Die Liebesprüfung - Horst Bosetzky - ebook

Die Liebesprüfung ebook

Horst Bosetzky

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Roman von Horst Bosetzky Der Umfang dieses Buchs entspricht 302 Taschenbuchseiten. Bei Hanna und Johannes war es Liebe auf den ersten Blick. Sieben Jahre lebten sie zusammen, zwar nicht verheiratet, aber sie bekamen zwei Kinder. Sie – Stadträtin mit aufsteigenden Ambitionen. Er in einer leitenden Position beschäftigt, nun arbeitslos und Hausmann. Beide haben das Gefühl, dass in ihrem gemeinsamen Leben nichts mehr richtig läuft und stehen vor der Frage: Trennen oder nicht trennen? Martin, ein Freund der beiden, schlägt ihnen das Perlenschnur-Spiel vor...

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Horst Bosetzky

Die Liebesprüfung

Roman

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Die Liebesprüfung

Roman von Horst Bosetzky

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 302 Taschenbuchseiten.

 

Bei Hanna und Johannes war es Liebe auf den ersten Blick. Sieben Jahre lebten sie zusammen, zwar nicht verheiratet, aber sie bekamen zwei Kinder. Sie – Stadträtin mit aufsteigenden Ambitionen. Er in einer leitenden Position beschäftigt, nun arbeitslos und Hausmann.

Beide haben das Gefühl, dass in ihrem gemeinsamen Leben nichts mehr richtig läuft und stehen vor der Frage: Trennen oder nicht trennen?

Martin, ein Freund der beiden, schlägt ihnen das Perlenschnur-Spiel vor...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach Motiven von Pixabay by Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

[email protected]

Das Vorspiel

Der Wecker sprang auf sechs Uhr dreißig, aber er hätte dies ganz sicher unterlassen, wenn ihm die Folgen bewusst gewesen wären.

Als Johannes Raschauer aufwachte und voller Betrübnis feststellte, dass er immer noch am Leben war, träumte er davon, es wie der legendäre Fürst Oblomov zu machen und für immer und ewig im Bett liegenzubleiben.

Als Hanna Raschauer merkte, dass ihr Lebensgefährte seine Augen aufgeschlagen hatte, schloss sie ihre gerade mit einem leisen, aber wohligen Stöhnen, denn seit fünf Uhr saß sie am Computer und war schon wieder müde. Aber glücklich, dass sie auch heute wieder so viel geschafft hatte. Vor dem Aufstehen.

Als Raffael und Raffaela Raschauer mitbekommen hatten, dass ihre Eltern nun dienstbereit waren, zögerten sie keine Sekunde, ihre Tyrannei von Gestern fortzusetzen.

»Mama, mein Müsli.«

»Papa, meine Jeans.«

»Nur wenn ich das Wort >bitte< höre!«, schrie Johannes.

»Schrei doch nicht so!«, schrie Hanna.

Doch Johannes wurde zunehmend lauter. »Wenn Dummheit wehtun würde, müsstest du pausenlos schreien. Und jetzt schreie ich pausenlos, weil ich wirklich der größte aller Trottel bin. Denn nur ein Vollidiot spielt freiwillig die Rolle, die ich in diesem Hause spielen muss: Euer Diener zu sein und euer Fußabtreter noch dazu.«

»Sei doch nicht so verbittert!«

»Während du immer so gottverdammt fröhlich bist wie die Leute von Radio Paradiso und so aufgedreht wie früher.«

»Das ist ja nicht mehr auszuhalten mit dir.«

»Dann such dir doch einen anderen Idioten!«

»Nicht in einem solchen Ton vor den Kindern!«

»Mama, Raffaela hat wieder Arschloch zu mir gesagt.«

»Papa, Raffael spritzt mich wieder mit seiner Milch voll.«

»Keine Angst, die ist vom Biobauernhof.«

Johannes hatte seine Diplomarbeit über die Kunst des Organisierens und das Prinzip des one best way bei Taylor geschrieben und bekam Tag für Tag eine Krise, wenn Hanna und die Kinder darangingen, sich frei zu entfalten. Niemand brachte einen Gegenstand dorthin zurück, wo er ihn hergeholt hatte. Keiner machte sich die Mühe, das aufzuheben, was ihm gerade heruntergefallen war. Und alle drei schienen noch nie davon gehört zu haben, dass es Uhren gab und Pünktlichkeit als eine der Grundvoraussetzungen einer hochkomplexen Gesellschaft zu gelten hatte. Für ihn war Hanna komplett unorganisiert. Eigentlich müsste sie zum Therapeuten. Und das Schlimmste war, dass die Kinder das Chaos-Gen ihrer Mutter voll und ganz geerbt hatten. Nie fand einer von ihnen das, was er suchte. Besonders morgens nicht. Immer kamen sie fünf bis sieben Minuten zu spät aus dem Haus, und mindestens zweimal in der Woche mussten sie von Hanna mit der Taxe in die Schule gebracht werden, damit sie keinen Ärger bekamen. Heute würde es wieder nicht anders ausgehen.

»Wirf doch deine Monatskarte gleich in den Müll!«, schimpfte Johannes.

Hanna hasste festgelegte Abläufe und brauchte den allmorgendlichen Kick, dass nichts klappte und alles chaotisch zuging. Nur das war Leben für sie, und die Menschen konnten ihrer Ansicht nach nur auf diese Weise kreativ und glücklich sein. Wenn Ordnungsfanatiker wie Johannes in der Welt das Sagen hatten, dann liefen alle Menschen in Fesseln herum und drohten zu ersticken. Pausenlos nervte er sie: Dein Slip gehört nicht neben die Butter. Wenn du auf die Toilette gehst, vergiss nicht wieder zu spülen. Geh nicht immer mit den Straßenschuhen ins Schlafzimmer. Wir haben extra verschiedene Fächer für Messer, Gabeln und Löffel. Mach bitte das Licht aus, wenn du aus dem Bad kommst, wir sind keine Aktionäre von E-on. Hanna fühlte sich in ihrer eigenen Wohnung wie im Gefängnis. Da war bestimmt weniger reglementiert.

Ein neuer Tobsuchtsanfall nahte.

»Das ist ja wortwörtlich zum Kotzen hier!« Johannes hatte hinter der Couch eine von Raffaelas Puppen entdeckt, mit denen die Mädchen vor Wochen gespielt hatten - und zwar Brechdurchfall mit Hilfe einer selbstangerührten Masse aus Haferflocken, Mehl, Puderzucker, Rosinen und Kakao. Auf diesem täuschend echten Brei hatten sich nun Schimmelpilze aller Art freudig vermehrt.

»Und ich hab’ mich schon die ganze Zeit über gewundert, warum das hier im Zimmer so stinkt.«

»Dann mach das Fenster auf!«, riet ihm Hanna.

