Die Lightroom-Meisterklasse - Martin Evening - ebook

Die Lightroom-Meisterklasse ebook

Martin Evening

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Opis

Wozu Nachbearbeitung, wenn sie nicht zu dem Bild führt, das Sie beim Fotografieren vor Augen hatten? Und wie genau kommen Sie in Lightroom und Photoshop zum gewünschten Resultat? Mit diesem Buch lernen Sie, die Funktionen von Lightroom CC und Photoshop CC so einzusetzen, dass Sie die Aussage Ihrer Bilder gezielt herausarbeiten. Martin Evening führt Sie durch den kompletten Workflow von der Aufnahme über die Retusche bis zum Druck. Sie lernen die Arbeitsweise und das Zusammenspiel der Bedienfeld-Regler in Lightroom kennen, verstehen die Korrekturwerkzeuge richtig zu nutzen und wann und wie es effektiver ist, Ihr Bild in Photoshop zu bearbeiten. Die Beispielprojekte veranschaulichen wichtige Bearbeitungstechniken – das Gelernte können Sie schnell auf Ihre eigenen Bilder anwenden. So lernen Sie ganz praxisnah, wie Sie mit Lightroom und Photoshop vollenden, was Sie im Moment der Aufnahme begonnen haben. Aus dem Inhalt: - Dateitypen, Farbräume und Histogramme – was Sie bereits beim Fotografieren beachten müssen, um später optimal nachbearbeiten zu können - Grundeinstellungen – wie Sie Ihre Bilder optimal vorbereiten - Tonwert- und Farbkorrekturen – so arbeiten Sie richtig mit Kontrast, Lichtern und Tiefen - Farbmanagement – einheitliche Farben vom Monitor bis zur Druckausgabe - Komposition überarbeiten – wie Sie Bildelemente neu anordnen und Perspektivfehler beheben - Überblendungstechniken – erstellen Sie Panorama- oder HDR-Bilder, retuschieren Sie Überflüssiges oder erweitern Sie die Schärfentiefe mit Focus Stacking - Retusche – führen Sie auch komplexe Arbeiten mit dem Bereichsreparaturwerkzeug aus und wenden Sie Handkolorierung und Weichzeichnungseffekte an - u.v.a.m.

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Die Lightroom-Meisterklasse

Mit gezielter Nachbearbeitung zu besseren Fotos

Martin Evening

Martin Evening

Übersetzung: Claudia Koch, [email protected]: Boris KarnikowskiKorrektorat: Friederike Daenecke, ZülpichFachlektor: Karsten B. Rose, kabrun.comSatz: Ulrich Borstelmann, www.borstelmann.deHerstellung: Susanne BröckelmannUmschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.deDruck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe (Saale)

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:

Print   978-3-86490-407-3

PDF   978-3-96088-080-6

ePub   978-3-96088-081-3

mobi   978-3-96088-082-0

1. Auflage 2017

Translation Copyright für die deutschsprachige Ausgabe © 2017 dpunkt.verlag GmbH Wieblinger Weg 17

69123 Heidelberg

Authorized translation from the English language edition, entitled

Lightroom Transformations: Realizing your vision with Adobe Lightroom plus Photoshop, 1st Edition by Martin Evening, published by Pearson Education, Inc, publishing as New Riders, Copyright © 2016 by Martin Evening, 978-0134398280.

All rights reserved. No part of this book may be reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopying, recording or by any information storage retrieval system, without permission from Pearson Education, Inc.

German language edition published by dpunkt.verlag GmbH, Copyright © 2017

Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und daher strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.

Es wird darauf hingewiesen, dass die im Buch verwendeten Soft- und Hardware-Bezeichnungen sowie Markennamen und Produktbezeichnungen der jeweiligen Firmen im Allgemeinen warenzeichen-, marken- oder patentrechtlichem Schutz unterliegen.

Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden mit größter Sorgfalt kontrolliert. Weder Autor noch Verlag können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden, die in Zusammenhang mit der Verwendung dieses Buches stehen.

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Einführung

Meinen ersten Kontakt mit digitaler Bildbearbeitung hatte ich Ende der 80er-Jahre, als ich eines meiner Fotos von einem Quantel Paintbox-Fachmann retuschieren ließ. Ich war sofort begeistert. Einige Jahre später wurde es mit Photoshop möglich, Fotos auf einem Heimcomputer zu bearbeiten, und ich kann mich gut erinnern, dass ich möglichst schnell und unbedingt mein eigenes Photoshop-System haben wollte. Meine Partnerin fragte mich daraufhin: »Und wozu genau brauchst du dieses Photoshop-Ding?« Gute Frage. Warum brauchte ich Photoshop? Nur wenige der mir bekannten Fotografen wussten überhaupt davon. Keiner meiner Kunden wünschte sich digital bearbeitete Bilder. Hin und wieder wurden Fotos bei Werbeaufträgen digital retuschiert, aber das wurde immer von Fachpersonal bei Agenturen erledigt und nie vom Fotografen selbst.

