Der geheime Tunnel - James Lear - ebook

Der geheime Tunnel ebook

James Lear

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Opis

Die lange Zugfahrt von Edinburgh nach London gestaltet sich für Mitch Mitchell erfreulich kurzweilig. Muskulöse Gepäckträger, stramme Wachmänner und blutjunge Soldaten in Kilts machen dem Detektiv die Entscheidung schwer: Wem soll er sich zuerst zuwenden? Während er noch zögert, bleibt der Zug in einem Tunnel stecken, und in der Toilette wird eine Leiche gefunden. Mitch, wie immer zu allem bereit, beschließt, den Fall auf eigene Faust zu lösen. Als echter Gentleman weiß er natürlich, dass er dem Mörder nur mit viel Körpereinsatz auf die Spur kommen kann ... Wie schon in "Durch die Hintertür" geben der Detektiv und sein bestes Stück alles, um den Täter dingfest zu machen.

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Der Flying Scotsman fährt an der englischen Ostküste entlang und schafft die 630 Kilometer zwischen Edinburgh und London ohne Zwischenhalt in achteinviertel Stunden. Es handelt sich um einen der bekanntesten Züge der Welt, ebenso berühmt wie der Twentieth Century Limited, der Orientexpress und der Train bleu – ein Zug voller Tradition, Geschichte und Romantik. Für viele Fahrgäste ist die Fahrt im Flying Scotsman mindestens ebenso aufregend wie das Ziel ihrer Reise. Es soll sogar solche geben, die sich extra einen Vorwand für einen Aufenthalt in London oder Edinburgh einfallen lassen, nur weil sie die Fahrt in diesem Zug so genießen.

Für mich bietet der Flying Scotsman noch zusätzliche Reize. Als Amateur-Detektiv und eifriger Leser von Kriminalromanen finde ich Zugreisen aufregend und vielversprechend. Hat nicht Agatha Christie, die derzeit führende britische Krimiautorin, ihrem jüngsten Werk den Titel Der blaue Express gegeben? Und für den Liebhaber von Männern wären da noch die anderen Passagiere – die gesamte Bandbreite von Soldaten bis Aristokraten – und die Belegschaft – die ölverschmierten Lokführer, die makellosen Kellner, die kessen jungen Schaffner – alle in einem Zug vereint und für ein paar Stunden weitab von der Heimat, ohne einander je wiederzusehen. Nie bestieg ich ohne Aufregung, einen Kitzel in meinem Kopf, meinem Herzen und meiner Hose einen Zug. Schon der bloße Gedanke an eine Zugreise – der Dampf, die pumpenden Kolben, der brennende Ofen, die Tunnel – löst bei mir eine Erektion aus.

Ich fuhr von Edinburgh nach London, um meinen alten Freund aus Cambridge, Harry Morgan, zu besuchen, den ich seit seiner Vermählung vor etwas mehr als zwei Jahren, im Herbst 1925, nicht mehr gesehen hatte. Harry – oder ›Boy‹, wie wir ihn in Cambridge wegen seiner jugendlichen Erscheinung und seiner großen Begeisterungsfähigkeit genannt hatten – war mittlerweile ein ehrbarer Familienvater mit einer vielversprechenden Zukunft im Bankenwesen. Es stimmte, ich hatte ihn am Vorabend seiner Hochzeit flachgelegt, und als er in seinem prächtig geschnittenen Cutaway zum Altar schritt, musste ich daran denken, wie nur Stunden zuvor seine Beine über meinen Schultern und mein Schwanz in seinem Arsch gewesen waren. War es die richtige Entscheidung für ihn gewesen, Belinda Eagle zu heiraten? Konnte er in einer Ehe je glücklich werden? Ich wusste, dass die Antwort Ja lautete. Das bedrückte mich damals, und es bedrückte mich nach wie vor, auch wenn ich mein eigenes Glück mit einem anderen Mann, Vincent West, gefunden hatte. Doch die Freundschaft zu Boy Morgan, die in der hoffnungslos romantischen Atmosphäre von Cambridge entstand und während der beinahe tödlichen Abenteuer an jenem lange vergangenen Wochenende auf Drekeham Hall gefestigt wurde, war nur schwer zu vergessen. Vielleicht lag es ja an der Einsicht, dass er niemals gänzlich mir gehören, dass er Dinge wie Liebe und Beständigkeit immer bei Frauen suchen würde, egal wie sehr es ihm auch gefiel, mich zu vögeln oder von mir gevögelt zu werden. Vielleicht lag es an der nach wie vor jungenhaften Art, die mich aus seinen Briefen förmlich ansprang. Ich fragte mich, ob sein Äußeres noch seinem Charakter entsprach, oder ob das Eheleben ihn dick und alt gemacht hatte. Halb hoffte ich Letzteres.

