Die Stunde des Kraken - Peter Glowotz - ebook

Die Stunde des Kraken ebook

Peter Glowotz

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Opis

Eine kryptische Zeichnung, eine ermordete Prostituierte und ein verschwundener Greis, um den sich ein bizarres Geheimnis rankt: ein Fall für die Augsburger Privatdetektivin Dr. Lara Gropius. So rätselhaft wie das Verschwinden des alten Mannes ist auch das Verhalten seiner Schwiegertochter. Woher rührt ihre panische Angst? Wird die stürmische Nacht, in der Lara auf einem Leuchtturm an der Ostseeküste mit einer Begegnung auf Leben und Tod konfrontiert wird, die Antwort ans Licht bringen? Die ›Stunde des Kraken‹ - wem wird sie schlagen?

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Peter Glowotz

Die Stunde des Kraken

Ein Fall für Lara Gropius

Impressum

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Montasser Medienagentur, München.

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2015 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75 / 20 95 - 0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2015

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung/E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Fotos von: © full image – Fotolia.com

und © flas100 – Fotolia.com

ISBN 978-3-8392-4856-0

Lied

Das Lied vom Tod

Es ist ein Schnitter, heißt der Tod,

hat G’walt vom großen Gott!

Heut wetzt er das Messer,

es schneidt schon viel besser,

bald wird er drein schneiden,

wir müssen’s erleiden.

Hüt dich, schön’sBlümelein!

Volkslied, 17. Jahrhundert

Prolog

Kalter Schweiß perlte auf der Stirn des Mannes, als er den leisen Summton vernahm. Obwohl er den Anruf erwartet hatte, fuhr ihm das Geräusch durch Mark und Bein. Mit flatternden Lidern starrte er auf das Telefon, als habe er eine zum Angriff aufgerichtete Giftnatter vor sich. Wie paralysiert von der entsetzlichen Vorstellung, dass der, dessen Stimme er gleich vernehmen würde, eigentlich ein Toter war. Ein Phantom, das die unüberwindliche Mauer zwischen Sein und Nichtsein eingerissen hatte und wie selbstverständlich den Trümmern entstiegen war, als habe es die Vergangenheit nie gegeben.

Erneut bohrte sich der Summton in das Dunkel des Zimmers. Mit panischem Blick musterte er das grün leuchtende Display: »Unbekannt.« Wie bereits die vergangenen Male attackierte ihn das Phantom auch diesmal wieder aus der Anonymität heraus. Blieb nur die Hoffnung, dass die Fangschaltung, die er über die Gruppe in Auftrag gegeben hatte, diesmal funktionierte.

Ein neuerliches Summen.

»Drecksack!«, kommentierte er heiser. Noch immer zögerte er, zum Hörer zu greifen. Dabei wusste er, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er vor dem Geräusch kapitulieren würde; er konnte nicht anders. Obwohl er wusste, was ihn erwartete, wenn er abnahm. Zuerst würde eine geisterhafte Melodie an sein Ohr dringen. Eine alte Volksweise, scharf und schrill gespielt auf einer Blockflöte. Dann würde das Phantom wieder diesen Namen flüstern. Jenen verdammten Namen, den er bis vor wenigen Wochen noch von der Vergangenheit zermalmt und vom Wind der Zeit in alle Richtungen verweht wähnte, was ein verhängnisvoller Irrtum gewesen war.

Abermals fuhr ihm der Summton in die Knochen. Mit einer heftigen Bewegung nahm er den Hörer auf.

Es ist ein Schnitter, heißt: der Tod …

Der grelle Klang der Flöte vermittelte ihm das Gefühl, durch das Gehör hindurch gepfählt zu werden. Längst schon hatte sich sein Asthma zurückgemeldet, wie immer, wenn er erregt war. Sein Atem wurde schneller, begann zu pfeifen. Gleich würde die Melodie abrupt enden, das Phantom würde diesen elenden Namen flüstern und dann einfach auflegen.

Und ihn seiner Panik überlassen. Wie die letzten Male auch.

Widerstand regte sich in ihm.

»Gib dich endlich zu erkennen, du Schwein! Was willst du? Wer bist du?«, bellte er keuchend in den Hörer, mitten in das Klagen der Flöte hinein. Ein verzweifelter Versuch, sich gegen das Entsetzen zu stemmen.

Doch das Phantom ließ sich nicht beirren.

Erst nachdem die Melodie zu Ende war und er den geflüsterten Namen zur Kenntnis genommen hatte, beendete ein Klacken den Anruf, und das Display erlosch.

Vollkommene Dunkelheit umgab ihn jetzt. Sie drückte auf seinen Brustkorb, presste ihn in den Stuhl, in dem er saß, und zwang wieder dieses furchtbare Bild aus längst vergangenen Zeiten vor sein inneres Auge. Eine Illustration aus der alten Bilderbibel seiner katholischen Großmutter, in der er als Kind hatte hin und wieder blättern dürfen. Ein bedrückend realistisch gezeichnetes alttestamentarisches Szenario, das sich in sein kindliches Gehirn regelrecht hineingebrannt hatte. Im Laufe der Jahrzehnte war es in den Tiefen seiner Erinnerung versandet, aber bereits beim ersten Anruf des Phantoms wieder schlagartig an die Oberfläche seines Bewusstseins getreten. Obwohl er mit Religion nie etwas am Hut gehabt hatte, verfolgten ihn die Wucht dieses Bildes und die dazu gehörenden Bibelverse nun schon seit Wochen mit einer Intensität, die bis in seine Träume hineinreichte und ihn regelmäßig schweißgebadet aus dem Schlaf schrecken ließ.

Die Vision des Sehers Ezechiel.

Ein Tal, angefüllt mit Totengebeinen. Soweit das Auge reicht, ausgebleichte Schädel und Skelette. Ein Geräusch, das das gesamte Tal erfüllt. Ein Klappern, das immer mehr anschwillt. Auf unheimliche Weise setzen sich die Gebeine plötzlich in Bewegung, finden zueinander, überziehen sich zusehends mit Sehnen, Fleisch und Haut …

… und der Odem des Herrn kam in sie, und sie begannen zu leben, und sie stellten sich auf ihre Füße, eine sehr, sehr große Streitmacht …

Die Armee der Toten. Sie war zurückgekehrt.

Und sie marschierte geradewegs auf ihn zu.

Ihm blieb nicht mehr viel Zeit.

Kapitel 1

Augsburg | 11. September 2007 | DI

»Bitte setzen Sie sich doch!«

Privatdetektivin Dr. Lara Gropius wies mit einer einladenden Geste auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch, während sie selbst dahinter auf einem Drehstuhl Platz nahm.

