Entspannung lehren & lernen in der Grundschule -  - ebook

Entspannung lehren & lernen in der Grundschule ebook

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Opis

Zu den Themen 'Entspannung, Stress und Resilienz' werden in diesem Buch, aufbauend auf den Lehrplanempfehlungen in den 16 deutschen Bundesländern, vielfältige Lehr- und Übungshilfen in Form von Kurz-programmen bereitgestellt. Diese wurden so entwickelt, dass sie von -interessierten Lehrern ohne vorhandenes Spezial-wissen unterrichtet werden können, wenig Zeit in Anspruch nehmen und in vielfältigen schulischen Situationen einsetzbar sind. Die Zugänge sind körperzentriert und bewegungsbasiert, weil die spürbaren Effekte hier unmittelbar wirksam werden. Prinzipien der Entschleunigung werden mit Formen der individuellen Körperwahrnehmung und Körperachtsamkeit kombiniert. Die Kurzprogramme sind wissenschaftlich geprüft und nachhaltig wirksam. Programme und Übungen wurden für die Klassen 1 bis 4 entwickelt, sind z. T. aber auch in höheren Jahrgangsstufen einsetzbar; dies nicht nur im Sportunterricht oder außerunterrichtlichen Schulsport, sondern auch fächerübergreifend in verschiedenen Lernbereichen wie auch zur Gestaltung eines bewegten Schultages in der Ganztagsschule. Nach einem Grundlagenteil werden Übungen für ein entspanntes Atmen- und Fantasiereisen vorgestellt. Auf der Grundlage wichtiger Entspannungstechniken wie Progressive Relaxation, Eutonie, Massage,- Qigong und Yoga folgen dann Einzelübungen bis hin zu kleineren Übungsprogrammen, die Lehrer zunächst mit ihren Klas-sen durchführen können. Mit etwas Übung können diese dann auch- von den Schülern selbstinstruktiv weiter geübt werden. Die didaktisch und methodisch sorgsam aufbereiteten Übungen sind kindgemäß und arbeiten mit gezielten Imaginationen und Geschichten.

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DIE AUTOREN

Die Autorinnen und Autoren arbeiten in Forschung, Lehre, Aus- und Fortbildung im „Karlsruher Entspannungstraining (ket)“ http://www.entspannung-ket.de. „ket“ist eine Einrichtung des Instituts für Bewegungserziehung und Sport (IfBS) der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und des Karlsruher Forschungszentrums für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS).

Dr. Norbert Fessler ist Professor für Sozialwissenschaften des Sports am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und Begründer des Karlsruher Entspannungstrainings (ket) im Jahr 2010.

Christina Gerhardt ist wiss. Mitarbeiterin am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Dr. Elke Haberer ist Diplom-Pädagogin und wiss. Mitarbeiterin im Fachgebiet Sport/Sportwissenschaften der Universität Osnabrück.

Marcus Müller ist Diplom-Pädagoge, Grund-/Hauptschullehrer und wiss. Mitarbeiter am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Dr. Elke Opper ist Sportwissenschaftlerin und Akad. Rätin am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Tobias Rathgeber ist Diplom-Pädagoge, Grund-/Hauptschullehrer und wiss. Mitarbeiter am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Ursula Salbert ist staatl. anerkannte Erzieherin, Yogalehrerin, Atempädagogin/-therapeutin und Lehrbeauftragte am Institut für Bewegungserziehung und Sport in Karlsruhe (Team-Teaching-Konzept).

Dr. Rolf Schwarz ist Junior-Professor am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Eric Standop ist Mentaltrainer, Ernährungsberater und Lehrbeauftragter am Institut für Bewegungserziehung und Sport in Karlsruhe (Team-Teaching-Konzept).

Alexia Weiler ist Sportwissenschaftlerin (M.A.) und wiss. Mitarbeiterin am Institut für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Entspannung lehren und lernen in der Grundschule

Edition Schulsport Band 19

Norbert Fessler

Entspannung lehren und lernen in der Grundschule

Meyer & Meyer Verlag

Herausgeber der Edition Schulsport:Heinz Aschebrock & Rolf-Peter Pack

Papier aus nachweislich umweltverträglicher Forstwirtschaft.Garantiert nicht aus abgeholzten Urwäldern!

Entspannung lehren und lernen in der GrundschuleBibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internetüber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie dasRecht der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form –durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren – ohne schriftliche Genehmigungdes Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet,gespeichert, vervielfältigt oder verbreitet werden.

© 2013 by Meyer & Meyer Verlag, AachenAuckland, Beirut, Budapest, Cairo, Cape Town, Dubai, Hägendorf,Indianapolis, Maidenhead, Singapore, Sydney, Tehran, Wien Member of the WorldSport Publishers’ Association (WSPA)Druck: B.O.S.S Druck und Medien GmbHISBN: 9783898996723eISBN: 9783840330568E-Mail: [email protected]

Inhalt

Vorwort der Herausgeber der Edition Schulsport

Vorwort des Herausgebers des Bandes

Lehren und Lernen von Entspannungstechniken in der Grundschule – Einführung Norbert Fessler

