Die Blackout-Bande - Udo Luh - ebook

Die Blackout-Bande ebook

Udo Luh

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Opis

Nach mehreren kleinen Stromausfällen geschieht die Katastrophe: ein totaler Blackout, der große Teile Europas fast zwei Wochen lang lahmlegt. Der elfjährige Matze und seine Zwillingsschwester Tina haben schon bei den ersten Stromausfällen begriffen: so kann es nicht weitergehen, mit der immer weiter steigenden Energieverschwendung und der Abhängigkeit vom Strom. Sie übernehmen die Initiative und gründen die „Blackout-Bande“ um die Gesellschaft wachzurütteln. Aber der große Blackout macht ihre Pläne vorerst zunichte. Die Kinder zeigen in dieser schwierigen Situation Eigeninitiative und entwickeln Verantwortungsbewusstsein für ihre Zukunft. Ihr Zusammenhalt und die Erfindung von Anne-Marie und dem Tüftler Old George wecken neue Hoffnung. Nähere Informationen: www.blackout-bande.de

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Udo Luh

mit Illustrationen

von Dominik Luh

Bluhu Verlag

Widmung

Für Doris, meine Liebe und Inspiration

Dies ist eine fiktive Geschichte.

Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Begebenheiten

wären rein zufällig und sind nicht gewollt.

Impressum

ISBN 978-3-944095-03-5

© 2014 Bluhu Verlag, Niedernhausen,

Einzelunternehmen, Inhaber: Udo Luh, www.bluhu.de

Lektorat: Markus Jakobi

Illustrationen: Dominik Luh

Blackout-Bande im Internet: www.Blackout-Bande.de

1

Wie alles begann

Langsam steigt der Rauch in die Höhe und kräuselt sich im Wind. Ich blase in die Glut, sie glimmt auf und knistert. Kleine Funken schwirren durch die heiße Luft. In der großen Tanne singt eine Amsel. Wir sitzen hier im Garten bei 30 Grad, über uns der wolkenlose, blaue Himmel. Sommer im April, unglaublich. Wir haben schulfrei und genießen den herrlichen Tag.

In Wirklichkeit ist dies kein herrlicher Tag. Auch der Duft der Grillwürste, der mir gerade in die Nase steigt, hebt die Stimmung nicht. Denn das lustige Grillfeuerchen ist kein Ferienspaß – es ist unser neuer Herd, der Garten unsere neue Küche. Die Schule ist geschlossen, genauso wie fast alles andere auch: die Geschäfte, Tankstellen, Arztpraxen. Ob das jemals wieder so wird wie vorher? Werden wir jemals wieder in die Schule gehen? Was werden die nächsten Tage bringen?

Was passiert ist? Es gibt keinen Strom mehr! Komplettausfall überall. Na und, denkt ihr? Ist doch mal ganz lustig? Klar, wenn so ein Stromausfall mal einen halben Tag dauert. Oder auch mal zwei Tage. Aber mittlerweile gibt es seit genau neun Tagen und zwei Stunden keinen Strom mehr. Nirgendwo. Spaßig ist die Sache nicht, sage ich euch, denn überall herrscht totales Chaos. Ihr macht euch keine Vorstellung davon, was das überhaupt bedeutet. Ich hätte das auch nie gedacht.

Es fing mit einem kleineren Stromausfall vor Ostern an. Drei Wochen ist das nun her. In dieser Zeit ist so viel passiert – voll abgefahren. Ich werde über alles berichten, was sich seitdem ereignet hat, und versuche, die Geschehnisse in der richtigen Zeitfolge wiederzugeben.

Aber erst mal zu mir: Ich bin der Matthias, zwölf Jahre alt und Reporter bei der Schülerzeitung der Theißtalschule in Niedernhausen. Das ist ein Örtchen irgendwo im Taunus. Das ist sicher nicht so spannend. Spannender ist, dass ich außerdem die eine Hälfte der »Blackout-Bande« bin. Die andere Hälfte der Bande ist meine Schwester Tina. Echte Zwillinge sind wir. Tina ist die ältere – ja klar, schon bei unserer Geburt hat sie sich vorgedrängelt. ;)

Dass unsere Bande aus nur zwei Mitgliedern besteht, ist natürlich Quatsch. Fast die ganze 7b ist Mitglied, auch einige aus der Parallelklasse sind dabei. Und es werden immer mehr. Das hat auch einen guten Grund, wie ihr später hören werdet.

