Gelenk- und Rückenschmerzen müssen nicht sein - Dr. med. Wolfgang Schachinger - ebook

Gelenk- und Rückenschmerzen müssen nicht sein ebook

Dr. med. Wolfgang Schachinger

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Opis

Gelenk- und Rückenschmerzen wirksam behandeln Das ganzheitliche Gesundheitsmodell das Maharishi Ayurveda – eine Brücke zwischen alter und moderner Medizin – bietet ein Konzept zur Bewertung, Diagnostik und erfolgreichen Therapie chronischer rheumatischer Erkrankungen. Dieses Praxisbuch führt in die Grundlagen des Maharishi Ayurveda ein und stellt individuelle, auf den Patienten abgestimmte Behandlungen vor, die zur Linderung und Heilung der Beschwerden beitragen: Wohltunende Ölmassagen und Bäder, Einfache und grundlegende Ernährungsempfehlungen, Ayurvedische Präparate und Heilpflanzen, Yoga und andere Körperübungen, Entspannungs- und Musiktherapie u. v. a.

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Gelenk- und Rückenschmerzen müssen nicht sein

Dieses Buch ist inhaltlich weitgehend identisch

mit dem im Mosaik Verlag erschienenen Titel:

Ayurveda bei Gelenk- und Rückenschmerzen

Schrott Schachinger:Gelenk- und

Rückenschmerzen müssen nicht sein

© Aurum in J. Kamphausen

Mediengruppe GmbH,

Bielefeld 2002

[email protected]

Enddurchsicht: Jutta Oppermann

Fotos, Tabellen: Dr. med. Ernst Schrott

Umschlag-Gestaltung,

Typografie, Satz: Wilfried Klei

E-Book Gesamtherstellung: Bookwire GmbH, Frankfurt a. M.

www.weltinnenraum.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Printausgabe: 978-3-89901-002-2

ISBN E-Book: 978-3-89901-933-9

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und

sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe

sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Einleitung

Rheumasprechstunde

Vielzahl rheumatischer Krankheitsbilder

Risiken der modernen Medizin

Ein „Krankheitsverwaltungssystem“

Detailwissen und Bezug zur Ganzheit

Der Ayurveda

Ayurveda – Ursprung zeitloser Heilkunst

Maharishi Ayur-Veda – uraltes Heilwissen neu belebt

Menschlicher Körper – Abbild der Natur

Die Natur von Geist und Körper

Die drei Doshas

Vata ermöglicht Bewegung und Kommunikation

Pitta bildet Wärme, steuert den Stoffwechsel und den Energiehaushalt

Kapha gibt Struktur und Form

Gesundheit im Gleichgewicht der Doshas

Unser Körper – ein Universum für sich

Das ganze Farbspektrum des Lebens

Die geistigen Eigenschaften der Doshas

Biologische Rhythmen

Subdoshas – Schlüsselfunktionen der Physiologie

Stoffwechsel und Verdauung

Srotas – „Krankheitssystem“ des Körpers

Linderung und Heilung von Schmerz

Schmerzerleben ist subjektiv

Auch Pitta und Kapha können beteiligt sein

Ayurvedische Heilverfahren

Vollkommene Gesundheit

Sind wir im Selbst gegründet?

Krankheit entsteht im Bewusstsein

40 Ansätze für vollkommene Gesundheit

Einfache grundlegende Ernährungsempfehlungen

Yoga –sanfte Körperübungen

Rasayanas – Stärkungsmittel aus der Natur

Pancha Karma – Verjüngung und Regeneration

Transzendentale Meditation

Jyotish – in Einheit verbunden

Yagyas – vedische Verfahren zur Unterstützung des Gleichgewichts

Sthapatya-Veda – vedische Architektur und Baubiologie

Biologische Rhythmen und ihre Nutzung für die Gesundheit

Verschiedene Massageanwendungen für zu Hause

Ayurvedische Heilpflanzen

Gewürze und Kräuter

Mit Pflanzenkraft gegen rheumatische Beschwerden

Die freien Radikale

Stress und oxidativer Stress – die Welt der freien Radikale

Sauerstoff – Lebensgrundlage und Übeltäter

Wenn Eisen rostet und Fette ranzig werden

Ein natürlicher Stoffwechselprozess und seine Gefahren

Die Zelle als Angriffspunkt

Wie kann das System freier Radikale entgleisen?

