... dass Treue auf der Erde wachse - Elisabeth Dreisbach - ebook

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Elisabeth Dreisbach

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Opis

Ricarda und Günther Hertrich haben in bewegter Zeit zueinander gefunden und führen eine glückliche Ehe. Mit viel Liebe und in großer Treue versuchen sie, selbst kinderlos, ihren drei Pflegekindern den Weg in ein erfülltes Leben mit Christus zu zeigen: Friedhelma, das uneheliche Kind von Ricardas Jugendfreund; Alfred, den Großneffen ihrer Hausgehilfin, der im Krieg die Eltern verloren hat; Monika, das Mischlingskind, das in der Besatzungszeit zur Welt kam und dessen Mutter sich ihres Fehltritts schämt. Zunächst scheint es, als ob die gute und sorgfältige Erziehung ihre Wirkung nicht verfehlen könnte. Aber als die Kinder groß werden, ziehen Wolken am Familienhimmel auf, die sich nicht verscheuchen lassen, weder durch die Strenge des Hausvaters noch durch die Liebe Ricardas. Die Pflegekinder bringen die beiden in tiefe Anfechtung und schließlich auch in Schande. Als Tiefgebeugte lernen sie ganz neu das Leben der ihnen anvertrauten Kinder in Gottes Hand zu legen und ihm zu glauben, dass er den rechten Weg weiß. Fortsetzung zu: Du hast mein Wort Elisabeth Dreisbach (1904 - 1996) zählt zu den beliebtesten christlichen Erzählerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre zahlreichen Romane und Erzählungen erreichten ein Millionenpublikum. Sie schrieb spannende, glaubensfördernde und ermutigende Geschichten für alle Altersstufen. Unzählig Leserinnen und Leser bezeugen wie sehr sie die Bücher bewegt und im Glauben gestärkt haben.

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… dass Treue auf der Erde wachse

Fortsetzung zu „Du hast mein Wort“Band 20

Elisabeth Dreisbach

Impressum

© 2017 Folgen Verlag, Langerwehe

Autor: Elisabeth Dreisbach

ISBN: 978-3-95893-141-1

Verlags-Seite: www.folgenverlag.de

Kontakt: [email protected]

Shop: www.ceBooks.de

 

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Autor

Elisabeth Dreisbach (auch: Elisabeth Sauter-Dreisbach; * 20. April 1904 in Hamburg; † 14. Juni 1996 in Bad Überkingen) war eine deutsche Erzieherin, Missionarin und Schriftstellerin.

Elisabeth Dreisbach absolvierte – unterbrochen von einer schweren Erkrankung – eine Ausbildung zur Erzieherin in Königsberg und Berlin. Sie war anschließend auf dem Gebiet der Sozialarbeit tätig. Später besuchte sie die Ausbildungsschule der Heilsarmee – der ihre Eltern angehört hatten – wechselte dann aber zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg, für die sie in den Bereichen Innere Mission und Evangelisation wirkte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete Dreisbach in Geislingen an der Steige ein Heim für Flüchtlingskinder, in dem im Laufe der Jahre 1500 Kinder betreut wurden. Dreisbach lebte zuletzt in Bad Überkingen.

Elisabeth Dreisbach war neben ihrer sozialen und missionarischen Tätigkeit Verfasserin zahlreicher Romane und Erzählungen – teilweise für Kinder und Jugendliche – die geprägt waren vom sozialen Engagement und vom christlichen Glauben der Autorin.1

1 Quelle: wikipedia.org

Inhalt

Titelblatt

Impressum

Autor

… dass Treue auf der Erde wachse

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… dass Treue auf der Erde wachse

„Von wem redest du eigentlich, Friedhelma?“

„Von Gott natürlich.“

Alfred blickte die Vierzehnjährige mit ironischem Lächeln an: „Hast du schon einmal Gott rufen hören?“

„Stör mich nicht dauernd!“

Das Mädchen hielt sich die Ohren zu, beugte sich über das Buch und wiederholte halblaut: „Denn ich rief, und niemand antwortete, ich redete, und sie hörten nicht und taten, was mir nicht gefiel.“

„Friedhelma!“

„Was willst du denn schon wieder? Lass mich doch endlich in Ruhe!“

„Weißt du, dass du ein hübsches Mädchen bist?“

„Und du bist ein blöder Affe.“

Ärgerlich klappte Friedhelma Mangold die Bibel zu: „Ich werde es Mutti sagen, dass du mich dauernd störst und dich über alles Heilige lustig machst. Das ist eine große Gemeinheit.“

„Ich tue es nur, weil du mir so sehr gefällst, wenn du in Zorn gerätst. Dann siehst du mit deinen roten Haaren wie eine Feuerhexe aus, und deine grünen Augen funkeln wie die einer Katze.“

Friedhelma sprang auf: „Das lasse ich mir nicht gefallen, du abscheulicher Kerl, du widerlicher!“

Die Jagd ging um den Tisch herum. Das Mädchen versuchte nach dem Jungen zu schlagen, was ihr aber nicht gelang. Schließlich lehnte sie schweratmend an der Wand. Und nun hingen ihr tatsächlich die blonden Haare, die sonst in weichen Locken auf ihre Schultern fielen, wirr um den Kopf.

In diesem Augenblick betrat Frau Hertrich das Zimmer: „Nanu, was ist hier los?“ Fragend blickte sie von einem zum andern. „Habt ihr euch wieder gezankt? Und die Bibel liegt auf dem Boden, und du, Alfred, trittst darauf?“

Der Junge hob das Buch auf und legte es auf den Tisch zurück. „Verzeih, Mutti, das war ungewollt.“

Friedhelma aber fuhr auf: „Das ist nicht wahr; du hast das mit Absicht getan! Immer machst du dich lustig über mich, wenn ich für den Konfirmandenunterricht lerne. Du bist ein elender Spötter; dir ist nichts heilig!“ Tränen stürzten aus ihren Augen, so erregt war sie.

„Friedhelma!“ mahnte die Mutter und warf ihrem Pflegesohn einen bedeutungsvollen Blick zu. Wortlos verließ dieser das Zimmer.

„Was musst du lernen, Helma?“

„Ich möchte mir erst schnell die Haare ordnen, ja, Mutti? Gleich bin ich wieder da.“

Frau Hertrich setzte sich an den Tisch und schlug die Bibel auf. Aber sie las nicht. Sie dachte über Alfred, den ältesten ihrer drei Pflegekinder, nach. Je länger, desto mehr sorgte sie sich um ihn. Wieviel Ärger hatten sie schon mit dem Jungen gehabt! Was sollte nur daraus werden? Ihrem Mann gegenüber versuchte sie zwar immer zu vermitteln, zu Geduld und Nachsicht zu mahnen. Gewiss werde es anders, wenn Fred aus den Flegeljahren heraus sei. Man dürfe nicht vergessen, in welche Zeit er hineingeboren und unter welch misslichen Umständen er in den ersten Jahren seines Lebens aufgewachsen sei: der Krieg, die durch Fliegerangriffe gestörten Nächte. Sein Vater war an der Front gefallen und die Mutter durch Bombenabwurf ums Leben gekommen. Dann der Einfluss der Schulkameraden!