Blackout-Bande – komischer Name, was? Warum wir uns so nennen? Na, Blackout ist die Bezeichnung für einen totalen Stromausfall. Und damit ist klar: Unsere Bande hat etwas mit diesem Stromchaos zu tun.

Mein Nickname ist Matze. Ihr könnt mich ruhig auch so nennen. Seit drei Wochen rufen mich manche sogar Matze mit Glatze! Witzig, was? Hähä …, so witzig finde ich das nicht. Wie das kam mit der Glatze? Unsere Friseuse – sie kommt immer zu uns ins Haus – hat mir doch tatsächlich beim letzten Haargemetzel einen riesigen Streifen Haare abrasiert. Ungewollt. Sagt sie jedenfalls. Aber so wie sie das immer macht, musste das ja mal passieren: Sie kneift einem während des Schneidens irgendwann überraschend in den Nacken oder buht einem ins Ohr, damit man richtig erschrickt. Damit sich die Nackenhaare schön aufstellen, sagt sie. Dann kommt sie mit ihrem Monsterrasierer, um die Nackenhaare abzurasieren.

Aber diesmal lief etwas völlig schief. Denn plötzlich fiel der Strom und damit auch das Licht aus und die Friseuse erschrak selbst. Dabei hat sie – aus Versehen, sagt sie – mit ihrem Akkurasierer ein Streifenhörnchen aus mir gemacht. Total erschrocken war ich aufgesprungen und hatte voller Panik die Arme um meinen Kopf gelegt, um den Rest meiner Haare zu retten.

In der Dunkelheit des fensterlosen Bades musste ich mich erst mal festhalten. Das, was mir im nächsten Augenblick auffiel, war diese ungewohnte Stille. Der Elektrorasenmäher vom Nachbarn war verstummt, genauso wie das nervige Gedudel aus dem Radio und das Brummen des alten Kühlschranks. Schnell aber war es mit der Ruhe vorbei. Nach dem ersten »Aaaaaha!« ging das Geschnatter unserer Friseuse, Frau Langhals, los: »Ja, giiiibt’s das denn. Daaas hat mir gerade noch gefehlt. Also, fööönen kann ich dann nicht mehr ohne Strom, … macht denn mal jemand Licht hier? … also neeeee, jetzt muss ich erst mal meine Sachen zusammensuchen …«

Meine Proteste wegen der abgemähten Haare kommentierte sie mit: »Jetzt tragen eh alle so schicke Mützen, weißt duuuu?«

Ich hörte ihr nicht mehr zu, denn genauso plötzlich, wie der Strom weggeblieben war, traf mich eine Erkenntnis: Ich war mir sicher, dass die Katastrophe mit meinen Haaren den Stromausfall ausgelöst hatte. Natürlich war es genau umgekehrt, aber ich sah das eben anders – ich fühlte mich wie ein Wesen, das die Macht hatte, alle Energie der Welt zu kontrollieren. Zum Glück kam meine Mutter hinzu. Sie brachte mich mit dem grellen Lichtkegel einer Taschenlampe und einem gemeinen Grinsen wegen meiner Halbglatze in die Wirklichkeit zurück. Erst als Frau Halblang endlich weg war, nahm ich langsam auch die Stille wieder wahr. Noch total beeindruckt von dem Erlebnis fuhr ich mit den Fingern durch meine neue Frisur. Und begriff mich als Auserwählten – das alles hatte eine tiefere Bedeutung, da war ich mir absolut sicher!

Das mit meiner Frisur und dem dämlichen Matze mit Glatze ist eigentlich nur eine blöde Geschichte am Rand. Der abgesäbelte Haarstreifen ist mittlerweile auch fast nicht mehr zu sehen. Trotzdem war der erste Stromausfall der Anfang von allem, worüber ich und auch meine Schwester Tina euch berichten werden. Ich fühle, es ist unsere Aufgabe, euch die Augen zu öffnen! Hier also unsere Schilderung der Ereignisse.