Du wirst zu dem, was du wahrnimmst

Stress und die Mechanismen der Radikalfreisetzung

Erholung, Regeneration und Wiederaufbau

Ruhe – eine der wichtigsten Voraussetzungen

Amrit Kalash

Pancha Karma und freie Radikale

Rheumatische Krankheitsbilder

Entzündung bei Rheuma

Hilft eine Ernährungsumstellung?

Fasten und lacto-vegetabile Kost sind wirksam

Fettsäuren und Entzündungsstoffe

Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente

Kaffee, schwarzen Tee und Kartoffeln meiden

Fasten bessert die Entzündung

Antirheumatika weiter einnehmen

Operative Eingriffe

Krankengymnastik

Die Krankheiten im Einzelnen

Chronische Polyarthritis

Morbus Bechterew

Das Reiter-Syndrom

Arthritis bei Schuppenflechte

Gicht

Unser Rücken – Schutzschild und Ort der Gefühle

Nackenschmerzen

Kreuzschmerzen und Brustwirbelsäulenbeschwerden

Bandscheibenschäden

Der tiefe Schmerz im Kreuzdarmbeingelenk

Ischias

Allgemeines zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenleiden

Gelenke – eine wunderbare Einrichtung der Natur

Orte des Glücks

Von Gelenk zu Gelenk

Die Schulter

Der Ellbogen

Das Handgelenk

Hände und Finger

Die Hüfte

Das Knie

Sprunggelenke

Die Füße

Ein Ausblick

Moderne Naturwissenschaft – zeitlose vedische Wissenschaft

Der Mensch – ein vollkommenes Abbild des Universums

Menschlicher Körper – Ausdruck des Veda und der vedischen Literatur

Yoga – der Text des Patanjali

Sthapatya-Veda – der Bauplan des Körpers

Vedische Astrologie – Sonne, Mond und Sterne in unserem Bewusstsein

Neue Wege für die Zukunft

Anhang

Liste der Nahrungsergänzungen

Zur Aussprache der Sanskrit-Wörter

Adressen und Bücher

Zu den Autoren

Einleitung

■ Rheumasprechstunde

Eine Fallgeschichte aus der Rheumasprechstunde könnte so beginnen: Ein junger Mann klagt über Schmerzen in beiden Knien, die vor allem beim Sitzen, in der Kälte oder beim Bergsteigen auftreten und sich durch Wärme und beim Ausstrecken der Beine bessern. Der Arzt untersucht das Gelenk und findet nur einen typischen Druck- und Verschiebeschmerz am Unterrand der Kniescheibe als Hinweis für einen Reizzustand des Kniescheibenknorpels: eine so genannte „Chondropathia patellae“. Der Grund für dieses relativ häufige Beschwerdebild vor allem bei jungen Menschen mag in unserem Fallbeispiel eine sportliche Überlastung oder auch ein Mangel an Gleitsubstanz im Kniegelenk sein. Einfache örtliche Anwendungen und einige allgemeine Ratschläge führen hier meist zu einer raschen Besserung.

Nicht immer aber sind solche Gelenkbeschwerden so harmlos. Hinter einer leichten Schwellung eines Fingergelenkes kann sich auch eine beginnende, chronisch-entzündliche Rheumakrankheit verbergen, die oft den Anfang eines jahrelangen Leidensweges markiert. Solche rheumatischen Prozesse können Gelenke angreifen, die Wirbelsäule befallen oder sich schmerzhaft an Sehnen, Muskeln, Schleimbeuteln, im Fett- oder Bindegewebe festsetzen.