Teil I: Entspannung lehren und lernen – Grundlagen

1    Körperliche Dimensionen der EntspannungsfähigkeitNorbert Fessler

1.1    Entspannungsfertigkeiten und Entspannungsfähigkeit

1.2    Klassifizierung und Zuordnung von Entspannungstechniken

1.3    Entspannungstechniken für Schule und Schulsport in der Grundschule

2    Anatomische und physiologische Grundlagen von EntspannungRolf Schwarz und Tobias Rathgeber

2.1    Funktionelle Spannungsanatomie menschlicher Zellen

2.2    Die individuelle Grundspannung

2.3    Das Aktionspotenzial

2.4    Der »spannende« Organismus: Spannung zwischen Psyche und Physis

3    Didaktisch-methodische Grundlegung eines Basis-EntspannungstrainingsNorbert Fessler und Alexia Weiler

3.1       Entspannungstraining in den Lehrplänen der Grundschule

3.1.1    Entspannungsthemen

3.1.2    Entspannungstechniken

3.2       Entspannungstraining im Schulalltag

3.2.1    Didaktische Leitideen

3.2.2    Methodische Grundlagen

4    Entspannung analysieren und bewertenMarcus Müller und Tobias Rathgeber

4.1       Wissenschaftliche Evaluationsmethoden

4.2       Evaluationsmethoden für den schulischen Alltag

4.2.1    Reflexionsmethoden

4.2.2    Projektive Verfahren

4.2.3    Pulsmessung

4.2.4    Palpation

Teil II: Entspannungsprogramme und Entspannungsübungen für den Unterricht

5    Atem holen – cool bleibenNorbert Fessler

5.1       Didaktische Leitideen

5.2       Methodische Grundlagen

5.3       Cool bleiben: Anti-Stress-Atmen

5.3.1    Spielerische Atemübungen

5.3.2    Atemtraining

6    Fantasiereisen – aus der Ruhe Kraft schöpfenNorbert Fessler und Marcus Müller

6.1       Didaktische Leitideen

6.2       Methodische Grundlagen

6.3       Fantasiereisen mit dem kleinen Bären

6.3.1    Reise 1 mit Schwereübungen

6.3.2    Reise 2 mit Wärmeübungen

6.3.3    Reise 3 mit Atemübungen

7    Progressive Muskelrelaxation – Spannung und Entspannung erfühlenNorbert Fessler, Marcus Müller und Eric Standop

7.1    Didaktische Leitideen

7.2    Methodische Grundlagen

7.3    PMR-Übungen für zwischendurch

8    Eutonie – Körperwahrnehmung übenChristina Gerhardt und Marcus Müller

8.1       Didaktische Leitideen

8.2       Methodische Grundlagen

8.3       Tierisch ent-spannende und bewegte Körperbewusstseinsübungen

8.3.1    Die Bärentatzen wecken

8.3.2    Das Faultier rollt und trollt sich am Boden

8.3.3    Die Affenwippe finden

9    Stretching – dehnen und entspannenElke Haberer und Alexia Weiler

9.1    Didaktische Leitideen

9.2    Methodische Grundlagen

9.3    Entspannendes Dehnen im Schulalltag

10    Massage – Spirit und Freshness für KidsMarcus Müller

10.1    Didaktische Leitideen

10.2    Methodische Grundlagen

10.3    Spirit und Freshness für Kids

11    Qigong – Bewegungsabenteuer mit Indianerkind QigoElke Opper

11.1     Didaktische Leitideen

11.2     Methodische Grundlagen

11.3     Qigo im Indianerland

11.3.1  Qigo verwurzelt sich

11.3.2  Qigo schiebt den Büffel weg

11.3.3  Qigo lässt die Sonne kreisen und rudert über den See

11.3.4  Qigo und die Zauberfaust

11.3.5  Qigo fliegt wie ein Adler und fängt die Maus

11.3.6  Qigo spielt Indianerball

12    Yoga – Haltung bewahrenNorbert Fessler, Marcus Müller, Ursula Salbert und Alexia Weiler

12.1     Didaktische Leitideen

12.2     Methodische Grundlagen

12.3     Haltungstraining mit dem Drachen Fidelius

12.3.1  Der kleine Drache lernt das Stehen auf zwei Beinen

12.3.2  Der kleine Drache steigt auf den Berg

12.3.3  Der kleine Drache besucht den Eukalyptusbaum

12.3.4  Der kleine Drache ist ein mutiger Held

12.3.5  Der kleine Drache fühlt sich groß und stark

12.3.6  Der kleine Drache atmet ruhig und tief

13    Literatur

Bildnachweis

Vorwort der Herausgeber der Edition Schulsport

Stressempfindungen sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Schon seit vielen Jahren verzeichnen Volkshochschulen, Vereine und private Anbieter einen regen Zulauf zu ihren Einführungskursen in die verschiedenen östlichen und westlichen Entspannungsmethoden bzw. -techniken.

Schon bei Kindern im Grundschulalter sind vermehrt Stresssyndrome zu beobachten, die sich in vielfältigen körperlichen und psychosozialen Auffälligkeiten äußern. Vor diesem Hintergrund hat das Thema Entspannung seit einigen Jahren auch Einzug in die schulischen Bildungseinrichtungen gehalten. Einen herausragenden Stellenwert hat es in Konzepten für eine bewegungs- und gesundheitsorientierte Schulentwicklung erlangt (z. B. »Bewegungsfreudige Schule«, »Gute gesunde Schule«). Die Richtlinien- bzw. Lehrplanvorgaben der Länder verweisen einerseits auf die fächerübergreifende Verantwortung aller Lehrkräfte und andererseits auf die besondere Verantwortung der Sport unterrichtenden Lehrkräfte für dieses Thema.

Von daher ist es überraschend, dass das Thema Entspannung bislang zu den vernachlässigten Gebieten der Sportwissenschaft gehört. Fachwissenschaftliche Beiträge zu diesem Thema sowie fachwissenschaftlich abgesicherte und zugleich praxisnahe Programme bzw. Handreichungen zum Thema Entspannung lehren und lernen in der Grundschule sind Mangelware.

Es ist das Verdienst der Forschungsgruppe »Karlsruher Entspannungs-Training« (»ket«-Gruppe) der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, diese Lücke gefüllt zu haben. Der hier vorliegende Band bietet eine Vielzahl wissenschaftlich abgesicherter, didaktisch und methodisch reflektierter und zugleich praxisnaher Entspannungsprogramme bzw. -übungen für Kinder im Grundschulalter. Das inhaltliche Angebot richtet sich nicht nur an Sport unterrichtende Lehrkräfte, sondern an alle Grundschullehrerinnen und -lehrer sowie an die in den Schulen der Primarstufe tätigen Ergo-, Physio- und Körpertherapeuten. Auch für Übungsleiterinnen und Übungsleiter, die in Ganztagsgrundschulen sowie mit Kindern im Grundschulalter in den Sportvereinen arbeiten, enthält das Buch vielfältige, leicht umsetzbare Anregungen für ein kindgerechtes Entspannungstraining. Weitere Zielgruppen dieses Buches sind die im Übergangsbereich von Kindertagesstätten und Grundschulen tätigen Erzieherinnen und Erzieher sowie Berufsgruppen, die ihr Tätigkeitsfeld in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit haben. Die Mitglieder der Forschungsgruppe weisen ausdrücklich darauf hin, dass die vorgestellten Übungen und Programme auch von solchen pädagogischen Fachkräften durchgeführt werden können, die bislang nur wenig oder auch noch gar nichts mit Entspannung zu tun hatten.

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir dieses fundierte und interessante Werk zum gesellschaftspolitisch und pädagogisch wichtigen Thema Entspannung in der Edition Schulsport des Verlags Meyer & Meyer präsentieren dürfen und bedanken uns bei Norbert Fessler, stellvertretend für die Mitglieder der »ket«-Gruppe, für die sehr konstruktive Zusammenarbeit.

Im Interesse aller Kinder im Grundschulalter wünschen wir diesem Werk eine weite Verbreitung in allen Tätigkeitsfeldern der schulischen und außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit, vor allem in der pädagogischen Arbeit an Grund- und Förderschulen. In besonderer Weise appellieren wir an die Verantwortung der im Sportunterricht und im außerunterrichtlichen Schulsport an Grund- und Förderschulen tätigen Sportfachkräfte: Gerade der Schulsport mit seinen spezifischen Möglichkeiten des Spannungsauf- und -abbaus kann wesentlich zur Selbstwahrnehmung, Reflexion und Regulation unterschiedlicher Spannungszustände bei den Schülerinnen und Schülern führen, damit die kindgemäße Rhythmisierung des Schulalltags befördern und zu einem lernförderlichen Schulklima beitragen sowie entscheidende Impulse für den Abbau von Stress in der außerschulischen Lebenswelt von Kindern setzen.

Heinz Aschebrock

Rolf-Peter Pack

Vorwort des Herausgebers des Bandes

Das » Karlsruher Entspannungs-Training« – »ket« – ist eine Einrichtung des Instituts für Bewegungserziehung und Sport der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und des Karlsruher Forschungszentrums für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen, die 2010 nach mehrjähriger Aufbauarbeit gegründet wurde.

