Du bist mein - Tara Sue Me - ebook

Du bist mein ebook

Tara Sue Me

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Opis

Nathaniel West verliert nie die Kontrolle. Der smarte CEO von West Industries regiert tagsüber im Sitzungssaal und lebt nachts seine Überlegenheit im Schlafzimmer aus. Dabei lässt er sich niemals unüberlegt auf jemanden ein – bis zum dem Tag, an dem Abigail King vor seinem Schreibtisch steht. Abbys Kombination aus Unschuld und Leidenschaft verdreht Nathaniel den Kopf und schon bald ist er fest entschlossen, sie nicht mehr gehen zu lassen. Doch je stärker seine Gefühle für Abby werden, desto mehr wird ihm klar, dass er ihr Vertrauen missbraucht – und dass sein wohlgehütetes Geheimnis die Beziehung dramatisch verändern könnte... Der zweite Band der fesselnden Trilogie erzählt Nathaniels Geschichte – und wirft so ein völlig neues Licht auf die aufregende Beziehung.

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://d-nb.deabrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

1. Auflage 2014

© 2014 by LAGO, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

© der Originalausgabe by Tara Sue Me, 2013

Die englische Originalausgabe erschien 2013 bei New American Library unter dem TitelThe Dominant.

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form.

This edition published by arrangement with NAL Signet, a member of Peguin Group (USA) LLC, a Penguin Random House Company.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Antoinette Gittinger und Ursula Pesch

Redaktion: E. W. Behrens

Umschlaggestaltung: Kristin Hoffmann, München

Umschlagabbildung: Shutterstock

Satz: Georg Stadler, München

Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

Printed in Germany

ISBN Print 978-3-95761-003-4

ISBN E-Book (PDF) 978-3-95762-010-1

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-95762-011-8

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.muenchner-verlagsgruppe.de

Für meine Eltern, denen ich meine Liebe zu Büchern verdanke, und meine Schwiegereltern, die mein Schreiben unterstützt haben.

Vielleicht werde ich euch eines Tages meinen Künstlernamen verraten. Doch wohl eher nicht.

Kapitel 1

Das Telefon auf meinem Schreibtisch klingelte zweimal leise.

Ich blickte auf meine Armbanduhr. 16.30 Uhr. Meine Sekretärin hatte die strikte Anweisung, mich nicht zu stören, es sei denn, eine von zwei Personen würde anrufen. Es war zu früh für Yang Cai, aus China anzurufen, sodass es nur die andere sein konnte.

Ich drückte auf die Taste der Freisprechanlage. »Ja, Sara?«

»Mr Godwin auf Leitung eins, Sir.«

Ausgezeichnet.

»Ist heute Post von ihm gekommen?«, fragte ich sie.

Im Hintergrund raschelte Papier. »Ja, Sir. Soll ich sie Ihnen jetzt bringen?«

»Ich hole sie mir später.« Ich drückte das Gespräch weg und wechselte zum Headset. »Godwin, ich habe Ihren Anruf früher erwartet. Vor sechs Tagen.« Genauso lange hatte ich auch auf die Post gewartet.

»Tut mir leid, Mr West. Es gab noch eine späte Bewerbung, die ich diesem Stapel hinzufügen wollte.«

Na schön. Die Frauen wussten ja schließlich nichts von meiner Deadline. Darüber würde ich später mit Godwin sprechen.

»Wie viele dieses Mal?«, fragte ich.

»Vier.« Er klang erleichtert, dass ich nicht weiter auf seine Verspätung einging. »Drei Erfahrene und eine ohne Erfahrung und Referenzen.«

Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück und streckte die Beine aus. Diese Unterhaltung sollten wir jetzt wirklich nicht führen müssen. Godwin kannte doch inzwischen meine Vorlieben. »Sie kennen meine Einstellung zu unerfahrenen Subs.«

»Ich weiß, Sir«, sagte er, und ich stellte mir vor, wie er sich den Schweiß von der Stirn wischte. »Aber bei dieser ist es anders – sie hat nach Ihnen gefragt.«

Ich streckte das eine Bein, dann das andere. Jetzt eine große Runde joggen, das wäre nicht schlecht. Aber das würde bis später am Abend warten müssen. »Sie fragen alle nach mir.« Ich war nicht eingebildet, nur ehrlich.

»Ja, Sir, aber diese will nur Ihnen dienen. Sie ist an niemand anderem interessiert.«

Ich richtete mich auf meinem Stuhl auf. »Wirklich?«

»In ihrer Bewerbung heißt es ausdrücklich, dass sie allein Ihre Sub sein möchte, nicht die eines anderen.«

Ich bestand normalerweise auf Erfahrung und Referenzen, denn ich hatte nun wirklich keine Zeit, eine Sub zu schulen. Ich bevorzugte eine mit Erfahrung, eine, die meine Gepflogenheiten schnell lernen würde. Eine, die ich schnell anlernen konnte. Ich fügte dem Bewerbungsbogen immer eine ausführliche Checkliste bei, um sicherzugehen, dass die Bewerberinnen genau wussten, worauf sie sich einließen.

»Ich nehme an, sie hat die Checkliste richtig ausgefüllt? Hat nicht etwa angedeutet, dass sie alles und jedes tun würde?« Das war einmal passiert. Godwin wusste es jetzt besser.

»Ja, Sir.«

»Ich kann ja mal einen Blick darauf werfen.«

»Die letzte im Stapel, Sir.«

Die, wegen der es diese Verzögerung gegeben hatte. »Danke, Godwin.« Ich legte auf und ging nach nebenan. Sara reichte mir die Post.

»Warum gehen Sie nicht nach Hause, Sara?« Ich klemmte mir den Umschlag unter den Arm. »Den Rest des Abends wird es sicher ruhig sein.«

Sie dankte mir, als ich zurück in mein Büro ging.

Ich holte mir eine Flasche Wasser, stellte sie auf meinen Schreibtisch und öffnete den Umschlag.

Ich blätterte die ersten drei Bewerbungen durch. Nichts Außergewöhnliches. Nichts, was aus dem Rahmen fiel. Ich könnte ein Testwochenende mit jeder der drei Frauen arrangieren und würde wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen ihnen feststellen.

Ich rieb mir den Nacken und seufzte. Vielleicht habe ich diese Dinge schon zu lange gemacht. Vielleicht sollte ich noch einmal versuchen, mich häuslich niederzulassen und »normal« zu sein. Mit einer anderen als Melanie. Das Problem war, ich brauchte meinen Lifestyle als Dom. Die Auserwählte musste allerdings etwas ganz Besonderes haben.

Ich nahm einen großen Schluck Wasser und sah auf die Uhr. 17.00 Uhr. Ich bezweifelte sehr, dass ich dieses Besondere in der letzten Bewerbung finden würde. Da die Frau keine Erfahrung hatte, lohnte es sich eigentlich nicht einmal, mir ihre Unterlagen anzusehen. Ohne hinzuschauen, nahm ich die Bewerbung und legte sie oben auf meinen Schredder-Stapel. Die anderen drei legte ich Seite an Seite auf meinen Schreibtisch und las noch einmal die Deckblätter.

Nichts. Es gab praktisch nichts, was die drei Frauen unterschied. Ich sollte einfach die Augen schließen und willkürlich eine auswählen. Nehmen wir doch die in der Mitte.

Doch noch während ich die Angaben der Bewerberin studierte, wanderte mein Blick zu dem Schredder-Stapel. Die aussortierte Bewerbung war die einer Frau, die meine Sub sein wollte. Sie hatte sich die Zeit genommen, meine detaillierte Checkliste auszufüllen, und Godwin hatte wegen Miss Ich-habe-keine-Erfahrung-und-will-nur-Nathaniel-West das Versenden der Post hinausgeschoben. Ich konnte dieser Frau zumindest so viel Respekt entgegenbringen, ihre Bewerbung zu lesen.

Ich nahm die Bewerbung in die Hand und las den Namen.

Abigail King.

Die Papiere glitten mir aus der Hand und flatterten auf den Boden.

Alle Welt hielt mich für unglaublich erfolgreich.

Ich besaß und leitete mein eigenes internationales Wertpapierunternehmen. Ich beschäftigte Hunderte von Menschen. Ich wohnte in einem Herrenhaus, das die Seiten vonArchitectural Designgeziert hatte. Ich hatte eine großartige Familie. 99 Prozent der Zeit war ich mit meinem Leben zufrieden. Aber da war dieses eine Prozent …

Dieses eine Prozent, das mir sagte, dass ich ein völliger Versager war.

Dass ich von Hunderten von Leuten umgeben war, aber nur sehr wenige mich kannten.

Dass mein Lifestyle inakzeptabel war.

Dass ich nie eine finden würde, die ich lieben könnte und die auch mich lieben würde.

Niemals bereute ich meine Entscheidung, den Lebensstil eines Dom zu führen. Normalerweise fühlte ich mich erfüllt, und die Augenblicke, in denen ich dies nicht tat, waren sehr selten.

Ich fühlte mich nur unvollständig, wenn ich in die öffentliche Bibliothek ging und einen Blick von Abby erhaschte. Natürlich wusste ich bis zu dem Moment, in dem ihre Bewerbung auf meinem Tisch landete, nicht, ob sie überhaupt von meiner Existenz wusste. Bis dahin hatte Abby für mich das fehlende eine Prozent symbolisiert. Unsere Lebenswege waren so verschieden, dass sie sich nie kreuzen würden und könnten.