An einem düsteren Wintermorgen des Jahres 1928 reiste ich also mit durchaus gemischten Gefühlen nach London zur Taufe von Boys erstem Kind, einer Tochter, deren Taufpate ich sein sollte. Vince hätte mich eigentlich begleiten sollen; Belinda hatte die Einladung an uns beide gerichtet. Morgan hatte noch ein kurzes persönliches Schreiben an mich beigefügt, in dem er mich quasi anflehte, zu kommen; er deutete an – oder bildete ich mir das nur ein? –, dass es ihm dabei um mehr als nur die Tauffeier ging. Vince allerdings hatte in letzter Minute abgesagt; seine Arbeit erlaubte ihm nicht, Edinburgh zu verlassen, und ich musste alleine fahren. Ich war halb verärgert und halb begeistert (nun, vielleicht mehr als nur halb).

Ich verließ das Haus um neun Uhr morgens, hatte also genügend Zeit bis zur Abfahrt um zehn. Es war einer dieser Wintertage, an denen es nie so recht hell wird – die Farbe des Himmels wandelt sich von einem dumpfen Dunkelgrau zu einem dumpfen Hellgrau, ehe sie es ganz aufgibt und zu Schwarz wird. Solche Tage sind zweifellos überall auf der Welt ziemlich trist, aber die schottischen Winter haben etwas besonders Trostloses. Vielleicht saugt das Gestein in Edinburgh alles Licht in sich auf; diese Mischung aus Basalt und Sandstein sieht selbst im strahlenden Sonnenschein trüb aus. Vielleicht liegt es an dem feinen, nieseligen Nebel, der sich wie ein Tuch über die Stadt legt und selbst das wenige Licht abwehrt, das die hohen Wolken zu durchdringen vermag. Wie dem auch sei, ich kam am Waverley-Bahnhof in einer Stimmung an, die ganz zum Wetter passte. Ich war ziemlich schlechter Laune; wehe dem unverschämten Schaffner oder ungeschickten Fahrgast, der mir in die Quere kam.

Ich gab Vince die Schuld daran, unseren Urlaub verdorben zu haben, und spielte den Beleidigten – dabei wusste ich sehr wohl, dass es nicht seine Schuld war, wenn er an unserem verlängerten Wochenende nun doch arbeiten musste. Ich hatte weiß Gott genügend gemeinsame Abendessen, Theaterbesuche und Partys abgesagt, weil ich länger in dem Krankenhaus bleiben musste, wo ich mittlerweile als aufstrebender Assistenzarzt beschäftigt war – Vince hatte sich kaum einmal darüber beschwert. Doch nun musste er einen prominenten Schriftsteller auf einer Blitztournee durch Schottland begleiten – ein prestigeträchtiger Auftrag, um den ihn seine Kollegen heftig beneideten und der ihn der erhofften Vollanstellung als Lektor ein gutes Stück näher brachte –, und ich konnte nichts als schimpfen. Er hatte es mir beim Abendessen gesagt, worauf ich den Rest des Abends geschmollt hatte, und als er im Bett mit mir darüber reden wollte, drehte ich ihm nur den Rücken zu und machte das Licht aus.

