Fernsehen aus Adlershof - Klaus Behling - ebook

Fernsehen aus Adlershof ebook

Klaus Behling

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Opis

Ob Ein Kessel Buntes oder Polizeiruf, das Sandmännchen oder die Aktuelle Kamera – das Fernsehen aus Adlershof gehörte in der DDR zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen bei Jung und Alt. Klaus Behling erzählt erstmals die gesamte TV-Geschichte zwischen Propagandamaschine und Pantoffelkino. Er sprach mit Zeitzeugen, wertete früher geheime Einschaltquoten aus und fand in den Akten Gründe, weshalb vor 25 Jahren trotz vieler Proteste endgültig abgeschaltet wurde. Behling erinnert an bekannte TV-Gesichter und große Straßenfeger, aber auch an zensierte Filme und politische Querelen hinter den Kulissen. Er untersucht, welchen Einfluss das West-Fernsehen in der DDR wirklich hatte und wie darauf reagiert wurde. Herausgekommen ist ein faktenreiches und unterhaltsames Buch für alle, die das Fernsehen mögen, sich gern erinnern und neue Einblicke gewinnen möchten. Ein spannender Rückblick vor und hinter die Kulissen des DDR-Fernsehens.

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Klaus Behling

FERNSEHEN AUS ADLERSHOF

Das Fernsehen der DDR vom Start bis zum Sendeschluss

edition berolina

eISBN 978-3-95841-529-4

1. Auflage

Alexanderstraße 1

10178 Berlin

Tel. 01805 / 30 99 99

FAX 01805 / 35 35 42

(0,14 € / Min., Mobil max. 0,42 € / Min.)

© 2016 by BEBUG mbH / edition berolina, Berlin

Umschlaggestaltung: buchgut, Berlin

Umschlagabbildung: © ullstein bild – ddrbildarchiv.de /Uhlenhut

www.buchredaktion.de

1. Abenteuer Fernsehen

Eben noch sang Zarah Leander »Davon geht die Welt nicht unter« und versicherte »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen«, doch Letzteres blieb aus, und die Welt ging unter.

Dass die Leute bis fünf Minuten nach zwölf dabei­blieben, verdankten die Nazis nicht zuletzt ihrer Propagandamaschine aus Rundfunk und Filmindustrie. Deren Macht kannten auch die Sowjets, die nun in Ostdeutschland regierten. Bereits zwei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht befahl der sowjetische Stadtkommandant in Berlin, Nikolai Erastowitsch Bersarin, die Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Rundfunks in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Mit Befehl Nummer 78 vom 27. September 1945 gestattete der Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, den Rundfunkempfang in der Sowjetischen Besatzungszone »zum Zwecke der rechtzeitigen und regelmäßigen politischen Informierung der deutschen Bevölkerung«. Drei Monate später unterstellte er das gesamte Rundfunkwesen in der SBZ der am 10. August 1945 gebildeten »Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung«. Dort entstand unter Leitung des mit der »Gruppe Ulbricht« im Gefolge der Roten Armee nach Berlin gelangten kommunistischen Funktionärs Hans Mahle ein eigenes Referat für Rundfunkfragen. Am 15. August 1946 wurde es in die »Generalintendanz des deutschen demokratischen Rundfunks bei der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung« umgewandelt, und der nunmehrige »Generalintendant« Mahle erließ am 18. Dezember 1946 Richtlinien, die die zen­trale Lenkung und Kontrolle des Rundfunks durch seine Dienststelle sicherten.

Gleichzeitig träumte er vom Aufbau eines Fernsehens. Dass die Technik dafür längst erfunden und bereits mit Erfolg erprobt worden war, wussten nur noch wenige.

Begonnen hatte alles am 22. März 1935 in Berlin vor ein paar flimmernden Bildschirmen. Dennoch verkündete »Reichssendeleiter« Eugen Hadamovsky­den »Volksgenossen« zur Eröffnung des »regelmäßigen Fernseh-Programmbetriebes« großspurig: »In dieser Stunde wird der Rundfunk berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutschen Herzen zu pflanzen.« Propagandaminister Joseph Goebbels sagte dem Fernsehen zwar »eine märchenhafte Zukunft« voraus, vertraute aber eher auf den Film als erfolgreicheres Medium für bewegte Bilder. Überdies behagte ihm sein eigenes Abbild auf dem Bildschirm nicht so, wie unter den Fanfarenstößen auf der Kinoleinwand. Das neue Fernsehen war in ein paar Dutzend »Fernsehstuben« in Berlin, später auch in Leipzig, zu sehen. Den Volksgenossen gefiel es. Am 28. Juli 1939 wurde der »Einheits-Fernsehempfänger E 1« mit einem rechteckigen 20 mal 23 Zentimeter messenden Bildschirm vorgestellt. Nach dem »Volkswagen« und dem »Volksempfänger« sollte er nun der »Volksfernseher« werden. 10 000 Stück wollte man bauen, mit 650 Reichsmark würde er dreimal billiger als die ersten Modelle werden. Doch der Krieg machte all diese Pläne zunichte. So entstanden schließlich nur rund fünfzig Geräte, und die »Fernsehstuben« schlossen 1943. Das Programm konnte danach nur noch in den etwa achtzig Berliner Lazaretten gesehen werden.

Entgegen bisherigen Auffassungen erkannte die Nazi-Führung durchaus das Propagandapotential des Fernsehens. Neueste Archivfunde belegen, dass es Live-Übertragungen von den »Reichsparteitagen« ab 1936 gab, rund 160 000 Zuschauer verfolgten begeistert die Olympiade in Berlin im gleichen Jahr am Bildschirm, und Fernsehberichte lieferten Einblicke in NS-Organisationen, zu denen es in den perfekt designten Propagandafilmen keine Entsprechung gab. Gerade diese Authentizität – technisch bestimmt durch wenig Schnitte, unkontrollierbare Originaltöne und eine ausführliche Beobachtung des Geschehens – führte neben den kriegsbedingten Einschränkungen bei der technischen Weiterentwicklung jedoch dazu, dass die »bewährte« Massenpropaganda per Film vorgezogen wurde. Das Interesse der Nazis am neuen Medium ließ nach.

Das war in Moskau anders. Hans Mahles Träume vom Fernsehen korrespondierten durchaus mit dem Interesse Stalins an einem neuen Propagandainstrument. In der Sowjetunion wurde bereits Anfang der dreißiger Jahre mit dem Fernsehen experimentiert. Der 1. Oktober 1931 galt seither offiziell als Geburtstag des Nationalen Fernsehens, doch technisch verfolgte es zunächst ein mechanisches Prinzip, das sich – wie auch das Paul Nipkows in Deutschland – nicht durchsetzte.

Nachdem eigene Entwicklungen in Richtung Elektronik neue Wege wiesen und die USA elektronische Empfangsgeräte und damit das nötige Know-how nach Moskau geliefert hatten, entstand ein riesiges Interesse am Medium der Zukunft. Der Nationale Rat der Kommissare beschloss Ende 1936 die Errichtung eines Radio- und Fernsehzentrums. Am 9. März 1937 fand die erste experimentelle Funkübertragung aus der Straße Shabolovka statt, und am 31. Dezember 1938 wurde das Moskauer TV Zentrum (MTVC) Teil des Moskauer Rundfunks. Die Sendungen waren zwar nur im Umkreis von sechzig Kilometern zu empfangen, aber die neue Technik galt als zukunftsträchtig. Wegen des Kriegsausbruchs stellte das MTVC 1941 seine Übertragungen ein und verlagerte die Ausrüstungen nach Swer­dlowsk, doch bereits 1944 gingen die Arbeiten weiter. Am 7. Mai 1945 nahm das Moskauer TV Zentrum als erster Sender Europas den regulären Betrieb auf.

Das Fernsehen galt als Beleg für die Überlegenheit des Sozialismus. Deshalb war es kaum erstaunlich, dass Moskau nun auch in seiner deutschen Besatzungszone die neue Technik förderte. Schon vor Gründung der DDR beauftragte die SMAD ostdeutsche Rundfunkverantwortliche ihres Vertrauens mit wichtigen Funktionen. Fünf Tage nach Gründung des Staates am 7. Oktober 1949 wurde die Kontrolle des Rundfunks unter sowjetischer Aufsicht an das neue Amt für Information beim Ministerpräsidenten der provisorischen Regierung der DDR übertragen.

Nunmehr trieb auch Hans Mahle seine Pläne für ein eigenes ostdeutsches Fernsehen voran. Zum 1. Oktober 1949 stellte er Ernst Augustin als Oberingenieur im »Zentrallaboratorium der Generalintendanz des Rundfunks« ein. Der 1902 geborene Techniker hatte eine Karriere als leitender Ingenieur bei der Radiotelefonie AG gemacht, 1931 wurde er Technischer Leiter des Rundfunkbetriebs Berlin und 1936 des Paul-Nipkow-Fernsehsenders. Ab 1941 arbeitete Augustin für die Tobis Film AG. Nun baute er für 60 Millionen Mark – nach westlichen Angaben – das großzügig geplante ostdeutsche Fernsehstudio auf. Die DDR hatte den Fachmann mit einem gutdotierten »Einzelvertrag« gelockt und bei Erfolg den »Nationalpreis« in Aussicht gestellt. Das Bauprojekt für die Gebäude des Fernsehzentrums Berlin (FZB) in Berlin-Adlershof verantwortete der freie Architekt Wolfgang Wunsch. Bereits während des Baus begannen am 13. Mai 1950 die Fernseh-Sendeversuche.

