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Freizeit erscheint heute als selbstverständlicher Bestandteil des Lebens. Sie wird geplant, verteilt, geschützt und mit Tätigkeiten gefüllt. Doch diese Selbstverständlichkeit ist historisch jung. Lange bevor Menschen von "Freizeit" sprachen, kannten sie Ruhe, Muße, Fest, Spiel, Gespräch und Erholung. Was fehlte, war die Vorstellung einer klar abgegrenzten Zeit, die ausdrücklich nicht der Arbeit, der Pflicht oder der unmittelbaren Notwendigkeit gehörte. Erst mit der zunehmenden Ordnung des Tages, der Messung von Arbeitszeit und der Trennung von Erwerb und Privatleben konnte jene zeitliche Sphäre entstehen, die als frei verfügbar begriffen wurde. Mit dieser Freiheit entstand zugleich ein neuer kultureller und wirtschaftlicher Raum. Was zunächst als Entlastung von gebundener Zeit erschien, wurde nach und nach selbst strukturiert, organisiert und mit Angeboten versehen. Reisen, Sport, Unterhaltung, Vereinsleben, Medien, Konsum und Erholung formten einen eigenen Freizeitsektor, der aus ungebundener Zeit eine planbare Größe machte. Die freie Stunde blieb formal frei, doch ihre möglichen Verwendungen wurden immer zahlreicher, sichtbarer und schließlich selbstverständlich. ›Die Erfindung der Freizeit‹ verfolgt die Entstehung dieses besonderen Verhältnisses zur Zeit. Das Buch fragt nicht nur danach, wann Menschen begannen, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden, sondern auch danach, was mit einer Gesellschaft geschieht, sobald freie Zeit zu einem kalkulierbaren Bestandteil des Alltags wird. Dabei zeigt sich, dass Freizeit weniger durch eine bestimmte Tätigkeit bestimmt ist als durch die Verfügung über Zeit selbst – und durch die kulturellen Vorstellungen, die sich an diese Verfügung knüpfen.
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Liczba stron: 199
Rok wydania: 2026
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