Aber waren dies stichhaltige Gründe? Musste sie ihrem Mann nicht Recht geben, wenn er mit dem Jungen unzufrieden und besorgt um seine weitere Entwicklung war? Dabei hatte Alfred unter demselben Dach wie Friedhelma und Monika seine Kindheit verlebt, war genau so erzogen worden und in der gleichen Umwelt aufgewachsen. Aber was wusste man, was in solch einem Kinde steckt, besonders wenn es nicht der leibliche Sohn war, in dem man vielleicht seine eigenen Veranlagungen entdeckt hätte?

Friedhelma kehrte zurück. Sie sah, dass die Mutter traurig war: „Bist du mir böse, Mutti, weil ich wieder so heftig gewesen bin?“ Sie lehnte sich an Frau Hertrich. „Ich habe es mir schon so oft vorgenommen, Freds dummes Gerede nicht ernst zu nehmen, aber er reizt mich bis zur Weißglut. Über alles macht er sich lustig, nichts ist ihm heilig. Und er hat es darauf abgesehen, mich in Wut zu bringen.“

„Wenn du das schon weißt, Friedhelma, warum wappnest du dich nicht dagegen? Ich empfinde es schmerzlich, dass du dich kurz vor deiner Konfirmation immer wieder zum Zorn hinreißen lässt.“

Innig umfasste der Mutter Blick die vor ihr stehende liebliche Mädchengestalt. Es war kein Zweifel: Friedhelma würde in einiger Zeit eine kleine Schönheit sein. Zwar war sie zum Glück noch ein rechtes Kind. Aber wie lange noch? Es gab genug törichte Erwachsene, die sie bewunderten. Wenn sie sich bis jetzt aus den gleichaltrigen Jungen nicht viel machte, so kam es sicher daher, dass sie andere Interessen hatte. So las und bastelte sie gerne und zeigte sich auch im Haushalt Recht geschickt. Nie war sie untätig. Sie fand keine Zeit, wie manche ihrer Klassenkameradinnen, an den Ecken herumzustehen und sich von halbwüchsigen Jungen den Hof machen zu lassen. Wie lange aber würde Friedhelma noch so unbefangen und natürlich bleiben?

Ricarda ließ sich noch einmal den Vers sagen, den das Mädchen zu lernen hatte.

„Ich rief, und niemand antwortete, ich redete, und sie hörten nicht und taten, was mir nicht gefiel, und hatten ihre Lust an dem, woran ich kein Wohlgefallen hatte. Jesaja 66, 4.“

Noch immer ruhte Ricardas Blick sinnend auf dem Kind, das ihrem Herzen besonders nahestand. Dass es ihr doch gelingen möchte, sie alle, die ihr anvertraut waren, Recht zu leiten!

„Alfred hat mich gefragt, ob ich Gott schon einmal habe rufen hören. Ich weiß, er hat mich dadurch herausfordern wollen. Aber wenn ich ehrlich sein will, Mutti, ich verstehe es auch nicht, was damit gemeint ist. Wann sollte Gott zu mir geredet oder mich gerufen haben? Außerdem ist der Vers aus dem Alten Testament. Was haben wir damit zu tun? Ich lerne natürlich diese Bibelstellen für den Unterricht; aber ich frage mich manchmal, ob das wirklich nötig ist. Und was soll ich Fred sagen, wenn er mich dies noch einmal fragt?“

Frau Hertrich zog die Tochter neben sich auf die Eckbank: „Komm, Friedhelma, ich will dir antworten.“

Unwillig blickte das Mädchen zur Türe, als diese sich jetzt öffnete und Monika ihren schwarzen Wuschelkopf hereinsteckte: „Ach – hier bist du, Helma? Ich habe dich überall gesucht. Kommst du nicht mit? Wir wollten doch in den Wald gehen und sehen, ob wir schon Anemonen oder Veilchen finden.“

„Nein, ich hab jetzt keine Zeit, ich muss lernen; geh und stör mich nicht!“

Die Mutter nahm die Enttäuschung der Elfjährigen wahr. Sie lenkte freundlich ein: „Komm nur, Moni; wenn du willst, darfst du auch zuhören!“

„Ach, das versteht sie ja doch nicht!“

„Ich verstehe alles, was Mama sagt, genau wie du“, fuhr das Kind hoch und blitzte die Schwester aus ihren schwarzen Augen empört an. „Immer tust du, als wäre ich noch klein! Nicht wahr, Mama, ich bin jetzt auch schon ein großes Mädchen?“

„Aber natürlich“, tröstete Frau Hertrich sie und streckte den Arm nach der kleinen Mulattin aus. „Komm, setz dich zu uns; was ich sagen will, kannst auch du verstehen.“

Die Kleine warf der Pflegeschwester einen triumphierenden Blick zu! „Siehst du?“

Es war Friedhelma nicht Recht, dass Monika ihr Alleinsein mit der Mutter störte. Denn solche Augenblicke hatten Seltenheitswert.

„Ob wir Gott hören können? Ob er zu uns spricht?“ begann die Mutter. „Um seine Stimme zu vernehmen, müssen wir stille werden. Weil aber die Menschen unserer Zeit das kaum noch können, hören und verstehen sie Gott nicht mehr. Gott spricht nicht mit menschlicher Stimme zu uns. Er tut es auf andere vielfältige Weise. Er spricht durch die Bibel; ihr wisst, dass sie ,Gottes Wort’ ist. Er spricht durch die Schöpfung, durch die Natur, und er spricht zu uns durch das Gewissen. Jeder, der ehrlich und suchend in der Bibel liest, kann darin Gottes Stimme vernehmen. Die Natur zeigt uns die Größe und Allmacht Gottes, und durch unser Gewissen sagt er uns, was gut und böse ist. Da habe ich gerade heute etwas Feines gelesen. Hier habe ich das Büchlein.“

Frau Hertrich blätterte suchend darin. „Hört: ,Es gibt ein inneres Lauschen auf Gott, das mehr Gebet ist als viele Worte. Ein Beten, in dem wir unser innerstes Wesen hinwenden zu Gott. Aus der Stille vor Gott und in solcher Stille redet Gott zum Herzen und fängt an, in ihm zu wirken. Es ist das wichtigste Stück der Schweigsamkeit, dass wir lernen, in solcher Weise zu schweigen und hörend vor Gott zu sein.‘“

Während die Mutter las, spielte sich hinter ihrem Rücken aufs Neue ein Streit ab. Monika streckte gegen die ältere Schwester die Zunge heraus und erhielt von ihr dafür einen gelinden Stoß.

„Aber hört mal!“ Frau Hertrich ließ das Buch sinken. „Was soll denn das bedeuten?“

Friedhelma rechtfertigte sich: „Ich habe es ja gleich gesagt: Monika versteht noch nichts von dem, was du sagst.

