Driven. Verführt - Bromberg K. - ebook

Driven. Verführt ebook

Bromberg K.

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Opis

Rennautos und Geschwindigkeit sind seine Leidenschaft … und auch in Sachen Frauen gibt Colton Vollgas

Als Rylee bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung Leute um Spenden für einen guten Zweck bittet, platzt auf einmal der blendend aussehende, aber seltsam gefühlskalte Colton Donovan in ihr Leben. Er ist ein waschechter Playboy, draufgängerischer Rennfahrer und hat Familie in Hollywood – kein Wunder, dass die Frauen ihm reihenweise zu Füßen liegen. Doch Colton hat ab diesem Tag nur noch Augen für Rylee. Er will sie erobern, und bald beginnt er ein gefährliches Spiel der Verführung mit ihr.

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EPUB
MOBI

Liczba stron: 568




K. BROMBERG

Driven

VERFÜHRT

Roman

Aus dem Amerikanischen von Kerstin Winter

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel Drivenbei JKB Publishing.

Taschenbucherstausgabe 02/2015

Copyright © 2013 K. Bromberg

Copyright © 2015 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Redaktion: Anita Hirtreiter

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München,

unter Verwendung von shutterstock/Valua Vitaly

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-14904-8

www.heyne.de

Für B, B&C –

Möget ihr immer euren Träumen folgen.

Der Weg wird nicht leicht, und vielleicht seid ihr jahrelang unterwegs.

Ihr werdet euch Hindernissen stellen und Kritik ignorieren müssen.

Ihr werdet Phasen des Zweifels und Momente der Unsicherheit erleben.

Aber eines Tages seid ihr angekommen.

Und wie alt ihr auch inzwischen seid oder wohin das Schicksal euch verschlagen haben mag –

wenn ihr eure Träume endlich packen könnt,

haltet sie fest, genießt, dass ihr es geschafft habt, und lasst nie wieder los.

Nie wieder.

Ich seufze, als die Tür zufällt. Die Stille ist wohltuend, und ich bin froh, dass ich – wenigstens vorübergehend – dem belanglosen Geplauder auf der anderen Seite der Tür entkommen konnte. Im Grunde genommen sind die Leute da draußen alle meine Gäste, aber deshalb muss ich sie ja noch lange nicht mögen. Zum Glück hat Dane offenbar gespürt, dass ich dringend eine Atempause brauche, und mich gebeten, für ihn etwas zu holen.

Nur das Klicken meiner High Heels untermalt meine notorisch versprengten Gedanken, während ich durch die menschenleeren Flure hinter der Bühne des Theaters gehe, das ich für den heutigen Anlass gemietet habe. Rasch erreiche ich die ehemalige Künstlergarderobe und sammele die Papiere ein, die Dane in der Hektik vor der Party vergessen hat. Während ich mich auf den Rückweg mache, gehe ich im Geiste meine Checkliste für die bevorstehende Date-Versteigerung durch. Sie ist der Höhepunkt des Abends und wird bereits mit Spannung erwartet, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass ich etwas vergessen habe. Automatisch fasse ich mir an die Hüfte, wo sich normalerweise mein Handy mit allen wichtigen Notizen befindet, greife aber nur in den kupferfarbenen Organza meines Cocktailkleids.

»Mist«, murmle ich und bleibe stehen, um mich besser konzentrieren zu können. Was kann ich übersehen haben? Ich lasse mich gegen die Wand sinken und will tief Luft holen, um einen frustrierten Seufzer auszustoßen, als ich feststellen muss, dass die enge, gerüschte Korsage es mir unmöglich macht. So großartig das verdammte Kleid auch aussieht, eine Warnung wäre dringend nötig gewesen: Atmen nur nach vorheriger Absprache.

Denk nach, Rylee, denk nach! Ich stütze mich mit den Schultern an der Wand ab und wippe unelegant vor und zurück, um meine schmerzenden Zehen zu entlasten, die sich in die spitzen, zehn Zentimeter hohen Schuhe quetschen.

Bieterkarten! Ich brauche Bieterkarten! Zufrieden, dass es mir wieder eingefallen ist, grinse ich breit. Na, geht doch. Und das, obwohl ich als alleinige Koordinatorin des heutigen Ereignisses wahrlich genug zu tun hatte. Erleichtert drücke ich mich von der Wand ab und komme etwa zehn Schritte weit.

Dann höre ich sie.