Dennoch hatte ich nach ein paar Jahren genug Geld zusammengespart, um mir eine Workstation zur Bildbearbeitung mit Photoshop zu kaufen. Als sich die erste Aufregung um ausgetauschte Köpfe und Himmel gelegt und ich genug mit den Spezialeffekte-Filtern herumgespielt hatte, machte ich mich daran, ernsthaft mit Photoshop und später mit Lightroom als Werkzeug der digitalen Dunkelkammer zu arbeiten. Heute finden Sie wohl kaum noch einen Profifotografen, der komplett auf Bildbearbeitungssoftware verzichtet. Die Korrekturen in Photoshop und Lightroom, die ich heutzutage an meinen eigenen Bildern ausführe, gehen eher in Richtung leichte Stilretusche und die Bildbearbeitung ist nicht offensichtlich. Für mich geht es eher darum, möglichst gute Kameraeinstellungen zu finden und die bestmögliche Raw-Datei aufzuzeichnen – und dann zu wissen, wie ich mit Lightroom und Photoshop zum perfekten Bild gelange. In diesem Buch teile ich mein Wissen mit Ihnen und zeige Ihnen, wie Sie das gesamte Potenzial Ihrer Fotos erschließen.

Bonusmaterial herunterladen

Für dieses Buch habe ich einige (englischsprachige) Videoanleitungen produziert, mit denen Sie die Arbeitsschritte nachvollziehen können.

So gelangen Sie zum Bonusmaterial:

Gehen Sie zu dpunkt.de.

Geben Sie meinen Namen (»Evening«) in das Suchfeld oben auf der Seite ein und klicken Sie dann auf die passende Fundstelle im Suchergebnis, um die Webseite zum Buch aufzurufen.

Unter dem LinkZusatzmaterialfinden SieVideotutorials. zip. Laden und entpacken Sie die Datei, um sich die Videos anschauen zu können.

Dank

Ich möchte mich bei meiner Lektorin, Valerie Witte, dafür bedanken, dass sie mich ganz ausgezeichnet durch dieses Projekt geleitet hat – von der anfänglichen Planung bis zum letzten Proof. Herzlichen Dank auch an meine Textlektorin, Peggy Nauts; die Korrektorin, Patricia J. Pane und den Projektleiter, Tracey Croom, sie alle waren mir eine große Hilfe.

Vielen Dank auch an Mimi Heft für die Arbeiten am Design und an James Minkin für den Index.

Bei den folgenden Fotografen möchte ich Danke sagen, weil ich ihre Fotos in diesem Buch verwenden durfte: Ansell Cizic, Angela Di Martino, Chris Ducker, Chris Evans, Richard Eyers, Guy Pilkington, Eric Richmond und Farid Sani. Und auch ein Dankeschön an die Mitarbeiter im Lightroom-Team: Joshua Bury, Kelly Castro, Eric Chan, Tom Hogarty, Thomas Knoll, Max Wendt, Simon Chen, Julie Kmoch, Julieanne Kost, Sharad Mangalick, Becky Sowada, Jeff Tranberry, Benjamin Warde, und Ben Zibble.

Und schließlich möchte ich meiner Frau Camilla und meiner Tochter Angelica für die Geduld danken, die sie während meiner Arbeit an diesem Buch aufgebracht haben.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1     Was macht ein gutes Foto aus?

Was wollen Sie sagen?

Wichtige Schritte für optimale Qualität

Den Bildausschnitt wählen

Die wichtigsten Bereiche des Bildes müssen klar erkennbar sein

Den Blick ins Bild führen

Nach Formen im Bild suchen

Licht

Perspektive

Regeln brechen

Bildauswahl und Bewertung

Eine neue Sichtweise finden

Worum geht es also?

2     Optimieren

Von der Kamera zum Druck

Einstellung von Blende und Belichtungszeit

Faktoren für die Objektivschärfe

Kameraverwacklungen in Photoshop korrigieren

Objektivkorrektur

Objektivprofile

Axiale chromatische Aberrationen beheben

Wann Sie die Objektivkorrekturen anwenden sollten

ISO-Einstellungen

Scharfzeichnung bei der Aufnahme

Arbeitsablauf für das Scharfzeichnen der Aufnahme

Rauschreduzierung

Moiré-Muster entfernen

Tonwerte wiedergeben

Lichter oder Tiefen zu beschneiden ist okay

Bittiefe

Raw-Verarbeitung in Lightroom

Kalibrierungseinstellungen

Grundeinstellungen

Kameraprofile anwenden

Weitere Korrekturen im Entwickeln-Modul

Export von Lightroom nach Photoshop

Bildbearbeitung in Photoshop

Einstellungsebenen

Weiterbearbeitung in Lightroom

Farbmanagement

Erstellen von Farbprofilen

Vergleich unterschiedlicher Farbräume

Druckausgabe

Softproofs bewerten

Einstellungen im Drucken-Modul

Seite einrichten und Druckeinstellungen (Macintosh)

Seite einrichten und Druckeinstellungen (PC)

Letzte Einstellungen im Drucken-Dialog (Mac und PC)

Druckeinstellungen als Vorgaben speichern

Arbeiten archivieren

Wo sind Ihre Dateien archiviert?