Am Morgen hatte es eine launige Wiederannäherung gegeben. Wir waren beide bereits gegen fünf wach, obwohl es noch Nacht war. Das gemächliche Klipp-Klapp des Pferdes des Milchmanns näherte sich unserem Fenster, passierte es und entfernte sich wieder; das Klappern der Flaschen in den Metallkisten war in der Dachkammer, wo wir schliefen, kaum zu vernehmen. Ich zählte die Schritte, die kamen und gingen, und fühlte mich zutiefst einsam. Vince erging es offenbar kaum anders, denn er seufzte, wälzte sich im Bett, zog sich die Decke über die Schulter. Ich hatte keine Lust zu reden, da mir klar war, dass dabei nur dieselben Vorwürfe und Erklärungen herauskämen, die uns den Abend ruiniert hatten, aber ich hatte Lust auf Sex. In den frühen Morgenstunden habe ich fast immer einen manchmal schmerzhaft harten Ständer, ob nun wegen erotischer Träume oder wegen Harndrang. Bei dieser Gelegenheit jedoch war ich mir auch der Tatsache bewusst, dass ich drei Nächte lang von meinem Liebsten getrennt sein würde. Ich wollte ihm als Andenken wenigstens eine Ladung im Arsch hinterlassen.

Ich rückte über die quietschende Matratze – wir hatten uns längst an diese nächtliche Begleitmusik gewöhnt – und legte den Arm um ihn. Er wandte mir den Rücken zu, es war mir also ein Leichtes, meinen Schwanz gegen seine Pobacken zu pressen. Nicht Fleisch an Fleisch – es mag unromantisch klingen, aber aufgrund der kühlen Nächte in Edinburgh und der Notwendigkeit, wenigstens eine Spur von Anstand zu wahren, trugen wir Schlafanzüge. Auch wenn wir unsere eigene, abgeschlossene Wohnung in den beiden oberen Etagen des Hauses hatten, gab es immer die Möglichkeit, dass unsere Vermieterin unter irgendeinem Vorwand hereinkam und beim Anblick zweier nackter Männer im Bett zur Polizei rannte und dort hysterische Tiraden über Sodomiten in der Dachkammer abließ. Sie war eine fromme Kirchgängerin, unsere Mrs. McPhee, und duldete unser Zusammenleben nur, weil ich Arzt und darüber hinaus Amerikaner war, was meine exzentrische Ader erklärte. Vince hingegen war als Engländer in ihren Augen fast ein Abgesandter der Hölle, aber die stets pünktlich gezahlte Miete zäumte ihre Zunge.

Mein Schwanz berührte Vince’ Arsch durch zwei Flanellschichten hindurch, doch auch so spürte ich die prallen Backen, die ich in den letzten beiden Jahren so oft geteilt hatte. Er seufzte wieder bei der Berührung und erwiderte den Druck, dann drehte er den Hals, damit unsere Zungen sich begegnen konnten. Wir küssten uns heftig, kratzten uns mit unseren Bartstoppeln, und unser Atem roch säuerlich. Ich griff nach unten und fummelte am Zug seiner Schlafanzughose herum; Vince hatte die schlechte Angewohnheit, diesen in einer doppelten Schleife zuzubinden. Das hatte er im Internat so gelernt und konnte es sich seither nicht mehr abgewöhnen. Wenn ich es eilig hatte – so wie in diesem Moment –, verknotete sich die Schleife unter Garantie. Zum Glück gab es noch einen Schlitz, durch den ich seinen Schwanz herausziehen konnte, und jetzt liebkoste ich ihn so lange, bis er ebenso hart war wie meiner. Ich zerrte am Stoff des Hosenbodens und hätte ihn beinahe zerrissen, doch Vince hatte etwas anderes vor.