Doch wenn Abby eine Sub war und meine Sub sein wollte …

Zum ersten Mal seit Jahren ließ ich meinen Gedanken freien Lauf, öffnete die Tore meiner Fantasie und ließ die Bilder auf mich einströmen.

Abby nackt und auf meinem Bett festgebunden.

Abby auf den Knien vor mir.

Abby, die um die Peitsche bettelte.

Oh ja.

Ich hob ihre Bewerbung vom Boden auf und begann zu lesen.

Ich überflog Namen, Adresse, Telefonnummer und Beruf und blätterte um zu ihrer Krankengeschichte – normale Leberfunktions­tests und normales Blutbild, HIV und Hepatitis negativ, negativer Urin-Drogentest. Das einzige Medikament, das sie nahm, war die Antibabypille, auf der ich bestand.

Ich nahm mir die nächste Seite vor, die ausgefüllte Checkliste. Godwin hatte nicht gelogen, als er sagte, Abby habe keine Erfahrung. Sie hatte nur sieben Punkte auf der Liste angekreuzt: Vaginalverkehr, Masturbation, Augenbinden, Spanking, Spermaschlucken, Handjobs und sexuelle Deprivation. Im Kommentarfeld zur sexuellen Deprivation hatte sie geschrieben: »Haha, bin mir nicht sicher, ob unsere Definitionen dieselben sind.« Ich lächelte. Sie hatte Humor.

Bei mehreren Punkten war »Nein, Härtegrenze« angekreuzt. Das respektierte ich – ich hatte meine eigenen Härtegrenzen. Als ich die Liste durchschaute, fiel mir auf, dass mehrere ihrer Härtegrenzen mit meinen übereinstimmten. Einige andere nicht. Daran war nichts auszusetzen – Grenzen ändern sich. Checklisten ändern sich. Wenn wir langfristig zusammen wären …

Was dachte ich nur? Hatte ich wirklich vor, Abby zu einem Test einzubestellen?

Ja, verdammt, das hatte ich.

Aber ich wusste, ich wusste, dass ich keinen zweiten Blick auf die Bewerbung geworfen hätte, wenn sie von einer anderen als Abby gewesen wäre. Ich hätte sie geschreddert und vergessen, dass sie exis­tierte. Ich schulte keine Subs.

Aber die Bewerbung stammte von Abby und ich wollte sie nicht schreddern. Ich wollte sie so lange studieren, bis ich sie auswendig kannte. Wollte eine Liste der Punkte erstellen, die sie mit »bereit, auszuprobieren« angekreuzt hatte, und sie das Vergnügen lehren, diese Dinge zu tun. Ich wollte ihren Körper studieren, bis seine Konturen fest in mein Gedächtnis eingebrannt waren. Bis meine Hände jede ihrer Reaktionen kannten und erkannten. Ich wollte sie dabei beobachten, wie sie sich ganz ihrer submissiven Neigung hingab.

Ich wollte ihr Dom sein.

Konnte ich das tun? Konnte ich meine Gedanken an Abby, die Fantasie, die nie Wirklichkeit werden würde, beiseiteschieben, und stattdessen Abby, die Sub, haben?

Ja. Ja, das konnte ich.

Weil ich Nathaniel West war und Nathaniel West keine Misserfolge hatte.

Und wenn Abby King nicht länger existierte. Oder durch Abigal King ersetzt wurde …

Ich nahm den Hörer in die Hand und wählte Godwins Nummer.

»Ja, Mr West«, sagte er. »Haben Sie sich entschieden?«

»Schicken Sie Abigail King meine persönliche Checkliste. Wenn sie nach deren Durchsicht noch interessiert ist, soll sie Sara anrufen und für nächste Woche einen Termin vereinbaren. «

Kapitel 2

Abigail vereinbarte einen Termin für Dienstagnachmittag um 16.00 Uhr.

Den ganzen Montag wartete ich darauf, dass Sara mir sagen würde, Abigail habe den Termin abgesagt, doch am Dienstag um eins hatte ich akzeptiert, dass sie wahrscheinlich auftauchen würde. Der Gedanke machte mich unruhig.

Ich schritt zwischen dem Fenster und meinem Schreibtisch auf und ab und dachte an Abigail, wie ich sie beim letzten Mal gesehen hatte – die Geduld in Person, als sie einem Schüler der Highschool Nachhilfeunterricht gegeben und leise über etwas gelacht hatte, was der Teenager sagte. Dann stellte ich mir sie so vor, wie ich es mir nun erlaubte – als meine Sub, bereit und willig, mir zu dienen. Jedem meiner Befehle zu gehorchen.

Ich kehrte zurück zu meinem Schreibtisch und setzte mich. Zum dritten Mal in der letzten Stunde nahm ich die Informationen zur Hand, die ich für sie vorbereitet hatte, und las sie noch einmal. Kontrollierte erneut, ob alles in Ordnung war.

Um 15.30 Uhr rief mein Cousin Jackson an und bewahrte mich vor einem Koller.

»Hey«, sagte er. »Bleibt’s beim Racquetball am Samstag?«

Ich seufzte. Mir war entfallen, dass ich Jackson für Samstag eine Revanche versprochen hatte. Wenn Abigail sich mit dem Wochenendtest einverstanden erklärte, wollte ich sie dann wirklich allein lassen? Andererseits war es vielleicht gut, ein paar Stunden von ihr wegzukommen. Mir selbst eine Pause von dem zu geben, was ein intensives Wochenende zu werden versprach.

Jackson spürte mein Zögern. »Ist schon okay, wenn du nicht kannst. Ich kann auch zum Fallschirmspringen gehen.«

Als er das letzte Mal beim Fallschirmspringen gewesen war, hätte dies fast das Ende seiner Karriere als Quarterback bedeutet. Ich wuss­te also, dass es ein Scherz war.

Zumindest hoffte ich, dass er scherzte.

»Versuch nicht, mich zu erpressen«, sagte ich. »Ich wollte dir nicht absagen. Ich habe nur im Kalender nachgesehen, ob ich auch wirklich keine Termine habe. Ich habe vielleicht ein Date.«

»Ein Date? Willst du mal wieder auf ein Pferd steigen nach Pearl Girl?«

»Dieser Spitzname ist völlig respektlos gegenüber Melanie.« Jackson konnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich hatte nach Melanie viele Pferde bestiegen.

»Will nur sagen, ich bin froh, dass du sie abserviert hast.«

»Lassen wir das Thema.« Ich glaubte nicht, dass Jackson auch nur die geringste Vorstellung davon hatte, wie mein Liebesleben aussah. »Wen bringst du zur Benefizgala deiner Mutter mit?«

»Da ist im Moment niemand. Danke, dass du mich daran erinnerst«, sagte er mit einer Spur Sarkasmus.

Wir redeten noch eine Weile und legten schließlich auf, nachdem wir vereinbart hatten, dass ich ihn am Samstag zu unserer Racquetball-Revanche treffen würde.

In vielerlei Hinsicht war Jackson der Bruder, den ich nie gehabt hatte. Meine Eltern waren bei einem Autounfall gestorben, als ich zehn war. Danach zog Linda mich auf, die Schwester meiner Mutter.

Todd Welling war, zusammen mit seiner Frau Elaina, das dritte Mitglied der Gruppe von Freunden, die meine Ersatzfamilie bildeten. Todd und seine Familie waren Nachbarn der Clarks gewesen, als wir heranwuchsen. Elaina hatte in der Nähe gewohnt, und sie und Todd waren während der Highschool und dem College miteinander gegangen und hatten einen Monat nach Elainas Collegeabschluss geheiratet. Todd war inzwischen Psychiater, Elaina Modedesignerin.

Ich beneidete Todd und Elaina um ihr gemeinsames Leben. Die Leidenschaft und Liebe, die sie füreinander empfanden, war deutlich spürbar. Ich glaubte längst nicht mehr daran, dass ich eine Beziehung wie ihre finden würde.

Doch Abigail als Sub zu haben, würde das fast wettmachen.

Mein Telefon klingelte zweimal leise.

»Ja, Sara?« Ich sah auf die Uhr – 15.45 Uhr. Abigail war pünktlich. Ein weiterer Pluspunkt.

»Ms King ist da, Sir.«

»Danke, Sara. Ich lasse Sie wissen, wann ich für sie bereit bin.« Ich legte auf.

Ich nahm einen Schluck Wasser und warf einen letzten Blick auf die Seiten. Alles war bereit. Ich nahm ihre Bewerbung und las sie noch einmal, obwohl ich nicht wusste, warum. Ich kannte sie auswendig.

Um fünf nach vier rief ich Sara an und bat sie, Abigail zu mir hineinzuschicken.

Ich holte tief Luft, öffnete ein leeres Dokument auf meinem Computer und begann zu tippen.

Nathaniel West ist der größte Idiot der Welt.

Was zum Teufel tust du da eigentlich?

Idiot.

Abigail öffnete die Tür, trat leise ein und schloss sie hinter sich.

Großer. Verdammter. Idiot.

Du hättest sie nicht herkommen lassen sollen.

Dies wird der größte Fehler deines Lebens sein.

Sie ging bis zur Mitte meines Büros, und aus den Augenwinkeln sah ich, dass sie dort stand, die Hände an der Seite, die Füße schulterbreit auseinander.

Verdammt.

Verdammt. Verdammt. Verdammt. Verdammt. Verdammt.

Verdammt. Verdammt. Verdammt. Verdammt. Verdammt.

Fuck. Fuck. Fuck.

Verdammt.

