Dieser Tage - Manfred Rumpl - ebook

Dieser Tage ebook

Manfred Rumpl

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Opis

Die Europäische Union ist Geschichte, dafür stehen überall Grenzzäune, es herrscht eine große Wirtschafts- und Gesellschaftskrise. In dieser nahen Zukunft lebt Vincent Pygmali, und er hat Liebeskummer: Seine wunderschöne Freundin Gala ist buchstäblich vor seinen Augen verschwunden. Außerdem hat er seinen Job verloren. Geblieben sind ihm seine Gefühle für Gala - weshalb er sie als Hologramm wiederauferstehen lassen will. Dabei hilft ihm Rita, eine Kämpferin für die Frauen, für die Verliererinnen der neuen Zeit, die durch Politik und Korruption um ihre Existenz gebracht werden. Es scheint, als würde Vincent seine Gala bald vergessen. Hochaktuelle Themen im Mantel einer Liebesgeschichte: Manfred Rumpl zeichnet mit punktgenauem Gespür eine Zukunft, die nur wenige Schritte von der Gegenwart entfernt zu liegen scheint und in der, allem Schrecken zum Trotz, die Liebe überlebt.

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MANFRED RUMPL

Dieser

Tage

Für Dessi

Copyright © 2016 Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien Alle Rechte vorbehalten Grafische Gestaltung: Dorothea Löcker, Wien Umschlagabbildung: © marcus hammerschmitt/bobsairport ISBN 978-3-7117-2035-1 eISBN 978-3-7117-5308-3

Informationen über das aktuelle Programm des Picus Verlags und Veranstaltungen unterwww.picus.at

Manfred Rumpl, 1960 in der Steiermark geboren, jobbte in verschiedenen Sparten in Österreich und Deutschland, bevor er in Graz und Wien Philosophie studierte und mit einer Arbeit über Baudelaire abschloss. Für seine Romane erhielt er unter anderem den »aspekte«-Literaturpreis des ZDF und den Deutschen Kritikerpreis. Manfred Rumpl lebt in Wien und in der Steiermark. Im Picus Verlag erschien 2015 »Reisende in Sachen Relativität«, ein Roman über Erwin Schrödinger. www.manfredrumpl.com

MANFRED RUMPL

DIESER

TAGE

ROMAN

PICUS VERLAG WIEN

I

Er öffnete die Augen und betrachtete die Frau neben sich, die sich plötzlich rührte unter seinem Blick. Sie streckte sich, zog sich mit ein paar Schritten, die sie in einem Traum machte, das Leintuch von der Brust und murmelte etwas, das er nicht verstand.

Als hätte sie vor irgendetwas Angst.

In letzter Zeit fürchtet sie sich vor etwas, dachte er, den Kopf in seine Hand gestützt, um sie in Ruhe betrachten zu können. Wenngleich ihn Geburtstage so gut wie nie in Euphorie versetzten, freute er sich auf diesen besonderen Tag nun schon seit Wochen.

Im Gegensatz zur Geliebten fühlte er sich im Zentrum der Aufmerksamkeit nie richtig wohl, was wohl auch in der Wahl ihrer Berufe zum Ausdruck kam: die Schauspielerin und der Informatiker. Ein eher introvertierter Mann und eine sehr extrovertierte Frau; oder die Exhibitionistin und der in sich gekehrte Computerfreak, Analytiker und Bücherwurm. Gar nicht so selten bemühte jemand das Bild von den Gegensätzen, die einander anziehen, wenn die Rede auf sie als Paar kam.

Das Licht dieses Septembers fiel in Streifen durch die Jalousien und hob Teile von ihr aus der Dunkelheit. Strähnen ihres glatten Haars über der Linie ihrer Wange, lange Wimpern mit einem frechen Schwung und ein violettes Lid, das ihren Blick verbarg, der jetzt nach innen ging, wo etwas nicht in Ordnung zu sein schien; und dann da, die Rundung ihrer nackten Brust, die in den Schwung einer Hüfte mündete, der sich unter dem Laken verlor und am Hintern wieder zum Vorschein kam, um sich von Norden nach Süden zu erstrecken, wie ein Gebirgszug, bis zu ihren Zehen.

»Die Anden«, murmelte er. Er rückte näher an sie heran und begann sie zu streicheln.

Er glitt mit den Fingern über Stirn, Wange, Hals und ihr Schlüsselbein nach unten, bis eine Hand auf ihrer Brust zu liegen kam. Sie schüttelte den Traum mit einem Seufzen ab, streckte ihre Arme aus und kam ihm mit geschlossenen Augen entgegen. Zwischen ihren Lippen glänzte die Zunge.

Er reiste weiter mit seiner Hand, bis unter das Leintuch, wo er sie auf ihren stoppligen Hügel legte und den Mittelfinger in ihre Spalte senkte, die warm war und feucht. Langsam kam sie ihm entgegen. Sie schlang einen Schenkel um seine Hüfte, damit er von der Seite in sie eindringen konnte. Mit einer einzigen Bewegung füllte er sie aus. Er verharrte eine Weile, um im Zwielicht ihren Blick zu suchen, aber sie öffnete die Augen noch immer nicht. Ihr Gesicht leuchtete im Muster dieses frühen Lichts vor reiner Lust, während er sie in Zeitlupe liebte.

Sie tauschten die Körper und verwandelten sich in ein vor Begierde bebendes Ungeheuer, das sich mit acht Extremitäten selbst verschlang. Nachdem sie sich über zwei Oktaven gewimmert hatte, verfiel sie in ein tiefes Gurren, dann zog sie ihn mit einem Seufzer in sich hinein, in dem Trauer und Lust sich überlagerten.

»Alles Gute zum Geburtstag«, flüsterte er ihr ins Ohr, während sie Schulter an Schulter darauf warteten, dass der Schweiß auf ihrer Haut trocknete.

Später, er hatte sich frei genommen, richtete er das Frühstück. Er fuhr auf, was er gestern spätabends, nach der Arbeit, in einem Deli in der Innenstadt besorgt hatte. Sekt, Garnelen, Schinken aus San Daniele, Chutney, getrüffelten Käse. Er kochte Kaffee aus jamaikanischen Bohnen und pochierte ein paar Eier von Hühnern, die ein zertifiziert hühnerwürdiges Leben führten.

Während sie wortlos das Frühstück genossen, schoss er ganz nebenbei – wie ein skeptischer Amor seine Pfeile – Blicke auf sie ab. Sie saßen auf der Terrasse, im toten Winkel der nachbarlichen Neugier. Gala trug einen dünnen Morgenmantel. Ein schwarzes Etwas, das sie sich auf ihrer Reise nach Italien gekauft hatte. Wenn der Wind eine Brise zu ihm trug, konnte er riechen, was sie im Bett gemacht hatten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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