»Ja, aber höchstens, um mich hinauszustürzen.«

»Warte erst, bis ich das Fernsehen angerufen habe.«

»Mir ist nicht zum Spaßen. Die einzige Gemeinsamkeit, die wir noch haben, ist wirklich die, dass wir keine Gemeinsamkeiten mehr haben.«

Dieser Satz ging Hanna noch immer im Kopf herum, als sie längst im Rathaus saß und ihre Aktenberge abarbeitete. Sie war gelernte Sozialarbeiterin und wirkte in einem der südlichen Berliner Bezirke als Stadträtin für Gesundheit und Soziales - womit sie nach Meinung ihrer Freundinnen noch nicht am Ende ihrer Karriere angekommen war. Wenn alles gutging und genügend Leute ihre Partei wählten. Und Johannes weiterhin den Hausmann spielte, ohne ihr und den Kindern das Leben zu vermiesen.

Auch Hannas Freundin Ulrike konnte sich nicht vorstellen, einen solchen Griesgram zu lieben und gar mit ihm zu schlafen. Sie rief Ulrike an.

»Du, ich denke wieder mal an Trennung«, teilte Hanna ihr dann auch ohne Umschweife mit.

»Heiratet lieber!«

»Komm!«

»Na, entweder - oder. Raffaela fragt mich schon dauernd: >Wann heiraten denn meine Eltern endlich?<«

»Seit Johannes nicht mehr in der Firma ist, ist er nicht mehr zu genießen.«

»Wie haben sie früher immer gesungen: I never promised you a rose garden.«

»Hat er aber«, wandte Hanna ein.

»Nun ist er gefeuert worden, und seine Firma in die Insolvenz gegangen - was kann er dafür?«

»Lieber ein Ende mit Schrecken.«

»Denk an die Kinder!«

»Das tu ich ja, indem ich ihnen erspare, mit diesem Vater aufzuwachsen.«

»Was sagt denn Johannes dazu?«

»Weiß ich nicht. Der telefoniert wahrscheinlich mit Martin.«

Womit sie recht hatte. Auch Johannes überlegte, ob die Trennung nicht das kleinere Übel wäre. Martin wich einer klaren Antwort aus und kam ihm mit Fontane: »Keine Frau ist schlimm, aber immer noch besser als eine schlechte.«

»Du rätst mir also zu?«

»Damit du mich nachher dafür verantwortlich machen kannst. Externale Zurechnung - Psychologie, zweites Semester.«

»Lautet die Devise also: Flüchten oder ...«

»... standhalten.«

»Nein: flüchten oder die Flucht nach vorne antreten, also heiraten.«

»Also doch standhalten.«

»Ja, aber auf einer anderen Basis. Das heißt, den Neuanfang wagen. So tun, als hätten wir uns gerade erst kennengelernt und würden nicht schon seit dreizehn Jahren zusammen sein.«

Martin bekannte, ihm nicht ganz folgen zu können.

»Ich denke, ihr habt keine Gemeinsamkeiten mehr.«

»Vielleicht haben wir doch noch welche. Außer den beiden Kindern.«

»Ich bin gerade in einer Sitzung. Ich komme heute Abend mal bei euch vorbei. Wenn die Kinder im Bett sind.«

Bis dahin gab es für Johannes noch eine Menge zu tun. Vormittags hatte er zu lüften, die Betten zu machen, das Frühstücksgeschirr wegzuräumen, das Chaos in sämtlichen fünf Zimmern auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, staubzusaugen, Raffaels Computer zu reparieren, Hannas Kostüm zur Reinigung zu bringen, mit diversen Verwandten zu telefonieren und Termine auszumachen, seine Großmutter vom Selbstmord abzubringen, zwei Dutzend Dinge einzukaufen und für die Kinder und sich das Mittagessen zu kochen. Zwischendurch musste er Raffaela von der Schule abholen. Das war härter als all die Jahre bei der Berliner Apparate Bau, der BAB. Vor allem fehlten ihm die Untergebenen, an die er alles weitergeben konnte, was ihm nicht schmeckte, abgesehen von der Lust, anderen Weisungen zu erteilen. Dieser Verlust schmerzte wohl am meisten. Impotent fühlte er sich, kastriert. Der Untergang der BAB war auch sein Untergang. Im Juli 2002 war er gefeuert worden.

Das einzig Positive am heutigen Tag war allein die Tatsache, dass sich in der Post keine Absage befunden hatte. Seit einem Jahr bewarb er sich nun ohne Erfolg. Und das bei seinem lupenreinen Lebenslauf. Studium in den USA, beste Noten, neben perfektem Englisch noch Spanisch und Französisch, die ersten Jahre als Direktionsassistent bei einem Branchenführer, dann im Management einer aufstrebenden jungen Firma, schließlich die Spitzenstellung bei der BAB. Jetzt brachte er den Müll nach unten und wurde von der Hauswartsfrau angeschnauzt, weil er den Beutel nicht geöffnet, sondern zugebunden in den Container geworfen hatte, was dessen optimale Ausnutzung gefährdete.

»Können Sie nicht lesen?«

»Nur in den Augen schöner Frauen.«

»Soll ich Sie wegen Beleidigung anzeigen?«

Er überlegte, ob das schon eine Sache für Martin war. Der schrieb ab und an Folgen für eine der Gerichtsshows im Fernsehen. Durch das offenstehende Fenster hörte er das Telefon klingeln. Er hetzte nach oben. Es war Hanna.

»Na, hast du ein kleines Schläfchen gemacht?«

»Mit der Hauswartsfrau, erraten. Du bist ja beim Karriere machen.«

»Ich habe keine Zeit für deine Späßchen. Was ich heute Morgen noch vergessen habe ...« Es folgte eine Reihe von Aufträgen. »Wenn du das bitte noch erledigen könntest.«

So brachte er seine Tochter zur Musikschule, half seinem Sohn bei den Rechenaufgaben, besorgte Theaterkarten für Hanna und Ulrike, bestellte ihr zwei Fachbücher und pflanzte neue Blumen auf dem Balkon.

Um sechs Uhr kam Hanna nach Hause und sagte, sie sei furchtbar ausgelaugt.

»Alles dreht sich nur noch ums Sparen. Bibliotheken schließen wir, Obdachlosenheime, Seniorentreffpunkte - alles geht den Bach runter. Die Leute jammern und würden uns am liebsten auf den Mond schießen. Wie sollen wir denen bloß klarmachen, dass es ein Segen für sie ist, wenn sie uns wiederwählen. Ich muss mich jetzt erst mal hinlegen.«

»Du, Martin kommt nachher.«

»Warum denn das?«

»Er will mit uns reden.«

»Worüber?«

»Über uns.«

»Nicht ohne Ulrike.«

»Meinetwegen, ruf Ulrike an!«

Kurz nach 21 Uhr kamen Martin und Ulrike die Straße herauf. Johannes stand am Küchenfenster und rief leise nach unten, dass sie bitte nicht klingeln sollten. »Damit die Kinder nicht aufwachen. Ich komme nach unten, euch aufmachen.«

Hanna umarmte Martin, als er im Flur erschien. »Komm, setz dich auf die Couch!«

»Auf die gehört ihr doch«, sagte Ulrike.