Ein aufgedrehtes, weibliches Kichern gefolgt von einem tiefen männlichen Stöhnen dringt durch den Flur. Schockiert über die Kühnheit unserer Partygäste, bleibe ich wie angewurzelt stehen. Ich höre das unverkennbare Geräusch eines Reißverschlusses, dann ein atemloses, weibliches »Oh ja!«, und wenn mich nicht alles täuscht, dann kenne ich diese Stimme. Die Laute kommen aus dem verdunkelten Alkoven nur ein paar Schritte vor mir. Und als sich meine Augen an das diffuse Licht gewöhnen, sehe ich ein Dinnerjacket, das achtlos über einen umgekippten Stuhl geworfen wurde, und ein Paar Riemchensandalen darunter.

Unglaublich. So was würde ich nicht einmal für viel Geld in der Öffentlichkeit tun.Der männliche Part zieht scharf die Luft ein und stößt sie mit einem »Herr im Himmel« wieder aus.

Unentschlossen kneife ich die Augen zu. Ich brauche die verdammten Bieterkarten wirklich dringend. Sie befinden sich in der Abstellkammer am Ende des Korridors, der von diesem hier abgeht, aber leider muss ich dazu direkt an dem Alkoven der beiden Turteltäubchen vorbei. Also schicke ein stummes, wenn auch aberwitziges Gebet zum Himmel, es möge mir unbemerkt gelingen, und setze mich wieder in Bewegung.

Ich halte mein vor Verlegenheit gerötetes Gesicht abgewandt und schleiche auf Zehenspitzen, damit meine Absätze nicht auf dem Holzboden klackern. Ich habe nicht die geringste Lust, hier und jetzt jemanden, den ich kenne, in einer solchen Situation zu ertappen. Und dann bin ich auch schon vorbei und atme erleichtert aus. Geschafft.

Ich versuche noch immer, die Frauenstimme einzuordnen, als ich das Kämmerchen erreiche. Ungeschickt drehe ich den Türknauf und muss ein paarmal kräftig rucken, bis ich die schwere Tür endlich aufreißen und innen das Licht einschalten kann. Die Tasche mit den Bieterkarten steht ganz hinten im Regal, und ich betrete die Abstellkammer. Als ich die Tasche aus dem Fach nehme, fällt die Tür hinter mir mit solch einer Wucht zu, dass die billige Regalkonstruktion klappert. Erschrocken fahre ich herum, um die Tür aufzudrücken, aber es geht nicht. Ein Blick verrät mir, dass sich die Stange an dem selbstschließenden Scharnier gelöst hat.

Sofort lasse ich die Tasche fallen. Der Lärm der Bieterkarten, die auf den Betonboden plumpsen und klappernd aus der Tasche fallen, ist laut wie ein Gewehrschuss. Ich greife nach dem Türknauf. Er lässt sich drehen, doch die Tür regt sich nicht. Unbewusst gerate ich in Panik, aber ich unterdrücke sie und stemme mich mit aller Kraft gegen die Tür. Sie regt sich keinen Millimeter.

»Scheiße!«, fluche ich. »Scheiße, Scheiße, Scheiße.« Ich hole tief Luft und schüttle frustriert den Kopf. Ich habe noch so viel zu tun, bevor die Auktion beginnt. Und ausgerechnet jetzt habe ich kein Handy dabei, um Dane herzuholen, damit er mich befreit.

Und als ich die Augen schließe, macht mein Erzfeind plötzlich seinen Zug. Die langen, gierigen Finger der Klaustrophobie tasten sich aus meinem Inneren hervor, arbeiten sich langsam, aber stetig in meinem Körper aufwärts und packen meine Kehle.

Drücken zu. Schnüren mir die Luft ab.

Die Wände der Kammer scheinen zusammenzurücken. Sie kommen näher. Sie wollen mich erdrücken. Sie nehmen mir die Luft. Ich kann nicht mehr atmen!

Mein Herz schlägt heftig und unregelmäßig, während ich die aufsteigende Panik mit aller Macht zurückzudrängen versuche. Meine Atmung – flach und viel zu schnell – hallt in meinen Ohren wider und torpediert meinen Willen, die quälenden Erinnerungen zu unterdrücken.

Ich hämmere gegen die Tür, als die Angst mir auch den letzten Rest Kontrolle raubt. Schweiß rinnt mir das Rückgrat herab. Die Wände kommen immer näher. Mein Fluchtinstinkt verdrängt alles andere. Meine Fäuste trommeln gegen die Tür, und ich schreie aus vollem Hals in der Hoffnung, dass mich vielleicht jemand hört.