Ich tippte weiter, während ich sie verstohlen ansah. Sie holte tief Luft, hatte die Augen geschlossen.

Reiß dich zusammen, West, tippte ich. Sie ist da wegen dir. Um deine Sub zu sein. Mach dir nicht in die Hose.

Du hast das schon so oft getan. Sie will deine Sub sein. Du bist ein Dom. Sie ist nichts Neues. Nichts Besonderes.

Es ist sehr, sehr einfach, also hör auf, die Sache kompliziert zu machen.

Gib ihr, was sie will. Was sie braucht.

Nimm, was sie dir gibt.

Und etwas von dem, wovon sie nicht einmal weiß, dass sie es zu bieten hat.

Das Tippen half mir, einen klaren Kopf zu bekommen. Ähnlich wie das Klavierspielen. Ich schrieb noch ein paar Zeilen, atmete tief ein und schaute hoch.

»Abigail King«, sagte ich.

Sie zuckte zusammen. Das war nicht anders zu erwarten. Sie hielt noch immer den Kopf gesenkt, doch ein leichtes Zittern durchfuhr ihren Körper. Ich wollte die Hand ausstrecken und sie berühren, ihr versichern, dass ich ihr nie wehtun würde.

Stattdessen nahm ich ihre Bewerbung in die Hand und die Papiere, die ich ihr geben wollte, falls das Treffen gut verlief, und heftete sie zusammen.

Sie hielt noch immer den Kopf gesenkt.

Sehr gut.

Ich schob meinen Stuhl zurück und spazierte durch den Raum. Ihr Zittern wurde stärker, doch nur ein kleines bisschen. Ich stellte mich hinter sie und streckte die Hand aus. Es war Zeit, sie zu berühren und zu erkennen, dass sie nichts weiter war als eine Frau aus Fleisch und Blut. Nichts mehr und nichts weniger.

Ich hob ihr langes, dunkles Haar an und beugte mich vor. »Sie haben keinerlei Referenzen.« Weil es die Wahrheit war und weil ich sehen wollte, wie sich ihr Puls an der zarten Stelle an ihrer Kehle beschleunigte.

Ja.

Genau so!

Ich beugte mich noch weiter vor, sodass meine Lippen fast ihren Hals berührten. »Ich möchte Ihnen sagen, dass ich kein Interesse habe, eine Sub zu schulen. Alle meine bisherigen Subs waren voll ausgebildet.«

Würde sie wissen wollen, warum ich in ihrem Fall eine Ausnahme machte? Hatten meine Worte ihr verraten, dass ihr Fall ein wenig anders lag?

Wahrscheinlich nicht. Aber es wäre nicht verwunderlich gewesen. Dies war nicht meine übliche Vorgehensweise. Ich änderte ihretwegen all meine Regeln.

Das wusste sie natürlich nicht.

Ich nahm ihr Haar und zog daran. »Sind Sie sich sicher, dass Sie es wollen, Abigail? Sie müssen sich sicher sein.«

Ein winziger Teil von mir wollte, dass sie Nein sagte, aufschaute und ging. Um nie mehr zurückzukehren. Doch der größte Teil von mir wollte, dass sie blieb. Wollte sie.

Sie bewegte sich nicht. Ging nicht.

Ich schmunzelte und kehrte zurück zu meinem Schreibtisch. Wir waren beide so starrköpfig. Vielleicht funktionierte es ja doch.

Verdammt, ich wollte, dass es funktionierte.

»Schauen Sie mich an, Abigail.«

Unsere Blicke trafen sich zum ersten Mal. Ihre Augen waren tiefbraun und wurden von dichten Wimpern umrahmt. Ich sah jeden ihrer Gedanken in diesen Augen gespiegelt. Die Nervosität, den Hunger. Wie sie mich musterte.

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch. Ihr Blick verdunkelte sich und sie sah leicht verlegen aus.

Ah, sie hatte schmutzige Gedanken, schmutzige Gedanken. Unwillkürlich musste ich lächeln – aber genug davon für den Moment.

»Es interessiert mich nicht, warum Sie Ihre Bewerbung eingereicht haben. Wenn ich mich für Sie entscheide und Sie meine Bedingungen erfüllen, ist Ihre Vergangenheit gleichgültig.« Weil die Vergangenheit nicht mehr existierte. Was zählte, war das Jetzt. Ich heftete die beiden Berichte zusammen. »Was ich wissen muss, weiß ich.«

Sie bewegte sich noch immer nicht. Sagte nichts.

»Sie haben keine Schulung. Aber Sie sind sehr gut.«

Ich wandte mich dem Fenster zu. Die Straße war in Dunkelheit gehüllt, doch das Licht in meinem Büro verwandelte das Fenster in einen Spiegel. Ich konnte alles sehen, was Abigail tat. Sie erwiderte einen Moment lang meinen Blick und schaute dann zu Boden.

Das durfte ich nicht durchgehen lassen.

»Eigentlich mag ich Sie, Abigail King. Aber ich erinnere mich nicht, Ihnen gesagt zu haben, dass Sie wegschauen sollen.«

Ja, dachte ich, als sie mich erneut ansah. Wir würden es schon hinkriegen.

Ich hatte sie in den Händen und würde sie nicht gehen lassen.

»Ich denke, wir könnten am Wochenende einen Versuch wagen.« Ich drehte mich um und lockerte meine Krawatte. »Wenn Sie einverstanden sind, kommen Sie diesen Freitagabend Punkt 18.00 Uhr auf mein Anwesen. Ich lasse Sie mit einem Wagen abholen. Wir essen gemeinsam zu Abend. Dann sehen wir weiter.«

Ich legte die Krawatte beiseite und öffnete den obersten Knopf meines Hemds. Sie wirkte kein bisschen verlegen – vielleicht erregt, aber nicht verlegen.

»Ich habe bestimmte Erwartungen an meine Subs.« Meine Sub. Abigail King war gerade dabei, meine zu werden. »Sie werden von Sonntag bis Donnerstag jede Nacht mindestens acht Stunden schlafen. Sie ernähren sich ausgewogen. Den Speiseplan lasse ich Ihnen per E-Mail zukommen. Und dreimal in der Woche laufen Sie 1,5 Kilometer. Zweimal pro Woche machen Sie Kraft- und Ausdauertraining in meinem Fitnessstudio. Eine Mitgliedschaft wird für Sie vorbereitet. Sie beginnt morgen. Haben Sie irgendwelche Bedenken?«

Sie schwieg.

Wunderbar.

»Sie dürfen offen reden.«

Sie leckte sich die Lippen, fuhr mit der rosa Zunge an den Konturen ihres Munds entlang. Bei diesem Anblick zuckte mein Schwanz. Immer schön langsam, dachte ich. Dazu kommen wir später. Bitte, Gott, sorg dafür, dass dafür später noch Zeit ist.

»Ich bin nicht die … Sportlichste, Mr West. Ich bin eher eine schlechte Läuferin.«

»Sie müssen lernen, sich von den eigenen Schwächen nicht beherrschen zu lassen, Abigail.« Da sie es erwähnt hatte, würde ich ihr helfen.

Ich ging zurück zu meinem Schreibtisch und schrieb den Namen und die Telefonnummer des Yogalehrers im Fitnessstudio auf.

»Dazu besuchen Sie dreimal in der Woche einen Yogakurs. Angebote gibt es im Fitnessstudio. Noch Fragen?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Sehr gut. Dann sehe ich Sie Freitagabend.« Ich hielt ihr die Papiere hin. »Hier steht alles, was Sie wissen müssen.«

Sie trat zu meinem Schreibtisch und nahm die Papiere entgegen. Dann wartete sie.

Perfekt.

»Sie dürfen gehen.«

Kapitel 3

Ich war zwar nie Pfadfinder gewesen, stimmte aber von ganzem Herzen deren MottoAllzeit bereitzu. Vorbereitung war ein wichtiger Grund für den Erfolg meines Unternehmens. Und trug wesentlich dazu bei, dass noch keine meiner Subs ihr Sicherheitswort gesagt hatte. Wären die Menschen besser vorbereitet, würde alles auf dieser Welt reibungsloser laufen.

Aus diesem Grund verbrachte ich am Mittwochnachmittag einige Zeit bei meinem Lieblingsjuwelier. Wenn Abigails Wochenendtest gut verlief, wollte ich ein Halsband bereithaben. Nachdem sie sich so gut bei dem Test in meinem Büro geschlagen hatte, war ich mir sicher, dass dies der Fall sein würde.

Ich betrachtete das Angebot an Halsketten in der Vitrine. Meine früheren Subs hatten einfache silberne Choker getragen. Doch ich wollte etwas mehr für Abigail.

»Mr West.« Der Manager kam auf mich zu. »Womit kann ich Ihnen heute dienen?«

Nichts von dem, was ich sah, beeindruckte mich. »Ich suche nach einem Choker. Aus Platin. Vielleicht mit Diamanten?«

Die Augen des Managers funkelten vor Aufregung. »Ich habe genau das Richtige für Sie. Ist heute Morgen eingetroffen, ich hatte noch keine Gelegenheit, es in die Vitrine zu legen.«

Er trippelte davon und kam wenige Augenblicke später mit einer Lederschatulle zurück. Sie enthielt einen auserlesenen Choker mit zwei seilartigen ineinander verschlungenen Strängen, an denen Diamanten funkelten.

Ich konnte ihn mir gut an Abigail vorstellen.

Mein Halsband.

Meine Sub.