Speicher

Dateiformate

DNG-Format

3     Tonwert- und Farbkorrekturen

Tonwertbereich

Tonwert-/Belichtungskorrekturen

Lightroom: Korrekturen im Grundeinstellungen-Bedienfeld

Belichtung

Ein unterbelichtetes Foto aufhellen

Photoshop-Gradationskurven versus Tiefen-Korrekturen in Lightroom

Kontrast

Lichter und Tiefen

Weiß und Schwarz

Details in den Lichtern verlieren – mit Absicht

Automatische Tonwertkorrekturen

Individuelle Auto-Tonwertkorrekturen

Die Tiefen beschneiden

Weiß und Schwarz in einem High-Key-Bild korrigieren

Klarheit-Korrekturen

Negative Klarheit-Anpassungen

Mehr Klarheit, um feine Details zu betonen

Gradationskurven-Korrekturen

Punktkurven-Modus

Korrekturen im Grundeinstellungen- und Gradationskurve-Bedienfeld

Feineinstellungen an den Tonwertbereich-Trennpunkten

Dunst entfernen

Dunst entfernen – lokal

Farbkorrekturen

Weißabgleich

Dynamik und Sättigung

Einen eigenen Weißabgleich anwenden

RGB-Kurven

Farbsättigung erhöhen

Das Bedienfeld HSL/Farbe/S/W

Mit HSL-Korrekturen die Farben verändern

4     Abwedeln und Nachbelichten

Warum wir unsere Bilder manipulieren müssen

So sieht Ihre Kamera

Lokale Anpassungen

Einfaches Abwedeln und Nachbelichten

Filterkorrekturen verfeinern

Himmel mit dem Verlaufsfilter bearbeiten

Die Maske mit dem Pinsel bearbeiten

Verlaufsfilter mit dem Pinsel bearbeiten

Korrekturpinsel-Einstellungen

Mehrere lokale Korrekturen verknüpfen

Vignettierung hinzufügen

Optionen für Vignettierung nach Freistellen

Photoshop-Korrekturen

Gradationskurven und Masken

Maskierte Einstellungsebenen hinzufügen

Überlagerungsebenen hinzufügen

Ineinanderkopieren-Ebene für lokale Korrekturen

5     Fotos neu komponieren

Bildausschnitt wählen

Beschneiden

Lightrooms Freistellungsüberlagerung-Werkzeug

Blickwinkel

Inhaltsbasiertes Skalieren

Bildelemente komprimieren

Inhaltsbasiert skalieren – Die Regler

Die Arbeitsfläche vergrößern

Upright-Korrekturen

Die Upright-Optionen

Eine Korrektur nachbessern

Eine Upright-Korrektur anwenden

Adaptive Weitwinkelkorrektur

Ellipsenverzerrung korrigieren

Filter-Optionen in Adaptive Weitwinkelkorrektur

Photomerge-Korrekturen

Perspektivkorrektur in einem Photomerge-Panorama

6     Bilder zusammenfügen

Fotos zusammenfügen

Stapelverarbeitung

HDR-Bilder erstellen

Tipps zum Fotografieren für HDR

Zusammenfügen zu HDR in Lightroom

Zu einem Panorama zusammenfügen

Projektionsoptionen

Photomerge in Photoshop

Extreme Weitwinkelaufnahme zusammenfügen

Blitzaufnahmen überblenden

Entfernen, was im Weg ist

Mischmodi

Feuerwerksfotos zusammenfügen

Fokusreihen (Focus Stacking)

7     Schwarzweißkonvertierung

Von Farbe zu Monochrom

Das Bedienfeld HSL / Farbe / S/W

Aufgebohrte Schwarzweißeffekte

Bedienfeld Kamerakalibrierung

HSL-Korrektur mit weniger Sättigung

Bildränder überlagern

Schwarzweißbild im Vintage-Look

Schwarzweißbilder drucken

Ausgabe-Tonwertbereich

Optimale Qualität und Haltbarkeit

8     Retusche

Malen nach Zahlen

Bereichsreparatur

Komplexe Retuschen mit dem Bereichsreparatur-Werkzeug

Bereiche anzeigen

Bereichsreparaturen synchronisieren

Staub aus mehreren Bildern entfernen

Rote Augen korrigieren

Haustier-Modus

Porträtretusche

Fotos von Hand kolorieren

Selektives Weichzeichnen

Index

1

Was macht ein gutes Foto aus?

Das sollten Sie vor der Aufnahme bedenken

Was wollen Sie sagen?

Die Frage mag zu offensichtlich sein, um sie zu stellen, aber: Was wollen Sie eigentlich mit Ihrem Bild sagen? Fotos lassen sich völlig unterschiedlich einsetzen: Sie sind eine Form der Kunst, sie bilden, illustrieren, verkaufen oder zeigen private Momente. Was Sie auch fotografieren, es muss einen Grund für Ihr Foto geben, wenn es eine Bedeutung haben soll. Die Fotografie um ihrer selbst willen ist in Ordnung, wenn es darum geht, sich an der Tätigkeit an sich zu erfreuen und einfach schöne Bilder zu machen. Aber Sie werden bessere Bilder machen, wenn Sie sich ein Ziel setzen und prüfen, ob Sie es erreicht haben oder nicht. In der Werbefotografie muss das Bild eher dem Wunsch des Kunden entsprechen als Ihrem eigenen. Es wird von Ihnen erwartet, eine Szene oder ein Event abzubilden, ein Produkt bestmöglich darzustellen oder ein Konzept zu verkaufen. Auftragsfotografie ist anspruchsvoll und anstrengend und ein guter Weg, ein besserer Fotograf zu werden, denn Sie müssen darüber nachdenken, was Sie eigentlich ausdrücken wollen – schließlich soll Ihr Kunde am Ende zufrieden sein. Viele Einsteiger fotografieren einfach alles, was sie interessiert, und oft mangelt es ihren Fotos an Schärfe und ihnen selbst an Disziplin. Wenn Sie jedoch Berufsfotograf sind und Ihre Fotos die Botschaft Ihrer Kunden nicht vermitteln, wird man Sie schnell fallen lassen.