Nichts. Ich lege den Kopf zurück an die Wand und ringe um Luft, aber es reicht nicht, und mir wird schwummrig. Als Übelkeit in mir aufsteigt, rutsche ich an der Wand herab und stoße versehentlich an den Lichtschalter. Tiefschwarze Finsternis umgibt mich. Ich schreie auf und taste hektisch nach dem Schalter, finde ihn und schalte das Licht mit bebenden Fingern wieder an. Erleichtert sinke ich in mich zusammen; ich habe das Monster in sein Versteck zurückgetrieben.

Doch als ich auf meine Hände herabschaue, sehe ich Blut. Ich blinzele, um mich aus dem Tagtraum zu befreien, doch es ist zu spät. Ich bin an einem anderen Ort. In einer anderen Zeit.

Um mich herum der beißende Gestank der Zerstörung. Der Verzweiflung. Des Todes.

In meinen Ohren sein schwacher, angestrengter Atem. Er ringt um Luft. Stirbt.

Und dann kommt der Schmerz, intensiv und gleißend, ein Schmerz, der sich so tief in die Seele frisst, dass man fürchtet, ihm nie mehr entkommen zu können. Nicht einmal durch den Tod. Meine Schreie reißen mich aus der Erinnerung, und ich bin einen Moment lang so desorientiert, dass ich nicht weiß, ob sie aus der Vergangenheit dringen oder ich wirklich geschrien habe.

Reiß dich zusammen, Rylee! Ich wische mir die Tränen mit den Handrücken von den Wangen und bringe mich dazu, mich an all das zu erinnern, was ich im vergangenen Jahr in der Therapie gelernt habe, um meine Klaustrophobie in Schach zu halten. Ich konzentriere mich auf eine Kerbe in der Wand gegenüber, versuche, bewusst ruhig zu atmen, und beginne zu zählen. Ich visualisiere, wie ich die Wände nach außen drücke, wie ich die unerträglichen Erinnerungen von mir schiebe.

Ich zähle bis zehn, kann wieder leichter atmen, doch die Verzweiflung bleibt. Mir ist klar, dass Dane in Kürze nach mir suchen wird, und er weiß, wohin ich wollte, aber die Angst sitzt tief und lässt sich nicht dämpfen.

Und schließlich kann ich mich nicht mehr beherrschen: Mit beiden Handballen hämmere ich erneut gegen die Tür, brülle, rufe um Hilfe, fluche und bettle und flehe, man möge mich hören, mich finden, mich befreien. Mich retten! Wie damals.

In meiner Verfassung fühlen sich Sekunden wie Minuten und Minuten wie Stunden an. Mir ist, als sei ich schon eine Ewigkeit in dieser schrumpfenden Kammer eingesperrt. Ich kann nicht mehr. Besiegt, schreie ich noch ein letztes Mal so laut ich kann, stütze meine Unterarme gegen die Tür, lege meine Stirn darauf und lasse den Tränen freien Lauf. Heftige Schluchzer schütteln mich.

Und plötzlich stürze ich.

Ich falle nach vorne und pralle gegen den harten Körper eines Mannes. Instinktiv schlinge ich die Arme um seinen Oberkörper, während mir die Beine den Dienst verweigern. Reaktionsschnell reißt der Mann seine Arme hoch, packt mich und fängt meinen Sturz mit seinem Gewicht ab.

Ich schaue auf, registriere einen dunklen, zerzausten Haarschopf, gebräunte Haut, einen leichten Bartschatten und … begegne seinem Blick. Eine knisternde, fast spürbare Energie durchfährt mich wie ein elektrischer Schlag, als ich in die grünen Augen sehe. Flüchtig flackert Überraschung darin auf, doch die Intensität, mit der der Mann mich mustert, macht mich nervös, auch wenn mein Körper prompt auf ihn reagiert. Nur ein kurzer Blickkontakt, und lang vergessen geglaubte Bedürfnisse fluten meine Sinne.

Wie ist es möglich, dass dieser Mann, den ich noch nie gesehen habe, die Panik und die Verzweiflung vertreibt, die mich gerade noch vollkommen beherrscht haben?

Ich mache den Fehler, die Augen niederzuschlagen, und mein Blick fällt auf seinen Mund. Die vollen, schön geschwungenen Lippen sind geschürzt, während er mich eingehend mustert, aber dann verziehen sie sich ganz langsam zu einem schiefen, spitzbübischen Grinsen.

