Ferienliebe 2015: Neun Love Stories für den Sommer - Sandy Palmer - darmowy ebook

Ferienliebe 2015: Neun Love Stories für den Sommer ebook

Sandy Palmer

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Opis

Neun Love Stories von Sandy Palmer - prickelnd, sexy, romantisch. Bezaubernde Geschichten einer Top-Autorin. Ideale Sommer-Unterhaltung! Der Umfang dieses Buchs entspricht 342 Taschenbuchseiten. Dieses Buch enthält folgende neun Romane: Tausend heiße Liebesnächte Schlosshotel Schwarzenburg Eine italienische Romanze Sag mir nur drei kleine Worte Der Mann aus dem Urlaubsparadies Liebeswirren am Nordseestrand Das Glück wohnt am anderen Ende der Welt Denn das Glück lässt sich nicht kaufen Die Insel der lustvollen Träume

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Sandy Palmer

Ferienliebe 2015: Neun Love Stories für den Sommer

Cassiopeiapress Romance

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Ferienliebe 2015

von Sandy Palmer

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 342 Taschenbuchseiten.

 

Dieses Buch enthält folgende neun Romane:

Tausend heiße Liebesnächte

Schlosshotel Schwarzenburg

Eine italienische Romanze

Sag mir nur drei kleine Worte

Der Mann aus dem Urlaubsparadies

Liebeswirren am Nordseestrand

Das Glück wohnt am anderen Ende der Welt

Denn das Glück lässt sich nicht kaufen

Die Insel der lustvollen Träume

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Tausend heiße Liebesnächte

Einen so spannenden Auftrag hat die Journalistin Ellen Niehaus lange nicht mehr bekommen: Sie soll in Dubai den Schauspieler Dennis Ullmann interviewen, der dort vor Drehbeginn eines Actionfilms Urlaub macht.

Der Traumjob gestaltet sich allerdings ziemlich anstrengend, denn Dennis wohnt nicht, wie angekündigt, im Burj Al Arab. Auf ihrer Suche trifft sie einen ebenso geheimnisvollen wie aufregenden Mann mit dunklen Märchenaugen, der sie Dennis vergessen lässt …

1

Ellen ließ ihren Blick über das kalte Büfett schweifen und überlegte, was sie sich noch nehmen sollte. Etwas von dem Hummersalat noch, der einfach köstlich geschmeckt hatte, und eines der delikaten Krabbenhäppchen vielleicht …

Während sie sich einen Teller holte, bemerkte sie aus den Augenwinkeln heraus, dass ein später Gast eintraf. Sein Gesicht war hinter einem überdimensional großen Blumenstrauß verschwunden, den Ulrike, ihre beste und älteste Freundin, ihm gerade abnahm.

Ulrike war mit einem erfolgreichen Anwalt verheiratet und bewohnte eines der größten Luxusappartements in den Kranhäusern des Kölner Rheinau-Hafens. Jetzt winkte sie Ellen zu. „Sieh nur, wer noch gekommen ist!“ Ihr Lächeln war betont unschuldig.

„Tom …“ Ellen spürte, dass sich ihr Herzschlag beschleunigte – wie immer, wenn sie in Toms Nähe war.

„Mausi!“ Keiner außer ihm nannte sie so, und wie immer, wenn er das Wort aussprach, bekam Ellen weiche Knie. Seit fast fünf Jahren war das so. Seit dem Silvesterabend vor fünf Jahren kannten sie sich, und genau seit dieser Nacht waren sie ein Paar.

Nein, stimmt nicht, korrigierte sich Ellen in Gedanken. Seit vier Monaten sind wir getrennt. Endgültig! Da kann er noch so treue Hundeaugen machen und von mir aus zum x-ten Mal erklären, wie leid ihm sein Ausrutscher täte!

Bei der Erinnerung an den Abend, an dem sie Tom mit seiner Sekretärin im Büro erwischt hatte, begannen ihre Hände so zu zittern, dass der Teller mit den Delikatessen bedrohlich ins Wanken geriet. Rasch stellte sie ihn zur Seite.

„Dein Mausi hat rote Haare und Knubbelbeine“, fauchte sie. „Nichts davon siehst du bei mir.“

„Aber Ellen …“ Er wollte sie umarmen, doch ihr eisiger Blick ließ ihn mitten in der Bewegung innehalten. „Sei doch nicht so schrecklich nachtragend.“ Er schüttelte den Kopf. „Es war ein Ausrutscher. Eine Dummheit, die ich bitter bereue.“

„Du bereust höchstens, dass du so blöd warst, deine Bürotür nicht abzuschließen!“ Sie hatte sich wieder in der Gewalt, nahm ihren Teller und sagte mit aller verfügbaren Gelassenheit: „Lass mich vorbei, Tom. Und hör endlich auf, mir bei jeder Gelegenheit aufzulauern. Du und ich – wir sind geschiedene Leute. Endgültig!“

„Verdammt, deine Selbstherrlichkeit ist widerlich!“

„Du musst dich nicht in meine Nähe begeben, dann merkst du nichts davon.“ Sie steckte sich eines der Hummerstücke in den Mund und ging in die geräumige, chromglänzende Küche, wo zwei Frauen der Catering-Firma arbeiteten. „Kann ich einen Cognac haben?“

„Sofort. Ich hole Ihnen ein Glas und …“

„Ist schon da.“ Ulrike kam in die Küche, zwei Cognacschwenker in der Hand. „Ich weiß doch, was du brauchst, um deinen Ärger runterzuspülen.“

„Vor allem brauche ich meine Ruhe vor Tom.“ Ellen griff nach dem Glas mit dem edlen Tropfen. „Hör endlich auf, uns versöhnen zu wollen, Ulrike. Es ist vorbei. Ich will ihn nicht mehr, diesen Möchtegern-Casanova.“

„Aber er bereut sein Verhalten wirklich!“

Ellen nickte. „Sicher. Das hat er vor zwei Jahren und vor dreieinhalb Jahren auch schon getan. Damals war es das Au-pair-Mädchen seiner Schwester und eine Kundin aus dem Investment-Büro.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin fertig mit ihm. Endgültig.“

„Sei nicht so hart. Männer ticken anders als wir Frauen. Sie brauchen den Sex fürs Ego. Das hat mit echten Gefühlen nichts zu tun. Mein Ewald ist da genauso.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Aber ich weiß, dass er nur mich liebt.“

„Du lässt dir die Versöhnungsbrillanten schenken wie andere Frauen Rosen.“

„Du bist unmöglich!“ Ulrike lachte, sie nahm der Freundin die offenen Worte nicht übel. „So ist es nun mal: Mein lieber Ewald braucht hin und wieder ein junges Ding, das ihm sagt, wie toll er ist – und ich liebe nun mal teuren Schmuck. Außerdem weiß ich, dass er in Wahrheit nur mich liebt.“

„Stimmt. Dennoch …“ Ellen schüttelte den Kopf. „So könnte ich keine Beziehung führen. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, dann soll er ausschließlich mir gehören. Zum Teilen bin ich einfach nicht geschaffen.“ Sie trank ihr Glas aus. „Ich kriege ja auch nach all der Zeit das Bild nicht aus dem Kopf, als dieses rothaarige Ding vor Tom kniete und es ihm hingebungsvoll besorgte.“ Sie biss sich auf die Lippen, atmete zweimal tief durch und meinte: „Nein, das Thema Tom Hollstein ist durch, ich hab ihn schon fast vergessen.“

„Gestatte, dass ich das bezweifle.“

„Es ist aber so! Und deshalb hör auf, uns gemeinsam einzuladen.“ Sie trank den letzten Schluck Cognac. „So, meine beste, raffiniertest und doch gutmütigste aller Freundinnen, jetzt muss ich los. Mein Flieger geht gegen sieben Uhr morgens, ich muss noch packen.“

Ulrike umarmte sie. „Ich beneide dich um den Job. Ein Interview mit Dennis Ullmann in Dubai … davon träumt jede Journalistin.“ Für einen Moment verdunkelten sich ihre Augen. „Wenn ich höre, wohin du überall reisen kannst, bedauere ich es doch, meinen Job aufgegeben zu haben. Wir hatten damals eine tolle Zeit bei der Vogue, nicht wahr?“

„Stimmt. Aber du weißt genauso gut wie ich, dass die ganz guten Zeiten vorbei sind. Nicht umsonst arbeite ich frei, die Stellen bei den wirklich interessanten Zeitschriften sind rar.“ Sie machte eine kleine Pause, dann fügte sie leiser hinzu: „Und, offen gestanden, könnte ich mir diese Arbeitsweise nicht leisten ohne das Erbe meiner Großmutter.“

„Oma Johanna … sie war ein Engel.“ Ulrike lächelte. „Ich weiß noch genau, was sie mir bei der Hochzeit gesagt hat: Männer dürfen alles essen, aber nicht alles wissen.“

„Und den Wahlspruch hast du dir zu Herzen genommen“, lachte Ellen.