Schnell stellte sich heraus, dass es ohne Hilfe aus der Sowjetunion nicht gehen würde. Deshalb verkündete Armeegeneral Wassili Iwanowitsch Tschuikow, derweil Vorsitzender der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK) in Deutschland, mit Befehl Nummer 24 vom 15. Februar 1952 Maßnahmen, die der Ministerrat der UdSSR zur Unterstützung des Fernsehfunks der DDR beschlossen hatte. Dazu gehörte die Ausbildung von Fachkräften, technische Hilfe durch in sowjetischer Hand befindliche Betriebe und die Freigabe von 200 der im VEB Sachsenwerk Radeberg gefertigten Fernsehempfänger »Leningrad« aus Reparationslieferungen an die Sowjetunion für die Nutzung in der DDR. Die Zeit drängte, denn auch im Westen liefen die Vorbereitungen für ein eigenes Fernsehprogramm auf Hochtouren.

Start zu Stalins Geburtstag

Am 16. Dezember 1952 verkündete das Zentralorgan der SED, Neues Deutschland, im üblichen amtlichen Stil: »Auf einer Pressekonferenz teilte am Montag der Leiter des Fernsehzentrums Berlin, Hermann Zilles, mit, dass das offizielle Versuchsprogramm ab 21. Dezember, dem Geburtstag J. W. Stalins, täglich von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr laufen wird …«

Anfang der fünfziger Jahre hatten viele Leute andere Sorgen, als ausgerechnet Zeitung zu lesen. Deshalb fiel nur wenigen auf, dass nun auf einmal Hermann Zilles Chef des Fernsehzentrums und Ulbrichts Rundfunkmann Hans Mahle stillschweigend verschwunden war.

Er war drei Tage nach dem ersten Spatenstich für das Fernsehzentrum am 11. Juni 1950 in die Mühlen innerparteilicher »Säuberungen« der SED geraten. Der Vorwurf lautete »mangelnde ideologische Klarheit«, als Anlass diente sein Wohnsitz in Westberlin. Der eigentliche Hintergrund war jedoch die Suche nach Sündenböcken für Schauprozesse in Stalinscher Manier. Sie reichte bis in die Parteiführung und betraf etliche hohe Funktionäre, wie zum Beispiel SED-Politbüromitglied Paul Merker, Reichsbahnchef Willy Kreikemeyer oder den damaligen Chefredakteur des Zentralorgans NeuesDeutschland, Lex Ende. Unter Anschuldigungen wie, »kein Vertrauen zur Sowjetunion« zu besitzen und »Befehle amerikanischer Imperialisten befolgt« zu haben, rollten in Budapest und Prag bereits Köpfe. Mahle verlor zunächst nur seinen Posten, blieb aber für den Aufbau des Fernsehzentrums und des dazugehörigen »Zentrallabors« verantwortlich.

Im Mai 1952 zerstörte ein Brand das gerade fertiggestellte, erste Ansagestudio. Ohne die polizeilichen Untersuchungen abzuwarten, denunzierte der damals 42-jährige und sehr karrierebewusste Generalintendant des DDR-Rundfunks, Kurt Heiß, in einem Brief an die Staatssicherheit Hans Mahle. Er forderte, ihn für den Brand »mit allen Konsequenzen verantwortlich« zu machen. Noch am gleichen Tag wurde Mahle abgelöst und »zur Bewährung in die Produktion« nach Schwerin geschickt. Dort blieb er auch, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Brand ohne seine Schuld durch Fahrlässigkeit und einen technischen Defekt entstanden war. Hans Mahle wurde erst am 24. Februar 1959 offiziell rehabilitiert und arbeitete danach als Chefredakteur der Zeitung Die Wahrheit in Westberlin. Ab 1962 fungierte er als Mitglied des Parteivorstands der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW), einem Ableger der SED, den es nur in der geteilten Stadt Berlin gab. Hans Mahle starb 1999.

Seinen Posten als Verantwortlicher für den Aufbau des Fernsehzentrums in Adlershof übernahm bereits 1952 der bisherige Hauptabteilungsleiter für Programmplanung des Rundfunks, Wolfgang Kleinert. Über ihm residierte nun Kurt Heiß, der am 15. September 1952 zum ersten Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Rundfunk ernannt wurde. Seine Qualifikation hatte Kurt Heiß in der Sowjetunion erworben. Dort war er nach seiner Emigration 1935 bei Radio Moskau tätig gewesen.

Neuer Chef des Fernsehzentrums und erster »Intendant« des Fernsehens wurde ab August 1952 Hermann Zilles. Zuvor hatte er in leitenden Positionen beim Deutschlandsender und beim Berliner Rundfunk gearbeitet. Auf den Chefsessel hatte ihn seine antifaschistische Vergangenheit gebracht.

Der Start des Versuchsprogramms am 21. Dezember 1952 schlug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Den Regelbetrieb des Fernsehens im Westen begann der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) erst vier Tage später, am 25. Dezember 1952, und dem Generalissimus im Osten wurde die ihm gebührende Ehre zum Geburtstag erwiesen. Dass das neue Medium es damals auch als Aufgabe sah, die Deutschen zu vereinen, bewies das Fernsehzentrum Berlin aus Adlershof gleich am Heiligabend 1952. Unter dem Titel »Deutsche Glocken rufen zur Weihnacht« erklang das Geläut der »Maria Gloriosa« vom Erfurter Dom und des »Dicken Pitter« aus Köln, ergänzt von der neuen »Friedensglocke« aus Frankfurt an der Oder.

Die damals 27-jährige Ansagerin Margit Schaumäker erklärte den paar Hundert Zuschauern in Berlin, davon 75 Privatleuten, was sie künftig zu erwarten hatten: »Verehrte Fernsehfreunde! Das Staatliche Rundfunkkomitee, Fernsehzentrum Berlin, eröffnet sein offi­zielles Versuchsprogramm. Von heute ab wird Abend für Abend der Bildschirm Ihres Empfängers aufleuchten – für zwei Stunden kommt das Leben unserer Republik, aber auch das Leben ferner Länder über den Äther in Ihr Heim und in den Kulturraum Ihres Betriebes …«

Später erinnerte sie sich an die gut fünfzig Grad im Studio und daran, dass sie stehen musste – sitzen galt dem unsichtbaren Publikum gegenüber als unhöflich. Trotzdem ließ die Schauspielerin, 1951 in einer Hauptrolle des DEFA-Films Modell Bianca zu sehen, ihren Vertrag am Dresdner Staatsschauspiel sausen, denn ihr Mann wollte nicht aus Berlin weg. »Darum war ich froh, als das Angebot vom Fernsehen kam.« Und gut verdient wurde dort von Anfang an auch. Für zehn Ansagen gab es rund 1.500 Mark, das Fünffache eines normalen DDR-Lohns, der damals bei etwa 300 Mark brutto im Monat lag. Margit Schaumäker erschien bis 1964 auf dem Bildschirm, danach arbeitete sie als Kulturredakteurin und bei »Prisma«. Sie starb im November 2012 im Alter von 87 Jahren.

Sehr viel zu sehen gab es auf der »Postkarte« des Empfängers »Leningrad« für die Zuschauer nicht. Die einzige Kamera, ein Telefunken-Vorkriegsmodell, arbeitete nur zwanzig Minuten am Stück, bevor sie zu heiß wurde, und das Fernsehzentrum verfügte gerade einmal über drei Kurzfilme: einen über das Segelschulschiff Wilhelm Pieck, einen weiteren unter dem Titel Pferde und schließlich eine Anleitung zur richtigen Zahnpflege. Zu den Nachrichten flackerten mehr oder weniger aktuelle Fotos auf dem Bildschirm. Günter Puppe, einer der Regisseure der ersten Stunde, erinnerte sich später: »Wir produzierten fleißig Sendungen, die hauptsächlich aus Dia-Serien bestanden … Unsere S-Bahn, die hat Schwung hieß eine, bei der wir mit viel ›Schwung‹ etwa vierzig Dias über den Sender jubelten. Die entsprechenden Texte wurden vorher auf Band aufgenommen.« Eigene Filme gab es noch nicht und auch kein Budget für den Ankauf. Den »Premieren-Film« für das ostdeutsche Fernsehen, Die steinerne Blume, besorgte Programmchef Wolfgang Kleinert direkt vom sowjetischen Filmvertriebsvertreter in der DDR – gegen ein »Geschenk« von drei Flaschen Adlershofer Wodka.

Das erste »richtige« Programm, und das auch noch in der »Ferne« Leipzigs zu sehen, lief zur Herbstmesse 1953. Der Opernfilm Boris Godunow gehörte dazu, und es wurden fernsehgerechte Literaturadaptionen und schließlich am 9. September 1953 eine zweistündige Revue gesendet.

