Driven. Tiefe Leidenschaft - K. Bromberg - ebook

Driven. Tiefe Leidenschaft ebook

Bromberg K.

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Opis

Nach dem Tod ihrer Schwester will Haddie Montgomery nichts mehr von Beziehungen wissen. In den Armen von Beckett Daniels sucht sie eigentlich nur ein wenig Ablenkung von ihrer Trauer. Doch so sehr sie es auch versucht: Haddie kommt nicht von ihm los. Ist die Aussicht auf wahre Liebe das Risiko der Enttäuschung wert?

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Das Buch

»Alles okay mit dir?«, fragt er schließlich in seiner für ihn typischen gedehnten Sprechweise. Ich nicke, da ich meiner Stimme nicht traue und noch immer zu ergründen versuche, warum ganz plötzlich diese Spannung – diese elektrische Energie – zwischen uns besteht. Sicher, wir flirten miteinander, seit wir uns durch unsere besten Freunde Rylee und Colton kennengelernt haben, aber es ist nie über harmloses Geplänkel hinausgegangen. Das hier ist anders. Vielleicht liegt es daran, dass er durch das Spiel von Licht und Schatten ein wenig gefährlich aussieht, geheimnisvoll sogar, weit mehr wie der Rebellentyp, auf den ich normalerweise stehe. Bisher kam er mir immer vor, wie ein bodenständiger Junge vom Land, lieb, aber harmlos, doch nun bringt das Mondlicht eine andere, kantigere Facette von ihm hervor, und er rückt näher an jenen Männertyp heran, dem ich nur schwer widerstehen kann und der mir immer wieder aufs Neue das Herz bricht …

Die Autorin

K. Bromberg lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im südlichen Teil Kaliforniens. Wenn sie mal eine Auszeit von ihrem chaotischen Alltag braucht, ist sie auf dem Laufband anzutreffen oder verschlingt gerade ein kluges, freches Buch auf ihrem eReader.

Lieferbare Titel

DRIVEN. Verführt

DRIVEN. Begehrt

DRIVEN. Geliebt

DRIVEN. Verbunden

K. BROMBERG

Driven

TIEFE LEIDENSCHAFT

Roman

Aus dem Amerikanischenvon Kerstin Winter

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

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Die Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel Slow Burn bei Signet Eclipse, New York.

Taschenbucherstausgabe 01/2017

Copyright © 2015 by K. Bromberg

Copyright © 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Anita Hirtreiter

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

unter Verwendung von shutterstock/tankist276

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-20086-2V004

www.heyne.de

HADDIE

Der Alkohol dämpft meine Empfindungsfähigkeit. Und das ist mir so was von recht! Zum ersten Mal seit sechs Monaten tut die Sehnsucht, die mich stets mit der Erinnerung überfällt, nicht mehr ganz so weh.

Ich schaue mich um und versuche, mich auf meine Umgebung zu konzentrieren – die Überfülle an Blumen, die kühlende Brise, die vom Meer hereinweht, das einsame Paar High Heels in der Ecke –, kann aber nur daran denken, wie glücklich und wunderschön Rylee heute Abend ausgesehen hat. Und immer wieder schiebt sich die Erinnerung an meine Schwester Lexi am Tag ihrer Hochzeit in mein Bewusstsein. Ihre Worte zu mir, ihre Scherze mit den Gästen, ihr glückliches Lächeln, als Danny sein Glas hob und auf ihre strahlende Zukunft trank.

Hör auf, Had. Mach den wunderschönen Abend nicht kaputt. Du darfst die Hochzeit deiner besten Freundin feiern, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu haben.

Aber ich kann nicht aufhören, an jene andere Hochzeit zu denken, obwohl die Einzelheiten bereits zu verblassen beginnen. Dabei darf ich unter gar keinen Umständen etwas vergessen; jede noch so kleine Einzelheit ist wichtig. Ich muss meiner Nichte Madelyn doch eines Tages erzählen können, wie sehr ihre Mutter es liebte, im Regen zu stehen und Tropfen mit der Zunge zu fangen. Dass sie bei ihrer Pizza immer erst rundherum den Rand wegaß, weil sie ihn am liebsten mochte. Oder wie viel Spaß sie hatte, wenn wir in entgegengesetzte Richtungen schaukelten, damit wir uns in der Mitte abklatschen konnten. Es gibt so vieles, das ich zu vergessen fürchte.

Und so vieles, das ich nur allzu gerne vergessen würde.

»Wir kommen morgen früh wieder, Miss. Dann nehmen wir auch die Tische, Stühle und den ganzen Rest mit.«

Die Stimme des Caterers reißt mich aus meinen melancholischen Gedanken, die auf einer solchen Traumhochzeit keinen Platz haben dürfen. Ich wende mich zu ihm um, aber meine Kehle ist wie zugeschnürt.

»Kein Problem.«

Erschreckt fahre ich zusammen. Mir war nicht bewusst, dass Becks hier draußen auf der Terrasse ist, aber ich bin froh, dass er übernimmt, weil Erinnerungen und zu viel Alkohol es mir schwer machen, auf den Mann einzugehen. »Die Haushälterin wird um zehn Uhr hier sein und kann Ihnen aufschließen.«

Ich leere mein Glas, während der Caterer Becks dankt und sich verabschiedet. Ich schwanke ein wenig, als er aus dem Halbschatten ins Licht des Vollmonds tritt. Und es muss daran liegen, dass die Ereignisse dieses Tages mich so aufgewühlt haben, aber als unsere Blicke sich begegnen, stockt mir der Atem.

Es ist doch nur Becks, unauffällig attraktiv wie immer, zerzaustes, verwaschen blondes Haar, Augen von einem so hellen Blau, dass sie in der Nacht fast transparent wirken … Warum also um alles in der Welt sind gewisse Teile meines Körpers plötzlich in heller Aufregung?

Ich fahre mir mit der Zunge über die Lippen, als er sich mit einer Schulter an den Pfosten eines Rankgitters lehnt, den Kopf leicht zur Seite neigt und mich betrachtet. Sein Hemdkragen steht offen, seine Fliege baumelt an einer Seite herab. Die Eiswürfel in seinem Glas klingen, als er es auf einem Tischchen neben sich abstellt, ohne mich aus den Augen zu lassen.

»Alles okay mit dir?«, fragt er schließlich in seiner für ihn typischen gedehnten Sprechweise. Ich nicke, da ich meiner Stimme nicht traue und noch immer zu ergründen versuche, warum ganz plötzlich diese Spannung – diese elektrische Energie – zwischen uns besteht. Sicher, wir flirten miteinander, seit wir uns durch unsere besten Freunde Rylee und Colton kennengelernt haben, aber es ist nie über harmloses Geplänkel hinausgegangen. Das hier ist anders.

Vielleicht liegt es daran, dass er durch das Spiel von Licht und Schatten ein wenig gefährlich aussieht, geheimnisvoll sogar, weit mehr wie der Rebellentyp, auf den ich normalerweise stehe. Bisher kam er mir immer vor, wie ein bodenständiger Junge vom Land, lieb, aber harmlos, doch nun bringt das Mondlicht eine andere, kantigere Facette von ihm hervor, und er rückt näher an jenen Männertyp heran, dem ich nur schwer widerstehen kann und der mir immer wieder aufs Neue das Herz bricht.

Wenn ich also den Grund bereits zu kennen glaube, warum will mein trunkener Verstand dann trotzdem wissen, wie seine Küsse schmecken? Wie sich seine Hände anfühlen, wenn sie an meinen Beinen aufwärtsstreichen? Wie seine tiefe, gelassene Stimme sich wohl anhört, wenn er die Kontrolle verliert?

Das knisternde Schweigen zwischen uns wird untermalt vom fernen Rollen der Wellen. Ich hole tief Luft und schüttele wieder den Kopf. »Mir geht’s gut«, sage ich und lache, um Fragen aus dem Weg zu gehen, die ich nicht beantworten will. »Ich bin nur betrunken und genieße es.«

»Genießen ist definitiv eine gute Sache«, sagt er, richtet sich zu seiner vollen athletischen Größe auf und kommt einen Schritt auf mich zu. »Aber, City, ich denke, es ist das Beste, wenn ich dich ins Bett schaffe, bevor aus dem guten Gefühl ein ungutes wird.«

Dass er mich bei meinem Kosenamen nennt, bringt mich zum Lächeln. Er verpasste ihn mir in jener Nacht in Las Vegas, als meine Welt noch in Ordnung war. Es kommt mir vor, als sei es eine Ewigkeit her, dabei ist kaum ein Jahr vergangen, seit wir mit Rylee und Colton spontan in die Stadt der Sünde flogen, miteinander flirteten und uns interessiert beschnupperten, aber niemals einen Schritt weitergingen. Ich schließe die Augen und rufe mir die wunderbare Sorglosigkeit jener Nacht in Erinnerung. Ich nannte ihn Country, um mich über seine entspannte Bodenständigkeit lustig zu machen, die allem widersprach, was mich an Männern faszinierte, und er konterte, indem er mich City nannte. Und plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich schon damals im blitzenden Licht des Nachclubs überlegte, wie Beckett Daniels wohl küssen mochte.