»Perfekt«, sagte ich zu dem Manager.

Ich beschloss, am Freitagabend ein Abendessen für Abigail zu kochen. Ich wollte, dass sie sich entspannte, bevor wir zu anderen Dingen übergingen. Wollte ihr die Chance geben, Fragen zu stellen oder Bedenken anzubringen. Ich wollte, dass sie sich am Wochenende wohlfühlte – so wohl wie möglich.

Ich bereitete eines meiner Lieblingsgerichte zu und ging meine Pläne fürs Wochenende durch. Ich würde noch keinen penetrativen Sex mit Abigail haben. Das konnte warten. Zuerst wollte ich andere Dinge ausprobieren. Und ich würde meine eigene Kontrolle tes­ten – sie so nah bei mir zu haben, so nah, und sie dennoch nicht zu berühren.

Ich stellte auch eine neue Regel auf – ich würde sie nicht küssen. Es schien nur fair, eine neue Regel aufzustellen, wo ich doch so viele andere brach.

Irgendwie wusste ich, dass es albern war zu glauben, ich könnte die angemessene emotionale Distanz bewahren, wenn ich Abigail nicht küsste. Doch die Wahrheit war, dass sie meine Sub sein wollte. Sie wollte mich nicht als Liebhaber. Solange ich am Wochenende nicht vergaß, dass unsere Beziehung eine sexuelle und nichts weiter sein würde, wäre alles in Ordnung.

Um 17.45 Uhr rollte der Wagen durch die Einfahrt auf mein Anwesen.

Als ich ihr öffnete, kniete sie vor der Tür und tätschelte meinen Hund Apollo. Ich hatte erwartet, dass Apollo sich von ihr fernhalten würde, weil er normalerweise vor Fremden zurückwich. Wie ungewöhnlich, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte. Obwohl es heißt, Hunde hätten in Bezug auf Menschen einen sechsten Sinn.

Die Tatsache, dass Apollo sie zu mögen schien, überzeugte mich, dass das Wochenende eine gute Idee war.

»Apollo«, sagte ich. »Komm.«

Sie hatte nicht gehört, dass ich die Tür geöffnet hatte. Das zeigte mir die Art, wie sie ruckartig den Kopf hob. Sie lächelte, als Apollo ihr das Gesicht leckte.

»Wie ich sehe, haben Sie bereits Apollos Bekanntschaft gemacht«, sagte ich.

»Ja.« Sie stand auf und wischte sich den Staub von der Hose. In der untergehenden Sonne wirkten ihr Haar und ihre Augen dunkler, geheimnisvoller. »Er ist wirklich süß.«

»Keineswegs. Fremde empfängt er in der Regel eher unfreundlich. Sie haben großes Glück, dass er nicht nach Ihnen geschnappt hat.«

Apollo hätte sie natürlich nie gebissen. Ich hätte ihn nicht allein nach draußen gelassen, wenn ich das befürchtet hätte. Ich war mir nicht sicher, warum ich das sagte. Vielleicht wollte ein Teil von mir, dass sie ging.

Ich führte sie ins Haus. »Wir essen heute am Küchentisch zu Abend. Sie können den Küchentisch als Freiraum betrachten. Sie werden an ihm die meisten Ihrer Mahlzeiten einnehmen. Wenn ich mich zu Ihnen setze, können Sie das als Aufforderung auffassen, sich frei zu äußern. Die meiste Zeit dienen Sie mir im Speisezimmer, aber ich dachte, wir beginnen den Abend weniger förmlich. Verstanden?«

»Jawohl, Herr.«

Ich wandte mich um, überrascht von ihrem Fehler. »Nein. Sie haben noch nicht das Recht, mich so zu nennen. Bis es so weit ist, reden Sie mich mit ›Sir‹ oder ›Mr West‹ an.«

»Jawohl, Sir. Es tut mir leid, Sir.«

Ich ging weiter, noch immer überrascht von ihrem Fehler. Hoffentlich würde der Rest des Wochenendes besser verlaufen.

Ich führte sie in die Küche und wartete, dass sie sich setzte. Ihre Hände zitterten, als sie ihren Stuhl zurückzog. Sie war nervös, das war alles. Das verstand ich.

Aber sie war da. Hier in meiner Küche. Sie war hier, um meine Sub zu sein.

Die Absurdität des Ganzen verschlug mir die Sprache.

Mehrere Minuten lang aßen wir schweigend. Sie ließ sich das Hühnchen schmecken. Ich wand mich auf meinem Stuhl, als ich sie so an meinem Tisch sitzen und das Essen genießen sah, das ich für sie zubereitet hatte.

»Haben Sie das gekocht?«, fragte sie.

Sie spricht. Endlich.

»Ich bin ein Mann mit vielen Talenten, Abigail.« Und ich kann es nicht erwarten, sie alle mit dir zu teilen.

Sie verfiel wieder in Schweigen. »Es freut mich, dass du es überflüssig findest, die Stille mit endlosem Geschwätz auszufüllen«, sagte ich, als wir fast fertig waren. »Da sind ein paar Dinge, die ich erklären muss. Denk daran, dass du an diesem Tisch offen reden darfst.«

Ich hielt inne und wartete.

»Ja, Sir.«

Braves Mädchen.

»Aus meiner Checkliste weißt du, dass ich ein ziemlich konservativer Dom bin. Ich halte nichts von öffentlichen Demütigungen, beteilige mich nicht an Spielen, die extreme Schmerzen verursachen, und teile meine Sub mit niemandem. Niemals.« Als würde ich Abigail je mit einem anderen teilen, wenn sie mein wäre. »Auch wenn ich das als Dom, wie ich meine, jederzeit ändern könnte.«

»Ich verstehe, Sir.«

Tatsächlich?, hätte ich beinahe gefragt.

»Dazu musst du wissen, dass ich nie auf Lippen küsse.«

Sie schaute verwirrt drein. »Wie in Pretty Woman? Ist das zu persönlich?«

Ja, genau. Es ist zu persönlich. Und ich musste das Persönliche so weit wie möglich aus dieser Geschichte heraushalten.

»Pretty Woman?«

»Kennen Sie den Film?«

»Nein, ich habe ihn nie gesehen. Ich küsse keine Lippen, denn es ist überflüssig.« Überflüssig für uns. Frag mich, warum.

Sie sah zwar bestürzt aus, aß aber noch einen Bissen Hühnchen, sodass ich fortfuhr: »Ich erkenne an, dass du ein Mensch mit eigenen Hoffnungen, Träumen, Begierden, Wünschen und Meinungen bist. An diesem Wochenende lässt du all das beiseite, um dich mir zu unterwerfen. Sich in diese Position zu begeben, verdient Respekt. Und ich respektiere dich. Bei allem, was ich dir antue oder für dich tue, habe ich dich im Kopf. Meine Regeln zum Schlafen, zum Essen und zum Training sind zu deinem Wohl. Meine Züchtigungen dienen deiner Besserung.« Ich fuhr mit dem Finger am Rand meines Weinglases entlang und lächelte innerlich über die Art, wie ihre Augen der Bewegung folgten. »Und jede Lust, die ich dir spende …« Ich werde dir Lust spenden, Abigail, das musst du wissen – sehr viel Lust. »Nun, ich nehme nicht an, dass du Skrupel hast, wenn es um Lust geht.«

Ja, sie verstand. Ihre Augen wurden dunkel und ihr Atem änderte sich. Ich hatte sie genau dort, wo ich sie haben wollte.

Ich schob meinen Stuhl zurück, bereit, mit dem Abend fortzufahren. »Bist du mit dem Abendessen fertig?«

»Ja, Sir.«

»Ich muss Apollo ausführen. Mein Schlafzimmer liegt oben, ­erste Tür links. Ich bin in fünfzehn Minuten dort. Du wartest dort auf mich. Seite fünf, erster Absatz.«

Ich ging mit Apollo nach draußen, um einen klaren Kopf zu bekommen, mich so weit wie möglich auf das vorzubereiten, was in meinem Schlafzimmer geschehen würde. Ich ging in Gedanken noch einmal meinen Plan durch. Abigail genoss es, Oralsex zu geben – ich wusste das aus ihrer Checkliste. Da dies normalerweise einer meiner ersten Akte mit einer Sub war, machte es nur Sinn, unser Wochenende auf diese Weise zu beginnen.

Eine Sub wurde an ihre Position und ihre Verantwortlichkeiten erinnert, wenn sie Oralsex gab. Auf den Knien zu meinen Füßen, benutzt zu meinem Vergnügen. Ich konnte eine Sub zwar auf jede mir beliebige Weise benutzen, doch dies war eine Verantwortung, die ich nicht leichtnahm.

Ich stellte mir das Schlafzimmer vor, so wie ich es zurückgelassen hatte – überall brannten Kerzen, das Kissen in der Mitte des Raums, das Negligé, das ich gekauft hatte. Würde ich sie im Negligé auf den Knien vorfinden? Das hoffte ich. Vielleicht würde sie in der Eingangshalle auf mich warten, um mir zu sagen, dass sie ihre Meinung geändert hatte. Davor hatte ich Angst.

»Komm, Apollo.«

Als wir ins Haus zurückkamen, ging ich zum Wäscheraum, zog meinen Pullover aus und legte ihn in den Wäschekorb, damit meine Haushälterin ihn in die Reinigung brachte. Abigail war nicht in der Eingangshalle, also stieg ich die Treppe hoch. Apollo folgte mir. Ich deutete auf den Fußboden vor meinem Schlafzimmer und er ließ sich mit einem Seufzer nieder und legte den Kopf auf die Pfoten.