Groß, mindestens 1,80. Figur wie ein Model, Alter etwa Mitte 40. Eigentlich sehr hübsch. Kurzhaarfrisur, blondiert, sehr gepflegt. Ziemlich mondän: Outfit vom Feinsten, sogar die Accessoires: Allein die Gucci-Handtasche muss ein Vermögen gekostet haben, scannte Dr. Gropius im Stillen die Erscheinung, die soeben in ihr Büro getreten war. Die Frau hatte gestern Nachmittag angerufen und um einen Termin gebeten, ohne näher auf ihr Anliegen einzugehen. Sie hatte sich als Carmen Demuth, Ehefrau von Dr. Lothar Demuth, dem Inhaber einer großen Augsburger Werbeagentur, vorgestellt. Beheimatet war die Familie in Inning am Ammersee. Über das Unternehmen war in den letzten Wochen mehrfach im Wirtschaftsteil der Süddeutschen berichtet worden. Demuth & Partner hatte sich für einen millionenschweren Werbeetat der bayerischen Staatsregierung beworben und befand sich zusammen mit zwei weiteren Mitbewerbern aus München in der engeren Auswahl. Es war das erste Mal, dass eine Agentur außerhalb der bayerischen Landeshauptstadt da mitmischen durfte.

Ganz schön vulgär! Hockt da wie ein Bierkutscher, resümierte Lara Gropius in Gedanken, nachdem ihre Besucherin sich breitbeinig auf dem Stuhl niedergelassen hatte. Kurz berockt, die langen, wohlgeformten Beine in feinste Nylons mit schwarzer Netzoptik gehüllt, gab sie einen Anblick preis, der in der Lage gewesen wäre, den Puls eines Voyeurs in beängstigende Höhen zu treiben.

Dann aber erreichte sie ein Blick aus den Augen der Frau. Ein Blick aus dunklen Tiefen, den sie aus vielen Jahren Polizeidienst nur zu gut kannte.

Angst. Sie ist regelrecht durch den Wind vor Angst, da gibt man auf solche Dinge nicht Acht, korrigierte sie sich sofort. In den Jahren als Hauptkommissarin bei der Kriminalpolizei hatte sich ihre Fähigkeit, Blicke zu deuten, geschärft. Eine überdurchschnittliche Gabe, über die sie schon in jungen Jahren verfügte und die ihr im Präsidium den Spitznamen »Miss Eye« eingebracht hatte.

»Danke, dass sie mich empfangen«, begann Carmen Demuth leise, unterbrach sich aber sofort wieder. Ihre Rechte fingerte eine Zigarette aus der Handtasche, während ihre Linke nach einem Feuerzeug kramte.

»Moment bitte.« Lara Gropius rollte mit ihrem Drehstuhl ein Stück zur Seite und öffnete die Balkontür direkt hinter ihr.

»Wenn Sie rauchen wollen, dann bitte hier«, bemerkte sie lächelnd und deutete mit einer Kopfbewegung nach draußen. »Sie können den leeren Blumenkasten da am Geländer als Ascher benutzen.«

»’tschuldigung, ich hätte wahrscheinlich erst fragen sollen, … aber … na ja, Sie wissen ja, wie das so ist: Macht der Gewohnheit«, rechtfertigte sich die Gemaßregelte verlegen. Mit einem säuerlichen Lächeln ließ sie die Zigarette in die Handtasche zurückgleiten.

»Ich bitte Sie, das macht doch nichts. Eingefleischte Gewohnheiten sind nun mal nicht leicht zu ändern. Ich kann ein Lied davon singen. Ich rauche nicht, dafür nerve ich meine Zeitgenossen mit … Aber lassen wir das. Sagen Sie mir lieber, was ich für Sie tun kann, Frau Demuth«, sagte Lara Gropius und versuchte bewusst, die in langen Jahren im Polizeidienst erworbene Distanz aus ihrer Stimme zu nehmen. Eine engagierte Privatermittlerin nahm Anteil am Anliegen ihrer Klienten, ließ sie Vertrauen spüren und gab ihnen das Gefühl, sich bei ihr in guten Händen zu befinden.

Carmen Demuth schlug die Beine übereinander und faltete die Hände über der Gucci-Tasche auf den Knien.

Ihre Worte kamen leise und zögernd.

»Es … geht um meinen Schwiegervater. Er wohnt nur wenige Kilometer von uns entfernt am Wörthsee. Genauer gesagt in Bachern. Er ist verschwunden.«

»Und?«

Die Frau sah sie ärgerlich an. »Wie und! Das können Sie sich doch denken. Nun suche ich jemanden, der ihn sucht. Sie sind doch Privatdetektivin, oder?«

Lara Gropius ignorierte den aggressiven Ton.

»Wie alt ist Ihr Schwiegervater, Frau Demuth? Und seit wann vermissen sie ihn?«, fragte sie sanft nach.

»In einem Monat wird er 87. Verschwunden ist er vor vier Wochen. Das ist er.«

Carmen Demuth griff in das Seitenfach ihrer Handtasche und zog ein farbiges Porträtbild hervor, das sie Lara reichte. Es zeigte einen distinguierten älteren Herrn mit weißem, dünnem perfekt geschnittenem Schnauzer, ebenso weißem beneidenswert vollem Haar und einem verhaltenen, fast schüchternen Lächeln. Was besonders ins Auge stach, war die stark gebogene Nase.

»Wie alt, sagten Sie, ist Ihr Schwiegervater?«, vergewisserte sich Lara.

»87.«

»Dann ist dieses Bild schon mindestens zehn Jahre alt, wenn nicht älter!«

Carmen Demuth schüttelte den Kopf. »Es ist erst letztes Jahr gemacht worden. Er sieht bedeutend jünger aus, als er ist.«

Lara hob anerkennend die Brauen. »Alle Achtung! – Und verschwunden ist er vor vier Wochen?«

Die Frau nickte. »Sie werden sich vielleicht fragen, warum wir die Polizei nicht einschalten. Aber das wollen weder ich noch mein Mann. Wir möchten nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. In unserem Bekannten- und Freundeskreis würde das für … nun für gewisse Irritationen sorgen. Außerdem fürchtet mein Mann eine negative Presse. ›Vater von Dr. Lothar Demuth verschwunden‹ – wenn so was in der Zeitung stünde, könnte dies seiner Reputation schaden. Gerade jetzt, wo alle darauf warten, wer den Etat der Staatsregierung bekommt.«

»Verstehe«, murmelte Lara Gropius, was absolut nicht der Wahrheit entsprach. Dass jemand die Interessen seiner Firma über die der eigenen Angehörigen stellte, kam sicher des Öfteren vor, lag jedoch jenseits ihres Verständnishorizontes. Allerdings schienen weder Carmen Demuth noch ihr Mann die genaue Gesetzeslage zu kennen.

Lara lehnte sich in ihren Stuhl zurück und spielte mit einem Bleistift, während sie die Frau aufklärte.

»Frau Demuth, jeder Erwachsene, der im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte ist, hat das Recht, seinen Aufenthaltsort frei zu wählen. Es ist nicht notwendig, dass er diesen seinen Angehörigen oder Freunden mitteilt. Das heißt, die Polizei ermittelt nur, wenn eine erwachsene Person ihren gewohnten Lebenskreis verlassen hat, ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt ist und eine Gefahr für Leib und Leben besteht. All drei Faktoren zusammen ergeben erst die Notwendigkeit, polizeilich zu ermitteln.«

Carmen Demuth wirkte überrascht. Aber auch erleichtert.

»Ach so«, murmelte sie.

»Vermuten Sie denn eine Gefahr für Leib und Leben Ihres Schwiegervaters?«

Sie schüttelte heftig den Kopf. »So weit würde ich auf keinen Fall gehen. Aber ich meine, wenn jemand einfach so verschwindet, … dann macht man sich halt Sorgen.«

»Ihr Mann und Sie sind also übereingekommen, einen privaten Ermittlungsdienst einzuschalten und …«

»Nein!« Carmen Demuth schüttelte energisch den Kopf.