Ulrike kicherte. „Na ja, wenn’s doch so gut passt …“ Jemand rief nach ihr, und sie umarmte die Freundin ein letztes Mal: „Ich muss zurück zu den anderen Gästen. Mach’s gut, meine Süße, und melde dich zwischendurch mal.“

2

„Sorry, Miss Niehaus, aber die Maschine verspätet sich nochmals um drei Stunden.“ Die Stewardess mit den dunklen Augen und dem schwarzen Haar, die am Schalter von Emirates Airlines saß, zuckte nur knapp mit den Schultern und rückte ihr rotes Käppchen zurecht. „Ich darf Sie aber auf die First Class buchen als Entschädigung.“ Sie sah kurz auf. „Dort sind noch sechs Plätze frei.“

Ellen nickte. So ein Upgrade war nicht schlecht! „Danke, sehr freundlich von Ihnen. Dann geh ich mir noch einen Kaffee trinken.“ Sie nahm die Bordkarte entgegen und schlenderte hinüber zu der langen Kaffeebar, an der schon etliche Fluggäste saßen und sich die Wartezeit vertrieben.

Zwischen einer älteren Dame und einem Mann mit dunklem Dreitage-Bart war noch ein Platz frei. Ellen bestellte sich einen doppelten Espresso. Sie hatte nur vier Stunden geschlafen, die Begegnung mit Tom war nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. Viel zu lange hatte sie wach gelegen und an ihn gedacht. Und an die schönen Stunden mit ihm. An Stunden voller Liebe, heißem Sex und …

Verdammt, jetzt hatte sie sich die Zunge verbrannt!

Schnell stellte sie die kleine Tasse zurück.

„Das passiert mir auch immer wieder! Hier, kauen Sie einen Bissen, dann vergeht der Schmerz schnell.“ Der Mann mit dem dunklen Bart rückte Ellen einen Teller mit einer Laugenbrezel hin. Er hatte eine sehr warme, dunkle Stimme mit leichtem Akzent.

„Danke. Es geht schon.“

„Zieren Sie sich nicht, ich war noch nicht dran.“ Er schob den Teller mit der Brezel noch ein paar Zentimeter näher zu ihr hin.

„Danke.“ Ellen brach sich ein Stück ab, und wirklich tat es gut, das trockene Gebäck zu kauen.

„Sie fliegen auch nach Dubai, nehme ich an.“

„Ja. Sie auch, nehme ich an.“ Mit einem raschen Blick streifte sie ihren Nachbarn. Zu einer schwarzen Jeans trug er ein hellgelbes Poloshirt und einen anthrazitfarbenen Leinenblazer. Ellen hatte lange genug für diverse Modezeitschriften gearbeitet, um zu erkennen, dass es sich bei den lässigen Kleidungsstücken um hochwertige Designerware handelte.

Jetzt nahm der Mann seine getönte Brille ab und sie sah ihn dunkle Augen, die von einem Kranz langer schwarzer Wimpern umgeben waren. Kleine feine Fältchen hatten sich um die Augenpartie eingegraben und verrieten, dass der Mann nicht mehr ganz jung war.

„Darf ich mich vorstellen – Frank Cavendish.“ Im Sitzen deutete er eine kleine Verbeugung an.

Ellen nickte nur. Sie hatte keinerlei Interesse daran, die nähere Bekanntschaft des Bärtigen zu machen.

„Verraten Sie mir Ihren Namen?“

Schon wollte Ellen eine knappe, nicht allzu freundliche Bemerkung dahingehend machen, dass sie keinerlei Interesse an einer Unterhaltung hätte, da bemerkte sie die Blondine, die sich an seine andere Seite setzte und ihn mit beinahe hypnotischem Blick ansah. „Frank … Frank, du bist es wirklich! Supergeil! Wir haben uns eine Ewigkeit lang nicht mehr gesehen.“

Er drehte sich nur kurz um. „Sandra … sorry, aber du siehst ja, dass ich beschäftigt bin.“ Eine kleine Pause folgte, dann fügte er fast unhörbar hinzu: „Und du weißt sicher auch, warum ich dich nicht mehr sehen wollte. Also bitte … lass mich in Ruhe.“ Die eben noch samtweiche Stimme hatte plötzlich einen harten Unterton bekommen, dann wandte sich der Mann wieder mit charmantem Lächeln an Ellen. „Und? Wie darf ich Sie nennen?“

„Sie sind hartnäckig, ja?“

„Nur, wenn es sich lohnt.“

„Ellen. Ellen Niehaus.“ Sie trank den inzwischen abgekühlten Espresso aus. „Guten Flug.“ Damit rutschte sie von ihrem Hocker, nahm ihre Tasche und schlenderte davon in Richtung Zeitschriftenladen. Es konnte nicht schaden, sich einen Reiseführer über Dubai und die Emirate zu kaufen und sich ein wenig zu informieren.

Sie hielt gerade zwei verschiedene Exemplare in der Hand, als über Lautsprecher ihr Flug aufgerufen wurde. Kurz entschlossen kaufte sie beide Reiseführer und ging dann hinüber zum Gate.

Eine freundliche Stewardess begrüßte sie in der First Class und wies ihr einen Platz am Fenster an.

„Sie erlauben doch …“ Die dunkle Stimme kannte sie.

„Natürlich. Gern.“ Es verwunderte sie nicht allzu sehr, dass Frank Cavendish neben ihr Platz nahm. Sein offensichtlicher Flirtversuch begann ihr Spaß zu machen. Eines war ihr jetzt schon klar: Dieser Mann war keiner, in dessen Gesellschaft Langeweile aufkam. Das bewies er, kaum dass die Maschine ihre Flughöhe erreicht hatte. Er winkte der Stewardess und bestellte Champagner.

„Ich hoffe, Sie mögen Champagner, Miss Niehaus.“

„Gern sogar.“ Ein kleines Lächeln glitt um ihren Mund. „Und Sie haben sogar meine Lieblingsmarke geordert.“

„Ich hab’s geahnt.“ In seinen Augen blitzte es auf, und obwohl Ellen sich dagegen wehrte – diese Augen besaßen einen Zauber, der sie gefangen nahm, ob sie es wollte oder nicht. „Ich wage zu behaupten, dass ich noch einiges andere von dem erahnen, was Sie mögen.“

So ein frecher Kerl! Seine Worte waren an Zweideutigkeit nicht zu übertreffen. Zum Glück wurde gerade der Champagner serviert, und Ellen trank ihr Glas in einem Zug halb leer.

Irgendwann im Lauf der sieben Stunden, die der Jet bis Dubai benötigte, erzählte sie ihm von sich, von ihrem Job, von Dennis Ullmann, dem beliebten Star, den sie interviewen sollte.