Danach mussten sich Freund und Freundin eine halbe Stunde lang anhören, wie beide, sowohl Hanna als auch Johannes, darüber klagten, dass der andere sie nicht verstehen würde.

»Nun sind wir dreizehn Jahre zusammen«, schloss Hanna, »und wissen noch immer nichts voneinander. Das Wesentliche, das Essentielle.«

Ulrike lachte. »Vielleicht habt ihr es deswegen solange miteinander ausgehalten.«

Hanna blickte in ihr Rotweinglas, als sei es die Kristallkugel einer Wahrsagerin.

»Nein, das haben wir, weil ich ja dich zum Reden hatte.«

Johannes wurde drastisch: »Dann heirate sie doch! Ist ja jetzt alles möglich. Aber Ulrike ist ja hauswirtschaftlich nicht ganz so praktisch veranlagt wie ich.«

»Bist du eifersüchtig auf sie?«, fragte Martin.

»Manchmal schon. Was meinst du, wie locker und witzig Hanna ist, wenn sie mit Ulrike telefoniert.«

»Die hat auch was anderes drauf als Klagelieder, und die hetzt auch nicht so gegen alle.«

»Soll ich in meiner Lage vor Freude an der Decke hängen? Du verstehst das eben nicht, wenn man keinen Job hat. Keinen richtigen, meine ich.«

»Und du nicht, wenn ich abends nach Hause komme, total kaputt, und du dann ...«

Es war alles eh schon klar, sie brauchten ihre Sätze gar nicht mehr zu Ende bringen. Martin knabberte ein Weilchen an einer Salzstange, ehe er zu einem längeren Monolog ansetzte.

»Ich habe unterwegs schon mal mit Ulrike geredet und schlage euch einen Test vor, ein Spiel, wenn ihr so wollt, bei dem es darum geht, inwieweit ein Partner das Fühlen und Denken des anderen versteht, sich in den anderen hineinversetzen kann. Dieser Test ist meine Idee, und ich schreibe gerade für Psychologie heute einen Artikel darüber, über den Perlenschnur-Test, wie ich ihn mal nennen will. Also ... nehmt eine x-beliebige S-Bahn oder U-Bahnlinie, bei der die Stationen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht sind. In eurem Falle am besten die S i.

Du, Hanna, du startest in Oranienburg. Und du, Johannes, hast Wannsee als Ausgangspunkt. So ... nun geht es darum, dass ihr euch auf einer der Stationen trefft, also auf derselben Station eure Züge verlasst. Hanna denkt: Wo könnte denn Johannes aussteigen, um mit mir zusammenzutreffen, und Johannes denkt: Wo könnte denn Hanna ... und so weiter. Jeder muss das Handeln des anderen antizipieren und in seine Überlegungen mit einbeziehen und umgekehrt. Kurzum: Steigt ihr auf demselben Bahnsteig aus, dann solltet ihr zusammenbleiben, bis dass der Tod euch scheidet, denn damit ist bewiesen, dass ihr es wirklich verstanden habt, euch in den anderen hineinzuversetzen. Verlasst ihr eure Züge aber auf verschiedenen Bahnhöfen, so sind diese quasi für euch abgefahren, und ihr solltet euch trennen. Nehmt es dann als das, was die Leute früher ein Gottesurteil nannten.«

Als sich Martin und Ulrike weit nach Mitternacht von Hanna und Johannes verabschiedeten, hatten sie abgemacht, sich im neuen Jahr an irgendeinem Sonnabend dem Perlenschnur-Test zu stellen. Vorher aber saß ein jeder viele Stunden mit seinem Sekundanten zusammen, um sich zu beraten. Hanna mit Ulrike und Johannes mit Martin. Die S1 hatte 34 Bahnhöfe, und da gab es viel zu überlegen, denn an jedem hingen ganz bestimmte Erinnerungen.

Oranienburg

Als sich Hanna und Johannes kennengelernt hatten, war die Mauer gerade gefallen, und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihren ersten Ausflug im Frühjahr 1990 nach Oranienburg zu machen.

»Ich bin im Märkischen Viertel aufgewachsen, und wenn ich aus dem Fenster gesehen habe, hatte ich bis zum Horizont nur DDR, das heißt, die Mark Brandenburg vor Augen, aber ich bin nie dort hingekommen. Warum? Weil meine Eltern 1963 in Ost-Berlin gewohnt haben, in Pankow. Zufällig haben sie am Tag des Mauerbaus bei Westverwandten übernachtet und sind dann nicht mehr zurückgekehrt, galten also irgendwie als Republikflüchtlinge. Jedenfalls trauten sie sich nicht mehr rüber, als es später Passierscheine gab. Und ich durfte auch nicht. So ist das Berliner Umland eine Terra incognita für mich geblieben - und auch ein Land der Sehnsucht. In Omaha und Omdurman bin ich gewesen, aber nicht in Oranienburg, in O-Burg wie die Eingeborenen sagen.«

»Oh, wie schade.« Johannes war seit der Wende schon öfter in der DDR gewesen, um sich im Auftrag seiner Firma nach ehemals volkseigenen Betrieben umzusehen, die man von der Treuhand billig kaufen konnte. Doch um Oranienburg hatte er stets einen großen Bogen gemacht. Der Grund dafür war sein Großvater, der SS Obersturmbannführer Hermann Raschauer, der in der Lagerleitung des KZ Sachsenhausen seinem Führer gedient hatte. Die Folge war, dass nach dem Krieg in der Familie nie von Oranienburg gesprochen wurde und die Ortschaft, als sei sie schuld an allem, den Status eines Unberührbaren bekam. Offen mit Hanna darüber zu sprechen, wagte Johannes noch nicht, denn er fürchtete, dass sie dann instinktiv von ihm abrücken würde.

»Den Enkel eines KZ-Mörders - nein, danke.«

Also versuchte er, sie von O-Burg abzubringen, indem er eine Reihe alternativer Ausflugsziele nannte. »Viel schöner als Oranienburg sind ja Bernau, Gransee oder auch Templin.«

»Nein, ich will nach Oranienburg, weil das an der Nordbahn liegt.«

»Gransee liegt auch an der Nordbahn.«

Sie stampfte mit dem Fuß auf den Boden. »Aber ich habe nun mal bei uns auf dem Balkon gestanden, am Horizont Oranienburg gesehen und davon geträumt, dort zu sein und durch den Schlosspark zu gehen.«

»Das Schloss ist total vergammelt, und da sitzen Behörden und die Volksarmee drin.«

»Ich will nach Oranienburg.«

Was blieb Johannes anderes übrig, als nachzugeben, wollte er seinen Eroberungsfeldzug nicht gleich am Anfang verlieren. Also fuhren sie nach O-Burg, was auch ohne Passierschein und Grenzkontrollen noch immer sehr umständlich war, denn die direkte S-Bahn-Verbindung zwischen Frohnau und Oranienburg gab es noch nicht wieder, und man musste, kam man vom Alexanderplatz, den weiten Umweg über Schönhauser Allee, Pankow, Blankenburg, Mühlenbeck Mönchmühle und Hohen Neuendorf machen. Es sei denn, man fuhr mit dem Auto. Aber in seinen Mercedes zu steigen, hatte sie entrüstet abgelehnt.

