nicht unangenehm findet. Im Gegenteil, er merkt, dass er sich in Davids Gegenwart sehr wohl und schon ziemlich vertraut fühlt.

Dann räuspert sich David, schaut schnell weg und geht ein Stück bei Seite. Da sieht Jeremy das nächste Gemälde. Er sagt mit einem Kloß im Hals: »Das hier ist das schönste Bild von allen. So groß und mystisch. Der Engel dort, den du in bläulichen Tönen gemalt hast, ist die Krönung. Du bist wirklich ein wahrer Künstler.«

»Danke, Jemy, das hast du aber nett gesagt.«

Sie sehen sich mit einem Lächeln an, verlassen dann das Schlafzimmer und gehen zusammen in die Küche.

»Hast du auch Hunger?«, fragt David. »Ich habe noch nichts zum Abend gegessen. Ich mache uns was, ja Jemy?«

»Ja, gern. Zu Hause ist mir ja vor lauter Ärger der Appetit vergangen. Jetzt könnte ich gut was vertragen.«

»Gut, du kannst mir beim Kochen Gesellschaft leisten. Willst du noch einen Whisky?«

»Oh ja, heute ist mir wirklich danach. Es geht mir bei dir tatsächlich schon viel besser, David.«

»Siehst du, das habe ich dir doch gleich gesagt. Hör auf mich und alles wird gut.«

Als sie gegessen haben, macht David die Musik im Wohnzimmer aus und den Fernseher an. Anschließend setzt er sich zu Jeremy auf die Couch. »Ich finde«, sagt er dann, als er durch ein paar Programme geschaltet hat, »das Fernsehprogramm ist in den letzten Jahren echt zum Kotzen geworden, es kommt doch kaum was Anständiges in der Kiste. Entschuldige, aber darüber könnte ich mich immer aufregen, bringt bloß nichts. Wollen wir einen Film anschauen. Ich hab da eine neue DVD, die ich noch nicht gesehen habe.«

Jeremy nickt, David holt den Film und legt ihn in den Player. »Ich hole uns was zu trinken. Was möchtest du, Jemy?«

»Wenn du eine Cola oder ein Wasser hast, dann bringe mir bitte ein Glas davon.«

»Klar, habe ich da.«

Er bringt beides mit, gießt ihm und sich noch einen Whisky ein und setzt sich anschließend zu Jeremy auf die Couch.

»Oh, den Film kenne ich noch gar nicht, aber ich habe gehört, dass er gut sein soll«, meint Jeremy begeistert und sieht gespannt auf den großen Flachbildschirm, der mit der neuesten Technik ausgerüstet ist.

 

Als der Film zu Ende ist, sagt Jeremy: »Mir hat der Streifen gut gefallen, und dir?"

»Mir auch. Hätte ich nicht gedacht, dass Johnny Depp so eine komische Rolle spielen kann. Der Regisseur hat einen guten Griff gemacht. Die Rolle hätte keiner so gut spielen können wie Johnny.«

»Das stimmt«, antwortet Jeremy und meint dann: »So, ich werde jetzt gehen. Vielen Dank, dass du mir zugehört hast, David.«

»Was? Nein, so kann ich dich nicht mit dem Wagen nach Hause fahren lassen, wir sind beide nicht mehr nüchtern. Bleib doch einfach hier und morgen nach dem Frühstück fährst du nach Hause. Ich würde mir große Vorwürfe machen und könnte mir nie verzeihen, wenn dir unterwegs was passiert. Ich mache dir hier die Couch zurecht, okay, Jemy?«

»Das ist aber lieb von dir. Ich wusste gar nicht, dass du so ein verantwortungsvoller Mensch bist, David.«

»Da, kannst du mal sehen. Es gibt noch Leute, die es mit einem ehrlich meinen.«

Dann müssen beide lachen.

»Komm schon her, Jemy.« Dann nimmt David ihn in seine Arme und drückt ihn kurz an sich.