Der Stromausfall war natürlich das Thema Nummer eins in der Schule. Im Deutschunterricht bei unserem Klassenlehrer, Herrn Bohnenstiel, sprachen wir ausführlich darüber – auch wenn es der letzte Schultag vor den Osterferien war. Für die Theißtal-News – das ist die Schülerzeitung unserer Schule – übernahm ich eine Reportage, die ich in den Ferien fertig schreiben wollte. Das war natürlich ein toller Stoff. Besonders deshalb, weil das ja mal ein richtiger Stromausfall war! Nicht so ein kurzes holpriges Lichterflackern, das schon nach wenigen Minuten verhungert, und alles funktioniert wieder. Sondern ein ausgewachsenes Aus-die-Maus – nichts geht mehr! Ganze acht Stunden blieb der Strom weg. Stellt euch das nur mal vor – total abgefahren!

Meiner Reportage gab ich den Titel:

»Stromlos – hilflos? Wie würden wir leben ohne Strom?«

Ich machte daraus eine ganze Serie – denn was danach alles passiert ist, hatte solche Ausmaße, dass … aber seht selbst!

Hier nun Teil 1 meiner Reportage:

Schöne Ferien!

Niedernhausen, den 21. März – vorletzter Schultag vor den Osterferien. Die freudige Erwartung auf das bevorstehende Osterfest und die freie Zeit ohne Schulstress wurde jäh durch einen Stromausfall unterbrochen. Um 16.32 Uhr MEZ (mitteleuropäische Zeit) gab es einen totalen Blackout im gesamten Rhein-Main-Gebiet und Rheingau-Taunus-Kreis. Genau 7 Stunden und 58 Minuten ging nichts mehr. Trotz aller Absicherungen und Notfallpläne waren die Experten der Stromwerke nicht in der Lage, das Problem früher zu beheben.

Die Folgen: Die Krankenhäuser und Rettungsdienste waren nur teilweise betroffen, da sie über Notstromgeneratoren verfügen. Das öffentliche Leben aber war praktisch stillgelegt. In den Großstädten brach der Verkehr durch nicht funktionierende Ampelanlagen völlig zusammen – viele Unfälle waren die Folge, der Pendlerverkehr in den Zügen kam zum Stillstand. In manchen Kaufhäusern kam es zu Paniken in den dunklen Verkaufsräumen. Außerdem nutzten Kriminelle die Situation zu Diebstählen, die teilweise in Plünderungen ausarteten. Viele Menschen blieben über Stunden in Aufzügen stecken. In den Supermärkten funktionierten die Kassen nicht mehr. Die Kunden mussten daher den Wochenendeinkauf in den Wagen lassen. Dabei kam es teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Personal. Auch Leute, die mit ihrem Auto irgendwo in einem Parkhaus standen, hatten Pech: Die Schranken gingen nicht auf. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr mussten in vielen Altenpflegeheimen Notstromaggregate für Beatmungsgeräte installieren.

In den privaten Haushalten blieben an diesem Tag die Küchen kalt und die Fernseher aus. Auch das Duschen mit heißem Wasser war nicht möglich. Die Telefone funktionierten nicht mehr. Handys und Laptops dagegen liefen noch so lange, bis die Akkus leer waren.

Die Energiekonzerne und die zuständigen Behörden gaben als offizielle Erklärung für den Stromausfall eine defekte Hochspannungsleitung an. Allerdings schien das kaum jemand zu glauben. Denn kurz darauf hörte man wilde Spekulationen über die wirklichen Gründe des Blackouts.

Hier einige davon: Terroristischer Anschlag durch Hackerangriff; Aktion von Umweltaktivisten, um auf die totale Abhängigkeit vom Strom hinzuweisen; letzter Versuch der Energiekonzerne, durch Panikmache das neue Energiekonzept der Regierung zu kippen; allgemeine Stromknappheit durch die Abschaltung von Kernkraftwerken; erhöhter Strombedarf durch die Klimaanlagen wegen der ungewöhnlichen Hitze zu dieser Jahreszeit.