Wichtiger war jedoch, dass es derweil selbstent­wickelte und länger laufende Ikonoskop-Kameras, ein erstes Studio und die Möglichkeit von »Gastspielen« im Filmstudio Johannisthal gab. Am 11. September 1953 spielte das Berliner Ensemble Brechts Die Gewehre der Frau Carrar. Prinzipalin Helene Weigel hatte Bedenken gegen die geplanten Nahaufnahmen: »Man muss von den Schauspielern immer auch die Füße sehen können. Mitunter sagen die mehr als das Gesicht.« Doch Bertolt Brecht gefiel, was er bei der Abnahmevorführung zu sehen bekam. Fernsehpionier Hans Müncheberg: »Alle Mitarbeiter hatten ein schlechtes Gefühl. Neuland war die Verfilmung eines Theaterstückes immer noch, Film ab – alle Angst schien umsonst. Der große Meister ließ Zustimmung und Anerkennung für das Kollektiv laut werden. Wir waren glücklich. Wenn Brecht etwas lobte, so musste es wirklich akzeptabel sein.«

Noch war das neue Medium nicht besonders wirksam, doch dass es eine große Zukunft haben würde, war längst klar. Und der Westen ärgerte sich, dass er am Start nur Zweiter war.

Reaktionen aus dem Westen und interne Querelen

Nach den ersten fünf Monaten der Flimmerbilder aus Adlershof kommentierte der Hamburger Spiegel im ­April 1953 wohl auch deswegen das Ereignis mit der größtmöglichen Häme: »Wenn im vierten Jahr des ›sozialistischen Aufbaus in der Deutschen Demokratischen Republik‹ der geplante Fernseh-Sender mit Richtstrahlern nach Westdeutschland auf dem Gipfel des Harzer Brockens stehen sollte, können Fernseh-Intendant Werner Pleister und seine Zauberspiegler vom Nordwestdeutschen Rundfunk wieder normal durchatmen; denn dann werden die westdeutschen Kritiker erleben, was sie bislang nicht glauben wollten: dass Fernsehen noch sehr viel schlimmer sein kann.«

Dahinter stand der Ärger, dass der Nordwestdeutsche Rundfunk trotz seiner am 27. November 1950 begonnenen Versuchssendungen bis zum Heiligabend 1952 zwar schon 31 188 Sendeminuten ausgestrahlt hatte, das »offizielle« Programm aber nach dem der »So­wjetzone« begann. Die Sendungen aus dem ehemaligen Flak-Leitbunker auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg wurden im Kontrast zum Fernsehen im ­Osten als »unpolitisch« angepriesen. NWDR-Intendant Werner Pleister erklärte zum Start: »Das Fernsehen schlägt Brücken von Mensch zu Mensch. Von Völkern zu Völkern. So ist es wohl das richtige Geschenk gerade zu Weihnachten. Denn es erfüllt seine Möglichkeiten erst ganz, wenn es die Menschen zueinander führt und damit beiträgt zur ewigen Hoffnung der Menschheit: Friede auf Erden. In dieser Hoffnung beginnen auch wir nun unser Programm.« Um die Abwendung von der Politik zu unterstreichen, übertrug das neue Medium am zweiten Sendetag die DFB-Pokal-Partie des FC St. Pauli gegen die Sportfreunde Hamborn 07 aus Hamburg. Rund 5 000 private Zuschauer konnten dies sehen.

Gegen die ersten Fernsehschritte im Osten stichelte das Magazin Der Spiegel: »Bei ihrem kulturellen Neuaufbau fangen die Fernseh-Leute ganz unten an – auf der Mitte zwischen Hilfsschul- und Funktionärsniveau … Die Kindermärchen, die sonntagnachmittags als Puppen-Trickfilme gebracht werden, gelten als das bisher reinste Vergnügen, das Adlershof zu versenden hat. (…) Direkte Übertragungen von Aufmärschen, Sportkämpfen oder Theaterpremieren sollen, wie die Illustrierte ›Der Rundfunk‹ tröstend mitteilt, in Russland schon gebräuchlich sein. In Adlershof sind sie bisher nicht möglich. Auch Original-Fernsehspiele fehlen so gut wie ganz. Dafür wurden einige Inszenierungen auf Ostberliner Bühnen und einige Varieté-Nummern mitgefilmt und später gesendet.«

Der Kampf im Äther hatte begonnen, und das zeigten die Kommentare aus dem Westen: »Von diesem Erfolg haben sich Intendant Hermann Zilles und sein 900-köpfiger Stab im ›Fernseh-Zentrum Adlershof‹ bis heute nicht erholt. Sie produzieren jeden Tag von acht bis zehn Uhr abends ein Programm, das seiner Erzeuger so gründlich spottet, dass jedes antikommunistische Kabarett der Westberliner Konkurrenz dagegen verblasst … so entblößen die 625 flimmernden Lichtzeilen auf dem FS-Bildschirm die vernichtenden Blödeleien des Kommunismus unerbittlicher als jedes andere Medium …«

Das war in Wahrheit durchaus nicht immer der Fall. Die Fernsehmacher in Adlershof verstanden sich als Kultur-Boten und begannen ihre Mission trotz bescheidener technischer Mittel bereits mit ersten Sendungen wie »Das gute Buch« oder »Meisterwerke deutscher Kultur«. Mit Don Juan oder der steinerne Gast von Alexander Puschkin kam im Dezember 1953 das erste Stück Weltliteratur auf den Mini-Bildschirm. Der später verfemte Stefan Heym lieferte Die schwarze Liste als Vorlage für das erste Adlershofer Fernsehspiel zu Gegenwartsthemen. Es lief im April 1954. Ergänzt wurde das Angebot immer wieder von Opern- und Operettenaufführungen und den ersten Shows, die damals noch »Unterhaltungssendungen« oder »Bunter Abend« hießen.

Politische Aktualität war kaum zu leisten, und überdies gab es ja auch nur ein paar Hundert Leute, die das Fernsehen jener Jahre erreichte. Herbert Köfer erschien als erster Sprecher der »Aktuellen Kamera« auf dem Bildschirm. Die erste »Nachricht« lautete: »Guten Abend! Heute wird der beste Freund des deutschen Volkes, Generalissimus Stalin, 73 Jahre alt. Mit dem Namen Stalin ist für unser Volk für immer viel verbunden. Es verging nicht ein Jahr nach 1945, in dem uns nicht Stalin und mit ihm das große sowjetische Volk reich beschenkte.« Schon nach drei Monaten löste Intendant Zilles seinen Nachrichtensprecher Köfer mit dem Vorwurf ab: »Du sprichst die Nachrichten nicht, du spielst sie.« Der Schauspieler war zufrieden und genoss fortan ganz direkt seinen Erfolg: »Wenn mal jemand anrief, erkannte ich den Zuschauer meist schon an der Stimme. Wir hatten damals einen sehr ›direkten‹ Kontakt zum Publikum!«

Vielleicht deshalb wollte sich bei den ersten Fernseh-Schritten wohl auch kaum jemand aufs dünne politische Eis der aktuellen Ereignisse begeben. Im Frühjahr 1953 grummelte es in der jungen DDR gewaltig. Hans Müncheberg: »Auch wenn sich das Fernsehzentrum um eine halbwegs aktuelle Berichterstattung bemühte, so kann ich mich dennoch nicht erinnern, dass in dem allwöchentlichen Kommentar zum Zeitgeschehen über die Nöte jener gesprochen wurde, denen man Anfang April die Lebensmittelkarten entzog. In der Sendereihe Wussten Sie schon?, die sich, wie es damals hieß, ›operativ mit volkswirtschaftlichen Problemen‹ befasste, reagierte man auch nicht auf die Unzufriedenheit unter vielen Belegschaften, als Ende Mai die Arbeitsnormen per Dekret erhöht worden waren … Die Auseinandersetzungen vom 17. Juni haben das Gelände des FZ nicht berührt. Dennoch wurde ein ›Kampfstab‹ gebildet, eine Belegschaftsversammlung abgehalten und jedermann zu ›erhöhter Wachsamkeit‹ aufgerufen.«

Das hatte Folgen, die sich im Herbst 1953 zuspitzten. Im Oktober verhaftete die Staatssicherheit eine Mitarbeiterin des Fernsehzentrums, die am 9. November 1953 als »Westagentin« verurteilt wurde. Mit ihr fiel Intendant Hermann Zilles in Ungnade. Aus den Ermittlungen hatten sich Hinweise auf einen »moralischen Sumpf« im Fernsehen ergeben, der nun Zilles als »politisch Verantwortlichem« angelastet wurde. Obwohl zu jener Zeit hochnotpeinliche Verhöre moralisch gestrauchelter Genossen oft Gegenstand von Parteiversammlungen waren, stellte sich schnell heraus, dass es offenbar mehr um die Person Zilles statt um vermeintliche Verfehlungen ging. Nach dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 galt die von Stalin verfügte »Bekämpfung des Sozialdemokratismus« als wichtigste politische Aufgabe der Partei. Wer sich dabei zögerlich zeigte – und dafür gab es in der erst 1946 aus der Vereinigung von KPD und SPD entstandenen SED ein großes Potential –, wurde als »Versöhnler« diffamiert. Besonders betroffen waren davon Kommunisten, die in der Nazizeit in der »Westemigration« lebten.