Lara Gropius sah sie zweifelnd an. »Nein? Sie sagten doch eben selbst, Sie suchen jemanden, der …«

»Mein Mann weiß nicht, dass ich hier bin. Und er braucht es vorerst auch nicht zu erfahren, verstehen Sie?«

Lara Gropius seufzte. »Noch nicht. Aber Sie werden mich sicherlich aufklären.«

»Wie ich schon sagte: Mein Mann will auf keinen Fall, dass die Sache an die Öffentlichkeit gelangt. Er glaubt, dass der Alte irgendwann wieder auftauchen wird, und dann wäre die ganze Aufregung umsonst.«

»Und woher rührt dieser … Optimismus? Immerhin ist Ihr Schwiegervater 87.«

»Sie müssen wissen, dass der alte Demuth noch unglaublich rüstig ist. Sowohl körperlich als auch geistig. Außerdem fuhr er immer wieder mal weg. Einfach so, ohne Ankündigung.«

»Ohne Ankündigung? Das heißt, er fuhr einfach weg, ohne Bescheid zu sagen?«

»Ja. Früher war das noch anders. Da hat er zumindest mich oder die Kinder informiert. In den letzten Jahren allerdings nicht mehr. Nur die Zugehfrau, der hat er Bescheid gegeben, aber auch nur, von wann bis wann er weg war, nicht über sein Reiseziel.«

Lara runzelte die Stirn.

»Aber dann müsste sie doch wissen, wann Ihr Schwiegervater wieder zurück sein wollte?«

»Eben nicht. Bevor er verreiste, hat er ihr gekündigt.«

»Wie lange blieb er immer weg?«

»In der Regel vier Tage, aber nie länger als höchstens zwei, drei Wochen. Nach drei, vier Tagen, manchmal auch erst, nachdem er wieder zu Haus war, kam dann eine Postkarte an seine Enkel. Mein Mann sagt, die Karte werde schon noch kommen. Diesmal sei der Alte eben einfach länger unterwegs.«

Der Alte! Zwischen dem Verschwundenen und seiner Familie schien nicht gerade ein inniges Verhältnis zu bestehen. Obwohl sich Carmen Demuth im Gegensatz zu ihrem Mann deutlich mehr Sorgen machte.

»Aber Sie denken das nicht, ich meine das mit der Postkarte, dass die noch kommen wird. Sonst wären Sie nicht hier, nicht wahr?«, fasste die Detektivin nach.

Carmen Demuth nickte nur und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Sie wurde zunehmend unsicherer.

Plötzlich beugte sie sich ruckartig nach vorne. »Bevor Sie mich mit weiteren Fragen löchern – ich gehe davon aus, dass Sie den Fall übernehmen, oder …?«

Lara Gropius überlegte. Vor drei Tagen erst hatte sie ihr Büro eröffnet. Und nun schon der erste attraktive Auftrag. Der auch noch ziemlich lukrativ daherzukommen schien. Erteilt von einer Klientin, die einen solventen Eindruck machte und bestimmt nicht an der Höhe des Honorars herummäkeln würde. Nach einer Person zu suchen, deren Verschwinden noch keinem konkreten Hintergrund zugeordnet werden konnte, stellte eine anspruchsvolle Herausforderung dar und verlieh dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz. Vielleicht war der Mann, um den es hier ging, tatsächlich nur für längere Zeit verreist – vielleicht aber auch, wenn man an die seltsamen Umstände dachte …

»Gut«, entschied die Detektivin, »ich übernehme die Recherchen – vorausgesetzt, wir werden uns einig, was das Finanzielle angeht.«

»Wie viel?« Carmen Demuth schien nichts anderes erwartet zu haben.

»Ich koste Sie 75 Euro die Stunde; Spesen nicht eingerechnet, Kilometerpauschale 65 Cent. Wir fixieren den Auftrag schriftlich, es gibt da ein Formular, das Sie mir unterschreiben und auf dem wir Art und Umfang des Auftrags festhalten, außerdem bekomme ich in der Regel von meinen Klienten einen Vorschuss.«

Wortlos zog Carmen Demuth eine schmale Ledermappe aus ihrer Handtasche und klappte sie auf. Ein Scheckheft kam zum Vorschein. Und ein Füllfederhalter, dessen schwarzsilberne Kappe ein Diamant zierte.

Montblanc, verflucht teuer, registrierte die Detektivin und beobachtete, wie die Frau die Kappe abzog und einen Scheck ausfüllte.

»Hier«, sagte Carmen Demuth und schob ihr das Papier über den Schreibtisch zu. »5.000. Die müssten fürs Erste reichen, denke ich doch. Füllen sie den Vertrag oder dieses Formular oder was auch immer aus und schicken Sie’s mir zu. Ich zeichne es gegen und sende es Ihnen zurück.«

Eine der unbestreitbaren Stärken Lara Gropius’ bestand darin, genau dann verbale Präsenz zu zeigen, wenn andere vor Sprachlosigkeit erstarrten.

»Ich muss noch einmal auf meine Frage von soeben zurückkommen, Frau Demuth«, überspielte sie mit gekonnt gleichgültigem Ton ihre Verblüffung. »Das mit der Postkarte. Warum glauben Sie, dass die nicht doch noch kommen wird? Es muss doch irgendeinen Grund geben, weshalb Sie den Optimismus Ihres Mannes nicht teilen.« Sie zog die Schreibtischschublade auf und legte den Scheck hinein.

Die Antwort klang gepresst. »Den gibt’s auch. Es muss … es ist diesmal alles irgendwie anders.«

»Anders?« Lara gab der Schublade einen Schubs; sie schloss mit einem leisen Klacken.

Ihre Mandantin nickte heftig mit dem Kopf. »Ja, da gibt es ein paar Dinge … die haben mich stutzig gemacht. Als ich meinem Mann davon erzählte, hat er nur gelacht und gesagt, ich solle mir nicht immer so einen Schmarrn einbilden. Das habe alles keine Bedeutung.«

»Was denn zum Beispiel?«

»Im Haus fehlen ein paar Sachen. Der Alte hat Bilder aus einem Fotoalbum rausgerissen, wahrscheinlich hat er sie mitgenommen. Das Bild mit unseren beiden Kindern, das immer auf der Kommode im Wohnzimmer stand, … das ist auch nicht mehr da. Und noch ein paar andere Dinge. Ein Schachspiel aus Jade, ein wertvolles Speiseservice aus Meissner Porzellan … und sein Cello.«

»Ihr Schwiegervater spielt Cello?«

»Leidenschaftlich! Er hat sogar schon mal ein öffentliches Konzert gegeben, zusammen mit seinen Musikerfreunden. Darüber wurde sogar in der Lokalzeitung berichtet. Die Musik und sein Instrument bedeuten ihm alles, er hütet das Cello wie seinen Augapfel.«

»Und Ihnen fiel sofort auf, dass die Sachen fehlten?«

Carmen Demuth nickte. »Das und noch ein paar andere Dinge. Sie müssen wissen, bei meinem Schwiegervater hatte alles seine feste Ordnung, da war er ziemlich eigen. Das Schachspiel zum Beispiel, das stand immer auf dem Kaminsims im Musikzimmer, das Porzellanservice in einer Glasvitrine im Wohnzimmer, und das Cello hatte seinen Platz auf dem Ständer neben dem Flügel. Das Schachspiel war ein Geschenk seiner Frau, und aus dem Porzellanservice haben die beiden jeden Tag Tee getrunken – als sie noch lebte. Nach ihrem Tod hat er es nicht ein einziges Mal mehr angerührt. Und dann war da noch … die Geschichte mit dem Kalender … und der Haushälterin … und das mit dem Boot.« Carmen Demuth machte eine Pause und begann wieder nervös in ihrer Handtasche zu fummeln. Wahrscheinlich, ohne dass sie es bewusst wahrnahm, zog sie erneut eine Zigarette und ein Feuerzeug heraus.