Wegen der ungenauen Informationen verbreiteten sich die Gerüchte in Windeseile über die sozialen Netzwerke wie Google+, Facebook und Twitter. Kurz darauf gab es bereits etliche neue Webseiten über den Blackout. Eine der meistbesuchten war eine Seite, welche die »offiziellen Vorsorgemaßnahmen« der Bundesregierung beschrieb.

Die wichtigsten Punkte auf der Webseite: Um der Stromknappheit entgegenzuwirken, müssen alle Bürger, entweder mit dem eigenen Hometrainer oder im Fitnessstudio, eine Stunde täglich Strom erzeugen. Diese Energie wird über ein spezielles Batteriemodul eingespeist, das die Behörden zur Verfügung stellen. Medienkonsum: Fernsehen, Radio, PC-Nutzung inkl. Internet, Videospiele usw., sind auf eine Stunde am Tag begrenzt. Heiße Duschen werden nur einmal die Woche gestattet, warme Mahlzeiten nur alle zwei Tage. Licht aus um 20.00 Uhr.

Irgendwo versteckt auf der Webseite stand, dass das Ganze ein vorgezogener Aprilscherz sei. Trotzdem wurde die Seite kurz darauf gelöscht – angeblich von den Behörden. Aber was einmal im Web gelandet ist, lässt sich kaum noch zurückholen oder komplett löschen ...

Soweit Teil 1 meiner Reportage.

Auch wenn manche ihre Witzchen über den Blackout machten, waren viele Bürger doch besorgt. Einige reagierten verärgert über die mangelhafte Vorsorge der Behörden. Die meisten aber waren einfach nur sauer, weil sie auf ihren täglichen Fernsehkrimi oder das geliebte PC-Ballerspiel verzichten mussten.

Das Schöne an diesem stromlosen Abend war, dass viele Leute raus auf die Straßen gingen, sich vor ihren Häusern mit den Nachbarn trafen und diskutierten. Kerzen und Feuerzeuge und viele gute Ratschläge für eine stromlose Nacht wurden ausgetauscht. Gerüchte wurden verbreitet. Das ersetzte dann bei vielen die Abendnachrichten. Das Problem schaffte tatsächlich eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl. Wirklich Gedanken über unsere Abhängigkeit vom Strom haben sich wohl trotzdem die wenigsten gemacht.

Das Blöde an diesem Abend war, dass ich das Übernachten bei meinem besten Freund Tobi vergessen konnte. Mein Vater schüttelte auf meinen flehenden Blick hin nur bedauernd den Kopf. Gerne hätte ich wenigstens mit meiner Schwester Tina über den Blackout gequatscht. Aber die war mit Reisevorbereitungen beschäftigt. Sie wollte in den Osterferien zu unserem Großvater auf die Hallig Oland fahren. Und jetzt schob sie die Panik, ob der Strom rechtzeitig wieder da wäre und ihr Zug pünktlich fahren würde.

2

An Ostern auf der Hallig Oland

Hallo Leute! Ich bin Tina. Meinen Bruder Matze habt ihr ja schon kennengelernt. Über mich gibt es nicht viel zu sagen – ich mache im Gegensatz zu den meisten der Mädels in unserer Klasse keine großen Worte um mich. Meine Hobbys sind lesen, lesen und lesen … und damit das nicht langweilig wird, reite ich zwischendurch gerne mal eine Stunde auf Romero, dem schönen Wallach vom Hof Häusel. Ja, der typische Mädchensport – na und? Mir macht’s eben Spaß.

Ich bin ein gutes Stück größer als Matze; er sagt immer, ich sei nur höher und nicht größer, der kleine Witzbold. Ich gehe nicht in die gleiche Klasse wie Matze, sondern in die Parallelklasse. Was ausdrücklich mein Wunsch war. Auch wenn Brüderchen oft das Gegenteil behauptet. Aber wir kommen – meistens – sehr gut miteinander aus. Schließlich sind wir beide gemeinsam der Kopf der Blackout-Bande. Über die werdet ihr noch einiges hören.