Ein wichtiges Ziel des »ket« ist es, für die Schule Entspannungsprogramme zu entwickeln, zu implementieren und zu evaluieren. Insgesamt 10 Entspannungsexpertinnen und -experten des »ket« haben sich der spannenden Aufgabe gestellt, Entspannungsprogramme für Kinder nach zuvor festgelegten didaktischen Leitideen und methodischen Kriterien zu erarbeiten. Für die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen bietet der strukturell gleiche Aufbau der Übungen den Vorteil einer geringen Einarbeitungszeit. Es wurden unterschiedliche Entspannungstechniken einbezogen, deren Eignung für die Arbeit mit Kindern in Pilotstudien getestet wurde.

Nach nahezu zweijähriger intensiver Zusammenarbeit liegt nun ein Handbuch vor, das praxiserprobte Kinder-Entspannungsprogramme zu den in den Lehrplänen der Primarstufe angegebenen Entspannungsthemen anbietet. Neben Lehrerinnen und Lehrern der Primarstufe soll dieses Buch auch Ergo-, Physio- und Körpertherapeuten in Individual- und Gruppenarbeit, Erzieherinnen und Erzieher mit Kindern der Übergangsstufe sowie Berufsgruppen ansprechen, die mit Kindererziehung befasst sind und mit Kindergruppen arbeiten.

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass wir bemüht waren, geschlechtergerecht zu formulieren. Dies betrifft z. B. die explizite Verwendung weiblicher und männlicher Formen oder auch die Verwendung geschlechtsneutraler Ausdrücke. Allerdings bitte ich um Nachsicht, wenn wir zugunsten einer verbesserten Lesbarkeit zuweilen auf Vollformen verzichtet haben.

Ohne die tatkräftige Unterstützung vieler Menschen ist solch ein Theorie- und Praxisband schwerlich zu entwickeln.

Die Grund- und Hauptschule Karlsruhe-Daxlanden hatte wesentlichen Anteil am Gelingen dieses Buchprojekts. Die Schulleitung, Rektor Schmitt und Konrektorin Seiter, hat uns alle Türen geöffnet. Über ein halbes Jahr wurde für die Implementierung der Programme in den Klassen 1-4 die Sporthalle zu verschiedenen und wechselnden Zeiten zur Verfügung gestellt. Für die mehrmaligen Fotoshootings hat die Schule einen Raum herrichten lassen – Hausmeister Sajuns sei an dieser Stelle für die Renovierung gedankt – und für die z. T. ganztägigen Fotoarbeiten nicht nur die Kinder freigestellt, sondern auch den Unterricht umorganisiert. Die Klassenlehrerinnen, Frau Hanekamm, Frau Lorenzten, Frau Mayer und Frau Brandel, haben den Organisationsstress klaglos ertragen. Ein großes Dankeschön gilt den Kindern, die mit Begeisterung und viel Geduld die zahlreichen Übungspositionen für die Fotos umgesetzt haben. Es sind Caterina Birnbreier, Tom Dumpelnik, Leon Heinig, Leon Heinzerling, Felix Hörner, Nicola Höninger, Maja Jekauc, Nora Kistner, Lotta Kohlmann, Yara Kultscher, Amelie Kunz, Ben Puder, Finn Rippl, Caius Tischler und Stefanie Weber.

Besonderer Dank gebührt meinen Mitarbeitern, Dipl.-Päd. Marcus Müller und M. A. Alexia Weiler. Marcus Müller hat die Implementierung und Evaluation der Programme über einen Zeitraum von sechs Monaten in verschiedenen Grundschulklassen begleitet. Hierdurch erhielt die »ket«-Gruppe wichtige Informationen zur Verfeinerung der Praktikabilität der Programme wie auch zur weiteren Verbesserung der Programmwirksamkeit hinsichtlich der jeweiligen Zielsetzungen. Alexia Weiler war eine wertvolle Unterstützung für das »ket«-Team, indem sie die Autorengruppe mit viel Umsicht koordinierte und bei der Textbearbeitung mitarbeitete. Unterstützt wurden wir zudem von Daniela Ackermann und Anne Daja Glusa, ebenso von Gila Tröndle-Knaisch und Frank Knaisch, die eine kritische Durchsicht des Manuskripts aus der Lehrer- und Anwenderperspektive vornahmen.

Für die redaktionelle Durchsicht der Beiträge vor der Drucklegung danke ich insbesondere Dr. Michaela Knoll, Josef Müller und Karl Weiler. Die Herausgeber der Edition Schulsport, Heinz Aschebrock und Rolf-Peter Pack, unterstützten dieses Buchprojekt durch eine konstruktiv- unkomplizierte Zusammenarbeit, der Verlag wiederum hat kompetent begleitet und für eine schnelle Herausgabe des druckfertigen Manuskripts gesorgt.

Norbert FesslerKarlsruhe, August 2012

Lehren und Lernen von Entspannungstechniken in der Grundschule – Einführung

Norbert Fessler

Körperwissenschaften wie die Sportwissenschaft haben aus ihrem bisherigen Fachverständnis heraus keine eigenen Modelle zur Förderung von Entspannungsfähigkeit entwickelt. »Citius, altius, fortius« stand bislang im Vordergrund, also der in Sportsituationen beschleunigte Körper. Sich in Alltagssituationen bewegende Körper finden allerdings zunehmendes fachliches Interesse, mithin körperbasierte Entspannungstechniken, die den entschleunigten Körper im Fokus haben.

Didaktisch reflektierte wie auch methodisch durchdachte Konzeptionen für ein Entspannungstraining in der Grundschule fehlen bislang. Dieses Buch will Abhilfe schaffen, zumal die Lehrpläne dies auch einfordern.

Sechs grundlegende Fragen zum Themenfeld Entspannung, zu den Inhalten dieses Bandes und zu dessen Zielsetzungen sollen in dieser Einführung beantwortet werden:

Warum ist eine Förderung der Entspannungsfähigkeit für Kinder wichtig?

Warum sind Entspannungszeiten in der Schule notwendig?

Was ist unter Entspannungstraining zu verstehen?

Können Lehrerinnen und Lehrer Entspannung lehren?

Welches sind die Zielsetzungen und Prinzipien der Programme?

Wie können Lehrerinnen und Lehrer diesen Band für ihre Arbeit nutzen?

Warum ist eine Förderung der Entspannungsfähigkeit für Kinder wichtig?

Wohnortwechsel, Leistungsdruck durch institutionelle Eintritte und Übertritte (Kindergarten, Primarschule, weiterführende Schulen), familiär prekäre Verhältnisse, Peergroupstress oder Freizeitgestaltungsstress u. v. a. werden in den letzten Jahren nicht nur als ernst zu nehmende Stressoren diskutiert, sie haben sich auch als solche erwiesen. Neuere Studien zeigen, dass heutige, von Hektik und Stress geprägte Lebenswelten bereits im Vorschulalter angekommen sind, in der Grundschule nehmen Konkurrenzdenken und Leistungsdruck zu. Zeiten sequenzieller Entspannung nehmen hingegen ab wie auch das Vermögen, den Körper wahrzunehmen und seine Signale zu deuten.