Er warf die Decken zu Boden, drehte mich auf den Rücken, zog mir die Hose runter (ich pflegte sie nicht zuzubinden) und lutschte mir den Schwanz, als würde er verhungern. In den letzten beiden Jahren war Vince (auch dank meiner Unterweisung) zu einem äußerst versierten Liebhaber geworden, und er konnte ficken wie ein junger Gott – doch wenn es eine Kunst gab, in der er zum Meister geworden war, dann war es das Schwanzlutschen. Machte er so weiter, würde ich in seinem Mund kommen, was er liebte – aber zuerst wollte ich seinen Arsch bestrafen, aus zwei Gründen: Ich wollte meinen Unmut über seine ›Abwendung‹ (wie ich es für mich deutete) an ihm abreagieren, und ich wollte ihm zeigen, dass ich ihn mehr liebte als je zuvor. Meiner Ansicht nach kann man mit Sex sowohl positive wie auch negative Gefühle zum Ausdruck bringen, und das oft sogar im selben Augenblick.

Vince ahnte, was ich vorhatte, und ließ ab, als er merkte, dass mein Schwanz in seinem Mund immer härter wurde. Er zog sich die Pyjamajacke über den Kopf; im schwachen Schein der Straßenlaternen, der durch die Vorhänge drang, konnte ich die Umrisse seines weißen, athletischen Körpers ausmachen. Er setzte sich rittlings auf mich, rückte meine Beine zurecht, griff nach meinem Schwanz und schälte sich aus seiner Hose. Ich war noch nass von seinem Mund, und mehr Gleitmittel sollte er auch nicht bekommen. Wir wollten beide einen rauen Ritt.

Und das war er auch. Vince verlor keine Zeit und setzte sich auf mich, und ich lieferte den nötigen Druck, indem ich das Becken hob, um ihm den Schwanz mitten ins Loch zu schieben. Sobald meine Schamhaare die Haare an seiner Spalte berührten, fing ich an zu stoßen. Wir hatten das oft genug gemacht, um rasch unseren eigenen Rhythmus zu finden – Ficken gehört nun mal zu den Tätigkeiten, bei denen die Übung den Meister macht –; schon bald waren seine Bewegungen synchron zu meinen Stößen. Ich drang tief in ihn ein. Sein Schwanz hüpfte auf und ab, prallte gegen seinen straffen Bauch, und als ich nach der Eichel griff, spürte ich die klebrige Flüssigkeit, die ich zwischen Daumen und Zeigefinger sammelte und mir in den Mund steckte. Dieser Ritt würde nicht lange dauern.

Ficke ich Vince, lasse ich ihn gern zuerst kommen, denn in seinem postorgasmischen Zustand versetzen meine letzten Stöße ihn immer regelrecht in Trance. Also packte ich seinen Schwanz mit meiner Faust und fing an, ihn zu wichsen. Ich spürte, dass er fast so weit war; mit einer Hand rieb er sich die Brustwarze, mit der anderen griff er nach hinten und fühlte, wie mein Schwanz die Lippen seines Afters dehnte. Ein paar harte Stöße erledigten den Rest. Das Bett quietschte so laut, dass man es sicher im ganzen Haus hören konnte.

Der erste Spritzer seines Spermas traf das Kopfende des Bettes, der nächste landete auf meinem Kinn und lief mir den Hals hinab. Ich fickte und wichste ihn weiter, bis er nicht mehr konnte; dann packte ich ihn an den Oberarmen und warf ihn auf den Rücken, ohne dabei den Schwanz aus seinem Arsch gleiten zu lassen. Ich legte mein ganzes Gewicht in meinen Schwanz, hielt das Gleichgewicht auf Zehen und Ellbogen, und fickte ihn so hart ich nur konnte. Er seufzte und stöhnte und gab erst Ruhe, als ich seinen Mund mit meinem verschloss und sein Gesicht mit seinem eigenen Saft verschmierte. Dann spritzte ich ihm tief in die Eingeweide.