Ich betrat das Schlafzimmer, wo sie auf mich wartete. Sie trug das Negligé und kniete auf dem Kissen.

Ja.

Ich schloss die Tür. »Sehr gut, Abigail. Du darfst aufstehen.«

Sie erhob sich langsam. Das Negligé reichte ihr gerade bis zu den Oberschenkeln, und die leichte Rötung ihrer Haut, die durch das durchsichtige Material zu erkennen war, verriet ihre Aufregung.

»Zieh das Nachthemd aus und leg es auf den Boden.«

Mit zitternden Fingern zog sie es sich über den Kopf. Sie war nervös, doch ihre Brustwarzen waren hart und ihr Mund leicht geöffnet.

»Schau mich an.« Als ihr Blick meinen traf – ja, sie war so erregt wie ich –, zog ich meinen Gürtel aus und trat näher auf sie zu. »Was meinst du, Abigail? Du hast mich unerlaubt Herr genannt. Soll ich dich deswegen züchtigen?«

Ich ließ den Gürtel schnalzen und er landete auf ihrem Oberschenkel. Ich war noch nicht ihr Herr, das musste sie begreifen.

Schon bald, vielleicht …

»Wie immer Sie wünschen, Sir«, flüsterte sie.

Gute Antwort.

»Wie immer ich wünsche?« Ich wünschte mir vieles, doch für den Moment …

Ich stand vor ihr und knöpfte meine Hose auf, schob sie zusammen mit meinen Boxershorts nach unten. Meine Erektion sprang hervor. »Auf die Knie.« Ich wartete, wusste, dass sie ihn betrachtete. Was gut war. Sie musste ihn sehen.

»Bediene mich mit dem Mund.«

Sie beugte sich vor und nahm meinen Schwanz zwischen ihre Lippen. Ihr Mund war warm und feucht und mein Schwanz wurde noch härter. Verdammt, sie fühlte sich gut an. Ich steckte tief in ihrer Kehle.

»Den ganzen.« Sie konnte es tun.

Sie würde es tun.

Sie zögerte jedoch, tastete mit den Händen nach meinem Schwanz, und ich mochte es nicht, wenn man zögerte.

»Wenn du ihn dir nicht ganz in den Mund stecken kannst, darfst du ihn sonst nirgendwo in dir spüren«, sagte ich, weil ich genau wuss­te, wo sie ihn haben wollte. Bei diesem Gedanken stieß ich zu und drang noch tiefer in ihre Kehle ein. »Ja, genau so.«

Ich schaute nach unten, und bei dem Anblick, der sich mir bot – Abigail auf den Knien mit meinem Schwanz in ihrem Mund –, wäre ich beinahe gekommen. Ich würde nicht lange durchhalten. »Ich mag es hart und grob. Nur weil du neu bist, brauchst du nicht auf Schonung zu hoffen.« Ich packte sie an den Haaren. »Halt dich fest.«

Sie schlang die Arme um meine Oberschenkel, und ich zog mich zurück, um sofort erneut in ihren Mund zu stoßen.

Ich bewegte ihren Kopf mit den Händen, fickte ihren Mund, hart und grob. Genau, wie ich es mochte.

»Benutze deine Zähne«, sagte ich, und sie hielt mich mit den Zähnen umfasst, während ich in sie hinein- und wieder hinausfuhr. Dann begann sie, an mir zu saugen und mein Glied mit der Zunge zu umkreisen.

»Ja«, stöhnte ich, schloss die Augen und stieß noch heftiger in sie hinein.

Ja.

Verdammt.

Meine Hoden zogen sich zusammen, und ich wusste, dass ich dem Höhepunkt nahe war. Ich wartete, wollte, dass das Gefühl anhielt – wollte ihren Mund spüren, das Versprechen meiner Erlösung, das Hochgefühl, dem Orgasmus so nahe zu sein und mich ihm doch noch nicht hinzugeben.

Sie saugte stärker, und ich wusste, dass ich mich nicht viel länger zusammenreißen konnte.

»Schluck alles.« Ich bereitete sie vor. »Schluck alles, was ich dir gebe.«

Ich ergoss mich in ihr und sie nahm alles. Schluckte es hinunter bis auf den letzten Tropfen.

Keuchend zog ich ihn heraus. Verdammt, sie war gut. »Das ist es, Abigail, was ich mir wünsche.« Ich zog mir die Hose wieder an und merkte, dass sie auf meinen nächsten Befehl wartete.

Ich wollte sie aufs Bett werfen und sie richtig ficken. Ich wollte ihre Hände über ihrem Kopf festhalten und immer und immer wieder in sie hineinstoßen, bis sie vor Lust aufschrie. Der Lust, die ich ihr spendete. Ich wollte …

Genug!

Sie hatte für einen Abend genug gehabt.

Sie brauchte Zeit, um sich daran zu gewöhnen. So sehr sie dies wollte, sie war ein Neuling in meiner Welt. Das durfte und würde ich nicht vergessen.

Ich wartete, bis mein Atem sich beruhigt hatte. »Dein Zimmer ist zwei Türen weiter links. Du schläfst nur dann in meinem Bett, wenn ich dich dazu einlade. Du kannst gehen.«

Sie zog das Negligé wieder an und hob ihre Kleider auf.

»Frühstück esse ich um Punkt 7.00 Uhr im Speisezimmer.«

Kapitel 4

Ich brauchte nie viel Schlaf. In den meisten Nächten kam ich mit vier oder fünf Stunden aus, was gut war, denn nachdem Abigail meinen Schwanz zwischen ihre Lippen genommen hatte, war an Schlaf vorerst gar nicht zu denken. Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar und versuchte, mich auf die Tabelle auf meinem Laptop zu konzentrieren, doch die Zahlen purzelten in meinem Kopf durcheinander. Frustriert fluchte ich vor mich hin.

Verdammt. Was hatte ich getan?

Ich hatte Abigail auf die Knie gezwungen und ihren Mund gefickt, ohne zu fragen, was sie dachte oder wie sie sich fühlte oder ob sie es überhaupt wollte.

Doch es war das, was sie wollte, redete ich mir ein. Sie hatte einen freien Willen. Sie hätte mir jederzeit sagen können, ich solle aufhören, und ich hätte es getan. Das wusste ich, aber Tatsache war, dass sie gar nicht gewollt hatte, dass ich aufhörte. Sie wollte, dass ich sie dominierte, denn sonst wäre sie nicht in meinem Haus und würde ganz gewiss nicht zwei Türen weiter schlafen.

Ich schloss den Laptop und ging auf den Flur hinaus.

Ihre Tür war geschlossen, das Licht gelöscht. Sie schlief.

Ein weiterer Beweis für das, was sie wollte.

Ich stellte es nicht noch einmal infrage, sondern ging ins Spielzimmer und bereitete alles für den nächsten Morgen vor.

Lange nach Mitternacht ging ich schließlich ins Bett und wachte viereinhalb Stunden später, um 5.30 Uhr, wieder auf. Ich machte ein paar Stretchingübungen, bevor ich durch den Korridor zu Abigails Zimmer ging.

Die Tür war geschlossen – sie schlief noch. Ich fragte mich, ob sie rechtzeitig aufwachen würde, um das Frühstück zuzubereiten, und erwog einen Moment lang, sie zu wecken. Dann beschloss ich jedoch, keinen Präzedenzfall zu schaffen, wandte mich um und ging die Treppe hinunter in meinen Fitnessraum.

Um 6.40 Uhr beendete ich mein Training und hörte Abigail in der Küche hantieren. Sie war vielleicht später aufgewacht, als sie es vorgehabt hatte, aber fest entschlossen, mein Frühstück rechtzeitig bereitzuhaben. Ich verließ den Fitnessraum und duschte kurz. Um Punkt 7.00 Uhr betrat ich das Speisezimmer, wo mein Frühstück auf mich wartete.

Ich beobachtete sie aus dem Augenwinkel, während ich aß. Sie war leger gekleidet und hatte die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Wahrscheinlich hatte sie nicht geduscht. Ihr Atem ging ein klein wenig schwer, doch sie versuchte, ihn zu kontrollieren, wollte sich nicht anmerken lassen, dass sie sich mit dem Frühstück abgehetzt hatte. Sie hatte sich heute Morgen wirklich abgerackert.

Was hieß, dass der Rest des Wochenendes sehr vielversprechend zu werden schien.

Ich aß in aller Ruhe. Es gab keinen Grund zur Eile, und ich wollte Abigail genügend Zeit geben, sich wieder zu sammeln. »Mach dir einen Teller fertig und iss in der Küche«, sagte ich, als ich fertig war. »Komm in einer Stunde in mein Schlafzimmer. Seite fünf, Absatz zwei.«

Während ich Apollo ausführte, rief ich Jackson an.

»Du willst doch nicht etwa absagen?«, fragte er.

»Nein, ich wollte fragen, ob du Lust hast, nach dem Spiel mit mir zu Mittag zu essen.«

»Mittagessen wäre super.« Er senkte die Stimme. »Ist das Date nicht gut gelaufen?«

Ich lachte. Er hatte ja keine Ahnung. »Das Date ist gut gelaufen. Mehr als gut, um ehrlich zu sein … wir haben Pläne für heute Abend gemacht.«

»Okay«, sagte er. »Der erste Punkt geht an dich.«

Wenn du auch nur die Hälfte wüsstest.