Kinder laufen zunehmend Gefahr, die Orientierung am eigenen biologischen Rhythmus, an einem angemessenen Wechsel von An- und Entspannung zu verlieren. Chronische Verspannungen sind eine Folge, auf psychophysiologischer Ebene werden Lern- und Leistungsstörungen diagnostiziert, emotionale Reaktionen wie Angst und Aggression werden beobachtet, körperliche Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen konstatiert. Die Zunahme von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen, von Impulsivität und Hyperaktivität als komplexe Störung, bekannt unter ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom), spricht eine deutliche Sprache.

Warum sind Entspannungszeiten in der Schule notwendig?

Die eingangs beschriebenen, gesellschaftlich bedingten Probleme der Lebensführung kommen auch in der Schule an. Sie äußern sich nicht nur in Lern- und Konzentrationsproblemen, sondern auch in deutlichen Änderungen in den Sozial- und Verhaltensweisen einzelner Schüler und ganzer Klassen. Professionelle Hilfen durch Sozialarbeiter oder Psychologen werden den Schulen meist erst dann zugestanden, wenn die Probleme überdeutlich werden, überhandnehmen, nicht mehr bewältigbar sind.

Es wäre vermessen, würden wir mit diesem Band den Anspruch erheben, Entspannungstraining als probate und zugleich kostengünstige Rezeptur zur Bewältigung der genannten Problemstellungen verabreichen zu wollen. Was wir jedoch können, ist, praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer1 mit einigen der genannten Problemstellungen umgehen können – nicht mehr und nicht weniger!

Es ist die Kunst der rechten Lebensführung, die wiederentdeckt respektive gelernt werden muss! Dazu gehört elementar die rechte Abfolge von Spannung und Entspannung, deren Verlust die Folge einer grassierenden Ruhelosigkeit in der Moderne ist, gepaart mit einem häufig fremdbestimmten Alltagsrhythmus. Entspannungstraining kann mit Beiträgen zur Rhythmisierung des Schulalltags durch Regulation und Balance von Anspannung und Entspannung helfen, die Kunst der rechten Lebensführung zu lehren. Über den Schulalltag hinaus kann dies den Schülern Wege aufzeigen, die aus dauerhaften Verspannungen und Fehlspannungen herausführen hin zu einer ausbalancierten und selbstbestimmten Alltagsgestaltung. Gezieltes Entspannungstraining kann dazu beitragen, die in modernen Lebenswelten allerorts verspürbare nervöse Anspannung zu reduzieren und diese in eine produktive Anspannung zu überführen, also die Kräfte dann bündeln zu können, wenn es darauf ankommt. Und dies gilt auch in der Schule!

Was ist unter Entspannungstraining zu verstehen?

Selbstverständlich kann es gelingen, Entspannung mit sogenannten naiven Entspannungsformen, wie Musik, Sporttreiben oder auch Nichtstun, zu erzielen. Unter einem systematischen Entspannungstraining versteht man hingegen ein Programm auf der Grundlage verschiedener Entspannungsverfahren, wie z. B. Autogenes Training, Yoga, Tai-Chi.

Die Entwicklung der persönlichen Entspannungsfähigkeit durch Entspannungstraining führt bei entsprechendem Training dazu, schnell, bewusst und kontrolliert einen relativ stabilen Erregungszustand zu erreichen, dessen Niveau unterhalb des normalen Wachzustandes liegt und zur Reduktion der Zustände physischer wie auch psychischer Anspannungen beiträgt. Eingeübte Entspannungsfertigkeiten helfen dem Individuum, sich in belastenden Situationen durch unmittelbaren Einsatz des Erlernten selbst helfen zu können.

Können Lehrerinnen und Lehrer »Entspannung« lehren?

Um umfassend und vertieft eine Entspannungstechnik unterrichten zu können, bedarf es einer kompetenten, spezifischen Ausbildung und einer langjährigen Erfahrung. Darüber verfügen Lehrer allgemein nicht. Wenn aber das Erlernen und Üben von Entspannungstechniken als Unterrichtsinhalte in den Lehrplanwerken vorgegeben wird, müssten Lehrer zeitlich aufwendige Kurse belegen, bevor überhaupt daran zu denken wäre, Gruppen adäquat unterrichten zu können. Dies ist in der Realität kaum möglich. Die hier vorgeschlagene Implementierung von Entspannungstechniken in der Schule zielt deshalb weniger auf Effekte der Tiefenentspannung und der Begleitung durch ggf. außerschulische Experten ab, vielmehr sollen die Lehrkräfte ohne entsprechende Vorbildung durch eigens entwickelte Programme in die Lage versetzt werden, Entspannungsangebote in verschiedenen Unterrichtssituationen für verschiedene Zielgruppen anbieten zu können.

Die »ket«-Gruppe (Karlsruher Entspannungs-Training) hat sich deshalb der Forderung gestellt, wissenschaftlich geprüfte Entspannungs-Kurzprogramme zu entwickeln, die sich für die Lehrerausbildung eignen, in der Lehrerfortbildung angeboten werden können und nicht zuletzt auch aus der Praxis heraus schnell erlernbar und lehrbar sind.

Bisherige empirische Untersuchungen des »ket« zeigen, dass auch Kurzprogramme wesentliche Entspannungseffekte haben, in physiologischer Perspektive z. B. die Tonussenkung der Skelettmuskulatur, die Atem- oder Kreislaufregulation. Darüber hinaus wurden in verschiedenen Pilotstudien schulstufen- und schulformenspezifisch mögliche Implementierungsformen überprüft, wie z. B. im Sportunterricht, im außerunterrichtlichen Schulsport oder fächerübergreifende Anwendungen, wie z. B. Entspannungspausen im Unterricht.

Die in diesem Band vorgestellten Programme sind so ausgelegt, dass spezifische Qualifikationen in einer Entspannungstechnik nicht vorliegen müssen. Vorausgesetzt wird zunächst nur das grundsätzliche Interesse des Lehrers an solchen Techniken. Hilfreich wäre sicherlich, wenn die Lehrkraft die Wirkungen von Entspannungstechniken am eigenen Körper verspürt hat, z. B. im Rahmen der Ausbildung, Fortbildung oder auch privat besuchter Kurse. Die damit einhergehende Überzeugtheit hinsichtlich körperbasierter Entspannungstechniken ist eine gute Grundlage dafür, den anvertrauten Kindern authentisch gegenüberzutreten und diese zu überzeugen wie auch zu begeistern. Setzt man Erfahrungen im Umgang mit Kindern sowie Einfühlungsvermögen als Soft Skills für Lehrpersonen voraus, ist vor allem auf die räumliche Situation zu achten. Zweifellos sind ruhige und störungsfreie Räume mit angenehmer Beleuchtung und Raumtemperatur optimal, andererseits geht es z. B. in der Sporthalle selten leise zu. Aus diesem Grunde wurden bei der inhaltlichen Entwicklung der vorgestellten Programme auch ungünstige Situationen bedacht.

Welches sind die Zielsetzungen und Prinzipien der Programme?