»Ach weißt du, wenn du Jemy zu mir sagst, da… da… dann würde ich gern Dave zu dir sagen. Ist das okay für dich?«

»Ja klar, die meisten nennen mich so.«

Als David aufsteht und das Bettzeug von oben holen will, erhebt sich Jeremy und schwankt mit ihm die Treppe hinauf ins Schlafzimmer, um ihm zu helfen. Als er das Bett sieht, sagt Jeremy: »Warte, du brauchst dir meinetwegen nicht solche Umstände machen. Wenn es dir nichts ausmacht, schlafe ich einfach mit in deinem Bett. Das ist doch groß genug für uns beide.«

»Gute Idee, dann sparen wir uns die Mühe. Und schließlich beißen wir beide ja nicht, oder?«

Sie sehen sich an und müssen lachen.

»Ich würde gern duschen …«, sagt Jeremy etwas unsicher.

»Ich auch. Nimm du gleich hier oben das Bad, frische Handtücher und eine neue Zahnbürste findest du in dem Badschrank. Ich gehe unten duschen.«

»Alles klar, Dave, da… danke, dass du so nett zu mir bist.«

»Keine Ursache, tue ich doch gern. Außerdem bin ich froh, einen Freund in der Nähe zu haben, und nicht immer erst in die Stadt fahren zu müssen, um etwas zu unternehmen. Und wir können auch gemeinsam mit unseren Freundinnen etwas machen.«

»Ach, ich habe schon was mit meiner Freundin gemacht«, kichert Jeremy.

»Mensch, ich meine doch, dass wir zusammen was unternehmen sollten, Ausflüge und so und nicht das andere. Dass du schon mit ihr geschlafen hast, dachte ich mir. Wäre ja auch schade, wenn du es noch nicht getan hättest, nicht wahr?«

»Da hast du vollkommen recht.«

David gibt ihm noch frische Unterwäsche und geht dann hinunter ins Bad.

In der Zeit ruft Jeremy seine Eltern an, damit sie sich keine Sorgen machen, weil er doch im Streit ohne ein Wort einfach abgehauen ist. Zum Glück ist sein Vater dran, der es ganz locker nimmt, dass Jeremy bei einem Freund übernachtet. Erleichtert geht er unter die Dusche.

Als er fertig ist, geht er ins Schlafzimmer und macht die kleine Nachtischlampe an. Jeremy legt sich ins Bett. Kaum hat er es sich bequem gemacht, fallen ihm auch schon die Augen zu, denn der Alkohol hat ihm den Rest gegeben. Es dauert nicht lange, da legt sich auch David neben ihm ins Bett. Er liegt noch wach und kann nicht einschlafen, denn er verträgt bedeutend mehr als sein Freund und ist noch nicht besonders müde. David schaut Jeremy an und sofort macht sich schon wieder dieses Kribbeln im Bauch breit. Seine Gedanken kreisen jetzt nur noch um Jeremy.

›Was für ein hübscher Bengel er doch ist‹, denkt David. Als Jeremy im Schlaf die Decke wegstrampelt, ertappt er sich dabei, wie ihm beim Anblick des fast nackten Jungen ein seltsamer Schauer über den Rücken läuft. Er kann ganz deutlich den Umriss des ziemlich großen Teils erkennen, das sich im Slip abzeichnet. Bei diesem Anblick regt sich sein Penis, aber er versucht sich abzulenken und will sich beherrschen. Er knipst die Nachttischlampe aus, schließt die Augen und will nur noch schlafen. Doch er findet keine Ruhe, steht wieder auf und geht über den Flur ins Bad.

›Oh Mann, was mach ich hier bloß? Ich bekomme schon einen Ständer, nur weil ein Junge neben mir im Bett schläft. Das ist doch nicht normal! Als hätte ich mich in Jemy verliebt, aber er ist ein Mann! Oh mein Gott, wohin soll das mit uns nur führen?‹, denkt David erschrocken. Doch so sehr ihn die Gedanken erschrecken, die Erregung nimmt nicht ab. So kann er nicht zurück ins Bett. Also holt er seinen Penis heraus und bewegt seine Hand langsam auf und ab. Er atmet leise tief ein und aus, bis er nach wenigen Minuten kommt und in vier Schüben ins Toilettenpapier abspritzt.