Frank hingegen sprach kaum über sich, er erzählte nur, dass er als Manager arbeite und die einige Monate im Jahr in London lebte. „Meine Mutter war gebürtige Engländerin, leider ist sie vor fünf Jahren gestorben.“ Die dunklen Augen verschatteten sich für einen Moment, doch rasch hatte er sich wieder gefangen. „Mögen Sie noch ein Glas?“ Er wies auf die fast ganz geleerte Sektflöte, die vor ihr stand.

„Nein, danke, nur nicht. Ich bin jetzt schon ganz müde.“ Sie sah ihn nur kurz an, dann blickte sie aus dem Fenster, doch eine dichte Wolkendecke verhinderte die Sicht nach unten.

„Ruhen Sie sich ein wenig aus.“ Er winkte der Stewardess, die sofort eine leichte Decke brachte.

Ellen war in ihren Empfindungen hin und her gerissen. Einerseits gefiel es ihr, so fürsorglich behandelt zu werden. Auf der anderen Seite mochte sie es gar nicht, wenn jemand für sie handelte, auch wenn es noch so gut gemeint war.

Sie schloss die Augen. Erst mal so tun, als würde sie schlafen. Das ersparte ihr eine weitere Konversation und die nähere Bekanntschaft mit diesem bärtigen Mann, der ihr viel zu tief in die Augen sah …

Übergangslos schlief sie ein, merkte nicht einmal, dass ihr Kopf nach links sank und sie fast eine Stunde an Franks Schulter schlief.

Ganz still saß der Mann da und schaute immer wieder auf ihr im Schlaf völlig entspanntes Gesicht. Ein zarter Duft stieg von ihrem Haar auf, ein Duft nach Limetten, der sich mit dem Geruch ihres Parfums mischte. Es war ein unaufdringlicher Duft, nicht so schwer und süß, wie es die Frauen in seiner Heimat bevorzugten, sondern frisch und ein ganz klein wenig herb. Es passte perfekt zu dieser Frau, die ihn so ungemein faszinierte, dass er sich selbst nicht mehr kannte.

Meine romantische kleine Schwester würde es Liebe auf den ersten Blick nennen, schoss es ihm durch den Kopf, als er sich wieder mal am Anblick ihrer zart geschwungenen Lippen verlor – und sich vorstellte, wie es wäre, diese Lippen zu küssen.

„Ich bin eingeschlafen. Entschuldigung!“ Mit einem verlegenen Lächeln sah Ellen ihn an. „Das ist mir unendlich peinlich. Warum haben Sie mich nicht geweckt?“

„Warum sollte ich? Es war mir ein Vergnügen, Ihnen meine Schulter als Kopfkissen bieten zu können. – Mögen Sie noch schnell einen Kaffee, bevor wir landen? Oder eine heiße Schokolade?“

„Nein, nein, gar nichts. Danke.“

„Schade. Ich hatte gehofft, Sie noch zu irgendetwas verführen zu können, bevor wir in Dubai eintreffen.“

Ellen biss sich kurz auf die Lippen. „Ich lasse mich nicht verführen.“

„Wie unendlich schade. Ich hätte es gern versucht.“ Der dichte Bart verbarg Franks Grinsen nur unzureichend.

Erst in diesem Moment wurde Ellen bewusst, wie doppeldeutig sie sich ausgedrückt hatte. „Sie sind unmöglich“, murmelte sie und sah Frank an.

Er schüttelte den Kopf. „Ganz und gar nicht. Ich bin ein sehr liebenswerter Kerl. Schade, dass wir uns schon bald wieder trennen müssen.“ Ehe sie sich versah, hatte er ihre Hand genommen und hielt sie fest. „Oder – müssen wir das gar nicht?“ Sein Blick war wie ein Streicheln auf der Haut, und Ellen spürte auf einmal ihr Herz schneller schlagen. Verflixt, das sollte nun wirklich nicht passieren! Sie kannte diesen Frank doch gar nicht! Er war eine flüchtige Bekanntschaft, nicht mehr.

Und doch … da war etwas zwischen ihnen, dem sie keinen Namen geben konnte. Er entsprach so gar nicht dem Typ Mann, den sie bevorzugte. Sie mochte keine Männer mit Bart. Und Draufgänger-Typen schon gar nicht. Und doch waren da diese gewissen Schwingungen zwischen ihnen, die alle Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Leben erweckten.

3

Wie ein einziges fantastisches Lichtermeer glitzerten die Hochhäuser und die hell erleuchteten Stadtautobahnen unter ihnen. Über Dubai hing noch ein dunkler Nachthimmel, doch die Stadt am Persischen Golf war taghell erleuchtet.

Fasziniert sah Ellen aus dem Fenster. „Das ist … wahnsinnig“, murmelte sie.

Ihr Sitznachbar nickte. „Ja, es kommt mir immer wieder wie ein Wunder vor, wenn ich nach Hause fliege und mir von hier oben ansehe, wie stark sich meine Heimat in den letzten Jahren verändert hat.“ Er machte eine kleine Pause, dann fügte er hinzu: „Noch hat das Land viele Facetten, wir müssen aber aufpassen, dass wir unsere Ursprünglichkeit nicht ganz verlieren in dem Bestreben, immer neue Superlative zu produzieren.“

Ellen antwortete nicht, sie versuchte angestrengt das „Segel“ des Burj Al Arab ausfindig zu machen und den hohen Turm des Burj Khalifa. Doch kaum hatte sie die beiden Wahrzeichen aus der Luft bemerkt, da ging die Maschine auch schon in den Landeanflug über, machte eine Rechtsdrehung – und Ellen schaute nun auf die andere Stadtseite.

Als die Maschine ein wenig ins Trudeln geriet, umklammerte sie die Sitzlehnen fester und biss sich auf die Lippen. So oft sie auch mit dem Flieger unterwegs war – ganz konnte sie ihre Angst nicht unterdrücken.

„Alles in Ordnung, es war wohl nur ein Luftloch. Die Seewinde sind oft tückisch.“ Franks Stimme klang beruhigend, und auch der Druck seiner warmen Hand sollte ihr die Angst nehmen. Allerdings war das Gegenteil der Fall: Seine Berührung verursachte ihr kleine süße Schauder, und für eine Sekunde schoss ihr durch den Sinn, dass es eigentlich schade war, dass sie sich in wenigen Minuten schon wieder trennen mussten.

Die Maschine setzte sanft zur Landung an, und nachdem sie ausgerollt waren, stand Ellen so wie alle anderen Passagiere auf.

„Auf Wiedersehen. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit bei Ihrer Familie“, sagte sie.

„Danke. Aber wir sollten uns noch nicht trennen.“ Frank lächelte, und wieder sah sie ihm fasziniert in die dunklen Augen. „Darf ich mich um Ihr Gepäck kümmern? Ich bin sicher, dann geht es schneller als normal.“

„Danke, aber ich hab nur einen Koffer mit.“

„Auch mit dem müssen Sie durch den Zoll.“ Er half ihr in die leichte Kostümjacke. „Es gefällt mir gar nicht, mich schon wieder von Ihnen trennen zu müssen. Nein, ganz und gar nicht.“ Er nahm ihren Arm und dirigierte sie aus der Maschine. Ellen ließ es geschehen, denn auch sie fand die Vorstellung, Frank nicht mehr sehen zu können, deprimierend. Er war seit langem der erste Mann, der sie interessierte. Wenn er auch ein wenig verwegen aussah mit dem ungepflegten Bart – er hatte etwas an sich, das sie neugierig auf ihn machte.

Ohne etwas zu sagen ging sie mit ihm zur Gepäckausgabe. Frank nahm ihr wie selbstverständlich den silberfarbenen Koffer ab, der zum Glück als einer der Ersten vom Band rollte.