Gott, wie sehr ich diese Lippen spüren möchte – am liebsten überall auf einmal. Was zum Henker denke ich denn da? Dieser Bursche spielt in einer vollkommen anderen Liga. Und die ist Lichtjahre von meiner entfernt.

Ich blicke hastig wieder auf und glaube ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen zu entdecken, als wüsste er genau, was ich denke, und prompt werde ich rot. Ich senke den Blick wieder, um seinen abschätzenden Augen zu entgehen, und versuche, meine Fassung zurückzuerlangen. Doch als ich seine Oberarme fester packe und meine Füße unter mich bringen will, plumpse ich dank meiner Unerfahrenheit mit hohen Absätzen erst recht gegen ihn. Entsetzt springe ich zurück, als meine Brüste über seinen harten Oberkörper streichen und meine Nervenenden in Flammen setzen.

»Ich … ähm … ich muss mich entschuldigen.« Verunsichert verschränke ich die Hände. Nun, da ich ihn in voller Größe betrachten kann, wirft mich der Mann sogar noch mehr aus der Bahn: er ist himmlisch unvollkommen und höllisch sexy, hat einen Hauch von spöttischer Arroganz an sich und eine Aura, die ganz klar Ärger verheißt.

Er zieht die Brauen hoch, als ich ihn eine Sekunde zu lange inspiziere. »Kein Grund, sich zu entschuldigen«, antwortet er. Seine leicht kratzige Stimme hat eine Spur von Schärfe und klingt nach Rebellion und Sex. »Ich bin daran gewöhnt, dass Frauen vor mir zu Boden sinken.«

Mein Kopf fährt hoch. Ich kann nur hoffen, dass das ein Witz sein sollte, doch seine Miene verrät nichts. Wortlos beobachtet er mich, während das anmaßende Lächeln noch eine Spur breiter wird und ein einzelnes Grübchen in seiner Wange erscheint.

Ich weiche einen Schritt zurück, bin ihm aber immer noch zu nah, als dass mein Verstand wieder einsetzen kann. Sein warmer Atem streicht über meine Wange, und ich kann den sauberen Duft von Seife und einem Hauch Aftershave wahrnehmen.

»Danke. Vielen Dank«, bringe ich atemlos hervor. Ein Muskel in seinem Kiefer pulsiert, als er mich wortlos mustert. Wieso macht dieser Mann mich nur so nervös? Wieso habe ich das Bedürfnis, mich zu rechtfertigen? »Die … die Tür ist zugefallen und war blockiert. Und dann bin ich in Panik geraten und –«

»Geht’s Ihnen gut, Miss …?«

Bevor ich antworten kann, legt er seine Hand in meinen Nacken und zieht mich wieder zu sich. Ohne mich loszulassen, streicht er mit der anderen Hand über meinen Arm, womit er sich vermutlich vergewissern will, dass ich keinen körperlichen Schaden davongetragen habe. Seine Fingerspitzen hinterlassen eine Spur aus Funken auf meiner nackten Haut, und mir wird plötzlich bewusst, dass sein sinnlicher Mund nur einen Hauch von meinem entfernt ist. Meine Lippen öffnen sich, und mir stockt der Atem, als seine Hand meinen Hals aufwärtswandert und mit den Knöcheln über meine Wange streicht.

Verwirrung mischt sich in das Verlangen, das in einem heftigen Schub durch meinen Körper strömt, doch mir bleibt keine Zeit, Gefühle zu analysieren. »Ach, verdammt«, murmelt er, dann liegt sein Mund auch schon auf meinem. Ich schnappe nach Luft, und seine Zunge nutzt die Chance und stiehlt sich in den Spalt meiner geöffneten Lippen.

In meinem Kopf schrillt ein Alarm los. Ich kenne den Mann doch gar nicht. Mit beiden Händen drücke ich gegen seine Brust, um mich dem dreisten Kuss zu widersetzen. Mich meinem Körper zu widersetzen, der sich an ihn schmiegen, alle Hemmungen fahren lassen und diesen Augenblick mit ihm einfach nur genießen will.

Doch mein gesunder Menschenverstand gewinnt den inneren Kampf zwischen Lust und Anstand, und ich schaffe es, ein Stück von ihm abzurücken. Sein Mund löst sich von meinem, und unser keuchender Atem streicht über das Gesicht des anderen. Sein Blick, wild vor Lust, hält meinen fest. Es fällt mir schwer, die Saat des Verlangens, die in mir keimt, zu ignorieren, und das Protestgeschrei meiner Vernunft erstirbt auf meinen Lippen, als ich mich der Erkenntnis ergebe, dass ich diesen Mann küssen will. Ich willfühlen, was mir so sehr fehlt – was ich mir bisher absichtlich versagt habe. Ich will etwas Gewagtes tun und »den einen Kuss« erfahren – den Kuss, von dem Bücher handeln, der Liebe begründet, der keine Tugend kennt.