Hermann Zilles stammte aus Köln und war seit 1930 in der KPD aktiv. Bereits im August 1933 verhafteten ihn die Nazis und verurteilten ihn wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu achtzehn Monaten Gefängnis. Nach Verbüßung dieser Strafe arbeitete er weiter für die Partei, 1936 gelang die Emigration in die Niederlande. Dort wurde Zilles nach Ausbruch des Krieges interniert und wenig später an die Gestapo ausgeliefert. 1941 verurteilte der »Volksgerichtshof« den Funktionär zu zehn Jahren Zuchthaus. Hermann Zilles überlebte die Haft im Zuchthaus Siegburg und ab 1943 im KZ Buchenwald. Dort war er Mitglied der illegalen KPD-Leitung.

Nun machte in der Folge der Spionageaffäre eine extra eingesetzte Untersuchungskommission des Staat­lichen Rundfunkkomitees und der SED-Parteileitung des Fernsehens dem sofort abgesetzten Intendanten Zilles Vorwürfe, die sich vordergründig auf sein persönliches Verhalten richteten. In den Protokollen der Kommission hieß es dazu unter anderem: » – Deine Auffassung Frauen und Trinken gegenüber ist nicht parteimäßig. – Es ist deine Hauptaufgabe zu stimulieren, damit das proletarische Element zum Zuge kommt …« Zeitzeugen erinnern sich daran, dass das sicher nicht alles aus der Luft gegriffen war, dennoch lag der politische Hintergrund wahrscheinlich tiefer. Hans Müncheberg: »Unter der Hand hörten wir, Hermann Zilles sei während seiner Haft im Konzentrationslager Buchenwald in ein Spannungsfeld zwischen älteren und jüngeren politischen Gefangenen geraten. Schon dort hätten sich Differenzen zwischen ihm und anderen politischen Häftlingen, die inzwischen zur Parteiführung gehörten, ergeben.« Das deutete sich auch in den Schlussfolgerungen der Untersuchungskommission an: »… Darum versöhnlerisches Verhalten, dadurch die schlechte Situation im Betrieb. Die größte Schuld messen wir dir zu, du bist die längste Zeit in der Partei …« Eine »Verwarnung wegen mangelnder ideologischer Wachsamkeit« hatte Zilles bereits weg, nun verlor er aus dem gleichen Grund seinen Chefsessel in Adlershof.

Hermann Zilles wurde mit dem Chefredakteursposten der Halbmonatsschrift DieSchatulle abgefunden. Er starb im Alter von 52 Jahren im April 1956. Die Schatulle mit einer Auflage von zuletzt über 100 000 Exemplaren wurde 1962 eingestellt. Hans Müncheberg bewertete nach dem Ende von DDR und Deutschem Fernsehfunk die frühen Querelen so: »Als aktiver Mensch von den eigenen Genossen derart rüde ins Abseits gedrängt zu werden, hat Hermann Zilles’ Lebenskraft aufgezehrt … Stalin war gestorben, seine Methoden nicht.«

Mit der Meinung stand er nicht allein. Diskutiert wurde damals nicht darüber, denn niemand wollte ebenfalls ein »Versöhnler« sein. Käthe Zilles, die Witwe des Intendanten, bekam ab Mitte der fünfziger Jahre einen Job als Ansagerin. Manche meinten, dass dabei auch ein wenig das schlechte Gewissen mitspielte. Sie war es, die als erste am 21. November 1959 das »Sandmännchen« ankündigte.

Das Fernsehen war derweil in ruhigere Fahrwasser geraten und hatte nun einen Chef, der bereits als »Kaderleiter« in Adlershof an der Absetzung Hermann Zilles’ beteiligt war und bis zum Ende der DDR die Marschrichtung überwachte.

Der Aufpasser und sein Zensor

Den Beginn seiner Karriere verdankte Heinrich Adameck, den alle immer nur »Heinz« nannten, einem kriegsmüden Feldwebel der Wehrmacht. Dass er zwischen den Klippen und Strudeln der SED-Kulturpolitik mit mehr als 35 Jahren Amtszeit der dienstälteste Fernsehchef der Welt wurde, ermöglichte ihm seine Fähigkeit, die Balance zwischen Aufpassen und Anpassen zu halten. Und wenn seine DDR und er nicht gestorben wären, ließe es Heinz Adameck heute noch flimmern.

Seine Tätigkeit als Intendant des DDR-Fernsehens und in zahlreichen anderen Leitungsgremien brachte dem »Napoleon« aus Adlershof den Ruf eines »Hardliners« ein. Das entsprach sicher den Erfahrungen vieler mit Heinz Adameck – er selbst beklagte später im kleinen Kreis die »jahrelang praktizierte Selbstzensur«, die vielen »die Luft zum Atmen nahm«. Zu Lebenszeiten der DDR störte sie ihn offenbar nicht, und er verabscheute den »Wind of Change«. Selbst als der aus Moskau kam und langsam zum Sturm wurde.

Heinz Adameck war ein Funktionär, der tat, was von ihm erwartet wurde: Er funktionierte. Seine in mehr als zwanzig Jahren Arbeit für das DDR-Fernsehen gesammelten Erfahrungen mit dem Chef beschrieb Chef­reporter Günter Herlt aus der Sicht des Insiders: »Er musste eine Nase haben, einen untrüglichen Instinkt für die Großwetterlage. Er musste riechen, welche Bilder und Worte im ›Großen Haus‹ Sodbrennen auslösen können. Er musste das seinen Mitarbeitern so nahebringen, dass diese zur Selbstverstümmelung bereit waren. Und sei es auch nur aus Mitleid mit ihm.« Die herausgehobene Position Heinz Adamecks, Mitglied des erweiterten Führungszirkels im besagten »Großen Haus«, dem Zentralkomitee der SED, gewesen zu sein, half ihm dabei wenig. Herlt: »Obwohl er ZK-Mitglied war, kassierte er Fußtritte von den Apparatschiks. Manchmal gab er die Tritte mit doppelter Wucht weiter an seine Leute. Öfter fing er sie auch ab, wenn sie nicht die Machtfrage tangierten.« Sich darüber Gedanken zu machen, verbot die Funktion, und das war ein Teil der Tragödie DDR. Für den allmächtig scheinenden Chef aus Adlershof begann sie mit dem großen Traum, den viele träumten.

Er fing an, als seine Wehrmachtseinheit 1944 bei Rustawi in der Nähe von Tiflis den Krieg auf eigene Faust beendete. So wurde der 23-jährige Heinz kein gewöhnlicher Gefangener, sondern ein Überläufer zur Roten Armee. Er und ein Kamerad blieben die einzigen ihrer einst 30-köpfigen Klasse vom Jahrgang 1921, die den Krieg überlebten.

Heinz Adameck aus Silberhausen im Eichsfeld hatte Kaufmann gelernt und als Lagerist in einer Papierwarenfabrik gearbeitet, bevor er 1940 eingezogen wurde. Nun suchte der noch einmal mit dem Leben davongekommene Obergefreite dessen Sinn. Er fand ihn beim Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) im Kriegsgefangenenlager 165 bei Taliza. Von dort schickte man ihn auf die nahe gelegene Antifa-Schule, die später zur »Zentralschule 2041« und Ausbildungsstätte vieler nachmaliger DDR-Funktionäre wurde. Nachdem Heinz Adameck sie 1949 erfolgreich abgeschlossen hatte und in die Heimat zurück durfte, warteten schon in Frankfurt an der Oder Abgesandte des Zentralkomitees der SED auf ihn. »Die Kader entscheiden alles«, hatte Stalin verkündet, und Heinz Adameck sollte dazugehören. Ein verlockendes Angebot an einen, der knapp zehn Jahre seiner Jugend verloren hatte.

Der inzwischen fast Dreißigjährige wurde »Kaderleiter« im Thüringer Innenministerium, verantwortlich für sämtliche Landesbedienstete, die die neue Verwaltung aufbauen würden. Dabei »bewährte« er sich, so dass ihm »die Partei« mit Gründung der DDR eine neue Aufgabe übertrug. Sie ordnete Adameck zum Rundfunk ab, um dort »in kürzester Frist die Position der Partei der Arbeiterklasse auszubauen«. Das dürfte ein kompliziertes Unterfangen gewesen sein, denn in dem hoch spezialisierten Bereich konnte niemand von heute auf morgen das Personal auswechseln und durch Parteifunktionäre ersetzen. Viele der Leute, die dort ihr Handwerk verstanden, hielten zuvor die Propagandamaschine der Nazis am Laufen, die »fortschrittlichsten« unter ihnen hatten sich ihre bürgerlich-humanistische Gesinnung bewahrt. Andere verdienten sich ihre Sporen an verschiedenen Theatern. Gab es bei einigen »politische Bildung«, stammte sie zumeist aus den Kriegsgefangenenlagern in der Sowjetunion. Doch viele hatten nur den Willen, nach dem verheerenden »Zusammenbruch« einen radikalen Neuanfang zu wagen. Als Kaderleiter der Generalintendanz des Rundfunks ab Januar 1951 sorgte Heinz Adameck zunächst dafür, dass die richtigen Leute dazu die Chance bekamen. Das tat er offenbar erfolgreich, denn 1954 wurde Adameck Intendant des Deutschen Fernsehfunks, was ihm ab 1963 auch einen Sitz im ZK der SED und die Präsidentschaft im Verband der Film- und Fernsehschaffenden einbrachte.