Während du vorliest, schneidet sie Grimassen und streckt mir die Zunge heraus.“

„Aber Moni, ist das wahr?“

„Ja, weil sie immer so groß und wichtig tut und mich nicht gelten lässt.“ Weinend warf sich das Kind in die Arme der Mutter. „Sie mag mich nicht; Helma mag mich nicht!“

Bestürzt ob dem, was sie angerichtet hatte, blickte Friedhelma auf die kleine Schwester, die ihren schwarzen Kopf auf den Arm der Mutter drückte und herzbrechend schluchzte.

Fragend blickte Frau Hertrich ihre große Tochter an: „Ist es wirklich so?“

Friedhelma, ehrlich bemüht, die Gekränkte zu trösten, beugte sich über die Schwester und streichelte sie: „Was redest du für dummes Zeug, Moni! Das ist doch gar nicht wahr. Wir alle haben dich lieb.“

Der kleinen Schwarzen tat es gut, für eine Weile Mittelpunkt zu sein. Ihr Schluchzen wurde zu lautem, hemmungslosem Weinen. „Keiner hat mich lieb, gar niemand! Die Kinder auf der Straße schreien hinter mir her, und die Großen sagen: ,Armes Negerkind!‘ Und in meiner Klasse will keine mit mir spielen. Niemand mag mich.“

Unglücklich über das, was sie heraufbeschworen hatte, blickte Friedhelma die Mutter an.

Diese richtete das heftig weinende Mädchen liebevoll, aber energisch auf: „Nein, Monika, fange nicht wieder mit dieser alten Geschichte an! Wir haben schon so oft darüber gesprochen, dass du längst damit fertig sein solltest! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du in den Augen Gottes genau soviel wert bist wie die anderen Kinder; aber dass du dich auch genauso wie sie bemühen musst, ein reines Herz zu haben! Das hat nichts mit der Hautfarbe zu tun.“

Noch schluchzend wandte sich die Kleine, die Situation ausnutzend, an Friedhelma. Auf die Worte der Mutter ging sie nicht ein. „Helma, gibst du mir dein silbernes Kettchen mit dem kleinen blauen Stein?“

„Ja, das darfst du haben.“

Im nächsten Augenblick war aller Kummer vergessen. Monika sprang auf und fiel der Schwester um den Hals. „O fein! Komm“ – sie zog sie an der Hand zur Tür –, „komm, gib mir's gleich! Da werden aber meine Schulkameradinnen staunen!“

Kopfschüttelnd blickte Ricarda Hertrich den beiden nach. Wie schnell war bei der Kleinen der Schmerz verflogen, der ihr noch eben das Herz zerreißen wollte!

Nach dem Abendessen bat Frau Hertrich ihren Mann, an diesem warmen Frühlingsabend mit ihr noch einen Spaziergang dem nahe liegenden Waldrand entlang zu machen. „Du kommst zu wenig an die Luft, Günther. Dein Aussehen gefällt mir in letzter Zeit nicht. Hast du Ärger im Betrieb gehabt? Ist die Sache mit der Zuleitungsstraße nun endgültig? Komm, du kannst es mir unterwegs erzählen.“ Sie eilte, um ihren leichten Mantel zu holen.

„Eigentlich bin ich zu müde“, sagte ihr Mann. „Am liebsten würde ich heute einmal früh zu Bett gehen. Aber nachdem du dir den Weg zum Wald so sehr wünschst, gehen wir.“

Zwölf Jahre waren Hertrichs nun verheiratet; aber Ricarda sah am Arm ihres Mannes noch wie eine junge Braut aus. In der Zeit ihres Brautstandes hatte sie so schwere Lasten tragen müssen, dass ihre Kraft beinahe darunter zu zerbrechen drohte. Heute war es anders: Die Fabrik war nach ihrer Zerstörung im Kriege größer und schöner als zuvor aufgebaut; das Geschäft ging gut; die Aufträge häuften sich. Mehr konnte man kaum erwarten. Dass der gelähmte Vater trotzdem unzufrieden war, daran hatten sich Tochter und Schwiegersohn nachgerade gewöhnt. Nur hin und wieder parierte Günther Hertrich die ständigen Nörgeleien des alten Herrn mit einem scharfen Wort. Er fühlte sich in erster Linie Gott und nicht Menschen gegenüber für sein Tun verantwortlich, wenn er auch begriff, dass Ricardas Vater besorgt war um das von ihm aufgebaute Werk.

Es ging ihnen in der Tat gut. Wer hätte das gedacht nach den schweren Kriegsjahren! Man lebte wieder, ja besser als zuvor, in Wohlstand und Sicherheit. Und oft fürchtete Hertrich, ob ein Volk solch raschen Umschwung ohne Schaden ertragen könne. Immer wieder ermahnte er seine Frau, die Kinder einfach zu erziehen.

Ricarda teilte ganz seine Auffassung, spürte aber besonders deutlich bei Alfred die sich steigernde Unzufriedenheit. Schon oft hatte er Vergleiche mit seinen Schulkameraden gezogen und sich beklagt: „So wenig Taschengeld wie ich hat keiner in unserer Klasse. So früh wie ich muss nicht einer am Abend zu Hause sein. So wenig Freiheit wie ich hat keiner.“ Ricarda vermied es, solche Aussprüche dem Vater weiterzusagen.

Sie gingen eine Zeitlang wortlos nebeneinander. Noch war es hell genug, die ersten Anzeichen des erwachenden Frühlings wahrzunehmen: die Tannen begannen ihre Zweige mit hellgrünen Spitzen zu schmücken; zaghaft drangen erste Blattspitzen aus dem Geäst der Buchen; zwischen Moospolstern hoben Anemonen ihre Köpfchen, und vereinzelt schmiegten sich Veilchen an den Wegrand. Da und dort zirpte noch ein verspäteter Vogel. Kein Laut sonst war hörbar, kein Mensch begegnete ihnen. Glutrot versank die Sonne hinter der Hügelkette, die von zwei Seiten die Stadt umschloss.

„Oh, das tut gut!“ sagte Günther Hertrich leise und atmete tief auf. Dann blieb er einen Augenblick stehen: „Wie wohltuend und zugleich sprechend ist die Stille hier draußen! Nun bin ich doch froh, dass ich mit dir ging. Es fällt doch manches von einem ab, was vom Tag her belastet.“

„Hast du besonderen Ärger gehabt?“ Ricarda wusste, ihr Mann liebte es nicht, wenn sie in ihn drang. Mit manchem musste er erst selbst fertig werden, bevor er darüber sprach.