Vergiss es, Montgomery, schelte ich mich. Verlegen will ich meine Hand auf das Geländer hinter mir legen, verfehle es aber, und er lacht leise.

Auch ich muss unwillkürlich kichern. Meine Gedanken machen sich selbstständig und malen sich aus, was ich jetzt gerne fühlen würde. Ein bisschen Zerstreuung der besonderen Art könnte mich bestimmt von den bittersüßen Emotionen von eben ablenken.

Herr im Himmel! Wieso habe ich nicht eher daran gedacht? Ins Bett zu gehen – und zwar nicht allein! – ist genau das, was ich jetzt brauche.

Das hat in den vergangenen Monaten immer geklappt. Ich werde meinen Schlüssel und mein Handy holen, Dylan oder Pete anrufen und Bescheid geben, dass ich auf dem Weg bin. Und mich in »sexuell geselliger Stimmung« befinde. Einer von beiden wird mir schon beim Vergessen helfen. Der Trick ist, weniger zu fühlen, indem man etwas ganz anderes fühlt.

»Was ist denn so lustig?«

Ich presse mir die Hand auf den Mund, kann aber mein Kichern nicht unterdrücken. »Ich fühle mich bloß, ähm, gesellig.« Es war Lex, die gesagt hat, Frauen seien keine Schlampen, sondern nur sexuell gesellig. Und heute Nacht … Gott, heute Nacht will ich nur das sein. Ich will nicht denken. Ich will keine Rücksicht nehmen. Ich will nur meinen quälenden Erinnerungen entkommen.

»Ach, gesellig also?« Sein Blick ist abschätzend, seine vollen Lippen zucken.

»Jep.« Ich nicke eifrig. »Ich verschwinde jetzt und feiere woanders weiter, Country.« Ich setzte mich in Bewegung – und stolpere. Verdammt. Wie soll ich bloß Auto fahren? Ich stütze mich mit einer Hand an der Wand ab und gehe weiter.

»Netter Versuch, Haddie. Schon vergessen, dass du abgeholt worden bist? Ich werde dich wohl nach Hause fahren müssen.«

Mist. Aber so schnell gebe ich nicht auf. »Ach, lass nur, dann nehme ich eben deinen Wagen«, sage ich, während ich weitergehe.

»Witzig, meine Liebe, aber ich fürchte, du bist nicht in der Verfassung dazu«, ruft er mir nach, und der amüsierte Unterton gefällt mir gar nicht. »Du fährst nirgendwo hin, gesellig oder nicht.«

»Und ob ich das tue«, rufe ich ihm über die Schulter zu und bin schon fast im Haus. Lass mich einfach in Ruhe, flehe ich ihn in Gedanken an. Kehr hier bloß nicht das Alphamännchen raus, wenn ich dich ausgerechnet jetzt ruhig und verlässlich brauche, weil ich verdammt noch mal so betrunken und ausgehungert bin, dass ich mich glatt mit dir einlassen könnte.

»Probier’s doch mal.«

Sein arroganter Unterton bringt mich in Rage. Treibt mich dazu, auf die Barrikaden zu gehen, damit ich nicht tue, was ich gewiss bereuen würde. Damit ich nicht tue, was ich am liebsten täte. Herrgott. Wenn ich nur wüsste, was ich überhaupt wollte! Fest steht jedenfalls, dass Beckett Daniels ein Mann ist, mit dem man sich niederlässt … und mich niederzulassen bin ich nicht bereit.

Niemals.

Der Schmerz kehrt zurück und mit ihm die Erinnerungen. Ich bleibe stehen, weil meine Knie einzuknicken drohen, und ermahne mich abermals, nicht denselben Fehler zu machen wie meine Schwester.

Ich höre ihn hinter mir. Er ist mir gefolgt. Ich weiß, dass er auf eine Reaktion wartet, doch ich schweige. »Keiner von uns ist noch in der Lage, Auto zu fahren. Schluss mit Partys und Geselligkeit«, sagt er. Etwas knirscht direkt hinter mir unter seinem Schuh, und ich kneife die Augen zu, um meine tobenden Gedanken auszubremsen. »Komm schon, Montgomery. Es war ein großartiger Tag, aber nun geht’s ins Bettchen.«

Ich stoße ein schnaubendes Lachen aus, denn obwohl seine Worte unschuldiger nicht sein könnten, da wir Rylee versprochen haben, über Nacht zu bleiben, um uns morgen um die Aufräumarbeiten zu kümmern, hat Becks den Nagel auf den Kopf getroffen. Ins Bett will ich, und zwar vorzugsweise in seins. Moment mal! Das will ich nicht! Verdammt, der Alkohol bringt mich völlig durcheinander. Ich hasse es, wenn ich so unentschlossen bin.

Wieder sagt er meinen Namen, und irgendetwas in seiner Stimme lässt mich innehalten. Stumm stehe ich mit dem Rücken zu ihm da und warte schweigend ab. Am liebsten würde ich davonlaufen. Würde die Zeit zurückdrehen und mein früheres Ich zurückholen. Das sorglose fröhliche Ich, das ich war, ehe ich in Trauer ertrunken bin.

Er legt seine Finger um meinen Oberarm, und ich weiß nicht warum, aber plötzlich bin ich furchtbar wütend auf ihn. Ich will nicht sanft angefasst, will nicht verhätschelt werden. Ich will nur fort und meinen Erinnerungen entkommen, die der heutige Tag aus den Tiefen meines Bewusstseins hervorgeholt hat.

Ich fahre herum, um mich aus seinem Griff zu befreien, doch durch die abrupte Bewegung wird mir schwindelig. »Vorsicht«, mahnt er, doch schon falle ich gegen ihn und drücke ihn mit dem Rücken gegen die Wand.

Nicht, dass wir uns heute Abend nicht schon oft so nah gewesen sind; wir haben fast den ganzen Empfang über miteinander getanzt. Doch als meine Brüste sich an seinen harten Körper schmiegen, bin ich verloren. Plötzlich nehme ich nichts anderes mehr wahr, und als ich zu ihm aufschaue, bleibt mein Blick an seinem sinnlichen Mund hängen.

Vielleicht liegt es am Alkohol. Vielleicht sind es die sentimentalen Nachwehen der Hochzeit von zwei Menschen, die füreinander geschaffen sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich heute Lexi so nah fühle wie schon lange nicht mehr. Ich weiß nicht. Ich weiß nur, dass es mir im Augenblick vollkommen egal ist, ob ich einen Fehler mache und welche Folgen er haben mag. Ich will nur fühlen. Mich hingeben und vergessen. Und, Herrgott noch mal, es ist doch nur Becks.

Ich meide seine Augen. Ich brauche nicht zu wissen, ob er das hier wirklich will, denn ich will es. Ich beuge mich vor und lege meine Lippen auf seine, und ehe er reagieren kann, fahre ich ihm mit den Händen über die Brust und schiebe meine Zunge zwischen seine Lippen. Er schmeckt nach Rum, und die Wärme seines Mundes entlockt mir ein Stöhnen. Starke Hände streichen langsam meine bloßen Arme aufwärts, und gemeinsam versinken wir in dem Kuss.

Plötzlich packt er meine Schultern und macht sich von mir los, und ich schnappe nach Luft.

»Haddie!«, stößt er hervor. Es klingt wie eine Mischung aus Fluch und Flehen.

Und obwohl mein Verstand vernebelt und mein Körper in lustvoller Alarmbereitschaft ist, kann ich doch sehr deutlich spüren, dass er den Kuss mehr als nur genossen hat.

Ich schaue auf und begegne seinem Blick. »Was ist los, Becks? Willst du mich etwa nicht?«

Sein leises Lachen klingt gezwungen. »Oh, am Wollen liegt es sicher nicht«, sagt er und schließt für einen Moment die Augen. Seine Kehle arbeitet, als er schluckt, dann schiebt er mich weg. »Ich will nur auf Nummer sicher gehen, Had.«

Seine Zurückweisung tut weh, doch ich spüre sein Zögern, ehe er seine Hände von meinen Schultern nimmt. Die Lust, die durch meinen Körper strömt, macht mich forsch, und ich trete wieder auf ihn zu, streiche ihm mit beiden Händen über sein weißes Hemd und schaue ihm in die Augen. »Komm schon, sicherer kann es gar nicht sein. Ich bin’s nur, und du wirst mir doch bestimmt nichts tun, oder, Becks?« Becks kann sein Verlangen nicht verbergen, und verdammt will ich sein, wenn er dadurch nicht noch viel attraktiver auf mich wirkt. »Wird es nicht von den Trauzeugen praktisch erwartet, dass sie zusammen im Bett landen?«

»Haddie«, sagt er frustriert seufzend, und ich spüre seinen warmen Atem auf meinen Lippen.