Heinz Adameck erinnerte sich rückblickend an den Beginn seiner Laufbahn bei dem neuen Medium, von dem damals noch niemand ahnte, dass es bald die Massen mehr als der bisherige Rundfunk beeinflussen würde: »Es gab die prinzipielle Erkenntnis, mit unserem Fernsehen wächst ein politisches, künstlerisches Instrument ersten Ranges heran, dessen sich jede Gesellschaft bedienen wird, und wir müssen uns rechtzeitig darauf einstellen. Es war dafür eine Konzeption erforderlich, die Ausgangspositionen dafür zu schaffen hatte, was das Fernsehen heute als politisches In­strument der Arbeiterklasse ist … Was ich mitbrachte, war eine klare Vorstellung, wohin grundsätzlich so ein Instrument geführt werden muss. Was ich aber nicht wusste, war, wie Fernsehen gemacht wird.«

Letzteres lernte der arbeitsame Mann schnell. Zeitzeugen berichten, dass er oft in den Studios und Redaktionen auftauchte und jede Möglichkeit zur Diskussion mit den Fachleuten nutzte. Später blieb das die seltene Ausnahme. In Fernstudiengängen qualifizierte sich Heinz Adameck zum Diplom-Rechtswissenschaftler und zum Diplom-Journalisten. Viel wichtiger war aber wohl, dass er verstanden hatte, Publizistik und Kunst der Parteilinie unterzuordnen und so seinen Beitrag im »Klassenkampf« zu leisten. Dass dazu beides eine Einheit bilden müsse, erklärte er nach dem Bau der Mauer: »Wir können nicht darauf verzichten, mit den publizistischen Mitteln vorzustoßen und mit den dramatischen Mitteln nachzustoßen. Das ergibt doch erst die Stoßkraft eines gesamten Programms.«

Heinz Adamecks Karriere endete, wie sie begonnen hatte. »Holten« ihn einst »die Genossen« in ihre Reihen, ließen sie ihn nun einfach »fallen«. Als die gewendete SED-Führung im November 1989 einen Neustart versuchte, übernahm Günter Schabowski vom bereits ausgestoßenen Joachim Herrmann die Oberaufsicht über die Medien. Ein lapidares »Nicht mehr tragbar« stand für Heinz Adameck am Ende der Fernsehintendanz. Einen Dank für die jahrzehntelange Tätigkeit gab es ebenso wenig wie die Möglichkeit eines kritischen Rückblicks auf seine Arbeit. Ein letztes Mal zeigte sich, dass der treue »Parteiarbeiter« von seinen Auftraggebern wohl stets nur als Befehlsempfänger gesehen wurde. Zuletzt reichte es nicht einmal mehr für ein Dankschreiben.

Ihn und all die anderen treu und widerspruchslos dienen zu lassen, garantierte ein perfektes Zensursystem. Es funktionierte ohne eine Behörde mit Rotstift-Männern, auch wenn es einen jeweils weisungsberechtigten Sekretär für Agitation und Propaganda im Politbüro des ZK der SED gab. Über dem schwebte nur noch der allmächtige Generalsekretär. Der bestimmte schon mal die Schrifttype im Zentralorgan, hob oder senkte den Daumen, bevor etwas über den Bildschirm flimmerte, oder redigierte persönlich eine Filmkritik. Im Alltagsgeschäft regelten jedoch alles die ausführenden Funktionäre mit der »Schere im Kopf«.

Für das Fernsehen war das Eberhard Fensch. Er bestätigte später: »Bedeutsam für das Funktionieren dieses ganzen Systems der Anleitung und Kontrolle der Medien durch die SED war ein System von kaderpolitischen Regulativen. Die Cheffunktionen in Presse, Rundfunk und Fernsehen wurden grundsätzlich durch die Partei besetzt, und zwar mit Journalisten, auf deren Verbundenheit und Disziplin sie sich verlassen konnte. Das geschah nach einem hierarchisch gegliederten Nomenklatursystem …« Diese Chefs wiederum bauten ihre Basis bis in die untersten Ebenen nach dem gleichen Muster aus. Fensch: »So konnte sich die Partei eigentlich fast immer darauf verlassen, dass in den Medien nicht nur ihre Weisungen und Hinweise strikt befolgt wurden, sondern dort auch aus eigenem Antrieb eine parteikonforme Arbeit stattfand.« Das funktionierte, bis sich der »eigene Antrieb« änderte – ein Vorgang, mit dem offenbar in dem auf Ewigkeit ausgelegten »System« niemand rechnete.

Eberhard Fensch, 1929 geboren, begann seine politische Karriere bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Er studierte Journalismus, in der DDR »Journalistik« genannt, und machte mit seinem Aufstieg die Erfahrung eines beständig enger werdenden Korsetts: »Ich habe den Beruf des Journalisten von der Pike auf gelernt. Ich habe für eine Betriebszeitung gearbeitet, bei der ich relativ frei war … Später war ich beim Rundfunk, … dort wurden die Spielräume enger. Es hing immer davon ab, wie die ökonomische und politische Situation innerhalb der DDR gerade war.«

Im Fernsehen hatte er als stellvertretender Leiter der Abteilung Agitation dafür zu sorgen, dass Kunst und Macht einigermaßen in der Balance blieben. Trotz seiner 1968 begonnenen und bis Ende 1989 andauernden Mitgliedschaft im Zentralkomitee der SED war er immer nur ein einflussreicher, nie jedoch ein mächtiger Mann. In einem Gefüge, das weniger von umfassender Bildung oder Kreativität, sondern mehr von persönlichen, manchmal leidvollen Erfahrungen im »politischen Kampf«, dem Bewusstsein, ihn gewonnen zu haben, und dem Willen, daran niemals mehr rütteln zu lassen, lebte, muss das eine komplizierte Position gewesen sein. Eberhard Fensch kommentierte seine Berufung in die SED-Spitze im Nachhinein dennoch mit dem Blick auf seine damaligen Hoffnungen: »Als ich dann ins ZK wechselte, war das auch eine intellektuelle Herausforderung.« Auf die Frage nach dem »Warum« antwortete er dann schon wieder pragmatisch: »Das Fernsehen der DDR war eine der größten TV-Fabriken Europas. Da sind im Jahr mehr als hundert Filme entstanden, darunter etliche Literaturverfilmungen. Einem Fernsehkombinat mit Tausenden von Mitarbeitern vorzustehen, hat meinen Ehrgeiz angestachelt. Es ging ja nicht nur um Zensur, sondern auch um Konzepte.«

Eberhard Fensch war ein Mann in der Zwickmühle zwischen Geist und Macht. Er suchte oft nach Kompromissen, öffnete manche Tür. Damit frische Luft hineinlassen, das konnte er nicht; sich das selbst einzugestehen, verbot die unsichtbare Fessel der »Parteidisziplin«. Es klingt eher hilflos als trotzig, wenn er am Ende seines Arbeitslebens auf die Frage, wie denn nun seine Arbeit als »Zensor« konkret ausgesehen habe, nur eine zwiespältige Auskunft gab: »Ich musste natürlich Bescheid wissen, was da verfilmt wird. Welche Stoffe und ob es darin Kritik am System gibt. Zum Beispiel hatten wir einen Film auf dem Tisch, in dem all die kritischen Schlagworte vorkamen – wie Intershop oder Fremdwährung. Da bekam man kalte Füße, und es wurde entschieden, dass das so nicht gesendet wird. Um den Film zu retten, bei dem tolle Schauspieler mitspielten und der viel Geld gekostet hatte, habe ich dann mit dem Regisseur über Änderungen gesprochen. Da fiel dann vieles raus, und im Grunde genommen war es eine Kastration – und im Nachhinein betrachtet ein Fehler.«

Vermeiden können hätte er diese Fehler nicht, denn die kulturellen Marschrichtungszahlen bestimmten andere.

Der Bitterfelder und andere Wege

Die Kulturpolitik der DDR war über vierzig Jahre eine Achterbahnfahrt unter dem Motto »Stürmt die Höhen der Kultur«. Sie kannte Strecken, die die Luft zum Atmen nahmen, ebenso wie entlastetes Gleiten und drehte sich in manchen Loopings blitzschnell von der einen in die andere Richtung. All das blieb nicht ohne Auswirkungen auf das Fernsehen, das sich ja als »Produzent« von Unterhaltung und Kunst verstand.

In welche Richtung beides zu gehen hatte, bestimmte Ministerpräsident Otto Grotewohl, bevor die ersten Bildschirme flimmerten. Auf dem 5. Plenum des ZK der SED im März 1951 postulierte er: »Literatur und bildende Künste sind der Politik untergeordnet … die Idee der Kunst muss der Marschrichtung des politischen Kampfes folgen.«

Das martialische Vokabular vom Stürmen und Kämpfen kam nicht von ungefähr. Kunst und Kultur sahen die DDR-Gewaltigen stets als Mittel der Indoktrination und Erziehung »der Massen«. Das kollidierte mit künstlerischen Ansprüchen. An Orten wie dem Deutschen Fernsehfunk, an dem sich kreatives Potential konzentrierte, führte es im Laufe der Jahre immer wieder zu Konflikten.