„Du musst es ja doch einmal wissen“, erwiderte er und konnte nicht verhüten, dass sich seine Gesichtszüge verfinsterten. „Alfreds Klassenlehrer rief mich an. Er habe heute Nachmittag in der Gegend zu tun und würde mich im Büro aufsuchen.“

„Das ist freundlich von ihm, dass er sich selbst zu dir bemühte. Hoffentlich hat er nicht über Fred zu klagen gehabt.“

„Erfreulich war es nicht, was er mir mitzuteilen hatte. Er rät dringend davon ab, Alfred das Abitur machen zu lassen. Wir sollen ihn aus der Schule nehmen und einen Beruf erlernen lassen.“

„Aber ich verstehe das nicht; der Junge ist doch nicht unbegabt.“

„Das sagte er auch. Seiner Fähigkeit entsprechend wäre er ohne weiteres imstande, das Abitur zu machen; aber bei seiner grenzenlosen Faulheit und unerhört gleichgültigen Art wäre nicht daran zu denken.“

„Das ist ja schrecklich!“

„Und empörend zugleich. Was hat man schon alles unternommen, um dem Bengel zu helfen, ihn zu überzeugen, ihn zurechtzustutzen! In den letzten zwei Jahren hatten wir nichts als Ärger mit ihm.“

Ricarda blickte zu ihrem Mann auf, der sie um Kopfeslänge überragte. „Bitte – reg dich nicht so auf, Günther!“

„Du kannst mir nicht verargen, dass ich mich maßlos ärgere über die Unzuverlässigkeit des Jungen. An nichts hat man es fehlen lassen; alles hat man für ihn getan und muss schließlich nur Enttäuschung mit ihm erleben.“

„So wollen wir es nicht gleich sehen.“ Frau Hertrich bemühte sich, zu vermitteln. „Vielleicht müssen wir doch manches, was wir nicht bejahen können, wenigstens zu verstehen suchen. Ich meine, all das Schlimme, was Alfred in den ersten Jahren seines Lebens durchmachte: die Schreckensnächte, der tragische Tod seiner Mutter, die ausgestandenen Ängste, die mangelhafte Ernährung –“

„Das hast du mir schon oft gesagt, Rica; aber du weißt, ich kann dem allem kein solches Gewicht beimessen wie du. Der Junge ist bei uns in geordneten Verhältnissen aufgewachsen; er hat es zweifellos in unserem Hause besser gehabt, als wenn er bei seinen Eltern gelebt hätte. Ich habe oft den Eindruck, dass ihm all das Gute gar nicht bekommt. Vielleicht wäre es besser für ihn gewesen, wenn er in einer anderen Umgebung groß geworden wäre.“

Ricarda antwortete nicht. Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander.

Wieder blieb Hertrich stehen. Er hob den Kopf seiner Frau zu sich empor, so dass er ihr in die Augen blicken konnte: „Habe ich dir weh getan? Das täte mir leid. Aber wir müssen ehrlich und offen miteinander reden.“

Ricarda schüttelte verneinend den Kopf. Aber er sah doch, dass ihre Augen feucht waren. Er unterdrückte einen Seufzer. Wie sehr liebte er seine Frau, und wie glücklich machte es ihn zu wissen, dass sie, die ihm vor zwölf Jahren ihr Jawort nicht aus Liebe, sondern aus Pflichtgefühl ihrem Vater gegenüber gegeben hatte, ihm nun längst ganz zugehörte. Aus der anfänglich nur bestehenden Achtung war eine ihn immer wieder neu beglückende tiefe Liebe geworden. Sie verstanden sich gut und hatten in all den Jahren nie ernstliche Meinungsverschiedenheiten gehabt – es sei denn der Kinder wegen. Vor allem war es Alfred, der oft und in der letzten Zeit immer häufiger Anlass zu Missstimmungen gab. Friedhelma, das Kind, das Ricarda schon vor ihrer Eheschließung angenommen hatte, war nicht schwierig zu erziehen. Günther hatte sie längst in sein Herz geschlossen, als wäre sie seine eigene Tochter. Oft hatten sie auch erwogen, Friedhelma zu adoptieren. Um der anderen beiden Kinder aber sahen sie davon ab.

Zwar war der Vater Ricardas, Herr Dörrbaum, schon längst dafür, dass sie zumindest Alfred als eigenes Kind annehmen und ihm ihren Namen geben sollten, nachdem seine Tochter nach zwölfjähriger Ehe noch immer kein eigenes Kind hatte. Alfred entsprach, wenigstens zum Teil, den Vorstellungen, die sich der alte Herr einmal von seinem Sohn gemacht hatte. Aber anstelle eines frechen Draufgängers, wie er ihn sich gewünscht hatte, war ihm damals Ricarda, dieses zarte kleine Frauenzimmer, wie er öfter in erboster Zärtlichkeit sagte, geboren worden. Nun, wenn sie nicht imstande war, ihm einen Enkelsohn zu schenken, der die Fabrik einmal weiterführen sollte, war es bestimmt das Richtige, diesen kessen Alfred zu adoptieren.

Aber daran war nach den bisherigen Erfahrungen, die Hertrichs mit dem Jungen gemacht hatten, nicht zu denken. Je länger desto mehr gaben seine Art und Veranlagung Grund zu ernster Besorgnis. Deutlich empfand Ricarda, dass in den letzten zwei Jahren die Kluft, die sich zwischen ihrem Mann und dem Jungen auf getan hatte, immer größer wurde.

„Vater kann mich nicht ausstehen“, hatte Alfred schon mehr als einmal geklagt. „Wenn er nicht Rücksicht auf dich nähme, Mutti, hätte er mich schon längst fortgeschickt. So ist es, wenn man nur ein angenommenes Kind ist. Wenn ich sein eigener Sohn wäre, käme ihm nie ein solcher Gedanke.“

Sie hatte zu überbrücken gesucht und heftig protestiert: „Das stimmt nicht, Alfred! Du weißt, dass du mir mit derartigen Reden wehtust. Vater kann sich aber nicht einverstanden erklären mit deiner Oberflächlichkeit, deinen schlechten Zeugnissen. Wenn du doch strenger mit dir selbst wärst und mehr an deiner inneren Entwicklung arbeiten wolltest! Du bist doch nun kein Kind mehr.“

Achselzuckend war er davongegangen. Gleich darauf hatte er in der Küche einen Schlager gepfiffen. Jetzt ließ er sich bestimmt wieder etwas Essbares von Anna, seiner Großtante, zustecken.

Das war auch so ein Problem. Die alte Hausgehilfin hing mit einer geradezu törichten Liebe an diesem Großneffen, den sie in jener schweren Zeit des Zweiten Weltkrieges mit seiner Mutter, die in einer der Fliegerangriffsnächte obdachlos geworden war, im Haus des Fabrikanten Dörrbaum aufnehmen durfte. Als dann ihre Nichte selbst ums Leben kam, war Alfred dageblieben und mit Friedhelma und später auch mit Monika wie ein eigenes Kind von Ricarda und ihrem Mann erzogen worden. Im allgemeinen fühlte der Junge keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu seiner Großtante, die nun schon über vierzig Jahre im Hause Dörrbaum tätig war; aber wo er einen Vorteil witterte, täuschte er der arglosen Frau Anhänglichkeit vor. Die Pflegeeltern hätten es nicht wissen dürfen, dass sie dem Jungen immer wieder auch Geld zusteckte, weil sein Taschengeld nie ausreichte.

