Freundschaft in der Not - Glenn Stirling - ebook

Freundschaft in der Not ebook

Glenn Stirling

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WERNER DIETSCH schrieb als Glenn Stirling Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten. Sie glaubten, Freunde zu sein, doch in der Not wurden sie zu Feinden ... Mallory, Rost und Maffit kehrten als geschlagene Rebellen heim und versuchten einen Neuanfang. Aber der Bürgerkrieg warf lange Schatten und drohte Mallory als ersten zu verschlingen. Verzweifelt rief er seine Freunde zu Hilfe. Und dann war da noch Catherine, die schöne, begehrenswerte Frau …

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Glenn Stirling

Freundschaft in der Not

Western

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

FREUNDSCHAFT IN DER NOT

WERNER DIETSCH

schrieb als Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

 

 

Sie glaubten, Freunde zu sein, doch in der Not wurden sie zu Feinden ... Mallory, Rost und Maffit kehrten als geschlagene Rebellen heim und versuchten einen Neuanfang. Aber der Bürgerkrieg warf lange Schatten und drohte Mallory als ersten zu verschlingen. Verzweifelt rief er seine Freunde zu Hilfe. Und dann war da noch Catherine, die schöne, begehrenswerte Frau …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1

Sie kommen aus dem Osten – drei erschöpfte Männer auf abgetriebenen Pferden. Die grauen Uniformen, die sie jahrelang für die Sache des Südens getragen haben, hängen in Fetzen an ihnen herab. Vor dem Fluss halten sie an. „Der Sabine River ...“, murmelte Dudley Rost. „Wenn wir erst auf der anderen Seite sind, haben wir nur noch drei Meilen bis Merryville.“ Lown Maffit wischt sich die Augen aus. „Immer sind es nur noch ein paar Meilen. Du lieber Gott – ich könnte tagelang schlafen.“ Seine Lider sind rot und entzündet. Müdigkeit verzerrt sein Gesicht. Jede der vielen hundert Meilen, die sie seit Apomattox geritten sind, hat tiefe Zeichen um seinen Mund hinterlassen. Steve Mallory schweigt. Er stützt sich auf das Sattelhorn und blickt angestrengt über den Fluss. Träge wälzt der Sabine River sein lehmiges Wasser von Norden nach Süden. Hinter einer grünen Buschbarriere drüben am Westufer dehnt sich das Land braun und ambergelb bis zum Horizont hin.

Mallory kneift plötzlich die Augen zusammen. Als Rost und Maffit ihre Pferde in den Fluss treiben wollen, hält er sie zurück.

„Nicht so hastig“, sagt er warnend. „Ich habe eine Bewegung drüben gesehen. Irgendjemand steckt in den Erlen auf der anderen Seite.“

Rost zieht den speckigen grauen Dragonerhut tiefer in seine Stirn. Ungeduld treibt ihn an.

„Überall leben Menschen in diesem Land.“

„Sicher, aber wir wissen nicht, wie sie uns gesonnen sind. Wir kommen nicht als Sieger heim, Dud. Denk an Tennessee, Mississippi und Louisiana!“

Ein Schatten läuft über Mallorys Gesicht. Die Bilder zerschossener Städte, zerstörter Farmen und gequälter Menschen haben sich tief in sein Gedächtnis gebrannt.

Lown Maffit schluckt. Seine Stimme klingt rau.

„Glaubst du, sie machen auch hier Jagd auf alles, was einmal zum Süden gestanden hat?“

„Wer immer auch drüben ist, wenn er nichts Schlechtes im Schilde führte, würde er sich zeigen.“

Dudley Rost fährt mit der Hand durch die Luft.

„Aber doch nicht in Texas! Wir haben für sie gekämpft, und das vergessen sie nicht. Ich will nicht länger warten, zum Teufel! In einer knappen Stunde können wir alle endlich zu Hause sein.“

Er treibt sein Pferd mit den Schenkeln an und lenkt es das flache Ufer hinab; Maffit folgt ihm ohne Widerspruch. Allein Mallory hält sich zurück.

Sein Instinkt signalisiert ihm eine Gefahr, die seine Freunde noch nicht erkennen wollen. Noch einmal späht er über den Fluss.

Eine verstohlene Bewegung in den Erlen auf der anderen Seite hat ihn gewarnt. In diesem Augenblick bewegt sich wieder etwas. Dann sieht er den Blitz, der wie die Reflektion eines Sonnenstrahls auf einem Gewehrlauf ist.