Für den Rheumatologen besteht in so einem Fall erst einmal die Hauptaufgabe darin, herauszufinden, um welche Rheumaart es sich handelt. Ist die Krankheit primär entzündlich wie die chronische Polyarthritis oder die Gelenkentzündung bei Schuppenflechte? Liegt sie außerhalb der Gelenke in den Weichteilen (so genannter „Weichteilrheumatismus“)? Verursacht eine „Verschleißkrankheit“, also eine Arthrose, die Beschwerden, oder ist die Gelenkschwellung lediglich eine Begleiterscheinung ganz anderer, nicht-rheumatischer Krankheiten von Leber, Nieren, Schilddrüse, Blut und Stoffwechsel, um nur einige Möglichkeiten zu nennen? Rheumatische Beschwerden können auch die Folge einer Infektion, etwa nach einem Zeckenbiss, sein oder bei akuten und chronischen Magen-Darm-Krankheiten auftreten.

■ Vielzahl rheumatischer Krankheitsbilder

Überschauen wir das gesamte Spektrum rheumatischer Krankheiten, so lassen sich nicht weniger als 450 zum Teil völlig verschiedene Krankheitsbilder unterscheiden. Sie haben genau genommen nur eines gemeinsam: den Schmerz, der an solchen Körperorganen und -strukturen sitzt, die mit Bewegung zu tun haben. „Rheuma“ ist somit der Oberbegriff für alle Schmerz- und Entzündungskrankheiten unseres Bewegungsapparates.

Rheumatische Krankheiten werden eingeteilt in:

• degenerative Rheumakrankheiten: Gelenkarthrose, z. B. Knie-, Hüft- oder Fingergelenke; degenerative Wirbelsäulenleiden, z. B. Bandscheibenschäden und Wirbelgelenkarthrosen;

• entzündliche Rheumakrankheiten: chronische Polyarthritis, Morbus Bechterew, Morbus Reiter, Arthritis bei Psoriasis u. a.; reaktive Arthritis bei Infektionskrankheiten; Arthritis bei Gelenkinfektion; systemische entzündliche Bindegewebserkrankungen, z. B. Lupus erythematodes, Sklerodermie, Dermatomyositis;

• Weichteilrheuma: Entzündung in Muskeln, Sehnen, Schleimbeuteln, Fettgewebe, Knochenhaut, Faszien, Bindegewebe oder Nerven;

• pararheumatische Krankheiten: rheumatische Begleitkrankheiten, z. B. bei entzündlichen Darmkrankheiten, Stoffwechselstörungen, Hormondrüsenerkrankungen, Blutkrankheiten, Leber-, Nieren- oder Nervensystemleiden.

Die moderne Medizin hat wie in anderen Fachbereichen auch auf dem Gebiet der Rheumatologie sehr ausgefeilte Untersuchungsmethoden entwickelt, um die genaue Art der Erkrankung herauszufinden: Spezifische Blutwerte, Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Computertomographie oder Kernspinaufnahmen weisen neben typischen Körperbefunden, der Entstehungsgeschichte und dem Verlauf der Erkrankung den Weg zur Diagnose.

■ Risiken der modernen Medizin

In solcher Diagnostik liegt die Stärke unserer Medizin. Was aber die Behandlung betrifft, befinden sich Arzt und Patient in einem bedauernswerten Dilemma. Entzündung und Schmerz werden schwerpunktmäßig durch Medikamente bekämpft, die die Symptome verringern oder beseitigen, aber die Krankheit nicht heilen. Im Gegenteil: Wenngleich auch hier zunehmend sanftere Therapiemethoden wie Vitamine oder Enzyme als entzündungs- und schmerzhemmende Wirkstoffe (Seite 80 ff.) eingesetzt werden, so hat die Mehrzahl der Antirheumatika doch zum Teil gravierende Nebenwirkungen. Selbst die scheinbar einfachen Rheumamittel, die kein Kortison enthalten, so genannte „Nichtsteroidale Antirheumatika“ (NSAR), können zu schwer wiegenden Folgeschäden führen. Häufig werden solche Nebenwirkungen von Arzt und Patient unterschätzt. Alle Schmerzmedikamente einschließlich der Acetylsalicylsäure – einem „leichten“ Analgetikum – haben sehr hohe Nebenwirkungsraten. So sollen allein in England 4000 (!) Menschen pro Jahr an den Folgen der Einnahme solcher schmerz- und entzündungshemmender Medikamente sterben und Zehntausende stationär in Krankenhäuser eingeliefert werden.