Als er wieder im Bett liegt, denkt er bei sich: ›Ich habe doch vor ein paar Tagen eine super Frau kennengelernt, warum denke ich nicht an sie? Vielleicht, weil ich sie noch zu wenig kenne und Jemy mir einfach den Kopf verdreht hat? Na ja, wir sind uns heute einfach ziemlich nahegekommen.‹ Er sieht zu dem schlafenden Freund neben sich. ›Wenn er doch nur nicht so verdammt süß aussehen würde, und dann dieses verführerische Lächeln und die wunderschönen Augen … Oh mein Gott! Ich liebe ihn‹, stellt David ungläubig fest und schüttelt den Kopf.

Nach einer Weile sinkt auch er endlich in einen tiefen Schlaf.

 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne ins Schlafzimmer und die beiden Jungs werden von ihr geweckt. Sie schauen sich tief in die Augen und sagen kein Wort. Ein Zucken geht durch Jeremys Körper und er fühlt sich etwas unwohl, weil er nicht weiß, was dieses komische Gefühl in seinem Bauch bedeutet. Aber dann lächelt er David an und sagt: »Mann, hab ich einen Brand, du auch?«

»Eigentlich nicht. Ich glaube, ich vertrage etwas mehr Alkohol als du. Wie hast du geschlafen, Jemy?«

»Wie ein Baby.«

»Ja, das habe ich heute Nacht gesehen. Du deckst dich wohl immer auf, was? Ich musste dich mehrmals zudecken.«

»Du bist ja fürsorglich wie eine Mutter«, lacht Jeremy

»Komm, gehen wir frühstücken.«

»Ich komm gleich nach, ich muss vorher nur schnell ins Bad.«

Jeremy putzt sich die Zähne, klatscht sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und zieht sich an. Als er wieder in die Küche kommt, steht schon alles zum Frühstücken bereit. Er setzt sich an den Tisch und die Jungs lassen sich ihr Essen und den aromatisch duftenden Kaffee schmecken.

Kaum sind sie fertig, erhebt sich Jeremy: »So, ich werde dann mal gehen.« David begleitet den Freund zur Tür.

»Also vielen Dank für deine Gastfreundschaft«, sagt Jeremy. David lächelt ihn an und öffnet die Tür. Sein Blick fällt sofort auf den tollen weißen Audi.

»Du kannst dir diesen Wagen leisten? Alle Achtung. Ach ja, Models verdienen ja sehr gut, habe ich fast vergessen«, sagt David spitz mit einem Grinsen im Gesicht.

Die beiden umarmen sich zum Abschied und schon rauscht Jeremy mit seinem Schlitten davon. David schaut ihm noch lange nach, bis er in die kleine Straße, die zur Wohnsiedlung führt, abbiegt. Dann geht er zurück in die Küche und wäscht das Geschirr von gestern Abend und heute früh ab – gut gelaunt und mit einem Pfeifen auf den Lippen.

 

Jeremy ist kaum zu Hause angekommen, kommt seine Mutter ihm entgegen und sagt: »Guten Morgen, mein Junge, hast du dich wieder gefangen?« Ihr Ton ist viel freundlicher und Jeremy kann vor lauter Überraschung nichts sagen. Seine Mutter holt tief Luft und sagt: »Entschuldige bitte, das von Gestern war nicht so gemeint. Ich hasse es nur, wenn wir auf jemandem beim Essen warten müssen. Doch ich vergesse immer, dass du kein kleiner Junge mehr bist, sondern inzwischen deinen eigenen Weg gehen willst.«

Weil Jeremy nicht nachtragend ist, winkt er nur ab und lächelt seine Mutter an. »Ist schon gut, dafür habe ich einen neuen Freund gefunden, auf den ich zählen kann. Er wohnt hier in unserer Nachbarschaft. Also, wenn ich mal wieder weg sein sollte, dann bin ich bestimmt bei ihm.«