Seit 15 Jahren schreibe ich regelmäßig Kolumnen für What Digital Camera und seit Kurzem auch für das Amateur Photographer-Magazin. In diesen Kolumnen bewerte ich Leserfotos und gebe Anregungen für Verbesserungen. Als ich damit begann, war die digitale Fotografie noch nicht so verbreitet wie heute. Darum waren viele Einsendungen gescannte Bilder oder waren mit einfachen Digitalkameras gemacht. Mit zunehmender Qualität der Digitalkameras verbesserte sich auch die Qualität der eingesendeten Bilder. Dennoch bin ich der Meinung, dass viele Fotografen die ihnen softwareseitig zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Tonwert- und Farbkorrektur nicht optimal nutzen. In diesem Buch will ich Ihnen zeigen, wie Sie die Möglichkeiten von Lightrooms Entwickeln-Modul meistern und wie und wann Sie Photoshop ins Spiel bringen sollten, um das Optimum aus den Daten herauszuholen, aus denen Ihre Aufnahme besteht.

Generell ist das Publikum jedoch visuell so trainiert, dass es zwischen Nachrichtenfotos, die faktisch korrekt und ehrlich sein sollten, und Werbe- bzw. Zeitschriftenfotografien unterscheiden kann, die die Realität gern auch einmal verzerren.

Ich habe einen Cousin in Kanada, Marek Forysinski, der später noch im Buch auftauchen wird. Er arbeitet als Musiker, Produzent und Tontechniker. Bei Musikproduktionen arbeitet er mit Mehrspurtechniken und schafft so aus dem unbearbeiteten Talent seiner Musiker etwas Einzigartiges. Oftmals sehe ich meinen Job genauso, egal ob ich mit meinen eigenen Bildern arbeite oder die Fotos anderer für Zeitschriftenartikel bewerte.

Häufig höre ich, wie sich Fotografen mit (vorgeblich) nicht bearbeiteten Bildern brüsten und damit andeuten, dass Fotos, die mit einem Computer in Berührung gekommen sind, weniger »rein« wären. Tatsächlich aber überlassen Sie beim Fotografieren im JPEG-Modus alle Entscheidungen in puncto Bildbearbeitung dem Prozessor Ihrer Kamera. Der Nachteil dabei ist, dass Ihnen viel weniger Optionen zur späteren Bearbeitung bleiben. Darum ist es besser, in Raw zu fotografieren. Ob JPEG oder Raw – ein Digitalfoto ist immer nur der Ausgangspunkt zu etwas Besserem. Manche bezweifeln die Legitimität der digitalen Bildretusche, aber der Einsatz von Lightroom und Photoshop ist nichts anderes als die Arbeit in der Dunkelkammer. Der Unterschied liegt lediglich im Umfang der möglichen Bearbeitungen. Die Frage sollte also weniger lauten, ob Retusche an sich akzeptabel ist, sondern eher: Wie viel davon wollen Sie zulassen?

Die Antwort hängt vom Verwendungszweck der Fotos ab. Bildjournalisten etwa haben Bedenken, was den Umfang und die Berechtigung von Retusche angeht. Die meisten Journalisten sind der Ansicht, Aktionen wie Freistellung, feine Farb- und Tonwertkorrekturen und selektives Aufhellen und Abdunkeln zur Betonung der Bildbotschaft seien in Ordnung, nicht aber der Einsatz des Kopierstempels, um mehr als Staubkörnchen auf dem Kamerasensor aus dem Bild zu entfernen oder hinzuzufügen. In der Welt der Werbung wiederum werden Fotografie und Retusche auf sehr clevere Weise eingesetzt – mit oft künstlich wirkenden Ergebnissen. Ich halte diesen Ansatz nicht für unehrlich, solange das Ergebnis nicht irreführend ist und sich an die Werberichtlinien hält. Generell ist das Publikum jedoch visuell so trainiert, dass es zwischen Nachrichtenfotos, die faktisch korrekt und ehrlich sein sollten, und Werbe- bzw. Zeitschriftenfotografien unterscheiden kann, die die Realität gern auch einmal verzerren.

Wenn Sie in Raw fotografieren, können Sie alles andere (wie Weißabgleich, Tonwertkorrekturen, Farbprofil, Rauschreduzierung und Schärfen) später in der Bildbearbeitung einstellen.

Ich begann meine Photoshop-Karriere vor 20 Jahren. Damals kaufte ich meinen ersten Computer und installierte darauf Photoshop 2.5. Ich habe also die Entwicklung und den Einsatz von Photoshop mit eigenen Augen miterlebt, Lightroom ab einem sehr frühen Stadium selbst genutzt und gesehen, wie diese Programme die Art und Weise beeinflussten, wie Fotografen mit ihren Bildern arbeiten. Für die meisten meiner Werbefotos nutzte ich Studioaufnahmen und retuschierte diese später in Photoshop. Davon konnte ich leben und eine zweite Laufbahn als Autor einschlagen. Im Grunde ziehe ich jedoch die einfacheren Varianten der Bildbearbeitung vor. Es gibt einige großartige Photoshop-Künstler, wie Bert Monroy und Erik Johansson, die in Photoshop erstaunliche Kompositionen zustande bringen. Ich selbst arbeite jedoch am liebsten so wenig wie möglich in Lightroom und Photoshop. Das klingt einfach – und ist es auch, wenn Sie schon bei der Aufnahme alle Bilddetails so optimal einfangen, dass Sie Ihr Foto in Lightroom und Photoshop nur noch geringfügig nachbessern müssen.