Die Art wie er meinen Namen ausspricht, schürt das Feuer in mir erst recht, denn nun kenne ich die Antwort auf eine meiner Fragen: So also hört es sich an, wenn er die Kontrolle verliert. Und wenn er glaubt, er könnte mich jetzt noch abweisen, dann ist er hundertprozentig auf dem Holzweg.

»Heute Nacht will niemand auf Nummer sicher gehen. Komm schon … lass dich mal gehen.« Ich fahre mit dem Finger über seinen Hals und beuge mich vor. »Ich will leben, Becks. Hilf mir dabei.«

»Oh, ich glaube, du lebst schon verdammt intensiv.« Er lacht leise, aber sein Blick lässt meinen nicht los. Die Luft zwischen uns scheint sich zu verdichten. »Das liebe ich ja so an dir.«

Seine Nonchalance macht mein Verlangen nach ihm nur noch größer. Verdammt noch mal, was ist hier eigentlich los? Kann er mich nicht einfach verführen? Ich bin es nicht gewohnt, Männer überreden zu müssen, mit mir ins Bett zu gehen, warum muss er es also so ungeheuer kompliziert machen?

»Liebe interessiert mich nicht, Country«, sage ich im scherzhaften Ton, obwohl mir nicht nach Scherzen zumute ist. Seine Ablehnung tut weh. »Ich will auch keine feste Bindung. Ich will mich nur eine Weile gut fühlen … und mich darin verlieren.«

Er beugt sich vor und legt mir die Hände an die Wangen. Seine Augen sind noch immer voller Verlangen, doch ich kann auch Sorge darin erkennen. »Mir war nicht klar, dass du dich verlieren willst.«

»Braucht das nicht jeder hin und wieder?« Meine Frage hängt in der Stille der Nacht, während er in meinen Augen nach einer Erklärung sucht, die ich ihm nicht geben werde.

Dann schüttelt er den Kopf und richtet sich auf. »Ich will nicht alles noch komplizierter machen«, sagt er, nimmt die Hände langsam herunter und weicht zurück, doch sein Blick ist ein einziger Widerspruch dazu.

»Es gibt keine Komplikationen«, sage ich und versuche, mir die Verzweiflung, die ich plötzlich empfinde, nicht anhören zu lassen. »Nur ein bisschen Sex – Entspannung nach einem aufregenden Tag. Ich verstehe dich nicht, Becks. Welcher Mann lässt sich ein solches Angebot schon entgehen?«

Er stöhnt auf. »Ein Mann, der angestrengt versucht, das Richtige zu tun.« Er tritt wieder einen Schritt auf mich zu und legt mir einen Arm um die Schultern. »Komm, gesellige Haddie. Ich bring dich in dein Zimmer.«

»Spielverderber«, maule ich wie ein beleidigtes Kind, und am liebsten hätte ich mit meinen Zehn-Zentimeter-Pumps auf den Boden gestampft.

»Mag sein, aber vor allem bin ich mindestens so blau wie du«, sagt er und drückt mir einen züchtigen Kuss auf den Scheitel. »Ach, Had, ich müsste blöd sein, nicht mit dir ins Bett zu wollen, denn ich bin sicher, dass es fantastisch werden würde, aber ich will einfach nicht, dass einer von uns morgen etwas bereuen muss, weil wir betrunken waren. Es wäre doch schrecklich, wenn wir uns in Zukunft in der Gegenwart des anderen immer unwohl fühlen müssten. Aber du machst es mir verdammt schwer, für meine Überzeugung einzutreten.«

»Aha!«, sage ich und fühle mich schon ein bisschen stabiler, jetzt, da ich weiß, dass er mir nicht wirklich einen Korb gibt, sondern nur der gute Mensch sein will, für den ich ihn immer gehalten habe. »Also willst du mich doch.«

Er bleibt wie angenagelt stehen und blickt mich fassungslos an. Er setzt zu einer Antwort an, besinnt sich jedoch und schüttelt den Kopf, seufzt und setzt sich wieder in Bewegung. Ich drehe mich in seinen Armen leicht, damit ich zu ihm aufsehen kann, während er mich durchs Haus zu unseren Zimmern führt, und betrachte seinen starken Kiefer und seine gebräunte Haut. Unwillkürlich frage ich mich, wie es wohl wäre, wenn ich mit der Zunge über seinen Hals fahren würde. Die Sehnsucht nach den Empfindungen, die ich mir bisher nur vorstellen kann, stärkt mich in meiner Entschlossenheit, ihm zu beweisen, dass ich das hier brauche, dass ich ihn jetzt brauche, und dass wir gemeinsam Spaß haben können, ohne dass am nächsten Morgen Reue aufkommen muss.

Shit, manchmal brauchen Männer nichts weiter als einen kleinen Schubs.

Schließlich bleibt er stehen, sieht mich mit hochgezogenen Brauen an und deutet mit dem Kinn auf die offene Tür meines Zimmers. Jetzt oder nie, Had. Ich schmiege mich an ihn, und mein Verlangen flammt augenblicklich wieder auf. »Bitte, Becks.« Ich spreche leise, obwohl nur wir zwei hier sind. »Hat denn die Romantik und die Melancholie dieses Tages gar nichts bei dir bewirkt? Hast du denn nicht den Wunsch nach einer Frau in deinen Armen, in die du dich versenken kannst, um alles um dich herum zu vergessen?«

Herrgott, meine Worte machen mich selbst an. Mein Versuch, ihn zu verführen, setzt meine Nervenenden in Flammen. Ich stelle mich auf Zehenspitzen und bringe meinen Mund an sein Ohr. »Tröste mich, Becks, bitte.«

»Verdammt, Haddie, wenn du dich so benimmst, ist es verdammt hart, standhaft zu bleiben«, sagt er fast wütend, und als ich einen Schritt zurückweiche, kommt er mir instinktiv nach. Seine Reaktion weckt eine Seite meines altes Ichs, und ich packe sie, halte sie fest, und kämpfe die weinerliche, bedürftige Haddie nieder, die sein Monaten durch Trauer beherrscht wird. Und, Gott, ich bin so froh, wieder die Alte zu sein, und sei es auch nur für einen kurzen Moment.

»Hart, hm?«, sage ich mit kehliger Stimme. »Ein schönes Wort.«

Rückwärts trete ich in mein Zimmer, ohne den Blick von ihm zu lassen. Er steht in der Tür, die Hände links und rechts am Rahmen, und sieht mich an, und ich weiß, dass ich ihn an der Angel habe und es nur noch einer Winzigkeit bedarf, um zu bekommen, was ich von ihm haben will. Und so unbedingt brauche.

Und während wir uns stumm ansehen, frage ich mich flüchtig, was es war, das mir das Gefühl der Normalität zurückgegeben hat. Fort sind die Schuldgefühle, die mich niederdrücken, fort der Krieg meiner Gedanken, der in letzter Zeit jede Sorglosigkeit zunichte gemacht hat. Und nun will ich nur noch fühlen.

Ohne den Blick von ihm zu lassen, ziehe ich den Reißverschluss meines Kleids auf. »Hey, Becks?« Seine Augen weiten sich. Das Kleid rutscht an mir herab und fällt um meine Füße. »Vergiss Nummer sicher und komm.«

Beckett starrt mich einen Moment lang ungläubig an, dann – endlich – gibt er die Zurückhaltung auf und setzt sich in Bewegung. Obwohl ich nur noch in Spitzenunterwäsche vor ihm stehe, bleibt sein Blick auf mein Gesicht fixiert, doch das Verlangen in seinen Augen ist unverkennbar.

Und als er mich erreicht, als er mich packt und mich mit einer Hand in meinem Nacken, die andere auf meinem Rücken an sich zieht, lösen sich meine Gedanken auf. Seine Lippen pressen sich auf meine, und unsere Zungen vereinen sich.

Das Verlangen flammt auf und brennt sich durch den Alkoholdunst. Seine Hände streichen rastlos über meinen Körper, seine Finger fahren unter die Spitze meines BHs, um zu tasten und mich zu necken, aber mehr nicht, noch nicht. Mein anfängliches Stöhnen wird zu einer gemurmelten, endlosen Litanei von Mach schnell, Beeil dich, Ich brauche es und Komm schon.

Fieberhaft ziehe und zerre ich an seinem Hemd, denn ich habe es eilig, die Wärme seiner Brust an meiner zu spüren, aber seine Zunge, seine Lippen attackieren mich unaufhörlich und lenken mich von meiner Aufgabe ab. Mir entfährt ein Kichern, als ich meinen Mund von seinem löse, um Luft zu holen und mich darauf zu konzentrieren, Knöpfe zu öffnen, anstatt einfach nur hilflos ins Hemd zu greifen. Aber es gelingt mir nicht; die Ungeduld macht meine Finger ungeschickt.

Er lacht leise, und ich spüre die Vibration an meinen Fingern. »Lass mich machen«, sagt er, und ich blicke zu ihm auf. Er legt seine Hände über meine und zieht, und das Geräusch der Knöpfe, die mit einem Ploppen abspringen und zu Boden prasseln, mischt sich mit unserem hastigen Atem.