»Wo wohnt er denn genau? Wie heißt er und was macht er so?«

»Ach, Mam, schon wieder so viele Fragen auf einmal. Also, er heißt David, er wohnt in der Nähe vom Fluss, im Waldweg 8. Aber wehe, schnüffelt ihr ihm hinterher. Er ist wichtig für mich und ich will ihn nicht euretwegen verlieren. Es ist wirklich schön, jemanden zu kennen, der nicht so weit weg wohnt von uns. Und zu deiner letzten Frage, Mam: Er ist Fotograf und Maler. Er malt hervorragende Gemälde, die sehen echt klasse aus. Jedenfalls gefallen sie mir sehr gut. Das ist ja immer Geschmacksache.«

Dann geht er fröhlich ins Bad und anschließend in den Garten und macht den Grill sauber, denn der wird heute Abend gebraucht.

 

SHERRY UND SUSAN

 

 

Jeremy erinnert sich daran, dass er es sich gestern überlegt hat, seine Freundin doch anzurufen und greift nun zum Telefon. »Hallo, hier ist Jemy«, meldet er sich, als sie rangeht.

»Hallo, was gibt’s?«

»Ich will fragen, ob ich dich übers Wochenende besuchen darf?«

»Ach, weißt du, heute geht es nicht. Ich bin schon mit einer Freundin verabredet, und weiß nicht, wann ich nach Hause komme. Das lohnt sich also nicht. Aber vielleicht könnte ich das nächste Wochenende zu dir kommen, was meinst du, Jemy?«

»Ach schade ...«

»Ich kann ja schon am nächsten Freitag zu dir kommen und bei dir übernachten, okay?«, versucht sie ihren Freund zu trösten.

»Ja, Sherry, das wäre toll.«

»Also, Jemy, bis nächste Woche, ja?« Dann legt sie auf und er steht noch für einen Moment grübelnd mit dem Hörer in der Hand da.

Er geht in die Küche, wo seine Oma das Mittagessen vorbereitet »Oma, kann ich dir helfen?«

»Ja, mein Junge, das wäre lieb von dir. Gieß doch bitte den heißen Pudding in die Schälchen, damit er schon abkühlen kann.«

Das Werkeln mit seiner Oma lenkt ihn ab. Als dann alles für das Mittagessen fertig und bereit auf dem Tisch steht, kommen alle wie bestellt in die Küche und machen sich über das leckere Essen her.

Nach dem Abwasch wird es um die Erwachsenen ruhiger. Oma und Opa halten ein Nickerchen. Jeremys Eltern unternehmen indessen einen Verdauungsspaziergang zum Fluss.

 

In der Zwischenzeit macht sich David empfangsbereit für seine Freundin Susan, die jeden Moment bei ihm sein müsste. Noch ein letzter Blick in den Spiegel, schon läutet es an der Tür.

David begrüßt Susan und führt sie zum Sofa. Er reicht ihr den Flyer vom Lieferservice, und als beide gewählt haben, bestellt er. Dann legt er romantische Musik auf, bringt für jeden einen Schoppen Wein aus der Küche und setzt sich mit leuchtenden Augen zu seiner Freundin.

»Prost, auf den heutigen Tag«, sagt sie und lächelt David verführerisch an, bevor sie das Glas in einem Schluck leert.

»Sag mal, Berlin ist groß, wo wohnst du denn dort?«

»Im Stadtbezirk Mitte, in der Nähe der Michael-Kirch-Brücke.«

»Willst du mir nicht deine ganze Adresse verraten, Susan?"

»Nein, vielleicht ein andermal, schließlich werden wir uns bestimmt heute nicht zum letzten Mal sehen, oder?«

»Wie alt bist du eigentlich, Susan? Das habe ich dich neulich gar nicht gefragt?«

»Ich bin genauso alt wie du, David, auch 26 Jahre.«

»Ach, ich dachte, du wärst jünger, schließlich siehst du so aus.«

Sie sehen sich lächelnd an und unterhalten sich über dies und das. Plötzlich rutscht Susan dicht an David heran und küsst ihn unvermittelt. Sie umarmt ihn und greift mit der Hand in seine dichten blonden Haare. Er erwidert ihren Kuss und legt zaghaft seine Hand auf ihr Knie. Der Kuss wird immer heftiger und seine Hand wandert zu ihrer üppigen Brust. Unter seinem Streicheln stöhnt sie leise auf und er spürt ihre Hand an seiner Hose. Susan fühlt seine ansteigende Erektion. Sie möchte gerade den Reißverschluss öffnen, da klingelt es an der Haustür. Sie erschrecken sich.

