Der Kopfgeldjäger Folge 7/8  (Zwei McQuade Western) - Pete Hackett - ebook

Der Kopfgeldjäger Folge 7/8 (Zwei McQuade Western) ebook

Pete Hackett

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Opis

Zwei Western Abenteuer mit McQuade, dem Kopfgeldjäger. Niemand ist härter als McQuade, der einsame Streiter für das Recht.

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Der Kopfgeldjäger

Folge 7/8

(Zwei McQuade Western)

Die Blutnacht von Indian Wells/ Er spuckte dem Teufel ins Maul

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

[email protected]

1. digitale Auflage 2014 Zeilenwert GmbH

ISBN 9783956172236

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Die Blutnacht von Indian Wells

Er spuckte dem Teufel ins Maul

Über den Autor

Die Blutnacht von Indian Wells

McQuade hatte das Pferd angehalten. Sein forschender, hellwacher Blick glitt über den Fluss und die Hügelrücken jenseits der Flusses hinweg, bohrte sich in die Einschnitte zwischen den Anhöhen und tastete das Strauchwerk ab, das hier überall wuchs. Jeder Sinn des Kopfgeldjägers war zum Zerreißen gespannt. Er hielt das Gewehr in der rechten Hand, es stand mit der Kolbenplatte auf seinem Oberschenkel.

Die Detonation war verklungen. Dem Klang des Schusses war McQuade gefolgt. Die Stille, die ihn jetzt umgab, war fast erdrückend. Sogar die Vögel im Ufergebüsch schwiegen. Totenstille…

Fast eine Minute lang lauschte McQuade. Er fühlte Unbehagen, denn er hatte das Gefühl, sich wie auf einem Präsentierteller anzubieten. In diesem Land war der Tod allgegenwärtig. Schließlich trieb er sein Pferd die Uferböschung hinunter und lenkte es in den Fluss. Das Tier schnaubte unwillig. In der Flussmitte reichte ihm das Wasser nicht einmal bis zum Bauch. Schließlich stampfte der Vierbeiner wieder aufs Trockene. McQuade hielt auf eine Hügellücke zu. Wenige Minuten später befand er sich zwischen den Hügelflanken, die sich steil nach oben schwangen. Felsen erhoben sich sporadisch aus dem Boden, an ihrer Basis wuchsen dornige Comas. Geröll lag auf den Abhängen, es gab aber auch Inseln gleißendes Sandes und Flächen mit verdorrtem Gras.

Die Kerbe endete, vor dem Blick des Kopfgeldjägers dehnte sich eine Ebene, auf der eine Herde Longhorns weidete. Ein Bach, der nahezu ausgetrocknet war, teilte die Weide. Und am Rande dieses Rinnsales lag ein Mann. Sein Pferd stand neben ihm und witterte in McQuades Richtung. Der Texaner hatte angehalten. Noch einmal schweifte sein sichernder Blick in die Umgebung, dann ruckte er im Sattel. »Hüh!« Das Pferd stampfte in die Ebene. Einige der Rinder hoben die Köpfe mit den ausladenden Hörnern und beobachteten neugierig den Reiter. Ein Stier brüllte, eine Kuh muhte.

Der Mann neben dem Bach lag auf dem Bauch und rührte sich nicht. Sein brauner Hut lag einen Schritt neben ihm. Er hatte einen Revolvergurt umgeschnallt, der Sechsschüsser steckte im Holster. Ein Blick zum Pferd zeigte dem Kopfgeldjäger, dass das Gewehr des Mannes im Scabbard steckte.

McQuade stieß die Henry Rifle in den Scabbard und saß ab, beugte sich über den Reglosen und drehte ihn auf den Rücken. Er hatte eine Kugel in die Brust bekommen. Dort, wo er gelegen hatte, war das Gras rot von seinem Blut. Seine Augen waren halb geschlossen. Der Kopfgeldjäger fühlte den Puls des Mannes. »Tot«, murmelte er und musterte das Gesicht des Leichnams. Er schätzte den Toten auf Mitte dreißig.