Seine Augen verdunkeln sich, sein Mund senkt sich wieder auf meinen. Meine Hände streichen über die definierten Muskeln seiner Brust, als er das Hemd von den Armen streift. Ich fahre mit den Nägeln über seine Haut, und er zieht scharf die Luft ein, greift mit der Faust in mein Haar und zieht meinen Kopf zurück, damit sein Mund sich meinem Hals und meiner Schulter widmen kann.

»Süße Haddie«, murmelt er. Seine Hände tasten sich zu meinen Brüsten und ziehen den BH herunter, und ich keuche auf, als seine schwieligen Hände den weichen Stoff ersetzen. »Meine süße Haddie«, fährt er fort, während sein Mund sich abwärts zu bewegen beginnt. »Ich frage mich, ob deine Muschi genau so gut schmeckt wie deine Küsse, wie deine Haut – wie das hier?«

Sein heißer Mund legt sich über eine Brust, und die Empfindung überlagert alles. Ich lasse den Kopf nach hinten fallen, und die Worte kommen von allein. »Probier’s aus. Los, mach schon.«

Wieder spüre ich sein Lachen an meiner Brust vibrieren, und er hebt den Kopf, um mich anzusehen. »Ziemlich herrisch, was?« Seine Augen funkeln herausfordernd, als wollte er mich auf die Probe stellen.

Und vielleicht will er das ja. Was wird er tun? Wie viel Kontrolle wird er mir lassen? Gehorcht er mir, oder wird er seinen eigenen Willen durchsetzen?

Ja, ich will es wissen.

»Na los, Becks, tu es. Ich will deinen Mund auf mir, deine Zunge in mir spüren, bis ich komme, und ich will mich selbst auf deinen Lippen schmecken, während du mich vögelst.«

Ein gequältes Stöhnen entwischt ihm, als er fest an meinem Nippel saugt, dann lässt er von mir ab, richtet sich zu voller Größe auf und blickt auf mich herab. »Verdammt, Haddie«, sagt er, ehe sein Mund sich über meinen hermacht, als wäre ich sein Eigentum. »Willst du mir wirklich sagen, wie ich dich zu vögeln habe?«

Ich spüre seinen heißen Atem an meinen Lippen, sehe das spöttische Funkeln in seinen Augen, aber mir fällt keine kluge Erwiderung ein. Seine Hände fahren an meinen Seiten herab und packen mich an der Taille, und mit einem Ruck zieht er mich an sich. Seine beeindruckende Erektion drückt sich gegen meinen Bauch und facht die Glut in mir um ein Vielfaches an.

Becks beugt sich vor, und seine Lippen streichen so zart über mein Ohr, dass es mir Gänsehaut verursacht. »Glaub mir, Haddie, ich weiß, wie ich dich nehmen muss. Und dich zum Kommen bringe.« Er zupft mit den Zähnen an meinem Ohrläppchen. »Ich weiß, wie ich es anstellen muss, damit du dich unter mir windest, damit du zitterst und bebst und mich anflehst, dich zu erlösen … Also entspann dich und lass mich machen.«

Und damit packt er mich und wirft mich mit dem Rücken aufs Bett, und wieder entfährt mir ein Glucksen, doch ehe ich noch Luft holen kann, ist Beckett schon über mir. Kichernd versuche ich, mich unter ihm hervorzuwinden, mich umzudrehen, aber natürlich habe ich gegen ihn keine Chance.

»Süße Haddie«, neckt er mich und hält meine Handgelenke rechts und links von meinem Kopf auf dem Bett fest. Er beugt sich herab, knabbert an meinen Lippen, fährt mit der Zunge darüber und schiebt sie in meinen Mund, während er seine Erektion genau an der Stelle platziert, wo ich sie brauche. Ich beginne mit den Hüften zu kreisen – Geduld ist nicht meine Stärke. Er lässt mich los und richtet sich auf, sodass er zwischen meinen Schenkeln kniet. Und als ich seinen breiten, gut definierten Oberkörper bewundere, muss ich mir eingestehen, dass ich mir noch nie bewusst gemacht habe, wie sexy und attraktiv Beckett wirklich ist.

Ich muss schlucken, als er den Kopf leicht zur Seite legt und mich mustert. Sein Blick hypnotisiert mich, und als seine Finger plötzlich über mein Höschen streichen, keuche ich auf. »Die Frage ist nur«, fragt er leise, während er sich langsam zu mir herabbeugt, »wie oft du kommen kannst.«

Und dann drückte er meine Schenkel auseinander, und sein heißer Mund legt sich über den Stoff, der meine Klitoris bedeckt. Unwillkürlich kralle ich eine Hand ins Kissen. Ich sehne mich nach seiner Berührung und verfluche die dünne Seide, die sich noch immer zwischen der Erfüllung meiner Lust und seiner Zunge befindet.

»Becks«, ist alles, was ich herausbringe, und ich werfe den Kopf zurück, schließe meine Augen und lasse mich fallen. Seine Finger spielen über die Innenseiten meiner Schenkel, und kühle Luft streicht über mein heißes Geschlecht, als er den String zur Seite zieht. Und als sein Mund endlich auf nackte Haut trifft und glühende Hitze mich durchströmt, bäume ich mich auf und stoße einen Schrei aus.

»Gott, du schmeckst so gut«, höre ich durch das Rauschen meiner Lust. Er beginn mich zu lecken, während seine Finger mich spreizen, damit er eindringen kann, und ich stöhne auf, als er auf die richtigen Stellen trifft.

Er setzt seinen verführerischen Angriff auf meine Sinne fort und reibt und leckt mit genau dem richtigen Maß an Druck, sodass sich die Wogen der Empfindungen immer höher türmen, bis sie schließlich mit einem atemberaubenden Tosen über mir zusammenschlagen. Wieder und wieder kommt sein Name von meinen Lippen, als ich mich vom Höhepunkt mitreißen lasse und er seine Zunge in mich stößt, bis ich es beinahe nicht mehr ertragen kann.

Der Raum dreht sich, und ich kneife unwillkürlich die Augen zu. Er lässt von mir ab und rutscht an mir hoch, und dann liegt sein Mund wieder auf meinem, und seine Zunge taucht durch meine geöffneten Lippen. »Probier mal, wie köstlich du bist. Schmeckst du, was ich gerade mit dir gemacht habe?«

Ich kann als Antwort nur stöhnen. Er setzt sich rittlings auf mich, fasst mein Gesicht mit beiden Händen, und küsst mich so gründlich und ausgiebig, dass ich um Atem ringen muss, als er sich von mir löst und mir in die Augen sieht.

»Das war Nummer eins…«, neckt er mich, doch seine Stimme verklingt, als ich die Hände ausstrecke und nach seiner Hose greife. Zwar pulsiert mein Körper noch von meinem Orgasmus, aber ich will mehr.

Er stößt einen zischenden Laut aus, als ich meine Hand in seine Boxershorts schiebe und seine Erektion befreie. Leicht fahre ich mit den Finger daran entlang, und mein Daumen reibt einen Tropfen Flüssigkeit über seine Spitze. Becks lässt den Kopf zurückfallen und stöhnt mit solch einer Befriedigung, dass meine Libido sofort wieder zu vollem Leben erwacht.

»Nummer eins?«, ahme ich seinen spielerischen Tonfall nach. Ich umfasse seinen Schwanz, fahre mit der Hand am Schaft auf und ab und freue mich daran, wie seine Bauchmuskeln zucken. »Bitte sag mir, dass du deine Versprechen gewöhnlich hältst. Nur einmal zu kommen reicht mir nämlich nicht.« Denn zu effektiv hat er meine düsteren Gedanken vertrieben. »Und, Becks: Du hast sogar noch mehr getrunken als ich. Ich hoffe nicht, dass du mir hier aus Promillegründen zusammenschrumpelst.«

Sein Kopf kommt mit einem Ruck wieder nach vorne, und wieder lacht er leise. Seine Finger schließen sich um meine Hand an seinem Schwanz, und er grinst. »Ach, bin ich dir nicht hart genug?«

Ich muss ein Lächeln unterdrücken, aber wer mit vollmundigen Versprechen um sich wirft, muss definitiv auf die Probe gestellt werden. »Doch, schon, ich wollte nur sichergehen, dass das auch so bleibt.«

»Willst du mich beleidigen?«, fragt er, bewegt unsere vereinten Hände auf und ab und schließt einen Moment lang genießerisch die Augen.

»Ich spreche nur Wahrheiten aus.«

Er öffnet die Augen und sieht mich, dann plötzlich springt er vom Bett. Ich lasse mich auf die Unterarme zurücksinken, um zu sehen, was er vorhat. Hoffentlich ist er nicht sauer. Aber dann denke ich mir, was soll’s. Falls er wirklich sauer ist, dann soll er doch gehen. Auf einen Mann, der nicht einmal ein bisschen Spaß erträgt, kann ich verzichten.

Allerdings ist seine Zunge wirklich großartig.