»Entschuldige bitte, bin gleich wieder bei dir«, keucht David, geht zur Tür und öffnet diese. Vor ihm steht der Pizzamann mit der Bestellung.

»Guten Tag, Herr Farrell! Ihre Bestellung ist da«, sagt der Fremde freundlich und reicht David zwei Pizzakartons.

»Oh, das ging ja schnell. Einen Augenblick bitte«, antwortet David, holt sein Portmonee aus der Jackentasche und bezahlt. Dann schließt er die Tür und er und Susan gehen mit dem Essen in die Küche.

Susan setzt sich und David geht zum Kühlschrank. »Möchtest du auch ein Bier dazu?«

»Ja, bitte.«

Sie lächeln sich vielsagend an und verschlingen ihre Pizza. Nach dem Essen ist die Stimmung nicht mehr so aufgeheizt, so schlägt David einen Spaziergang vor. Susan ist begeistert, denn sie achtet sehr auf ihre Figur und treibt regelmäßig Sport, wie sie David erzählt.

»Ich habe in den letzten Wochen so viel körperlich gearbeitet, um mein Häuschen ein wenig aufzumotzen«, erklärt David, »dass ich nun erst einmal die Schnauze voll vom Sport habe. Aber ab und zu jogge ich. Gerade hier in der Waldgegend macht das schon Spaß.«

Als sie auf der Lichtung ankommen, wo die drei Eichen und die Bank stehen, setzen sie sich ein Weilchen. Ihre Blicke fallen auf den Fluss, wo sie zwei Fischer beim Angeln zusehen. Dann umarmt Susan David unvermittelt und beginnt, ihn leidenschaftlich zu küssen, sodass er in seiner Hose bald die Erektion nicht mehr verbergen kann. Susan bekommt ein feuchtes Höschen. Da sie aber von den beiden Anglern beobachtet werden, stehen sie auf und führen ihren Spaziergang fort.

Plötzlich zieht sich der Himmel zu und es brauen sich dicke Wolken zusammen. Schnell gehen sie zurück zu Davids Haus. Schon nach wenigen Minuten fallen die ersten Regentropfen, bald ist es der reinste Wolkenbruch. Schnell rennen sie ins Haus. David führt Susan ins Badezimmer und reicht ihr ein Handtuch. Er selbst geht nach oben, um sich umzuziehen und auch für sie trockene Sachen rauszulegen.

Susan zieht ihre Sachen aus, hängt sie auf den Wäscheständer im Bad und geht nur mit einem Handtuch bedeckt zu David die Treppen hinauf. Sie findet ihn im Schlafzimmer. Er ist nackt und steht vor dem Schrank. Susan hüstelt und er dreht sich erschrocken um. Er steht da wie angewurzelt, hält schnell die Hände vor sein Schmuckstück und räuspert sich verlegen. »Hey, hast du mich jetzt aber erschreckt.«

»Ach, entschuldige, das wollte ich nicht, David.«

Dann kichert sie und geht auf ihn zu. Sie küsst ihn und nimmt ungeniert seine Hände, die immer noch auf seinem beachtlichen Teil liegen, weg. Susan öffnet ihr Handtuch und lässt es einfach fallen. David legt seinen Arm um Susan und ihre Gefühle übermannen sie. Sie lassen sich aufs Bett fallen und küssen sich leidenschaftlich. Ihre Hände berühren sich gegenseitig an den intimsten Stellen und ein leises Raunen ist von den Liebenden zu hören. Sie geben sich ihrem Verlangen hin.

»Du bist einfach wunderbar, David«, stöhnt Susan. »Ich hatte noch nie so einen tollen Liebhaber.«

Doch David antwortet ihr nicht, sondern hört ihr nur zu, bis sie laut aufstöhnt und ihren Orgasmus hemmungslos herausschreit. Gleich danach kommt David ebenfalls zu seinem Höhepunkt, den er lautlos voller Wonne genießt.