In den harten Kriegsjahren hat er diese Art von Blitzen zu oft gesehen. Er weiß, was sie bedeuten. Seine Nerven beginnen zu vibrieren und spannen, sich an.

„Kommt zurück!“, ruft er laut.

Maffit und Rost verstehen ihn nicht. Vielleicht wollen sie auch nicht auf ihn hören. Ihre Pferde stehen bereits bis zu den Sprunggelenken im Wasser.

Mallory flucht.

Obwohl er weiß, dass drüben Gefahr auf sie wartet, reitet er ebenfalls an. Ein Mann von seiner Wesensart lässt seine Freunde niemals im Stich.

Vier Kriegsjahre hindurch haben sie zusammengestanden, am Bull Run und am Shenandoah, bei Chattanooga und Apomattox. Für Steve Mallory sind das Glieder einer Kette, die ihn an Dud Rost und Lown Maffit binden.

Er holt ihren Vorsprung auf und treibt sein Pferd neben die beiden anderen Tiere.

„Ihr Narren!“, keucht er und zerrt seinen Colt aus dem Holster. „Warum hört ihr nicht? Passt auf, was geschieht! Ich habe euch gewarnt.“

Der Nachhall seiner Worte hängt noch in der Luft. Dann blitzen die ersten Schüsse auf, deren Schmettern jäh den träumerischen Frieden des Landes zerreißt.

2

Mit hohem Singen streicht eine der Kugeln dicht am Kopf Lown Maffits vorüber. Maffit zerrt an den Zügeln; sein Fuchswallach bleibt unter dem scharfen, schmerzhaften Zug jäh stehen.

Vom Ufer her fallen neue Schüsse.

Die Männer, die sie abfeuern, sind immer noch nicht zu sehen. Nur die dünnen grauen Wolken von Pulverdampf, die über dem Erlengebüsch erscheinen, verraten die Stellungen der Schützen.

Die Pferde wiehern und schlagen mit den Hufen. Das Wasser des Sabine River scheint plötzlich zu kochen. Jede Kugel, die aus den Erlen kommt, schleudert eine blitzende, kleine Fontäne empor.

Maffit macht Anstalten, seinen Fuchs herumzureißen.

„Zurück!“, ruft er schrill. „Hier stehen wir wie auf einem Präsentierteller und können nur verlieren.“

Rost zeigt sich noch unschlüssig. Er hat seinen Revolver gezogen, weiß aber nicht, was geschehen soll. Er und Maffit blicken auf Mallory.

Erregung spannt Steve Mallorys Nerven scharf an. Für einen kurzen Augenblick empfindet er Furcht. Es ist ein schrecklicher Gedanke, so kurz vor dem Ziel alles verlieren zu sollen. Dann überwindet er seine Furcht und weiß, was geschehen muss.

Mit einem gellenden Ruf fällt er Maffit in die Zügel und deutet nach vorn.

„Dorthin, wenn du keine Kugel in den Rücken bekommen willst! Vorwärts!“

Gedankenfetzen zucken durch sein Gehirn. Es ist wie bei Bull Run. Er beugt sich tief über das Sattelhorn und drückt seinem Grauschimmel die Sporen in die Flanken. Mit einem langen Sprung fliegt das Pferd nach vorn.

Eine gebieterische Stimme tönt aus den Erlen.

„Lasst sie nicht herankommen! Schießt sie zusammen, die verdammten Rebellen!“

Doch die Männer, die Mallory, Maffit und Rost aufhalten wollen, schießen schlecht. Steve erreicht als erster das Texasufer. Er sieht zum ersten Mal deutliche Ziele und feuert seinen Revolver ab.

Es sind fünf Männer, die ihm und seinen Freunden den Heimweg verlegen wollen. Drei von ihnen haben schwarze Haut. Mallory sieht das Weiße in ihren Augen und die blitzenden Zähne.

Der Schuss geht fehl. Die Entfernung ist für eine Coltkugel noch zu groß. Einen Rebellenschrei auf den Lippen, stürmt Steve weiter.

Die Schwarzen bekommen es mit der Angst. Ihre Nerven halten diesem Angriff nicht stand. Sie springen auf und rennen tiefer in das Gebüsch, wo ihre Pferde stehen.

Die zweite Kugel Mallorys trifft.