Und so seufze ich innerlich vor Erleichterung, als Becks nicht das Zimmer verlässt, sondern mit dem Rücken zu mir stehen bleibt. Gleichzeitig meldet sich eine leise Stimme in meinem Bewusstsein und warnt mich, Becks sei vielleicht genau die Mischung aus böser Bube und netter Junge, die meinen Vorsatz zum Wanken bringen könnte. Nein! Keine feste Beziehung, Haddie. Du willst dich nicht binden!

Doch dann verflüchtigt sich jeder vernünftige Gedanke in meinem Kopf, denn Becks streift seine Hose ab und dreht sich zu mir um. Mein Blick wird wie magisch von seiner beeindruckenden Erektion angezogen, über die er ein Kondom gestreift hat. Wow. Der Alkohol hat ihn definitiv nicht beeinträchtigt. Nur mühsam gelingt es mir, meinen Blick zu lösen und das Gesamtpaket zu begutachten, als er nun mit raubtierhafter Geschmeidigkeit zum Bett zurückkehrt. Breite Schultern, selbstbewusster Gang, ein amüsierter Blick und das kleine Lächeln, das mich herauszufordern scheint.

Und dann hat er das Bett erreicht. Er packt mich an den Waden und zieht mich mit einem Ruck zu sich, bis sich seine Hüften zwischen meinen Oberschenkeln befinden. Er greift nach meinem String, streift ihn ab und zieht ihn mir über die Füße, die noch immer in den High Heels stecken.

Es macht mich an, wie er mich betrachtet, wie er gierig meine Scham begafft und betastet und seine Finger über meine Spalte fahren. Seine Nasenflügel blähen sich und seine Lippen erschlaffen, als er vollkommen schamfrei zusieht, wie seine Finger langsam in mich gleiten und nass wieder herauskommen.

Wir keuchen beide auf, und seine Finger beginnen in einem trägen, doch gleichmäßigen Rhythmus in mich einzudringen, bis sich mein überempfindliches Geschlecht in höchster Alarmbereitschaft befindet. Ich stöhne tief, und Becks schaut flüchtig auf. Er fährt sich mit der Zunge über die Lippen, als er die Finger zurückzieht, mich öffnet und sich in Position bringt.

Langsam dringt er in mich ein, füllt mich aus, dehnt mich und stimuliert jeden Nerv in mir. Als er bis zum Anschlag in mir steckt, hält er inne. Seine Kiefer sind angestrengt zusammengepresst, seine Augen dunkel vor Lust. Meine Lider wollen zufallen, um dieses exquisite Gefühl auszukosten, doch ich kämpfe dagegen an. Ich will ihn sehen. Ich will in seine Augen blicken und seinen traumhaften Körper beobachten, während er mich und sich zur Raserei bringt.

Ich ziehe mich um ihn herum zusammen, um ihm zu bedeuten, dass ich bereit bin, als er mich überrascht, indem er sich herabbeugt und mich küsst. Während unsere Zungen sich träge und verführerisch umschlingen, schiebt er sich noch weiter in mich, bis ich sicher bin, es nicht weiter ertragen zu können. Mein Körper ergibt sich, und als mein Verstand gerade wieder beginnt, sich zu sorgen, ob diese unvermutete Zärtlichkeit nicht doch zu Bindung führen könnte, richtet er sich abrupt wieder auf und grinst auf mich herab. »Hart genug?«

Ich bin froh, von meinen Sorgen ablassen und mich stattdessen auf sein arrogantes Lächeln konzentrieren zu können. Der Druck lässt ein wenig nach, als er sich einrichtet, während er unverwandt auf mich herabblickt. Dann zieht er sich langsam zurück, bis nur noch die Spitze in mir steckt. »Na? Ich warte auf eine Antwort. Ist das hart genug für dich?«

Gott, ja. Und Gott, ja, ich will, dass er sich in mich rammt, dass er mich nimmt, dass er mir gibt, was ich jetzt nötig habe. Ich öffne meine Beine weiter und knete meine Brüste, und ungeduldig, erwartungsvoll ziehen sich meine Muskeln wieder um ihn zusammen.

»Fick mich, Becks«, sage ich, und bevor noch sein Name verklungen ist, nimmt er die Hüften zurück und stößt in mich, und eine Schockwelle rast durch meinen Körper. Er packt meine Oberschenkel, zieht sich wieder heraus und rammt sich erneut in mich.

Jeder Stoß treibt mich weiter hinauf. Mein Puls rast, mein Atem jagt ihm hinterher, ein endloses Rennen auf der Zielgeraden. Meine Sinne sind berauscht, ihm hilflos ausgeliefert, und mich schaudert, obwohl sich ein Schweißfilm über meine Haut legt. Immer härter, immer tiefer treibt er sich in mich. Meine Hand wandert verstohlen über meinen Bauch, und ich schiebe einen Finger in meine Spalte, um das Bisschen mehr an Reibung zu erzeugen, das ich brauche, um endlich abzuheben.

Ich schaue zu ihm auf, um zu sehen, wie er darauf reagiert. Ob er vielleicht zu den Arschlöchern gehört, die meinen, nur sie selbst dürften die Frau zum Höhepunkt bringen. Doch er blickt herab und beobachtet fasziniert, wie ich mich selbst liebkose. Seine Finger graben sich in meine Oberschenkel, und er stößt umso fester zu.

Ich schreie auf und erstarre, als grellweißes Feuer mich durchströmt. Jeden Muskel zum Zerreißen gespannt, ergebe ich mich dem Orgasmus, aber Becks macht weiter und stimuliert jede Faser meines Körpers, bis ich glaube, es unmöglich noch eine Sekunde länger ertragen zu können. Und doch will ich nicht, dass er aufhört.

»Becks«, stoße ich verzweifelt hervor, als mein Körper unter der Wucht des Höhepunkts zu zittern beginnt. Er drosselt das Tempo und beginnt stattdessen, sich mit rotierenden Bewegungen in mich zu treiben.

»Bleib bei mir«, stöhnt er und stößt noch ein paarmal zu. Ein Knurren kommt aus seiner Kehle, als sein Kopf zurückfällt, seine Hände meine Hüften packen und er erstarrt. Ich spüre seinen Schwanz in mir pulsieren, und er wiegt sich leicht, als der Orgasmus ihn überkommt. Ich lasse meinen Kopf auf das Bett zurücksinken und schließe meine Augen, um ihm Zeit zu geben, den Rausch bis ins Letzte auszukosten.

Dann regt er sich, und ich schnappe überrascht nach Luft. Seine Bartstoppeln schaben über meine Haut, als er sich Kuss um Kuss von meinem Bauch zwischen meinen Brüsten hindurch hocharbeitet, bis er unter meinem Kinn innehält. »Das war Nummer zwei«, murmelt er.

»Oh, ja, das war es«, erwidere ich, und ich spüre sein Lachen als Vibration an meiner Brust. Nur mühsam kann ich mich davon abhalten, ihm den Rücken zu streicheln, als er sich auf mich herablässt. Doch eine solche Geste kommt mir zu intim vor, wenn ich doch alles tun will, um dies hier locker und ungezwungen zu halten.

Ein paar Augenblicke liegen wir still da und kommen zur Ruhe, als Becks sich plötzlich zu bewegen beginnt. Ich nehme an, dass er sich aus mir herausziehen und rasch unter die Dusche springen wird, daher bin ich völlig verblüfft, als er sich mit Lippen und Zunge wieder abwärts bewegt. An einer Brust hält er an, nimmt einen Nippel in den Mund und knetet mit der Hand den anderen, bis ich mich unter ihm zu winden beginne.

Mit einem zufriedenen Seufzen zieht er sich aus mir heraus. Sein Mund setzt erneut an und arbeitet sich abwärts bis zu meiner Scham, und ungläubig nehme ich den Kopf hoch.

Schon wieder?

Heiliger Strohsack. Der Kerl will mich umbringen.

Er küsst meine Schamlippen und blickt mit funkelnden Augen zu mir auf. »Ich habe irgendwo gelesen, dass eine Frau das zweite oder dritte Mal noch viel intensiver kommt als das erste. Du sagst es mir gleich, ja?« Wieder küsst er meine Muschi und lacht leise. »Also los. Nummer drei.«

Die Sonne scheint so strahlend hell durch die Fenster, dass das Licht mir sogar durch die geschlossenen Lider wehtut. Ich kneife die Augen zusammen und versuche, den zähen Nebel aus meinem Kopf zu vertreiben und mich daran zu erinnern, was gestern geschehen ist. Wenn ich so betrunken war, dass ich heute einen Filmriss habe, müsste mir dann nicht eigentlich der Schädel platzen?

Ich schmiege mich wieder ins Kissen, denn eigentlich will ich noch nicht aufwachen. Sobald mein Körper anerkennt, dass er wach ist, werden die Kopfschmerzen garantiert einsetzen. Doch es ist zu spät; meine Gedanken klären sich, und vor meinem geistigen Auge ziehen Bilder des gestrigen Tages vorbei. Lachen, Glück und Liebe. Tanzen und Flirten und Trinken. Und … oh, verdammt!

