Opis

Frankreich im Jahr 1346. Maynard de Rocheblanche hat gerade die blutige Schlacht bei Crécy überlebt, als er in den Besitz eines rätselhaften Pergaments gerät, das Hinweise auf eine kostbare Reliquie enthält. Doch das mysteriöse Schriftstück bringt ihn in höchste Gefahr: Mächtige Gegenspieler wollen es um jeden Preis an sich bringen. Maynard beginnt zu verstehen, dass er auf der Suche nach einem äußerst wertvollst und gefährlichst Objekt ist. Und er weiß: Sollte das Pergament jemals in die falschen Hände gelangen, würde die gesamte Welt ins Wanken geraten...

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Marcello Simoni, 1975 in Comacchio in der italienischen Provinz Ferrara geboren, studierte Literatur und arbeitete als Buchhändler und Archäologe. Sein Debütroman »Der Händler der verfluchten Bücher« wurde über Nacht zum Weltbestseller. Der Mittelalter-Thriller gewann renommierte Literaturpreise und belegte Spitzenplätze in den Bestsellerlisten.

Dieses Buch ist ein Roman. Die Handlung ist frei erfunden, wenngleich im historischen Umfeld eingebettet. Einige Personen, Ereignisse und Orte sind historisch, andere nicht. Darüber hinaus sind Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen rein zufällig. Im Anhang befinden sich ein Glossar und ein Personenregister.

Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel »L’abbazia dei cento peccati« bei Newton Compton editori, Rom. ©2016 Marcello Simoni ©der deutschsprachigen Ausgabe Emons Verlag GmbH Alle Rechte vorbehalten Umschlagmotiv: shutterstock.com/Davydenko Yuliia, depositphoto.com/robodread, shutterstock.com/ilolab, shutterstock.com/Morphart Creation Umschlaggestaltung: Nina Schäfer eBook-Erstellung: CPI books GmbH, LeckISBN 978-3-96041-0751 Mittelalter-Thriller

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Für Giorgia,

die mir auf den Pfaden dieses Abenteuers folgen wollte

Hochmut entfernt uns von Gott,

Neid vom Nächsten, Zorn von uns selbst.

Hugo von Sankt Viktor, »De quinque septenis«

Vorbemerkung

Im Jahre des Herrn 1345, gegen Ende des Monats März, begegneten sich Saturn, Jupiter und Mars zwischen dem15. und 17.Grad des Zeichens Wassermann in einer besonderen Stellung zueinander– ein spektakuläres astronomisches Ereignis, das sämtliche Weisen der damaligen Zeit in hellen Aufruhr versetzte. In welchem Ausmaß diese Bewegungen der Himmelskörper die menschlichen Geschicke tatsächlich beeinflusst haben, ist kaum zu ermitteln, fest steht jedoch, dass ganz Europa in den folgenden Jahren unter Krieg, Hungersnöten und der Pest zu leiden hatte. Das gesamte westliche Abendland wurde zum Schauplatz eines makabren Totentanzes, der die Furcht aufkommen ließ, die Apokalypse stünde bevor.

Doch all diese Plagen konnten den Durst nach Wahrheit, Schönheit und großen Idealen nicht ersticken. Und so entstand genau zu dieser schrecklichen Zeit in einer Abtei ganz in der Nähe des Meeres einer der faszinierendsten und geheimnisvollsten Bilderzyklen des Mittelalters.

PROLOG

Die Wälder von Ferrara, in der Nähe des Borgo San Giorgio 12.April 1333

Die drei Männer trafen sich nach Sonnenuntergang unter größter Geheimhaltung. Zwei von ihnen waren gemeinsam gekommen, sie waren den Flusslauf des Padus entlanggeritten, bis sie sich fast in dem Labyrinth aus Tälern und Sümpfen verirrt hätten. Nun warteten sie im Wald und lauschten in der Dunkelheit aufmerksam auf jedes Geräusch. Die Ähnlichkeit ihrer Züge, dazu der gleiche helle Teint und die fuchsroten Haare, verriet, dass sie eng verwandt sein mussten. Der ältere hatte einen so durchdringenden Blick, dass er selbst inmitten eines Schlachtgetümmels aufgefallen wäre. Beide trugen fein ziselierte Plattenpanzer, was auf eine Herkunft aus vornehmem Haus schließen ließ, ebenso wie das prächtige Sattelzeug ihrer Pferde.

Der dritte Mann kam als Letzter, auch er zu Pferd. Er trug einen purpurnen Umhang und einen Kardinalshut, doch die Eisenhandschuhe, die die Zügel fest im Griff hatten, ließen erahnen, dass sich unter dem Umhang ein Kettenhemd verbarg.

»Eure Majestät, Eure Hoheit«, sagte er, als er unter der Krone einer großen Ulme zum Stehen kam, »was für eine Ehre.«

»Da seid Ihr ja endlich«, sagte der junge Mann aufgebracht, ebenso wie sein Gegenüber in perfektem Französisch. Er war noch keine siebzehn, das Ungestüm und der Eifer der Jugend standen ihm ins Gesicht geschrieben. »Ein wenig später, Eminenz, und Ihr hättet uns nicht mehr angetroffen.«

Der Mann an seiner Seite brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. »Verzeiht meinem Sohn, Eminenz. Er hat viele Talente, verfügt jedoch nicht über die Gabe, seine Zunge im Zaum zu halten.«

»Nun, das wird der Prinz wohl lernen müssen«, entgegnete der Kardinal bedeutungsvoll. »Auf jeden Fall mit der heutigen Nacht.«

»Ihr habt ihn also gefunden?«

Der Kardinal nickte. »Er war auf dem Weg nach Ferrara. Meine Soldaten haben ihn in der Nähe der Stadtmauern aufgegriffen, als sie die Belagerung vorbereiteten. Eine glückliche Fügung.«

»Dann habt Ihr uns also nicht umsonst hierher bestellt.« Die Miene des jungen Mannes hellte sich auf. »Und sagt, Eminenz, hat er bereits… geredet?«

»Habt Ihr daran irgendeinen Zweifel?«

Wortlos bedeutete der Kardinal den beiden Rittern, ihm zu folgen, und lenkte sein Pferd im Trab durch die Bäume. Zum Schlag der Nachtigall und den Lauten anderer nächtlicher Tiere ritten sie durch die dichten Schatten vorwärts, bis sie zu einer Lichtung kamen, auf der sich Knappen und Belagerungsmaschinen drängten. In der Mitte des von Fackeln erleuchteten Platzes lag ein vollständig unbekleideter Mann auf dem Boden. Der Tonsur nach zu schließen handelte es sich um einen Mönch. Er war in einer unnatürlichen Haltung, ähnlich einem großenX, ausgestreckt: Arme und Beine waren mit Seilen an vier Pferde gefesselt.

Die Tiere standen still, und die Seile hingen schlaff herab, aber auf dem Gesicht des Unglückseligen zeichnete sich noch immer unsagbare Qual ab. Ellenbogen und Knie sowie Schulter- und Handgelenke waren deutlich angeschwollen, offenbar waren sie weit über die Schmerzgrenze hinaus gedehnt worden.

Der Kardinal saß ab und beugte sich über den Mann. »Pater Facio di Malaspina, seit drei Jahren auf der Flucht.« Die Worte galten jedoch nicht dem am Boden Liegenden, sondern den beiden Rittern hinter ihm, die wie er vom Pferd gestiegen waren. Er nahm den Hut ab, unter dem ein dichter grauer Haarschopf zum Vorschein kam, und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht, auf dem sich nun ein Lächeln ausbreitete. »Auf der Flucht, um etwas ebenso Seltenes wie Kostbares zu verbergen. Doch als er gefangen genommen wurde, hatte er es nicht bei sich.«

Bei diesen Worten zuckte der Mönch heftig und stieß einen hasserfüllten Schrei aus. »Verflucht sollt Ihr sein!« Er versuchte, sich aufzurichten, doch Arme und Beine konnten sein Gewicht nicht tragen. »Verflucht seid Ihr… und alle Hunde aus Avignon!«, zischte er, ließ sich zurück zu Boden fallen und schloss erschöpft die Augen.

»Ich begreife nicht.« Der ältere Ritter wechselte einen schnellen Blick mit seinem Sohn. »Wenn er nichts bei sich hatte…«

»Er hat es versteckt«, erklärte der Kardinal, »in einem Dorf hier ganz in der Nähe.« Er richtete sich wieder auf und streifte ein paar Grashalme von seinem Umhang. »Ich habe einige zuverlässige Männer losgeschickt, um es zu holen, daher rührte meine Verspätung. Sie sollten inzwischen auf dem Weg hierher sein.«

Und tatsächlich tauchten wenig später fünf Gestalten im Mondschein aus dem Unterholz auf. Sie trugen genietete Brigantinen und weite schwarze Umhänge, deren Kapuzen sie tief ins Gesicht gezogen hatten. Der Größte von ihnen, von den anderen links und rechts flankiert, hielt einen kleinen Schrein fest an die Brust gepresst. Als die Gruppe den Kardinal erreichte, ging er vor ihm auf die Knie und reichte ihm das Behältnis wortlos.

Einen Moment lang betrachtete der Kardinal den Schrein fast furchtsam, bis er ihn schließlich ungeduldig öffnete.

Darin befanden sich drei Gegenstände.