Eine medizinische Fachzeitschrift berichtet, dass der Wirtschaft in den USA 1995 als Folge solcher Nebenwirkungen Kosten von insgesamt mehr als 76 Milliarden Dollar entstanden sind. Das ist ungefähr zweimal so viel, wie in den USA etwa für die Behandlungen von Diabetes ausgegeben wird. Hier ist ein Umdenken dringend erforderlich!

Die Kosten für die Behandlung unerwünschter Nebenwirkungen von Antirheumatika sind immens. Von zwölf Milliarden Dollar, die 1993 in den USA für die Behandlung rheumatischer Krankheiten ausgegeben wurden, entfielen acht Milliarden auf die Behandlung der Krankheit selbst und nicht weniger als vier Milliarden auf die Therapie von Nebenwirkungen.

■ Ein „Krankheitsverwaltungssystem“

Die größte Schwäche unserer westlichen Medizin liegt vor allem darin, dass sie sich immer noch auf die vorwiegend chemische Behandlung von Krankheiten stützt, die letztlich weit mehr auf das Ergebnis des Krankseins als auf seine Ursache ausgerichtet ist. Diese Medizin ist nicht vorbeugeorientiert, sondern behandelt fast nur den bereits eingetretenen Gesundheitsschaden. Ein winziger Bruchteil, nicht mehr als ein Prozent des Gesundheitsbudgets, wird in den westlichen Industrieländern für die Vorsorge ausgegeben. Man kann also nicht von einem „Gesundheitssystem“, sondern muss von einem „Krankheitsverwaltungssystem“ sprechen. Für Diagnose und Therapie bereits vorhandener Krankheiten wird dagegen ein Milliardenaufwand betrieben, der in den letzten Jahren zu einer nicht mehr finanzierbaren Kostenexplosion im Gesundheitswesen geführt hat.

■ Detailwissen und Bezug zur Ganzheit

Die moderne Medizin leidet paradoxerweise am meisten unter dem, was sie zu Recht als eine ihrer größten Errungenschaften betrachtet: ihrem unglaublichen Detailwissen über Organe, Zellen und biochemische Abläufe. Sie zergliedert den Menschen in seine Einzelbausteine. Was ihr dabei aber am dringendsten fehlt, sind Modelle, die den Bezug zur Ganzheit des Menschen und des Lebens wiederherstellen.

An dieser Stelle drängt sich der Ayurveda förmlich auf. In einer Zeit, in der nahezu 80 Prozent der Menschen in unserem Land natürliche, gesundheitsorientierte Heilmethoden als Alternative oder Ergänzung zur derzeit praktizierten Medizin wünschen, hat sich die „Mutter der Medizin“, wie die ayurvedische Heilkunst als Ausgangslehre für eine Reihe von Naturheilsystemen in verschiedenen Kulturen auch bezeichnet wird, daher in wenigen Jahren schon fest etabliert.

Als Teil der uralten vedischen Wissenschaft Indiens, die in den letzten 40 Jahren von dem Gelehrten Maharishi Mahesh Yogi zum Teil wieder entdeckt, neu interpretiert und weltweit verbreitet wurde, hat diese Heilkunde im Vergleich zu unserer modernen Medizin ein völlig anderes Menschenbild und Therapieansätze, die den Patienten in den Prozess involvieren, sein geistiges und körperliches Gleichgewicht – und damit seine Gesundheit – wieder zu finden.

Dieses Buch gibt Ihnen einen verständlichen Einblick in Ihre Gesundheitsstörungen sowohl aus der Sicht der modernen Medizin als auch

aus der Sicht des Ayurveda. Es bietet Ihnen auch einfach nachvollziehbare Ratschläge an, in Ihrem Rheuma nicht mehr ein unlösbares Problem,

sondern eine Herausforderung zur dauerhaften Verbesserung Ihres geistigen und körperlichen Wohlbefindens zu sehen.