Aus den vorgenannten Gründen wartet der vorliegende Band mit einer Vielzahl von Programmen und Übungen auf, die die »ket«-Gruppe (www.entspannung-ket.de) der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe unter dem Dach des FoSS, dem Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen Karlsruhe, nach den folgenden 10 Grundsätzen entwickelt hat:

1. »ket«-Entspannungs-Kurzprogramme sollen zur Entwicklung der Entspannungs- und Resilienzfähigkeit, zu Gelassenheit und zu einem besseren Stressmanagement beitragen.

2. Die Programme und Übungen sollen wirksam sein, d. h. wissenschaftlichen Kriterien (Diagnostik, Evaluation) genügen, beispielsweise durch Nachweis treatmentbedingter Veränderungen physiologischer Parameter, wie Hautleitwert, Herzrate, Tonusveränderung, periphere Gefäßerweiterung oder veränderte Hirnstromaktivitäten.

3. Die Zugänge sollen körperzentriert und bewegungsbasiert erfolgen, da die Entspannungseffekte hier schnell und unmittelbar spürbar werden.

4. Prinzipien der Entschleunigung werden mit Formen der individuellen Körperwahrnehmung und Körperachtsamkeit kombiniert.

5. Für die Adressaten, hier Kinder im Grundschulalter, sollen diese Programme schnell erlernbar sein.

6. Das jeweilige Kurzprogramm soll ohne direkte Expertenanleitung für Lehrerinnen und Lehrer der Primarstufe lehrbar sein, aber auch Ergo-, Physio- und Körpertherapeuten in Individual-und Gruppenarbeit ansprechen. Dies gilt auch für Erzieherinnen und Erzieher mit Kindern der Übergangsstufe sowie Berufsgruppen, die mit Kindererziehung befasst sind und mit Kindergruppen arbeiten.

7. Wegen der besseren Motivation sollen die didaktisch und methodisch sorgsam aufbereiteten Übungen und Programme kindgemäß aufgebaut sein und mit gezielten Imaginationen, Merksätzen, Tiergeschichten oder auch Erlebnisszenen arbeiten.

8. Die Programme sollen wenig Zeit in Anspruch nehmen und in vielfältigen alltäglichen (Schul-) Situationen einsetzbar sein, ggf. im beengten Klassenzimmer oder in der Sporthalle.

9. Die Programme sollen weitgehend ohne Materialien durchgeführt werden können.

10. Mit etwas Übung sollen einzelne Programme von den Schülerinnen und Schülern selbstinstruktiv weiter geübt werden können, z. B. in Form von Hausaufgaben, ggf. auch gemeinsam mit den Eltern, Geschwistern oder Freunden.

Wie können Lehrerinnen und Lehrer diesen Band für ihre Arbeit nutzen?

Grundlegend für die Entwicklung der Programme dieses Bandes war eine umfassende Literaturrecherche und eine systematische Lehrplanrecherche: Die Literaturrecherche bestand in der Auswertung international angelegter Datenbanken. In 18 Suchmaschinen bzw. Datenbanken der Psychologie, sechs in den Sportwissenschaften, neun aus den medizinischen Disziplinen und sechs aus der Soziologie, wurde systematisch nach Entspannungsthemen recherchiert. In Erfahrung gebracht werden sollte, welche Entspannungstechniken sich grundsätzlich für Kinder eignen, welche Programme entwickelt sowie ggf. erprobt wurden und welche Wirksamkeitsnachweise dokumentiert sind.

In einem weiteren Schritt wurden die Primarschullehrpläne in den 16 deutschen Bundesländern mit dem Analyseprogramm »atlas.ti« bearbeitet; die Ergebnisse sind in Kap. 3 dokumentiert. Dieser Analyseschritt gewährleistete einen detaillierten Überblick, welche Quantitäten und Qualitäten zu Entspannungsthemen in den modernen Lehrplanwerken eingearbeitet sind. Auf Grundlage dieser beiden Untersuchungsschritte konnten dann gezielt Programme für die Grundschule entwickelt werden, die die Lehrplananforderungen erfüllen und in der Schulpraxis umsetzbar sind.

Dieser Band bildet deshalb alle Entspannungsthemen ab, die in den deutschen Grundschullehrplänen eingefordert werden und sowohl für den Fachunterricht wie auch den Sportunterricht geeignet sind. Die Programme und Übungen reichen aus, um den Grundschulalltag entspannungsthematisch von der ersten bis zur vierten Klasse bis hin zu den Übergangsklassen 5 und 6 zu bestreiten. Unterschiedliche Programmtypen eröffnen vielfältige Implementierungsmöglichkeiten in der Schule:

Schnupperprogramme, die ohne Aufwand durchzuführen sind, geben Lehrern wie Schülern die Chance, einführend und ohne großen Aufwand Ersterfahrungen mit gezielter Entspannung zu machen. Besonders geeignet sind spielerische Atemübungen (vgl. Kap. 5), Fantasiereisen (vgl. Kap. 6) oder Programme zur Progressiven Muskelrelaxation (vgl. Kap. 7).

Viele der vorgestellten Übungen sind durchaus nicht nur für Schüler sinnvoll. Wenn man sich die Geschichten wegdenkt und die Übungen »netto« durchführt, sind diese auch für Erwachsene gebräuchlich. Verschiedene Themen und Übungen in diesem Buch, wie die Progressive Muskelrelaxation oder die Yoga-Übungen »Baum, Berg, Held«, wurden im Rahmen von Schulgesundheitstagen auch mit Lehrkräften durchgeführt. Insbesondere ist das »Atem holen«, wie es in Kap. 5 dargestellt wird, für alle Altersgruppen sinnvoll und in allen Alltagssituationen und Lebenslagen für den Stressabbau hilfreich.

Die Programme sind so konzipiert, dass sie nicht nur als Trainingsprogramm gedacht sind, also möglichst oft und möglichst lange durchgeführt werden, bis sich Wirkungen einstellen. Sie können auch durchaus nur eine Bewegungspause im Unterricht füllen (vgl. z. B. die Kap. 8, 9 und 10).

Andererseits sind in diesem Band Programme mit Übungseinheiten aufzufinden, die aufeinander aufbauen und durchaus über Wochen durchgeführt werden können (vgl. die Kap. 11 und 12).

Die Programme, 1 × oder wenige Male in der Schule durchgeführt, können von den Schülern auch zu Hause als Alltags-Hausaufgabe selbstinstruktiv praktiziert werden.

Abb. 1: Aufbau des Themenbandes »Entspannung lehren und lernen in der Grundschule«

Abb. 1 gibt einen Überblick zum inhaltlichen Aufbau dieses Bandes, der sich in einen Grundlagenteil (Kap. 1-4) und in einen Praxisteil (Kap. 5-12) gliedert.

Kap. 1-4 beinhalten das theoretische Fundament, nämlich die Prinzipien des »KbET« (Körper-basiertes Entspannungs-Training), anatomische und physiologische Grundlagen der Entspannung, die didaktisch-methodische Grundlegung sowie Ansätze zur Fremd- und Selbstevaluation. Die Grundlagenkapitel werden für die Durchführung der Programme und Übungen zwar nicht unbedingt vorausgesetzt, sie bilden aber das Gerüst, das das Verständnis für die Praxis erleichtert. Bevor Entspannungsthemen mit der Klasse durchgeführt werden, sollte insbesondere die didaktisch-methodische Grundlegung in Kap. 3 gelesen werden, da hier wichtige Prinzipien zur Einführung von Entspannungsthemen in der Schule besprochen und Tipps gegeben werden.