»Na gut, stecken sie sich meinetwegen eine an.« Lara seufzte und schob ihr einen flachen Unterteller als Ascher zu.

Jetzt erst schien die Demuth Zigarette und Feuerzeug in ihrer Hand zu bemerken.

»Oh, was bin ich doch … Aber sehr nett, vielen Dank«, murmelte sie sichtlich erleichtert. Sie klemmte sich die Zigarette zwischen die Lippen, ließ das Feuerzeug klicken und machte ein paar hungrige Züge. Blaue Schwaden stiegen auf und verflüchtigten sich im Raum. Die Gesichtszüge der Frau entspannten sich zusehends.

»Noch mal der Reihe nach, Frau Demuth. Sie erwähnten gerade ein paar Sachen, die fehlen. Wie erklärt sich Ihr Mann diesen Umstand?«

Carmen Demuth verzog den linken Mundwinkel und stieß ärgerlich Rauch aus. »Pah, mein Mann. Der macht sich’s einfach. Der glaubt, dass mein Schwiegervater das alles verhökert oder verschenkt hat, schließlich wüssten wir ja gar nicht, was er so alles treibt. Und die Bilder habe er einfach mitgenommen, um sie jemandem zu zeigen.«

»Wann sind sie eigentlich draufgekommen, dass da etwas nicht stimmt?«

»Nachdem wir vier Wochen lang nichts mehr von ihm gehört hatten, wollte ich gestern nach dem Rechten sehen und bin zu ihm nach Hause gefahren. Aber da war alles abgeschlossen. Sogar die Gartentür, die er eigentlich nie verschlossen hielt, selbst wenn er mal wegfuhr. Alles wirkte … völlig verlassen. Dummerweise hatte ich meine Schlüssel vergessen. Ich bin dann zu seiner Zugehfrau gefahren, die einmal die Woche zu ihm kommt, und bat sie, mir ihre Schlüssel zu geben. Bei der Gelegenheit erzählte sie mir, er habe ihr am 9. August gekündigt, als sie das letzte Mal bei ihm gewesen sei. Die Schlüssel hatte sie ihm natürlich zurückgegeben. Sie wunderte sich, dass ich davon nichts wusste. Also bin ich wieder nach Hause gefahren, um meine zu holen, dann zurück zum Haus meines Schwiegervaters. Als ich hineinging, glaubte ich zunächst, es sei alles wie sonst. Aber dann fielen mir diese Ungereimtheiten auf … die Sachen, die fehlten. Das mit dem Bild auf der Kommode – ich meine, dass es nicht mehr da war – stach mir zuerst ins Auge.«

»Sie sprechen von dem Bild mit Ihren beiden Kindern? Sie sind also zuerst ins Wohnzimmer gegangen?«

Carmen Demuth verneinte mit einem Kopfschütteln. »Zuerst in den Keller.«

»In den Keller?«

»Ja. Wenn man das Haus betritt, gelangt man zuerst ins Vestibül. Von da aus führt eine Wendeltreppe in den Keller. Als ich ins Haus trat, also ins Vestibül, drang von unten ein Geräusch nach oben, eine Art rascheln. Ich bin daraufhin runter gegangen, sah dann aber, dass es nur eine Maus war«, die Demuth zeigte ein nervöses Lächeln, »wahrscheinlich kam sie durch eines der Kellerfenster rein; die standen das eine oder andere Mal schon offen. Bei der Gelegenheit hab ich mich dann gleich da unten umgesehen, aber da war nichts Besonderes. Im Gegensatz zu anderen Kellern ist der von meinem Schwiegervater nämlich ziemlich leer, müssen Sie wissen. Das Wichtigste im Keller ist der Tresor. Da bewahrt er Dokumente und andere Unterlagen auf, sogar die ganz normalen Kontoauszüge, wie er mir einmal in einer seltenen Anwandlung von Vertrautheit erklärte. Ich bin dann wieder hochgegangen und …«

»Verzeihen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber gibt es denn außer Ihrem Schwiegervater sonst noch jemanden, der Zugang zum Tresor hat?«

»Natürlich nicht. Mein Mann hat mal versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er den Zahlencode herausrücken sollte, man könne ja nie wissen, was passiert, aber da hat ihm der Alte eine ganz schöne Abfuhr erteilt. Für den Fall der Fälle habe er schon vorgesorgt, sagte er, was immer er damit auch meinte.«

»Gab es noch andere Stellen, an denen Ihr Schwiegervater Papiere aufbewahrte?«

»Nicht dass ich wüsste.«

»Gibt es eine Vollmacht? Eine Bankvollmacht, eine Patientenverfügung oder dergleichen?«

Sie lachte sarkastisch auf. »Wo denken Sie hin. Der Alte glaubt wahrscheinlich, er lebt ewig. Vor zehn Jahren, kurz, nachdem seine Frau gestorben war, hatten wir das Gespräch mal darauf gebracht, aber schon damals wollte er nichts davon wissen. Er wurde regelrecht wütend. So agil, wie er ist, besteht auch keinerlei Aussicht, ihn für unmündig erklären zu lassen.«

»Es gibt doch sicher ein Testament. Wer ist der Begünstigte?«

Sie nickte. »Ja, das gibt es, aber das Einzige, was wir darüber wissen, ist, dass es bei seinem Anwalt liegt, einem Dr. Schindler in Augsburg. Den Inhalt kennen wir nicht. Auch darüber konnte man nicht mit ihm sprechen. Und der Anwalt beruft sich auf seine Schweigepflicht. Aber ich gehe davon aus, dass unser Sohn und unsere Tochter die Haupterben sind.«

Lara nickte nachdenklich. Sie überlegte. Das völlig zerrüttete Verhältnis zwischen dem Vermissten und seiner Familie machte sein Verhalten bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.

»Erzählen Sie weiter, Frau Demuth. Möglichst der Reihe nach. Nachdem Sie den Keller inspiziert hatten, sind Sie also wieder nach oben gegangen, ins Wohnzimmer.«

Carmen Demuth schüttelte den Kopf. »Nein, zuerst bin ich hoch in den ersten Stock. Ich hab überall erst einmal die Jalousien hochgezogen und die Fenster aufgemacht, um frische Luft hereinzulassen. Dann bin ich die oberen Zimmer durchgegangen, aber da war nichts Auffälliges. Erst danach hab ich mir das Erdgeschoss vorgenommen.«

»Wo Sie, wie ich annehme, ebenfalls zuerst die Jalousien hochgezogen und gelüftet haben.«

»Ja, es roch überall ziemlich muffig.«

»Sie gingen dann ins Wohnzimmer, wo Ihnen das mit dem Bild auf der Kommode auffiel; das Bild mit Ihren Kindern.«

»Ja. Der Rahmen war leer, das Foto mit unserem Sohn und unserer Tochter war entfernt worden. Als ich mich dann weiter umsah …«

»Ihr Sohn und Ihre Tochter – sind das die einzigen Enkel, die Ihr Schwiegervater hat?«, unterbrach Lara sie erneut.