»Wie ist sie denn?«, fragte er. »Ist sie hübsch? Hat sie eine Schwester?«

Ich griff nach unten und tätschelte Apollo. »Ich werde dir beim Mittagessen alles über sie erzählen.«

So sehr ich auch versucht hatte, mir vorzustellen, wie es wohl sein würde, Abigail ausgestreckt auf meinem Bett liegen zu sehen – der Anblick war einfach überwältigend. Die Spätmorgensonne tauchte das Bett in strahlendes Licht – beschien ihren Körper, ließ ihn schimmern.

Sie hatte die Augen geschlossen, sodass ich sie einige Augenblicke lang unbemerkt betrachten konnte. Ich begann bei ihrem Mund. Sie hatte die Lippen leicht geöffnet – fast so, als würde sie mit sich selbst reden. Ich ließ den Blick an ihrem zarten Hals entlangwandern, beobachtete, wie sie schluckte, wie ihre Muskeln sich unter der Haut regten. Die Bewegung ihrer Hände erregte meine Aufmerksamkeit, doch ihre Finger strichen nur über die Bettdecke. Sie hatte die Augen noch immer geschlossen.

Ihre Brüste hatten die perfekte Größe, würden genau in meine Handflächen passen. Ich sah, wie sie tief Luft holte und ihre Brust sich hob. Ihre Brustwarzen schimmerten dunkelrosa, waren hart vor Erregung. Ich sehnte mich danach, eine davon in den Mund zu nehmen, sie zu schmecken …

Später.

Ich ballte die Hände zu Fäusten und ließ den Blick nach unten wandern, über die sanfte Wölbung ihres Bauches zu ihren gespreizten Schenkeln. Ich senkte den Blick und sah, dass sie bereits feucht war.

Feucht für mich.

Bereit für mich.

Bei diesem Gedanken wurde mein Schwanz ganz hart.

Später, West, sagte ich mir. Du musst lernen, dich zu kontrollieren.

Ich wusste, dass ich mir die Kleider vom Leib reißen und sie auf der Stelle nehmen würde, wenn ich mich nicht an meinen Plan hielt. Doch so lautete mein Plan nicht, und ich wich nie von meinen Plänen ab.

Fast nie.

Abigail in meinem Haus zu haben, lief so gut wie jeder Regel zuwider, die ich je aufgestellt hatte, und jedem meiner Pläne.

Es geht hier nicht um dich, sagte ich mir. Nicht vorrangig jedenfalls. Gib ihr einfach, was sie braucht.

Ich öffnete die Faust und ging zum Bett hinüber. »Lass die Augen zu.«

Sie zuckte zusammen. Ihre Aufmerksamkeit war so stark nach innen gerichtet gewesen, dass sie mich nicht hatte eintreten hören.

»Es gefällt mir, dich so ausgestreckt zu sehen. Nimm deine Hände und stelle dir vor, es seien meine. Streichle dich selbst.« Zeig mir, was du magst, was du willst.

Sie zögerte. Wieder.

»Jetzt, Abigail.« Ich musste geduldiger sein als sonst. Schließlich war dies alles neu für sie.

Sie legte die Hände an die Brüste. Ihre Berührungen waren zunächst sanft, wurden aber heftiger, als sie erst die Spitze einer ihrer Brustwarzen zwischen den Fingern hin und her rollte, dann die der anderen. Sie nahm eine und kniff sie, was ihr einen kleinen Seufzer der Lust entlockte.

Verdammt, ja. Sie mochte es grob.

Eine Hand wanderte über ihren Bauch, während die andere weiter ihre Brustwarzen bearbeitete. Ein Finger glitt zwischen ihre Beine.

Nur einer?

»Du enttäuschst mich, Abigail.« Ich rückte so nah zu ihr hin, dass ich ihren Atem auf meinem Gesicht spüren konnte. Ihre Augenlider zuckten. »Lass die Augen zu.«

Ich sah nach unten, beobachtete den schnellen Schlag ihres Herzens. Konnte ich es noch schneller schlagen lassen?

»Letzte Nacht hast du mich in deinen Mund aufgenommen, und jetzt nimmst du nur einen Finger, wenn du dir vorstellst, es sei mein Schwanz?«

Ja, ich konnte es. Ihr Herz schlug noch schneller.

Sie drang mit einem weiteren Finger in sich ein.

»Noch einen.«

Ihr Atem ging ruckweise, aber sie nahm einen dritten und begann, ihre Finger langsam zu bewegen.

Langsam war nicht genug.

»Härter. Ich würde dich härter nehmen.« Weil es die Wahrheit war. Schon bald würde ich ihr zeigen, wie hart.

Eine leichte Röte überzog ihre Brust. Ja, es gefiel ihr, wenn ich schmutzig redete. Sie mochte es schmutzig und grob. Wollte dominiert werden. Ich spürte, wie ich noch härter wurde, als ich mir vorstellte, den Platz ihrer Finger einzunehmen. Mir vorstellte, wie ich meinen Schwanz in sie hineinstieß und wieder hinauszog. Dass mein Schwanz der Grund für ihr Stöhnen war.

Sie war dem Höhepunkt nah. Ihr Atem ging schneller und die Röte auf ihrer Brust wurde stärker. Ihre Lippen öffneten und schlossen sich wieder.

Ich beugte mich näher zu ihr. »Jetzt!«

Sie ließ sich gehen, und verdammt, nichts auf dieser Welt war so schön wie Abigail, wenn sie zum Höhepunkt kam – die Konzentration in ihrem Gesicht, ihr angespannter Körper, als der erlösende Orgasmus sie überschwemmte, ihr sanftes Stöhnen …

Nächstes Mal, versprach ich meinem erigierten Schwanz. Wenn sie das nächste Mal einen Orgasmus hat, wirst du in ihr sein.

Sie öffnete die Augen und sah zu mir herüber. Ihr Blick wanderte hinab zu meiner Hose.

Siehst du?, wollte ich sagen. Siehst du, was du mit mir machst?

»Das war ein müheloser Orgasmus, Abigail«, sagte ich stattdessen, als unsere Blicke sich wieder trafen. »Erwarte nicht, dass dies oft geschieht.

Ich habe am Nachmittag eine Verabredung und bin zum Mittagessen nicht da. Im Kühlschrank liegen Steaks. Du servierst sie mir um 18.00 Uhr im Speisezimmer.« Ich betrachtete ihren noch immer erhitzten Körper, der jetzt leicht mit Schweiß bedeckt war. »Du brauchst eine Dusche. Heute Morgen hattest du ja keine Zeit. Und im Fitnessraum liegen DVDs mit Yogaübungen. Nutze sie. Du kannst gehen.«

Ich will ja nicht angeben, aber ich besiegte Jackson haushoch auf dem Racquetballcourt. Ich führte es auf die immense sexuelle Frus­tration zurück.

»Verdammt«, sagte Jackson, als wir uns im Separee seiner Lieblingssportbar niederließen. »Was ist denn in dich gefahren?«

»Abigail King.«

»Abigail«, sinnierte er, während er einen Blick in die Speisekarte warf.

»Für dich Abby. Ich darf sie Abigail nennen, aber alle anderen nennen sie Abby.«

Er zog eine Augenbraue hoch.

»Ein kleines Spiel zwischen ihr und mir«. Ich schaute in die Speisekarte, wollte das Thema wechseln. »Du nimmst das Übliche?«

»Ja. Warum das Bewährte ändern?«

Der Manager kam, um Small Talk mit Jackson zu führen. Manchmal war es lästig, mit einem Star verwandt zu sein. Ich holte mein Handy heraus, checkte meine Mails. Nichts Dringendes.

»Also«, sagte Jackson, als der Manager unsere Bestellungen aufgenommen hatte und wieder gegangen war, »erzähl mir von dieser Abby. Wo hast du sie kennengelernt?«

»Sie arbeitet in der Mid-Manhattan Library.«

»Eine Bibliothekarin? Ich wusste gar nicht, dass du für Bibliothekarinnen schwärmst.«

»Es gibt vieles, was du von mir nicht weißt.«

Er lachte, so als würde er mir nicht glauben. »Bringst du sie mit zu Mums Benefizgala?«

»Wenn sie möchte. Wen bringst du mit?«

»Ich wüsste nicht, wen ich fragen könnte. Falls du jemanden findest, lass es mich wissen.«

Als ob ich so viele Frauen kennen würde, die noch zu haben waren. Ich dachte an die Frau, mit der ich direkt nach Melanie zusammen gewesen war – eine Sub mit dem Bedürfnis nach Hardcore-Sex. Überflüssig zu sagen, dass die Beziehung nicht lange gehalten hatte.

»Klar, Jackson. Ich ruf dich an.«

Nach dem Mittagessen fuhr ich im Büro vorbei. Aus irgendeinem Grund wollte ich nicht im Haus sein. Ich wollte Abigail Zeit geben, sich an mein Zuhause zu gewöhnen, und dachte, dass ihr das leichter fallen würde, wenn ich nicht da wäre.

Als ich um 18.00 Uhr das Speisezimmer betrat, wartete Abigail dort auf mich. An meinem Platz stand ein Teller mit einem köstlichen Steak.

»Mach dir auch einen Teller zurecht und leiste mir Gesellschaft«, sagte ich und schnitt das Steak an. Es war die erste richtige Mahlzeit, die sie für mich zubereitet hatte, und sie enttäuschte mich nicht – das Steak war saftig und zart.