Der Mann empfand ganz ähnlich wie Ellen, er wollte sie unbedingt näher kennenlernen und war entschlossen, sie nicht so rasch wieder aus den Augen zu verlieren. So blieb er an ihrer Seite, bis sie die Zollformalitäten hinter sich gebracht hatten. Nur flüchtig fiel Ellen auf, dass Frank kaum kontrolliert wurde, im Gegenteil, die Zollbeamten salutierten und behandelten ihn mit größtem Respekt, nachdem sie seinen Pass gesehen hatten.

Einheimischer müsste man sein, dachte sie nur. Die werden wohl nicht genauer gecheckt.

Die Gänge des Flughafens waren auch um diese frühe Morgenstunde schon belebt. Ellen sah Touristen, Geschäftsleute mit schwarzen Aktentaschen, Araber in ihrer weißen Dishdasha, verschleierte Frauen in der meist schwarzen Abaya und junge Araberinnen, deren Gesichter nicht hinter dem Schleier verborgen waren und die unter dem schwarzen Gewand teure Designer-Kleidung trugen.

Entlang der weißen Marmorgänge befanden sich Luxusboutiquen aller internationaler Nobelmarken. Ein rot lackierter englischer Sportwagen stand auf einem Podest und wurde von ein paar Halbwüchsigen bestaunt, die sich lebhaft unterhielten.

„In welchem Hotel werden Sie wohnen?“, erkundigte sich Frank und winkte einer weißen Limousine, die ein wenig abseits der normalen Taxis stand.

„Im Burj Al Arab.“ Ellen lächelte. „Da treffe ich hoffentlich den Mann, dessentwegen ich hier bin.“

Für den Bruchteil einer Sekunde wurden Franks Züge hart. „Ich hoffe, es ist nur ein geschäftliches Treffen“, sagte er.

„Klar doch! Ich hab Ihnen ja erzählt, dass ich Dennis Ullmann interviewen will.“ Sie sah in sein jetzt ungewöhnlich ernstes Gesicht. „Drücken Sie mir die Daumen, dass ich zu meiner Story komme.“

„Und wenn nicht?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Dann fliege ich in drei Tagen frustriert und um einige tausend Euro ärmer nach Hause zurück. Aber daran will ich nicht denken.“

„Das sollst du auch nicht.“ Er legte kurz den Arm um sie, dann öffnete er den Wagenschlag. „Steig ein, bitte.“ Wieder hatte seine Stimme diesen dunklen, samtigen Klang, dem Ellen nicht widerstehen konnte.

Sie ließ sich in die weichen, champagnerfarbenen Lederpolster sinken und sah zu, wie der Fahrer ihren Koffer und das Boardcase von Frank im Gepäckraum verstaute.

„Wir fahren zum Burj Al Arab“, wies Frank den Fahrer an, dann drückte er einen Knopf, und sacht hob sich eine getönte Glasscheibe zwischen sie und den jungen Fahrer.

Noch ehe sich Ellen wirklich wundern konnte, nahm Frank ihre Hände und küsste sacht die Innenflächen. „Verzeih, aber … ich kann mich kaum noch beherrschen“, murmelte er. „So etwas ist mir noch nie passiert, das schwöre ich.“ Kurz hob er den Kopf. „Ellen … ich … ich kann dich nicht so einfach gehen lassen. Sag mir, dass wir uns wiedersehen.“

Sie konnte nur nicken, das, was gerade geschah, nahm ihr den Atem.

Und dann war da auf einmal sein Mund dicht vor dem ihren. Sie spürte seinen warmen Atem auf der Haut, merkte, dass er tief durchatmete, ehe er sie küsste.

Ellen begann zu zittern, als seine Lippen sich sacht auf ihre Lippen legten. Erregung stieg in ihr auf, und sie wehrte sich nicht, als Franks Zunge ihre Mundhöhle erforschte, als seine Hände sich fester um sie legten und sie ihn dicht an sich spürte.

Heiße Lust stieg in ihr auf, und sie war beinahe enttäuscht, als Frank sie abrupt losließ.

„Nicht im Auto“, murmelte er. „Verzeih mir. Wir sehen uns am Abend, ja? Ich komme ins Hotel. Gegen 18 Uhr.“

Ich muss arbeiten. Ich muss zusehen, dass ich zu einem Treffen mit Dennis Ullmann komme, wollte Ellen sagen. Aber kein Wort kam über ihre Lippen.

4

Marmor. Polierter Granit. Mit Blattgold verzierte Spiegel und hohe, vergoldete Vasen, in denen blaurote Orchideen und weiße Lilien standen. In den tiefen Teppichen versanken die Füße, und der Blick vom Atrium hoch zur Decke ließ Ellen schwindeln.

Sie hatte gewusst, dass dies eines der luxuriösesten Hotels der Welt war, doch eine solche Pracht hatte sie nicht erwartet. Kein Wunder, dass mich die drei Nächte hier arm machen, schoss es ihr durch den Kopf. Sie hatte die einfachste Suite gebucht – die dennoch ein Vermögen kostete.

Aber die Reise hat sich jetzt schon gelohnt, dachte sie, als sie mit dem Aufzug – auch er natürlich mit zum Teil vergoldeten Wänden ausgestattet – zu ihrer Suite fuhr. Ich habe einen interessanten Mann kennengelernt. Einen Mann voller Geheimnisse.

Ihr Herzschlag beschleunigte sich schon wieder, als sie an den letzten Kuss dachte, den er ihr gegeben hatte, bevor sie vor dem Hotel hielten.

Dann hatte er ihr noch eine Visitenkarte zugesteckt und gesagt: „Vergiss es nicht – 18 Uhr. Ich kann es kaum erwarten.“

Bevor sie sich in der Suite umsah, nahm sie die Visitenkarte zur Hand. Hellgraues Büttenpapier. Darauf nur sein Name: Frank Cavendish. Darunter ein paar arabische Schriftzeichen und ein goldgeprägtes Wappen, in dem sie nur einen Falkenkopf erkennen konnte.

Ellen legte die Visitenkarte auf den eleganten Schreibtisch, dann stellte sie sich ans Fenster und sah hinaus aufs Meer. Das Hotel, das auf einer künstlich angelegten Insel stand, bot einen einmaligen Blick auf die breite Bucht und die Stadt, die langsam zum Leben erwachte. Die Lichter erloschen nach und nach, dafür überzog die Sonne alle Gebäude mit einem rotgoldenen Schein.

Eine Weile stand Ellen so und berauschte sich an dem einmaligen Anblick. Die Dubai Waterfront zog sich über einige Kilometer hin, und sie versuchte in der Stadt einige Punkte auszumachen, die ihr vom Bild her bekannt vorkamen, doch so weit reichte der Blick aus ihrem Fenster nicht. Auch die künstlich angelegten anderen Inseln, auf denen gigantische Hotelkomplexe entstanden waren oder noch gebaut werden sollten, konnte sie nicht ausmachen, der Frühdunst nahm ihr die Weitsicht.

Ich werde ein bisschen schlafen, dann versuche ich Dennis Ullmann zu erreichen, überlegte Ellen. Mal sehen, ob ich ihn heute schon treffen kann. Wenn nicht, gönne ich mir eine Sightseeing-Tour. Und später dann … sie biss sich auf die Lippen. Später würde sie Frank wieder sehen!

5

Die weiße Villa lag versteckt hinter einer hohen, weiß getünchten Mauer. Der Garten, der sie umgab, war perfekt gepflegt. Hohe lilafarbene Bougainvillea-Sträucher blühten in verschwenderischer Fülle im Wettstreit mit weißem, rosafarbenem und hellgelbem Oleander. Der Rasen, frisch gesprengt mit aufbereitetem Meerwasser, besaß ein sattes Grün.

