Erdbeertage - Carine Herpin - ebook

Erdbeertage ebook

Carine Herpin

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Opis

Eine eng verbündete Familie, Vater Rene, Mutter Hélène und die beiden Zwillinge Caty und Sophie ziehen in die normannische Bocage, also auf das Land. Alles scheint idyllisch und ruhig. Aber bald wird Cathy Opfer einer langen und turbulenten Pubertät. Wird sie diese schwierige Phase heil überstehen? Neben ihrer Familie versucht ein mysteriöser Maelick, der scheinbar der Einzige ist der sie versteht, ihr in dieser aufregenden Zeit beizustehen. Nach vielen Hürden, die jedes Familienmitglied aus seinem eigenen Blickwinkel sieht, beginnt die junge Frau mit der Realität in Einklang zu kommen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

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Leseprobe eBook Ausgabe 2016

© 2016 SPIELBERG VERLAG, Neumarkt / Regensburg

Lektorat: Friedericke Berat

Korrektorat: Sigrid Müller

Umschlagbild: © Jeanette Dietl, fotolia.com

Umschlaggestaltung: Spielberg Verlag

Alle Rechte vorbehalten

Vervielfältigung, Speicherung oder Übertragung

können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Inhaltsverzeichnis

Glückstage

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebte Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Dreizehnte Szene

Vierzehnte Szene

Fünfzehnte Szene

Sechzehnte Szene

Kindfrau

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebte Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Dreizehnte Szene

Vierzehnte Szene

Fünfzehnte Szene

Sechzehnte Szene

Siebzehnte Szene

Achtzehnte Szene

Neunzehnte Szene

Zwanzigste Szene

Einundzwanzigste Szene

Zweiundzwanzigste Szene

Dreiundzwanzigste Szene

Vierundzwanzigste Szene

Fünfundzwanzigste Szene

Sechsundzwanzigste Szene

Siebenundzwanzigste Szene

Achtundzwanzigste Szene

Neunundzwanzigste Szene

Dreißigste Szene

Einunddreißigste Szene

Zweiunddreißigste Szene

Erwachsenwerden

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

Siebte Szene

Achte Szene

Neunte Szene

Zehnte Szene

Elfte Szene

Zwölfte Szene

Dreizehnte Szene

Vierzehnte Szene

Fünfzehnte Szene

Sechzehnte Szene

Verliebt

Erste Szene

Zweite Szene

Dritte Szene

Vierte Szene

Fünfte Szene

Sechste Szene

1972 in der Normandie geboren, besuchte Carine Herpin das »Heilige Maria Gymnasium« in Caen, wo sie das Abitur in Mathematik und Physik bestand. Darauf folgte ein Studium der Biologie, bis sie, im Rahmen eines Studentenaustausches in Deutschland, das dritte Studienjahr in Biochemie erfolgreich abschloss. Nach einem zweijährigen Studium in Besançon (MSTATIBA) erhielt sie 1997 erfolgreich ihr Diplom und zog anschließend nach Bayern, um dort als aeronautische Ingenieurin in der Entwicklung zu arbeiten.

Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel

›Album Photos‹

Glückstage

Erste Szene

Morgen beginnt die Schule wieder. Ich bin ungeduldig… Wir sind schon wieder umgezogen. Ich werde in eine neue Schule gehen, eine Menge Leute treffen. Dieses Jahr sind wir für viele Aktivitäten angemeldet. Wir werden weiter Geige spielen und Musikunterricht haben, aber es kommen noch Klavier, dienstags Judo, donnerstags Schwimmen und freitags Tennis dazu…
Dieses neue Haus ist riesig, halb zerfallen. Jedes Mal wenn Sophie und ich darin spielen, entdecken wir neue Schätze oder geheimnisvolle Verstecke. Nicht weit entfernt, knapp einen Kilometer, liegt ein Dörfchen. Ich hoffe, dass es in der Siedlung oder auf dem großen Bauernhof Kinder unseres Alters gibt. Er scheint so groß zu sein wie unserer, aber mit Tieren und Traktoren. Ich bin so was von glücklich.
Cathy ist sehr aufgeregt. Sie wird sich ein bisschen mehr anstrengen müssen. Zum Glück werden ihre Anwandlungen von unserer Sophie im Zaum gehalten. Ich bin sicher, dass die Hälfte der Dummheiten dank ihrer Ruhe vermieden werden. Die beiden sind unzertrennlich, das ist für eine Mutter beruhigend, sie beschützen sich gegenseitig. Das Land dürfte uns die meisten unerwünschten Überraschungen ersparen, die die Stadt uns bereitet hatte. Aber wir werden viel weitere Wege zurücklegen müssen. Wahrscheinlich muss das sein. Dieses Mal bin ich wirklich eine Taxi-Mutter.
Ich frage mich, ob ich mich an diese große düstere Hütte mitten auf dem Land werde gewöhnen können, mit den nächsten Nachbarn in mehreren hundert Metern Entfernung. René wird erst spät abends nach Hause kommen. Er wird wahrscheinlich tagsüber überhaupt nicht mehr auf einen Kaffee vorbeikommen können oder wegen eines kleinen Problems, das zwischen Tür und Angel gelöst werden muss. Ich bin mir selbst überlassen im hintersten Nirgendwo… Ich hoffe, wir machen keinen Fehler. Entscheiden, immer entscheiden, Hauptsache man tut das Richtige.
Der ideale Ort um Kinder groß zu ziehen, mitten in der Natur. Natürlich ist es fernab von allem. Aber wenigstens wird ihnen das Landleben zugute kommen. Der Geruch der Ernte im Sommer und die Farben der Blätter im Herbst, der Blumen im Frühling, der Gesang der Vögel und der Bäche dürften auf gesunde Weise in ihnen den festen Grundstein für ein Erwachen der Sinne legen. Im Winter Schneemänner bauen und sich dann am Feuer eines riesigen Kamins aufwärmen. Von diesem Haus habe ich geträumt. Wir werden uns unheimlich wohl fühlen. Ich bin froh, dass Hélène und ich uns vollkommen einig sind.
Morgen ist der große Tag. Ich werde endlich bedeutende Dinge tun und eine Menge Leute treffen können. Maelick wird aus seinem Schneckenhaus herauskommen. Der größte Dichter aller Zeiten. Oder vielmehr der größte Künstler, ich zeichne auch. Ich muss nur einen Weg finden, unauffällig zu bleiben. Ich möchte meine Ruhe haben. Ich möchte nicht, dass man mich auf der Straße erkennt.