Carmen Demuth nickte und nutzte die Unterbrechung, um erneut an ihrer Zigarette zu saugen.

»Ja. Allerdings wohnt unsere Tochter seit vier Wochen nicht mehr zu Hause. Sie studiert in Heidelberg Medizin«, ergänzte sie.

Lara Gropius nickte. »Was ist Ihnen noch aufgefallen?«

»Das mit dem Kalender. Ich meine den Kalender mit den Monatsblättern, der an der Wand im Wohnzimmer hängt. Er zeigte eigenartigerweise den Oktober an, obwohl wir heute erst den …« Demuth zog die Stirn kraus und überlegte kurz.

»Heute ist der 11. Dienstag, der 11. September«, kam Gropius ihr zu Hilfe.

»Richtig. Ich dachte noch, komisch, der Alte war doch sonst immer so pingelig mit Daten und Zahlen. Er hat auf dem Wandkalender immer sämtliche aktuellen Termine vermerkt; Arztbesuche, Konzerte, die er hin und wieder besuchte, die Abende, an denen er sich mit seinen Freunden zum Musizieren traf, und so weiter, eben einfach alles.«

»Und auf dem Oktoberblatt, was stand da?«

Die Frau schüttelte den Kopf. »Eigentlich nichts. Außer, dass da ein Tag dick angekreuzt war, der 14. Oktober. Und eine Uhrzeit stand noch dabei, 23:30 Uhr. Ach ja, und etwas dazugemalt hat er, mit Kugelschreiber. Eine Art … Krake. Sieht aus wie ’ne Schmiererei, die man manchmal so in Gedanken vor sich hinzeichnet, wenn man telefoniert.«

»Was ist das für ein Tag, dieser 14. Oktober? Was bedeutet er Ihrem Schwiegervater?«

Achselzucken.

»Keine Ahnung, ich kann mit dem Datum nichts anfangen.«

»Wie war das mit den Fotos, die er aus einem Album rausgerissen hat?«

Carmen Demuth leckte sich die Lippen und schnippte Asche in den flachen Teller. »In seinem Musikzimmer gibt es ein Bücherregal, da stand ein Fotoalbum drin. Es lag aufgeschlagen in einem der Regale. Es enthielt ’ne Menge Bilder, auf denen die Kinder und auch seine verstorbene Frau drauf waren. Aber er hat sie alle herausgetrennt. Er muss sie mitgenommen haben.«

Lara Gropius überlegte kurz, bevor sie eine weitere Frage stellte. »Sagen Sie Frau Demuth, das Verhältnis Ihres Schwiegervaters zu seinen Enkeln, wie würden Sie das beschreiben?«

Carmen Demuth zuckte mit den Schultern; Kringel blauen Rauchs drangen aus dem rund geformten Mund. »Er hängt sehr an ihnen und sie an ihm. Die Beziehung könnte nicht besser sein – ganz im Gegensatz zu dem Verhältnis, das mein Mann und ich zu ihm haben«, antwortete sie und kam damit einer weiteren Frage Laras zuvor.

»Darf ich fragen, seit wann es diese … Verstimmung zwischen Ihnen gibt?«

»Schon ewig.«

»Und der Grund? Ich will nicht indiskret sein, verstehen Sie mich recht.«

Die Demuth schüttelte den Kopf. »Kein Problem. Den eigentlichen Grund kenne ich nicht. Die Kluft zwischen meinem Mann und seinem Vater war schon nicht zu übersehen, als ich vor über 20 Jahren in die Familie hineinheiratete. Seit ich denken kann, hat er unser Haus nie betreten. Seine Frau, die Else, kam nur zwei, drei Mal im Jahr vorbei, meistens kurz vor Weihnachten oder zu Ostern. Anfangs hat mich das alles ein bisschen geschmerzt. Besonders nachdem die Kinder da waren. Ich erinnere mich noch daran, wie Lothar reagierte, als ich ihm den Vorschlag machte, sich seine Mutter zeitweise um die Kinder kümmern zu lassen. Da war Ann-Sophie neun, und Tim noch nicht mal ein Jahr alt. Ich arbeitete damals noch ganztags als Assistenzärztin in einer Klinik. Er wurde richtig wütend. Das käme nicht infrage. Seine Mutter allein in unserem Haus, womöglich brächte sie noch den »Alten« mit – nein, das solle ich mir aus dem Kopf schlagen. Wir haben dann ein Kindermädchen eingestellt.«

»Sie haben Medizin studiert?«

Carmen Demuth nickte. Sog an ihrer Zigarette, inhalierte tief und entließ den Rauch aus dem Mundwinkel.

»Was das desolate Verhältnis zu seinem Vater anging, hat er also nichts Konkretes genannt?«

Die Demuth verneinte mit einem Kopfschütteln. »Ich habe Lothar mehrfach nach dem Grund des Zwistes gefragt, aber immer nur eine ausweichende Antwort erhalten. Sein Vater und er seien einfach zu unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich bin es dann irgendwann leid geworden, das Ganze zu hinterfragen. Zu seiner Mutter hatte Lothar ein etwas besseres Verhältnis. Leider kam sie vor zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Selbst danach hat er sich bis auf wenige Ausnahmen nie um ihn gekümmert. Selten, dass er das Gespräch von sich aus auf ihn bringt. Ich bin die Einzige, die so alle zwei Wochen mal nach ihm sieht. Irgendjemand muss es ja tun. Und natürlich die Kinder, die, wie gesagt, sehr an ihm hängen. Mein Sohn radelt alle paar Tage zu ihm. Als Ann-Sophie noch zu Hause wohnte, hat auch sie ihn regelmäßig besucht.«

»Wie haben Ihre Kinder das Verschwinden ihres Großvaters aufgenommen?«

»Wie mein Mann glaubt auch meine Tochter, dass er nur verreist ist und bald wieder zurückkommt. Tim nimmt die Abwesenheit seines Großvaters mit der Sorglosigkeit eines Elfjährigen zur Kenntnis. Neulich sagte er zu mir, Opa werde bald wieder kommen, schließlich habe er ihm versprochen, eine DVD mit ihm anzuschauen, irgend so ein Indianerfilm. Jeden Tag sieht er im Briefkasten nach, ob eine Postkarte von ihm da ist.«

»Diese Postkarten – woher kamen die bisher?«

»Von dort, wo er sich jeweils aufhielt, natürlich.«

Ärger stieg in Lara hoch. »Das ist mir klar, Frau Demuth. Ich möchte gerne wissen, wo konkret sich Ihr Schwiegervater aufgehalten hat, wenn er mal verreiste.«

Die Demuth machte eine vage Handbewegung. »Unterschiedlich. Mal in Spanien, mal im Elsass, mal in den Niederlanden. Oder sonst wo im europäischen Ausland. Außer in der Schweiz und in Österreich, da ist er bis jetzt noch nie gewesen.«

»Gibt es dafür einen Grund?«

»Er mochte keine hohen Berge. Sie würden ihn erdrücken, hat er mal zu meiner Tochter gesagt. Einzige Ausnahme war die Gegend um den Gardasee. Den liebte er. Seit dem Tod seiner Frau war er allerdings nicht mehr dort.«

Lara sah vor sich hin und spielte wieder einige Augenblicke gedankenverloren mit ihrem Bleistift.