Obgleich Ricarda versuchte, ihres Mannes Gedankengänge von diesem unliebsamen Thema abzulenken, gelang es ihr nicht, die Harmonie des schönen Abends wiederherzustellen. Zwar bemühte sich Günther, auf ihre Fragen oder Gedanken einzugehen; aber die Wolke blieb und lastete über ihnen.

Glücklicherweise schlief Günther nach dem arbeitsreichen Tag bald ein. Ricarda war froh im Gedanken an den erquickenden Schlaf, der ihren Mann aus dem Bereich seiner sorgenvollen Gedanken hinaustrug. Sie aber lag noch lange wach und sann darüber nach, ob es vielleicht doch nicht richtig war, dass sie es damals durchgesetzt hatte, die drei Kinder auf- und anzunehmen. Günther, der nüchterner und realer veranlagt war, hatte mancherlei Bedenken geäußert, war jedoch bereit gewesen, ihre Entschlüsse zu bejahen, nachdem sie der festen Meinung Ausdruck gegeben hatte, dass sie in der Betreuung der Kinder einen klaren Auftrag von Gott sähe. Er war wie sie ein bewusster Christ, der ebenfalls an Führung glaubte und sich dieser nicht widersetzen wollte. Nachdem ihre Ehe kinderlos blieb, meinte Ricarda eine Bestätigung dafür zu haben, dass sie an den drei Kindern Mutterstelle zu vertreten hatte. Und mussten nicht oft Eltern auch bei ihren eigenen Kindern bittere Enttäuschungen erleben? Sie war bereit, auch diese aus Gottes Hand zu nehmen und daran zu reifen. Schließlich war dies der Sinn und Zweck aller, auch der trüben Erfahrungen des Lebens.

Sie wusste wohl, dass Friedhelma längst das Herz ihres Mannes erobert hatte. Monika war ihm bisher ein drolliges Spielzeug gewesen; aber voller Besorgnis begann sie zu beobachten, dass sich bei ihm eine Abneigung gegen Alfred breitmachte. Und das durfte nicht sein.

Erst kürzlich hatte sie ihn nach einer heftigen Auseinandersetzung, die Günther mit dem Jungen gehabt hatte, liebevoll mahnend gefragt: „Günther, warst du nicht doch zu hart?“

Da hatte er ihr fast heftig geantwortet: „Er muss es lernen, die Wahrheit zu ertragen. Und was ich ihm zu sagen hatte, war nichts als die Wahrheit.“

Sie hatte ihm geantwortet: „Aber Wahrheit ohne Liebe zerstört.“

Und er hatte erwidert: „Liebe ohne Wahrhaftigkeit ist Gefühlsduselei.“

So hatte er sie verlassen und war hinüber in die Fabrik gegangen. Traurig war sie zurückgeblieben, und es hatte ihren Kummer nicht zu vertreiben vermocht, als er gleich darauf anrief: „Liebste, habe ich dich verletzt? Du weißt, dass ich das nicht will. Aber bitte, versuche .auch mich zu verstehen!“

Und sie hatte nichts gesagt als: „Ich hab’ dich lieb, Günther!“

Nein, sie ertrugen es beide nicht, dass auch nur ein leichter Schatten zwischen ihnen stehenblieb. Sie litten aber darunter, dass sich diese Augenblicke häuften.

„Daniel Zierkorn, Architekt“ war auf dem gehämmerten Schild zu lesen. Es war am Tag nach Friedhelmas Konfirmation. Sie stand vor dem Haus, das in einem gepflegten Garten lag, der gerade jetzt in frühlingsschöner Blüte stand. Goldregen, Flieder, Tulpen, Narzissen umgaben und schmückten den Rasen. Ein Summen und Singen durchzog die Luft, die mit köstlichen Wohlgerüchen erfüllt war. Erste Schmetterlinge belebten das liebliche Bild, und als sich ein Zitronenfalter auf Friedhelmas hellblaues Kleid setzte, hielt diese behutsam still, um den Frühlingsboten nicht zu verscheuchen. Erst als er weiterflog, drückte das Mädchen auf den Klingelknopf. Gleich darauf wurde die Türe geöffnet. Über das Gesicht der Haushälterin zog ein heller Schein: „Ah, die Friedhelma! Aber jetzt muss ich ja ,Sie‘ und ,Fräulein‘ sagen. Kommen Sie nur herein!“

„Was reden Sie denn, Frau Mutschel! Sie tun, als wenn ich mich seit gestern verändert hätte!“

„In früheren Zeiten war das aber so“, erwiderte die Frau. „Wenn ein Mädchen aus besserem Hause konfirmiert war, sprach man es nicht mehr mit du an.“

„Ach was, die Zeiten sind vorbei! Und was heißt schon ,besseres Haus‘?“

„Und so schön haben Sie – hast du ausgeschaut, Heimchen, in deinem schwarzen Kleid, und so ernst und feierlich!“ Die Haushälterin drückte beide Hände auf ihr Herz, und ihr Augenaufschlag ließ noch jetzt etwas ahnen von dem, was sie gestern in der Kirche empfunden hatte.

Friedhelma schüttelte den Kopf und lachte: „Frau Mutschel, Sie sehen noch heute direkt verklärt aus. Ich glaube, Ihnen war es feierlicher zumute als mir. Ich hatte nichts als gewaltiges Herzklopfen vor lauter Angst, ich könnte vor der ganzen Gemeinde beim Aufsagen steckenbleiben. Zum Glück passierte es nicht. Aber nun lassen Sie mich bitte zu Papa. Wo ist er? Hoffentlich ist nicht gerade irgendein Bauherr bei ihm.“

„Nein, Herr Zierkorn ist allein.“

Vorsichtshalber klopfte Friedhelma aber doch an die Bürotür.