»Dominus meus et Deus meus«, murmelte er mit bebender Stimme, dann bekreuzigte er sich und zeigte den beiden Rittern ehrfürchtig den Inhalt. Gespannt musterte er ihre Mienen und wartete, ob sie sich dazu äußerten. Als das Schweigen andauerte, ergriff er selbst das Wort. »Ich werde den Kelch an mich nehmen, und der Prinz wird die Lanzenspitze zur Aufbewahrung erhalten«, sagte er gewichtig. »Was Euch betrifft, Majestät…« Er nahm den dritten Gegenstand aus dem Schrein, um ihn im Licht einer Fackel zu betrachten. Es war eine kleine Pergamentrolle.

Als der König sie erblickte, löste er sich aus seiner bewundernden Erstarrung. »Die steht mir zu«, sagte er und entriss dem Kardinal die Rolle, »und mit ihr das Geheimnis.«

Der Kardinal schien zunächst etwas einwenden zu wollen, doch dann presste er schicksalsergeben die Lippen zusammen. »So soll es sein, Majestät«, sagte er schmeichlerisch. »Sie wird Euch gehören, bis wir beschließen, ihre Existenz zu enthüllen.«

»Dennoch, Eminenz…«, entgegnete der König misstrauisch. »Verzeiht mir meine Beharrlichkeit, aber sollte Euch in der Zwischenzeit ein Unglück ereilen oder sollte ich Euch nicht mehr erreichen können, wie könnte ich die Echtheit dieses Dokuments belegen?«

Der Kardinal seufzte. »Ihr habt recht, ohne meine Beglaubigung könnte es für eine Fälschung gehalten werden. Lasst mich kurz überlegen.« Er betrachtete die kleine Rolle schweigend, dann nickte er, streifte seinen rechten Eisenhandschuh ab und zog den goldenen Ring vom Ringfinger. »Legt den hier dazu, als Garant für meine Worte«, sagte er und übergab ihn dem König. »Aber gebt gut auf ihn acht, zeigt ihn niemandem, ehe der richtige Moment gekommen ist.«

»Dann, wenn wir uns wieder treffen«, sagte der König, während er den Ring an sich nahm, »und zwar vor dem Papst.«

Der Kardinal lächelte verschwörerisch. »Dann, wenn Euer Sohn Kaiser wird.«

Als die drei Männer fortritten, ließen sie den nackten, reglosen Körper in der Mitte der Lichtung zurück.

ERSTER TEIL

1

Hochebene von Crécy 26.August 1346

Maynard war in einem Alptraum gefangen. Drei Reiter in Rüstung preschten in wütendem Galopp heran. Sie wirkten nicht wie gewöhnliche Sterbliche. Ihre Köpfe waren von flammenden Heiligenscheinen umgeben, jeder in einer anderen Farbe: der erste weiß, der zweite rot und der dritte golden. Sie ritten durch die Dunkelheit mit rätselhaften Trophäen in der Faust, ihre langen Haare wehten wie Kometenschweife im Wind hinter ihnen her.

Einen Augenblick lang folgte er den drei Reitern, wie sie in einer Orgie des Todes und der Gewalt durch die Reihen kämpfender Männer jagten. Dann hörte er die Pfeile der Engländer surren, das ängstliche Wiehern seines Pferdes, den Aufprall… und er schreckte aus der Ohnmacht hoch.

Er lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden, sein Mund war voller Schlamm, und als er jetzt die Augen öffnete, sah er nur Schwärze. Der Regen prasselte auf seine Rüstung, ein finsteres, unangenehmes Geräusch, das ihn dazu drängte, aufzustehen. Doch es gelang ihm nicht. Er konnte seine Beine nicht rühren. Furcht packte ihn, als er erkannte, dass etwas Schweres auf seinen Rücken drückte. Mit verzweifelter Anstrengung streckte er den linken Arm –den rechten konnte er nicht bewegen– auf der Suche nach einem Halt aus. Blind ertastete er mit seinem eisernen Handschuh etwas. Es waren Schnüre. Er umklammerte sie und zog sich daran vorwärts. Die Rüstung behinderte ihn, schränkte seine Bewegungen ein, doch endlich konnte er sich so weit durch den Morast schleppen, bis auch der rechte Arm frei war.

Nun konnte er den Helm abnehmen. Mühsam löste er den Riemen, der ihn im Nacken mit dem Obergewand verband, und zog ihn ab, dabei zerkratzte er sich das Gesicht. Im graudämmrigen Licht der Abendstunde erkannte er, woran er sich festgehalten hatte: Es waren die Zügel seines toten Pferdes.

Vor ihm lagen unzählige Leichen in Metallpanzern, die sterblichen Überreste derer, die er bis vor Kurzem Waffenbrüder genannt hatte. Dieser fürchterliche Anblick erstreckte sich, so weit das Auge reichte, bis hin zum Fuß des Hügels. Ritter, Fußsoldaten und Armbrustschützen, in einem verheerenden Streich von der Sichel des Todes gefällt, lagen stumm Seite an Seite auf dem Boden, der von blutroten Rinnsalen durchzogen war.

Maynard überwand sein Grauen, doch den schamvollen Zorn darüber, so viele tapfere Gefährten den Raben zum Fraß ausgeliefert zu sehen, konnte er nicht so einfach abschütteln. Er verlieh ihm die Kraft, sich noch einmal mächtig vorwärtszuschieben und sich so von der Last der Toten zu befreien, die auf ihm lagen, dann drehte er sich auf die Seite, um tief durchzuatmen. Der Regen auf seinem Gesicht fühlte sich frisch und kühl an, vermittelte ihm fast ein Gefühl von Reinheit. Unwillkürlich fühlte er sich an seine Schwester Eudeline erinnert, die sich in ein Kloster zurückgezogen hatte, um den kranken Gelüsten ihres Vaters zu entkommen.

Eudeline, ein Name voller Licht. Er wünschte sich so sehr, sie wiederzusehen, sie zu umarmen…

Ein plötzlicher Schmerz im linken Bein lenkte seine Aufmerksamkeit auf sein Knie, und er sah, dass ein abgebrochener Pfeil darinsteckte. Jetzt erinnerte er sich, dass er mitten im Angriff getroffen worden, zu Boden gestürzt und unter der Menge begraben worden war. Er beugte sich vor, um die Wunde zu untersuchen, doch in dem Moment fiel ein Schatten über ihn. Instinktiv schnellte sein rechter Arm hoch. Er bekam das Handgelenk eines Mannes zu fassen und konnte so gerade noch den Angriff durch einen Gnadenbringer abwehren. Über ihm stand ein englischer Fußsoldat. Maynard drehte schnell den Oberkörper zur Seite, ergriff die Lanze eines der Toten neben ihm und rammte sie dem Mann unter das Kinn.

Dann ließ er den Sterbenden fallen und rang keuchend nach Atem.

Er musste weg von hier, sofort. Mühsam, sich auf sein rechtes Bein stützend, versuchte er aufzustehen. Gleich rutschte er wieder in den Schlamm. Obwohl er zu schwach zum Gehen war, schwor er sich, dass er nicht hierbleiben würde, und wenn er wie ein Wurm durch den Morast kriechen musste. Er wusste, wohin er sich zu wenden hatte. Wenn das französische Heer besiegt worden war, hatten die Truppen EdwardsIII. und des Schwarzen Prinzen gewiss die Dörfer im Norden und die Straße, die der Mave nach Westen folgte, unter Kontrolle. Ihm blieb nur eine Möglichkeit: Er musste nach Osten zu der alten römischen Straße, die nach Amiens führte, und von dort nach Süden. Nicht gerade leicht für einen Mann, der sich nicht auf den Beinen halten konnte. Aber immer noch besser, als hier auf den Tod zu warten.

Also kroch er los, wobei er sich an allem vorwärtszerrte, was er vorfand. Blutüberströmte Körper, Waffen, die in den Boden gerammt waren, vertrocknete Büsche… Alles war ihm recht, solange es ihm nur beim Vorankommen half. Doch die unglaubliche Anstrengung zwang ihn schließlich, innezuhalten. Er lehnte sich mit dem Rücken an einen halb zerstörten Wagen, löste die Schulterstücke und die Ellenbogenkacheln seiner Rüstung, damit er die Arme freier bewegen konnte, dann betastete er die Stelle oberhalb des Knies, um die Wunde zu untersuchen. Der Pfeil hatte sich tief ins Fleisch gebohrt, die bloße Berührung verursachte ihm brennende Schmerzen. Er würde ihn nicht selbst herausziehen können.

Als er sich wieder einigermaßen bei Kräften fühlte, bewegte er sich weiter vorwärts. Obwohl er sich inzwischen sogar so weit erholt hatte, dass er möglicherweise hinkend laufen könnte, vermied er es, aufzustehen. Der englische Fußsoldat, der ihn angegriffen hatte, war sicher nicht der einzige Gegner hier auf dem Schlachtfeld. Gewiss waren viele andere menschliche Aasgeier unterwegs, um die Toten zu fleddern. Besser kroch er weiter durch den Schlamm, im Schutz der dichten Nebeldecke, die sich vom Boden erhob.

Er hatte schon die Hälfte des Weges zurückgelegt, als er erneut innehalten musste. Seine Arme waren angeschwollen und schmerzten. Er überlegte, ob er weitere Teile der Rüstung ablegen sollte, um seine Last zu verringern, aber beinahe alle Verschlüsse, mit denen die Stahlplatten an seinem Körper befestigt waren, befanden sich am Rücken. Halbherzig glitt seine rechte Hand nach hinten, doch wie vorherzusehen kam er gerade einmal an seine Schulterblätter heran. Erschöpft streckte er sich aus und flehte laut zu Gott, er möge ihm neue Kräfte schenken.