In den Kap. 5-12 sind dann direkt im Unterricht umsetzbare Programme und Übungen aufgeführt, die nach den zuvor aufgeführten 10 »ket«-Programmprinzipien entwickelt wurden.

Die Kapitel 5 und 6 sind integral ausgerichtet: Das Thema Atmen (Kap. 5) ist vorangestellt, da hier die Grundlagen für Entspannungstechniken gelegt werden und erste Entspannungsgefühle spielerisch erlebt werden können. Fantasiereisen (Kap. 6) wiederum können mit verschiedenen Entspannungstechniken kombiniert werden und bieten somit einen guten Einstieg in für Kinder ansonsten eher langweilige Techniken wie Autogenes Training.

In sechs weiteren Kapiteln (7-12) werden Programme und Übungen vorgestellt, die auf unterschiedlichen Entspannungstechniken beruhen. Ausgewählt wurden Progressive Muskelrelaxation, Eutonie, Stretching und Massage, die als Eingangstechniken für ein systematisches Entspannungstraining zu empfehlen sind. Etwas komplexer ausgelegt und als kleines Entspannungsprogramm geeignet, das mehrere Wochen dauern kann, ist Qigong. Gleiches gilt für das Thema Yoga. Dass Yoga nicht explizit in den Lehrplänen aufgeführt ist, mag vielleicht mit der Unsicherheit der Lehrplangestalter in den Ländern zusammenhängen, inwieweit bestimmte Entspannungstechniken in der Grundschulpraxis umsetzbar sind.

Unsere Recherchen haben jedenfalls ergeben, dass relativ viele, allgemein gehaltene Formulierungen in den Lehrplänen wie Körperspannung, Konzentration, Körperwahrnehmung, Körperhaltung, Balance, Körpersignale, Bewegungsgefühl und v. a. m. durch diese Entspannungstechnik abgedeckt werden können. So wird z. B. im Fach Musik in den Lehrplanwerken der Primarstufe (z. B. Hessen) nicht explizit auf Yoga, jedoch immer wieder auf Haltungs- und Atemübungen verwiesen. Da Yoga für alle diese Bereiche Übungen auch in kindgerechter Form aufweisen kann, bietet sich hier der Einsatz von Yoga-Themen an, zumal Kinder über ihre Eltern diese Technik möglicherweise kennen und vielleicht auch an Kinder-Yoga-Kursen teilgenommen haben.

Nicht zuletzt haben wir uns bemüht, die Praxiskapitel 5-12 einheitlich zu gestalten, um einen schnellen Zugang zu den einzelnen Techniken und Themen zu ermöglichen: Einführend werden zu den jeweiligen Entspannungsthemen wichtige Hintergrundinformationen, theoretische Grundlagen und weiterführende Literaturtipps gegeben. Im Anschluss folgt der Abschnitt »Didaktische Leitideen«.

Hier werden allgemeine Zielsetzungen der Techniken angegeben, ggf. mit Wirkungsnachweisen im Rahmen empirischer Studien, dann Implementierungsmöglichkeiten der jeweiligen Technik in der Schule, sowie Angaben zur Struktur der für diesen Band entwickelten Programme und zu den Zielgruppen. Der Abschnitt »Methodische Grundlagen« beinhaltet dann spezifische Zielsetzungen des vorgestellten Programms und methodische Hinweise für dessen Durchführung. Schließlich wird das Programm selbst mit seinen Übungen präsentiert.

 

1 Es wurde darauf geachtet, geschlechtergerechte Formulierungen zu verwenden. Dies betrifft z. B. die explizite Verwendung weiblicher und männlicher Formen oder auch die Verwendung geschlechtsneutraler Ausdrücke. Allerdings bitten wir um Nachsicht, wenn wir zugunsten einer verbesserten Lesbarkeit zuweilen auf die Verwendung von Vollformen verzichtet haben.

Teil I

Entspannung lehren und lernen – Grundlagen

„You must relax!“

(Edmund Jacobson)

1 Körperliche Dimensionen der Entspannungsfähigkeit

Norbert Fessler

Prinzipien eines gesundheitsförderlichen Sports, die in den neuen Lehrplanwerken in den Bundesländern vielfältig verankert sind, legen ein ganzheitlich ausgerichtetes, biopsychosoziales Gesundheitsverständnis zugrunde. Dieses erweitert auch das Verständnis eines Sports in der Schule, der immer häufiger als »Bewegung, Spiel und Sport« ausgelegt wird. Dies zu Recht, denn meist wird übersehen, dass sportliche Formen, den Körper zu bewegen, auf historisch kurzen Beinen stehen. So war Sport noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil einer Körperkultur.

Mit dieser Entwicklung bewegt sich der Schulsport auf der Höhe der Zeit: Die funktionale Ausdifferenzierung des Sports als Bewegungskultur, die z. B. moderne Sportvereine mit ihren Entspannungskursen längst vollzogen haben, wird berücksichtigt. Zweifellos hat die Schule die Aufgabe, nicht nur einem juvenil und leistungssportlich geprägten Sportverständnis zu folgen, sondern vielfältige, in der Schule erfahrbar zu machende Sinnkonstrukte des Bewegt-Seins anzubieten.

In diesem modernen, nicht etwa weiten Sportverständnis ist dem Faktor Entspannung Beachtung zu schenken, bedenkt man, dass (1) die für die körperliche und seelische Gesundheit des Menschen angemessene Abfolge von Spannung und Entspannung infolge zivilisatorisch-künstlicher Alltagsrhythmen zunehmend verlernt wird und (2) körperlich basierte Zugänge zu Entspannungsmethoden für Kinder attraktiv wie auch gut erlernbar sind und zudem in einen bewegten Schulalltag integriert werden können. Wohl auch deshalb werden in den Grundschullehrplänen der Bundesländer ca. 37 % der Entspannungsthemen dem Sportunterricht zugeordnet, bei den Entspannungstechniken sogar 54 %.

Die Sportwissenschaft hat aus ihrem Fachverständnis heraus keine eigenen Modelle zur Förderung von Entspannungsfähigkeit entwickelt. So verwundert auch nicht, dass didaktisch reflektierte, methodisch durchdachte und empirisch überprüfte Programme für die Schule bislang fehlen. Kind- und jugendgerechte Entspannungsansätze haben deshalb in der Schule allenfalls in wenig überzeugenden Kurzformen im Rahmen der Entwicklung sportbetonter Schulprofile wie der »Bewegten Schule« Einzug gehalten. Anzuführen sind beispielsweise Bewegungspausen im Unterricht mit Spielformen zur Entmüdung und eingearbeiteten Entspannungsübungen. Es stellen sich also grundsätzliche Fragen zu den Voraussetzungen eines Entspannungstrainings in der Schule.