»Und das Boot? Was ist damit?«, fragte sie und hob den Blick.

»Bitte?«

»Sie sagten noch etwas von einem Boot, das sie irritiert habe.«

»Ach ja, das Boot, natürlich.« Die Demuth rieb sich genervt die Stirn. Lara entging nicht, wie ein Ausdruck von Furcht in ihren Blick trat. »Das ist auch so eine seltsame Geschichte. Mein Mann … Quatsch, mein Schwiegervater … besaß ein Ruderboot. Er hatte es auf den Namen seiner verstorbenen Frau getauft: Else. Es war immer im Bootshaus festgemacht. … Ich sagte ja schon, das Anwesen grenzt direkt an den See … Mit dem Boot ruderte er immer wieder mal am Ufer entlang zu einem ganz bestimmten Platz am Rand eines Wäldchens, das sich bis zum See hinunter zieht. Dort steht eine Bank, ganz nah am Wasser. Ziemlich einsam gelegen, aber sehr idyllisch. Als meine Schwiegermutter noch lebte, machten die beiden dort regelmäßig Picknick. Auch nachdem sie gestorben war, war er regelmäßig dort; hin und wieder picknickte er da auch mit unserem Sohn. Wenn sie damit fertig waren, ruderten sie wieder zurück. Kurz bevor mein Schwiegervater verschwand, muss er wieder dort gewesen sein. Vielleicht war es aber auch jemand anders. Das Seltsame ist nämlich …«, die Demuth hielt kurz inne, »das Seltsame ist, dass das Boot an dieser Stelle versenkt wurde. Die auf der Gemeindeverwaltung meinen, das sei ein Dummerjungenstreich gewesen. Einer oder mehrere Jugendliche hätten das Boot geklaut und es dann mutwillig versenkt … aber das kann ich mir nicht vorstellen.« Erneut glaubte Lara, für einen kurzen Moment Anzeichen von Panik im Blick der Frau bemerkt zu haben, die jedoch sofort wieder verschwanden.

»Wie wurde das Boot versenkt?«, fragte sie.

»Mit einer Axt. Jemand hat ein Loch in die Bodenplanken geschlagen.«

»Wer fand es?«

»Ein Spaziergänger. Der See ist an dieser Stelle des Ufers nicht besonders tief. Der obere Teil des Bootes ragte aus dem Wasser. Die Axt lag in einem Gebüsch am Ufer. Er hat den Fund der Gemeindeverwaltung gemeldet. Die haben dann nachgesehen und die Axt geborgen. Sie gehörte meinem Schwiegervater. Der, der das Boot versenkt hat, muss sie aus dem Schuppen entwendet haben.«

»Wann erfuhren Sie davon?«

»An dem Tag, als ich nach ihm sehen wollte. Da hatte ich ja, wie ich schon sagte, seine ehemalige Haushälterin aufgesucht. Die erzählte es mir dann; sie wusste es von ihrer Schwester, die auf der Gemeinde arbeitet. Ich bin dann zur Gemeindeverwaltung gefahren, um dort nachzufragen. Da sagten sie mir das mit dem Dummerjungenstreich, und dass sie das Wrack bereits entsorgt hätten, und händigten mir die Axt aus. Dann haben sie mich noch gefragt, warum mein Schwiegervater das Ganze nicht der Polizei gemeldet hat.«

»Und was haben Sie geantwortet?«

»Dass er verreist sei und es nicht mitbekommen habe.«

»Sagen Sie Frau Demuth: Wann hat dieser Spaziergänger das Bootswrack entdeckt?«

Die Demut zuckte mit der Schulter. »Das kann ich nicht auf den Tag genau sagen. Es muss etwa um die gleiche Zeit gewesen sein, als mein Schwiegervater verschwand.«

Lara nickte. »Da werde ich wohl bei der Gemeinde nachfragen müssen. – Apropos nachfragen: Ich werde notgedrungen in Ihrem Umfeld recherchieren müssen, Frau Demuth. Wenn ich Sie recht verstanden habe, soll Ihr Mann aber nicht wissen, dass Sie mich beauftragt haben. Da sehe ich ein gewisses Problem. Es dürfte meine Arbeit ziemlich erschweren.«

Carmen Demuth runzelte die Brauen. Ein intensiver Zug an der mittlerweile fast aufgerauchten Zigarette wölbte ihre Wangen stark nach innen und ließ ihr Gesicht auf einmal alt und eingefallen erscheinen.

»Sie haben recht. Das habe ich nicht bedacht«, sagte sie ärgerlich, nachdem sie ein letztes Mal Dampf aus dem Mundwinkel abgelassen hatte. Sie beugte sich nach vorne und drückte den Rest der Zigarette mit solch wütender Entschlossenheit auf dem Teller aus, dass es den Anschein hatte, als quetsche sie einer Fliege das Leben aus dem Leib. »Ich weiß noch nicht, wie ich das Problem lösen werde. Irgendwas wird mir schon einfallen. Um meinen Mann und das Hauspersonal werden Sie wohl vorerst einen großen Bogen machen müssen. Ansonsten haben Sie freie Bahn. Unter einer Voraussetzung: Nichts darf nach außen dringen, nichts, das darauf hindeutet, dass sich jemand Sorgen wegen der Abwesenheit des Alten macht. Das ist eine absolut strikte Bedingung, verstehen Sie? Wie Sie’s anstellen, dass die Leute, die Sie befragen wollen, nichts spitzkriegen, ist Ihre Sache. Sie sind die Detektivin.«

»Wen sollte ich denn Ihrer Meinung nach befragen? Welche sozialen Kontakte pflegte Ihr Schwiegervater?«

Carmen Demuth machte eine vage Handbewegung. »Nicht viele. Aber ich denke, sie könnten seine ehemalige Zugehfrau befragen. Oder seine beiden Musikerfreunde. Außerdem gibt es da noch das Weinlokal, in dem er regelmäßig verkehrte. Ich weiß auch, dass er sich hin und wieder mit der Zeitungsausträgerin länger unterhielt. Vielleicht stoßen Sie ja noch auf weitere Personen.«

»Verfügen Sie über Adressen und Telefonnummern dieser Personen?«

Die Demuth nickte. »Auf jeden Fall über die von seiner Zugehfrau und von seinen Musikerfreunden. Ich werde sie Ihnen zumailen.«

Sie kramte eine Visitenkarte aus ihrer Handtasche und reichte sie Lara. »Auf der Rückseite habe ich eine Handynummer notiert, die nur vier Personen kennen. Mein Mann, meine beiden Kinder und mein Schwiegervater. Sie sind die fünfte. Ich hab das Handy immer dabei. Sie können mich jederzeit anrufen, auch nachts, wenn’s sein muss. Und jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muss noch zu einem anderen Termin.« Sie erhob sich und strich das knappe Stück Stoff glatt, das zwei Handbreit über dem Knie endete – die Andeutung eines Rocks, der mehr freigab, als er verhüllte.