»Das wird dir eine Lehre sein, dann zu arbeiten, wenn du mich auf Reisen begleiten sollst«, sagte ich halb im Scherz, als ich meinen klebrigen Schwanz an seiner Brust abwischte. Bebend stand ich auf und ließ ihn zu Atem kommen.

Als ich mich gewaschen und angezogen hatte, war Vince in der Küche, um Tee zu kochen und Brot zu schneiden. Wir aßen und tranken schweigend, aber es war eine freundliche Stille im Vergleich zu dem eisigen Schweigen vom Vorabend. Ich beobachtete seine Kehle, als er den Tee schluckte, und bewunderte die Blässe seiner Haut, wo der Morgenmantel sie frei ließ. Als es Zeit zu gehen war, stellte ich mich hinter seinen Stuhl, küsste ihn auf den Nacken und fuhr ihm mit einer Hand in den Morgenmantel. Bald schon hatte er wieder einen Ständer, ebenso wie ich in meiner schicken schwarzen Hose – aber zu einer weiteren ausführlichen Abschiedsfeier fehlte die Zeit. Ich nahm etwas Butter und schmierte seinen Schwanz und seine Eier damit ein. Er legte die Füße auf den Tisch und stieß dabei Teller und Tassen zu Boden. Er lehnte sich an mich und erlaubte mir, seinen Schwanz so lange zu bearbeiten, bis er zuckend einen weiteren Orgasmus erreichte. Dieses Mal war das Ergebnis nicht so reichhaltig, aber genug, um auf seinem Bauch ein Fächermuster zu bilden.

Ich küsste ihn tief, versicherte ihn meiner Liebe und ging aus dem Haus. Und ich liebte ihn tatsächlich, aber als ich durch die kalten und nassen Straßen in Richtung Bahnhof ging, dachte ich nicht an Vince, sondern an Boy Morgan und das, was wir vielleicht miteinander tun würden. Ich dachte an Boys schmale Hüften, seine starken Schultern, seinen langen, schlanken Schwanz, der in meiner Hand zuckte … Er würde sich so freuen, mich zu sehen, und Belinda wäre mit dem Baby beschäftigt. Und Vince – nun, Vince wollte ja nicht mitkommen. Ich war frei. Wir hatten uns gegenseitig nichts versprochen, Vince und ich; wir waren im Gegensatz zu Morgan und Belinda nicht verheiratet, wir hatten keinen Schwur geleistet, auf andere Männer zu verzichten. Es wäre nicht meine Schuld, sollte Morgan mich verführen. Und was Vince nicht wusste, machte ihn auch nicht heiß …

Ja, nach einer kurzen Zeit häuslichen Glücks mit Vince hatte ich mir schon sämtliche selbstgerechten Ausreden des Ehebrechers zurechtgelegt, und ich war mir darüber auch im Klaren. Und das war – mehr als das Wetter, die Menschenmengen oder die Vorstellung, allein zu verreisen – der Hauptgrund für meine miese Laune, als ich zum Bahnhof Waverley stapfte, um den Zehn-Uhr-Zug nach London zu erwischen: den Flying Scotsman.

Ich hatte mich so sehr auf die gemeinsame Reise in diesem sagenumwobenen Zug gefreut, dass ich ein Abteil erster Klasse gebucht hatte – ich hatte an den Spaß gedacht, den wir auf der achteinviertelstündigen Strecke zwischen Waverley und King’s Cross haben könnten. Vince’ Fahrkarte steckte noch in der Tasche meines Jacketts; für einen Umtausch hatte die Zeit nicht mehr gereicht. Wäre ich gestern Abend vielleicht nicht so bärbeißig oder heute Morgen nicht so geil gewesen, dann hätte ich wenigstens mein Geld zurückbekommen, aber nun war es dafür zu spät.