Nun standen sie tatsächlich auf dem Bahnhof Oranienburg und versuchten sich zu orientieren. Es roch hier etwas anders - verglichen mit Lichterfelde oder Hermsdorf. Nach Desinfektionsmitteln, nach Hausbrand, nach schadstoffhaltigen Lacken.

»Wach ich oder träum ich?«, hauchte Hanna.

»Hier ist doch gar keine Alp - an der Havel ist es viel zu flach dazu.«

»Sieh mal den Prellbock da! Es ist immer komisch, wenn eine lange Strecke ganz plötzlich ein Ende hat. Bis hierher und keinen Meter weiter. Kein gutes Omen für unsere Beziehung ...«

»In jeder Beziehung, ja.«

»Deine Sprüche.«

»Damit verdiene ich mein Geld.«

»Lass uns gehen ...«

»In uns oder in die Stadt?«

»In die Stadt.«

»Dein Wille geschehe.« Johannes wandte sich zum Ausgang, und sie durchquerten das Empfangsgebäude des Bahnhofs, das eine einzige Bedürfnisanstalt zu sein schien. Ganze Kompanien schienen hier mangels geeigneter Stätten uriniert zu haben.

Johannes hatte sich anhand einer alten Wanderkarte seines Vaters vorher kundig gemacht. Ein Mann hatte schließlich zu wissen, wo es langging. So etwas imponierte jeder Frau. Dachte er jedenfalls.

»Vor uns haben wir die Hauptstraße, links geht es zum Schloss und zur Nikolaikirche, rechts zum See und zur Gedenkstätte Sachsenhausen.«

»Du, ich kann es nicht leiden, wenn ich schon vorher weiß, wo was liegt, ich lass mich lieber treiben.«

»Okay. Hauptsache, man wird dabei nicht abgetrieben.«

»Erst mal hier lang.« Sie entschied sich für die Richtung, in der das KZ lag, und ihm blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen, obwohl ihm das gehörig gegen den Strich ging. Nach dem Rundgang durch die Gedenkstätte war die Stimmung dann auch so gedrückt, dass sich alle amourösen Attacken von selbst verboten. Als sie am Ufer des Lehnitzsees saßen, wagte er nicht einmal, seinen Arm um ihre Hüfte zu legen.

»Schweigen wir von etwas anderem«, sagte er schließlich. »Was schlägst du vor?«

»Nun sind der Krieg und die Naziherrschaft schon seit fünfunddreißig Jahren vorbei - und noch immer kommt man nicht los davon.«

»Ja, besonders hier in Oranienburg, wo noch unzählige Blindgänger im Boden liegen. Wo du auch gehst und stehst: Jeden Augenblick kann alles in die Luft fliegen.«

Hanna sprang auf. »Komm, lass uns zurückfahren!«

Johannes blieb auf der Rasenkante sitzen und gab sich cool.

»Oranienburg gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den zehn deutschen Städten, die von den Alliierten am meisten bombardiert worden sind. Hier war die Flugzeugindustrie zu Hause, hier gab es große SS-Kasernen.«

»Ich will nach Berlin zurück.«

»Lass uns erst noch ein Eis essen. Gleich hier nebenan ist ein Café. Ist doch ein wunderschöner Ausblick auf den See.« Er sagte es nicht, aber seine Körpersprache war eindeutig: Komm, hab dich doch nicht so!

»Na, schön.« Um nicht zickig zu wirken, gab sie schließlich nach. Obwohl ihr wirklich nicht nach Eisessen und munterem Plaudern zumute war.

Sie hatten gerade Platz genommen und ihre Bestellung aufgegeben, als ein Einheimischer, im Umgang mit derlei Waren wohl noch nicht erfahren genug, eine halbvolle Coca Cola Flasche fallen ließ. Mit explosionsartigem Knall zerschellte sie auf dem rauen Beton. Während Hanna den Zwischenfall gelassen hinnahm, fuhr Johannes in die Höhe und wähnte sich in der Nähe eines Herzinfarkts.

»Komm bloß weg hier! Ich dachte schon, dass das ’n Blindgänger war.«

Ulrike sah ihre Freundin an. »Für dich hat Oranienburg also einen ziemlichen Stellenwert?«

»Ja. Das war unser erster gemeinsamer Ausflug. Damals frisch verliebt.« Hanna seufzte, als spielte sie die Hauptrolle in einer Rosamunde Pilcher Verfilmung.

Ulrike machte sich Notizen. »Und was spricht dafür, dass er O-Burg wählen könnte?«

»Eigentlich nichts. Ich denke, eher wird er es verdrängen. Wegen seines Großvaters.« Da war sich Hanna ziemlich sicher. »Und das Schlimmste war ja, dass er mir vom dem nichts erzählt hat. Erst viel später hab’ ich alles erfahren, und da auch nur durch Zufall. Irgendwie ist das von ihm feige gewesen. Aber auch als die Coca Cola Flasche explodiert ist, hat er sich ja nicht gerade heldenhaft verhalten. Also, Oranienburg - eher nein bei ihm.«

Ulrike nickte. »Schon. Aber bei seiner Vorliebe für einfache Muster und die Reduktion von Komplexität wäre ihm doch zuzutrauen, dass er sagt: >Nehmen wir gleich die erste Station auf der Perlenschnur.<«

»Einspruch!«, rief Hanna. »Da ich - so die Absprache - oben in Oranienburg starte und er unten in Wannsee, müsste er mir ja entgegenkommen. Die ganze Strecke. Unvorstellbar für mich, dass er das tut. Nicht bei seiner Persönlichkeitsstruktur.«

»Wenn er dich dadurch halten kann«, gab Ulrike zu bedenken.

»Vielleicht will er das gar nicht.«

»Dann hätte er sich auf das Perlenschnur-Spielchen gar nicht eingelassen.«

»Womit du auch wieder recht haben dürftest.«

Hanna griff zu ihrer Teetasse.

Martin malte die Perlenschnur der S i mit Magenta auf einen unangemessen großen DIN A3-Bogen und fragte Johannes nach seinen Assoziationen, Oranienburg betreffend.

»Ja, du ... Es war sehr heiß damals, und sie hatte ein kurzes Sommerkleid an. Secondhand. Aus Leinen. Wie selbst gesponnen. Und sie war ganz wild darauf, ins KZ zu kommen ...«

Martin hustete. »Das ist zwar keine Live-Sendung, aber trotzdem ... Ihre Wortwahl, Herr Raschauer! Political correctness.«

»... Also - sich das KZ anzusehen. Und betroffen zu sein, sich zu suhlen in der Schuld der Deutschen. Ich wollte nichts weiter, als mit ihr im nächsten Gebüsch verschwinden und sie kräftig vögeln. Du weißt ja: Ist der Mai warm und trocken, kann man schon im Freien bocken.«

»Und - hast du?«

»Nein. Sie hat sich so an unserer dunklen Geschichte hochgezogen, dass ihr jede Lust vergangen ist.«

»Was man ja irgendwie verstehen kann.« Martin scheute nicht davor zurück, Hannas Sichtweise zu übernehmen.