Doch es war nicht Gott, der ihm antwortete. Stattdessen hörte er das Aufstöhnen eines Sterbenden.

Maynard erkannte, dass er sich auf den Körper eines Mannes gestützt hatte, der noch lebte. Schnell rückte er ab und betrachtete den Ritter, der in einer grotesken Haltung, umgeben von lauter Leichen, auf dem Boden zusammengesunken lag. Sein nordisch markantes Gesicht war von einem flammend roten Bart gesäumt, und er trug eine prächtige Rüstung aus ziselierten Platten. Hartnäckig umklammerte die rechte Hand den Griff seines Schwertes; die linke hatte sich in der Mähne eines von Pfeilen durchbohrten Schlachtrosses verkrallt, als wollte er es zum Angriff antreiben. Diesen unglückseligen Krieger hatte jedoch schon der unerbittlichste aller Feinde besiegt. Zwischen den Platten des Brustpanzers klaffte eine tiefe Wunde, die bis auf den Knochen ging. Offensichtlich war seine letzte Stunde gekommen, aber Maynard konnte dennoch nicht einfach weiterziehen.

Als hätte der Mann seine Gedanken gehört, ließ er sein Schwert los und packte Maynards Arm. »Jang…«, sagte er leise, der Blick der auffallend blauen Augen irrte unstet umher.

»Ist das Euer Name?«, fragte Maynard.

Der Mann nickte. »Jang de Blannen«, bekräftigte er mit festerer Stimme. »Verflucht soll der sein, der mich verraten hat…« Er hustete Blut und wand sich in Krämpfen.

Maynard konnte es nicht glauben. Genau wie die meisten der Krieger, die hierher nach Crécy gekommen waren, hatte er den Namen schon gehört. Jang de Blannen, jedermann bekannt als König Johann von Böhmen, war einer der wichtigsten Verbündeten des französischen Königs. Er hatte noch darauf bestanden, sich ins Getümmel zu stürzen, als der unselige Ausgang des Kampfes schon gewiss war, und sich furchtlos den todbringenden Pfeilen der englischen Langbogenschützen entgegengestellt.

»Dann seid Ihr also–«

»Und wer seid Ihr, Ritter?«, unterbrach ihn Jang, der sich beharrlich am Leben festklammerte. »Nennt mir Euren Namen…«

»Maynard de Rocheblanche«, erwiderte er. »Zu Euren Diensten.«

»Und genau darum will ich Euch bitten… um einen Dienst.«

Maynard sah ihn betrübt an. »Gott ist mein Zeuge, wenn ich könnte, würde ich Euch mit mir nehmen.« Er deutete auf die Wunde in der Brust des Mannes. »Ich fürchte jedoch, dass Ihr nicht in der Lage seid, Euch zu bewegen, mein edler Herr.«

»Ich wünsche nicht, dass Ihr mich retten, sondern dass Ihr ein Geheimnis bewahren sollt…«

»Ein Geheimnis? Wovon sprecht Ihr?«

Jang de Blannen richtete seinen Blick auf Maynard, und fast schien es, als könnte er wieder klar sehen. Unendlich langsam zog er einen Gegenstand aus seinem eisernen Handschuh und überreichte ihn Maynard.

Der nahm ihn, ohne Fragen zu stellen. Es handelte sich um eine schmale Pergamentrolle, die in einem goldenen Siegelring steckte.

»Bringt das weg… versteckt es…«, flüsterte der König von Böhmen. »Und zeigt es niemandem… niemals… nicht einmal meinem Sohn.«

»Herr, habt die Güte, mir zu erklären…«

Jang de Blannen wurde von einer heftigen Schmerzwelle gepackt und krümmte sich zusammen, Blut tropfte aus seinem dichten Bart. »Prägt Euch das gut ein, denn ich bin von demjenigen verraten worden, der es begehrte…« Er wurde von einem Hustenanfall geschüttelt, dann machte er mit der Hand ein Zeichen, als wollte er dem Tod bedeuten, er möge warten. »Dieser verfluchte Kerl hat mich mit Gift geblendet… kurz bevor ich mich in die Schlacht stürzte…«

»Sprecht, Majestät! Enthüllt mir seinen Namen.«

Doch der König von Böhmen war am Ende seiner Kräfte. Er ließ sich auf das Bett aus Leichen zurücksinken und sah hinauf zum bleigrauen Himmel. »Schwört, Ritter…«, sagte er kaum hörbar. »Schwört, dass Ihr mir gehorchen werdet, ich bitte Euch… bevor meine Seele diesen Körper verlässt…«

Maynard zögerte, am liebsten hätte er sich der Verpflichtung entzogen und diese Pergamentrolle weggeworfen. Er wusste nicht, warum, aber er ahnte, dass er im Begriff war, einen schrecklichen Fehler zu begehen, eine Entscheidung zu treffen, die er auf ewig bereuen würde. Doch sein Pflichtbewusstsein war stärker. Er stand vor einem König, der im Sterben lag, vor einem Mann, der an seine Ritterehre appellierte. Und in den finstersten Momenten brachte nichts die Menschen mehr in die Nähe von Engeln als die Ehre.

2

Der Regen ging in einen schwarzen, heftigen Wolkenbruch über. Maynard war gezwungen, sich eiligst von der Leiche Jang de Blannens zu entfernen und Schutz auf einer kleinen Anhöhe zu suchen, um nicht im Schlamm zu ertrinken. Als der Regen nachließ, hüllte die Dunkelheit das Schlachtfeld mit einer solchen Geschwindigkeit ein, dass er sich kaum mehr orientieren konnte, doch die Furcht, bewusstlos zu werden und sich beim Erwachen auf vom Feind besetztem Gebiet wiederzufinden, trieb Maynard dazu an, weiterzuziehen.

Er verbarg die Pergamentrolle in dem Ring unter der breiten Metallplatte seines Brustpanzers und zwang sich weiter in die Richtung, wo er seine Rettung vermutete: geradeaus, weil er so gut wie sicher war, dass Osten genau vor ihm lag. Sein linkes Bein, in dem der Schmerz heftig pochte, behinderte ihn sehr, besonders als er über den Rand eines Grabens klettern musste. Danach schleppte er sich auf einem Teppich aus triefend nassem Gras vorwärts, später erhoben sich Bäume über ihm. Inzwischen hatte er sich schon weit vom Schauplatz des Kampfes entfernt, doch er hielt erst an, als er unter seinen Händen einen Pflasterstein spürte, in dem die Karren eine tiefe Rille hinterlassen hatten. Da begriff er, dass er die alte Römerstraße erreicht hatte, und fiel erschöpft in Ohnmacht.

Ein lästiges Schwanken ließ ihn kurz erwachen. Verwundert stellte er fest, dass er sich auf einem überdachten Wagen befand, neben ihm saß eine vermummte Gestalt. Doch gleich darauf trübte sich sein Blick wieder, und er versank erneut in der Dunkelheit.

Als er schließlich das Bewusstsein wiedererlangte, hallte ihm die Stimme Jang de Blannens in den Ohren. Es war Tag, der Wagen stand still. Er versuchte, aufzustehen, doch ein stechender Schmerz im Knie hinderte ihn daran. Vorsichtig zog er sich an den Seitenteilen des Wagens hoch, um sich wenigstens aufzusetzen und einen Blick nach draußen werfen zu können. Der Regen hatte aufgehört. Zwei in graue Umhänge gehüllte Menschen starrten ihn an. Ein Junge und eine Frau. Sie kauerten am Straßenrand neben einem Feuer. Die Frau rührte in einem dampfenden Kessel.

Bevor Maynard etwas sagen konnte, tauchte ein Mann rechts neben ihm auf und hielt ihm eine Feldflasche hin. Er dankte ihm mit einem Kopfnicken und trank durstig. Das Wasser war erfrischend, und doch fühlte sich Maynard schwach und benommen. Immerhin ließ sich der Schmerz im linken Bein besser ertragen, weil es fast gefühllos geworden war.