»Kann ich Ihnen helfen, Sir?«

Ich brauchte keine Hilfe und wollte den Gepäckträger schon anblaffen, dass ich durchaus in der Lage sei, einen einzelnen Koffer selbst zu transportieren, als ich einen Blick auf den Fragesteller warf. Er konnte nicht viel älter als 18 sein, zumindest nicht nach seinem glatten Kinn und frischen Aussehen zu urteilen, aber er hatte die breiten Schultern und stämmigen Schenkel eines Mannes. Die unfreundlichen Worte erstarben mir auf der Zunge, und ich stellte meinen Koffer ab.

»Fahren Sie nach London, Sir?« Er hatte den beschwingten Tonfall der Edinburgher, den ich erst nach einem Jahr richtig zu verstehen gelernt hatte – während dieser Zeit hielten meine Kollegen und Patienten mein ständiges »Wie bitte?« bestimmt für ein Zeichen von Idiotie.

»Ja, das tue ich. Vielen Dank.« Eine dumme Frage – wo hätte ich denn sonst hin sollen? –, aber ich freute mich über den Gruß, den er mir gab: Er schob seine Mütze ein Stück weit zurück, sodass ich das dichte braune Haar über seiner Stirn sehen konnte. Er schwang den Koffer auf seinen Karren, und ich beobachtete, wie sich unter dem engen Jackett die Schultern bündelten und dehnten. Ich ließ ihn vorangehen, um die Blicke an seinem geradezu absurd runden Hintern zu weiden. Er sah sich nach mir um, lächelte und zwinkerte.

»Den Fahrschein, bitte.«

Der Schaffner war ein gemein aussehender und mürrischer Hurensohn, einer von der Sorte, der glaubt, als Uniformträger müsse er sich allen Menschen gegenüber möglichst unausstehlich benehmen. Als er meine Karte erster Klasse sah, wandelte sein Ausdruck sich von allgemeiner Verachtung zu einer Art zögerlicher Ehrerbietung.

»Vielen Dank«, sagte ich schnippisch und nahm den Fahrschein wieder an mich.

»Ich nehme an«, sagte der Träger, »dass Sie ein Abteil reserviert haben?«

»In der Tat.« Ich reichte ihm die Reservierung.

»Hier entlang, Sir! Dort können Sie es sich bequem machen.«

»Das muss nicht sein«, sagte ich, als wir die Tür zu meinem Waggon erreicht hatten. »Von hier an komme ich selbst zurecht.«

»Das macht keine Umstände, Sir.« Er hatte für einen Burschen seines Alters sehr dichte Augenbrauen, und er konnte sie bis zum Schirm seiner Mütze anheben.

»Na gut.« Wenn er ein größeres Trinkgeld wollte, musste er es sich verdienen. »Dann nehmen Sie den Koffer.«

Er hievte den Koffer auf die Schulter, hielt mir die Wagentür auf und folgte mir die Stufen hinauf.

»Auf die Gepäckablage, Sir?«

»Ja, wenn Sie da rankommen.«

»Gerade so, Sir.« Er stellte sich auf die Zehenspitzen – er war nicht groß, gerade mal eins fünfundsechzig – und schob den Koffer auf die metallene Ablage. An seinem Rücken hob sich sein Jackett ein gutes Stück weit an, und ich konnte seine schmale Hüfte bewundern.

»Wäre das alles, Sir?« Er stand entspannt da und lächelte.

Ich warf einen Blick auf die Uhr; wir hatten noch eine gute Viertelstunde Zeit, ehe der Zug abfuhr. »Mir ist gerade eingefallen, dass ich für die Fahrt noch ein paar Dinge herausnehmen müsste.«

»Ja, Sir?«

»Würde es Ihnen etwas ausmachen, den Koffer wieder herunterzuholen?«

»Natürlich nicht, Sir. Ihr Wunsch ist mir Befehl.«

Er griff wieder nach oben und tastete nach dem Griff des Koffers. Als er ihn dann nach unten zog, verlor er das Gleichgewicht und wäre gefallen, hätte ich ihn nicht an den Hüften festgehalten.