»Entscheide dich, Süße«, verlangt er. »Ich kann mich nicht ewig zurückhalten.«

Seine Warnung und die damit einhergehende Andeutung, dass ein Mann wie er durch jemanden wie mich – eine Durchschnittsfrau! – die Beherrschung verlieren könnte, verwirrt mich so stark, dass mir kein Wort über die Lippen kommt. Ein laszives Lächeln zupft an seinen Mundwinkeln, bevor er mein Schweigen ausnutzt und den Druck seiner Hand in meinem Nacken verstärkt. Und von einem Moment auf den anderen presst sich sein Mund erneut auf meinen. Drängend. Verlangend. Fordernd.

Widerstand ist zwecklos, und so ergebe ich mich nach nur wenigen Sekunden. Instinktiv streiche ich ihm über die unrasierten Wangen und vergrabe meine Finger in den Haaren, die sich über dem Kragen locken. Sein tiefes Stöhnen macht mich wagemutiger, und ich öffne meine Lippen, um mir mehr von ihm zu holen. Meine Zunge umschlingt seine und tanzt mit ihr träge ein lustvolles Ballett, das durch keuchendes Stöhnen und atemloses Wimmern untermalt wird.

Er schmeckt nach Whisky. Er ist unverschämt selbstsicher. Er hat eine ungebremste Wirkung auf mein Lustzentrum – eine betörende Kombination, die mir verrät, dass er ein Bad Boy ist, von dem brave Mädchen die Finger lassen sollten. Seine Intensität und sein Verführungsgeschick sind ein Versprechen auf mehr, und plötzlich gehen mir Bilder von sich aufbäumenden Leibern, schwitziger Haut und Fingern, die sich in Laken krallen, durch den Kopf.

Doch obwohl ich mich ihm ergebe, weiß ich, dass das hier nicht richtig ist. Die Stimme meines Gewissens wird lauter und befiehlt mir aufzuhören. So was tut man nicht. Und ich schon gar nicht. Und jede Liebkosung, die ich genieße, ist ein Verrat an Max.

Aber, Gott, es fühlt sich so unglaublich gut an. Und so verscharre ich meine Vernunft unter der wachsenden Lust, die sich überall in meinem Körper ausbreitet.

Er streichelt meinen Nacken, während eine Hand zu meiner Hüfte wandert und sich auf meinen unteren Rücken legt. Besitzergreifend drückt er mich an sich. Seine Erektion an meinem Bauch wächst und schickt mir einen Stromschlag zwischen die Beine, wo ich vor Verlangen immer feuchter werde. Sein Bein schiebt sich zwischen meine, presst sich an mein Geschlecht und erzeugt ein intensives Ziehen. Ich halte dagegen, erhöhe den Druck und wimmere leise. Mehr.

Ich ertrinke in Empfindungen und bin doch nicht bereit, aufzutauchen und die so dringend benötigte Luft zu schnappen. Er knabbert an meiner Unterlippe und beginnt, mein Hinterteil zu kneten. Ich klammere mich an ihn und bohre meine Nägel in seinen Nacken.

»Herrgott, ich will dich jetzt sofort«, keucht er mit rauchiger Stimme zwischen zwei Küssen und steigert den sehnsüchtigen Schmerz zwischen meinen Beinen. Er nimmt die Hand aus meinem Nacken und legt sie mir auf eine Brust, und ich stöhne, als seine Finger die Spitze durch den weichen Stoff des Kleides reiben.

Mein Körper ist mehr als bereit, sich auf sein Angebot einzulassen, denn ich will diesen Mann auch. Ich will sein Gewicht auf mir spüren, seine Haut, die sich an meiner reibt, seine Erektion, die sich rhythmisch in mir bewegt.

Aneinandergeklammert, prallen wir gegen den kleinen Alkoven im Flur. Er drückt mich gegen die Wand, während wir uns gegenseitig hektisch betasten, befingern, begrapschen. Seine Hand greift nach dem Saum meines Cocktailkleids, schiebt sich darunter und wandert aufwärts bis zum Bund meiner halterlosen Strümpfe.