„Herein!“ Unwillig hob der Architekt die Augen von seiner Arbeit. Dann erhellte ein froher Schein sein sonst so ernstes Gesicht. „Ach du bist es, Heimchen? Wie schön!“

„Störe ich nicht, Papa?“ Ohne seine Antwort abzuwarten eilte das junge Mädchen zum Schreibtisch ihres Vaters. Ehe er sich versah, hatte Friedhelma beide Arme um seinen Hals gelegt und ihm einen herzhaften Kuss gegeben. „Papa, ich muss dir noch einmal Recht herzlich danken! Gestern bei den vielen Menschen konnte ich es nicht so. Du hast mich ja so reich beschenkt! Nie hätte ich mir vorzustellen gewagt, dass du mir eine so wertvolle Uhr überreichen würdest – und dann diesen herrlichen Schmuck!“

Daniel Zierkorn hatte die Arme seiner Tochter von seinem Hals gelöst, behielt jedoch ihre Hände in den seinen. Dann trat er einen kleinen Schritt zurück und betrachtete Friedhelma mit einer Innigkeit, dass sie, die wohl merkte, wie bewegt ihr Vater war, lachend ausrief: „Nun fehlt nur noch, dass du ebenso wie Frau Mutschel ,Fräulein’ und ,Sie’ zu mir sagst. Sie zerfloss beinahe vor Feierlichkeit und sagte, früher sei man nach der Konfirmation nicht mehr mit du angesprochen worden.“

Nun lachte auch er. „Nein, das wirst du nicht erleben, dass ich ,Sie’ zu dir sage, Heimchen. Aber ich muss dir gestehen, dass es mir ähnlich wie der guten Mutschel ging, als ich dich gestern am Altar knien sah. Es war schon eine ernste und unvergessliche Stunde. Aber komm, wir setzen uns ein wenig hinüber ins Wohnzimmer.“

„Hast du wirklich ein bißchen Zeit für mich, Papa?“

„Ich nehme sie mir. Wenn man eine halberwachsene Tochter hat, dann wäre es zumindest sehr unhöflich, wenn man sich ihr nach ihrem Ehrentage nicht auch kurze Zeit widmen würde.“

Friedhelma entgegnete, wie vorhin bei Frau Mutschel: „Papa, ihr alle sprecht davon, wie feierlich es gestern war. Wenn ich aber ehrlich sein soll, war mir gar nicht so feierlich zumute. Zuerst hatte ich schrecklich Angst, steckenzubleiben, und – sag es aber ja nicht dem Herrn Pfarrer – als er mir die Hand auf den Kopf legte, um mich zu segnen, da dachte ich: Hoffentlich zerdrückt er mir nicht die ganze Frisur. Ich bin zwar gleich nachher über mich selbst erschrocken und habe versucht, mich auf das zu konzentrieren, was er sagte; aber meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Ich dachte ans Festessen und an meine schönen Geschenke und fragte mich, wann du mir endlich das Geheimnis sagen wirst. Und auf einmal war die Konfirmation vorbei und ich war nicht Recht bei der Sache gewesen und von Feierlichsein keine Spur. Ist das sehr schlimm, Papa?“

Daniel Zierkorn blickte seine Tochter schweigend an. Nein, eine junge Dame war sie wirklich noch nicht: ein echtes, unverdorbenes Kind sprach da seine Gedanken unbefangen aus. Da war noch nichts von dem Wunsch, Eindruck machen zu wollen.

Friedhelma wartete auf seine Antwort. Er dachte einen Augenblick nach. Dann sagte er: „Ja, Heimchen, es wäre sicher besser und richtiger gewesen, du hättest aufgemerkt, was der Herr Pfarrer sagte, als an den Festtagsbraten und deine Geschenke zu denken.“

„Warst du sehr feierlich bei deiner Einsegnung, Papa?“

Nun musste er doch lächeln. „So genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber wahrscheinlich ging es mir ähnlich wie dir. Erst später, wenn man älter und reifer geworden ist, erkennt man manches – aber oft ist es dann zu spät.“

Da war wieder der Schatten auf seinem Gesicht, über den sie oft schon heimlich nachgedacht hatte. Ob es mit ihrer Mutter, ihrer richtigen Mutter, zusammenhing? Dass Ricarda Hertrich ihre Pflegemutter war, wusste sie ja längst.

„Papa?“

„Ja, mein Kind?“

„Meinst du nicht, ich sei jetzt verständig genüg, dass du mit mir über – über das Geheimnis sprechen könntest?“

Er antwortete nicht gleich.

„Ich bin jetzt bestimmt alt genug, es zu verstehen. Du hast es immer wieder auf geschoben. Aber jetzt kannst du es mir doch endlich sagen, warum du meine Mutter nicht geheiratet hast.“

„Heimchen“ – Daniel Zierkorn fuhr sich mit der Hand über die Augen, als müsse er etwas wegwischen – „dafür benötigen wir Zeit. Aber ich will es dir versprechen, dass ich dir so viel sage, wie du verstehen kannst, wenn wir miteinander in die Ferien reisen.“

„Wie?“ Friedhelma sprang mit einem Jubelschrei auf. „Du fährst mit mir in die Ferien? Wir beide allein? Wohin?“ Und dann zögernd: „Aber schöner wäre es doch, wenn Vati und Mutti auch dabei wären.“

„Mutti meinte, es sei nötig, dass sie mit Vati einmal allein fortreise, weil es ihm gesundheitlich nicht gut geht. Da habe ich ihr vorgeschlagen, dass ich dich mitnehmen werde in die Schweiz, ins Berner Oberland. Magst du?“

Die darauffolgende Umarmung war so stürmisch, dass er Mühe hatte, sein Gleichgewicht zu behalten. „In die Schweiz, Vati? Ins Berner Oberland? Ich freue mich schrecklich. Und glaube mir, Vater, ich bin jetzt wirklich schon so vernünftig, dass du mit mir über alles sprechen kannst.“

Sein Gesicht erhellte sich. Lächelnd stand er auf. „Das Telefon läutet, ich muss gehen. Willst du auf mich warten?“

„Nein, Papa, ich habe noch einige Dankesbesuche zu machen. Aber gelt, du denkst an dein Versprechen?“

Frau Mutschel warf sichtlich gekränkt den Kopf zurück.

Geräuschvoller als sonst deckte sie den Tisch ab. Herr Zierkorn hatte, als sie vor fünf Jahren als Haushälterin zu ihm kam, angeordnet, dass sie die Mahlzeiten mit ihm zusammen im Esszimmer einnahm. Sie hatte es damals als große Ehre angesehen, ihm aber gleich die Zusicherung gegeben, dass sie sich sofort wieder in die Küche zurückziehen werde, wenn eine Frau ins Haus käme, womit doch sicher zu rechnen sei. Aber bis jetzt hatte es nicht den Anschein, als ob Herr Zierkorn auf Brautschau ging. Spielte sie einmal darauf an – sie nahm sich hin und wieder ihr nicht gerade zustehende Freiheiten heraus –, dann winkte er mit einer Handbewegung ab, als wolle er sagen: Es lohnt sich nicht, darüber zu sprechen.

Nun, ihr konnte es ja nur Recht sein, wenn es blieb, wie es war. Herr Zierkorn ließ sie im Haushalt selbständig wirtschaften; er schätzte ihren Fleiß und ihre Ordnungsliebe und nahm es hin, dass sie manchmal ein wenig geschwätzig war.

Heute aber ärgerte sie sich über ihn. Sie hatten miteinander das Abendessen eingenommen. War es nicht naheliegend, nach dem gestrigen bedeutsamen Tag, dem Festtag seiner Tochter, dass man noch einmal ausgiebig darüber sprach und sich in der Erinnerung an all das Feierliche und Festliche, an die schönen Kleider und das ausgezeichnete Essen, gewissermaßen am lieblichen Nachgeschmack des Erlebten freute?