Sie setzte sich zu mir, doch wir aßen schweigend. Sie schien tief in Gedanken versunken zu sein, was mich ein bisschen beunruhigte. Ich fragte mich, was sie so nachdenklich machte. Vielleicht überlegte sie, ob sie gehen sollte. Vielleicht hatte sie genug. Vielleicht wollte sie es schließlich doch nicht.

Es gab nur eine Möglichkeit, es herauszufinden.

»Komm mit, Abigail«, sagte ich, nachdem wir unser Mahl beendet hatten.

Wir verließen das Speisezimmer und stiegen die Treppe hoch zum Spielzimmer. Ich öffnete die Tür, trat beiseite und bedeutete ihr, vor mir hineinzugehen.

Sie machte drei Schritte, wirbelte dann herum und starrte mich an – genau die Reaktion, die ich erwartet hatte.

»Vertraust du mir, Abigail?«

Ihr Blick wanderte von mir zu den Fesseln. »Ich … ich …«

Ich schritt an ihr vorbei und öffnete eine davon. »Wie hast du dir unsere Abmachung vorgestellt? Ich dachte, du wüsstest, worauf du dich einlässt.«

Ich erwartete natürlich keine Antwort. Ich wollte einfach nur klarstellen, dass wir kein Liebespaar waren.

»Wenn wir vorankommen wollen, musst du mir vertrauen.« Vertrau mir, Abigail. Bitte. »Komm zu mir.«

Sie zögerte wieder, und ich wusste, dass ich früher oder später etwas dagegen unternehmen musste.

»Du kannst auch gehen. Dann aber für immer.« Ich wollte ihr die Wahl geben.

Sie kam auf mich zu. Sie wollte nicht gehen.

»Sehr gut. Zieh dich aus.«

Sie zitterte am ganzen Körper, als sie ihre Bluse und ihren BH auszog. Ohne mich anzusehen, ließ sie ihre Jeans und ihren Slip nach unten gleiten und stieg aus ihnen heraus.

Ich nahm ihre Arme und fesselte sie über ihrem Kopf. Ich ging langsam vor, wollte jeden Moment genießen. Wollte, dass sie jeden Moment genoss. Ich stellte mich vor sie und zog mein Hemd aus. Sie beobachtete mich mit erregtem, wildem Blick.

Nein, ich wollte nicht, dass sie mich beobachtete. Noch nicht.

Ich ging zurück zu dem großen Tisch zu meiner Rechten und öffnete eine Schublade. Da war er – ein dichter schwarzer Schal. Der würde sie daran hindern, mich zu beobachten.

Ich hielt ihn ihr hin, damit sie ihn sehen konnte und wusste, was ich vorhatte. »Ich verbinde dir die Augen, um deine anderen Sinne zu schärfen.«

Ich band ihr den Schal um den Kopf, bedeckte ihre Augen. Ja, das war besser. Ich ließ den Blick über ihre verletzliche Gestalt wandern. Sie war mir jetzt völlig ausgeliefert. Gefesselt und in Erwartung dessen, was ich tun würde.

Oh, Abigail, die Dinge, die ich mit dir tun möchte! Die Dinge, die ich mit dir tun werde …

Ich ging zum Tisch zurück und holte meine Lieblingsgerte.

Mit leisen Schritten trat ich hinter Abigail und strich ihr das Haar aus dem Nacken. Sie zuckte bei meiner Berührung zusammen. Ich fragte mich, wann sie aufhören würde, bei jeder meiner Berührungen zusammenzuzucken.

»Was empfindest du, Abigail?«, fragte ich. »Sei ehrlich.«

»Angst. Ich spüre Angst.«

Natürlich empfand sie Angst. Welcher vernünftige Mensch würde das nicht?

»Verständlich, aber gänzlich überflüssig«, versuchte ich, sie zu beruhigen. »Ich würde dir nie etwas antun.«

Ich stellte mich jetzt vor sie. Sie atmete schwer, versuchte angestrengt zu hören, was ich tat. Aber sie vertraute mir noch nicht.

Ich strich mit der Gerte kreisförmig über ihre Brüste. Sie rang nach Luft.

»Was spürst du jetzt?«

»Vorfreude.«

Viel besser. Wieder zeichnete ich einen Kreis um ihre Brust. »Und wenn ich dir sagte, dass du eine Reitgerte spürst, was würdest du empfinden?«

Es ist eins meiner Lieblingsspielzeuge. Lass mich dir zeigen, was ich damit tun kann. Wie es dir Lust spenden kann. Lass mich dir die Vergnügen meiner Welt zeigen.

Sie holte tief Luft. »Angst.«

Ich ließ die Gerte durch die Luft sausen und genau auf ihrer Brust landen. Einige Dinge ließen sich besser ohne Worte erklären.

Sie keuchte, aber nicht vor Schmerz. Eher vor Überraschung.

»Siehst du? Du hast nichts zu befürchten. Ich werde dir nichts antun.« Ich schlug leicht auf ihre Knie. »Spreiz die Beine.«

Dieses Mal kein Zögern. Sie gehorchte sofort.

Ausgezeichnet. Ich betrachtete ihr Gesicht – Erregung, Erstaunen und Begierde.

Ich zog die Gerte von ihren Knien hoch zu ihrem feuchten Geschlecht. »Ich könnte dich dort peitschen. Was meinst du?«

Verwirrt zog sie die Stirn in Falten. »Ich … ich weiß nicht.«

Lass mich dir helfen, es herauszufinden.

Ich ließ die Gerte auf ihr geschwollenes, bereites Fleisch niedersausen.

Eins.

Sie holte wieder Luft.

Zwei.

Mit einem Stöhnen atmete sie aus.

Drei.

»Und jetzt?«, fragte ich, obwohl das wirklich überflüssig war – ihr Gesicht war ein offenes Buch. Aber sie sollte wissen, dass es mir wichtig war, wie sie sich fühlte, dass ich nie ihre Gedanken und Wünsche außer Acht lassen würde.

»Mehr. Ich brauche mehr.«

Ich ließ die Gerte wieder über ihre Haut kreisen und dann auf ihre Klitoris schnellen. Sie schrie auf und zerrte an den Ketten.

Ihre Reaktion überraschte mich. Ich hätte nie gedacht, dass sie so empfänglich wäre. So sehr genießen würde, was ich tat. Sich danach zu sehnen schien.

Ich wollte sie die ganze Nacht gefesselt lassen, sie wieder und wieder an den Rand der Lust bringen, bevor ich es ihr erlaubte, zum Höhepunkt zu kommen. Doch ich erinnerte mich daran, dass all dies neu für sie war, dass sie ihre Reaktion am Morgen vielleicht infrage stellen würde. Ich wusste, dass ich sie nicht zu stark drängen durfte.

»Du siehst so gut aus, wie du angekettet vor mir an meinen Fesseln ziehst und in meinem Haus nach meiner Peitsche schreist.« Ich ließ die Gerte wieder hoch zu ihrer Brust wandern. »Dein Körper bettelt um Erlösung, nicht wahr?«

»Ja«, stöhnte sie.

»Und du bekommst sie.« Ich konnte mir nicht helfen, musste die Gerte noch einmal auf ihre Klitoris schnellen lassen. »Aber nicht heute Nacht.«

Ich entfernte mich, legte die Gerte zurück auf den Tisch, nahm Salbe aus der Schublade und steckte sie in meine Tasche. Hinter mir hörte ich das Rasseln der Ketten.

Jemand war genauso sexuell frustriert wie ich.

»Ich nehme dir jetzt die Ketten ab.« Ich ging zu ihr zurück. »Du gehst schnurstracks zu Bett. Du schläfst nackt und berührst dich nirgendwo. Wenn du nicht gehorchst, wird das ernste Folgen haben.« Ich nahm ihr die Fesseln und den Schal ab. »Verstehst du?«

Sie schluckte. »Jawohl, Sir«, sagte sie, und ich sah, dass sie verstand.

»Gut.« Ich nahm die Tube mit Salbe aus meiner Tasche und öffnete sie. Sanft rieb ich ihr die Handgelenke ein. Ich glaubte nicht, dass sie zu stark an den Fesseln gezogen hatte, aber es war besser, Vorsicht walten zu lassen.

»Fertig«, sagte ich schließlich. »Du kannst jetzt auf dein Zimmer gehen.«

Ich sah ihr hinterher, als sie den Raum verließ, betrachtete ihre schlanke, nackte Gestalt und wusste, dass es um mich geschehen war. Ich würde alles dafür tun, dass sie bei mir blieb.

Kapitel 5

Ich hatte etwas Schlimmes vor.

Doch obwohl ich mich dafür hasste – ich wusste, dass ich es tun würde. Ich würde Abigail ein fingiertes Sicherheitswort geben.

Ich stieg aus dem Bett und ging in meinem Zimmer auf und ab. Es war nicht richtig. Ganz und gar nicht richtig. Bei meinen vorherigen Subs hatte ich das übliche Sicherheitswort-System grün/gelb/rot verwendet. Das Sicherheitswort zum Beenden der Beziehung, das ich Abigail geben wollte, war trügerisch. Und es war falsch. So falsch, dass ich von der Gemeinde gesteinigt würde, wenn jemand davon erfuhr.

Aber wie sollte jemand davon erfahren? Abigail würde es niemandem erzählen.

Und ich würde es todsicher niemandem sagen.

Noch nie hatte eine meiner Subs ihr Sicherheitswort verwendet. Ich sagte mir, dass ich Abigails Zeichen gut lesen könne, sie also nie zu sehr bedrängen würde. Ich würde oft nachfragen. Wenn man die Sache so betrachtete, wer brauchte dann überhaupt ein Sicherheitswort?