Johannes trauerte dem für ihn verlorenen Tag noch immer nach.

»Es wäre ja alles anders gelaufen, wenn wir uns nur das Schloss angesehen hätten.«

»Du weißt doch selber, dass das 1990 noch völlig vergammelt war und die NVA drin gesessen hat«, wandte Martin ein.

»Aber etwas anderes war woanders nicht drin, das steht fest, und ich bin immer noch frustriert, dass ich damals nicht zum Schuss gekommen bin.«

Martin sah ein wenig ratlos auf seine S-Bahnstrecke, auf die 34 wie auf einer Perlenschnur aufgereihten Stationen. »Was machen wir nun?«

»Wir gehen das Ganze wissenschaftlich an: Mit Wertigkeiten und mit einem Ranking.«

»Also mit Einstufungen zwischen 1 und 34?«

»Ja, klar, wie denn sonst.« Johannes wurde zunehmend unwirscher.

»Gut, dann sehe ich ein Kästchen für deine eigenen Präferenzen vor. Und eins dafür, wie du Hanna einschätzt.« Martin machte sich schon ans Zeichnen.

Doch Johannes wollte den Sinn der zweiten Kategorie nicht recht einsehen. »Wieso denn? Was geht mich das an, was sie denkt.«

Martin tippte sich an die Stirn. »Damit du da aussteigst, wo auch sie aussteigt.«

»Sie soll da aussteigen, wo sie meint, dass ich aussteige!«, rief Johannes.

»Wenn sie genau so denkt, könnt ihr euch gleich scheiden lassen.«

»Wir sind ja noch gar nicht verheiratet.«

Martin stöhnte auf. »Dann meinetwegen: gleich trennen.«

Johannes goss sich einen Whisky ein und kämpfte darum, die Sache gelassener zu sehen.

»Okay. Dann brauchten wir aber strenggenommen vier Kategorien: Erstens, wo würde ich aussteigen, wenn ich keine Rücksicht auf sie nehmen müsste, was wäre also mein LieblingS-Bahnhof. Zweitens, welcher wäre Hannas Liebling-S-Bahnhof. Drittens, was meine ich, wo Hanna aussteigen könnte, wenn sie meinen LieblingS-Bahnhof ins Kalkül zieht. Viertes, was könnte Hanna denken, wo ich aussteigen müsste, würde ich nachgeben und ihre Präferenz als maßgeblich ansehen.«

Martin nickte. »Sehr schön, fehlt uns aber die fünfte und wohl entscheidende Kategorie: Welcher Kompromis-S-Bahnhof kommt für euch in Frage, das heißt, wo habt ihr die größte Menge an Gemeinsamkeit und Glück erlebt, das, was euch verbindet, euch zusammenschweißt - und welches sind sozusagen die Bahnhöfe, bei denen ihr nur negative Gedanken habt.«

»Das ist ja Wahnsinn!«

»Aber mit Methode.«

Lehnitz

Wenn es im Berliner S-Bahnnetz einen kahlen Bahnsteig gab, dann war es der in Lehnitz, und wenn einer ausziehen wollte, das Frieren zu lernen, war ihm anzuraten, hier zu stehen und 19 Minuten auf seinen Zug zu warten. Lehnitz war eine vorgermanische Gründung und hieß auf altpolabisch, einer westslawischen Sprache, schlicht und einfach »Ort am See«. Dieser See war nicht eben groß geraten, war eigentlich nur eine langgestreckte Ausbuchtung der von Norden kommenden Havel, aber immerhin zwischen der Oranienburger Neustadt und der Lehnitzer Seepromenade an die 400 Meter breit. Mit der Abriegelung Westberlins und dem Mauerbau am 13. August 1961 war auch die Nordbahn unterbrochen worden, und man hatte Lehnitz nur sehr umständlich über Pankow und Schönfließ erreichen können. Seit dem 31. Mai 1992 aber verkehrten die Züge wieder wie zu Vorkriegszeiten auf der direttissima zwischen Wannsee und Oranienburg.

»Wir sollten das mal ausnutzen, mit der S-Bahn bis Lehnitz fahren und einmal um den See herumlaufen«, fand Hanna.

»Wozu haben wir ein Auto?«, fragte Johannes.

»Um es gegebenenfalls stehenzulassen.«

Johannes grinste. »Okay. Du weißt ja, dass ich zu denen gehöre, die gern einmal etwas stehenlassen.«

»Was anderes fällt dir wohl auch nicht mehr ein.«

»Doch. Ich habe den ganzen Vormittag an meiner Dissertation gesessen.« Die schrieb er über das Lean Management in Deutschland. In der Annahme, dass sie das beeindrucken würde, begann er zu dozieren: »Überall werden die Unternehmen völlig umgekrempelt, jahrzehntealte Strukturen geschleift, Hierarchien beseitigt. Die vielfach in Bürokratien erstarrten deutschen Konzerne wollen beweglicher werden, flexibel am Markt operieren und Kundenwünsche schnellstens bedienen.«

Und in der Tat gefiel es ihr, wie er da als Abbild des BDI-Präsidenten agierte.

»Willst du nicht zusehen, dass du mal einen Lehrstuhl in BWL bekommst?«

»Bloß nicht! Ich will in einem Unternehmen arbeiten, etwas herstellen, etwas verkaufen - und nicht nur darüber reden, wie man etwas herstellt und verkauft. Diese ganzen Intellektuellen widern mich an. Du weißt ja: Wenn du mich mit was jagen kannst, dann mit Schöngeistern.«

War es nun Zufall oder war es eine ihrer kleinen Gemeinheiten, da Carlos auf dem Bahnsteig stand, als sie in Lehnitz aus der S-Bahn stiegen. Johannes wusste es nicht. Carlos war Lyriker, spielte Gitarre und kam aus Chile. Seine Eltern waren vor Pinochets Schergen nach Deutschland geflüchtet. Anderthalb Jahre hatten Hanna und Carlos in einer Charlottenburger WG Tisch und Bett geteilt - dann war Johannes in ihr Leben getreten, und die beiden hatten sich getrennt.