Ich will euch zuerst erzählen, wie man auf einer Hallig so lebt. Ich war dort an Ostern bei meinem Großvater Knut Knutsen. Hat Matze ja schon erzählt. Zum Glück war die Stromversorgung wieder okay, meine Reise mit dem Zug in den Norden verlief also reibungslos.

Was eine Hallig ist, fragt ihr? Na, sagen wir … ihr stellt euch einfach mal ein Spiegelei vor. Das Ei schwimmt in der Mitte der Pfanne in der heißen Butter. Das Eiweiß und das Eigelb zusammen sind die Hallig. Das Eigelb, das ja ein wenig höher ist als das Eiweiß, ist die sogenannte Warft – wie ein kleiner Hügel obenauf. Und jetzt denkt euch, dass auf dem Eigelb, also der Warft, ein Häuschen steht. Ringsum nur schäumende Butter. Und wenn in der Pfanne zu viel Butter ist und die ganz stark schäumt, steigt sie höher und überflutet das Eiweiß. Nur das Eigelb mit dem Häuschen schaut noch raus. Tja, und so ist das auch bei einer Hallig. Nur das dort die Butter Wasser ist. Denn eine Hallig ist so etwas Ähnliches wie eine Insel. Bei Hochwasser steigt das Wasser bis zur Warft und nur noch das Häuschen ist zu sehen. Weil aber Inseln normalerweise nicht überflutet werden wie das Eiweiß von der Butter, aber Halligen schon, ist es eben keine echte Insel, sondern man nennt es Hallig. Kommt wohl von Hal, was so viel wie Salz heißt.

Die Hallig Oland liegt in der Nordsee, genauer im nordfriesischen Wattenmeer. Ein winzig kleines Stückchen Land mitten im Meer. Besonders klein, wenn Hochwasser ist, etwas größer bei Ebbe. Dann kann man sogar zu Fuß über das Watt zum Festland laufen. Oder man nimmt eine Lore. Das ist das Schöne an Oland. Die Hallig ist über einen Damm mit dem Festland verbunden und oben auf dem Damm verlaufen Schienen. Da es nach Oland keinen regelmäßigen Fährverkehr gibt, nutzen viele die Lorenbahn. Die führt von Dagebüll, das ist auf dem Festland, nach Oland und von dort geht die Fahrt weiter nach Langeneß, der Nachbarhallig.

Alle Bewohner von Oland haben Loren, die sie auf den Schienen mal hin, mal herfahren. Angetrieben werden sie mit Mopedmotoren. Ich bin natürlich auch schon mal mitgefahren. Witzig ist das! In der Mitte der Damm und die Gleise und links und rechts nur Wasser. Mein Großvater hat sogar noch eine Lore mit Segel. Ja, wirklich! Einen kleinen Motor hat er schon auch, denn bei Windflaute müsste er sonst schieben. Am coolsten ist die Piratenflagge oben auf dem Segelmast.

Die meisten hier reden Friesisch. Nur Opa nicht. Jedenfalls nicht, wenn jemand von uns zu Besuch ist. Opa ist wie wir aus dem Hessischen. Obwohl seine Vorfahren von hier oben kommen. Irgendwann hat es ihn hierher zurück zu seinen Wurzeln gezogen, sagt er. Am Anfang haben ihn die alten Einwohner auf Oland noch etwas misstrauisch beäugt – ein Nordfriese mit hessischem Slang, aber mittlerweile nach zwölf Jahren ist er in die kleine Gemeinschaft aufgenommen und snackt fast genauso gut Friesisch. Er kümmert sich wie die meisten hier um den Erhalt der Hallig, zum Beispiel um den Küstenschutz.