… Vergiss Nummer sicher …

… Also los. Nummer drei …

Mit einem Schlag bin ich hellwach und reiße die Augen auf. Das grelle Licht blendet mich, und ich verziehe vor Schmerz das Gesicht. Blinzelnd blicke ich mich um, und als ich endlich etwas erkennen kann, sehe ich Becks neben mir. Oh, verdammt!

Friedlich schlafend liegt er da. Sein Haar steht in alle Himmelsrichtungen ab, und ein Bartschatten zieht sich über Kinn und Wangen. Vage erinnere ich mich an das schabende Gefühl auf meinem Bauch. Mein Blick wandert abwärts über seine prächtige Brust bis zu seinem Nabel, doch weiter komme ich leider nicht. Der Rest seines Körpers wird von einem Laken bedeckt.

Einen Moment lang betrachte ich ihn reglos, dann ziehe ich langsam und vorsichtig das Laken zu mir. Doch mit dem Wunsch, ihn in ganzer Pracht vor mir zu sehen, fluten die Erinnerungen an die gestrige Nacht in klaren scharfen Bildern meinen Verstand.

Geflüsterte Worte, stöhnende Laute. Die betörende Mischung aus spielerischem Geplänkel, unverhohlener Lust und unstillbarem Verlangen. Seine geschickten Hände und Lippen, die meinen Körper in Brand setzten, wie es noch keiner zuvor getan hat. Ich wollte intensive körperliche Empfindungen, die meine Emotionen betäuben würden, und – Gott! Die hat Becks mir wahrhaftig verschafft.

Alles zieht sich in mir zusammen, als ich mich in Einzelheiten daran erinnere, was er mit mir angestellt hat. Behutsam lege ich meinen Kopf zurück auf das Kissen und schließe die Augen, um das Verlangen, das sich erneut in mir aufbaut, niederzukämpfen.

Das war eine einmalige Sache.

Unverbindlicher Sex. Ohne Reue.

Genau, wie ich es gewollt hatte.

Warum also muss mir ausgerechnet jetzt einfallen, was er murmelte, als ich mich an ihn schmiegte und er vermutlich glaubte, ich wäre schon eingeschlafen? Leise Worte, frustriert und verwirrt. »Keine Bindungen? Verdammt, Haddie.«

Während immer mehr Erinnerungen in meinem Bewusstsein aufsteigen, setzt langsam mein Verstand wieder ein. Herrgott. Was in aller Welt habe ich mir bloß dabei gedacht? Aber natürlich habe ich im Grunde gar nicht gedacht. Ich war so darauf fokussiert, meine Trauer zu vergessen, dass ich nie auch nur in Erwägung gezogen habe, ich könnte ihn am Ende damit verletzen.

Verdammt. Du blöde Kuh.

Schließlich weiß ich doch, was für ein guter Kerl er im Grunde ist. Es ist alles meine Schuld. Auch wenn ich mich nicht an alles klar erinnern kann, weiß ich doch noch sehr gut, dass Becks versucht hat, mich zur Vernunft zu bringen. Er hat mich daran gehindert, noch in ein Auto zu steigen, und wollte dafür sorgen, dass ich unbehelligt meinen Rausch ausschlafen kann.

Das hier habe ich zu verantworten. Ich ganz allein. Warum bin ich bloß nicht abgehauen, um mir jemanden zu suchen, den es einen Dreck interessiert hätte, wenn ich am nächsten Tag ohne ein Wort verschwunden wäre? Warum wollte ich ausgerechnet gestern Nacht ein kleines bisschen mehr fühlen? Hatte ich vielleicht Angst, dass die Mauern, die ich um mein Herz errichtet habe, unter der Last der Trauer einstürzen könnten und wollte jemanden in meiner Nähe haben, der sich um mich kümmern würde, falls es geschehen wäre?

So war es wohl.

Also habe ich ihn benutzt.

Habe einen Mann ausgenutzt, der das ganz sicher nicht verdient hat. Das schlechte Gewissen nagt an mir, und ich zwinge mich, die Augen zu öffnen und Becks anzusehen.

Beckett, der attraktive, typisch amerikanische Blondschopf, ist die Quintessenz des netten Jungen – das absolute Gegenteil von dem tätowierten Klischeerebellen, auf den ich grundsätzlich stehe. Mein Blick wandert unwillkürlich abwärts zu der Stelle, an der das Laken locker über seinen Hüften liegt. Auch wenn er vielleicht nicht mein Typ ist, kann ich ja trotzdem zu schätzen wissen, dass er einen megascharfen Körper hat. Automatisch muss ich daran denken, wie sich seine Muskeln unter meinen Fingern anfühlten. Ob ich mich je an ihn gewöhnen könnte? Ich meine – auf dieser Ebene?

Normalerweise liebe ich die wilden, unzuverlässigen, dramatischen, aber alles andere als langweiligen Beziehungen mit den Kerlen, vor denen einen die eigene Mutter immer gewarnt hat. Okay, wenn man das überhaupt Beziehungen nennen kann.

Mir entfährt ein Kichern, als mir ein Gedanke kommt: Wer hätte gedacht, dass Ry mit dem wilden finsteren Schurkentyp ins Bett geht – und ihn dann sogar heiratet! –, während ausgerechnet ich die Nacht mit dem typischen Südstaaten-Gentleman verbringe? Sieht aus, als hätten wir einen kleinen Rollentausch vollzogen.

Ich blicke wieder auf und fahre erschreckt zusammen, als ich Becks’ strahlend blauen Augen begegne. Einen Moment lang sehen wir uns verlegen an, dann gähnt er und grinst. »Morgen«, sagt er, ohne seinen Blick von mir zu lösen, als wolle er erst meine Reaktion abwarten, bevor er weiterspricht.

»Guten Morgen«, sage ich etwas steif, und schlage die Augen nieder. Ein Lächeln huscht über seine Lippen, und mein Herz kommt stotternd zum Stehen.

Plötzlich wird mir innerlich warm, und ich spüre, wie sich eine wunderbare Zufriedenheit in mein Herz stehlen will.

Nein!

Panik schnürt mir die Kehle zu.

Ich will nicht.

Und am wenigstens will ich, dass er mich ansieht, als könnte aus dem hier so viel mehr werden, wenn ich es nur zuließe.

Denn das hat Lexi getan.

Und was hat es Danny gebracht? Und Maddie?

Ich schüttele den Gedanken ab und kämpfe gegen die blanke Furcht an, die sich in meiner Magengrube festzusetzen beginnt. Hastig wende ich den Blick ab und rufe meine übereifrige Fantasie streng zur Ordnung, damit ich verdammt noch mal nicht durchdrehe. Es hat schließlich einen bestimmten Grund, dass ich die Batterien aus der biologischen Uhr genommen und in meinen Vibrator gesteckt habe.

Ich komme hiermit zurecht. Ich erinnere mich vielleicht nicht an jede Einzelheit von gestern Nacht, aber dass ich ihm gesagt habe, ich wollte etwas Unverbindliches, weiß ich noch sehr wohl. Er wusste von vornherein, auf was er sich einlässt. Was immer gestern Nacht passiert ist, geschah im gegenseitigen Einvernehmen und ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen. Warum also fürchte ich mich davor, wieder aufzublicken und ihm in die Augen zu sehen?

»Hey«, sagt er verschlafen, aber es klingt verunsichert. »Was denkst du gerade?«

Ich raffe das Laken um meine Brust zusammen und blicke auf. »Ach, mach dir keine Gedanken«, beginne ich und lächele ihn an. »Es ist alles okay. Wir waren vielleicht gestern beide ziemlich betrunken, aber ich bin nie zu betrunken, um genießen zu können, und – Alter Schwede! Genossen habe ich wahrhaftig.« Ich muss das einfach hinzufügen, denn der Mann hat es echt drauf. Nummer drei war definitiv noch mal eine Steigerung zu Nummer zwei, und auch Nummer vier war verdammt gut. Meine Bemerkung entlockt ihm ein spitzbübisches Grinsen, und am liebsten würde ich mich ihm sofort wieder an den Hals werfen. Aber das geht nicht. Denn der Gedanke, den ich nicht zu Ende zu denken wage, ist viel zu verlockend.

»Wir haben uns auf unverbindlichen Sex geeinigt, und das ist für mich absolut in Ordnung«, füge ich mit einem Achselzucken hinzu. Etwas flackert in seinem Blick auf, doch ich kann es nicht deuten, also fahre ich fort. »Ich bin nicht das typische Weibchen, das nach einer heißen Nacht anhänglich wird.«

»Stimmt. Du bist alles andere als typisch«, murmelt er schläfrig.