»Hoppla.«

»Vielen Dank, Sir.«

Ich ließ ihn nicht los. »Legen Sie ihn einfach auf den Sitz.«

Dies bedingte, dass er sich nach vorne beugte, und dadurch musste er natürlich seinen Hintern in meinen Schritt pressen. Wir waren von anderen Fahrgästen und Zugpersonal umgeben, was weitere Intimitäten erschwerte.

»Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise, Sir«, sagte er und drehte sich zu mir um. »Wie Sie sehen, sind alle Fenster mit Jalousien versehen.«

»Ah, tatsächlich. Vielleicht zeigen Sie mir noch, wie sie funktionieren.«

»Mit Vergnügen, Sir.«

Er zog eine lederfarbene Jalousie vor das Fenster und befestigte sie am unteren Ende mit einem glänzenden Stahlknopf.

»Und was ist mit denen?« Ich wies auf die Fenster, die mein Abteil vom Gang trennten.

»Genau so, Sir.« Binnen Sekunden waren die Fenster verdeckt.

»Sehr gut. Was könnten Sie mir denn noch so zeigen?«

Er drehte sich um und fing an, seinen Gürtel zu öffnen, und bald darauf hatte ich einen guten Blick auf zwei sehr hübsche Halbkugeln.

»Erster Klasse«, sagte ich.

Er warf einen Blick über seine Schulter. »Möchten Sie mich ficken, Sir?«

»Nichts wäre mir lieber, mein Junge.« Mein Schwanz war hart wie Stahl. »Aber wäre das eine gute Idee?«

»Ich würde sagen ja.«

»Ist das hier nicht ein wenig … öffentlich?«

Wie auf Stichwort ertönte nur wenige Meter entfernt eine Pfeife. Er stand auf, lief rot an und zog die Hose hoch. »Ja, ich glaube schon.«

»Verführst du die Fahrgäste immer so, mein Junge?«

»Nein, Sir.«

»Also nur die erster Klasse, die gut bezahlen.«

Er stand da wie ein begossener Pudel.

»Ich mache dir keinen Vorwurf. Ich würde liebend gern fünf Pfund dafür zahlen, dir meinen Schwanz in den Arsch zu stecken.«

»Sie sind Amerikaner, nicht wahr, Sir?«

»Ja, genau.«

»Stimmt es, was man so sagt?«

»Was sagt man denn so?« Ich hatte schon eine Menge volkstümlicher Weisheiten über Amerikaner gehört, darunter mehrmals die Ansicht, dass wir alle Multimillionäre seien.

»Dass ihr ziemlich große Schwänze habt.«

Das klang im Zusammenspiel mit seinem schottischen Akzent, dem roten Gesicht und den glänzenden Augen derart komisch, dass ich mir auf die Zunge beißen musste, um nicht zu lachen.

Ich nahm seine Hand und legte sie in meinen Schritt. »Warum prüfst du das nicht selber nach?«

Seine Augen wurden noch größer.

»Ich … ich glaube, es stimmt.«

»Das glaube ich auch.«

Wieder hörten wir die Pfeife und Schritte vor dem Abteil. Der Türgriff wurde betätigt, und wir sprangen auseinander.

»Da bist du ja, Arthur.« Es handelte sich um den unleidlichen Schaffner. »Da warten Fahrgäste auf deine Hilfe.«

»Er ist noch nicht ganz fertig damit, mir zu helfen, vielen Dank. Würden Sie meinen Koffer jetzt wieder auf die Ablage legen?«

»Natürlich, Sir.«

Der Schaffner blieb im Eingang stehen.

»Gibt es noch etwas?«, fragte ich in meinem arrogantesten Yankee-Tonfall.

»Nein, Sir.« Oh, die Betonung des letzten Wortes! »Beeil dich, Arthur.« Mit finsteren Blicken trollte er sich.