Frank Cavendish trat auf die weitläufige Terrasse. Er hatte ein ausgiebiges Bad genommen und sich rasiert. Der ungepflegte Bart, den er sich einer albernen Wette hatte stehen lassen, war gewichen. Wenn ich gewusst hätte, dass ich einer so wundervollen Frau wie Ellen begegne, hätte ich mir das Gemüse schon daheim in London abrasiert, dachte er.

Aber sie mag dich dennoch, sagte eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf. Ihr Kuss … so küsst nur eine Frau, die tief empfindet.

Er bemerkte eine Bewegung hinter sich und drehte sich halb um. Jussuf, der alte Diener, der seit seiner frühesten Jugend für ihn sorgte, sah ihn fragend an.

„Benötigst du noch etwas, Frank?“ Jussuf war der einzige der sechs Angestellten, der es wagen durfte, Frank zu duzen. Frank hatte ihn ausdrücklich darum gebeten und vor fünf Jahren ein letztes Mal gedroht: Wenn du mich noch ein einziges Mal mit „Hoheit“ ansprichst, bist du entlassen, Jussuf. Ich brauche einen Vertrauten hier, einen Menschen, bei dem ich mich auch mal gehen lassen darf. Und der bist doch du, nicht wahr?“

Der alte Mann hatte mit Tränen in den Augen genickt. „Ich würde alles für dich tun, Frank. Du weißt es. Du bist wie ein Sohn für mich.“

„Ja, ich weiß, mein Getreuer. Und jetzt lass uns nie wieder davon sprechen.“

Langsam drehte sich Frank um. Er trug jetzt auch eine blütenweiße Dishdasha, die Füße steckten in bequemen hellen Mokassins. „Danke, Jussuf. Ich gehe heute Abend aus.“ Ein Lächeln glitt über sein Gesicht. „Ich habe meine Traumfrau getroffen. Heute im Flugzeug.“

„Das wird deinen Vetter freuen.“ Der alte Mann verbeugte sich kurz. „Seine Hoheit, Sheikh Abdullah, kann es kaum erwarten, dass du heiratest. Seit sein zweiter Sohn erkrankt ist, liegt es allein an seinem Erstgeborenen, die Nachfolge zu sichern. Und dann an dir“, fügte er leiser hinzu.

„Ach was.“ Frank machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich habe noch sieben weitere Vettern, um den Bestand der Dynastie muss sich niemand sorgen. Und alle meine Vettern sind im Land geblieben, sie sind viel traditionsverbundener als ich.“ Er lachte leise. „Ich bin sicher, sie haben alle einige Frauen und Nebenfrauen.“

„Aber dein Onkel liebt dich am meisten – nach seinen eigenen beiden Söhnen. Die anderen schätzt er lange nicht so sehr.“

Frank nickte. „Das mag sein, aber er kann mein Leben nicht mehr bestimmen. Ich bin erwachsen. Mein Vater ist seit drei Jahren tot, ich habe sein Erbe angetreten und habe gern die Verantwortung für unseren Besitz übernommen. Er lässt sich gut von London aus leiten, das hat mein Onkel eingesehen. Außerdem … er wird, das weiß ich jetzt schon, nicht begeistert sein, wenn er die Frau jemals kennenlernen wird, mit der ich mich heute treffe. Sie ist Deutsche.“

Jussuf sog die Luft ein. „Also keine Prinzessin aus den Emiraten.“

„Nein.“ Frank drehte sich ganz zu ihm um. „Mein Alter, ich bin zwar hier geboren und aufgewachsen, aber … wenn ich hier bin, fühle ich mich inzwischen wie ein Besucher. Mein Zuhause ist in Europa. Die europäische Kultur liegt mir mehr als unsere traditionelle Lebensweise. Ich will, zum Beispiel, keine Frau, die ihr Gesicht verbirgt und die nach außen hin unselbstständig tun muss. Ich wünsche mir eine vollwertige Partnerin.“

„Das ist … revolutionär“, flüsterte der alte Mann.

Frank nickte. „Ich weiß. Und deshalb will ich nicht, dass jemand von der Familie erfährt, dass ich hier bin. Ich wünsche mir ein paar ungestörte Tage.“

Jussuf verbeugte sich. „Ich werde tun, was ich kann, damit dein Wunsch in Erfüllung geht.“

„Du kannst mir ein paar Delikatessen bereithalten für den Abend. Und Champagner.“ Geflissentlich ignorierte er das Zucken des alten Mannes. Jussuf war ein strenggläubiger Moslem, doch er versagte es sich, seinen jungen Herrn zu rügen.

Frank lächelte verhalten, als er fortfuhr: „Und dann schick alle anderen Bediensteten für diesen Abend fort. Ich möchte allein sein.“

6

Genussvoll schäumte sich Ellen mit dem herrlich duftenden Duschgel ein. Sie hatte ein wenig geschlafen und wollte sich nach dem Duschen auf die Suche nach Dennis Ullmann begeben. Wenn sie ein wenig Glück hatte, gab man ihr an der Rezeption Auskunft, ob er tatsächlich eingecheckt hatte oder nicht. Ansonsten musste sie sich auf eine langwierige Suche machen.

Zunächst jedoch genoss sie die luxuriöse Umgebung. Das Bad, fast so groß wie ihr Wohnzimmer daheim, war mit weißem Marmor ausgelegt, die drei hohen Spiegel besaßen vergoldete Rahmen, so wie auch die Armaturen vergoldet waren.

Goldgelbe, dickflauschige Handtücher und Badelaken gehörten ebenso in dieses Standardzimmer wie ein langer goldgelber Bademantel.

Wie mögen dann erst die Luxussuiten ausgestattet sein, wenn mein Zimmer schon so elegant ist?, schoss es Ellen durch den Kopf. Sie war überrascht gewesen, als sie entdeckt hatte, dass ihr Zimmer – das preiswerteste, das sie im Hotel hatte bekommen können – eine zweistöckige Suite war. Ein Glück, dass sie jetzt, im Frühsommer, einen der hier üblichen Spartarife ergattert hatte. Im arabischen Winter, wenn die Temperaturen für Europäer gut zu ertragen waren, bekam man diese Vergünstigung nicht.

Sie trocknete sich ab, cremte sich mit einer ebenfalls außergewöhnlich gut duftenden Bodylotion ein und föhnte sich die langen blonden Haare trocken, die in leichten Naturwellen bis weit über ihre Schultern fielen.

Für einen Moment war sie versucht, die lange Pracht hochzustecken, ließ es dann aber sein. Ein bisschen Eitelkeit durfte ruhig sein, und sie wusste, dass die Araber von Blondinen fasziniert waren.

Da es draußen mehr als 30 Grad heiß war, wählte sie ein weißes Leinenkleid, das am Ausschnitt und an der Taille eine dünne rote Spitzenapplikation besaß. Eine rote Tasche und rote Sandaletten mit halbhohem Absatz vervollständigten das Aussehen.

Schon wollte sie den Raum verlassen, als ihr einfiel, dass es eventuell ratsam wäre, sich ein Kopftuch einzustecken. Zum Glück hatte sie sich kurz vor dem Abflug auf dem Flughafen einen roten langen Chiffonschal gekauft, er passte perfekt zu ihrem Outfit.

Der Lift brachte sie rasch und geräuschlos in die weitläufige Lobby. Ein paar Geschäftsleute in dunklen Anzügen sahen ihr diskret hinterher, in den Augen eines jungen Arabers, der einen hellgrauen Leinenanzug und ein weißes Hemd trug, blitzte es auf.

Ellen registrierte es aus den Augenwinkeln heraus, und es tat ihr gut, dass sie gefiel. Die Pracht ringsum, die elegant gekleideten Menschen, die ihr hier begegneten, waren ein kleines bisschen einschüchternd. Normalerweise litt Ellen nicht an Minderwertigkeitskomplexen, doch die Pracht, die in diesem Hotel zur Schau gestellt wurde, die Eleganz einiger Gäste, die sich in der Halle aufhielten oder vor den Luxusboutiquen standen, war schon ungewöhnlich und höchst beeindruckend.