Das wirft mich etwas aus der Bahn. Ich stocke, rufe mir aber schließlich in Erinnerung, dass ich besser loswerde, worum es mir geht, ehe ich etwas tue, was ich später bereuen könnte. »Danke, aber ich wollte damit nur sagen, dass ich keine Frau bin, die dir nach ein bisschen unverbindlichem Sex schon hinterherläuft und Forderungen stellt.«

»Vier Mal zu kommen hat eigentlich nichts mit ›ein bisschen unverbindlichem Sex zu tun‹, oder?«, neckt er mich, und ich lache nervös.

»Hör auf, Becks, ich will uns doch bloß die Verlegenheit nehmen. Es tut mir leid, dass ich dich gestern gedrängt habe. Ich wollte bestimmt nicht, dass …« Ich seufze. Irgendwie wollen mir die richtigen Worte nicht einfallen.

»Niemand drängt mich zu etwas, das ich nicht will. Schon gar nicht beim Sex.«

Sein Blick sucht meinen, als wolle er noch mehr sagen, aber er tut es nicht. Also spreche ich aus, was mir noch auf der Seele liegt. »Danke, dass du auf mich aufgepasst hast«, sage ich und verziehe peinlich berührt das Gesicht, bin aber dennoch froh, dass es raus ist.

Wieder sieht er mich einen Moment lang stumm an, dann nickt er und setzt sich auf. »Okay. Schön, dass wir das geklärt haben.« Er schwingt die Beine aus dem Bett, sodass er mir den Rücken zukehrt, und fährt sich mit einer Hand durch sein zerzaustes Haar. »Keine Bedingungen, keine Forderungen«, wiederholt er, steht auf und marschiert splitterfasernackt auf das Badezimmer zu. Ich könnte schwören, dass er irgendwas von ›Lasso‹ und ›eingefangen‹ brummelt, aber ich bin zu abgelenkt von seinem Anblick, um genau hinzuhören.

Unverbindlich oder nicht – es wird doch wohl erlaubt sein, einen knackigen Hintern zu bewundern, oder?

Die Tür zum Bad fällt zu, und ich muss grinsen. Jetzt verstehe ich, warum Colton meint, Becks sei der beste Pit-Crew-Chef, den es im Rennzirkus geben kann. Meinen Motor hat er jedenfalls in der vergangenen Nacht mit konstanter Perfektion auf Touren gebracht.

Ich wälze mich auf den Rücken und blicke an die Decke. Die Toilettenspülung rauscht, dann wird die Dusche angedreht. Von draußen hört man gedämpft die Brandung, und ich lasse meine Gedanken wandern. Zurück zur gestrigen Nacht. Zu seinem Geruch, zu seinem Geschmack, dem Gefühl seiner Hände auf meiner Haut.

Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, und ich spüre ein Prickeln in meinem Bauch. Plötzlich habe ich Lust, laut aufzulachen, und mir wird bewusst, dass ich zum ersten Mal seit Langem aufgewacht bin, ohne dass die Trauer um Lexi meine Stimmung trübt.

Ich reibe mir die Augen. Schon seltsam, dass ich ausgerechnet heute Morgen das Gefühl habe, ich könnte meinen Kummer doch eines Tages überwinden. Und obwohl meine Gedanken immer wieder zu dem Kerl unter der Dusche nebenan zurückkehren, dränge ich sie zurück. Dränge ich ihn zurück. Es kann einfach nicht sein, dass ich wegen ihm so empfinde. Dass die vergangene Nacht oder die Art, wie er mit mir, umgegangen ist, etwas damit zu tun hat.

Wahrscheinlich liegt es allein an der körperlichen Entspannung. Genau. So wird es sein.

Außerdem: Wen interessiert schon das Warum? Nach vier Orgasmen muss man schließlich nicht mehr alles infrage stellen.

»Wie gefällt es dir eigentlich, deine eigene Chefin zu sein? Läuft es gut?«

Becks’ Frage reißt mich aus meinen Gedanken, während die Landschaft am Beifahrerfenster vorbeirauscht. Ich rücke auf meinem Platz ein wenig herum, sodass ich sein Profil sehen kann. Gott hat sich bei der Verteilung der Äußerlichkeiten bei ihm ganz sicher nicht lumpen lassen. Wieso bemerke ich das alles erst jetzt?

»Ja, und es ist ziemlich cool.« Ich zucke die Achseln. »Ich habe eine Reihe von Aufträgen von einem Unternehmen namens Scandalous bekommen. Sie kaufen alte Clubs in der Stadt und renovieren sie. Ich soll die Promotion für Wiedereröffnungsveranstaltungen machen, und wenn ihnen gefällt, wie es läuft, machen sie mich zu ihrer Standard-PR-Agentur.«

»Womit du einen wichtigen Kunden hast, der dir automatisch weitere einbringt. Nett«, sagt er und nickt bedächtig.

»Noch habe ich den Deal nicht in der Tasche. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.«

Er stößt ein schnaubendes Lachen aus. »Nicht so bescheiden. Ich bin sicher, dass der Auftrag gut verlaufen wird, denn schließlich wirst du ihn erledigen.«

Es freut mich, dass er eine so hohe Meinung von mir hat – und das nach gestern Nacht. Er setzt den Blinker und wirft mir dabei einen kurzen Blick zu, ehe er sich wieder auf die Straße konzentriert.

»Erzähl mir von dir.«

Ich betrachte ihn mit verengten Augen. Was soll die Frage? Ich meine, wir kennen uns doch schon über ein Jahr. Aber dann wird mir bewusst, dass Becks und ich uns bis auf ein paar oberflächliche Plaudereien nie wirklich ernsthaft unterhalten haben. Ganz sicher wissen wir kaum etwas über die Vergangenheit des anderen. Wodurch mir die Frage noch weniger gefällt. Wir wollten diese Sache doch unverbindlich halten, und dabei sind Zusatzinformationen nur hinderlich, oder?

»Becks, hör mal«, sage ich mit einem Seufzen. »Ich weiß wirklich zu schätzen, dass du die Situation auflockern willst, damit möglichst keine Verlegenheit aufkommt, aber wir müssen uns nicht krampfhaft kennenlernen.«

Er lacht leise und schüttelt den Kopf, als müsse er verarbeiten, was ich gerade gesagt habe. »Erstens frage ich dich nicht, weil ich meine, ich müsste es. Ich finde dich faszinierend und bin neugierig, also tu mir doch einfach den Gefallen.«

»Und zweitens?«, frage ich mit einem Hauch Trotz in der Stimme.

»Zweitens? Hm. Und zweitens habe ich keine Ahnung mehr, was ich sagen wollte, weil deine aufregenden Beine mich ablenken.« Er lacht, und natürlich fühle ich mich ungeheuer geschmeichelt. »Aber ich kann dir versichern, dass es etwas verdammt Gutes war.«

»Geschmeidig«, spotte ich gutmütig. Auf dieser Ebene fühle ich mich wohler.

»Magst du es vielleicht weniger geschmeidig? Kann ich auch.« Er grinst und tätschelt mein Knie. »Also?«

Ich seufze laut. Noch immer will mir nicht in den Kopf, was das soll, da wir keine gemeinsame Zukunft haben werden. »In Long Beach aufgewachsen, normale Kindheit, eine Schwester. Lexi«, erkläre ich ihm, als wüsste er das nicht längst, und werfe ihm verstohlen einen Seitenblick zu, um zu überprüfen, ob er das Beben in meiner Stimme gehört hat. Doch er blickt auf die Straße vor uns. »Gutes Mittelmaß in der Schule, nichts Herausragendes. Als ich im vorletzten Jahr war, wurde meine Mutter krank, und ich …«

»Krank?«

»Brustkrebs.« Im Augenwinkel sehe ich seinen schockierten Blick. Dass mehr als nur eine meiner nächsten Angehörigen von dieser Krankheit heimgesucht wurde, wusste er nicht – woher auch? »Sie hatte alle möglichen Behandlungen, OPs, Chemos und Rehas bis weit in mein Abschlussjahr hinein, aber ich schaffte es dennoch auf die UCLA.« Ich lächle bei der Erinnerung an meinen Frust, weil Lexi damals nach Arizona ging. Wir hatten uns immer ausgemalt, uns zusammen eine Wohnung zu nehmen, aber ich war dort nicht angenommen worden. »Jedenfalls marschierte ich im ersten Jahr in das mir zugewiesene Zimmer im Wohnheim und traf auf ein hübsches Mädchen mit braunen Haaren, neugierigen Augen und einem schüchternen Lächeln.«

»Rylee.«

»Jep. Meine Eltern fuhren wieder, nachdem ich ausgepackt hatte, und Ry und ich wurden unzertrennlich. Gemeinsam überlebten wir die üblichen Collegedramen wie Partys, Besäufnisse, zu viel Junkfood, Herzschmerz, Flirts und so weiter. Ich hatte das Glück, nach meinem Abschluss direkt einen Job bei PRX zu bekommen und arbeitete mich vom Mädchen für alles hoch, bis ich irgendwann meine eigenen PR-Events organisierte. Ich mochte die Stelle dort wirklich gerne, und nachdem ich einmal bewiesen hatte, dass das niedliche Blondchen nicht nur Deko war, konnte ich mir einen ziemlich guten Ruf erarbeiten.«