1.1 Entspannungsfertigkeiten und Entspannungsfähigkeit

Entspannung ist, im Anschluss an anspannende Tätigkeiten oder auch diese unterbrechend, ein Zustand der Gelöstheit. Entspanntheit kann durch vielfältige Rituale und Aktivitäten herbeigeführt werden, wie z. B. Joggen, Walking, Spazierengehen, Musizieren, Angeln, Lesen oder Fernsehen bis hin zu problematischen Entspannungsauslösern wie Medikamente (z. B. Schlaf- und Beruhigungsmittel) oder auch übermäßiger Konsum von Alkohol, Tabak oder Drogen.

Die Fokussierung auf Entspannung und die Möglichkeit des Erreichens tieferer Entspannungszustände erfordern ein systematisches Entspannungstraining, das die individuelle Kompetenz steigern soll, auf Verspannungen allgemein und differenziell mit gezielter Entspannung zu reagieren. Differenziell meint, dass eingeübte Entspannungsfertigkeiten die Entspannungsfähigkeit entwickeln und das Individuum in die Lage versetzen, sich in individuell belastenden Situationen durch unmittelbaren Einsatz des Erlernten selbst helfen zu können – dies auch in ungünstigen Kontexten im Alltag, wie beispielsweise während der Arbeit oder auch in einer lärmenden Sporthalle. Ziel ist, die Fähigkeit zu erlangen, einen kontrollierten, relativ stabilen Erregungszustand willkürlich herbeizuführen, dessen Niveau unterhalb des normalen Wachzustandes liegt und zur Reduktion der Zustände physischer wie auch psychischer Anspannungen beiträgt, die sich z. T. gegenseitig bedingen (physisch: z. B. Muskelspannung, Atmung, Puls, Blutdruck – psychisch: z. B. Angst, Stress).

1.2 Klassifizierung und Zuordnung von Entspannungstechniken

Welche Entspannungstechniken aus bewegungsthematischer Sicht relevant und in der Schule im Sportunterricht wie auch im Klassenzimmer ausführbar sind, kann aus dem in Abb. 2 dargestellten Klassifikationsmodell (vgl. erstmals Fessler, 2006) abgeleitet werden.

Entscheidend ist zunächst die Entspannungsbasis: Für die Schule wird es maßgeblich darauf ankommen, Entspannungstechniken von Heilsversprechen und esoterischen Schleiern zu befreien. Ein Entspannungstraining soll vor allem Kompetenzen entwickeln, die auf eine autogene, d. h. selbst entstehende und selbst verantwortete Steuerung abzielen. In der schulischen Praxis muss dies dazu führen, Techniken wie Yoga oder Qigong von ihren philosophisch-religiösen Fundamenten zu entkoppeln. Es sollte bei der Vermittlung dieser und anderer Techniken nicht darum gehen, auf eine transzendente Ausrichtung und diesseitige vergeistigte Vervollkommnung des Individuums abzuzielen, sondern primärpräventive und alltagsgebräuchliche Zielsetzungen zu verfolgen und, nicht zuletzt auch mit Blick auf den Sportunterricht, Körperbezüge herzustellen.

Abb. 2: Kriterien zur schematischen Verortung von Entspannungstechniken

Ein Entspannungstraining für die Schule ist somit eher funktional, z. B. in Kontexten wie Gesundheit, Stressmanagement oder Resilienz, auszulegen, wie dies bei westlich orientierten Techniken, die überwiegend im letzten Jahrhundert entwickelt wurden, in der Regel der Fall ist2. Dabei kann der Entspannungsansatz sowohl systematisch sein, d. h. auf in sich geschlossenen Entspannungssystemen beruhen (z. B. Hatha-Yoga), oder auch kompositorisch sein, d. h. aus verschiedenen Entspannungstechniken zusammengefügt.

Um ein Entspannungstraining für den Sportunterricht, aber auch für andere Schulfächer fruchtbar zu machen, sind schließlich Kriterien wie Entspannungsauslösung, Entspannungsinduktion, Entspannungsaktivität und Entspannungsreaktion aus einer den Körper betonenden Perspektive zu beachten: Bei der Entspannungsauslösung sollten im Kontext von Sport und Gesundheit Verfahren gewählt werden, die im unterrichtlichen Rahmen in der Schule eingeübt, späterhin jedoch selbstinstruktiv in den Alltag integriert werden können. Unter dem Aspekt der Entspannungsinduktion sind Techniken zu bevorzugen, die Bezüge zum Körper aufweisen und die Aufmerksamkeit auf körperliche Prozesse richten (z. B. Schwereübungen beim Autogenen Training). Entspannung durch tatsächlich ausgeführte Körperarbeit verdeutlicht das Kriterium Entspannungsaktivität, mit dem sich körperlich passive von körperlich aktiven Techniken unterscheiden lassen (z. B. Autogenes Training gegenüber der Progressiven Relaxation oder Yoga). Aus bewegungsthematischer Sicht ist schließlich das Kriterium Entspannungsreaktion anzuführen, mit dem reflektiert werden kann, in welchem Ausmaß die jeweilige Entspannungstechnik physische und/oder psychische Auswirkungen haben soll.

1.3 Entspannungstechniken für Schule und Schulsport in der Grundschule

Für Schule und Schulsport in der Grundschule sind aus den vorgenannten Gründen Techniken zu empfehlen, die körperorientiert und bewegungsbasiert ausgerichtet sind, sich somit in Bewegungskontexte einbinden lassen, vergleichsweise leicht lehrbar und lernbar sind und nicht zuletzt auch empirischer Wirkungsprüfung standhalten. Unter diesen Voraussetzungen sind für Kinder in der Grundschule die Progressive Muskelrelaxation (PMR), Qigong und vor allem Hatha-Yoga als Einzeltechniken3 hervorzuheben.

Auch das Autogene Training als körpererspürende Methode gehört dazu, ist aber sehr formelhaft und bewegungslos auszuführen und sollte aus Motivationsgründen grundsätzlich in Fantasiereisen eingebettet sein. Weiterhin sind Techniken wie Eutonie, Massage und Stretching anzuführen, deren Übungen und Bewegungen entspannungsmethodisch umzudeuten und zu entwickeln sind.4 Zu den einzelnen Techniken:

Die Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson (1934/2006) greift die reziproke Wechselbeziehung von Psyche und Körper auf. Entsprechend werden Muskelgruppen des ganzen Körpers nacheinander in einer vorgegebenen zeitlichen Abfolge gespannt und entspannt (z. B. Faust ballen). PMR bietet sich aufgrund seines intensiven Körperbezugs an, und es lassen sich direkte bewegungs- und sportartenorientierte Bezüge herstellen. Im Vergleich zu den meisten anderen Entspannungstechniken sind sehr einfach handhabbare Bewegungsvollzüge gefordert, die leicht erlernbar sind und schnell zu Entspannungsempfindungen führen. Lehrer können sich ohne größeren Aufwand kundig machen und Kurzformen wirksam in den Unterricht einbauen. Da PMR auch mit guten Ergebnissen im Leistungssport eingesetzt wird, können mit Verweisen auf Vorbilder im Spitzensport und deren Lockerheit bei der Leistungserbringung vor allem für Kinder und Jugendliche Anreize gesetzt werden, es selbst zu versuchen.