Wichtige Schritte für optimale Qualität

Minimalvoraussetzung ist, dass Sie Ihr Foto bei der niedrigstmöglichen ISO-Einstellung mit optimaler Belichtungszeit und Blende für das jeweilige Motiv aufnehmen sollten, was wiederum vom Objektiv und der Pixeldichte des Kamerasensors abhängt. Auf diese Themen gehe ich im nachfolgenden Kapitel noch genauer ein. Abgesehen davon sollte das Bild an den gewünschten Stellen scharf sein. Wenn Sie in Raw fotografieren, können Sie alles andere (wie Weißabgleich, Tonwertkorrekturen, Farbprofil, Rauschreduzierung und Schärfen) später in der Bildbearbeitung einstellen. Das sind die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur technischen Perfektion.

Den Bildausschnitt wählen

Nicht nur Blende, Belichtungszeit und Schärfe müssen bereits bei der Aufnahme stimmen, sondern auch die Wahl des Bildausschnitts. Entscheidend ist dabei Ihre Wahl von Standort und Objektiv, aus der sich Ihr Blickwinkel ergibt. In jeder Situation bieten sich einige gute Standpunkte und Hunderte schlechte an. Es ist schwer zu sagen, welcher Winkel für alle Fälle der beste ist, aber hier sind ein paar Tipps und Vorschläge.

Die wichtigsten Bereiche des Bildes müssen klar erkennbar sein

Damit das Motiv Ihres Fotos klar wird, muss es das Bild füllen. Ist es also weiter entfernt, müssen Sie entweder mit einer längeren Brennweite arbeiten oder »mit den Füßen zoomen« (also näher herangehen). Anfänger fotografieren häufig aus zu großer Entfernung und fragen sich dann, warum ihre Freunde auf den Fotos so klein aussehen. Sie sollten darauf achten, möglichst die Elemente zu reduzieren, die den Betrachter ablenken oder verwirren. Hier ist die Wahl des Blickwinkels entscheidend, und es ist wichtig, mehrere verschiedene auszuprobieren. Wenn Sie draußen fotografieren, können Sie mithilfe einer Zeichnung planen, wo der optimale Standort für Sie sein könnte und wie sich die Elemente einer Landschaft daran ausrichten. Anschließend sollten Sie zuerst alle möglichen Winkel ausprobieren, bevor Sie Ihr Stativ aufstellen. Im Studio sollten Sie immer zuerst die Kameraposition festlegen, bevor Sie das Licht setzen. Ich halte die Kamera zuerst immer in der Hand und probiere alle möglichen Winkel aus, bevor die Kamera auch nur in die Nähe eines Stativs kommt.

Den Blick ins Bild führen

Halten Sie nach visuellen Elementen Ausschau, die den Blick ins Bild lenken oder die Komposition in Balance halten, indem sie aktionsreiche oder leere Bereiche ausfüllen. Mithilfe eines flachen Blickwinkels können Sie zum Beispiel von einem störenden Vorder- oder Hintergrund ablenken. Ebenso erscheinen nahe Objekte von einem tiefen Standpunkt aus größer und füllen das Bild besser aus. Sie können Bildelemente auch verwenden, um das Auge des Betrachters zu führen. Der Fotograf Tim Flach hat einige interessante Ideen, wie die Bildkomposition die Betrachtungsweise beeinflusst. Er hat beobachtet, wie sich klassische Maler häufig optischer Tricks bedienen, um das Auge von links in die Bildmitte zu lenken. Die verwendeten Methoden sind zuweilen subtil. Abbildung 1.1 zeigt eines meiner eigenen Fotos, in dem links mehrere Einstiegspunkte zu sehen sind, die das Auge zum Baum in der Mitte führen. Ich habe das Bild nicht bewusst und aus Berechnung so aufgenommen. Ich war nur zur richtigen Zeit und bei dem richtigen Licht in einem Park, als ein Junge durch ein Labyrinth radelte. Ich machte einige Bilder von dieser Szene, entschied mich schließlich jedoch für dieses, weil es mir einfach besser gefiel als die anderen. Erst wenn man diese unbewussten Entscheidungen später analysiert, wird einem bewusst, warum manche Kompositionen besser sind als andere und wie sich die zunehmende Erfahrung auf die eigenen fotografischen Instinkte auswirkt.

Abbildung 1.1 Auf diesem Foto führen mehrere Einstiege das Auge vom linken Bildrand in die Mitte, was ich mit Pfeilen gekennzeichnet habe.

Auch wenn beim Blick durch ein Fisheye-Objektiv alles verzerrt erscheint, entspricht dies eher der Art und Weise, wie unsere Augen die Umgebung wahrnehmen.

Nach Formen im Bild suchen

In jeder Situation wollen Sie bestimmte wichtige Bildelemente hervorheben. Außer dem Hauptmotiv gibt es sehr wahrscheinlich weitere Objekte, die Sie mit einbauen wollen, oder an einer bestimmten Location funktionieren gewisse Blickwinkel besser als andere, weil eine bestimmte Anordnung für eine ausgewogenere Bildbalance sorgt. Darum suchen Sie in jeder Situation nach dem optimalen Blickwinkel. Halten Sie nach Elementen Ausschau, die als Rahmen im Bild, als Rahmen im Rahmen wirken, zum Beispiel ein schiefer Baum oder ein Türrahmen. Dies sind offensichtliche Beispiele, es gibt aber auch Möglichkeiten, in denen der Rahmen nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, wie zum Beispiel durch den Einsatz von Licht und Schatten. In Kapitel 5 finden Sie eine Reihe von Beispielen, in denen ich die Position der Elemente gleich bei der Aufnahme im Sinne einer stärkeren Komposition angeordnet habe.