»Doch er schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über unserer Beziehung«, war Johannes’ stehende Wendung, wenn er mit seinen engsten Verwandten zusammensaß, obwohl insbesondere seine Großmutter bei solchen schiefen Bildern immer Krämpfe kriegte. Seinen Vater, der Mediziner war, bat er um die Adresse des Kollegen, der in Berlin die meisten Todesfälle pro hundert Patienten hatte. »Damit ich Carlos zu ihm schicken kann.«

»Meinst du denn, Hanna kehrt noch einmal zu ihm zurück?«, fragte seine Großmutter, um gleich selber die Antwort zu geben. »Ach ja, wie so trügerisch sind Frauenherzen.«

»Ihn umzubringen, hat wenig Sinn«, sagte Johannes, »denn auch der dümmste Kommissar betrachtet mich sofort als Tatverdächtigen Nummer eins.« Und das Schlimmste war, dass er zu Carlos, wollte er bei Hanna Pluspunkte machen, immer so unendlich herzlich sein musste, wie es nur ein echter Gutmensch sein konnte. Der aber war er nicht.

»Wie soll ich einen brüderlich umarmen und solidarisch auf die Wange küssen, wenn ich ihm am liebsten in den Hintern treten würde?« Diese Frage ging an seine Großmutter, denn Hermine Raschauer war gelernte Schauspielerin. Sie zeigte es ihm.

Und so war Hanna denn auch richtiggehend glücklich, als Johannes Carlos auf dem Bahnhof Lehnitz so begrüßte, wie es bei echten Linken als stilvoll galt. Und nicht, wie er es zu Hause bei seinem Vater parodiert hatte. »Hallo, ich Chile.«

»Tut mir leid, dann musst du mal zum Augenarzt gehen.«

Zu dritt zogen sie los, Hanna zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern.

»Ich möchte zuerst zum See runter und baden«, sagte Johannes.

»Und ich zuerst zum Haus von Friedrich Wolf«, sagte Carlos.

Johannes nickte und gab sich alle Mühe, nicht als Kulturbanause zu gelten.

»Ja, von dem hab ich auch mal einen Film gesehen.«

»Das war Konrad«, sagte Hanna.

»Nein, nicht: Das war Konrad, sondern Solo Sunny.« Johannes ließ im Fernsehen keinen deutschen Blödelbarden aus und hatte viel von denen gelernt.

Hanna stöhnte auf. »Noch mal zum Mitschreiben: Konrad Wolf war der Filmregisseur und Friedrich der Schriftsteller.«

Carlos beeilte sich, ihr recht zu geben. »Ja, Friedrich. Ich hab so viel von ihm gelesen. Er war ein großer Schriftsteller. Dramatiker. Und auch emigriert.«

»Dann gehen wir zuerst zu Friedrich Wolf«, entschied Hanna.

»Seid ihr denn angemeldet?«, fragte Johannes.

Carlos lachte. »Der ist schon seit 1953 tot.«

»Dann wird er es vermutlich auch immer noch sein.« Johannes bemühte sich um Dialoge wie aus dem Drehbuch. Daran hatten Frauen wie Hanna immer ihren Spaß.

Hanna genoss den Zustand des Schwebens. Wenn die Männer nur nicht diesen Ausschließlichkeitswahn gehabt hätten, Carlos wie Johannes. Was der eine nicht hatte, das hatte der andere, und mit beiden zusammen wäre das Leben wirklich perfekt gewesen. Aber beide waren nur darauf aus, den anderen auszuschalten, obwohl sie sich ihr zuliebe nichts anmerken ließen.

Nachdem sie die Kult- und Kulturstätte abgehakt hatten, gingen sie zum See hinunter und lagerten unweit seines nördlichen Zipfels am Ufer. Johannes wollte gleich, nachdem er sich bis auf die Badehose entkleidet hatte, ins Wasser springen, doch Hanna warnte ihn: Er sei viel zu erhitzt dazu und könne einen Herzschlag erleiden.

»Wenn, dann nur dir zuliebe, damit du ein Problem weniger hast.«

»Und pass auf die Schiffe auf!«

»Keine Angst, ich schlucke kein Wasser.«

Carlos, immer darauf erpicht, die Feinheiten der deutschen Sprache zu verstehen, bat ihn um Aufklärung. »Warum lachst du, und warum verzieht Hanna das Gesicht?«

»Das habe ich von meinem Großvater. Der hat immer gesagt: >Ich gehe jetzt schiffen<, wenn er auf die Toilette musste, um Harn zu lassen. Schiffen gleich urinieren, und ich schiffe mich aus - gleich jedenfalls ...«

»Johannes!«, warnte ihn Hanna. »Es reicht.«

»Mir auch.« Damit sprang er in die nur bedingt glasklaren Fluten des Lehnitzsees und entfernte sich mit ungeschickten Schwimmstößen ein wenig vom Ufer. Aber nur so weit, dass er sicher sein konnte, noch Grund zu haben, denn er war ein miserabler Schwimmer. Zwar besaß er ein Freischwimmerzeugnis, aber das hatte er nur durch Schummeln erworben. Immer wieder fuhren seine Zehenspitzen tastend nach unten. Als sportlicher Typ zu gelten, war Teil seines Images, und so hatte er Hanna seine Schwäche natürlich verschwiegen.

Hanna diskutierte inzwischen mit Carlos über die Romane Isabel Allendes und die Frage, wann er endlich Gedichte in Deutsch schreiben würde.

»Das finde ich immer auf eine besondere Art poetisch, wenn Menschen aus einer fremden Ethnie den deutschen Ausdruck für etwas nicht ganz präzise treffen. Das ist wie ein Weichzeichner beim Film.«

Als Johannes zurückkam und sich abtrocknete, fand Carlos, dass er sich nun ausreichend abgekühlt hatte und stieg seinerseits ins Wasser.

Hanna hatte vorher erklärt, sich nicht ganz so gut zu fühlen. »Ich hab’ noch meine Tage.« Besorgt sah sie Carlos hinterher. »Schwimm nicht so weit raus! Und pass auf die Fahrrinne auf!«

»Besonders auf das Motorboot da hinten«, sagte Johannes, ohne dass der Chilene es noch hören konnte. »Da sitzt mein Killer drin.«

»Sei doch nicht so aggressiv!«, mahnte ihn Hanna.

»Ich wollte dir nur ’ne Chance geben, ihn noch zu warnen.«

Das Motorboot war schon längst wieder ihren Blicken entschwunden, als Hanna plötzlich aufschrie: »Wo ist denn Carlos geblieben?«

»Er wird abgetaucht sein«, vermutete Johannes. »Kann es sein, dass seine Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist?«

»Er ist wirklich nicht mehr zu sehen!« Hanna war aufgesprungen.

»Vielleicht ist er drüben an Land gestiegen und kommt zu Fuß zurück.«

Da tauchte Carlos wieder auf, mitten in der Fahrrinne und gute hundert Meter vom Ufer entfernt. Er reckte die Arme hoch und schrie um Hilfe. »Meine Beine ... Ich kann nicht mehr.«

Weit und breit waren keine Boote zu sehen und auch keine anderen Schwimmer.

»Reicht es nicht, dass er Lyriker ist - muss er nun auch noch Komiker sein?«, fragte Johannes.

»Das ist ernst!«, rief Hanna. »Er ist am Ertrinken.«

»Am Trinken schon lange. Schön, dass nun auch noch das >Er< dazugekommen ist«, lästerte Johannes.