Nach einer kleinen Pause unterbricht Susan nun die Stille.

»Du bist gut im Bett, David«, sagt Susan. »Du weißt scheinbar genau, was Frauen wollen. Du bist der geborene Verführer, mein Lieber.«

»Ich bin doch keine siebzehn mehr. Du kannst mir schon etwas Erfahrung zutrauen. Schließlich bist du nicht die Erste, mit der ich Sex hatte.« David grient sie mit einem charmanten Augenzwinkern an und schenkt ihr einen Kuss. Sie bleiben noch ein bisschen gemütlich unter der Bettdecke liegen.

Susans Blick fällt auf das Gemälde an der Wand. Sie betrachtet es eine Weile. »Diese ganzen schönen Bilder – woher hast du die?«

»Die hab ich selbst gemalt.«

»Was? Die sind alle von dir? Bist du Künstler, oder so?« »Von Beruf bin ich Fotograf. Ich fotografiere Landschaftsbilder. Und wenn mich etwas besonders inspiriert, male ich es auch.«

»Fotografierst du auch Models? Ich meine Aktfotos und so?«

»Nein, solche Bilder mache ich nicht, ich bin mehr mit der Natur verbunden.«

»Inspiriert dich denn keine Frau, David?«

»In diesem Fall, nein. Ich sagte doch, ich bin ein Landschaftsfotograf.«

Sie bleiben noch eine Weile liegen, stehen dann aber auf und gehen zusammen unter die Dusche. Danach setzen sie sich ins Wohnzimmer gemütlich auf die Couch.

»Kannst du mir eine von deinen Fotoarbeiten zeigen?«

»Klar«, antwortet ihr David und geht zu seinem Schreibtisch, wo sein PC steht. Er fährt ihn hoch und Susan holt einen Stuhl aus der Küche, um sich neben ihn zu setzen. Kurz darauf schauen sie sich einige Landschaftsbilder an, die Susan wirklich beeindrucken. Als sie auf die Uhr sieht, sagt sie plötzlich: »Oh nein, schon so spät. Ich muss gehen, meine Eltern warten auf mich, ich habe versprochen, pünktlich bei ihnen zu sein. Mein Vater hat morgen Geburtstag und ich bleibe deshalb bei ihnen über Nacht.«

»Ach, schade, dass du nicht bei mir bleiben kannst, wir hätten bestimmt 'ne Menge Spaß.«

»Das glaube ich auch, das nächste Mal bleibe ich länger. Außerdem muss ich dir doch sowieso deine Sachen wiederbringen, nicht wahr? Wenn du willst, komme ich nächstes Wochenende zu dir und bleibe dann über Nacht, ja?«

»Das wäre schön.«

David bringt Susan zur Tür und küsst zum Abschied noch einmal ihren verführerischen Mund. Sie geht zu ihrem zweitürigen, roten Wagen, der sich Fiesta nennt, steigt ein und schon rauscht sie davon. Er schaut ihr kurz nach und kehrt dann ins Haus zurück. David geht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher ein und sieht sich noch eine Tierdokumentation an, bevor er müde ins Bett verschwindet.

 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne und David geht gutgelaunt durch sein frisch renoviertes Haus. Er fühlt schon seit ein paar Tagen, dass irgendwie ein Zauber in der Luft liegt, doch er kann sich dieses nicht erklären, denn seitdem er das Häuschen auf Vordermann gebracht hat, kommt ihm alles darin so angenehm freundlich und behaglich vor. Ja, er wollte sagen, dass sich hier ein Hauch von Liebe niedergelassen haben muss, denn er ist davon ganz erfüllt. Es ist noch recht früh für ihn, als er am Tisch sitzt und frühstückt. Verträumt sieht er durchs offenstehende Fenster und beobachtet die verschiedensten Vögel, die rege in den Bäumen zwitschernd umherhüpfen. Sie bieten ihm ein lustiges Schauspiel, die den Tag fröhlich einläuten.