Einer der Schwarzen lässt sein Gewehr fallen und wirft schreiend die Arme hoch. Dudley Rost verwundet den weißen Heckenschützen, der ihm am nächsten ist. Maffit drängt seinen Fuchswallach von der Seite her ins Gebüsch.

„Zum Teufel mit allem Gesindel!“

Die vier Überlebenden tauchen im grünen Gewirr der Blätter und Zweige unter. Fluchend gießt ihr Anführer seine Wut über die Schwäche seiner Leute aus. Pferde galoppieren an und treten das Unterholz nieder.

Mallory versucht noch einmal einen schnellen Schuss. Aber der Reiter bückt sich tief. Er entgeht der Kugel und verschwindet in einer Wolke von Staub. Das letzte, was Steve von ihm sieht, ist eine drohend gereckte Faust.

Pulverdampf zieht um Mallory.

Neben ihm spornt Rost sein Pferd zu einer wilden Verfolgungsjagd an. Nach knapp hundert Yards fallen ihre Tiere jedoch zurück. Sie sind zu erschöpft, um einen rauen Ritt durchstehen zu können.

Die Geräusche der flüchtenden Reiter verklingen. Jäh fällt alle aufgeputschte Energie von Steve ab. Auf dem Rückweg zu Maffit hockt er schlaff und müde im Sattel.

„Neger“, sagt Rost wütend und verächtlich.

Mallory ersetzt die abgeschossenen Patronen durch neue und stößt den Colt ins Holster zurück.

„Und zwei Weiße, vergiss das nicht, Dud! Du wirst deine Meinung über Texas revidieren müssen. Das ist eine höllische Art, heimkehrende Soldaten zu begrüßen.“

Neben Maffit steigt er ab und geht zu dem Schwarzen, der steif und verkrampft am Boden liegt. Neben dem Toten bleibt er stehen.

Maffit richtet sich von den Knien auf und sagt heiser:

„Du solltest diesen Burschen kennen, Steve. Nach dem Zeichen auf seiner Wange hat er unter deinem Vater auf Beau Kendricks Plantage gearbeitet.“

Mallory nickt.

„Das wird schon so sein. Ich glaube, er hieß Josuah.“

Er steht lose auf seinen Füßen, entmutigt und innerlich wie ausgebrannt. Die Nachwirkung des Kampfes hat ihn trübe und stumpf gemacht. Ein übler Augenblick vergeht für ihn, als Dudley Rost sagt:

„Ein Neger von Kendricks Maisplantage? Dann glaube ich, dass im Grunde alles nur deinetwegen geschehen ist, Steve. Sie haben dich als Sohn deines Vaters erkannt. Und wenn je Schwarze einen Weißen gehasst haben, dann Kendricks Oberaufseher Hush Mallory.“

Mit einem Ruck hebt Steve den Kopf zu Rost.

Jäh spürt er die Kühle, die ihm auf einmal entgegenweht. Sie ist plötzlich da und Mallory wird sich der Unterschiede bewusst, die zwischen ihm, Rost und Maffit bestehen.

Es ist eine bittere Erkenntnis, die Mallory wie ein Keulenschlag aus dem Hinterhalt trifft.

Vier lange Jahre und tausend gemeinsam überstandene Gefahren haben Maffit, Rost und ihn zu Freunden gemacht. All die Zeit hindurch hat diese Freundschaft sich bewährt. Aber nun ist der Krieg aus.

Jeder von ihnen ist wieder das, was sie vier Jahre vorher gewesen sind.

Dudley Rost gehört auf die reichste Ranch im Südwesten. Der Besitz seines Vaters, Art Rost, erstreckt sich über unermessliches Land.

Lown Maffit hat vor dem Krieg als Ranchhand auf einem Außenposten für Rost gearbeitet. Außer seinem Pferd, seinem abgescheuerten McClellan-Sattel und seinem Colt besitzt er nichts als das, was er am Leibe trägt.

Mallorys Mund wird schmal, als er daran denkt, wohin er gehört. Die gesellschaftliche Kluft, die ihn als Sohn eines Sklavenaufsehers von Dudley Rost trennt, ist tief wie ein Meer.

Rost lacht. Es klingt rau und ein wenig nach heftiger Verlegenheit.

„Die Hölle, Steve, ich weiß, was du jetzt denkst. Aber lass diese verdammten Gedanken! Zwischen uns dreien ändert sich nichts.“

„Wirklich nichts?“

Maffit schüttelt bekümmert den Kopf.