»Bevor Sie gehen, noch was, Frau Demuth«, sagte Lara Gropius und trat hinter dem Schreibtisch hervor. »Ich sagte ja schon: Ich pflege die Umgebung der Personen, über die ich Recherchen anstelle, genau auszuleuchten. Es wäre mir eine große Hilfe, wenn ich Haus und Anwesen Ihres Schwiegervaters inspizieren könnte, und zwar möglichst ungestört.«

»Tun Sie, was Sie für richtig halten.«

»Und Ihr Mann? Ich meine, was ist, wenn ich dort zufällig mit ihm zusammentreffe? Oder mit jemand anderem?«

Carmen Demuth schüttelte den Kopf. »Keine Sorge. Mein Mann hat das Haus seit Jahren nicht mehr betreten. Und da mein Schwiegervater seiner Zugehfrau gekündigt hat, gibt es auch niemanden sonst, dem Sie dort begegnen könnten.«

»Und wie komme ich hinein?«

Carmen Demuth überlegte kurz, dann griff sie abermals in ihre Handtasche, aus deren schier unergründlichen Tiefen sie diesmal einen Schlüsselbund ans Tageslicht holte.

»Da ist alles dran, was sie brauchen. Gartentor-, Schuppen-, Gewächshaus-, Bootshaus- und sämtliche anderen Schlüssel fürs Haus. Sie können ihn vorerst behalten; zu Hause hab ich noch einen in petto«, sagte sie und legte den Schlüsselbund auf den Schreibtisch.

Sie gingen zur Tür. Als habe sie etwas vergessen, blieb die Demuth plötzlich stehen.

»Ach ja, noch was, der Vollständigkeit halber. Mein Schwiegervater besitzt eine Pistole. Eine Walther PPK 7.65. Immer wenn er auf Reisen geht, nimmt er sie mit. Eine alte Gewohnheit. Er hat sie auch jetzt wieder dabei. Ich wollte Ihnen das nur sagen – wie gesagt, der Vollständigkeit halber.«

Lara sah sie verblüfft an.

»Und das erzählen Sie mir so ganz beiläufig?«

»Es ist mir gerade eingefallen. Glauben Sie mir, es hat nichts weiter zu bedeuten. Die Waffe ist seit Jahrzehnten in seinem Besitz. Er hatte sie schon dabei, als er mit Else auf Reisen ging. Sie gebe ihm Sicherheit, hat er gesagt.«

»Besitzt er einen Waffenschein?«

Die Demuth nickte. »Natürlich.«

»Woher wissen Sie, dass er die Waffe auch jetzt bei sich führt?«

»Er verwahrt sie in seiner Kommode im Wohnzimmer. In einer Schublade. Ich habe in der Schublade nachgesehen, sie war nicht abgeschlossen wie sonst. Und sie war leer.«

Lara öffnete die Tür.

»Wie werden Sie vorgehen?«, fragte ihre Klientin.

»Das werde ich Ihnen spätestens übermorgen sagen können, Frau Demuth. Ich lasse von mir hören.«

Sie gaben sich die Hände. Die von Carmen Demuth war kalt und feucht. Lara Gropius entging nicht, dass sie zitterte.

Kapitel 2

»Hi, Tuchy, wie geht’s denn so?«

Schweigen am anderen Ende der Leitung.

»Was ist, hat’s dir die Sprache verschlagen? Du bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen.«

»Mensch, Lara! – schon wieder da?«, dröhnte eine Stimme mit breitem schwäbischem Einschlag.

Lara Gropius lachte. »Ja, hab mir gedacht, dass ich meinen neuen Lebensabschnitt als Privatermittlerin früher als geplant starten sollte.«

»Hoi! Und warum? Ich dachte, du bist mit deinem Sohn für zwei Monate in Ägypten. Der wollte doch da irgendwas ausbuddeln. Wieder mal Krach gehabt?«

Lara musste erneut lachen. »Blödsinn! Unsere Reise war absolut harmonisch. Luca ist vernünftiger geworden. Und was das Ausbuddeln angeht, wie du das nennst: Mein Sohn möchte ein Seminar beim Deutschen Archäologischen Institut in Kairo absolvieren. Du weißt ja, er studiert Altertumswissenschaften und schreibt gerade seine Diplomarbeit. Ich bin mit nach Kairo geflogen, weil ich vorhatte, mal ausgiebig Urlaub zu machen. Aber der Chefarchäologe, bei dem Luca sich vorstellen wollte, ist plötzlich krank geworden. Also haben wir zusammen ein paar schöne Tage am Roten Meer verbracht. Vor zwei Wochen ging’s dann wieder heim.«

»Vor zwei Wochen schon? Und warum meldest du dich erst jetzt?«

»Arbeit, mein Lieber. Stress. Mach du dich mal selbständig. Steuerberater suchen, Firma anmelden, Büro herrichten, Anzeige aufgeben, Homepage einrichten und so weiter.«

»Anzeige aufgeben? Homepage einrichten?«

»Na klar. Wenn du ’ne Detektei aufmachst, musst du ’ne Anzeige aufgeben und ’ne Homepage einrichten. Wie sollen die Leute sonst wissen, dass es dich gibt.«

»Ach so, jetzt versteh’ ich. Und, schon Erfolg gehabt?«

»Ob du’s glaubst oder nicht: mehr als das – Volltreffer!«

»Sag bloß! Da will ich aber mehr wissen.«

»Gern. Heute Abend vielleicht? So gegen neun? Ich lad’ dich ein. Dich und Jo. Ins La Traviata. Garnelen satt und Salat vom Buffet. Wie wärs?«

»Klingt genial. Wart’ mal kurz, ich frag beim Jo nach.«

Lara Gropius hörte, wie der Mann, den sie Tuchy genannt hatte, den Hörer auf dem Tisch ablegte, und das Rücken eines Bürostuhls. Tuchy hieß mit richtigem Namen Kurt Tucholsky. Allerdings war das Einzige, was er mit seinem berühmten Namensvetter gemein hatte, seine Leidenschaft fürs Pfeiferauchen. Lara legte die Beine auf den Schreibtisch und wartete. Jos Büro – sein korrekter Name lautete auf Johannes Bartholomäus Eisele – lag am anderen Ende des Ganges, und Tuchy war mit seinen fast 110 Kilo nicht unbedingt der Schnellste. Die Detektivin legte den Hörer ebenfalls auf dem Schreibtisch ab und schaltete den Lautsprecher ein. Seit ihrem Abschied vom Polizeidienst vor drei Monaten war es das erste Mal, dass sie im K1 anrief. Was sie mit den beiden teilzeitbeschäftigten Kriminalhauptkommissaren verband, ging über das, was man unter kollegialer Solidarität verstand, weit hinaus. Fast zehn Jahre gemeinsamer Arbeit hatten sie zusammengeschweißt, ohne dass die Schweißnaht jemals durch plumpe Vertraulichkeiten oder aufdringliche Annäherungsversuche vonseiten der beiden männlichen Kollegen belastet worden wäre. Obwohl Lara Gropius mit ihren 46 Jahren immer noch eine außergewöhnlich attraktive Frau war, und Tucholsky und Eisele, was das Wahrnehmen weiblicher Reize anging, nicht gerade Ignoranten waren. So wie sie aussehe, könne sie durchaus mit einer Jennifer Aniston konkurrieren, hatte Eisele im Kollegenkreis einmal verlauten lassen. Johannes Bartholomäus Eisele, von allen im Präsidium kurz »Jo« genannt, war Kinogänger aus Passion, ledig, ein Jahr jünger als Kurt Tucholsky und dafür bekannt, dass seine diversen Beziehungen mindestens ebenso locker waren wie seine Sprüche. Als geradezu legendär galt die Qualität seines Bio-Honigs, das Produkt eines weiteren von ihm mit aller Leidenschaft betriebenen Hobbys, der Imkerei.