Qigong ist eine Meditations-, Bewegungs- und Atemtechnik (vgl. im Überblick Cohen, 1997 und Hildebrand, Geißler & Stein, 1998), die auf eine 3.000 Jahre alte chinesische Philosophie und Medizin zurückblicken kann und im heutigen China als Volksheilkunst wiederbelebt wurde. Qigong wirkt regulierend auf das vegetative Nervensystem und hilft gegen funktionelle Störungen. Die Technik beruht auf der Annahme, das kosmische Qi durch die Atmung in den Körper zu lenken und diesen durchgängig zu energetisieren. Bislang wurde Qigong hauptsächlich in Institutionen der Erwachsenenbildung praktiziert, wird allerdings seit Anfang 2000 zunehmend auch für Kinder und Jugendliche angeboten. Für einen Einsatz in der Grundschule spricht, dass die Bewegungsanteile in dieser Technik als Körpermeditation in den Vordergrund gestellt werden können, die Übungen langsam und ruhig durchzuführen sind, wenig Raum beanspruchen und Übungseinheiten von 10-15 min genügen.

Hatha-Yoga zielt primär darauf ab, Bewusstseinserfahrungen zu vertiefen (vgl. im Überblick: Berufsverband Deutscher Yogalehrer, 2009). Auf der anderen Seite bewirkt diese Form des Yoga von Beginn an körperliche Trainingseffekte, die zu einer verbesserten Wahrnehmung und Steuerung der Körperfunktionen führen. Auch hat das Hatha-Yoga die Kinder und Jugendlichen für sich entdeckt (vgl. z. B. Bannenberg, 2005). Die Beiträge zum Sport sind engmaschig: Bereits 1949 haben Yesudian und Haich eine Monografie zum Thema »Sport und Yoga« vorgelegt, in der vielfältige Bezüge aufgezeigt und auch Versuche beschrieben werden, mit Themen wie »Zeitlupenturnen« oder »Speerwerfen in Zeitlupenaufnahme« den Fokus auf körperliche Prozesse zu lenken, insbesondere des Zusammenspiels von Körperteilen und Muskulatur (ebd., S. 246-260). Jedenfalls bietet Hatha-Yoga vielfältige Möglichkeiten eines gesundheitsförderlichen körperlichen Trainings im Fachunterricht, aber auch im Sportunterricht, weil sich einzelne Übungen aus dem System des Hatha-Yoga herausbrechen und sinnvoll in sportliches Üben integrieren lassen.

Das Autogene Training (AT) nach Schultz (1932/2003) gehört zu den weit verbreiteten und am besten erforschten Entspannungstechniken. Die Arbeit mit Kindern hat bei dieser Technik eine vergleichsweise lange Tradition. Bereits seit den 1960er-Jahren wird mit Kindern im Gruppenrahmen gearbeitet. AT-Techniken sind mit Erreichen der Schulreife, also ab 6-7 Jahren, anwendbar. Unter Ordnungsgesichtspunkten ist AT zwar passiven Tätigkeiten zuzuordnen, allerdings sind AT-Entspannungsformeln häufig in Entspannungsgeschichten, Fantasiereisen oder Atemspiele eingebunden, die von Kindern gerne durchgeführt werden. AT lenkt die Aufmerksamkeit auf Körperempfindungen und damit weg von Alltagsgedanken. Erreicht wird dies mit der Durcharbeitung des Körpers, bei der man sich mittels Schwere-, Wärme- und Ruheformeln auf Körperteile konzentriert.

Eutonie lässt sich, abgeleitet aus den griechischen Wurzeln eu (wohl, gut, harmonisch) und tonos (Spannung), mit Wohlspannung übersetzen. Das von Gerda Alexander (1979/2012) entwickelte Verfahren gründet auf der intuitiven Erkenntnis, dass sich die verschiedenen Funktionssysteme des Körpers gegenseitig beeinflussen und in ständigem Austausch mit der Umwelt befinden.

Das Augenmerk gilt der Grundspannung der Muskulatur (Tonus). Da bei vielen Menschen die Tonusflexibilität durch Verspannungen und Fehlhaltungen eingeschränkt ist und auch andauernd zu hoch oder zu tief sein kann, führt Eutoniearbeit dazu, Tonusveränderungen am eigenen Körper zu beobachten, wahrzunehmen und den Tonus mit der Zeit auch bewusst zu beeinflussen. Die Methode kann für die Grundschule fruchtbar gemacht werden, weil sie als Körperarbeit ausgelegt werden kann und mit Körperwahrnehmungsdidaktiken und -methoden (z. B. Psychomotorik) kombinierbar ist. Einfache und zugleich vielfältige Übungen in Ruhe wie auch in Bewegung und mit verschiedenen Materialien dienen dazu, den Körper zu spüren und systematisch zu ergründen. Eine Vertrautheit mit dem Körper als Zielstellung ist in ADHS-Zeiten (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) und sich epidemiologisch ausbreitender Adipositas besonders wichtig.

Wenn Stretching (vgl. Freiwald, 2009) als körperbasierte Entspannungstechnik eingesetzt werden soll, muss man sich von eher funktionalen Betrachtungen, wie etwa Stretching als Aufwärmprogramm für bestimmte Sportarten, lösen. Stretching bietet in seiner Grundauslegung gute Voraussetzungen, Dehnungstechniken bei entsprechender Übungsausführung als aktives Entspannungstraining anzuwenden. Dies bedeutet beispielsweise, die Übungen langsam und fließend durchzuführen, die Aufmerksamkeit nach innen in den Körper und auf die Zielmuskulatur zu richten. Neben der Entwicklung der Dehnfähigkeit erfolgt dann auch eine Förderung der Entspannungsfähigkeit, denn nicht zuletzt weisen Befunde darauf hin, dass als Folge eines Entspannungsstretchings das allgemeine zentralnervöse Aktivierungsniveau sinkt und neuro nale Erregung reduziert werden kann. Das Gefühl, entspannte Muskeln zu besitzen, geht dann in das Empfinden eines allgemeinen Entspanntseins über. Dabei eignen sich einfach auszuführende Übungsfolgen für den Einsatz in der Grundschule.

Massagetechniken (vgl. Kolster, 2003) sind aus der Grundschule nicht wegzudenken, auch wenn diese ebenfalls nicht zu den klassischen Entspannungsmethoden gehören. In verschiedenen Bundesländern ist Massage explizit in den Lehrplänen aufgeführt. Partnermassagen, wie z. B. »Pizza backen« auf dem Rücken des Partners, Igel- oder Tennisballmassagen, werden weithin praktiziert. Es kommt allerdings nicht nur darauf an, dem Körper des Partners Gutes zu tun, sondern mit Selbstmassage den eigenen Körper wohltuend bearbeiten zu können. Akupressurtechniken, kombiniert mit klassischen Massagegriffen und Klopftechniken, die zudem mit Bewegungsaufgaben und Ansätzen aus der Funktionellen Gymnastik kombiniert werden können, gehören dazu. Konzentriert, fokussiert und entschleunigt praktiziert, kann Massage ein wichtiger Beitrag für körpermeditative Zugänge bei Kindern sein.

 

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