Licht

Die Lichtsetzung ist extrem wichtig. Licht kann eingesetzt werden, um das Auge in einer bestimmten Richtung über das Bild zu führen. Wenn Sie draußen fotografieren, haben Tageszeit und Wetter großen Einfluss auf Ihre Bilder. Derselbe Ort kann ganz unterschiedlich wirken – am vorteilhaftesten im Licht des frühen Morgens, Abends oder auch bei bedecktem Himmel. Bei anderen Motiven können Sie mit Studioleuchten arbeiten, um Objekte zu betonen und Bereiche abzuschwächen, wenn es nötig ist. Beim Arbeiten mit Diafilm war das Licht bei der Aufnahme absolut kritisch, denn das Endergebnis war nicht mehr zu bearbeiten. Schwarzweiß- und Farbnegativfilme boten mehr Flexibilität – durch das Abwedeln und Nachbelichten beim Herstellen der Abzüge ließen sich Licht und Schatten zusätzlich beeinflussen. Egal ob Sie Dia oder Negativ fotografierten, der ideale Weg bestand immer darin, mit Aufhelllichtern die Tiefen anzuheben und mit den Hauptlichtquellen das Licht zu formen. Diese Praxis hat auch heute in der Digitalfotografie noch Gültigkeit, denn mit einem Aufhelllicht können Sie die Details in den Tiefen nach Wunsch hervorheben oder unterdrücken.

Perspektive

Das auf den Sensor fokussierte Bild ist eine abstrakte Wiedergabe der Realität. Die Entwickler von Kameraobjektiven mussten herausfinden, wie sie den Strahlengang des Lichts beim Eintritt ins Objektiv so beeinflussen, dass das Bild von der Mitte bis zum Bildrand scharf auf dem Sensor abgebildet wird. Gleichzeitig müssen rectilineare – also verzeichnungsfreie – Objektive so gebaut sein, dass gerade Linien in einer Szene auch als gerade Linien im Bild erscheinen. Mit der Objektivkorrektur in Camera Raw in Lightroom können Sie da nachhelfen. Zwar ist es schön, wenn Linien gerade bleiben und Kreise nicht zu Ellipsen werden, trotzdem ist das eine Verzerrung der Realität. Auch wenn beim Blick durch ein Fisheye-Objektiv alles verzerrt erscheint, entspricht dies eher der Art und Weise, wie unsere Augen die Umgebung wahrnehmen. Erst unser Hirn verarbeitet das, was wir sehen, und nimmt gerade Linien auch als gerade Linien wahr. Wie auch immer Sie eine 3D-Szene in 2D abbilden, Sie beeinflussen die Perspektive immer irgendwie (siehe Abbildung 1.2). Landschaftsgestalter haben schon immer mit den Regeln der Perspektive getrickst, und es gibt keinen Grund, warum Sie das nicht auch tun sollten. Weiter hinten in Kapitel 6 zeige ich Ihnen, wie Sie die Perspektive in einem Bild mit dem Filter Adaptive Weitwinkelkorrektur selektiv verändern können.

Abbildung 1.2 Diesen Innenraum einer Kirche habe ich mit einem 15 mm-Fisheye-Objektiv und einem 360 Grad-VR-Kopf aufgenommen (siehe Abbildung 6.3 auf Seite 178). Oben links sehen Sie eine der sechs Hochformataufnahmen, aus denen das Rundum-Panorama unten zusammengesetzt wurde. Oben rechts sehen Sie einen perspektivisch korrigierten Ausschnitt im Quicktime-Viewer, der das Panorama als Querformat zeigt.

Regeln brechen

Sie können natürlich die klassischen Regeln der Bildkomposition missachten und Ihrer eigenen Intuition folgen, ebenso wie es völlig in Ordnung ist, wenn Details in den Tiefen und Lichtern verloren gehen, Sie Porträts mit extremem Weitwinkel aufnehmen oder draußen im Regen oder bei hoch am Himmel stehender Sonne fotografieren. Sie müssen sich in Ihrem Handeln nicht einschränken lassen. Die Regeln sind lediglich Richtlinien; wenn Sie bessere Aufnahmen machen können, indem Sie sie brechen, dann Hut ab!

Bildauswahl und Bewertung

Am besten gehen Sie sparsam mit höheren Bewertungen um. 4- und 5-Sterne-Wertungen sollten nur den besten Aufnahmen in Ihrem Portfolio vorbehalten sein.

Nach der Aufnahme müssen Sie wissen, wie Sie Ihre besten Bilder erkennen. Fotografen nehmen pro Woche normalerweise Hunderte Bilder auf. Nur zu leicht verlieren Sie Ihre besten Bilder aus den Augen, wenn Sie sich nicht die Zeit nehmen, sie richtig zu bearbeiten. Dafür ist Lightroom ideal. Gleich nach dem Import können Sie Ihre Fotos beim Durchsehen mit 0 bis 5 Sternen bewerten, die Sie einfach mit den Zifferntasten vergeben. Am besten tun Sie das möglichst zeitnah nach der Aufnahme. Mein System ist, die Ausschussbilder mit 0 Sternen zu bewerten und für die interessanten Aufnahmen einen Stern zu vergeben. Danach wähle ich alle 1-Stern-Bilder aus und vergebe zwei Sterne an die besten von ihnen. In manchen Fällen vergebe ich in einem weiteren Durchgang drei Sterne, aber mit vier oder fünf Sternen gehe ich lieber sparsam um, denn mit solchen hohen Bewertungen sollte man vorsichtig sein. 4- und 5-Sterne-Wertungen sollten nur den besten Aufnahmen in Ihrem Portfolio vorbehalten sein.