Dass Lara das Trio verließ, hatte im Präsidium anfangs für Irritationen gesorgt und bei gewissen übergeordneten Stellen sogar Bestürzung ausgelöst. Den Grund dafür hatte der zuständige Polizeirat auf den Punkt gebracht, als sie ihren Ausstand gab. Da hatte er ihr während einer kleinen Ansprache nicht nur »einen messerscharfen Verstand und jenes entscheidende Quäntchen mehr an Intuition, über das leider nur wenige verfügen« bescheinigt, sondern auch »menschliche Wärme, solidarisches Verhalten im Kollegenkreis und ein mit hoher Sensibilität gepaartes Einfühlungsvermögen«. Dass auch der Gropius gelegentlich eine Laus über die Leber lief, hatte er taktvollerweise verschwiegen. In solchen Fällen schwankte die Nadel ihres Stimmungsbarometers zwischen »leicht angesäuert« und »sauer«, konnte aber auch mal sehr schnell bis hin zu »stinksauer« ausschlagen. Je nachdem, wie sich die Großwetterlage während der Bearbeitung eines Falles entwickelte. Nur einmal im Verlauf der Jahre hatten die Kollegen erlebt, wie es war, wenn die Nadel auf »unausstehlich« schnellte. Als zufolge einer schweren Schlappe, die ein Mitarbeiter einer von ihr geleiteten Sonderkommission zu verantworten hatte, ein Entführungsopfer – ein sechsjähriger Bub – nicht rechtzeitig befreit werden konnte und getötet worden war. Der Täter war nie gefasst worden …

»Lara?«

Lara schwang die Beine vom Schreibtisch, schaltete den Telefonlautsprecher wieder aus und angelte sich den Hörer.

»Und klappt’s?«

»Logisch, klar.«

»Na wunderbar, dann bis heute Abend. Ich werde pünktlich sein.«

»Wir auch. Bis später.«

Lara legte auf und erhob sich aus ihrem Drehstuhl. Trat auf den kleinen Balkon hinaus, dessen Tür noch immer offen stand, und stützte die Arme auf das bauchig ausgeformte Eisengeländer. Von der Konrad-Adenauer-Allee drangen die spätnachmittäglichen Rush-Hour-Geräusche aus Motorenlärm und Reifenquietschen sowie dem Dröhnen und Knirschen anfahrender und bremsender Straßenbahnen herauf. Feierabend. Lara blickte auf die etwa 100 Meter entfernte Feinstaub-Messstation am Königsplatz und überlegte, welche Daten dort wohl im Moment gespeichert werden mochten. Der Gedanke daran bewog sie, wieder ins Haus zu treten, die Balkontür zu schließen und sich an ihren Schreibtisch zu setzen; es gab schließlich noch allerhand, das erledigt werden musste …

Als sie Stunden später auf ihre Armanduhr sah, erschrak sie; drei Minuten vor neun. Sie beschloss, für heute Feierabend zu machen. Immerhin hatte sie Tuchy versprochen, pünktlich zu sein, und bis zum La Traviata waren es gut und gerne zehn Minuten zu Fuß.

Als sie das Büro verließ und die Tür sich hinter ihr schloss, wunderte sie sich, wie dunkel es im Treppenhaus war. Dann aber, während sie zum Aufzug ging, fiel ihr ein, dass die Hausverwaltung angekündigt hatte, am Abend die Notbeleuchtung testen zu wollen, wofür die anderen Lichtquellen ausgeschaltet werden mussten. Alles war völlig still, sie hatte das Gefühl, die einzige Person zu sein, die sich noch in dem erst kürzlich sanierten Bürogebäude aufhielt. Sie wollte gerade den Knopf drücken, um den Aufzug zu holen, als ein lautes Knarren sie innehalten ließ. Sie fuhr herum. Wieder knarrte es. Das Geräusch schien von oberhalb der hölzernen Treppe zu kommen, die auf eine kleine Empore führte. Die Treppe war das Einzige, das nach der Gebäudesanierung noch im Urzustand verblieben war. Lara trat an sie heran und spähte nach oben. Die Stufen verloren sich im Dunkel …

»Hallo! Ist da wer?«

Der Knall kam plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung! Ein dumpfer Schmerz explodierte unter ihrem linken Rippenbogen, sie taumelte zurück und ging zu Boden. Im selben Moment war die dunkle Gestalt auch schon an ihr vorbei und stürzte das Treppenhaus hinunter.

»Dämlicher Idiot!«

Lara probierte aufzustehen, was ihr angesichts der Schmerzen nur mühsam gelang. Als sie das Gefühl hatte, wieder einigermaßen sicher stehen zu können, tastete sie ihre Rippen ab und stellte erleichtert fest, dass sie ohne Schwierigkeiten tief durchatmen konnte – wenigstens war nichts gebrochen. Der Mann – Lara war sicher, dass es sich um einen Mann handelte – musste ihr die Faust oder den Ellbogen in die Seite gerammt haben.

Sie zog ihr Pfefferspray aus der Handtasche, ging langsam zum Aufzug und drückte den Knopf. Als sich die Kabinentür öffnete, trat sie einen Schritt zurück und hob die Dose.

Der Aufzug war leer.

Lara stieg ein und drückte E. Als sich die Tür im Erdgeschoss öffnete, trat sie zwischen die Lichtschranken und spähte, noch immer das Spray in der Hand, in sämtliche Richtungen. Niemand zu sehen. Sie sah zur Drehtür. Das allabendliche Lichterflirren der Innenstadt drang durch die Glasfront und erhellte den Eingangsbereich. Lara steckte das Spray in die Handtasche zurück und schaute auf die Uhr: Viertel nach neun. Tuchy und Jo saßen sicher bereits vor gefüllten Weingläsern und würden ihr Zuspätkommen mit irgendeiner schwäbischen Frotzelei kommentieren.

Kapitel 3

»Hallo, Lara!«

Ungeachtet des voll besetzten Restaurants schallte Tucholskys dröhnender Bass so laut durch das Lokal, dass das lebhafte Stimmenrauschen für einen kurzen Augenblick in peinliches Schweigen absackte. Was ihm allerdings nichts auszumachen schien. Seine mächtigen Pranken wie Windmühlenflügel schwingend, stand er vor einem der beliebten lauschig eingerichteten Separees, die man normalerweise mindestens zwei Tage vorher buchen musste.

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