Sicher, vernünftig und einvernehmlich, so lautet das Prinzip.

Doch all das war ohne ein Sicherheitswort möglich. Ich wusste, dass es möglich war. Und Abigail würde es sich zweimal überlegen, das Sicherheitswort zu benutzen, wenn sie glaubte, dann gehen zu müssen. Es war die perfekte Art sicherzustellen, dass sie bei mir blieb.

Ja, beschloss ich, wir würden ohne Sicherheitsworte zurechtkommen. Sehr gut sogar.

Ich ging hinüber zu meinem Nachttisch und öffnete die oberste Schublade.

Da lag die Lederschatulle, ich nahm den Deckel ab. Morgen würde ich Abigail mein Halsband anbieten.

Damit würde ich eine weitere Regel brechen – ich gab einer Sub nie ein Halsband, bevor ich sie nicht genommen hatte. Nie. Was genau wollte ich damit bezwecken, dass ich Abigail mein Halsband gab, ohne sie zuerst gehabt zu haben?

Ich konnte diese Frage nicht beantworten. Ich wusste nur, dass ich es tun würde.

Ich hielt den Choker in der Hand und versuchte mir vorzustellen, wie er an ihr aussehen würde. Wie ihr langer, zarter Hals mit meinem Halsband darum aussehen würde. Sie würde es die ganze Woche tragen, und obwohl die ganze Welt es nur als hübsche Halskette betrachten würde, würden sie und ich die Wahrheit kennen – sie gehörte mir. Ich konnte mit ihr tun, was ich wollte. Ich konnte ihr Lust bereiten, wie ich es mir wünschte. Sie würde mir Lust bereiten, wie ich es mir wünschte.

Ich legte das Halsband wieder in die Schatulle und schloss die Schublade. Einer Sub ein Halsband zu geben …

Es war über ein Jahr her, seit ich es das letzte Mal getan hatte. Meine Beziehung mit Beth hatte unmittelbar vor meinem Entschluss geendet, mit Melanie zusammen zu sein. Beth hatte mehr gewollt, und ich hatte es ihr nicht gegeben. Schließlich waren wir übereingekommen, uns zu trennen. Kurz danach hatte Melanie angerufen, und ich dachte, was soll’s? Probier es einfach mal mit einer normalen Beziehung.

Als ob man in Bezug auf Melanie je etwas als normal bezeichnen könnte. Doch aufgrund einer merkwürdigen Fügung des Schicksals wollte sie auf einmal beherrscht werden. Oder zumindest glaubte sie, es zu wollen.

»Fessle mich, Nathaniel.«

»Schlag mich, Nathaniel.«

Unsere Beziehung war seit diesem ersten Telefonat dem Untergang geweiht. Melanie war so wenig devot wie ich.

Einer Sub ein Halsband zu geben, war mir wichtig. Ich war immer monogam, wenn ich es getan hatte. Monogam, solange die Beziehung anhielt. Ich teilte die Subs, die mein Halsband trugen, nie mit einem anderen Dom, und meine Subs brauchten sich nie Sorgen zu machen, dass ich mit einer anderen spielte.

Ich seufzte, setzte mich aufs Bett, griff nach der in Leder gebundenen Ausgabe von Die Herrin von Wildfell Hall von Anne Brontë und blätterte sie durch. Mein Blick fiel auf folgende Passage:

Meine Malutensilien lagen auf dem Ecktisch – bereit für die Nutzung am nächsten Tag und nur mit einem Tuch bedeckt. Schnell hatte er sie ausfindig gemacht, stellte die Kerze ab und begann, alles gewissenhaft ins Feuer zu werfen: die Palette, Farben, Behältnisse, Stifte, Pinsel, Firnis und Terpentin. Ich sah alles in Flammen aufgehen. Die Spachtel zerbrochen, das Öl und das Terpentin zischend im Kamin verbrennen. Anschließend zog er die Klingel.

Wie Helen sich wohl gefühlt haben musste, als Arthur ihre Malutensilien verbrannte? So wie ich, wenn Abigail mich verlassen würde.

Terpentin.

Ein Terpentin-Inferno.

Ich sah, wie alles davon verzehrt wurde.

So absurd es auch sein mochte, es war das perfekte Sicherheitswort.

Am nächsten Morgen war ich um 5.30 Uhr hellwach, duschte schnell und ging dann in die Küche, um das Frühstück zuzubereiten. Abigail musste eine wichtige Entscheidung treffen, und ich wollte alles dafür tun, sie ihr zu erleichtern.

Um 6.30 Uhr hörte ich sie oben herumlaufen. Zweifellos fragte sie sich, was ich vorhatte.

Oh, Abigail, wenn du nur wüsstest, was ich geplant habe …

Ich hätte ihr wahrscheinlich am Abend zuvor sagen sollen, dass ich mich um das Frühstück kümmern würde, doch ich hatte andere Dinge im Kopf gehabt.

Ich deckte den Küchentisch für uns beide, denn ich wollte, dass Abigail sich frei äußerte. Ich war mir sicher, dass sie Fragen hatte. Fragen in Bezug auf das Küssen, warum ich keinen Sex mit ihr gehabt hatte, was ich dachte und erwartete.

Als sie um 7.00 Uhr in die Küche kam, saß ich am Tisch.

Heute ist der Tag, Abigail. Heute wirst du mein.

»Guten Morgen, Abigail.« Ich deutete auf den Stuhl mir gegenüber. »Hast du gut geschlafen?«

Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen. Sie hatte überhaupt nicht gut geschlafen, aber sie sah mir direkt in die Augen – sie hatte meinem letzten Befehl gehorcht.

»Nein. Nicht wirklich.«

»Nur zu, iss.«

Sie betrachtete das opulente Frühstück, das ich aufgefahren hatte, und sah mich dann mit einer hochgezogenen Augenbraue an. »Schläfst du überhaupt?«

»Ab und zu.«

Ich beobachtete sie beim Essen, genoss die Art, wie sie kaute, und ihr Entzücken, als sie in einen Muffin biss.

Sprich mit mir, wollte ich sagen. Stell mir Fragen.

Doch wenn ich sie bat, mit mir zu reden, würde sie mich dann für aufdringlich halten? Würde sie nur reden, weil ich der Dom war und sie dazu aufforderte?

Wer wusste das schon? Ich musste es mit einer anderen Taktik versuchen.

»Ich hatte ein nettes Wochenende, Abigail. Ich würde unsere Beziehung gerne fortsetzen.«

Sie verschluckte sich. »Tatsächlich?«

Warum überraschten meine Worte sie? Wieso wusste sie nicht, wie sehr sie mich zufriedenstellte?

»Ich bin sehr zufrieden mit dir. Du hast eine sehr interessante Art und die Bereitschaft zu lernen.«

»Danke, Sir.«

Ich dachte an gestern. Daran, wie sie ausgebreitet auf meinem Bett gelegen hatte. Nackt, errötet, keuchend.

Sobald sie mein Halsband trug …

Hör auf!

Du musst sie zuerst fragen.

»Du musst heute eine wichtige Entscheidung treffen, Abigail. Die Einzelheiten besprechen wir nach dem Frühstück, wenn du geduscht hast. Ich bin mir sicher, dass du einige Fragen hast.«

»Darf ich Sie etwas fragen, Sir?«

Hatte ich ihr nicht gerade gesagt, sie solle mir Fragen stellen?

»Natürlich«, versicherte ich ihr. »Es ist dein Tisch.«

»Woher wussten Sie, dass ich gestern und heute Morgen nicht geduscht habe? Wohnen Sie unter der Woche hier oder haben Sie noch einen Wohnsitz in der Stadt? Wie …«

»Eins nach dem anderen, Abigail.« Ich hätte beinahe gelacht. Sie konnte reden. »Ich bin ein außerordentlich guter Beobachter. Deine Haare sahen gestern eher ungewaschen aus. Dass du heute keine Dusche genommen hast, vermutete ich deshalb, weil du hereingeeilt bist, als wäre der Teufel hinter dir her. Und ich wohne an den Wochenenden hier, habe aber auch eine Wohnung in der Stadt.«

»Sie haben nicht gefragt, ob ich letzte Nacht Ihre Anweisungen befolgt habe.«

Richtig. Das hätte ich wohl tun sollen, obwohl ich wusste, dass sie es getan hatte.

»Hast du?«

»Ja.«

Ich trank einen Schluck Kaffee. »Ich glaube dir.«

»Warum?«

»Weil du nicht lügen kannst: Dein Gesicht ist ein offenes Buch.« Das wusste sie sicher. »Lass dich nie auf ein Pokerspiel ein. Du wirst verlieren.«

»Darf ich noch eine Frage stellen?«

So viele du möchtest. »Ich sitze ja noch am Tisch.«

»Erzählen Sie mir von Ihrer Familie.«

Wirklich?, wollte ich fragen. Du hättest so viele Fragen stellen können und fragst mich nach meiner Familie? Aber weil sie das wollte, erzählte ich etwas von meinen Eltern, ihrem Tod und meiner Tante Linda. Abigail erwähnte, ihre Freundin habe Interesse an Jackson gezeigt, etwas, worauf ich nicht gefasst war. Ich hatte angenommen, sie habe die Papiere gründlich gelesen und begriffen, dass sie mit niemandem über unser Arrangement sprechen durfte, nicht einmal mit ihrer Familie oder ihren engsten Freunden.