»Ihr habt Glück gehabt, Herr«, sagte der Mann. »Hätte mein Sohn nicht so ein gutes Auge, wärt Ihr im Regen liegen geblieben.«

»Ich verdanke Euch mein Leben«, sagte Maynard und gab ihm die Flasche zurück, wobei er die Gelegenheit nutzte, ihn näher zu betrachten. Der Mann war kahlköpfig und untersetzt und trug ein grünes Reisegewand. Maynard kam er zu gepflegt für einen Bauern oder gewöhnlichen Handwerker vor. »Mein Name ist Maynard de Rocheblanche, und ich werde Eure Güte zu belohnen wissen.«

»Ich bin Jérôme Bataille, und dies«, der Mann zeigte auf die Frau und den Jungen, »sind mein Weib Marie und mein Sohn Nicolas. Wir kommen aus Brügge und sind auf dem Weg nach Paris. Unterwegs haben wir erfahren, dass hier eine Schlacht im Gange ist. Diese Nachricht hat uns veranlasst, auch die Nacht hindurchzufahren, um nicht ins Kampfgetümmel zu geraten.«

»Ihr tätet gut daran, schleunigst noch weiter südlich zu reisen.« Maynards Gesicht verfinsterte sich. »Ich bin ein Überlebender dieser Schlacht, von der Ihr gehört habt, und glaubt mir, bald wird es in diesen Gebieten von Engländern nur so wimmeln.«

Der junge Nicolas sah ihn bewundernd an. »Sagt, Herr, seid Ihr ein Ritter des Königs von Frankreich?«

»Ja, das bin ich, und ich muss Euch um Eure Unterstützung bitten.« Maynard schlug mit der Faust gegen seine Rüstung. »Ihr müsst mir helfen, all dieses Metall loszuwerden«, dann zeigte er auf den Stummel des Pfeils, der oberhalb seines Knies feststeckte, »und diesen hier auch.«

Jérôme zögerte kurz, doch dann nickte er und bestieg mit seinem Sohn den Wagen. Maynards Anweisungen folgend schnallte er zunächst das Wehrgehänge ab, in dem das Bohrschwert steckte, und nahm den Waffengurt mit dem Dolch ab, danach löste er eine nach der anderen die Platten der Rüstung. Zuerst legte er die Arme frei, dann den Oberkörper. Als er daranging, die breite Brustplatte abzunehmen, fiel neben einem Hagel von Schlammkrusten auch das Pergamentröllchen aus dem Besitz des Königs von Böhmen heraus.

Maynard bedeutete Jérôme, er solle innehalten, hob das Pergament auf und wischte es ab. Es war verschmutzt, aber unversehrt, ebenso wie der Ring, in dem es steckte. Ein Siegelring aus massivem Gold. Maynard drehte ihn zwischen den Fingern, und als er ihn sich genauer ansah, erkannte er ein kirchliches Wappen.

In der Mitte prangte ein silberner Löwe vor einem roten Hintergrund. Das Adelshaus ließ sich schwer bestimmen, aber der Galero darüber und die seitlichen Quasten bewiesen, dass es einem Kardinal gehörte.

Maynard legte den Ring beiseite und bat Jérôme und seinen Sohn, ihm nun auch den unteren Teil der Rüstung abzunehmen. Er wollte so schnell wie möglich das linke Bein befreien, damit er sich die Wunde ansehen konnte. »Sagt, Meister Jérôme«, fragte er, »womit verdient Ihr Euren Lebensunterhalt?«

»Ich fertige Wandteppiche, Herr«, antwortete Jérôme, während er überprüfte, welche Schließen er noch lösen musste, »und möchte, dass mein Sohn mir in meiner Handwerkskunst nachfolgt, aber in einer reicheren Stadt als der, in der ich geboren bin.« Er unterbrach sich und zeigte auf die Stelle, an der der Pfeil eingedrungen war. »Zum Donnerwetter!«, rief er aus. »Man hat Euch genau zwischen der oberen und der unteren Beinschiene getroffen, was für ein Pech!«

»Viele meiner Gefährten haben ein weit schlimmeres Schicksal erlitten«, erwiderte Maynard bitter. »Seid vorsichtig, wenn Ihr die Teile entfernt«, ermahnte er Jérôme dann, »mein Bein schmerzt sehr.«

»Bisher habt Ihr Euch noch nicht beschwert, scheint mir«, versuchte der Teppichweber ihn aufzumuntern.

Kaum war er von der Rüstung befreit, gönnte sich Maynard einen Seufzer der Erleichterung. Unter seinem Panzer trug er ein Wams und Beinlinge, beide starrten vor Schmutz, aber das war ihm gleich. Dass er sich endlich ungehindert bewegen konnte, bescherte ihm ein wunderbares Gefühl von Leichtigkeit.

Jérôme beugte sich über die Wunde. »Tut mir leid, ich fürchte, hier kann ich nichts tun«, murmelte er. »Wenn ich es wagte, den Pfeil herauszuziehen, könnte ich mehr Schaden als Nutzen anrichten…«

»Habt keine Angst, ich sage Euch, was Ihr zu tun habt.« Maynard hatte schon unendlich oft zugesehen, wie ähnliche Wunden behandelt worden waren, und da er zwei Helfer hatte, war er sicher, dass er seine eigene Verletzung versorgen konnte. Er zog den Dolch heraus, schnitt die Beinlinge auf der einen Seite bis zum Oberschenkel ab und legte so das gerötete, angeschwollene Knie frei. Der Anblick genügte, um seinen Schmerz zu verstärken. Die Röte verfärbte sich schon dunkel, was ihn einen Wundbrand befürchten ließ.

»Tut, was ich Euch sage«, fuhr er fort und versuchte, seine Besorgnis zu verbergen. »Auf mein Zeichen müsst Ihr den Pfeil mit einem entschlossenen Ruck herausziehen, danach reinigt Ihr das zerfetzte Fleisch mit Wein oder Essig. Außerdem…«, er gab Nicolas seinen Dolch, »kauterisiert Ihr die Wunde damit.«

»Sollten wir nicht lieber Hilfe suchen?«, fragte Jérôme zaudernd. »Die Soldaten, die dem Heer von EdwardIII. entkommen sind, können nicht weit sein. Unter ihnen findet sich bestimmt ein Feldscher, der Euch behandeln kann.«

Bei diesen Worten keimte in Maynard die Hoffnung, sich wieder mit seinen Gefährten vereinigen zu können. Wahrscheinlich hatte sich König PhilippVI. südlich nach Fontaine oder Amiens zurückgezogen, um die Überreste seines Heeres in Sicherheit zu bringen und einen Gegenangriff zu planen. Er musste versuchen, ihn zu erreichen. Doch seine Wunde konnte nicht warten.

»Wenn ich noch länger zögere, könnte ich mein Bein verlieren… Andererseits bin ich zu schwach, um mich selbst zu kurieren. Deshalb müsst Ihr mir helfen. Und zwar jetzt.«

Kurz darauf war alles bereit. Jérômes Frau hatte ihnen eine Schüssel mit Essig hingestellt, dazu Stoffstreifen, um die Wunde danach zu verbinden, während Nicolas den Dolch in die Glut hielt.

Maynard winkte Vater und Sohn zu sich. »…leider können wir den Pfeil nicht weiter durch die Wunde drücken und auf der anderen Seite herausziehen. Die Spitze steckt auf dem Knochen, es bleibt nichts anderes übrig, als den Pfeil herauszureißen…«

Nicolas wollte etwas sagen, aber dann hielt er sich zurück.

»…und zwar mit aller Kraft. Tut es«, fuhr Maynard fort. »Das wird mir fürchterliche Schmerzen bereiten, mein Fleisch wird aufreißen, aber das darf Euch nicht von Eurer Aufgabe ablenken. Und danach reinigt Ihr die Wunde.«

Nicht allzu überzeugt legte Jérôme seine Finger um den kurzen Pfeilschaft. »Also, verlieren wir keine Zeit.« Er war schweißnass und zitterte, als müsste er den Pfeil aus seinem eigenen Bein ziehen.

»Einen Moment noch«, sagte Maynard. »Vorher muss ich Euch noch um einen anderen Gefallen bitten. Ich tue es jetzt, falls mich der Schmerz nachher bewusstlos werden lässt.«

»Ich höre, Herr.«

»Wenn Ihr unterwegs auf Spuren stoßt, dass das französische Heer durchgekommen ist, bringt mich bitte zu meinen Waffenbrüdern.«

Jérôme musterte ihn verwundert. »Bestünde dabei auch keine Gefahr für meine Familie?«

»Ganz im Gegenteil, Ihr werdet belohnt, wie ich Euch schon sagte.«

»Nun gut.«

»Und jetzt nur Mut!«, forderte Maynard ihn auf. »Tut es!«

Jérôme vergewisserte sich, dass Nicolas das Bein gut gepackt hatte, dann verstärkte er den Griff, hielt noch einmal einen Moment inne– und riss den Pfeil mit einer knappen Bewegung heraus.

Maynard bäumte sich mit weit geöffneten Augen auf und brüllte in einem schrecklichen Schrei all seinen Schmerz hinaus, zusammen mit der Wut, der Angst und der Demütigung– einem Schrei, den er seit der vergangenen Nacht in sich getragen hatte. Mit Schweißperlen auf der Stirn ließ er sich auf den Rücken zurückfallen und kämpfte gegen den Schmerz an, während die mit Essig getränkten Binden auf der Wunde zu brennen begannen.

Er hörte den Jungen sagen: »Der Pfeil ist heil geblieben.«

Und dann Jérôme: »Wisch das Blut ab…«

»Hier, das Messer…«

»Halt ihn ganz fest!«

»Jetzt! Jetzt!«

Schließlich das Zischen der Glut, der glühende Stahl auf dem Fleisch.

Maynard schrie wieder auf.

Das brutale Lachen eines Mannes bohrte sich in seine Erinnerung wie ein Dolch. Wieder durchzuckte ihn Schmerz, dann das Bild, wie sein Vater auf Eudeline lag.

Die Wut holte ihn aus der Bewusstlosigkeit.

Als er erwachte, fiel sein Blick auf die Teile seiner Rüstung, die neben ihm lagen, und er wurde von einer Erinnerung überwältigt. Eisenbewehrte Ritter, die Fußsoldaten in einfachen Kettenhemden angriffen. Er kam sich vor wie ein Feigling.

Dann bemerkte er, dass der Wagen wieder in Bewegung war. Nicolas saß ihm gegenüber.

»Wie geht es Euch, Herr?«, fragte der Junge, während er ihm eine Schale reichte.