Am besten warten Sie etwas, bis Lightroom die Vorschauen Ihrer Bilder gerendert hat. Sie wollen über die Qualität Ihrer Aufnahmen entscheiden, also sollten diese einigermaßen optimiert vorliegen. Im Verlauf dieses Buches werden Sie feststellen, dass viele Fotos allein mit den Standardeinstellungen nicht unbedingt interessant wirken. Wenn Sie eine Serie von Bildern am selben Ort und unter denselben Lichtbedingungen aufgenommen haben, können Sie das erste Bild dieser Serie korrigieren und die Einstellungen für den Rest synchronisieren, warten, bis sie gerendert sind, und dann Ihre Bewertung vergeben. Oder Sie stellen Lightroom so ein, dass es beim Import Ihrer Bilder standardmäßig automatische Tonwertkorrekturen vornimmt.

Eine neue Sichtweise finden

Nicht immer ist es leicht, in einem Durchgang aus allen Aufnahmen die besten herauszufinden. Mir hilft es, etwas Abstand vom Bewertungsprozess zu bekommen und die Bilder am folgenden Tag erneut zu bearbeiten. Wir konzentrieren uns häufig auf Einzelheiten, wenn wir unsere Fotos betrachten. Beim Durchschauen der Bilder eines Modeshootings wird der Stylist vor allem auf die Kleidung, der Haar-Stylist auf die Frisur und das Model darauf achten, ob es eine gute Figur macht. Der Fotograf wiederum schaut vielleicht vor allem auf die Beleuchtung und die Komposition, obwohl er eigentlich auf alles ein Auge haben sollte, was sich auf dem Bild abspielt. Fotoanfänger tendieren dazu, kleine Fehler zu übersehen, und sehen das Bild etwas anders als Profis. Darum ist es wichtig, einen Blick dafür zu entwickeln, wie eigene Fotos auf andere wirken. Deswegen ist es auch hilfreich, die eigenen Arbeiten von anderen bewerten zu lassen.

Ein Beispiel: Vor einigen Jahren wurde ich vom Art Director der Agentur AMV BBDO in London gebeten, an einem Wettbewerb für Werbefotos mitzuarbeiten. Das Thema war Umweltschutz, und dem Art Director schwebte das Konzept »Wie fühlt sich ein Fisch, der in verschmutztem Wasser atmen will?« vor. Er hatte die Idee, einen Mann zu zeigen, der in einer Plastiktüte erstickt. Nach dem Briefing bat ich einen befreundeten Comedy-Schauspieler, Martin Soan, mit mir am gleichen Tag ein Shooting zu machen. Ich besorgte ein paar Plastiktüten und richtete ein Behelfsstudio in einem ungenutzten Raum in meiner Wohnung ein. Ich ließ das Licht einiger Glühlampen von den Wänden und der Decke reflektieren, um auf der Tüte schöne Reflexionen zu erhalten. Die Fotos entstanden mit einer Mittelformatkamera mit 140-mm-Objektiv bei der größten Blende, um eine sehr geringe Schärfentiefe zu erhalten.

Abbildung 1.3 Einer der Kontaktabzüge für das »Acid Rain«-Shooting

Abbildung 1.4 Das Bild, das schließlich für den Wettbewerb eingereicht wurde. Wir wollten zeigen, wie sich ein Fisch fühlt, wenn er in vom saueren Regen verschmutztem Wasser zu atmen versucht.

Martin Soan hatte die Idee, mit Frischhaltefolie statt mit einer normalen Tüte zu arbeiten, und er sorgte für einige angemessen schreckliche Grimassen. Auf Abbildung 1.3 sehen Sie einen der Kontaktabzüge des Shootings. Ich zeigte die Bilder am nächsten Tag dem Art Director, und gemeinsam trafen wir eine engere Auswahl an Bildern, zu denen die wilderen Gesichter wie der linke Streifen in Abbildung 1.3. zählten. Einige Stunden später bekam ich einen Anruf vom Creative Director der Agentur, Alfredo Marcantonio, der ein Foto entdeckt hatte, auf dem Martin weniger stark posiert. Von den vielen verschossenen Filmen war dies das einzige Bild, auf dem Martin wirkte, als fiele er gleich in Ohnmacht (siehe Abbildung 1.4). Rückblickend war dies definitiv die beste Aufnahme der gesamten Session, nur hatten weder der Art Director noch ich das erkannt, und wir waren beide dankbar für die Sichtweise eines Dritten.

Worum geht es also?