Kapitel 1

Der Ayurveda

Ayurveda – Ursprung zeitloser Heilkunst

AYUSLeben

VEDAWissen

AYURVEDAWissenschaft vom Leben

Unser eigenes Selbst ist der Ort vollkommener Gesundheit, die Quelle allen Wissens und der eigentliche Dirigent des Lebens.

Viele Menschen, die in den letzten Jahren auch im Westen mit dem Ayurveda in Berührung kamen, sind fasziniert von den einfachen und logischen Gesetzen dieser uralten Heilkunde und fühlen sich darin auch sofort zu Hause. Was ist der Grund dafür? Die Charaka-Samhita, eines der drei Hauptwerke der ayurvedischen Literatur, gibt uns eine, wahrscheinlich sogar die entscheidende Antwort darauf: Die Gesetze des Ayurveda sind universell gültig und zeitlos, denn sie beschreiben die Natur des Lebens selbst. Was die Rishis, die Seher der vedischen Zeit im alten Indien schauten, sind Naturgesetze, die in uns selbst und in der uns umgebenden Natur wirken und mit denen wir daher zutiefst vertraut sind. Mehr noch: Wir sind diese Gesetze selbst. Ein berühmter vedischer Ausspruch dazu lautet: „Vedo ’ham – Ich bin der Veda!“

Der wahre Ursprung der „Wissenschaft vom Leben“ liegt daher nicht in Asien, nicht in den medizinischen Texten des alten Indien und auch nicht in den Überlieferungen einer alten Kultur. Er liegt nach Auffassung der ayurvedischen Lehre im Inneren jedes Menschen, am Ursprung seines Denkens, Handelns und Empfindens, im eigenen Selbst. Das eigene Selbst ist gewissermaßen die kosmische Bibliothek, die alle Bücher der Weisheit und des Wissens enthält. Jeder von uns kennt Augenblicke im Leben, in denen er in einem stillen Moment tiefe Einsichten und Erkenntnisse aus diesem Bereich des Wissens gewinnt. Die Heimstatt des Veda, so sagen die vedischen Weisen, ist das tiefste innere Sein des Menschen, ein Bereich stiller Bewusstheit, in der der Mensch die kosmische Seinsebene berührt und mit ihr eins wird.

1: Maharishi Ayur-Veda – die Wissenschaft vom gesunden und langen Leben — greift zurück auf die eigentliche Quelle von Verjüngung, Gesunderhaltung und Heilung: den Veda, die stille Intelligenz der Natur.

■ Maharishi Ayur-Veda – uraltes Heilwissen neu belebt

Aus dieser Sicht betrachtet ist es also gar nicht so wichtig, ob der Ayurveda nun 3000 oder 5000 Jahre alt ist. Selbst die ältesten Texte gehen nicht auf die historischen Ursprünge zurück. Anfangs wurde das Wissen mündlich überliefert und erst sehr viel später wurden schriftliche Aufzeichnungen angefertigt. Im Laufe der langen Geschichte des Ayurveda sind jedoch wertvolle Therapien und Heilansätze in Vergessenheit geraten oder verändert worden. Zum Teil wurden sie nur noch in wenigen Familientraditionen bis in die heutige Zeit bewahrt. Dadurch hat der Ayurveda viel von seiner ursprünglichen Vollständigkeit und damit auch von seinen Möglichkeiten verloren. Bereits zu Anfang des Jahrhunderts gab es daher in Indien Bestrebungen, den Ayurveda zu erneuern. Der entscheidende Durchbruch gelang aber erst vor gut einem Jahrzehnt, als der vedische Gelehrte Maharishi Mahesh Yogi die Initiative ergriff und zusammen mit den größten Experten des Landes eine grundlegende Reform des Ayurveda begann.

Der Veda ist das älteste überlieferte Wissensgut der Menschheit. Er befasst sich mit der gesamten Reichweite der Schöpfung von den konkreten Ausdrucksformen des Lebens bis hin zu den abstrakten Bereichen des Bewusstseins.

Die Aussagen der Veden decken sich weitgehend mit den Erkenntnissen der modernen Quantenphysik, die im Vereinheitlichten Feld aller Naturgesetze die Basis aller Materie und Energiefelder sieht.