Maynard nahm das Essen, stellte es jedoch ab, ohne auch nur daran gerochen zu haben. Er sah an sich herab. Sein Bein wirkte geschwollener, als er es in Erinnerung hatte. Es schmerzte auch mehr.

»Ich werde es überleben«, sagte er und nickte dem Jungen dankbar zu.

Nicolas folgte seinem Blick, der nun wieder auf der Rüstung ruhte. »Ich habe sie gesäubert«, sagte er.

»Du bist ein tüchtiger Junge.« Maynard massierte seine schmerzenden Arme. »War ich lange Zeit bewusstlos?«

»Einen halben Tag. Nachdem wir Euch versorgt hatten, sind wir sofort wieder aufgebrochen.«

Maynard nickte, ohne zu wissen, was er noch sagen sollte. Dass er sich so schlecht fühlte, hatte seine Ursache nicht nur in der Wunde oder den Geschehnissen der letzten Tage. Dieses Gefühl kam tief aus seiner Seele.

Nicolas zeigte auf die Schale. »Das ist Roggensuppe, meine Mutter hat sie gekocht«, erklärte er. »Sie wird Euch helfen, wieder zu Kräften zu kommen.«

3

Das Feldlager der Überlebenden der Schlacht bei Crécy hatte sich um eine alte Kirche gebildet, die von der Straße aus gut zu erkennen war. Es wurde weder von Palisaden noch von Gräben umgeben, sein einziger Schutz bestand in zahlreichen Wachen.

Maynard wartete ab, bis der Wagen zum Stehen gekommen war, dann bat er Nicolas, ihm hinunterzuhelfen. Er musste sich an dessen Arm festklammern, um sich auf seinem rechten Bein aufrecht halten zu können, aber er spürte, wie sehr ihn das mit neuer Kraft erfüllte. Endlich stand er wieder und konnte den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Jérôme, der jede seiner Bewegungen verfolgte, stieg vom Wagen und wies seine Frau an, mit den Zügeln in der Hand zu warten. Dann wollte er zu Maynard eilen, doch zwei Soldaten hielten ihn auf.

»Statt diesen braven Mann zu belästigen«, schritt Maynard ein, »kommt lieber her und helft mir.«

Tatsächlich lief eine der beiden Wachen zu ihm, doch statt ihm zu helfen, packte ihn der Mann oben am Gewand. »Wer seid Ihr, dass Ihr hier ein so großes Wort führt?«

Maynard befreite sich mit einer gleichgültigen Handbewegung aus dem Griff. »Das Blut und der Schlamm auf meinen Kleidern sollten für sich sprechen«, erwiderte er und reckte angriffslustig das Kinn. »Ich bin ein Ritter Seiner Majestät und aus dem Geschlecht derer von Rocheblanche, also verlange ich, in diesem Feldlager Aufnahme zu finden, um mich mit den Milites von meinem Stand zu vereinen.«

»Verzeiht unser Zögern«, beharrte die Wache, »aber so wie Ihr ausseht, könnte man Euch für einen Bauern halten.«

»Nicolas!«, brüllte Maynard am Ende seiner Geduld. »Zeig diesem sturen Esel mein Schwert, damit er sich das Wappen meines Hauses auf dem Griff ansehen kann.«

Der Junge gehorchte. Kurz darauf trat der Soldat einen Schritt zurück und verneigte sich tief. »Ich bitte um Entschuldigung, Euer Gnaden«, stammelte er, »ich konnte ja nicht wissen…«

Maynard würdigte ihn keines Blickes, sondern wandte sich an Jérôme, den man endlich losgelassen hatte. »Meister Jérôme, hier trennen sich unsere Wege. Bevor wir uns aber verabschieden, möchte ich Euch um etwas zu schreiben bitten.«

»Ich habe Feder und Tinte«, sagte Jérôme, sichtlich verwirrt über diesen Wunsch, »aber das einzige Pergament in meinem Besitz ist das Leder, das ich für meine Buchführung benutze…«

»Ich brauche nicht viel, ein Stück Stoff tut es auch.«

Immer verblüffter suchte der Teppichweber auf dem Wagen in seiner Habe und kam mit einem Hanftuch zurück, das fest genug war, um darauf zu schreiben. Maynard nahm es, tauchte die Feder in die Tinte, schrieb ein paar Zeilen und setzte seine Unterschrift darunter. »Auf diese Weise bezahle ich meine Schuld.« Er gab Jérôme das Tuch zurück. »Ich hoffe, das wird genügen.«

Der Teppichweber betrachtete das Geschriebene. »Ich verstehe nicht…«

Maynard sah ihn belustigt an. »Habt Ihr nicht gesagt, dass Ihr nach Paris wollt?«

»Ja, das stimmt.«

»Nun, in der Cité eine Unterkunft zu finden wird Euch sehr viel Mühe und Geld kosten. Deshalb habe ich mir erlaubt, meinem verehrten Onkel Antoine Tempier zu schreiben, dem Prior der Kirche Saint-Denis. Sobald Ihr in Paris seid, geht Ihr zu ihm, und er wird ein würdiges Quartier für Euch finden, wo Ihr mit Eurer Familie leben und Euch Eurer Arbeit widmen könnt.«

»Herr, das ist zu viel der Großmut…«, bedankte Jérôme sich bewegt.

»Nichts im Vergleich zu Eurer«, erwiderte Maynard. »Jeder andere hätte mich am Straßenrand im Regen verrecken lassen. Ihr jedoch habt Euch um mich gekümmert und mich vor dem sicheren Tod gerettet. Euch gehören meine Achtung und meine Freundschaft.« Er schlug Jérôme herzlich auf die Schulter. »Solltet Ihr oder Eure Familie irgendwann in eine Notlage geraten, könnt Ihr immer auf mich zählen.«

Nachdem er sich verabschiedet hatte, wandte sich Maynard an den jüngeren der beiden Soldaten. »Reich mir deinen Arm, damit ich aufrecht laufen kann«, befahl er ihm barsch. Dann richtete er den Blick auf den unverschämten Kerl, der ihn am Gewand gepackt hatte. »Und du wirst meine Rüstung von dem Wagen holen und in eine Unterkunft bringen. Sorg dafür, dass sie behaglich ist, sonst werde ich dich auspeitschen lassen!«

Der Karren von Jérôme Bataille war schon weit entfernt, als Maynard sich endlich auf einem Lager ausstrecken konnte. Er hatte Quartier in einem Zelt nahe der Kirche gefunden, seinem Stand angemessen und geschützt vor neugierigen Blicken. Er wies einen Burschen an, ihm einen Kübel Wasser zu bringen, und ließ sich beim Waschen von ihm helfen, dann nahm er ein Geldstück aus der Börse, die immer noch fest an seinem Gürtel hing, und warf es ihm zu. »Beschaff mir Essen und anständige Kleidung.«

Der Junge fing die Münze auf, nickte und verließ das Zelt mit einer tiefen Verbeugung.

Maynard nutzte die Zeit, um seine Wunde zu begutachten, sie zu säubern und anschließend mit einem feuchten Tuch die kauterisierte Stelle zu benetzen, um sich etwas Erleichterung zu verschaffen. Die Schwellung am Bein war zurückgegangen, doch der Schmerz pochte nach wie vor darin. Dennoch klagte er nicht, sondern schätzte sich glücklich, dass er der Hölle von Crécy nur leicht verletzt entronnen war. Angesichts des schrecklichen Todes all der tapferen Männer, dem er beigewohnt hatte, musste er sich jedoch fragen, ob er sein Überleben nur dem Zufall oder einem höheren Sinn und Zweck verdankte. Allein durch ihn war das Geheimnis des Königs von Böhmen nicht verloren gegangen. Doch diese Angelegenheit bereitete ihm große Sorgen. Jang de Blannen hatte ihm nicht nur einen Gegenstand anvertraut, den er bewahren sollte. Er hatte auch von einem Verrat gesprochen, der vielleicht in den höchsten Rängen des königlichen Heeres geplant worden war. Maynard fragte sich, ob er dies König Philipp wirklich verschweigen durfte, obwohl er es geschworen hatte.

In diesem Moment bemerkte er den Burschen, der ihm ein Wams mit weiten Ärmeln und ein vornehmes Paar Beinlinge entgegenhielt. Da Maynard etwas Schlichteres erwartet hatte, sah er ihn fragend an. »Wo hast du das her?«

Der Junge zuckte mit den Schultern. »Gestohlen«, gab er grinsend zu und stellte ihm eine Schüssel randvoll mit trüber Brühe neben sein Lager.

Maynard zog sich wortlos an. Obwohl er sich ausgeruht hatte, fühlte er sich noch schwach. Er glühte vor Fieber und hatte keinen Appetit, dennoch zwang er sich, die Suppe zu essen, in der Hoffnung, dass er so schneller wieder zu Kräften käme. Er nahm eine zweite Münze und zeigte sie dem Jungen. »Wenn du mir auf meine Fragen antworten kannst, bekommst du die hier auch noch«, versprach er, während er sie zwischen seinen Fingern drehte. »Ihre Majestät befindet sich in diesem Lager?«

»Ja, Herr. Und zwar in der baufälligen Kirche.«

»Weißt du, ob er schon einen Kriegsrat einberufen hat?«

»Ich habe keine Ahnung.«

»Dann musst du es herausfinden«, sagte Maynard, »auch, ob Ihre Majestät eine Audienz gewähren kann. Geh schon!«

Nachdem er den Burschen entlassen hatte, wartete er, bis der das Zelt verlassen hatte. Dann zog er das Pergament, das Jang de Blannen ihm anvertraut hatte, aus dem Ring mit dem Kardinalswappen. Zeigt es niemandem… nicht einmal meinem Sohn… Und genau so würde er handeln, dennoch wollte er herausfinden, für welches Geheimnis Johann von Böhmen verraten worden war.