»Herr im Himmel«, murmelt er an meinen Lippen, während seine Hand quälend langsam meinen Oberschenkel aufwärts wandert und an das winzige Dreieck Stoff gelangt, das mehr Dekoration als Höschen ist.

Moment mal. Was hat er gesagt?Als ich die Bedeutung der Worte endlich erfasse, fahre ich zurück, als hätte man mir einen Peitschenhieb versetzt, und drücke mich mit beiden Händen an seiner Brust ab. Das waren dieselben Worte, die ich vorhin aus dem Alkoven gehört habe, und sie haben den gleichen Effekt wie ein Eimer Eiswasser. Was zum Henker ist hier los? Wie komme ich überhaupt dazu, mit einem x-beliebigen Kerl rumzuknutschen? Und was ist denn in mich gefahren, dass ich das ausgerechnet mitten im für mich wichtigsten Event des Jahres tue?

»Nein. Nein! Ich kann das nicht.« Ich taumele zurück und schlage die Hand über meine geschwollenen Lippen. Seine grünen Augen, gerade noch dunkel vor Leidenschaft, werden scharf. Er ist verärgert.

»Dazu ist es wohl ein bisschen spät, Süße. Sieht aus, als hättest du das schon längst.«

Sein sardonischer Kommentar macht mich wütend. Ich bin clever genug, um zu begreifen, dass ich nur eine von einer ganzen Reihe abendlicher Eroberungen bin, und sein selbstzufriedener Gesichtsausdruck weckt in mir den Wunsch, ihn zu beleidigen.

»Für wen halten Sie sich eigentlich? Mich einfach anzufassen? Sich einfach über mich herzumachen?« Mein Zorn vertreibt das Gefühl der Demütigung. Ich weiß nicht, ob ich wütender auf mich bin, weil ich mich einfach auf ihn eingelassen habe, oder auf ihn, der meinen panischen Zustand ausgenutzt hat. Oder schäme ich mich vielleicht einfach, weil ich seine Lippen und seine geschickten Finger so genossen habe, ohne auch nur seinen Namen zu kennen?

Seine Augen blitzen wütend. »Ach, so ist das?« Er grinst spöttisch und reibt sich die Hand über die Wange, und ich kann das schabende Geräusch seiner Bartstoppeln hören. »Interessante Deutung der Ereignisse. Du hast also gerade nicht mitgemacht? Und bist auch nicht regelrecht in meinen Armen geschmolzen?« Er lacht höhnisch. »Mach dir in deiner tugendhaften Selbstgerechtigkeit bloß nicht vor, dass du das gerade nicht genossen hast. Und nicht mehr von mir willst.«

Er tritt einen Schritt auf mich zu, und in seinen Augen funkeln Spott und etwas Finsteres. Er hebt die Hand und zeichnet mit den Fingern die Konturen meines Kiefers nach. Obwohl ich zusammenzucke, entfacht die Berührung erneut das Verlangen, das in meinem Unterbauch glimmt. Stumm schimpfe ich mit meinem Körper, dass er mich derart verrät. »Lass uns eins klarstellen«, knurrt er. »Ich nehme nur, was man mir freiwillig anbietet. Und wir wissen beide, Süße, dass du das getan hast.« Er grinst. »Und wie.«

Ich reiße den Kopf weg und verfluche die Tatsache, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die immer im richtigen Moment die passende Bemerkung parat haben. Doch ich bin nun einmal nicht schlagfertig. Daher fällt mir auch jetzt nichts, aber auch rein gar nichts ein, was ich diesem ärgerlich selbstbewussten Mann, der leider absolut im Recht ist, entgegenschleudern kann. In wenigen Minuten hat er aus mir ein hochgradig sensibilisiertes Nervenbündel gemacht, das sich nur noch danach sehnte, von ihm genommen zu werden.

»Die Masche mit dem armen, hilflosen Ding mag bei deinem Freund ziehen, der dich wahrscheinlich wie ein Porzellanpüppchen behandelt. Ein hübsches, zerbrechliches Ding, das man in die Vitrine stellt und gerne ansieht, aber selten zum Spielen rausnimmt.« Er zuckt die Achseln. »Gib’s zu, Schätzchen, das ist verdammt langweilig.«

»Mein Freund? Aber –«, stammle ich. »Ich bin nicht zerbrechlich.«

»Ach, nicht?«, höhnt er, packt mein Kinn und sieht mir direkt in die Augen. »So benimmst du dich aber.«

»Sie können mich mal!« Mit einem Ruck befreie ich mein Kinn.