Um zu meinem Ausgangspunkt zurückzukehren – was wollen Sie erzählen? Damit ein Foto eine Bedeutung hat, sollte es mehr sein als ein Bild um des Bildes willen. Es ist schön und gut, ein technisch perfektes Bild zu schaffen, aber wenn es keine Botschaft kommuniziert, ist es nicht wirklich sinnvoll, oder? Im Laufe der letzten 15 Jahre habe ich Hunderte von Fotos analysiert, die mir von Amateurfotografen zugeschickt wurden. Die guten waren die Bilder, die eine Geschichte erzählten oder eine neue Sichtweise von etwas demonstrierten. Selbst wenn der Blickwinkel nicht immer perfekt oder die Komposition etwas durcheinander ist, in der Nachbearbeitung lässt sich vieles – analog zu den Verfahren in der Dunkelkammer – anstellen, was solche Bilder brillieren und toll aussehen lässt. Viele Beispiele in diesem Buch beweisen, dass meist nur ein paar kleine Korrekturen an dem einen oder anderen Regler nötig sind, um ein Bild zu vollenden. Gerade darum ist es so wichtig, umfassend zu verstehen, was jeder Regler tut und wann man ihn einsetzen sollte. Außerdem werde ich auch erklären, wann Sie mit Lightroom arbeiten oder auf Photoshop zurückgreifen sollten.

Das ist in aller Kürze die Essenz dieses Buches. Ich möchte Ihnen beibringen, die wichtigsten Elemente in Ihren Fotos zu erkennen, und Ihnen zeigen, wie Sie sie in den Vordergrund rücken. Zugegeben, so mit Lightroom und Photoshop zu arbeiten ist enger gefasst als bei vielen anderen Fotografen, aber Ihre Art zu fotografieren wird davon unschätzbar profitieren.

2

Optimieren

Bestmögliche Aufnahmen aus der Kamera

Von der Kamera zum Druck

Für die bestmöglichen Fotos müssen Sie natürlich in die bestmögliche Ausrüstung (Kamera und Objektive) investieren – aber Sie müssen auch lernen, sie entsprechend zu nutzen. Und Sie müssen die ein oder andere schlechte Angewohnheit ablegen, unter der die Qualität Ihrer Bilder leidet. In diesem Kapitel soll es vorrangig darum gehen, wie Sie bereits bei der Aufnahme möglichst scharfe Bilder machen. Außerdem stelle ich Ihnen das Entwickeln-Modul in Lightroom vor, in dem Sie Bildschärfe, Rauschen, Tonwerte und Farbe optimieren. Ich werde Ihnen auch den idealen Workflow zeigen, um Bilder von Lightroom in Photoshop zu öffnen (und um die bearbeiteten Bilder wieder in Lightroom abzulegen), und ich erkläre, wie Sie Ihre Bilder in Lightrooms Drucken-Modul für die Ausgabe optimieren.

Ihr wichtigstes Ziel in diesem Kapitel ist, eine sichere Abfolge für Ihre Arbeitsschritte in Lightroom und Photoshop zu entwickeln und dabei Ihrem Raw-Foto auf dem Weg vom Kamerasensor zur Druckausgabe möglichst wenig Schaden zuzufügen. Keiner dieser Schritte ist besonders kompliziert, und vieles lässt sich leicht automatisieren – so kann Lightroom etwa bei jedem Import automatisch Objektivkorrekturen und Farbprofileinstellungen auf Ihre Bilddateien anwenden. Sie können sogar je nach bei der Aufnahme verwendetem ISO-Wert bestimmte Rauschreduzierungen einstellen. Bei der Druckausgabe müssen Sie in Lightroom und im Drucken-Dialogfeld recht viele Einstellungen vornehmen. Aber auch hier können Sie alles in einer einzigen Vorgabe zusammenfassen, um den Druckvorgang konsistent und unkompliziert zu gestalten.

Ich habe die Anleitungen in diesem Kapitel absichtlich so einfach wie möglich gehalten. Dazu gebe ich Ihnen viele Beispiele für praxiserprobte Vorgehensweisen und erkläre die Denkweise hinter meinen Empfehlungen, damit Sie die anstehenden Probleme und die Wege zur ihrer Lösung besser verstehen.

Einstellung von Blende und Belichtungszeit

Faktoren für die Objektivschärfe

Für eine optimale Bildqualität sollten Sie auf die beste Optik zurückgreifen, die Sie sich leisten können. Das klingt logisch – ebenso wichtig ist jedoch, wie Sie das Objektiv einsetzen. Und mit zunehmenden Megapixeln ist dieser Umgang mit dem Objektiv entscheidend. Um einem Sensor mit hoher Pixelauflösung gerecht zu werden, brauchen Sie ein Objektiv, das Details so weit auflösen kann, dass Sie aus den zusätzlichen Pixeln auch Nutzen ziehen. Generell gelten Festbrennweitenobjektive als besser als Zoomobjektive, denn sie haben weniger Glaselemente und sind für eine feste Brennweite optimiert. Allerdings bieten einige der neuesten Zoomobjektive eine außergewöhnliche Schärfe, die der von Festbrennweiten gleichkommt oder sie gar übertrifft. Wenn Sie optische Werte von Objektiven vergleichen wollen: die Website dxomark.com pflegt eine Objektiv-Datenbank für Digitalkameras, in der Sie auch Bewertungen anschauen können.

Das Vermögen eines Objektivs, Licht zu übertragen, steht im Zusammenhang mit seiner maximalen Blende. Je größer die Blendenöffnung oder je kleiner die Blendenzahl ist, desto mehr Licht fällt durch das Objektiv. Mit einem f/1.2-Objektiv erscheint das Motiv im Sucher einer SLR-Kamera fast genauso hell wie mit bloßem Auge. Der Vorteil solcher Objektive besteht in der geringen Schärfentiefe bei offener Blende, dank derer Ihre Bilder fast so aussehen, als hätten Sie sie mit einer Mitteloder Großformatkamera aufgenommen.