Der Veda identifiziert das Vereinheitlichte Feld als den Bereich reinen Bewusstseins. Praktisches Ziel des Veda ist die Selbstfindung und Selbstverwirklichung der Menschen über regelmäßige Erfahrung reinen Bewusstseins.

Das Hauptanliegen war vor allem, die reinen, kulturunabhängigen und universell gültigen Prinzipien dieser Heilkunde klar herauszuarbeiten, sie für die heutige Zeit verständlich zu formulieren und alle ursprünglichen Heilansätze wieder zu erschließen. Diese Neuformulierung heißt Maharishi Ayur-Veda. Sie hat sich in wenigen Jahren als moderne Ganzheitsmedizin weltweit verbreitet und wurde vom „All India Ayurveda Congress“, der Standesorganisation aller Ayurveda-Ärzte Indiens, als „die wieder vollständige ayurvedische Heilkunde höchster Qualität“ bezeichnet.

Maharishi Ayur-Veda beinhaltet damit nicht nur eine namhafte Erwähnung des Begründers, sondern ist auch gewissermaßen ein Markenname, der die kompetente Anwendung aller vedischen Wissenszweige, die ständige Weiterentwicklung durch ein internationales Expertenteam und die Vereinbarkeit mit den modernen Naturwissenschaften garantiert. So ist man im Maharishi Ayur-Veda auch vor Missbrauch und Teilwissen geschützt.

Die praktische Anwendung des Veda sowie der vedischen Literatur und natürliche ayurvedische Heilansätze erlauben es jedem Menschen, Gesundheit und Wohlbefinden als sein angeborenes Recht zu entdecken.

■ Menschlicher Körper – Abbild der Natur

In dem uralten Wissen, das heute als Maharishi Ayur-Veda bzw. Maharishis Vedischer Gesundheitsansatz wieder in seiner ursprünglichen Ganzheit zur Verfügung steht, erkennt man den menschlichen Körper als vollkommenes Abbild der Natur (Veda, siehe Seite 144 ff.). Die 40 vedischen Wissenszweige entsprechen demnach genau zuzuordnenden Strukturen von Nervensystem und Körper. Sie sind der stille und unmanifeste Bauplan unseres Körpers. Die praktische Anwendung des Veda und der vedischen Literatur sowie die ayurvedischen Heilansätze ermöglichen jedem Menschen, vollkommene Gesundheit, Glück und Wohlbefinden als sein angeborenes Recht zu entdecken. Dieses ganzheitliche Gesundheitsmodell versteht sich aber nicht als Gegensatz zur modernen Medizin, sondern ergänzt und vertieft diese in wichtigen Bereichen:

• Es belebt die innere Intelligenz des Menschen, den Ursprung und die Quelle seiner Selbstheilungskräfte durch die Verbindung mit dem eigenen Selbst: Yoga, Bewusstseinstechniken wie die Transzendentale Meditation.

• Es werden mathematische Berechnungen über den Einfluss der Planeten (unsere kosmischen „Gegenstücke“) auf die Gesundheit im Maharishi Jyotish, der vedischen Astrologie, mit einbezogen.

• Im Sthapatya-Veda, der vedischen Architekturlehre, geht das vollständige Wissen von der Ordnung und dem Bauplan der Natur auch in das Wissen für gesundes Bauen und Wohnen ein, bis hin zur optimalen Planung, Gestaltung und Orientierung nach den Himmelsrichtungen von Häusern und Städten.

• Schließlich kann das ganzheitliche Heilwissen des Ayurveda in der Gesundheitserziehung, Vorbeugung und Heilung von Krankheiten eingesetzt werden und so die moderne Medizin in diesem Bereich sinnvoll ergänzen: z. B. in Bezug auf die Ernährung, Heilkräuter, Reinigungstherapien, die tägliche und jahreszeitliche Routine, die Pulsdiagnose und vieles mehr. Dieser Ansatz bildet im Wesentlichen die Grundlage für dieses Buch.