Eine kleine Gruppe fiel ihr auf: Der Mann, alt und hager, wurde von sechs tief verschleierten Frauen begleitet. Sie gingen hinüber in zu Tiffanys, und Ellen konnte sehen, mit wie viel Respekt der alte Mann behandelt wurde.

Sie hätte gern länger zugeschaut, was im Innern des Geschäftes geschah, doch in diesem Moment klingelte ihr Handy. Ein kurzer Blick aufs Display zeigte ihr, dass der Anruf von Ulrike kam.

„Hallo, meine Süße, wie geht es dir? Bist du gut gelandet?“

„Aber ja. Ich wollte gerade einen ersten kurzen Ausflug machen und mich dann an der Rezeption nach Dennis erkundigen.“ Sie lachte leise. „Ich bin schließlich nicht zum Vergnügen hier, obwohl … es ist hier alles wie in einem Traum.“

„Dann genieße ihn noch ein bisschen – und dann mach dich auf den Weg nach Abu Dhabi. Da ist Dennis nämlich gestern Abend gesehen worden.“

„Woher weißt du das?“ Ellen war wie elektrisiert.

„Von John Perslinger. Er ist ein Geschäftsfreund von Ewald und war eben kurz da. Wie durch Zufall erzählte er, dass er gerade aus Abu Dhabi käme, wo er irgendwas für die Rennstrecke gebaut hat. Keine Ahnung, was das war. Wichtig ist ja auch nur, dass er Dennis und ein paar andere Schauspieler dort gesehen hat.“

„Dann muss ich hier gar nicht mehr suchen.“ Ellen seufzte auf. „Schade. Ich hätte mir Dubai gern näher angesehen.“

„Tu’s doch!“ Ulrike lachte. „Genieß die Stadt – und mach einfach morgen oder übermorgen einen Ausflug rüber nach Abu Dhabi.“

„Du bist gut! Und dann ist der Typ wieder woanders.“ Sie schüttelte den Kopf, was Ulrike natürlich nicht sehen konnte. „Du vergisst, dass ich keinen Millionär als Mann hab und mit meinen Spesen haushalten muss.“ Sie sah einer zierlichen jungen Frau in einem bunten Sari nach, die zwei Kinder an den Händen hielt und erregt auf sie einsprach. Das kleine Mädchen weinte, während der Junge mit trotzigem Gesichtsausdruck zu der Frau hoch schaute. Jetzt zog er an dem bunten Kopftuch der Frau, so dass es ihr von den nachtschwarzen Haaren rutschte.

Schnell befestigte sie es wieder, dazu aber musste sie den Jungen loslassen, der sofort in Richtung Ausgang rannte. Nur mit Mühe gelang es der jungen Frau, ihn einzufangen.

Sicher eine Nanny, schoss es Ellen durch den Kopf. Sie hatte gelesen, dass die meisten Familien aus den Emiraten Angestellte aus Pakistan oder Indien beschäftigten.

„Ulrike, danke für deine Info, ich werde sehen, wie ich rüber nach Abu Dhabi komme. Auf keinen Fall darf mir Dennis entwischen.“ Sie lachte. „Vielleicht ist er sogar mit seiner zukünftigen Braut da. Es wird schließlich gemunkelt, dass er neu liiert ist. Das wäre die Idealstory.“

„Ich drück dir die Daumen. Melde dich zwischendurch mal. Bis dann mal wieder, Süße.“

„Bis dann.“ Ein wenig unschlüssig blieb Ellen stehen. Was jetzt?

Sie sah sich ein wenig unschlüssig um, wobei sie erneut die Pracht ringsum bewundern musste. Alles erstrahlte in Blattgold, Kristalllüster hingen an den Wänden, mit Goldfäden bestickte Brokatdecken lagen über Ausstellungstheken, und in riesigen Vasen standen, verschwenderisch dekoriert, Orchideen in allen Farbschattierungen von Rot bis zum zarten Rosé. Neben der breiten Treppe befanden sich vergoldete Kübel, in denen weiße Lilien ihren Duft verströmten.

Noch immer ein wenig zögernd ging Ellen hinüber zur Rezeption. Ein junger Mann kam sofort diensteifrig auf sie zu und fragte, mit er helfen könne.

„Können Sie mir sagen, ob Dennis Ullmann bereits eingecheckt hat? Ich bin mit ihm verabredet.“ Die Lüge ging ihr glatt über die Lippen.

Der Rezeptionist, dessen Haut einen leichten Olivton besaß, sah sie zögernd an. „Es ist mir nicht gestattet, Auskunft zu geben“, meinte er dann.

„Ich weiß, aber es ist wichtig für mich.“ Ellen schenkte ihm ihr schönstes Lächeln und einen größeren Schein, den er in Windeseile verschwinden ließ. Zwei Minuten später hatte er im Computer nachgesehen und erklärte: „Mister Ullmann hat seine Suite zwar gebucht, doch noch ist er nicht eingetroffen. Sorry.“

„Danke trotzdem.“ Ellen nickte ihm zu, dann verließ sie das Hotel. Trotz der drückenden Schwüle, die sie draußen empfing, wollte sie sich ein bisschen in Dubai umschauen. In den großen Shopping-Malls war es sicher angenehm temperiert, die alten Souks, die sie im Grunde mehr interessierten in ihrer bunten Vielfalt, würde sie abends aufsuchen, wenn die Temperaturen angenehmer waren.

Sie ergatterte einen der roten Busse, die Touristen aus aller Welt durch die Stadt führten und an den verschiedensten Punkten Besichtigungs-Stopps einlegten.

So wie alle anderen bestaunte Ellen die gigantischen Neubauten, vor allem das Burj Khalifa, das neue Wahrzeichen der Stadt. Der 828 Meter hohe Turm ragte wie eine Rakete in den Himmel.

Ellen stieg hier aus und sah sich die Dubai Mall an, dann den künstlich geschaffenen Dubai Lake. Auf diesem See zu Füßen des Luxushotels fanden atemberaubend schöne Wasserspiele statt. Als Ellen sah, dass sich viele Menschen an die Uferbegrenzung drängten, stellte sie sich dazu – und kam gerade rechtzeitig an, um zu sehen, wie eine riesige Wasserfontäne in die Luft schoss.

„Das sind genau 150 Meter“, sagte ein Englisch sprechender Reiseführer ganz in ihrer Nähe. „Es ist ein einmaliges Schauspiel, das vor allem am Abend, wenn überall hier die Lichter angehen, besonders beeindruckend ist.“

Das glaub ich gern, dachte Ellen und beschloss, noch einmal herzukommen. Über eine Stunde schlenderte sie durch die Shopping Mall, bestaunte die Luxusgüter aus aller Welt, bewunderte aber auch die beiden Geschäfte, in denen Perlen- und Goldschmuck ausgestellt war.

Dabei fiel ihr ein, dass hier am Persischen Golf noch vor hundert Jahren ein reger Perlenhandel stattgefunden hatte. Mit recht primitiver Ausrüstung waren die Männer ins Meer hinabgetaucht und hatten die Austern an Land gebracht. „Töchter des Mondes“ nannten die alten Araber die Perlen, und so nannte einer der modernen Geschäftsleute jetzt seine Kollektion.

„Diese Perle ist mein Glanzstück“, sagte der Händler und wies auf eine tropfenförmige, in zartem Rosé schimmernde Perle, die auf einem roten Samtkissen lag.

„Sie ist einmalig schön“, stimmte ihm Ellen zu. „Leider reicht mein Budget nur für diese kleinen Ohrringe.“ Sie wies auf ein paar Ohrstecker in hellem Weiß, die für kleines Geld zu haben waren.