»Vielen Dank, Sir.«

»Sehe ich dich wieder, Arthur?«

»Es ist ein langer Weg bis London.«

»Hier.« Ich nahm meine Brieftasche heraus und gab ihm einen Zehn-Schilling-Schein. »Ein kleiner Vorschuss.«

»Danke, Sir, das ist sehr großzügig.«

»Keine Sorge, Arthur. Du wirst dir jeden Penny verdienen müssen.«

»Wie ist Ihr Name, Sir?«

»Mitchell. Edward Mitchell. Meine Freunde nennen mich Mitch.«

Er steckte die Banknote ein und drückte ein letztes Mal meinen Schwanz. »Danke, Mitch.« Er zwinkerte mir noch mal über die Schulter zu und war verschwunden.

Ich nahm ein Buch aus meinem Koffer – ich freute mich schon auf Agatha Christies Die großen Vier, das ich mir eigens für die Reise aufgehoben hatte. Dann verstaute ich mein Gepäck erneut auf der Ablage und machte es mir auf meinem Platz gemütlich.

Punkt zehn Uhr verließ der Flying Scotsman dampfend und ruckelnd den Bahnhof Waverley, und als ich die Hügel von Edinburgh immer kleiner werden sah, dachte ich darüber nach, dass ich an diesem Morgen nun schon zum zweiten Mal Arthur’s Seat gesehen hatte.

Die Leser meiner vorangegangenen Abenteuer erinnern sich vielleicht, dass ich nach Abschluss meiner Studien in Cambridge eigentlich die Absicht hatte, in meine Heimatstadt Boston zurückzukehren und dort die ärztliche Laufbahn einzuschlagen. Doch Pläne ändern sich – und als sich mir die Gelegenheit bot, am Edinburgh Royal Infirmary zu arbeiten, ergriff ich sie beim Schopfe. Dafür gab es mehrere Gründe, und der wichtigste war natürlich Vincent West, mit dem ich unter allen Umständen zusammenleben wollte, wo auch immer. Wir hatten vorgehabt, nach Amerika überzusiedeln, wo er, wie ich in meiner Naivität geglaubt hatte, ohne Weiteres eine gute Anstellung bekommen könnte – doch Onkel Sam war gegen uns. Eher hätten wir ein Kamel durch ein Nadelöhr als Vince durch die amerikanische Einwanderungsbehörde bekommen. Als ich den Fehler beging, in der amerikanischen Botschaft die Beherrschung zu verlieren, stellten die Beamten verfängliche Fragen über die Art unserer Freundschaft und deuteten an, dass womöglich die Polizei an der Sache interessiert sein könnte. Wir traten verletzt den Rückzug an und zogen eine gemeinsame Zukunft im Vereinigten Königreich in Erwägung – Ärzte waren hier Mangelware, und ich konnte genug verdienen, um uns beide einigermaßen zu versorgen. Dann bekam Vince eine gute Stelle bei einem Verlag in Edinburgh, und uns beiden gefiel unser neues kaledonisches Dasein überaus.

Es gab indes noch andere Gründe, die mich in diese felsige Stadt zogen, weniger romantische, aber ebenso wirkmächtige. Denn hier in Edinburgh hatte vor rund fünfzig Jahren die medizinische wie die literarische Laufbahn von Arthur Conan Doyle ihren Anfang genommen. Hier hatte er studiert, hier hatte er seine erste Geschichte veröffentlicht. Ich sah Edinburgh ganz durch die Augen Conan Doyles, forschte in den engen Gassen nach Spuren von Verbrechen und beobachtete in der Umgebung des Schlosses verdächtige Gestalten – und natürlich auch die Soldaten in ihren Kilts, die dort lautstark kamen und gingen. Vince und ich hatten Geschmack an den rauen und bereitwilligen schottischen Burschen gefunden und luden gelegentlich einen zu uns zum Abendessen ein. Die Tatsache, dass ich Amerikaner und Arzt war, schien es ihnen einfacher zu machen, an Dingen teilzunehmen, die sie sonst womöglich abstoßend gefunden hätten. Natürlich spielte dabei auch das Geld eine gewisse Rolle.

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