Das Pergament war so klein, dass man es leicht mit einer Hand bedecken konnte. Es enthielt einen kurzen Text in Latein:

Missam ut molam ab angelo in mare

est Lapis exilii in Monte floris

nostra salute clausus in vetusta crypta

sub caelo historiis mire depicto

a meridie Sancti Savini in villa Cerisii.

Maynard runzelte die Stirn, da er nichts begriff. Dabei wusste er wohl, was die einzelnen Worte bedeuteten, nicht aber das große Ganze, worauf sie sich bezogen. Es schien eines dieser Rätsel zu sein, wie sie Mönche bisweilen an den Rand der von ihnen kopierten Texte schrieben. Während er mit leiser Stimme übersetzte, versuchte er, darin einen Sinn zu entdecken.

Wie der Mühlstein, den der Engel ins Meer warf

Befindet sich der Stein der Verbannung auf dem Blumenberg.

Für unser Heil ruht er in einer alten Krypta

Unter einem wunderbar gemalten Himmel voller Geschichten

Südlich von Saint-Savin in Villa Cerisii.

Der einzige klare Hinweis stand in der letzten Zeile, die sich auf die berühmte Kirche Saint-Savin-sur-Gartempe bezog, die unweit von Poitiers an einem Ort erbaut worden war, der aus der Antike als Villa Cerisii bekannt war. Abgesehen davon war in dem Text von einem rätselhaften »Lapis exilii« die Rede, dem »Stein der Verbannung«, der in einer Krypta ruhte, und zwar »für unser Heil«, was auch das der gesamten Menschheit bedeuten konnte.

Ebenso mysteriös waren der Mühlstein, der Engel sowie der gemalte Himmel. Doch das entscheidende Rätsel –und wenn er das lösen könnte, glaubte Maynard, würde er auch den ganzen Text deuten können– lag in den Worten in monte floris. »Auf dem Blumenberg«. Zweifellos handelte es sich hierbei um eine Anhöhe, einen Berg oder einen Hügel. Dort musste sich die »alte Krypta« befinden, in der der Stein der Verbannung verschlossen lag. Maynard konnte sich nicht vorstellen, welcher geheime Schatz sich an einem solchen Ort verbergen mochte. Doch ganz gleich, was es war, Jang de Blannen hatte ihn schwören lassen, das Geheimnis zu bewahren. Also würde er nicht einmal PhilippVI. davon erzählen dürfen.

Als er eine Gestalt vor dem Eingang bemerkte, rollte er das Pergament hastig zusammen und versteckte es mitsamt dem Ring hinter seinem Rücken.

Herein kam der Bursche, der mit einem zufriedenen Lächeln grüßte. »Der König gewährt Audienzen«, sagte er, sobald Maynard ihm das Wort erteilt hatte, »aber er hat keinen Kriegsrat einberufen.«

»Und wann will er das tun?«

»Das weiß man nicht, Herr.«

»Bist du sicher, dass du alles genau verstanden hast?«

Der Junge nickte. »Das hat mir einer der Knappen aus seinem Gefolge gesagt.«

Maynard dachte über das nach, was er gerade erfahren hatte, dann nickte er. »Schnell, hilf mir aufzustehen.« Er streckte die Hand nach dem Jungen aus.

»Herr, wollt Ihr Euch nicht lieber ausruhen. Ihr seht gar nicht wohl aus.«

4

Zwei Männer befanden sich in der Sakristei der menschenleeren Kirche. Ein schmaler Streifen Sonnenlicht, der durch das Zwillingsfenster hereinfiel, beleuchtete sie. König PhilippVI. von Valois war der größere von beiden. Er trug noch seine Rüstung und das blaue Obergewand mit den goldenen Lilien Frankreichs und gestikulierte heftig, als wäre er über etwas erbost. Der Edelmann ihm gegenüber wirkte ruhiger, er war in eine elegante dunkle Garnache gekleidet, die seinen hellen Teint und die roten Haare betonte.

Maynard versuchte sich zu erinnern, wo er ihn schon einmal gesehen hatte, auch wenn er sich in diesem Augenblick vor allem darauf konzentrierte, dem König in würdiger Haltung gegenüberzutreten. Er hatte es abgelehnt, sich von seinem Burschen stützen zu lassen, und sich einen Stock besorgt, damit er aufrecht gehen konnte, ohne das linke Bein übermäßig zu belasten. Dennoch hatte er Schwierigkeiten beim Gehen, vor allem die Stufen in der Kirche waren eine Herausforderung.

Als er sah, dass der Monarch in eine Unterhaltung vertieft war, überlegte er, ob er sich zurückziehen und die Begegnung verschieben sollte. Doch dann erkannte er, dass man ihn bereits bemerkt hatte.

»Euer Majestät«, sagte er und verbeugte sich etwas unbeholfen, »ich bitte um Gehör.«

»Rocheblanche«, Philipp winkte ihm, näher zu treten, »wir dachten, Ihr wärt in der Schlacht gefallen.«

»Ich habe wie durch ein Wunder überlebt, Sire.«

Der König musterte ihn von Kopf bis Fuß. »Was führt Euch zu uns, mit diesem verletzten Bein?«

»Eine traurige Nachricht. Doch ich sehe, dass Ihr beschäftigt seid, ich möchte nicht stören.«

»Sprecht ruhig.« Philipp zeigte auf den Mann in seiner Begleitung. »Dies ist der edle Karel, Graf von Luxemburg. Der Sohn des Königs von Böhmen. Ihr könnt offen vor ihm sprechen.«

Maynard musterte das Gesicht des Mannes mit den fuchsroten Haaren aufmerksam und wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Nicht einmal meinem Sohn, hatte Jang de Blannen ihm eingeschärft. Karel von Luxemburg hatte ähnliche Züge wie sein Vater, doch wirkten sie bei ihm weniger edel und vor allem nicht so harmonisch. Seine Nase war zu groß, die Haare am Stirnansatz lichteten sich bereits, die Wangenknochen traten auffallend hervor. Und diese großen blauen Augen, die fast schon aus den Höhlen zu quellen schienen, veranlassten Maynard, auf der Hut zu sein.

»Nun denn, Rocheblanche?«, forderte ihn der König auf, ungeduldig über sein Zögern. »Welche Nachricht bringt Ihr uns?«

Maynard ließ den Blick weiter auf Karel ruhen, und ein ungutes Gefühl überfiel ihn.

»JohannI. von Böhmen ist tot«, sagte er und senkte zum Zeichen seiner Trauer den Kopf.

Philipp verschränkte die Arme vor der Brust. »Seid Ihr Euch dessen sicher? Wir hatten gehört, er sei in die Hände der Engländer gefallen.«

»Leider mehr als das«, bestätigte Maynard. »Ich stieß auf den schwer verletzten König, als ich mich vom Schlachtfeld schleppte.«

Karel verzog keine Miene, als er fragte: »War er da schon tot?«

Ehe Maynard antwortete, hatte er den Eindruck, dass der Prinz sich langsam aus dem Lichtstreifen zurückzog, beinahe als wolle er sich verbergen. »Noch nicht, Hoheit.«

»Hat er etwas zu Euch gesagt?«

»Nur wenige Worte«, log Maynard, »er konnte seine Seele gerade noch Gott anvertrauen.« Etwas in Karels Frage ließ ihn wachsam sein.

»Ach wirklich?« Das Gesicht des Prinzen versank nun vollkommen im Schatten. »Mein edler Vater war ein Mann voller Geheimnisse, seltsam, dass er Euch so kurz vor dem Tod nichts anvertraut hat.«

Maynard zuckte mit den Achseln. Obwohl er sich wünschte, die Worte Jang de Blannens berichten zu dürfen, ließ ihn eine ungute Ahnung schweigen. Was, wenn er wirklich vor dem Anstifter der Verschwörung stand?

Der Prinz legte nachdenklich die Hand ums Kinn und runzelte die Stirn. »Stattdessen erzählt Ihr nun, dass er betend sein Leben ausgehaucht habe«, fuhr er nachdenklich fort. »Wie ein gewöhnlicher Mann.«

»Wie ein tapferer Krieger«, stellte Maynard richtig und wandte sich an König Philipp, um ein Gespräch abzubrechen, das sich in eine gefährliche Richtung entwickelte. »Ein tapferer Krieger, an dem wir uns alle ein Beispiel nehmen sollten.«

»Soll dies etwa eine Anspielung auf unseren Rückzug sein?«, entgegnete Philipp verärgert.