„Dud hat es bestimmt nicht so gemeint, wie du es verstanden hast. Du bist nicht dein Vater, Steve. Natürlich stehen wir zu dir.“

Sie beobachten Mallory, der noch immer in sein Denken vergraben ist. Steve zeigt eine düstere Miene, als er zu seinem Pferd geht und sich in den Sattel zieht. In seiner Kehle sitzt plötzlich ein Würgen.

„Well“, murmelt er, „unsere beste Zeit ist vorüber. Alles geht vorbei.“

„Du solltest nicht so reden“, sagt Rost.

Mallory nimmt die Zügel auf. Er wartet noch, bis auch Maffit wieder im Sattel ist, dann reitet er an. Er begreift, dass der Wandel nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Sein Schweigen dauert lange. Er bricht es erst wieder, als fern am Horizont Aderryville auftaucht und ihre Wege sich trennen. Rost und Maffit müssen nach Südwesten abbiegen; sein Ziel liegt nördlich der Stadt.

Er hält an und streckt seine Hand aus. Rost und Maffit nehmen sie beide zur gleichen Zeit. Rost sagt:

„Du hast den schwersten Gang, Steve. Lown kommt wieder mit auf die Ranch, aber du weißt nicht, was dich erwartet. Diese Schwarzen ... Bei Gott, ich finde nichts, um das ich dich beneiden könnte.“

Steve Mallorys Gesicht ist dunkel und nachdenklich, in seinem kargen Lächeln liegt ein starkes Bedauern.

„Wisst ihr, was ich denke? Ich will es euch sagen. Ich denke, dass wir drei heute wahrscheinlich zum letzten Mal Sattel an Sattel geritten sind.“

„Das sind bittere Gedanken“, murmelt Maffit.

Aber er widerspricht Mallory nicht. Ebenso wenig Dud Rost. Steve zieht seine Hand zurück. Er hält das Lächeln noch für einen kurzen Moment auf den Lippen, dann reitet er an. Hinter sich hört er das heftige Atmen der beiden Männer, bis der Hufschlag seines Pferdes auch diese Geräusche übertönt.

Nach einer Meile stummen Reitens blickt er sich noch einmal um. Maffit und Rost sind nur noch kleine dunkle Punkte, die sich unter wehenden Staubfahnen bewegen.

Aber nicht nur die räumliche Entfernung trägt Schuld an der Leere, die Steve plötzlich in sich spürt. Der Puls an seinem Hals hämmert auf einmal sehr hart.

„Das ist es also“, sagte er zu sich selbst. „Was vergangen ist, das ist vergangen. So blitzschnell kommt manchmal der Wandel.“

Zwei Hügelketten tauchen vor Mallory auf. Sie laufen parallel zueinander und schaffen so ein sanftes Tal, dem Steve folgt. Nach einer knappen Meile reckt er sich unwillkürlich im Sattel auf.

Spähend hält er Ausschau nach dem weißen Giebel von Beau Kendricks Herrenhaus. Er erinnert sich genau, das Haus von dieser Stelle aus zuletzt gesehen zu haben. Seitdem sind vier Jahre vergangen.

Er erschrickt, als er nichts sieht.

Er macht sich klar, dass die Cottonwoods um den Besitz in vier Jahren gewachsen sind. Vielleicht verdecken sie den Giebel jetzt. Aber seine Sorge wächst dennoch weiter. Er drängt zur Eile, so heftig sich das erschöpfte Pferd auch sträubt.

Dann beginnt die Stille an ihm zu zerren.

Nur die klappernden Hufgeräusche sind um ihn, das Knirschen des Sattels und das Klirren der Gebissketten. Der Singsang der schwarzen Plantagenarbeiter und die scheltenden Stimmen der Aufseher sind verstummt. Am lautesten pocht Mallorys Herz in der Stille.

Er stößt einen heiseren Schrei aus, als er das Haus endlich sieht.

Die weißen Mauern sind eingestürzt. Ein paar verkohlte Dachbalken ragen in den Himmel. Die leeren Fensterhöhlen sind wie blinde Augen. Auf den Steinstufen des ehemaligen Hauseingangs wächst Gras.

Die Hütten der Schwarzen sind zerstört. Ebenso das Haus des Oberaufsehers Hush Mallory. Als Steve näher heran reitet, huscht ein Kojote mir eingekniffenem Schwanz davon.