»Los! Du musst ihn retten!« Damit stieß sie ihn ins Wasser.

Zehn Minuten später hatten sich mehrere Feuerwehrleute über Johannes gebeugt und bemühten sich, ihn wiederzubeleben.

»Diese Geschichte gefällt mir«, sagte Ulrike. »Jemand überwindet sich und rettet unter Einsatz seines Lebens seinen Nebenbuhler.«

»Sieht man davon ab, dass ich Johannes erst ins Wasser stoßen musste.«

»Dennoch.«

»Aber du hättest ihn mal hinterher hören sollen - seine Sprüche. Wie er bedauert hat, Carlos gerettet zu haben. Jede gute Tat rächt sich einmal - und so weiter.«

»Da warst du aber auch jeden Tag bei Carlos im Krankenhaus ...«

»Weil der ’ne schwere Bandscheibenoperation hatte und immer die Gefahr bestand, dass er gelähmt im Rollstuhl sitzen würde.«

»Johannes hat sich bestimmt vernachlässigt gefühlt. Schließlich war er der Held des Tages.«

»Er hat nur das getan, was er hat tun müssen, um nicht wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht zu landen. Abgesehen davon, dass sein Image total im Eimer gewesen wäre.«

Ulrike dachte nach. »Ich glaube schon, dass Lehnitz für eure Beziehung unheimlich wichtig ist. Schließlich hat Carlos an diesem Tag begriffen, dass er gegen Johannes keine Chance hat, und sich von dir zurückgezogen. Lehnitz war sozusagen die Wende.«

»Was wäre, wenn er damals doch in Berlin geblieben wäre ...?« Hanna schloss die Augen. »Warum kann man sein Leben nicht zweimal leben? Wie beim Würfeln müsste es ein Feld geben, auf dem steht: Zurück zum Ausgangspunkt. Wenn man dreißig Jahre alt geworden ist, müsste da stehen: Zurück zum zwanzigsten Geburtstag und noch einmal von vorn beginnen! Und dann müsste man sich am dreißigsten Geburtstag entscheiden können, wie man weiterleben möchte: nach der Variante eins oder der Variante zwei.«

»Du kannst aber nicht mehr zurück, wenn du dich wirklich von Johannes trennen solltest. Und außerdem: Carlos ist tot.«

»Bei sich zu Hause ertrunken. Im Meer. Und weißt du, was Johannes gesagt hat, als er davon erfahren hat ...?«

Ulrike brauchte nicht lange zu raten. »Das hätte er auch schon damals im Lehnitzsee haben können.«

»Genau. Ist das nicht schrecklich?«

»Bei Harald Schmidt lachst du über solche Sachen ...«, gab Ulrike zu bedenken.

»Mit dem bin ich auch nicht liiert.«

»Wie hat dir Hanna denn gedankt, als du Carlos aus dem Wasser gezogen hattest?«, fragte Martin.

Johannes brauchte ein paar Sekunden, um sich zu erinnern.

»Erst mit warmen Worten, und als ich dann ein paar Tage später wollte, dass wir es in meiner Lieblingsstellung machen, hat sie mich von der Bettkante gestoßen und ich habe gesagt: >Den Dank, edle Dame, begehr ich nicht< und bin zu Melanie gegangen.«

»Hat sie das mitgekriegt?«

»Weiß ich nicht.«

Martin war ein wenig unschlüssig. »Das ist schon alles kompliziert bei euch. Fast könnte man ja meinen, sie nimmt dir immer noch übel, dass du am Lehnitzsee als Sieger vom Platz gegangen bist. Ihr angebeteter Carlos ist am Absaufen gewesen und wird mit einem schlimmen Bandscheibenvorfall wimmernd vom Platz getragen, und du erhebst dich von der Trage, vom Beifall der Leute begleitet.«

»Ja, Lehnitz war schon wichtig für uns. Ohne diesen Ausflug hätte sie sich möglicherweise doch Carlos zugewendet und wäre mit ihm nach Chile gegangen, zumindest aber nach Spanien.«

»Das würde ich auch so sehen. Sie hatte ja bis dahin immer Vorbehalte gegen dich. Dass du so egoistisch, egozentrisch, egomanisch seist, immer nur: Ich - ich - ich. Und am Lehnitzsee zeigst du dich nun so selbstlos, wie es auf der Checkliste des Gutmenschen steht. Damit konnte sie deine angebliche Ich-Bezogenheit im inneren Monolog wie auch in den Gesprächen mit ihren Freundinnen nicht mehr ernsthaft behaupten.«

»Ich sag’ zwar immer: Besser Anneliese als Analyse, aber so unrecht könntest du nicht haben.«

»Aber vermutlich wird sie dir nun unterstellen, du hättest das alles nur aus Berechnung gemacht.«

»Darauf kannst du beruhigt einen lassen - wie meine Großmutter mütterlicherseits immer zu sagen pflegte.«

»Ah, die aus Fäkalien. Mit der analen Fixierung.«

»Richtig. Sonst könnte Hanna auch nicht behaupten, ich hätte manchmal etwas von einem Landsknecht an mir.«

»Deshalb liebt sie dich, muss es aber verdrängen.«

»Du bist ja wirklich gut heute.«

Martin grinste. »Ja, man könnte meinen, ich sei studierter Psychologe und nicht nur simpler Schriftsteller und gelegentlich Wissenschaftsjournalist.«

Johannes schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn.

»Gott, Freunde wie dich dürfte ich gar nicht haben, wenn ich der wäre, als den Hanna mich sieht.«

»Da ist sie stringenter, denn Ulrike passt so sehr zu ihr, wie es das Klischee gebietet.«

»Und, was meinst du: Wird die ihr raten, in Lehnitz auszusteigen?«

»Dazu kenne ich sie zu wenig.«

»Am besten, du lernst sie mal kennen - und ihr macht dann hinter unseren Rücken aus, auf welchem Bahnhof wir aussteigen sollen.«

»Ulrike gilt als lesbisch.«

»Und du als schwul. Das gäbe doch was.«

Borgsdorf

Bei einer Umfrage nach dem »S-Bahnhof, den niemand kennt« hätte Borgsdorf alle Chancen auf einen der ersten Plätze gehabt. Fügte man aber bei Nennung seines Namens hinzu, dass Borgsdorf nördlich des Flüsschens Briese liege, dann gab es aber doch schon einige, die kundig nickten, denn eine Wanderung durch das Briesetal - bis hin nach Wandlitz - galt für Ausflügler nahezu als Muss.

In Borgsdorf nun hatte Johannes seine Ostverwandtschaft wohnen, seine Tante Annemarie, die Schwester seiner Mutter, mit ihrer Tochter Peggy und deren Kindern.