McQuade eiste seinen Blick von den erstarrten Zügen los und ging zu dem Pferd hin, das den Kopf in den Nacken warf und wieherte und dann vor dem Mann zurückwich. »Nur ruhig, mein Freund«, murmelte der Texaner, seine Hand schoss nach vorn, er erwischte das Kopfgeschirr und das Tier blieb prustend stehen. McQuade schaute sich das Brandzeichen an. Ein Querbalken, auf dem ein S saß. »Bar-S«, murmelte der Texaner. Er stapfte zu einem der Longhorns in der Nähe hin. Das Rind trug ebenfalls den Bar-S-Brand. Der Tote schien zu der Ranch zu gehören.

McQuade kehrte zu dem Pferd des Getöteten zurück, führte es zu der reglosen Gestalt hin und wuchtete diese quer über den Rücken des Tieres. Damit der Leichnam nicht herunterrutschen konnte, band er ihn am Sattel fest, dann stieg McQuade auf sein Pferd, schnappte sich den langen Zügel des anderen Tieres und ritt an.

Nach etwa einer halben Stunde stieß der Kopfgeldjäger auf einen steinigen Weg, der von Norden nach Südosten führte. Kurze Zeit war er unschlüssig, in welche Richtung er dem Weg folgen sollte, dann wandte er sich nach Südosten. Der Weg schlängelte sich zwischen den Hügeln hindurch, führte über Bodenwellen und durch Senken und als McQuade wieder einmal auf den Kamm einer Bodenerhebung ritt, sah er vor sich, am Ende einer weitläufigen Ebene, die Gebäude einer Ranch. Dahinter war ein lang gezogener Buschgürtel zu sehen. Der Kopfgeldjäger vermutete, dass er einen Creek säumte.

Das Pferd trug den Texaner über die grasige Ebene, und auch hier standen Longhorns mit dem Bar-S-Brand. Das Tier mit dem Toten trottete daneben her. Langsam rückten die Gebäude näher. Schließlich ritt McQuade zwischen zwei Schuppen hindurch auf den Ranchhof. Einige Hühner pickten auf der Suche nach Fressbarem in den Staub. In einem Stangencorral standen ein Dutzend Pferde. Gerade kam ein Mann aus einer Scheune. Er trug einen Ballen Heu. Jetzt hielt er ruckartig an, starrte dem Reiter entgegen, ließ das Heu fallen und setzte sich in Bewegung.

McQuade parierte das Pferd. Das Tier mit dem Toten hielt von selbst an. Der Kopfgeldjäger legte die Hände übereinander auf das Sattelhorn.

Der Mann, der näher kam, hatte nur Augen für die schlaffe Gestalt quer über dem Pferderücken. Er trat an sie heran, in seinen Augen wob das Entsetzen. Seine Mundwinkel zuckten. Fahrig strich er sich mit der rechten Hand über die Augen, als wollte er das Bild, das sich ihm bot, wegwischen. Dann entrang es sich ihm abgehackt und mit brüchiger Stimme: »Gütiger Gott, das ist Adam– Adam Seymour, mein Boss. Ist er… Ist er tot?«

Jetzt hatte sich der Blick des Mannes an McQuades Gesicht verkrallt. Zum Entsetzen hatte sich Fassungslosigkeit gesellt.

»So tot, wie ein Mann nur sein kann, der eine Kugel mitten ins Herz bekommen hat«, knurrte McQuade. »Er lag neben einem Bach, eine Reitstunde von hier. Ich hörte einen Schuss und bin dem Klang gefolgt.«

»Heiliger Rauch«, flüsterte der Cowboy ergriffen. »Daran wird June ganz sicher zerbrechen. Sie…«

Ein gellender Aufschrei voll innerer Not ließ den Mann abbrechen. McQuades Kopf zuckte herum. Unter der Tür des Ranchhauses stand eine Frau, die rechte Hand auf die Brust gepresst, mit der Linken sich an den Türstock stützend. Sie wankte…

*

June Seymours Tränen waren versiegt. Ihre Augen waren gerötet. Blicklos starrte sie vor sich hin. Für sie war eine Welt zusammengebrochen. Alles in ihr schien abgestorben zu sein. Auf ihrem Schoß saß der achtjährige Toby. Sein Vater war tot– ein niederträchtiger Meuchelmörder hatte seinem Leben ein jähes und brutales Ende bereitet.