„Diese Perle ist auch unverkäuflich“, erklärte der junge Mann, während er ihr die Perlenohrringe einpackte und die 25 Dollar kassierte, die sie nur gekostet hatten. „Mein Vater hat sie vor 50 Jahren aus dem Wasser geholt, sie ist Familienbesitz.“

Dann brachte er Ellen zur Tür und sah ihr bewundernd nach. Dieses Haar … wie gesponnenes Gold sah es aus. Er zuckte zusammen, als ein Räuspern in seinem Rücken ertönte. Seine Frau, in einem modischen Hosenanzug, doch mit dem üblichen schwarzen Kopftuch angetan, sah ihn vorwurfsvoll an, sagte aber nichts, sondern räumte die Ohrringe, die ihr Mann Ellen gezeigt hatte, wieder ein.

Ellen bekam von diesem kleinen Eifersuchtsdrama nichts mehr mit, sie fuhr mit dem Bus noch drei Stationen weiter. Erst gegen fünf Uhr am Nachmittag beendete sie die Besichtigung, ging ins Hotel zurück und machte sich für das Treffen mit Frank fertig.

7

Ellen hatte den Lift kaum verlassen, da eilte Frank auch schon auf sie zu. Im ersten Moment hätte sie ihn fast nicht erkannt.

„Dein Bart ist ab!“ – Das war alles, was sie zunächst sagen konnte.

„Stimmt.“ Er wagte es in dieser Umgebung nicht, sie zu umarmen, wie er es zu gern getan hätte. Aber er zog ihre Hand an den Mund und presste seine Lippen in ihre Innenfläche.

Ein kleiner Schauer rann über Ellens Haut, sie konnte den Blick nicht von Franks markantem Gesicht wenden, das jetzt, ohne den wirren Bart, noch viel anziehender war.

„Komm weg von hier“, sagte er und nahm ihre Hand. „Ich will mit dir allein sein.“

Ellen nickte nur. Sie dachte an den Kuss, den sie vor einigen Stunden getauscht hatten – und wünschte sich nichts mehr, als noch mehr von Franks Zärtlichkeiten zu erfahren.

Es wunderte sie nicht, dass Franks Limousine direkt vor dem Eingang stand. Der Chauffeur in einer schneeweißen Dishdasha, hielt ihnen im Fond die Tür auf.

Kaum hatten sie den Bereich des Hotels verlassen und fuhren über die mehrspurige Sheikh Zayed Road, ließ Frank die blickdichte Trennwand herab. Und dann, endlich, nahm er Ellen in den Arm.

Als sie seinen Atem dicht an ihrem Mund spürte, schloss sie die Augen, sacht begann sie zu zittern, als er sie endlich küsste. Seine rechte Hand wühlte sich in ihr Haar, und sie spürte sein Herz heftig klopfen.

Draußen glitten die Hochhäuser Dubais an ihnen vorbei, doch Ellen hielt die Augen geschlossen, um sich ganz auf das wahnsinnig geile Gefühl zu konzentrieren, das sie erfasste. Sie stöhnte unterdrückt auf, als Franks Zunge ihre Mundhöhle erforschte, als er seine Hand aus ihrem Haar nahm und stattdessen sanft ihre linke Brust zu massieren begann.

Sie wussten beide nicht, wie viel Zeit sie mit ihren immer leidenschaftlicher werdenden Zärtlichkeiten verbracht hatten. Ellen spürte, dass sie einem Orgasmus nahe war – und das, obwohl Frank sie noch nicht einmal an ihrer intimsten Stelle berührt hatte.

Und auch Frank konnte sich kaum noch zurückhalten. Er atmete auf, als die Limousine mit einem leichten Ruck zum Stehen kam.

Ellen löste sich aus seiner Umarmung. „Puh, und ich hab gedacht, ich bin zu alt für Sex im Auto.“

Frank lachte leise. „Sind wir auch. Deshalb … komm mit in mein Haus.“ Er stieg aus, noch ehe der Fahrer die Tür öffnen konnte, und reichte Ellen die Hand.

Ohne den Fahrer anzusehen, sagte er: „Bis morgen, Ali. Ich melde mich, wenn ich dich brauche.“

Der junge Pakistani verneigte sich knapp, dann fuhr die Limousine auch schon davon.

Nur flüchtig bemerkte Ellen die reichhaltigen orientalischen Schnitzereien an der breiten Haustür. Frank ließ ihr auch keine Zeit, sich in der kühlen Marmorhalle umzusehen, in deren Mitte ein kleiner Springbrunnen stand.

„Endlich allein mit dir.“ Er hob Ellen hoch und trug sie in den ersten Stock.

Ellen ließ es geschehen, sie verbarg das heiße Gesicht an seinem Hals, während sie nur eins dachte: Es ist verrückt, es ist total irre, aber … ich war noch nie so scharf auf einen Mann wie auf Frank. Ich will ihn. Jetzt. Hier. Ohne Wenn und Aber.

Mit einem raschen Fußtritt öffnete Frank die Tür zu einem Raum, der mit dem, was man als Europäer landläufig unter dem Begriff „Schlafzimmer“ verstand, nicht das Geringste zu tun hatte.

Ein nachtblauer Teppich verschluckte jedes Geräusch, nachtblau war auch die Seidendecke, die über dem breiten Bett lag.

An den weiß getünchten Wänden hingen Bilder von der Wüste und von einer Palmenoase. Ein breiter Spiegel mit Goldrahmen hing links vom Bett, rechts eröffnete sich der Blick von hohen Fenstern hinaus in einen blühenden Garten. Leichter Weihrauchduft hing im Raum, vermischte sich mit dem Duft der großen Rosensträuße, die rechts und links vom Bett in kniehohen Bodenvasen standen.

Das alles nahm Ellen nur im Unterbewusstsein wahr. All ihre Sinne waren auf das gerichtet, was Frank jetzt mit ihr machen würde …

Sacht ließ er sie auf die kühle Seidendecke gleiten. Für ein, zwei Sekunden löste er sich von ihr, aber nur, um sich mit einem Ruck das Hemd vom Körper zu reißen. Dann beugte er sich wieder über Ellen und begann jeden Zentimeter ihrer Haut zu küssen.

„Warte.“ Ellens Stimme klang rau vor Erregung. Sie richtete sich auf und zog sich das Kleid aus, warf es einfach zu Boden.

„Wie schön du bist!“ Beinahe andächtig sah Frank sie an. Sie trug einen nachtblauen, hauchzarten BH, dazu den passenden dünnen Slip, der mehr von ihrem hellen Dreieck zeigte als er verbarg.

Wieder begann Frank sie zu küssen. Das Spiel seiner Zunge, die sich ihren harten erigierten Brustwarzen näherte, versetzte sie in Ekstase.

„Ellen, Ellen … was machst du mit mir?“, murmelte Frank zwischen zwei Küssen.

„Und du? Was hast du mit mir gemacht? Ist es ein orientalischer Zauber?“ Sie hob die Arme und zog ihn noch näher zu sich. Sie wollte ihn spüren. Nah. Ganz nah. Jeden Zentimeter ihrer Haut sollte er küssen. Und noch mehr …

Es war, als hätte Frank ihre Gedanken und geheimen Wünsche erraten. Nur für einen kurzen Moment richtete er sich auf. Sein Blick umfasste ihre perfekte Gestalt, er sah in ihre Augen, die dunkel vor Leidenschaft waren.

In Sekundenschnelle hatte er sich ganz ausgezogen, und Ellen konnte noch einen Blick auf seinen harten großen Schwanz erhaschen, dann war er auch schon über ihr. Sie spürte sein Glied dicht vor ihrer Muschi pochen, und schnell spreizte sie die Beine ein wenig mehr.

Langsam, so, als wolle er jeden Millimeter ihres Innern erobern, drang Frank in sie ein, wobei er nicht aufhörte, Ellen zu küssen und mit der Rechten ihre Brüste zu streicheln.