Tja, mein Opa. Etwas kauzig ist er ja schon. Aber so lieb kauzig, meine ich. Auch wenn er manchmal richtig brummig werden kann wie ein Seebär. Besonders viel brummeln tut er, wenn es um die Umwelt und Energieverschwendung geht. Und da sind wir jetzt genau beim Thema. Matzes ersten Bericht über den Stromausfall habt ihr ja gelesen. Totaler Blackout und Chaos überall. Na und?, habe ich mir nur gedacht, als ich endlich auf der Hallig war. Denn hier haben wir nie Strom. Nicht dass es hier mittlerweile nicht auch Strom gäbe. Nur Opa Knut hält davon nichts. Er sagt, er will so leben, wie die Einwohner auf den Halligen früher gelebt haben. Also komplett ohne Strom!

Bei unserem ersten Besuch bei ihm – da war die ganze Familie mitgefahren – fanden wir das alle ziemlich krass: Kein elektrisches Licht, keinen Fernseher, kein Internet. Mittlerweile freue ich mich auf die Besuche und genieße das total. Am schönsten ist diese Ruhe. Motorenlärm, Flugzeuge, Rasenmäher, hier oben nicht am Start. Dafür das Meer und der Wind, die vielen Vögel. Das ist Natur pur.

Ja, die alten Einwohner: Auch frisches Trinkwasser hatten die nicht – und haben es zum Teil bis heute nicht. Das einzige Wasser ist hier das Regenwasser, das in großen Tanks gesammelt wird. Manchmal bekommen sie vom Festland mit der Lore Nachschub. Früher gab es auf jeder Hallig mindestens einen Teich mit Süßwasser. Für die Tiere eben, und wenn das Regenwasser in den Vorratsbehältern alle war, haben sich die Leute auch aus dem Teich bedient. Und geheizt haben sie hier früher mit Kuhfladenbriketts. Ja, echt! Kohle oder Holz gab es eben nicht auf den Halligen. Da mussten sie eben nehmen, was sie hatten. Zum Glück verzichtet Opa Knut wenigstens darauf. ;))

Eines muss ich euch noch erzählen, und zwar das, was mich hier fast am meisten fasziniert: das Reiten. Was? Reiten auf der kleinen Hallig? Nee, nee … bei Ebbe über das Watt reiten, meine ich. Das ist total abgefahren, sage ich euch. Von Dagebüll auf dem Festland einfach losreiten, über das Watt, das so endlos scheint. Man fragt sich, wo das ganze Wasser geblieben ist. Nur allein reiten ist nicht, denn man kann sich hier leicht verirren. Oft kommen Nebel auf und im Gegenlicht der Sonne liegt dann ein zauberhafter, mysteriöser Glanz auf dem Watt. Aber sich orientieren in der Nebelsuppe ist unmöglich. Mein Begleiter ist meistens Lars, der Sohn der Gutshofbesitzerin in Dagebüll. Von dem erzähle ich euch vielleicht später noch. Mal sehen.

Ganz fest in meinem Herzen ruht ein Abend mit Opa, an dem wir drüben auf der Nachbarhallig Langeneß am Leuchtturm saßen und einen unglaublich schönen Sonnenuntergang erlebten. Dieses Bild und die ganze Atmosphäre werde ich nie vergessen.

Nach drei Tagen auf der Hallig bei Opa Knut, ganz ohne Strom und nachdem mich Matze noch ein paar Mal per SMS wegen des Stromausfalls genervt hatte, überfiel mich im Traum eine Idee. Die Idee, etwas unternehmen zu müssen. Zum Thema Energie. Aber davon wird euch Matze erzählen.

3

Die Blackout-Bande

Meine Schwester und mich kennt ihr nun. Jetzt wird es Zeit, euch die Bande vorzustellen. Also, da ist natürlich erst mal Tobi. Mein bester Freund und der Star im Fußball, der Star bei den Mädels, der Star überhaupt. Stellt euch vor, er hat im letzten Klassenspiel gegen die Parallelklasse drei Tore reingemacht und noch zwei aufgelegt – krass was? Und sein Fanclub – natürlich alles Mädels – ist am Spielfeldrand fast ausgeflippt. Trotzdem ist Tobi nicht abgehoben, sondern echt in Ordnung. Auf ihn kann ich mich immer verlassen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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