2: Die Säulen des Vedischen Gesundheitsansatzes

 

Die Natur von Geist und Körper

Um die ayurvedischen Anwendungen und Therapieempfehlungen für die verschiedenen Rheumakrankheiten sinnvoll einsetzen zu können, müssen wir zuerst einen Einblick in elementare Zusammenhänge von Körper und Geist, wie der Maharishi Ayur-Veda sie sieht, erhalten. Diese sind mit etwas Einfühlungsvermögen leicht zu verstehen und erweitern unsere Vorstellung von körperlichen und geistigen Beziehungen bei Krankheit und Gesundheit ganz wesentlich.

■ Die drei Doshas

Von besonderer Bedeutung ist die Lehre von den drei Doshas, grundlegenden und ganzheitlichen Prinzipien oder Kräften, die alle körperlichgeistigen Vorgänge steuern. Diese heißen Vata, Pitta und Kapha (siehe Abb. auf Seite 18). Es sind gewissermaßen die Instrumente des Lebens, die, wenn wir gesund sind, harmonisch das Lied unseres kosmischen Daseins spielen oder bei Störung und Krankheit Missstimmung und Dissonanz verursachen.

Die Instrumente des Lebens richtig stimmen

Da wir für die richtige Stimmung dieser Instrumente selbst sorgen können, sollten wir uns mit ihrer Natur und ihren Besonderheiten wieder vertraut machen. Die Betonung liegt hierbei auf „wieder“, denn die Doshas als natürliche Regelprinzipien unseres Organismus sind uns wohl bekannt. Wir haben ihre Hinweise in der Vergangenheit vielleicht nicht immer so beachtet, wie es erforderlich gewesen wäre, um gesund oder im inneren Gleichgewicht zu bleiben – die Doshas haben sich jedoch stets „zu Wort gemeldet“, wenn es darum ging, innere Bedürfnisse auszudrücken, Ungleichgewichte von Geist oder Körper zu melden oder, wenn sie gut gestimmt im Gleichklang waren, Wohlbefinden, Glück und Schaffensfreude auszudrücken. Der Maharishi Ayur-Veda erinnert uns an ihr Spiel und gibt Hilfestellung, diese Instrumente unseres Lebens harmonisch zu stimmen. Und, was von großem Reiz und besonderem Wert ist, sie erlauben, unsere eigene Natur, unseren Typ zu bestimmen sowie zu verstehen und dadurch mehr im Einklang mit unseren natürlichen Anlagen und Eigenschaften zu leben.

Der Fragebogen auf Seite 19 gibt Ihnen ein vertieftes Verständnis der Doshas und von deren Ausprägungen bei Ihnen selbst.

■ Vata ermöglicht Bewegung und Kommunikation

Die einfachsten und treffendsten Worte für die Aufgaben von Vata sind Bewegung und Kommunikation. Vata ermöglicht Handlungen: angefangen von einfachen Bewegungen beim Gehen oder Laufen, Sprechen, Singen oder Tanzen bis hin zu höchst komplexen Bewegungsmustern, die ein virtuoser Pianist für ein Stück von Mozart oder ein Akrobat bei einer schwierigen Zirkusnummer einstudiert hat. Jeder von uns hat seine eigene, von der Natur gegebene Art, sich zu bewegen und durchs Leben zu gehen. Wie wir das tun, kennzeichnet auch den Anregungszustand dieses Doshas.

Die permanente Anregung von Vata ist eine der wichtigsten Ursachen für viele Krankheiten unserer Zeit.

Es gibt vielfältige Gründe, wie Vata aus dem Gleichgewicht geraten kann. Einige davon werden bei der Besprechung der verschiedenen rheumatischen Krankheitsbilder (Seite 92 ff.) hervorzuheben sein. Denn ein Zuviel an Vata, also eine Fehlsteuerung in diesem Bereich unserer Physiologie, steht im Mittelpunkt der Volkskrankheit Rheuma in all ihren vielfältigen Erscheinungsformen.