Ellen keuchte vor Lust. Sie tastete nach seinem Schwanz, der im langsamen Rhythmus immer wieder halb aus ihr herausglitt. Sacht legte sie die Finger um das feuchte Schwert, massierte es sanft – bis Frank aufstöhnte und seine Stöße härter, schneller wurden.

Er stützte sich ab, sah Ellen in die Augen, während er sie zum ersten Höhepunkt trieb. Als sie aufschrie, war es wie Musik in seinen Ohren. Eine Musik, die ihn noch mehr antrieb, die seine Leidenschaft ins Unendliche steigerte.

Noch drei, vier Stöße, dann ein tiefes, dumpfes Stöhnen – und auch er kam zum Orgasmus.

Ellen umklammerte seinen Kopf, presste ihn fest an ihre Brüste, so, als müsste sie Angst haben, dass Frank sich von ihr löste.

Daran aber dachte er ganz und gar nicht. Im Gegenteil, er blieb noch lange in ihr, küsste und streichelte ihre zarten Brustknospen, die sich gleich wieder aufrichteten.

„Du bist wohl unersättlich, was?“ Sanft küsste er sie.

Ellen gab keine Antwort, doch sie streichelte sanft seine Schulter, seine Brust, den straffen Bauch. Dann, langsam, zögernd beinahe, glitt ihre Hand tiefer. Zart wie ein Hauch war ihre Bewegung, als ihre Finger seinen noch schlaffen Penis umfassten, der sich jedoch in Sekundenschnelle erhärtete.

„Wer ist hier unersättlich?“, lachte Ellen. Sie fühlte sich so glücklich, so zufrieden wie lange nicht mehr. Dieser Mann, der sich jetzt wieder über sie beugte und mit seinen Küssen verwöhnte, war etwas Besonderes.

Sie legte ihre Hände um seine Hüften, zog ihn so wieder fester an sich.

„Und ich dachte, wir könnten uns erst mal mit einem Glas Champagner stärken“, grinste Frank.

„Keine schlechte Idee.“ Mit einer schnellen Bewegung drehte sich Ellen zur Seite.

„Oh nein, mein Schatz, nicht mit mir!“ Genauso rasch, wie sie sich unter ihm fortgewälzt hatte, drehte Frank sie wieder zu sich um. „Vergiss nicht, dass du dich mit einem arabischen Macho eingelassen hast“, murmelte er, bevor er ihren Protest mit einem langen Kuss unterdrückte.

Er löste seine Lippen auch nicht von ihren, als er erneut in sie eindrang. Diesmal nahm er sich nicht die Zeit, sie langsam zum Höhepunkt zu treiben. Mit festen, langen Stößen ließ er seiner Leidenschaft freien Lauf – und Ellen nahm diesen schnellen Rhythmus auf. Sie bäumte sich ein wenig auf, um ihn noch tiefer in sich spüren zu können.

Frank warf den Kopf nach hinten, als er mit einem letzten Stoß kam und sich in ihr ergoss.

Ellen schrie leise auf, als auch sie, fast zur gleichen Zeit wie Frank, zum Höhepunkt kam.

Erschöpft und schwer atmend lagen sie nebeneinander, die Hände ineinander verschlungen. So schliefen sie ein.

Ellen erwachte von intensivem Kaffeeduft.

„Hmm … das ist Service“, murmelte sie und schlug die Augen auf.

Nackt, in der Hand ein silbernes Tablett, kam Frank zum Bett zurück. Ellen hatte Gelegenheit, seinen perfekt gebauten Körper zu betrachten. Die Haut besaß einen hellen Bronzeton, der breite Brustkorb wies kein einziges Haar auf. Der flache Bauch zeugte davon, dass Frank Sport trieb.

Langsam glitt ihr Blick tiefer – und sie atmete schneller.

Hart und steil ragte sein Lustschwert in die Luft.

„Trink schnell“, meinte Frank und nahm eine Tasse Kaffee vom Tablett. „Ich hab etwas Kardamon hineingetan“, sagte er. „Wir trinken den Kaffee hier gern so.“

Vorsichtig nippte Ellen an dem heißen Kaffee, der ein ganz besonderes Aroma besaß. „Der ist ganz hervorragend“, meinte sie. „Ich fühle mich topfit.“ Sie sah kurz auf ihre Armbanduhr. „Erst zwei Uhr in der Nacht.“ Sie streckte beide Arme nach Frank aus. „Ich hatte das Gefühl, stundenlang geschlafen zu haben.“

„Und jetzt bist du wach und erholt.“ Er grinste frech. „Dann weiß ich schon, was wir machen.“ Noch ehe Ellen reagieren konnte, hob er sie hoch und trug sie durch die weit geöffnete Tür hinaus auf eine weitläufige Terrasse.

Ohne sie aus den Armen zu lassen, sagte er: „Hier, ich lege dir die Stadt zu Füßen, meine Prinzessin.“

Ellen antwortete nicht. Fasziniert sah sie hinüber zum Lichtermeer Dubais. Weithin sichtbar zogen sich die hell erleuchteten Straßen durch die Stadt, und auch die beiden bekanntesten Wahrzeichen, das Burj Al Arab und der hohe Turm des Burj Khalifa waren deutlich auszumachen.

Neben der Terrasse brannten sechs hohe Fackeln in Steinkrügen, und der Duft nach Jasmin und Rosen mischte sich mit dem des Feuers.

„Wunderschön“, murmelte Ellen nach einer Weile und drehte den Kopf zurück, um sich das Haus von der Rückseite her ansehen zu können. „Du wohnst ja wirklich in einem Palast.“ Stirnrunzelnd versuchte sie Frank ins Gesicht zu sehen. „Wer bist du? Das ist ja ein riesiges Anwesen.“ Ihr fiel erst jetzt die hohe Mauer auf, die das Grundstück säumte. Und auch der Park mit den sich sacht im Nachtwind wehenden Palmen schien sich endlos weit in die Dunkelheit hinein zu erstrecken.

Frank lachte verhalten. „Der Mann, der dich glücklich macht.“ Schnell küsste er sie, verhinderte so weitere Fragen.

Und dann trug er sie hinunter in den Garten, wo sich ein langer Swimmingpool befand. Auch hier standen Fackeln und gelbe Laternen, die die Szenerie in ein fast unwirkliches Licht tauchten.

„Ich hoffe, du kannst schwimmen“, lachte Frank, machte drei weitere Schritte – und sprang mit Ellen auf den Armen ins Wasser. Er ließ sie auch dann nicht los, als sie wieder auftauchten und Ellen sich prustend das Wasser aus dem Gesicht wischte.

„Du bist verrückt!“, lachte sie.

„Stimmt. Verrückt nach dir.“ Behutsam ließ er sie aus seinen Armen gleiten, doch nur, um im nächsten Augenblick abzutauchen und sie unter Wasser an ihrer intimsten Stelle zu küssen.

Minuten voller Zärtlichkeit, aber auch übermütiger Balgerei im Wasser folgten. Ellen, die eine hervorragende Schwimmerin war, entzog sich Frank schließlich und zog sich mit Schwung aus dem Wasser.

Tropfnass, die schlanke Figur vom Mondlicht und den Fackeln angestrahlt, stand sie da – die personifizierte Verführung.

Frank blieb für eine Sekunde im Wasser stehen und sah sie nur an. Er war von einer bisher nicht gekannten Zärtlichkeit dieser Frau gegenüber erfüllt. Einer Zärtlichkeit, die sich immer wieder mit lodernder Leidenschaft paarte.

Er sprang ebenfalls aus dem Pool und ging auf Ellen zu. Ohne ein Wort zu sagen hob er sie hoch und trug sie auf eine breite Liege, die an der linken Seite des Pools stand.

Kaum lag sie in seinen Armen, da spürte sie schon wieder sein erregtes Klopfen an ihrem Schenkel.