Hans-Joachim Hoffmann, von 1973 bis zum Zerfall der SED-Herrschaft Kulturminister der DDR, nannte die Gründe für das latente Misstrauen der SED-Führung: »Sie sahen Kunst und Kultur als zwei der vielen üblichen Mittel der Massenbeeinflussung an und verlangten, dass jede Regung und Wendung des Tages sich in den kulturellen und künstlerischen Ergebnissen widerspiegelt.« Daraus ergab sich ein grundsätzlicher Konflikt zwischen Macht und Kultur. Der zuständige Minister wusste aus seiner jahrelangen Praxis: »Wenn die SED-Führung versuchte, mit Künstlern zurechtzukommen, dann nicht auf der Basis einer gemeinsamen Wahrheitsfindung, sondern mit Taktik, mit Kompromissen, mit materiellen Zuwendungen … Ein wirkliches inniges, beständiges Verhältnis zu führenden Künstlerpersönlichkeiten war nicht vorhanden.« Die gebrochenen Biographien vieler Künstler im und rings um das Fernsehens, die bei manchen von höchsten Ehrungen bis zum Berufsverbot reichten, belegen das Auf und Ab.

Zahllose Konferenzen und Kongresse illustrierten das beständige Hineinregieren in künstlerische und kulturelle Schaffensprozesse. Die wichtigste Weichenstellung für das Fernsehen in den frühen Jahren war dabei der »Bitterfelder Weg«.

Auf Anweisung Walter Ulbrichts organisierte der Mitteldeutsche Verlag aus Halle im April 1959 im Chemiewerk Bitterfeld eine Zusammenkunft der »Kulturschaffenden«. Beim Deutschen Fernsehfunk hieß der Fixstern dieses Genres Heinz Quermann, und den kannte auch Walter Ulbricht vom Bildschirm. Der Staats- und Parteichef bat ihn zum Vieraugengespräch, und nach zwei Stunden hatte nicht nur Heinz Quermann seine Lektion über die Verbindung von Volk und Kultur gelernt, sondern auch Fernsehintendant Heinz Adameck Manschetten: »Mit dir werde ich mich nie streiten, denn ich weiß ja nicht, wer alles hinter dir steht«, kommentierte er resigniert. Verlassen konnte er sich auf den Entertainer allemal, und der hatte »das Ohr an der Masse«. Quermann: »Ich war immer ein volkseigener Künstler. Ich war pausenlos unterwegs, die Leute haben mit mir von du zu du gesprochen, mir ihre Sorgen und Nöte anvertraut.« Dabei war er nicht einmal SED-Genosse, sondern nur ein »Block-Freund« aus der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Seine Professionalität stellte er nach dem Mauerbau am 13. August 1961 unter Beweis. Ohne lange Vorbereitungszeit brachte das Fernsehen aus der Ostberliner Volksbühne eine Zweieinhalb-Stunden-Show unter dem Titel »Nun schlägt’s dreizehn« in die Wohnstuben.

Für das Fernsehen schien es nach dem 13. August 1961 einerseits leichter geworden zu sein, das von Walter Ulbricht gewünschte Bild einer »sozialistischen Menschengemeinschaft« in der DDR zu malen. Andererseits eröffneten sich auch ganz neue Stolperfallen. Die damalige Regieassistentin Christel Huber erinnert sich an ein Tanzbild, das für die Sendung »Von Melodie zu Melodie« aus Bitterfeld einstudiert worden war und im Oktober 1961 gesendet wurde: »Ein junger Mann geht spazieren und kommt an einer großen Mauer vorbei. Hinter der Mauer ist eine Tanzschule, und in der Mauer ist ein Loch. Er guckt hindurch und sieht ein Mädchen, verliebt sich in sie. Das war die ganze Story … im Mai entwickelt und nun im Oktober die Sendung. Es war eine Live-Sendung, und da hat Adameck angeordnet, auf keinen Fall aufzeichnen … Am liebsten hätte man die Sendung abgebrochen, weil da eben eine Mauer war und in der Mauer ein Loch.«

»Politisch-ideologische Wachsamkeit« war angesagt, und Hans Müncheberg, 1953 bis 1992 Dramaturg und Autor beim Fernsehen, resümiert zu jenen Jahren: »Der DFF bemühte sich jetzt erst recht, seinem Auftrag gerecht zu werden. Der Wunsch, sich keinen Rüffel der Parteiführung einzuhandeln, führte zu übergroßer Vorsicht.«

Sie nützte nicht viel, denn Künstler aller Genres hatten längst mitbekommen, dass es auch in der »sozialistischen Menschengemeinschaft« Probleme gab. Und die wollten sie auf die Leinwand, in Bücher, Bilder und natürlich auch ins Fernsehen bringen. All das stoppte das 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965. Es führte nicht nur zum Verbot einer gesamten Jahresproduktion der DEFA, sondern leitete einen umfangreichen kulturellen Kahlschlag ein. Entertainer Lutz Jahoda erinnert sich: »Für Ulbricht war es an der Zeit, zu rügen und einiges klärend auf Parteilinie zurückzurücken, auch bei den Schriftstellern und – das war neu im Katalog der Wachsamkeit – ebenso bei den Spaßmachern, Sprechern, Sängern, Musikanten, Komponisten und Textern der Unterhaltungskunst.« Erich Honecker, der die Veranstaltung zu einem Angriff auf seinen Ziehvater Ulbricht nutzte, fasste seine Vorwürfe zu einem generellen Diktum zusammen: »Leider hat sich in den letzten Jahren eine neue Art Literatur entwickelt, die im Wesentlichen aus einer Mischung von Sexualität und Brutalität besteht. Ist es ein Wunder, wenn nach dieser Welle in Literatur, Film, Fernsehen und Zeitschriften manche Jugendlichen nicht mehr wissen, ob sie richtig oder falsch handeln, wenn sie dort ihre Vorbilder suchen?« Aus dem Kreis der »Kulturschaffenden« wagte nur Schriftstellerin Christa Wolf ein zaghaftes Widerwort und reklamierte das »freie Verhältnis zum Stoff«, das man sich in den letzten Jahren erkämpft habe. Sie befürchtete: »Diese Leute werden sich jetzt um 180 Grad drehen. Sie werden alles abdrehen. Sie werden nicht nur jeden nackten Hals im Fernsehen zudecken, sie werden auch jede kritische Äußerung an irgendeinem Staats- und Parteifunktionär als parteischädigend ansehen. Sie tun es schon. So ist die Sache.«

Der damalige Kulturminister Hans Bentzien, infolge des Plenums dann am 12. Januar 1966 abgelöst, bestätigte im Nachhinein, dass es so dann auch kam, und charakterisierte den Rückfall auf die dogmatische Parteilinie so: »Dieses Abbürsten der Intelligenz auf dem 11. Plenum zeigte nun die wirkliche Denkungsart der politischen Führung der Partei. Ulbricht, Honecker und alle anderen, die da gesprochen haben, wünschten sich die Intellektuellen eigentlich nur als Idioten, die das machen, was ihnen befohlen wird: ›ihre Schulaufgaben‹. Aber wenn sie anfangen, selbständig zu denken, dann stellen sie eine Gefahr dar – für die Macht.«

Im Fernsehen hatte die neue Parteilinie bereits ihre Vorbeben gezeigt, über die noch zu berichten sein wird. Der damalige Chefdramaturg Erich Selbmann nennt die beanstandeten Werke: »Vergleichbar scharf kritisierte Arbeiten des Fernsehens wie ›Monolog eines Taxifahrers‹ und ›Fetzers Flucht‹, beide nach Büchern von Günter Kunert in der Regie von Günter Stahnke, und ›Strafsache gegen Wellershoff‹ – Buch Rolf Schneider, Regie Martin Eckermann – waren schon vorher verurteilt und zurückgezogen worden.«

Nun blieb nur noch ein schmaler Grat, auf dem sich das Fernsehen zu bewegen hatte. Der »Versuch, die durch das 11. Plenum aufgerissene Kluft zwischen der SED und der Literatur des Landes als überwunden darzustellen«, bestimmte ihn, meint Hans Müncheberg.

Seine Rolle im Kulturbetrieb bewertete der DFF nach dem VII. Parteitag der SED im April 1967 wohl auch deshalb zurückhaltend: »Der Bericht des ZK an den VII. Parteitag würdigt den Beitrag, den Presse, Rundfunk und Fernsehen zur Verwirklichung der Beschlüsse des VI. Parteitags geleistet haben. Er unterstreicht die Bedeutung des dramatischen Schaffens im Fernsehen für die künstlerische Gestaltung aktueller Entwicklungsprobleme.« Das klang nicht nach zuvor von »der Partei« eingeheimstem Lob.

Als Ende 1967 in der benachbarten Tschechoslowakei der »Prager Frühling« begann und in der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 von den Panzern der Staaten des Warschauer Vertrags beendet wurde, brachen die »Entwicklungsprobleme« wieder zum Konflikt auf. Das Fernsehen reagierte wie erwartet. Müncheberg: »Der DFF berichtete auftragsgemäß über ›spontane Versammlungen in Betrieben und Institutionen‹. Arbeitskollektive und Vertreter aller Schichten der Bevölkerung bekundeten auf dem Bildschirm immer wieder die ›uneingeschränkte Zustimmung‹ zu den Maßnahmen, um die ›verantwortungsbewusste Genossen der KPČ‹ gebeten hätten.«

Glaubwürdig machte sich das Fernsehen damit nicht. Dennoch betonte Intendant Heinz Adameck 1969 auf einer »Theoretischen Konferenz« unter dem Motto »Fernsehdramatik im Gespräch«: »Wir haben … immer und besonders seit der 11. Tagung versucht, Autoren zu unseren Verbündeten zu machen … die die Rolle des Fernsehens im Klassenkampf verstehen und mit ihren Werken in diesen Kampf eingreifen wollen …«

Mit der Bildung des Staatlichen Komitees für Fernsehen beim Ministerrat der DDR, zu dessen Vorsitzenden ebenfalls Heinz Adameck berufen worden war, gab es nun weitere Leitungsstrukturen, die das »Eingreifen« insgesamt sicherten.