Steuerprinzip vegetativer Bewegungsabläufe und Transportsystem

Vata ist nicht nur die Triebkraft unseres sichtbaren Handelns und aller damit verbundenen bewussten Bewegungsmuster, sondern steuert und koordiniert auch sämtliche unbewussten, also vegetativen Bewegungsabläufe und transportiert Stoffe. Es bestimmt den Rhythmus und die Frequenz von Herzschlag und Atem, führt die Nährstoffe zu den Zellen und Geweben und bringt Botenstoffe, Hormone oder Immunkomplexe an ihren Bestimmungsort. Ist dieser freie Fluss von Information blockiert, entstehen aus ayurvedischer Sicht Schmerz, Spannung und Störungen von Bewegung und Empfindung. Ursache dafür können Toxine, Ablagerungen und Stoffwechselfehlprodukte sein. Ayurveda nennt diese Ama, ein wichtiger Themenkreis, auf den wir noch genauer einzugehen haben.

Die unterschiedlichen Rezeptoren des peripheren Nervensystems leiten ihre Wahrnehmungen unter dem Einfluss von Vata an das Zentralnervensystem weiter, wo sie in unser Bewusstsein gelangen.

Wachheit, Wahrnehmung, Glück und Schmerz

Vata ist auch die Triebkraft unserer geistigen Aktivität, des Denkens, und die Grundlage geistiger Wachheit und Flexibilität. Es ermöglicht uns, durch die Sinnesorgane wahrzunehmen und Informationen aus der Außenwelt aufzunehmen. Hier berühren wir eine entscheidende Stelle zum Verstehen rheumatischer Krankheiten. Das Erleben von Glück und Wohlbefinden und das Erleiden von Schmerz in all seinen unterschiedlichen Qualitäten unterliegt nämlich vor allem dem Aufgabenbereich von Vata. Wir werden später zwar noch sehen, wie der Schmerz – etwa von Gelenk oder Muskel – auch von den beiden anderen Doshas Pitta oder Kapha geprägt oder beeinflusst sein kann. Die grundlegende Qualität aller Empfindungen aber, ob angenehmen oder unangenehmen, wird immer von Vata weitergeleitet und vermittelt.

Anpassung und Veränderung – gelenkig oder unbeweglich?

Wir sollten uns schließlich bei der Bewertung dieses Doshas bewusst machen, dass Rheuma eine Krankheit der Bewegungsorgane darstellt – Vata in seiner Funktion als Triebkraft für Bewegung und Veränderung also die wichtigste Einflussgröße bei Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden ist und daher für die Heilung und die Linderung dieser Beschwerden und für das Wiedergewinnen von Wohlbefinden unsere besondere Aufmerksamkeit verdient.

Bewegung geht einher mit Veränderung. Geistig unbeweglich oder flexibel, körperlich gelenkig oder steif sind unterschiedliche Ausdrucksebenen des Bewegungsprinzips Vata. Hier berühren wir schließlich die psychosomatischen Aspekte von Rheuma, die gelegentlich bei einzelnen Krankheitsbildern zur Sprache kommen sollen.

■ Pitta bildet Wärme, steuert den Stoffwechsel und den Energiehaushalt

Pitta steht für Verbrennung, Stoffwechsel und Wärmehaushalt. Es regelt alle Stoffwechselprozesse in den Verdauungsorganen und in den Zellen und Geweben. Dieses Dosha liefert die Energie, die verwandelt. Es bewirkt so den Umbau von Stoffen und stellt Energie für sämtliche Prozesse in unserem Organismus zur Verfügung. Menschen mit einem guten und ausgewogenen Pitta erfreuen sich einer gesunden Körperwärme, sind gut durchblutet und sehen meist prächtig aus. Sie strahlen ihre Wärme in die Umgebung ab und geben sie an die Mitmenschen weiter – auch in seelisch-geistiger Beziehung. Daher verbreiten sie – nicht zuletzt aufgrund ihres Humors, ihrer Begeisterungsfähigkeit und erfrischenden Kreativität – eine warme und herzliche Atmosphäre.

Entzündung, Rötung und Überwärmung sind typische Kennzeichen rheumatischer Erkrankungen wie der akuten Gicht mit dem so heftig pochenden und stechenden Schmerz, der am häufigsten zuerst im Großzehengrundgelenk auftritt.

Wenn Pitta gestört ist