»Oh, du bist ja ein ganz freches kleines Ding.« Sein arrogantes Grinsen macht mich wirklich sauer. »Ich mag’s frech, Süße. Das macht dich nur noch begehrenswerter.«

Arschloch! Ich will ihm gerade verraten, dass ich weiß, was für ein Mistkerl er ist, weil er vor mir noch ein Techtelmechtel mit einer anderen hatte, als ich mir zum ersten Mal bewusst mache, dass er mir vage bekannt vorkommt. Doch ich verdränge den Gedanken wieder. Unsinn. Ich bin durcheinander, das ist alles.

Ich mache gerade den Mund auf, um etwas zu sagen, als ich Dane meinen Namen rufen höre. Erleichtert drehe ich mich um und sehe ihn am Ende des Flurs stehen und mich neugierig mustern. Vermutlich wundert er sich über meinen zerzausten Zustand.

»Rylee? Ich brauche diese Listen wirklich dringend. Hast du sie geholt?«

»Ich wurde abgelenkt«, brummele ich und werfe Mr. Arroganz noch einen Blick zu. »Ich komme. Ich muss nur … Warte kurz auf mich. Okay?«

Dane nickt, als ich mich der offenen Tür des Abstellschranks zuwende. So würdevoll wie möglich gehe ich in die Hocke, sammele die Bieterkarten ein und stopfe sie in die Tasche zurück. Während ich die Kammer verlasse, halte ich die Lider gesenkt, um seinen Blick zu meiden, und marschiere los. Ich will gerade erleichtert ausatmen, als ich seine Stimme hinter mir höre. »Dieses Gespräch ist noch nicht vorbei, Rylee.«

»Und ob es das ist, Ace«, schleudere ich ihm entgegen und haste erhobenen Hauptes und mit kerzengeradem Rücken weiter. Mein Stolz muss nicht noch mehr Schaden davontragen.

Dann endlich bin ich bei Dane, meinem Kollegen, Freund und engen Vertrauten. Besorgt sieht er mich an, als ich mich bei ihm einhake und ihn in Richtung Party ziehe. Doch erst als wir durch die Tür hindurch sind, stoße ich den Atem aus, den ich unwillkürlich angehalten hatte, und lehne mich an die Wand.

»Was zum Geier ist denn los mit dir, Rylee?« Er mustert mich von Kopf bis Fuß. »Hat es irgendwas mit dem Adonis da eben zu tun?«

Und ob es was mit dem Adonis da eben zu tun hat, denke ich, sage es allerdings aus irgendeinem Grund nicht. »Wehe, du lachst«, erwidere ich stattdessen warnend. »Aber die Tür der Abstellkammer ist zugefallen, und ich war eingesperrt.«

Er blickt zur Decke, um nicht loszuprusten. »So was kann auch nur dir passieren.«

Ich versetze ihm einen kleinen Schubs. »Hör auf, das ist nicht witzig. Ich hatte wirklich Angst. Das Licht ging aus, und plötzlich fühlte ich mich wie bei dem Unfall.« Besorgt sieht er mich an, und ich fahre schnell fort. »Ich bin ausgerastet, und der Kerl hat mich rufen hören und mich rausgelassen. Das war alles.«

»Aha. Das war alles?«, hakt er mit hochgezogenen Augenbrauen nach.

Ich nicke. »Genau. Ich bin einfach einen Moment lang völlig außer mir gewesen.« Ich lüge ihn wirklich nicht gerne an, aber im Moment ist es so am besten. Je beharrlicher ich bei meiner Geschichte bleibe, umso schneller lässt er das Thema fallen.

»Tja, verdammt schade, weil der Typ da wirklich lecker ist.« Ich lache, als er mich an sich zieht und drückt. »Geh und mach dich frisch. Schnauf kurz durch. Und dann sieh zu, dass du dich wieder unters Volk mischst und Small Talk machst. Wir haben nur noch eine knappe halbe Stunde, bevor die Versteigerung beginnt.«

In der Toilette blicke ich in den Spiegel. Dane hat recht. Ich sehe furchtbar aus. Meine Frisur und mein Make-up, bei dem mir meine Mitbewohnerin Haddie geholfen hat, sind ruiniert. Ich nehme ein Papiertuch und versuche, den Schaden in meinem Gesicht zu beheben. Meine Augen sind durch die Tränen rot gerändert, mein Lippenstift vollkommen verschmiert. Dicke Strähnen meines kastanienbraunen Haars haben sich aus den Spangen gelöst, und der Saum meines Kleides hängt gruselig schief.