»Ich bezog mich nur auf seinen vorbildlichen Mut, Majestät.«

»Mut ist nicht gleichbedeutend mit strategischer Klugheit«, erklärte der König. »Und ich glaube, selbst Karel von Luxemburg wird zugeben, dass sein edler Vater sich aus törichtem Heldenmut geopfert hat.«

»Nennt seine Tat nicht töricht«, ereiferte sich Maynard, als er hörte, wie die Werte verunglimpft wurden, die ihn geprägt hatten. »Er tat es, um die Männer zum Angriff zu ermutigen.«

Philipp schüttelte den Kopf. »Er hat sie in ein Blutbad geführt, als die Würfel bereits gefallen waren. Hat die Kavallerie den Bogenschützen von EdwardIII. preisgegeben.«

»Das weiß ich wohl, doch–«

»Und wisst Ihr auch, wie viele gefallen sind, Rocheblanche?«, rief der König nun voller Entrüstung. »Mehr als viertausend! Viertausend Ritter, Euresgleichen! Die Engländer haben unseren halben Adelsstand niedergemacht.«

Maynard senkte den Blick, mehr aus Respekt für seine toten Gefährten denn aus Furcht vor dem König.

»Wir haben die Bogenschützen unterschätzt, da stimme ich Euch zu«, gestand er mit zusammengebissenen Zähnen ein. »Aber beim nächsten Mal–«

»Es wird kein nächstes Mal geben«, unterbrach Philipp ihn, »zumindest nicht in unmittelbarer Zukunft.«

Maynard war vollkommen überrascht. »Ihr wollt doch nicht warten, bis EdwardIII. und der Schwarze Prinz auf Paris marschieren!«

»Paris ist nicht ihr Ziel, sondern Calais.«

»Und Ihr wollt es zulassen, dass sie es einkesseln?«

»Wir haben keine Wahl.«

Maynard seufzte tief enttäuscht. Das war keine Kritik an der Taktik des Königs, sondern galt der Leichtfertigkeit, mit der er ihn abgefertigt hatte. »Wenn es sich so verhält, wie Ihr sagt, Sire, bedeutet das, dass wir in Crécy weit Bedeutenderes verloren haben als eine Schlacht.«

»Rocheblanche!«, maßregelte ihn der König. »Euer Herr Vater hätte es niemals gewagt, so anmaßend mit Uns zu reden.«

Mein Vater war ein Ungeheuer, dachte Maynard. Ehe er etwas entgegnete, bemerkte er, wie Prinz Karel rasch in Richtung eines rostbefleckten Kerzenhalters blickte, in dessen Schatten er eine dunkle Gestalt weghuschen sah. Maynard überlegte, ob er den König darauf aufmerksam machen sollte, doch dann unterließ er es. Er hatte schon genug gesehen und gesagt.

»Ich bitte um Verzeihung«, murmelte er daher und gab sich gekränkt. »Ich wollte nicht respektlos erscheinen, sondern nur meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen.«

»Um die hat Euch niemand gebeten.« Philipp war weit davon entfernt, sich zu beruhigen. »Glaubt nicht, dass Ihr so billig davonkommt.«

»Sire«, mischte sich Prinz Karel beschwichtigend ein, »vielleicht benötigt Euer Ritter nur ein wenig Ruhe.« Er sah erst Maynard, dann wieder den König an und sagte in einschmeichelndem Ton: »Habt Ihr bemerkt, wie bleich er ist? Die Wunde an seinem Bein muss sein Urteilsvermögen über Gebühr beeinträchtigt haben.«

»Seine Impertinenz muss dennoch bestraft werden«, knurrte Philipp.

»Macht mir zuliebe eine Ausnahme«, entgegnete Karel. »Dieser Mann hat Nachrichten von meinem Vater gebracht. Leider schlechte, gewiss, aber ich stehe dennoch in seiner Schuld.«

Der König schwieg kurz, dann nickte er zustimmend. »Rocheblanche, dankt dem edlen Karel für seine Großherzigkeit.« Dann fügte er gereizt hinzu: »Wir entlassen Euch mit dem Befehl, Euch unverzüglich in Eure Heimat zu begeben, sobald Ihr wiederhergestellt seid. Und wagt es nie wieder, es Eurem Herrscher gegenüber an Respekt fehlen zu lassen.«

Maynard stützte sich auf den Stock und verbeugte sich. Als er den Blick hob, sah er, dass Karel von Luxemburg ihn mit dem brennenden Misstrauen eines Inquisitors musterte.

Er begriff, dass es ihm nicht gelungen war, den Prinzen zu täuschen.

5

Der Weg aus der Kirche fiel Maynard nicht leicht. Nicht wegen der Schwierigkeiten, die ihm das Laufen bereitete, sondern wegen des Gewichts, das immer schwerer auf seiner Brust lastete. Er war überzeugt, dass Karel von Luxemburg ihn bloß in Schutz genommen hatte, um zwischen ihnen eine verhängnisvolle Komplizenschaft zu errichten. Eine Verschwörung von Feind zu Feind. Und obwohl er nicht wusste, inwieweit der Prinz in den Tod Jang de Blannens verwickelt war, spürte er, dass er sich vor diesem Mann in Acht nehmen musste. Karel von Luxemburg würde alles daransetzen, um herauszufinden, was er vor ihm verheimlichte.

Maynard hielt in der Mitte des Hauptschiffes inne, als wollte er den Gekreuzigten über dem Altar um Rat fragen. Er betrachtete die aus Holz geschnitzte Skulptur, die im Licht eines glaslosen Fensters aufleuchtete. Der ans Kreuz genagelte Christus war mager, knochig, die großen Augen tropfenförmig geschnitten. Maynard öffnete den Mund, um ein Gebet an ihn zu richten, doch die Figur beeindruckte ihn so, dass er kein Wort herausbrachte. Schmerzen an Leib und Seele. Nichts anderes sprach aus diesen Augen. Es war, als wollten sie ihn beschützen und ihm Frieden geben. Er starrte sie an, doch er ließ nicht zu, dass die Rührung in ihm die Oberhand gewann. Reue überwältigte ihn wegen all der Leben, die er vernichtet hatte. Doch nach einem weiteren Schritt zum Ausgang hin verflog der Zauber. Er war wieder allein, allein mit einem großen Geheimnis.

Er hatte bereits die Hälfte der Außentreppe bewältigt, als ein Ritter auf ihn zukam, um ihm seine Hilfe anzubieten. Maynard wies ihn grob zurück, doch gleich darauf bedauerte er seine rüde Geste und wollte sich entschuldigen. Da erkannte er in dem Mann ein bekanntes Gesicht.

»Robert de Vermandois!«, sagte er. »Ich bin erfreut, Euch am Leben und gesund zu sehen.«

»Die Freude ist ganz meinerseits, Rocheblanche.« Robert de Vermandois, ein groß gewachsener, kräftiger Mann mit braunen Haaren, war ein in Ungnade gefallener Baron aus der Picardie, der grimmig auf die Ehre hielt. »Im Schlachtgetümmel habe ich um Euer Leben gefürchtet.«

»Es war knapp, ich gebe es zu.«

»Wenigstens habt Ihr Euch nicht mit Schande befleckt«, entgegnete Robert mit finsterer Miene. »Ich kämpfte auf der Westflanke zwischen den Fußsoldaten, als ich den Befehl erhielt, unsere eigenen Söldner feige abzuschlachten, um zu verhindern, dass sie den Rückzug antreten.«

»Meint Ihr etwa die Armbrustschützen?«, fragte Maynard, der nun weiter in Richtung seines Zeltes humpelte.

Robert folgte ihm und gestikulierte mit seinen großen Händen. »Ja, die Genueser Einheiten.«

Maynard nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, enthielt sich aber eines Kommentars. PhilippVI. hatte fünfzehntausend Armbrustschützen aus Genua zur Unterstützung der Kavallerie angeworben, aber es war nicht verwunderlich, dass diese armen Teufel sich im Kampf nicht allzu eifrig gezeigt hatten. Sie hatten Crécy nach einem Fußmarsch von über sechs Wegstunden erreicht und waren dann gezwungen worden, sofort anzugreifen, ohne vorher zu Kräften kommen zu können.

Roberts Stimme holte ihn aus seinen Überlegungen zurück in die Gegenwart. »Ihr wirkt so ernst, Rocheblanche. Habt Ihr schlimme Nachrichten erhalten?«

Maynard überging die Frage mit einem Lächeln. »Ich wollte mit Seiner Majestät allein reden«, sagte er bloß, »aber ich bekam keine Gelegenheit dazu.«

Robert zuckte mit den Schultern. »Seit wir besiegt wurden, spricht Philipp nur noch mit diesem Karel von Luxemburg.«

Maynard meinte aus seinen Worten eine gewisse Verachtung herauszuhören. »Kennt Ihr ihn?«

»Nicht so gut wie seinen Vater«, erwiderte Robert. »Karel ist ein undurchsichtiger Mann, immer von Priestern umgeben und so fromm, dass es an Fanatismus grenzt. Mehr weiß ich nicht, außer dass er ein Feigling ist.«

»Wie meint Ihr das?«

»Man weiß, dass er sich gestern vor dem entscheidenden Kampf aus der Schlacht zurückgezogen hat.«

Maynard nickte stumm, diese Neuigkeit bestätigte nur seinen Verdacht. Obwohl sie an sich noch kein Beweis für einen Verrat war, sprach es nicht gerade für den edlen Karel, dass er den Vater auf dem Schlachtfeld allein gelassen hatte. Ein jäher Schmerz schoss plötzlich durch sein Knie und beendete seine Grübelei. Er war gezwungen, stehen zu bleiben, und bemerkte, dass sie an seinem Quartier bereits vorbeigegangen waren. Sie hatten den Rand des Lagers erreicht, wo die Soldaten von niederem Rang und die Pferde untergebracht waren.