Für den alt gewordenen Walter Ulbricht war das Fernseh-Pantoffelkino endlich nach seinem Geschmack. Auch politisch lief es in seinem Sinne. Dem Staats- und Parteichef lag seine Sicht auf die »Geschichte der Arbeiterbewegung« am Herzen, wenn sich schon seine DDR noch keiner internationalen Anerkennung erfreuen konnte. Szenische Collagen wie Kämpfer und Sieger oder Mehrteiler wie Brennende Ruhr goutierte er wohlwollend. Anderswo wuchs leise Kritik am Programm.

Im Frühjahr 1969 nahm Werner Lamberz, der damalige Propagandachef im Zentralkomitee der SED und Hoffnungsträger einer liberaleren Politik, seinen für das Fernsehen verantwortlichen Mitarbeiter Eberhard Fensch beiseite und übermittelte ihm einen ungewöhnlichen Wunsch: »Sorg mal dafür, dass im DDR-Fernsehen auch mal erotische Filme zu sehen sind. Ein bisschen nackte Haut macht auch unseren Menschen Spaß.« Fensch erinnert sich an das Vieraugengespräch und den geraunten Zusatz: »Aber nur im Sommer!« Auf seinen fragenden Blick bekam er die Erklärung: »Dann ist Walter auf der Krim. Dort kriegen sie unser Fernsehen nicht.« Staatschef Ulbricht sollte also nichts merken, und Lamberz fügte hinzu: »Erich Honecker hat gemeint, so etwas wäre nicht schlecht, wenn er während Ulbrichts Abwesenheit amtiere. Du verstehst …« Der kommende Mann war gerade dabei, seinen politischen Ziehvater zu entmachten.

Am 3. Mai 1971 war es dann so weit: Der 77-jährige Walter Ulbricht »bat« darum, ihn von seiner Funktion an der SED-Spitze zu befreien, am 1. August 1973 starb er.

Die neue Linie für das Fernsehen gab Erich Honecker auf dem VIII. Parteitag der SED im Juni 1971 vor. Die »Fernsehschaffenden« bekamen eine herbe Kritik zu hören: »Unser Fernsehen, das auf gute Leistungen zurückblicken kann, sollte verstärkt bemüht sein, die Programmgestaltung zu verbessern, eine bestimmte Langeweile zu überwinden, den Bedürfnissen nach guter Unterhaltung Rechnung zu tragen, die Fernsehpublizistik schlagkräftiger zu gestalten und den Erwartungen jener Teile der werktätigen Bevölkerung besser zu entsprechen, deren Arbeitstag sehr zeitig beginnt und die deshalb schon in den frühen Abendstunden Zuschauer wertvoller Fernsehsendungen sein wollen.«

Für den ebenso langen wie vernichtenden Satz erscholl »starker Beifall«. Hieß es nämlich im Partei-Chinesisch, irgendetwas sei »weiter zu verbessern«, bedeutete das im Klartext: So geht es nicht, Genossen! Durch einen glücklichen Zufall tauchte acht Tage nach dem Parteitag der rasch sehr beliebt werdende »Polizeiruf 110« auf dem Bildschirm auf. Doch es ging um viel mehr.

Erich Honecker hatte derweil die Bundesrepublik auch erstmals als »imperialistisches Ausland« bezeichnet, und so wurde aus dem »Deutschen Fernsehfunk« am 11. Februar 1972 das »Fernsehen der DDR«. An den tieferen Sinn der Umbenennung erinnert sich Eberhard Fensch: »Etwa zu dem Zeitpunkt, als Erich Honecker diese Funktion übernahm, kriegte das Fernsehen, aber auch bis zu einem gewissen Grade der Rundfunk in der Politik der Führung der SED einen völlig anderen Stellenwert angesichts des riesigen Masseneinflusses … Und sie wurden in jeder Hinsicht durch ihn persönlich und dann später auch durch Joachim Herrmann nicht in erster Linie als kulturelle Einrichtungen gesehen, sondern als politisch-ideologische Instrumente der Partei zur Massenbeeinflussung.«

Die Konsequenz für das nunmehrige Fernsehen der DDR fasste Erich Selbmann kurz zusammen: »Das war ein unmissverständlicher Auftrag, nicht mehr nur Reparaturarbeit zu leisten, sondern das Gesamtprogramm des Fernsehens umzugestalten.«

Das begann mit Überlegungen zur »Aktuellen Kamera«, brachte mehr Filme und Unterhaltungssendungen ins Fernsehen und gab der außenpolitischen Berichterstattung größere Räume. Auch in der Dramatik blieb es nicht bei Kleinigkeiten. Selbmann: »Es ging auch um einen erneuerten, veränderten politischen Stil der Partei und des Staates entsprechend der geänderten Situation … Man wollte – aus politischen Gründen – eine deutlichere Hinwendung zu bisher wenig beachteten Lebensbereichen. Man wünschte die verstärkte Vorstellung nicht nur von Vorbildfiguren, von Helden der Arbeit – sondern von ›Durchschnittsmenschen‹, die mit der Wirklichkeit und ihren täglichen Schwierigkeiten konfrontiert waren.«

Über Wochen wurde die Programmreform in der Presse, den verschiedenen Verbänden der »Kunst- und Kulturschaffenden« und auf Zuschauerforen diskutiert. Das klang alles nach Liberalisierung, und manche hofften auch auf einen frischen Wind nach der Macht­übernahme Honeckers. Dafür, dass er nicht zu sehr auffrischte, sorgte ab 1978 der neue »Medienlenker« Joachim Herrmann. Er hatte sich ohne nennenswerte Ausbildung vom Boten beim Arbeitsamt Berlin-Mitte bis zum Chefredakteur des Zentralorgans der SED hochgearbeitet und eine politische Karriere in der FDJ gemacht. Als erste Amtshandlung führte Joachim Herrmann ein äußerst strenges Kontrollsystem ein. Sein ehemaliger Mitarbeiter Eberhard Fensch: »Er will nicht nur Woche für Woche persönlich vorgelegt bekommen, was das Fernsehen an Sendungen plant, sondern darüber hinaus Annotationen sehen, die genaue Aussagen über Inhalt und Wirkungsweise der Programmbeiträge enthalten.«

Das Fernsehen hatte der »Macht der Arbeiterklasse« zu dienen, und Joachim Herrmann besorgte das in der Art des Paladins eines absolutistischen Herrschers. Fensch: »Herrmann ist ein Mensch, der überhaupt nicht zuhören kann, und es auch nicht will. Meist schneidet er einem schon mitten im ersten Satz das Wort ab, um dann langatmig zu erläutern, wie er selbst die Dinge sieht. Widerspruch ist verpönt und wird von ihm meist mit penetranten Hinweisen auf Äußerungen oder Anweisungen Erich Honeckers zurückgewiesen … Er unterbindet damit fast jeden Widerspruch, fast jede Kritik.« Im Leitungsgremium der SED war das offenbar ein akzeptiertes Verhalten, beim Rest der Bevölkerung eher nicht.

Viele Fernsehzuschauer reagierten auf all das mit dem allabendlichen Weg per Ätherwelle in den Westen, was im größten Teil der DDR technisch möglich war. Die geringer werdende Resonanz blieb den Fernsehmachern nicht verborgen. Zwischen 1982 und 1984 folgte deshalb eine weitere große Programmreform. Fensch: »Fortan wollen wir uns stärker als bisher an den tatsächlichen Bedürfnissen der Zuschauer orientieren als an dem, was wir gemeinhin als politischen Bildungsauftrag verstehen. Das Fernsehen ist nach Honeckers Verständnis – was uns Herrmann auch immer wieder explizit mitteilt – ›Teil des Parteiapparates und wie eine Abteilung des Zentralkomitees zu behandeln‹. Daran ändert sich nichts. Nur: Es soll interessanter, zuschauerfreundlicher umgesetzt werden.«

Dahinter stand die Forderung nach stärkerer politischer Dominanz der SED-Mitglieder beim DDR-Fernsehen. 1987 waren 2030 der 7334 Fernsehmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in der Staatspartei, was 27,6 Prozent der Gesamtbelegschaft entsprach – für DDR-Verhältnisse ein vergleichsweise geringer Anteil.