Aber Herr Zierkorn war nicht darauf eingegangen, selbst als sie Friedhelma als angehende kleine Schönheit pries, als sie ihm sagte, dass er stolz auf seine hübsche und wohlerzogene Tochter sein könne, als sie betonte, welch unerhörtes Glück es für das junge Mädchen sei, bei so prächtigen Pflegeeltern aufzuwachsen. Er hatte, ohne auch nur mit einem Wort auf ihre Reden einzugehen, die Serviette zusammengelegt und durch den Ring gezogen. „Bitte räumen Sie jetzt den Tisch ab, Frau Mutschel.“

Sie konnte es sich aber doch nicht verkneifen, während des Zusammenstellens der Teller mit einem bedauernden Augenaufschlag und einem aus der Tiefe ihres so mitfühlenden Herzens kommenden Seufzer zu sagen: „Aber trotz allem ist's ein Jammer, wenn so ein liebliches Kind die rechte Mutter entbehren muss.“

„Friedhelmas Mutter ist gestorben!“ Kurz und knapp sagte es Herr Zierkorn. „Sie könnte es bei ihr nicht besser gehabt haben als bei ihren Pflegeeltern.“

Bereits in der offenen Türe wandte sich Frau Mutschel noch einmal um: „Ich weiß, ich weiß; aber sie hat sich ja vorher verheiratet und noch einem Jungen das Leben geschenkt.“

So, da hatte sie ihm wieder einmal zu verstehen gegeben, dass sie sich nicht täuschen ließ. Schließlich war man ja nicht blöd; umsonst hieß Friedhelma nicht Mangold. Hätte der Herr geheiratet, würde sein Kind den Namen des Vaters tragen. – Das hatte er nun davon, dass er sie so kurz abgefertigt hatte, wo sie sich doch so auf einen ausgiebigen Schwatz über den gestrigen Tag eingerichtet hatte.

Das Klappern des Geschirrs beim Abwaschen in der Küche drang bis zu Herrn Zierkorn; aber schon nach kurzer Zeit schien der Groll der Haushälterin wieder verflogen zu sein, sie ertrug es nicht, mit ihrem Herrn im Streit zu leben. Sie hätte dem Alter nach ja seine Mutter sein können und verwöhnte ihn liebevoll, als wäre er ihr Sohn, ohne im Geringsten zu merken, dass sie ihm damit oft auf die Nerven ging.

Sie streckte nach einer Weile den Kopf in sein Arbeitszimmer, in das er sich zurückgezogen hatte: „Herr Zierkorn, ich meine, es sei heute Abend Recht kühl geworden. Denken Sie nicht, dass ich Ihnen eine Wärmeflasche ins Bett tun sollte?“

Daniel Zierkorn blickte sie über seine Zeichnung hinweg an: „Danke, Frau Mutschel, aber das denke ich absolut nicht. Sie wissen ja, dass ich das nicht einmal im kältesten Winter ausstehen kann.“

„Ich hab's ja nur gut gemeint.“

„Ich weiß es. Gute Nacht!“

„Gute Nacht, Herr Zierkorn! Und bitte, gehen Sie nicht zu spät zu Bett! Es ist gestern …“

„Frau Mutschel!“ Mehr brauchte er nicht zu sagen, sie sah es seiner gerunzelten Stirne an, was dahinter vor sich ging.

„Ich gehe schon, ich wollte ja nur …“

Daniel Zierkorn hatte nicht vorgehabt, noch zu arbeiten. Wenn er sich dennoch in seine Zeichnungen vertiefte, war es wieder einmal Flucht vor den auf ihn einstürmenden Gedanken. Ärgerlich über sich selbst, stand er auf und durchquerte das Zimmer. Irgendwann musste er doch über all dem Gewesenen zur Ruhe kommen. Aber anscheinend gab es immer wieder Anlässe, die alles, womit man glaubte fertig zu sein und was man meinte abgelegt zu haben, wieder hervorholten.

Er ging in den Nebenraum und blieb im Dunkeln. Er vermied es, das Licht anzuschalten. Mochte die Mutschel denken, er sei noch einmal fort oder schon zu Bett gegangen.

Da saß er nun, der einsame Mann. Bereits vor einigen Jahren hatte er sich dieses schöne Haus erbaut. Er war ein gesuchter und geschätzter Architekt und hatte so viel Aufträge, dass er ihnen trotz seiner Mitarbeiter kaum nachkommen konnte. Geldsorgen hatte er nicht, und was das Wichtigste war: er hatte sich nach den Jahren innerer Irrfahrt zurückgefunden zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Für seine Eltern, für Ricarda Hertrich, seine Jugendfreundin, die lange Zeit um ihn gelitten und täglich für sein Zurückfinden gebetet hatte, vor allem aber für ihn selbst war dies das tiefste Erlebnis und für sein weiteres Dasein ausschlaggebend gewesen.

Aber er war allein. Und wenn er sich auch immer wieder fast suggestiv sagte, dass es ihm nichts ausmache, ja dass er dieses Alleinsein sogar brauche, so gab es doch Stunden, in denen es ihn bedrückte und wo er sich nach dem Du seines Lebens sehnte. Manchmal hatte er auch erwogen, zu heiraten. Er hatte, als er aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, Ricarda als die Frau eines anderen angetroffen. Später hatte er sich aus Trotz und Auflehnung, nicht aus Liebe, mit der Tochter seines Chefs verlobt, glücklicherweise aber noch frühzeitig die Torheit dieser Entscheidung eingesehen und die Verlobung gelöst. Seitdem stand es für ihn fest, nicht mehr zu heiraten. Er wählte bewusst das Alleinsein.

Aber – war er es wirklich? Konnte man von Alleinsein sprechen, wenn man ein Kind, eine solch liebliche Tochter, hatte? Dass diese Tatsache ihn verpflichtete, das war ihm klar, und er hatte es nicht anders getan, obgleich sich Friedhelmas Pflegeeltern dagegen sträubten: er zahlte und sorgte für sein Kind. Unfasslich schien es ihm heute, dass es eine Zeit gegeben hatte, wo er nichts von seiner Tochter hatte wissen wollen und sich nicht um sie kümmerte.

Gott sei Dank hatte er einen prächtigen Freundeskreis; vor allem war der Umgang mit Friedhelmas Pflegeeltern für ihn eine Quelle der Anregung und immer neuer Erkenntnisse. Undenkbar, diese Verbindung zu missen. Nicht allein dass es ihn zu seiner Tochter zog, auch die beiden Menschen, die seinem Kinde Haus und Herz geöffnet hatten, längst bevor er sich um es kümmerte, waren ihm zu lieben und treuen Freunden geworden. Außerdem lebten seine Eltern noch, und es gehörte zu den Geschehnissen, für die er immer wieder dankte, dass er wieder zu ihnen heimgefunden hatte, nachdem vor Jahren eine tiefe Kluft zwischen ihnen aufgebrochen war. Auch dieses war seinem Zurückfinden zu Gott und dem daraus hervorgegangenen persönlichen Verhältnis ihm gegenüber zu verdanken.