Kein Wunder, dass Dane Zweifel an meiner Version des Geschehens hatte. Ich sehe regelrecht derangiert aus. Ich hole tief Luft und lehne mich einen Moment lang gegen das Waschbecken.

Das dumpfe Wummern der basslastigen Musik aus dem Theater dringt durch die Wand. Sie untermalt die zahllosen Stimmen der Gäste, die alle potenzielle Geldgeber sind.

Ich zupfe mein Kleid zurecht, sodass der Ausschnitt wieder anständig über meinen mehr als üppigen Brüsten sitzt, und streiche mir mit den Händen den Stoff über den Hüften glatt. Aber als ich dazu ansetze, die Haare wieder zurück in die Spange zu schieben, halte ich inne. Die glatt gezogenen Strähnen locken sich wieder, wie es ihrer Natur entspricht, und verleihen meiner Erscheinung einen sanfteren Touch, der mir plötzlich besser gefällt.

Ich greife in meine Tasche, die Dane mir gebracht hat, und bessere mein Make-up aus. Ich tusche meine dichten Wimpern erneut und zeichne den verschmierten Eyeliner nach, mache einen Schmollmund, trage Lippenstift auf, reibe die Lippen zusammen und tupfe die Reste ab.

Schließlich betrachte ich das Gesamtbild. Nicht so gut, wie Haddie es gemacht hat, aber es reicht. Ich bin bereit, zu den Feierlichkeiten zurückzukehren.

Die Berühmtheiten, Reichen und Wohltäter, die sich in dem alten Theater amüsieren, schmücken sich mehrheitlich mit teurem Schmuck, Designerkleidern und illustren Namen. Der heutige Abend markiert den Höhepunkt meiner Arbeit eines Jahres, denn bei diesem Ereignis soll der Löwenanteil der Gelder locker gemacht werden, die zur Grundsteinlegung der neuen Einrichtung benötigt werden.

Und ich habe mich weit, weit aus meiner Komfortzone bewegt.

Dane auf der anderen Seite des Saals verdreht diskret die Augen. Er weiß, dass ich jetzt viel lieber in Jeans und T-Shirt mit den Jungs im Haus wäre und auf der Couch herumlungern würde. Ich ringe mir ein winziges Lächeln ab und neige hoheitsvoll meinen Kopf, bevor ich an meinem Champagnerglas nippe.

Ich versuche immer noch zu verarbeiten, wie es zu dem Vorfall hinter der Bühne kommen konnte und wieso es mich überhaupt kränkt, dass ich nicht die Erste war, bei der Mr. Arroganz heute Abend zu landen versucht hat. Ich kann ja schließlich kaum erwarten, dass ein Mann, der auf der Suche nach einem Quickie ist, irgendein anderes Ziel verfolgt, als seinem ohnehin schon aufgeblasenen Ego einen weiteren Schub zu verpassen.

»Rylee, da sind Sie ja«, unterbricht eine Stimme meine Gedanken.

Ich wende mich zu meinem Chef um, einem fast zwei Meter großen Bären von einem Mann mit dem größten Herzen, das ich kenne. Passenderweise sieht er auch noch aus wie ein riesiges Kuscheltier.

Und heißt auch so. »Teddy«, sage ich herzlich und lehne mich gegen ihn, als er mir einen Arm um die Schultern legt und mich drückt. »Sieht so aus, als würde alles ganz gut laufen, denken Sie nicht?«

»Dank der harten Arbeit, die Sie geleistet haben. Die Schecks kommen kontinuierlich, wie ich gehört habe.« Er lächelt und wackelt dabei mit seinen Augenbrauen. »Und das, obwohl die Auktion noch nicht einmal angefangen hat.«

»Auch wenn ich einsehe, dass man damit erfolgreich Spenden sammeln kann, muss ich die Methode noch lange nicht gutheißen«, murre ich und hoffe, dass ich mich nicht übermäßig prüde anhöre. Wir hatten diese Diskussion in den vergangenen zwei Monaten schon oft. Mir will einfach nicht in den Sinn, wie Frauen sich freiwillig an den höchsten Bieter verkaufen können – nicht einmal für einen wohltätigen Zweck. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der eine oder andere Kerl als Gegenleistung für die fünfzehntausend Dollar Startsumme von seinem ersteigerten Date nicht mehr als nur ein harmloses Abendessen erwartet.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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