McQuade verspürte Mitleid. Aber er konnte nichts tun, um den seelischen Schmerz, Trauer und Verzweiflung und die Schwermut der Frau und des Jungen zu lindern. Irgendwelche Bekenntnisse der Anteilnahme hätten nichts sagend und banal geklungen.

Der Cowboy stand an der Wand neben dem kleinen, unverglasten Fenster, durch das in schräger Bahn das Sonnenlicht fiel und ein gelbes Viereck auf den Fußboden zeichnete. In seinem Gesicht arbeitete es, sein ständiges Zwinkern war Zeichen seiner Nervosität. Ununterbrochen strich er sich mit Daumen und Zeigefinger über das Kinn.

Nur das leise, monotone Ticken des Regulators an der Wand war zu vernehmen. Ohne die Uhr wäre bei McQuade der Eindruck entstanden, dass die Zeit still stand. Er räusperte sich und sagte dumpf: »Sie müssen Anzeige erstatten, Ma'am. Sicher gibt es in der Nähe eine Stadt, in der ein Sheriff seinen Sitz hat.«

Die Frau schaute den Kopfgeldjäger an wie eine Erwachende. Es war, als lauschte sie seinen Worten hinterher. Ihre Haare waren blond, sie hatte sie hochgesteckt. Ihr Gesicht bestach nicht so sehr durch seine Ebenmäßigkeit, sondern mehr durch seine Fraulichkeit. In ihren blauen Augen schien jedwedes Leben erloschen zu sein.

Der Cowboy enthob June Seymour einer Antwort, indem er sagte: »In Indian Wells gibt es einen Sheriff. Aber ich glaube nicht, dass June in der Lage ist, in den Ort zu fahren, um Anzeige zu erstatten.«

»Dann musst du in die Stadt reiten«, versetzte McQuade. »Bring den Sheriff her, ich werde ihn zu dem Platz führen, an dem ich deinen Boss fand.«

Der Cowboy spitzte die Lippen, dachte kurz nach, und erwiderte: »Ich lasse June nicht gern allein hier auf der Ranch. Derjenige, der Adam aus dem Hinterhalt erschoss, hatte sicher einen Grund. Und ich schließe nicht aus, dass er auch auf die Ranch kommt, um…«

Er brach ab.

McQuade presste sekundenlang die Lippen zusammen, dann nickte er und sagte: »In Ordnung, ich reite nach Indian Wells. Wie heißt der Sheriff?«

»Jesse Ballard.«

McQuade stemmte sich am Tisch in die Höhe. »Arbeiten außer dir noch weitere Männer für die Bar-S?«

»Ja, zwei. Sie sind draußen auf der Westweide.«

»Wie komme ich nach Indian Wells?«

Der Cowboy beschrieb McQuade den Weg. Der Kopfgeldjäger nahm sein Gewehr, das er an den Tisch gelehnt hatte, legte es sich auf die Schulter und verließ das Haus. Er hatte sein Pferd beim Tränketrog angebunden. Mit ein paar Handgriffen leinte er es los. Geschmeidig saß er auf, versenkte die Henrygun im Sattelschuh und zerrte das Tier um die linke Hand, um ihm sogleich den Kopf freizugeben. »Lauf!« McQuade ruckte im Sattel.

Eine Stunde später, es war um die Mitte des Nachmittags, erreichte er den Ort. Die breite, staubige Main Street lag im Sonnenglast. Zwischen den Häusern ballte sich die Hitze. Vier Kinder spielten in einer Gassenmündung. Ein Mann schritt am Fahrbahnrand entlang. Auf dem Vorbau des Store stand ein glatzköpfiger Mann und rauchte. Am Holm vor dem Saloon war ein Rotfuchs angebunden. Das Tier ließ den Kopf hängen und peitschte mit dem Schweif nach den blutsaugenden Bremsen an seinen Flanken.