»Das ist die Untertreibung des Jahres, wenn du mich fragst«, sagt er, und wieder freut mich seine positive Meinung von mir mehr, als sie es sollte. »Warum hast du dann dort aufgehört und HaLex ins Leben gerufen?«

Ich schenke ihm ein kleines Lächeln, obwohl mein Herz schwer wird. »Weil Lexi und ich immer schon etwas zusammen machen wollten. Schon als Kinder organisierten wir gemeinsam für unsere Barbies Fotoshooting-Termine oder spielten mit Puppen Werbespots nach.« Ich lache bei der Erinnerung. »Sie hatte den BWL-Abschluss und das Know-how, ich die Erfahrung und die richtigen Verbindung, also beschlossen wir, es zu probieren. Was hatten wir schon zu verlieren? Ein paar Kunden boten mir kleinere Aufträge an, also kündigte ich bei PRX. Zwei Monate später bekam Lexi ihre Diagnose.«

»Had …«

Ich zucke die Achseln und tue, als sei es nichts gewesen, obwohl in Wirklichkeit meine ganze Welt eingestürzt war. »Tja. Und daher …« Ich lasse den Satz verklingen, da ich ohnehin nicht weiß, was ich sonst noch sagen soll. Ich räuspere mich, dann senkt sich Schweigen über uns.

»Und deine Mom? Ihr geht es inzwischen wieder gut?«

Der Schmerz durchdringt mich scharf. »Vier Jahre lang hatte sie Ruhe, dann meldete sich der Krebs zurück. Das zweite Mal war schlimm.« Ich schaudere. »Beidseitige Mastektomie, endlose Chemo, Bestrahlungen … grausig.«

Er streckt den Arm aus und greift nach meiner Hand. Die Geste tut mir gut, obwohl ich ihr üblicherweise aus dem Weg zu gehen versuche. Aber vor allem bin ich froh, dass er nicht »Das tut mir leid« sagt, denn ich kann es nicht mehr hören. Wieder senkt sich Schweigen über uns, als wir beide unseren Gedanken nachhängen.

Nach einer Weile beginnt Becks, mit dem Daumen über meine Hand zu streichen, und obwohl er mir sicher nur Trost spenden will, erinnert es mich auch wieder an den verdammt guten Sex, den wir gestern Nacht hatten. Ohne dass ich es kontrollieren könnte, reagiert mein Körper mit einem sehnsüchtigen Ziehen. Ich werfe ihm einen verstohlenen Blick zu, aber er konzentriert sich ganz auf den Straßenverkehr.

Ob er es auch spürt?

Oh, verdammt. Lass gut sein, Montgomery. Hör auf, mit der Muschi zu denken, wenn es doch nur etwas Einmaliges war. Hier geht es nicht um eine knospende Liebe, Herrgott noch mal. Konzentrier dich auf irgendwas Harmloses, ehe seine Erektion dein ganzes Denken beherrscht.

»Gestern Nacht …«, beginnt er und lässt den Satz verklingen, als er hinter sich blickt, um die Spur zu wechseln.

Ade, Herrschaft der Erektion.

Willkommen, Peinlichkeit.

Das war auf jeden Fall der Eimer mit kaltem Wasser, den ich brauchte, um mein frisch erwachtes Verlangen wieder auszulöschen. Ich tue so, als müsste ich mich am Arm kratzen, damit ich ihm die Hand entziehen kann.

Sein Seufzen verrät mir, dass er mich durchschaut hat, also wende ich mich ihm zu. Ich will, dass er meinen Gesichtsausdruck sieht, um zu verstehen, dass ich mit dem, was passiert ist, vollkommen im Reinen bin. Aber er blickt nicht zu mir – nicht einmal flüchtig.

»Hatte das was mit Lexi zu tun? Ich meine, irgendwann wirst du mit jemanden darüber reden müssen, oder …«

»Nein«, unterbreche ich ihn barsch. Ich muss nicht, und ich will nicht. Vor allem nicht jetzt. Bitte ruinier’ mir meine gute Laune nicht, Becks. »Möchtest du manchmal nicht auch einfach Spaß haben, ohne Komplikationen fürchten zu müssen? Komm schon, das kennst du doch sicher auch. Ja, ein Vibrator kann einem viel Freude machen, aber es geht doch nichts über eine agile Zunge.«

Er lacht laut, und ich weiß, dass ich die Frage für ein Weilchen aufgeschoben habe. »Ja, du hast recht, ich stehe auch definitiv auf Zungen.« Er bedenkt mich mit einem anzüglichen Blick und lacht wieder.

»Was denn?«, frage ich unschuldig und ziehe die Brauen hoch. »So ist das Leben.« Ich will noch eine clevere Bemerkung hinterherschicken, als ich feststelle, dass wir bereits in meine Auffahrt einbiegen.

Ich nehme meine Tasche aus dem Fußraum und greife nach dem Türgriff, als seine Stimme mich aufhält. »Kommst du klar?«

Seine Frage kann mehrfach interpretiert werden. Werde ich je mit Lexis Tod klarkommen? Komme ich damit klar, dass Rylee nun weg ist? Kann ich damit umgehen, dass die einzigen beiden Menschen, auf die ich mich in meinem Leben immer verlassen konnte, nicht mehr greifbar sind?

Ich entscheide mich für die Variante, mit deren Antwort ich keine Schwierigkeiten habe. »Womit? Allein zu leben? Na ja, Rylee war in den letzten Monaten ohnehin nicht mehr oft hier … Nun ist eben einfach offiziell.« Dennoch überkommt mich bei dem Gedanken, meine beste Freundin als Mitbewohnerin verloren zu haben, erneut Traurigkeit. Verdammt. Als hätte es in dem turbulenten vergangenen Jahr nicht schon genug Veränderungen gegeben. Es wird Zeit, dass langsam etwas Ruhe eintritt. »Ich glaube, es wird ganz schön, ein Weilchen allein zu leben. Von nun an kann ich sogar splitternackt durchs Haus tanzen, wenn mir danach wäre.«

Ich schenke ihm ein rasches Grinsen und will aussteigen, als mir einfällt, dass mein Handy noch in der Mittelkonsole liegt. Ich lehne mich wieder ins Auto und greife danach, aber Becks packt mein Handgelenk, und ich fahre erschreckt zusammen.

Dann sehe ich zu ihm auf. Sein Blick ist so aufrichtig, so freundlich und mitfühlend, dass ich nicht wegsehen kann, so gerne ich es auch täte. Ich will nicht, dass er ausspricht, was ich in seinem Blick zu lesen glaube, daher versuche ich, mich loszumachen, doch er hält mich einfach fest.

»Du weißt, dass du mich immer anrufen kannst, wenn du mich brauchen solltest, nicht wahr? Immer.«

Seine sonore Stimme berührt mich tief in meinem Inneren, und mir fällt einfach keine schlagfertige Bemerkung ein, die die Ernsthaftigkeit dieses Augenblicks auflockern könnte.

Daher nicke ich nur. »Okay. Danke.« Ohne meinen Blick abzuwenden, taste ich nach meinem Handy, steige aus und werfe die Tür zu. Erleichtert atme ich durch, kehre dem Wagen den Rücken zu und gehe zum Haus.

Ich weiß nicht genau, was ich empfinde, als ich eintrete, die Tür schließe und mich mit dem Rücken dagegen lehne, während ich auf den Motor von Becks’ Wagen draußen lausche, aber es kommt mir vor, als könnte ich zum ersten Mal seit einer Ewigkeit richtig Luft holen.

Was zum Henker ist denn mit dir los, Montgomery? Es war bloß Sex. Nur überwältigender Sex mit multiplen Orgasmen. Krieg dich wieder ein. Denk an was anderes. Blick nach vorne.

Mein Kopf will, mein Körper leider nicht.

Ich lasse meine Tasche auf den Boden fallen, werfe Schlüssel und Handy in das Körbchen auf den Tisch im Flur und gehe in die Küche. Im Vorbeigehen drücke ich auf die Taste des Anrufbeantworters und blende den Telefonverkäufer aus, während ich den Kühlschrank öffne und nach einer Cola light suche. Der Apparat piept, und Maddies Stimme ertönt in der leeren Küche.

»Hallo, Tantchen. Wie war denn die schicke Hochzeit? Ganz bestimmt toll, oder? Ich freu mich so auf dich. Ich weiß schon, was wir spielen können.«

Wie immer geht mir sofort das Herz auf, und unwillkürlich muss ich lächeln. Ich bin gespannt, was sie für morgen geplant hat. Letzte Woche haben wir zuerst auf dem Spielplatz Sandkuchen gebacken, später dann den Barbies Tee und Kekse serviert.

Es klingelt an der Tür, und mein Herz setzt einen Schlag aus, als mir sofort Becks in den Sinn kommt. Vielleicht habe ich ja etwas im Auto vergessen.

Und wieso beginnt mein Puls prompt zu jagen?

Mist!