Aber all dies vermochte nicht auszulöschen, was wie ein Schatten über seinem Leben lag, und es war ihm ein sorgenvolles Anliegen, dass er immer klar erkennen möge, was der ihm vorgeschriebene Weg sei.

Das Versprechen, das er heute aufs Neue seiner Tochter gegeben hatte, beschäftigte und – er musste es sich selbst eingestehen – beunruhigte ihn an diesem Abend sehr. Wie sollte er zu diesem Kind von dem sprechen, was er vor mehr als vierzehn Jahren erlebt hatte! Aber schuldete er Friedhelma nicht die volle Wahrheit? Doch war es nicht besser, wenn er Ricarda diese Aufgabe überließ? Ja, wenn es noch ein Sohn gewesen wäre, mit dem er über diese Probleme hätte reden müssen! Aber dieses zarte Mädchen, das ihn aus denselben großen Augen fragend anblickte, wie damals Käthe, die Mutter.

Daniel Zierkorn vergaß Zeit und Stunde, als er noch einmal die Vergangenheit an sich vorüberziehen ließ, heute am Tag nach der Konfirmation seines Kindes, das in Kürze die Kinderschuhe abstreifen würde und ein Recht hatte, die Geschichte seines Lebens kennenzulernen.

Nein, er war damals nicht freudig begeistert und voll Patriotismus in den Krieg gezogen wie so viele andere. Es graute ihm davor, und dieses Grauen hatte sich von Tag zu Tag, besonders aber bei den furchtbaren Erlebnissen an der Front, nur vertieft.

Nicht, dass er begeisterungsunfähig gewesen wäre, nein! Aber es mussten wahrhafte Ideale sein, für die er sich begeistern konnte. Er gehörte zu einem Kreis junger Menschen, die damals im Hause des Lederfabrikanten Dörrbaum, das heißt bei dessen Tochter Ricarda, zusammenkamen. Ricarda und er waren als Nachbarskinder miteinander aufgewachsen. Das Pfarrhaus lag neben der Villa des Fabrikanten. Noch bevor sie zur Schule gingen, waren die Kinder der beiden Häuser durch eine Lücke in der Hecke, die das Pfarrhaus umgab, zueinander in die Gärten geschlüpft. Sie hatten zusammen den Kindergarten, später die Schule und ebenso den Konfirmandenunterricht besucht. Aus der Kinderfreundschaft war eine Jugendliebe geworden. Dem Einfluss Ricardas, die schon als junges Mädchen den Entschluss gefasst hatte, nicht nur dem Namen nach ein Christ zu sein, sondern bewusst als solcher zu leben, war es nebst dem spürbaren Wirken Gottes, von dem sie damals selbstverständlich und ohne Scheu sprachen, zu verdanken, dass auch sie diese Richtung einschlugen. Bei ihren Zusammenkünften waren damals Worte gefallen wie Bekehrung, persönliche Entscheidung, Reue, Buße, Heilsgewissheit, Leben in der Nachfolge Christi und andere mehr. Seltsam, wenn Daniel heute nach all den Irrwegen seines Lebens daran zurückdachte, dann musste er sich eingestehen, wieviel schwerer als damals es ihn jetzt ankam, über das zu reden, was Gott sei Dank auch heute wieder in ihm groß und mächtig geworden war. Er hatte sich wieder zurückgefunden; aber irgendwie fiel es ihm längst nicht mehr so leicht wie damals, seine Überzeugung zu bekennen. Das musste wohl die Zeit der ersten Liebe gewesen sein, von der die Bibel spricht. Ja, es war in der Tat etwas im Innern der jungen Menschen, des Kreises, der sich um Ricarda scharte, auf gebrochen: ein Feuer, von Gott selbst entzündet.

Es war eine unvergesslich schöne, aber auch eine Zeit heftigen Kampfes gewesen. Derartig entschieden christlich ausgerichtete Kreise waren keineswegs in der Zeit des Dritten Reiches beliebt und mussten ständig mit ihrer Auflösung rechnen. Aber gerade das Wissen um diese Anfeindung schien den jungen Menschen ein Beweis der Bestätigung Gottes für ihren Weg zu sein. War es nicht den ersten Christen auch so ergangen, und hatte es in der Geschichte des Christentums nicht immer Zeiten gegeben, wo man mit Anfeindung, ja sogar mit Verfolgung zu rechnen hatte?

Sehr schwer war es für ihn damals gewesen, sich aus diesem Kreis zu lösen und in den Krieg zu ziehen, dessen Sinn er nicht verstehen konnte. Besonders nahe aber war ihm der Abschied von Ricarda gegangen. Bis dahin war das bindende Wort zwischen ihnen nicht gesprochen worden. Am Abend vor seinem Einrücken hatte Daniel Ricarda gefragt, ob sie seine Frau werden wolle, wenn er aus dem Krieg zurückkehren würde, und er hatte sie bereits an seiner Seite in irgendeinem Pfarrhaus gesehen. Schon seit seiner Kindheit wusste er, dass er Pfarrer werden sollte. Seit Generationen hatte in der Familie seiner Mutter stets der älteste Sohn Theologie studiert. Traditionsgemäß würde dies auch sein Weg sein. Seitdem er selbst von der Kraft des Christentums ergriffen worden war, glaubte er auch von einem inneren Auftrag zu wissen.

Dann war das Unfassliche geschehen: Ricarda sagte ihm wohl, dass sie ihm gut sei, aber ihr Jawort gab sie ihm nicht. Das Wort, das ihm gewissermaßen Bindung an die Heimat sein sollte, blieb unausgesprochen. Sie sähe ihren Weg noch nicht klar vor sich; er dürfe sich nicht gebunden fühlen; man könne das Ende des Krieges noch nicht absehen. Sie bat ihn, noch zu warten, zumal seine Mutter und ihr Vater nicht für ihre Verbindung waren.

Schmerz und Empörung hatten damals in ihm gekämpft. Er verstand Ricarda nicht. Genügten nicht all die Jahre ihrer Kinder- und Jugendfreundschaft? Hatte er nicht ungezählte mal das Jawort ihrer Liebe in ihren Augen gelesen und in ihrem, ihm zugewandten Wesen gespürt? Es hatte ihn beinahe zu Boden geschmettert, dass sie ihn so hatte in den Krieg ziehen lassen.

Heute aber, nach all den Jahren meinte er zu wissen, dass sie, die Sensible, mit dem feinen Empfinden ihrer Seele gespürt hatte, dass ihm die innere Reife, die Festigkeit noch fehlte. In jener Zeit, nachdem er an ihr schuldig geworden war, hatte er ihr gegrollt, weil er sich dies damals nicht ohne weiteres eingestehen wollte. Sie hätte ihn durch ihr Jawort bewahren und das, was sie nachher trennte, verhüten können. Heute wusste er, dass dies nicht der Fall gewesen wäre. Er selbst hatte kläglich versagt und war ihrer nicht würdig gewesen.