Der Ort vermittelte Ruhe, Frieden und Beschaulichkeit.

McQuade parierte das Pferd und schaute sich um. Als er das Sheriff's Office erspähte, trieb er das Tier wieder an und lenkte es zum Hitchrack vor dem flachen Gebäude, in dem auch das Jail untergebracht war. Er ließ sich aus dem Sattel gleiten, schlang den langen Zügel um den Querbalken, dann stieg er die vier Stufen zum Vorbau hinauf und betrat gleich darauf das Büro.

Ein hochgewachsener, hagerer Mann mit einem grauen Schnurrbart und dünnen, grauen Haaren, an dessen linker Brustseite ein Stern befestigt war, stand mit verschränkten Armen am Fenster, hatte sich aber der Tür zugewandt und sagte: »Ich habe Sie kommen sehen, Fremder. Sie und Ihr Gaul sind verstaubt und verschwitzt und Sie scheinen nicht gerade einen Spazierritt hinter sich zu haben. Was führt sie zu mir?«

»Ein Mord, Sheriff, ein feiger, hinterhältiger Mord an einem Mann namens Adam Seymour, dem Besitzer der Bar-S-Ranch.«

Der Gesetzeshüter starrte McQuade an, als hätte dieser etwas vollkommen Unsinniges von sich gegeben. Dann aber schlichen sich Bestürzung und Fassungslosigkeit in seinen Blick, scharf stieß er die Luft durch die Nase aus, und er sagte grollend: »Sagen Sie das noch einmal, Mister. Seymour ist tot– er wurde ermordet?«

McQuade nickte. »Ich fand ihn, nachdem ich dem Klang eines Schusses gefolgt bin. Ich habe ihn auf die Ranch gebracht. Hatte Seymour einen Feind?«

Ohne auf die Frage des Kopfgeldjägers einzugehen knurrte der Sheriff: »Wie hat es June aufgenommen?«

»Sie wird möglicherweise daran zerbrechen. Und auch der Junge wird viele, viele Jahre benötigen, um darüber hinwegzukommen. Aber das kann ich nur vermuten.– Ich bringe Sie zu der Stelle, an der ich Seymour fand, Sheriff. Vielleicht stoßen Sie auf eine Spur, die zum Mörder führt.«

Jesse Ballard ging hinter den Schreibtisch und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Mit den Augen eines Bussards fixierte er McQuade. Er versuchte ihn einzuschätzen, ihn zu erforschen, sich ein Bild von ihm zu machen. Plötzlich sprangen seine Lippen auseinander: »Seit etwa zwei Wochen weilt in dieser Stadt ein Mann Namens Shannon. Er ist mit einer Wanderherde in diesen Landstrich gekommen. Es handelt sich um etwa zweitausend Rinder. Sie stehen zwei Meilen westlich von Indian Wells. Gehören Sie zu Shannon?«

McQuade schüttelte den Kopf. »Nein. Ich komme von Safford herauf und reite auf der Spur eines Mannes namens Cole Perrigo. Er hat bei einem Pferdediebstahl zwei Männer erschossen, sein Kopf ist fünfhundert Dollar wert.«

Der Raubvogelblick des Sheriffs wurde stechend, er starrte McQuade an, als wollte er dessen geheimste Gedanken ergründen, nagte sekundenlang an seiner Unterlippe und knurrte: »Ich sehe keinen Stern an Ihnen.«

»Ich trage auch keinen«, versetzte McQuade.

»Dann jagen Sie Perrigo der Prämie wegen.«

»Er ist ein Mörder, Sheriff. Und das Gesetz ist scheinbar nicht in der Lage, ihn zu stellen und zur Verantwortung zu ziehen.«

»Das Gesetz steht im Territorium auf verdammt schwachen Beinen, Mister… Haben Sie auch einen Namen?«

»McQuade.«

»Sie sind Texaner.«

»Ja, aus der Gegend von San Antonio.«