»Fünf sind es«, sagte Johannes. »Wenn sie richtig gezählt hat, was aber als fraglich angesehen werden muss. Sie gilt als sehr gebärfreudig, und auf alle Fälle wohnt sie in der richtigen Straße, der Breitscheidstraße. Klar, bei den vielen Geburten.«

»Könntest du dir bitte deine Machosprüche verkneifen.«

»Nein. Deinetwegen nicht. Du brauchst doch etwas, woran du dich hochziehen kannst.«

Johannes war ziemlich aggressiv heute, zugegeben, denn Hanna hatte sich mit ihrem Willen durchgesetzt, mit der S-Bahn nach Borgsdorf zu fahren. Trotz seines Protestes.

»Mit dem Plebs im selben Abteil. Dauernd kriegt man die Lenker ihrer Fahrräder ins Kreuz - oder ihre Rucksäcke. Und diese Ausdünstungen: Schweiß, Schnaps und Billigdeos. Abgesehen davon, dass sie einem unablässig ins Gesicht husten. Handvorhalten ist ja unmodern geworden. Dazu spucken sie pausenlos auf den Boden. Ich aule, also bin ich.«

In Borgsdorf den Bahnsteig zu verlassen, war relativ kompliziert. Es handelte sich um einen sogenannten Inselbahnsteig und, wollte man zur Straße, musste man erst eine Brücke erklimmen, um die Gleise zu überqueren. Zusätzlich gab es aber auch die Chance, am hellbraunen Stellwerksturm direkt nach unten zu gelangen, was aber nur ging, wenn der Bahnbeamte ein Metallgitter öffnete, denn unten stand man, wenn gerade ein Zug kam, zwischen den beiderseitig herabgelassenen Schranken und schwebte in Lebensgefahr.

»Ich nehme mit den Kindern lieber den sicheren Weg«, sagte Hanna.

»Und ich den kürzeren.« Johannes musste seinem Ruf als großer Optimierer gerecht werden. Und da der Zug aus der Gegenrichtung noch lange nicht kam, war er der große Sieger.

Sie pilgerten durch die kleine Ortschaft und froren gewaltig, denn das Thermometer zeigte minus sechs Grad Celsius, und die gefühlte Temperatur schien bei minus 25 Grad Celsius zu liegen. Windchili sagte Johannes nie, weil ihm das zu sehr nach Winston Churchill klang - und wenn es um den ging, gab es stets Streit mit Hanna.

»Der hätte meiner Ansicht nach auch als Kriegsverbrecher verurteilt werden müssen - siehe die Zerstörung Dresdens.«

»Ohne die Luftangriffe auf Deutschland hätte man Hitler nicht in die Knie zwingen können«, hielt Hanna dagegen.

»Bomben auf Frauen und Kinder, na prima. Raffaela, hörst du bitte auf, den Leuten Schneebälle gegen die Fensterscheiben zu schmeißen.«

»Zu werfen«, korrigierte ihn Hanna.

»Ja, ist ja gut. Du hast doch im Rathaus Hunderte von Untergebenen, da brauchst du mich doch nicht mehr - oder.«

»Sei doch bloß nicht immer so gereizt!«

»Da ist ja nun Rabulistik pur: Erst reizt du mich - und dann wirfst du mir vor, ich sei gereizt. Reizend! Raffael, würdest du das bitte sein lassen, mit der Hundekacke Fußball zu spielen.«

»Die ist doch gefroren.«

»Wir haben uns darauf geeinigt, Hundekot dazu zu sagen«, warf Hanna ein.

»An sich heißt das ja Losung. Das ist doch dein Metier: Die Losung für euren nächsten Parteitag.«

Sie fand das nicht sonderlich komisch. »Du warst auch schon witziger.«

»Danke für den Hinweis. Wenn ich nicht arbeitslos wäre und viel Geld hätte, würde ich mir einen Gagschreiber zulegen und dann abends immer so geistreich sein wie dein geliebter Harald Schmidt.«

»Versuch’s doch auch mal ohne fremde Hilfe.«

»Na gut: Was den Leuten in der Bibel war ihr Manna, ist für mich zu Hause meine Hanna.«

»Bravo, Papa!« Raffael zeigte sich begeistert. »Du solltest eine Werbeagentur aufmachen.«

»Ja, und dann manage ich Mamas Kampagne, wenn sie Bundeskanzlerin werden will.«

Hanna fühlte sich eher vergackeiert, denn gebauchpinselt. »Du läufst ja langsam zur Hochform auf. Raffaela, bitte zu mir an die Hand, da drüben kommt ein Kampfhund.«

»Das ist ein Dackel«, sagte Johannes.

»Bei uns in der Klasse hat einer einen Hund, der Peggy heißt«, sagte Raffaela. »Das ist ein Collie.«

»Erzähl das bitte nicht, wenn Tante Peggy dabei ist!«, warnte sie Johannes.

»Bei mir gibt es keine Tanten und Onkels mehr«, sagte Hanna. »Das ist seit fünfzig Jahren vorbei.«

Damit kamen sie in die Nähe des Einfamilienhauses seiner Cousine und ihres Mannes Juri, und Hanna nahm ihre beiden Kinder noch einmal ins Gebet: »Wenn einer von euch zu Peggy Miss Piggy sagt, kriegt er bis Ostern kein Taschengeld mehr.«

»Papa sagt doch auch immer Miss Piggy.«

»Und zu Tante Annemarie sagt er Tante Anämie.«

»Was kann ich dafür, dass sie so blutarm ist«, brummte Johannes.

Hanna wurde streng. »Was habe ich eben gesagt: Ich möchte nicht, dass ihr Tante zu ihr sagt.«

»Aber sie ist doch ihre Tante«, wandte Johannes ein. »Das heißt, ihre Großtante.«

»Trotzdem, ich finde das albern.«

Da schrien Peggys Kinder aber schon von weitem: »Mutti, Tante Hanni und Onkel Hannes kommen!«

Hanna fühlte sich in Johannes’ Familie so fremd, dass sie in ihrem Vorzimmer immer sagte, man solle ihr am Tage danach einen Termin bei einer Psychotherapeutin verschaffen, denn ein schweres posttraumatisches Belastungssyndrom sei zu erwarten. Der westliche wie der östliche Zweig der Raschauers war, jeder auf seine Weise, so konservativ, dass sie Qualen litt. Die erste Szene gab es schon nach einer knappen halben Stunde, als Peggys Ältester ein wenig Sitcom spielen wollte.

»Kevin, steckst du mal den Adventskranz an«, lautete die Weisung seines Vaters.

»Ja, mach ich.« Kevin ließ nun ein Streichholz aufflammen, hielt es aber nicht an eine der Kerzen, sondern an die Tannennadeln.

»Hast du nicht mehr alle!?«, schrie Juri. »Soll das ganze Haus abbrennen?«

»Du hast doch gesagt, ich soll den Adventskranz anstecken.«

Schon hatte er sich eine Kopfnuss eingefangen, begleitet von einem schönen Spruch seines Vaters: »Kleine Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen.«

Da konnte Hanna nicht mehr an sich halten. »Kinder zu schlagen ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern auch strafbar.«

Juri lachte. »Dann zeig’ mich doch an!«

Charlotte Raschauer, Johannes’ Mutter, war sofort auf seiner Seite.