Dieses Mal war die Meinung der Betroffenen vor den Bildschirmen nicht gefragt. Erich Selbmann: »Die Vorbereitung der Umgestaltung der Programmstruktur des Fernsehens wurde – obwohl sie sich auch auf einen vorangegangenen, den X. Parteitag der SED, berufen konnte – nur im kleinen Kreis von Leitung zu Leitung vorbereitet. Dabei war die Bereitschaft der Zuschauer, offen über das Fernsehen der DDR zu streiten, wesentlich größer als jemals zuvor.« Das im SED-Politbüro beschlossene »Dokument« zur Programmreform unter dem Titel »Zur Arbeit des Fernsehens – Analyse, Schlussfolgerungen, Maßnahmen« vom 26. Februar 1982 setzte von vornherein enge Grenzen. Selbmann: »Die Analyse der tatsächlichen Fehlerquellen in unserer Arbeit war viel zu knapp und ignorierte eine ganze Reihe entscheidender Faktoren. Der Forderungskatalog dagegen war außerordentlich lang, rechthaberisch und ließ Einwände kaum noch zu.«

Dennoch wurde die Programmreform des DDR-Fernsehens auch im Westen nicht nur registriert, sondern auch positiv bewertet. Der Deutschlandfunk kommentierte am 10. Februar 1984: »Schon 1972 war es niemand anders als Erich Honecker, der sich über allzu viel Langeweile beklagte. Schien es zwischendurch, als hätte man kampflos dem Westfernsehen das Feld überlassen, begann Ende 1982 der konzentrierte Gegenschlag. Dass er nicht erfolglos blieb, davon zeugen immer wieder Stimmen, die man von drüben hört … Natürlich bietet die DDR nicht plötzlich ein unpolitisches Fernsehprogramm, um die Einschaltquoten zu erhöhen. Aber die Politik ist geschickter verpackt als früher, der Holzhammer verschwand im Hintergrund zugunsten eines großen Angebots an Unterhaltung.«

Das gestörte Verhältnis zwischen Dogmatikern und Kreativen konnte auch die neue Programmstruktur nicht mehr aufbrechen. Dafür sorgte weiterhin die SED-Führung mit ihrem »Medienmacher« Herrmann, den Fensch aus der Sicht seiner Zusammenarbeit mit ihm so charakterisiert: »Herrmanns Umgang mit Menschen, insbesondere auch mit seinen Mitarbeitern, ist autoritär und rechthaberisch, sein Arbeitsstil chaotisch. Er ist besonders im Umgang mit Künstlern und Intellektuellen unsensibel. Er gibt sich keine Mühe, sie zu verstehen.«

Es dauerte nur noch ein paar Jahre, bis sie und der übergroße Rest des DDR-Volkes keine Lust mehr hatten, nun ihrerseits »die Führung« zu verstehen. Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann sah am Ende im »schreienden Widerspruch zwischen Geist und Macht« eine der Ursachen für das Scheitern des »realen Sozialismus« in der DDR. Das Fernsehen leistete dabei trotz vielfältiger gegenteiliger Versuche seinen Beitrag. Dabei war es immer auch ein Spiegelbild des DDR-Lebens mit seinen kleinen und großen Lügen, der Propaganda, die nur wenige so richtig ernst nahmen, und den kleinen Begebenheiten aus dem Alltag, an deren Skurrilität sich alle gewöhnt hatten.

DDR live

Manche Sendungen im DDR-Fernsehen produzierten eine unfreiwillige Komik, die keine andere Sparte schaffte. Sie zeigten das ungeschminkte Leben zwischen Ostsee und Erzgebirge, ob sie es wollten oder nicht.

Wenn zum Beispiel »Außenseiter-Spitzenreiter«-Reporter Hans-Joachim Wolle am Usedomer FKK-Strand die Urlauber fragte, wie sie im sichtbar paradiesischen Zustand der in jeden Personalausweis eingedruckten, harschen Forderung »Bürger der Deutschen Demokratischen Republik – Sie haben … den Personalausweis stets bei sich zu tragen …« nachkämen, oder der Erfinder der Sendung, Hans-Joachim Wolfram, die Leute in einer Vierzig-Meter-Warteschlange vor einer Bäckerei den Kanon »Wachet auf, wachet auf, es krähet der Hahn« anstimmen ließ, schloss sich plötzlich die Schere zwischen Lebens- und Fernsehbild.

Natürlich beargwöhnten das die vielen selbsternannten Ideologie-Wächter. Neues Deutschland kündigte die am 18. Juni 1972 begonnene Sendung damals vorsichtshalber auch nur als »Spitzenreiter« an. Schließlich zählte im Arbeiter-und-Bauern-Staat das Kollektiv und nicht der Außenseiter! Doch den Leuten gefielen die im Laufe der Jahrzehnte mehr als 20 000 gesendeten Beiträge, was zu DDR-Zeiten bis zu 10 000 Briefe im Monat belegten. Ob eine im Kleiderschrank von eigener Hand gebaute Sauna oder ein aus einer »besorgten« Parabolantenne entstandener Swimmingpool nun Zeichen von Einfallsreichtum oder eher von Armseligkeit waren, regte im Lande niemanden auf – es war eben DDR live.

Wie damit umzugehen war, zeigte als einer der ersten Kurt Drummer. Der 1928 geborene Koch, von 1965 bis 1990 oberster Küchenchef der Interhotels, begann 1958, auf dem Bildschirm zu kochen. »Damals waren ja gerade die Lebensmittelkarten abgeschafft worden, und es ging darum, aus dem, was es zu kaufen gab, schmackhafte Gerichte zu machen«, erinnerte sich Drummer. »Auch in der DDR gab es so etwas wie eine Fresswelle, gutes und reichhaltiges Essen galt als Ausdruck der Lebensqualität. Beim fetten Essen wollte die DDR die Bundesrepublik überholen, um zu zeigen, dass der Sozialismus besser ist.« Vor allem sollte das, was da war, auch auf die Teller. Drummer: »Ende der 50er Jahre galten die Parolen ›Hühnerfleiß zum Sommerpreis – nimm eins mehr‹ und ›Ei und Ei ist vielerlei‹. Da habe ich dann spontan ein ›Eier-Ragout‹ kreiert.« Trotzdem reichte es manchmal nicht einmal für das Lieblingsgericht des Fernsehkochs, Eintopf in allen Variationen. Drummer: »Irgendetwas fehlte immer. Ich musste in jeder Sendung vier bis fünf Rezepte vorstellen. Die Redaktion recherchierte bei den zuständigen Behörden, was ich an Zutaten erwähnen durfte und was nicht. Später hatten wir dann auch schon mal Zucchini aus dem Garten oder Paprika auf dem Grill, weil die Kammscheiben im Sommer rar wurden.« Bis zum Ende der Sendung 1983 kochte Kurt Drummer so in rund 650 Sendungen über 2 000 Gerichte. Natürlich sollte dabei auch Exotisches nicht fehlen: »Da habe ich dann aus der guten, alten Bulette eben Leskovacer Tschewaptschitschi gemacht oder Kaninchengüvetsch auf rumänische Art empfohlen.« Doch selbst das hatte im DDR-Alltag seine Tücken. Wer als Kaninchenzüchter seine Tiere, Güteklasse I, an den Staat verkaufte, bekam dafür 12,20 Mark pro Kilo Lebensgewicht. Das brachte bei einem kapitalen Rammler locker 50 Mark. Für um die 15 Mark konnte man das Kaninchen dann in der Kaufhalle bratfertig wieder zurückkaufen. Drummer: »Die Devise lautete eben: Schmackhaft kochen, was es in HO und Konsum zu kaufen gab, koste es, was es wolle.«

Danach musste sich auch sein Kollege, der Fischkoch Rudolf Kroboth, richten. Der Werbeleiter des Fischkombinats Rostock begann am 17. Mai 1960 mit seinem fünfminütigen »Tip des Fischkochs«, der im Gegensatz zu seinem Kollegen Kurt Drummer von Anfang an zum Werbefernsehen gehörte. Der Handel saß gerade auf einem größeren Posten sowjetischer Fischkonserven. Die kyrillischen Beschriftungen der »Strömlinge in Tomate« konnten die Kunden kaum lesen, und Kroboth erklärte nun, wie man aus den »Salaka« einen Fischsalat machte. Das kam besser an als bisherige Empfehlungen der HO-Werbung, wie etwa »Fetthering in Süßweinmarinade«. Nachdem der Fischkoch auch noch das beliebte Gastmahl des Meeres erfunden hatte, 33 DDR-weit verteilte Fischrestaurants nach dem Baukastenprinzip, war der Absatz der riesigen Fischfangflotte gesichert. Nach einem Unfall des Vaters übernahm ab 1970 der Sohn Rainer Kroboth den Part vor der Kamera. Immerhin brachte das pro Sendung ein Honorar von 5.000 Mark. Was gekocht wurde, bestimmte der Direktor für Verarbeitung und Absatz der Rostocker Hochseefischerei, und da konnte es schon mal Überraschungen geben. Wurden die kubanischen Freunde ihre Langustenschwänze nicht los, gab es sogar exotische Rezepte. Ein anderes Mal mussten die Kroboths dem Zuschauer erklären, dass Makrelen viel besser als Heringe wären. Vater Rudolf machte dann aus dem Fang der Rügener Fischer »norwegischen Kräuterhering«, was ihm in rund 30 000 Zuschauerbriefen gedankt wurde. Das Aus für den »Tip des Fischkochs« und sein »Fisch auf jeden Tisch« kam 1972 mit dem neuen internationalen Seerecht. Rainer Kroboth zum damals unsichtbaren Zusammenhang von Fisch und Politik: »Das Geld für Fischereirechte fehlte, und das Ministerium war der Meinung, die wenigen verbliebenen Fische auch ohne ›Werbung‹ loszuwerden.«