»Meinetwegen seid Ihr weiter gelaufen, als Ihr musstet«, entschuldigte sich Robert de Vermandois, während er auf die Stallungen zeigte, »aber ich brauche ein neues Pferd. Und da bei Crécy mehr Rösser als Männer überlebt haben, würde ich gern Euren Rat in Anspruch nehmen.«

»Ihr müsst Euch nicht rechtfertigen, mein Freund.« Maynard verdrängte seinen Schmerz, stützte sich auf den Stock und ging aufrecht weiter. »Mit Freuden nutze ich die Gelegenheit, denn auch ich habe mein Pferd in der Schlacht verloren.« Tatsächlich schwanden seine Kräfte, und er hätte sich lieber ausgeruht, doch er wollte nicht wie ein Kranker behandelt werden.

Sie suchten und fanden den Aufseher der Stallungen, drückten ihm ein paar Münzen in die Hand, um unter den besten der herrenlosen Pferde aussuchen zu können, und begannen mit der Auswahl. Dabei mussten sie nicht nur darauf achten, ob die Tiere kräftig und gesund waren, sondern auch, ob sie über das richtige Temperament verfügten. Im wilden Kampfgetümmel konnte ein Pferd leicht schreckhaft werden und scheuen. Maynard musterte die Tiere aufmerksam, er schaute genau auf die Bewegungen ihrer Augen, des Kopfes und der Beine, bis er einen stolzen Rappen als Reitpferd und eine Stute auswählte, die kräftig genug war, um eine Rüstung tragen zu können. Robert de Vermandois hingegen entschied sich für einen eleganten Schimmel.

Nachdem sie sich auch noch Sättel und das nötige Zaumzeug besorgt hatten, verließen sie, die Tiere an den Zügeln führend, die Stallungen wieder.

»Kommt mit in mein Zelt«, lud Robert Maynard ein. »Mein Bursche, das Schlitzohr, hat ein wenig Gebrannten ergattern können, und Gott im Himmel weiß, wie sehr ich es hasse, allein zu trinken… Rocheblanche, hört Ihr mich?«

Doch Maynard konnte nur noch einen gurgelnden Laut ausstoßen. Seine Sicht trübte sich, sodass er das Gefühl hatte, durch eine blendend weiße Landschaft zu laufen. Plötzlich konnte er den Boden unter seinen Füßen nicht mehr erkennen und geriet ins Schwanken. Voller Panik klammerte er sich an die Zügel seines Rappen, um das Gleichgewicht zu bewahren. Doch der Schwächeanfall zwang ihn zu Boden.

Das feuchte Tuch glitt von seiner Stirn. Eine flinke Hand nahm es auf, um es wieder an Ort und Stelle zu legen.

»Ich habe Euch ja gesagt, dass Ihr nicht gut ausseht.«

Mit einem Seufzer kam Maynard endgültig zu sich und erkannte, dass er sich in seinem eigenen Zelt befand. Sein Kopf fühlte sich glühend heiß an, das Bein war stark angeschwollen.

Maynard wollte aufstehen, doch sein Bursche nötigte ihn, liegen zu bleiben, indem er ihn mit der Hand wieder aufs Lager drückte. Selbst gegen diese leichte Berührung konnte Maynard sich nicht wehren, was ihm eindrücklich bewusst machte, wie geschwächt er noch war. Außerdem empfand er eine heftige Angst, die er zunächst nicht einordnen konnte. Doch dann erinnerte er sich, dass er von der Jesusfigur in der alten Kirche geträumt hatte, aus deren weit aufgerissenen Augen dicke Würmer gekrochen waren.

Bei der Erinnerung überkam ihn ein solcher Ekel, dass er am liebsten davongelaufen wäre, doch wieder hinderte ihn die Hand daran.

»Robert de Vermandois hat Euch hierhergebracht, da wart Ihr bewusstlos«, erklärte der Junge. »Er trug Euch auf den Armen wie ein Weib.«

Maynard versuchte zu sprechen, doch seine Kehle war wie ausgedörrt. Er bemühte sich zu lächeln. »Ich kann mir gut denken…«, flüsterte er heiser, »welchen Spaß dir das bereitet hat…«

Das ausgelassene Gelächter des Burschen vertrieb sein Entsetzen, sodass er friedlich wieder in den Schlaf gleiten konnte.

Es dauerte eine Woche, bis Maynard sich erholt hatte. Während er ungeduldig darauf gewartet hatte, wieder zu Kräften zu kommen, hatte er davon gehört, dass immer mehr Soldaten aufbrachen. König Philipps Pläne, die Kriegshandlungen vorerst einzustellen, hatten im Lager die Runde gemacht, was die Kämpfer von hohem Rang dazu bewog, in die eigenen Lehen zurückzukehren. Der König dagegen harrte mit einem kleinen Kreis von Getreuen in der baufälligen Kirche aus. Maynard hatte seinen Burschen gebeten, sich nach deren Namen zu erkundigen, und so hatte er erfahren, dass auch Karel von Luxemburg zu ihnen gehörte. Über ihn hatte er nicht mehr herausfinden können als das Gerücht, dass er dringend in Köln erwartet wurde. Und dennoch zögerte der Prinz den Aufbruch hinaus.

Währenddessen hatte Robert de Vermandois Maynard häufig besucht. Der Ritter wollte erst abreisen, wenn Maynard vollkommen wiederhergestellt war. Er ließ ihn deshalb von einem Feldscher untersuchen, besorgte ihm Wundsalben und sogar eine kleine Menge Opium, um den Schmerz im Bein zu lindern. Darüber hinaus suchte er seine Gesellschaft vor allem, um lange Schachpartien mit ihm zu bestreiten, während derer sie Branntwein tranken und über Gott und die Welt redeten. Recht bald war Maynard überzeugt, dass er seine Fortschritte nicht allein den Medikamenten verdankte, sondern auch der Gesellschaft dieses rauen, stolzen Mannes, der ihm vor allem half, seine seelischen Verletzungen verheilen zu lassen.

Seit er die Sakristei verlassen hatte, war er von Bitterkeit erfüllt gewesen. In der Gleichgültigkeit des Königs gegenüber dem Schicksal von Calais hatte er etwas weitaus Unangenehmeres erkannt als nur einen menschlichen Charakterzug. Hinter den Worten von PhilippVI. stand eine traurige Wahrheit, die kaum jemand auszusprechen wagte. Die Zeit der ritterlichen Kämpfe war vorbei. Sie war durch eine neue, weiterentwickelte Form von Krieg ersetzt worden, in der die Tapferkeit eines Einzelnen nicht mehr zählte, sondern nur noch die Vernichtung der Feinde.

Zwischen zwei Schachzügen sprach Maynard mit Robert darüber und klagte, in einer Zeit ohne Mut und Würde zu leben. Andererseits war er nicht naiv. Er wusste genau, dass edle Heldentaten nur in den Liedern fortlebten, die bei Turnieren von Troubadouren gesungen wurden, oder in Erzählungen über die Kreuzritter. Und er war gewiss kein Heuchler. Seiner Meinung nach waren die Strategien von EdwardIII. ebenso schändlich wie die von vielen französischen Kriegern verübten Gräueltaten. In seinem Herzen jedoch brannte noch immer der Glaube. Der Glaube an jene Ideale, für die er von Kindesbeinen an gelebt hatte. Der Glaube, den schon sein Vater mit Füßen getreten hatte und nun auch sein Souverän.

Noch etwas ließ ihm keine Ruhe: der Text der kleinen Pergamentrolle. Er nutzte jeden Moment des Alleinseins, um ihn zu ergründen, vor allem nach Sonnenuntergang im Schein einer Kerze, wenn schlimme Vorahnungen ihm den Schlaf raubten.

Unterdessen war ihm bewusst geworden, dass ihm der erste Vers des Rätsels entfernt bekannt vorkam. Der Engel, der Mühlstein, das Meer… Er war ganz sicher, dass er diese Worte schon einmal gehört hatte, obwohl er sich nicht mehr erinnern konnte, wo und wann. Als er sich in dieser Nacht erneut vergeblich das Hirn darüber zermarterte, fiel sein Blick auf das Wappen des Siegelrings. Konnte es wirklich sein, dass Karel von Luxemburg in diese dunkle Angelegenheit verwickelt war? Er ist immer von Priestern umgeben, hatte Robert de Vermandois gesagt.

Priestern… und Kardinälen.

»Was macht Ihr da, Herr?«

Maynard hob die Kerze und sah seinen Burschen aus dem Schatten auftauchen.

»Das geht dich nichts an«, erwiderte er barsch, zornig auf sich selbst, dass er sich hatte überraschen lassen.

»Und dieser wunderschöne Ring?« Der Junge zeigte auf das Schmuckstück, das im Dunkeln funkelte. »Gehört der Euch? So einen habe ich noch nie gesehen.«

»Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!«, wies Maynard ihn mit wachsender Wut zurecht.

Mit gespielter Empörung wandte sich der Bursche dem Ausgang zu. »Dann erzähle ich Euch eben nichts über den schwarzen Mann.«

»Was für ein Mann?«, fragte Maynard.

»Der, der vor Kurzem um Euer Zelt herumgeschlichen ist. Als er mich gesehen hat, ist er verschwunden.«

Maynard runzelte die Stirn. »Könntest du ihn beschreiben?«

6

»Wir müssen aufbrechen«, sagte Robert de Vermandois und trat nach einer räudigen Katze, die seine Beine umstreichen wollte.