Zweite Szene

Wir haben diesen ehemaligen Heustadel ›Paradies‹ benannt. Man gelangt durch die halb abgebaute Kelterpresse dorthin. Man muss über eine Leiter klettern, die früher die Seitenwand eines Karrens war, dann über ein auf die Mauer gelegtes Brett, und durch ein Loch schlüpfen, das gerade unsere Größe hat und in die Speicherbrüstung aus Lehm gebohrt wurde. Allein der schwierige Zugang rechtfertigt diesen Namen. Oben ist es fast leer bis auf einige verstaubte Getreidehaufen, Zeugnisse einer vergangenen Zeit. Durch die südliche Mauer kann man durch ein ziemlich hoch gelegenes, aber mit Hilfe einer Kiste erreichbares Fenster den Eingang zum Bauernhof überwachen. Im Westen und im Osten bieten Mauerschlitze einen ausgezeichneten Gesamtblick auf das Feld rechts vom Haus und den Innenhof des Bauernhauses auf der anderen Seite. Hier riecht es nach Staub und Glück. Ich glaube, die Eltern wissen ganz genau wo wir sind. Wenn wir zu ihnen sagen, dass wir ins ›Paradies‹ gehen, antworten sie nur: »Gut, kommt nicht zu spät nach Hause.« Unter die Kelterpresse können wir auch gehen, aber da ist die Decke sehr niedrig und es ist sehr finster. Da drunter spielen wir eigentlich nicht, aber aus Gründen der Ausgewogenheit heißt dieser Ort ›Hölle‹.
Die Töchter machen sich nach und nach den Bauernhof zu eigen. Sie verstehen sich gut mit den kleinen Nachbarn aus der Siedlung hinter dem Hügel. Ich habe in dieser Gegend noch keine Freundinnen gewonnen. Eigentlich habe ich keinen Kontakt, außer mit den Müttern vom Tennis oder aus dem Schwimmbad... Das ist nicht schlimm. Es ist ja nur für ein paar Jahre und wir haben unsere Freunde von früher und die Familie, die uns oft besucht. Wir können ein ganzes Regiment beherbergen. Ich widme mich den Töchtern. Die Kindheit geht so schnell vorüber.
Die Wochenenden sind sehr kurz. Ach, am Sonntag werden wir in den Wald gehen, um Pilze zu suchen, wenn Hélène einverstanden ist. Es wird mir gut tun, Bäume zu sehen, und den Töchtern auch. Die normannische Knicklandschaft hat daran keinen Mangel, aber sie ist vom Menschen angelegt. Mit ein bisschen Glück werden wir am Abend ein Omelett mit Pfifferlingen oder Totentrompeten essen... Ich freue mich schon vorher darauf… Wir müssen am Sonntag in den Wald.
Heute ging ich wieder das Flüsschen hinauf, um zu sehen, wohin es verläuft. Quer über seinen Lauf liegende Bäume ermöglichen es, von einem Ufer zum anderen zu gelangen. Fast überall hängen Lianen in einem Gewirr aus Büschen, Dornenzweigen und Bäumen, die von Moos und Farnen verschlungen werden. Es ist sehr feucht. Ich sah keine, aber hier wohnen bestimmt grüne Elfen.
Das Gut unserer Eltern besitzt neben dem ›Paradies‹ und der ›Hölle‹ auch ein ›Schiff‹. Diese Art Schuppen voller Bretter und zerbrochener Holzgegenstände enthält ein großes, gegen eines der Mauerstücke gelehntes Wagenrad, das das Schiffsteuer darstellt.