Mallorys Kehle ist trocken wie Wüstensand. Seine Lungen rasseln mit jedem Atemzug. Ein heftiger Krampf presst seine Magenwände zusammen und lässt sie beben. Er hat sich manchmal seine Heimkehr vorzustellen versucht, aber nie auf diese bittere Art.

Lange Zeit hockt er völlig reglos im Sattel. Die Knöchel seiner Hände, die die Zügel umspannen, sind weiß.

„Nein!“, sagt er laut. „Nein!“

Aber das Bild, das er sieht, ändert sich nicht. Was er erlebt, ist kein Traum. Die Häuser sind zerstört; die Maisfelder, die sich bis zu den nächsten Hügeln dehnen, sind unbebaut und leer.

Das Pferd Mallorys schnaubt. Es klingt ängstlich. Langsam tritt der Grauschimmel zurück und Steve wird sich der Verlorenheit seiner Gedanken bewusst.

Er reißt sich zusammen und steigt hölzern ab. Staub wallt unter seinen Stiefeln auf, als er auf die Reste des Hauses zugeht, in dem er geboren ist. Ein paar Ratten verschwinden pfeifend unter den Trümmern, sonst bewegt sich nichts.

Eine Stunde lang sucht Mallory vergeblich nach einem Zeichen. Er kann sich nicht vorstellen, dass es keine Nachricht seiner Eltern an ihn geben soll. Tausend Fragen, die er zu stellen hat, bleiben ohne Antwort. Als er wieder zurückreitet, hockt das Grauen hinter ihm im Sattel.

3

Merryville liegt nur eine knappe Reitstunde von Beau Kendricks ehemaliger Maisplantage entfernt. Mallory braucht die doppelte Zeit, bis er die Stadt endlich vor sich sieht.

Merryville liegt am Kreuzungspunkt verschiedener Straßen. Sie führen nach Jasper, Bleakwood, Call und Orange. In Steve Mallorys Erinnerung existiert die Stadt als ein fröhlicher Ort mit Tanzhallen, Spielsälen und Saloons.

Aber die Gegenwart hat alle Fröhlichkeit aus Merryville gefegt. Es ist ruhig in der Stadt trotz der Menschenmenge, auf die Mallory im Zentrum trifft.

Die Hauptstraße mit ihrer Doppelreihe eckiger Holzbauten liegt im goldenen Staub vor ihm, als er die Menge sieht. Viele Schwarze sind darunter. Sie starren auf die Tür des Gefängnisses, vor der ein bewaffneter Mann Wache hält.

Als ein Weiterkommen zu Pferd unmöglich ist, steigt Mallory ab. Er schlingt die Zügel um den Hitchrack vor dem Sabine River Saloon. Von dieser Stelle aus sind es bis zum Office des Marshals noch an die fünfzig Schritte.

Aber er kommt nicht durch. Die Menschen stehen Kopf an Kopf. Ihre starre Haltung ist unheimlich und beängstigend. Hinter ihrer Stille liegt ein Lauern, das Mallory an die Nerven geht. '

„Was ist los?“, fragt er einen dicklichen Mann.

Dieser wendet sich kaum um. Er reckt sich, um über die Köpfe der anderen, einen Blick auf die Gefängnistür werfen zu können. Seine Antwort klingt unwillig.

„Gleich werden Sie es selber sehen. Das gibt eine Lynchparty, an die Merryville noch lange denkt. Der Kerl, um den es geht, ist schuld daran, dass die Schwarzen nach ihrer Freilassung hier wie die Teufel gewütet haben.“

„Und wer ist es?“

Steves Frage bleibt ohne Erwiderung. Eine Welle der Erregung läuft plötzlich durch die Menge. Die Tür des Gefängnisses öffnet sich, und der Marshal der Stadt tritt auf den Bohlensteig.

Mallory sieht den blitzenden Stern und erkennt den Mann, der ihn trägt. Dieser Nolan MacDermott gehört zu denen, die früher jeder ehrlichen Arbeit aus dem Wege gegangen sind. dass MacDermott heute das Gesetz in Merryville vertritt, ist ein neuer Schock für Mallory.

Der Marshal ist ein langbeiniger, schwerfälliger Mann, der die Menge mit duldsamen Blicken betrachtet. Es liegt wenig Überzeugungskraft in seiner Rede, als er sagt: