Das Zen des glücklichen Arbeitens - Peter Steiner - ebook

Das Zen des glücklichen Arbeitens ebook

Peter Steiner

0,0

Opis

Das Erste, was wir verstehen sollten, ist, dass ein Job nie einfach nur ein Job ist. Unsere Arbeit ist Ausdruck unseres Lebens, und wir alle verbringen sehr viel Zeit damit. Grund genug, hier für mehr Zufriedenheit zu sorgen. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Einzigartigkeit unseres Tuns, sondern vielmehr darum, wie wir etwas tun. Zen kann hier Klarheit schaffen. Wer bin ich und was will ich wirklich? Was ist nur aufgesetzt und was entspricht mir tatsächlich? Diesen entscheidenden Fragen widmet sich diese kurzweilige Einführung in die Praxis des Zen, die uns hilft, tiefer zu blicken und neue Zusammenhänge zu erkennen. Denn mit der Praxis des Zen fi nden wir Frieden und Glück in uns selbst, die wiederum Basis für wahrhaft erfolgreiches Handeln sind.

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 200

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Vollständige E-Book-Ausgabe der bei J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH erschienenen Printausgabe

Peter Steiner: Das Zen des glücklichen Arbeitens© Theseus in J. Kamphausen Verlag & Distribution GmbH, Bielefeld 2012Lektorat: Nadja RosmannUmschlaggestaltung: Morian & Bayer-Eynck, Coesfeld, www.mbedesign.deSatz: KleiDesign, Bielefeld, klei-design.deUmschlagfoto: © joef / fotolia.de

www.weltinnenraum.de

1. Auflage 2012

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diesePublikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internetüber http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Printausgabe: 978-3-89901-426-6ISBN E-Book: 978-3-89901-694-9

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, foto mechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten.

Peter Steiner

Das Zen des glücklichen Arbeitens

Mehr Sinn und Zufriedenheit in Job und Alltag

Vorwort

IARBEIT UND SINN – GEGENSATZ ODER GLÜCKLICHE ERGÄNZUNG?

Erfolgreicher arbeiten mit Zen?

Arbeit als wesentlicher Ausdruck unserer selbst

Sinn ist etwas anderes als Karriere

Zufriedenheit entsteht mehr im Wie als im Was

Der Wert dessen, was wir tun, ist das, was wir sind

Den eigenen Weg finden

IIEINFACH UND KLAR – ZEN IM ARBEITSALLTAG

Das Herz des Zen: Einfachheit, Klarheit, Geduld

Der Wandel in der Wahrnehmung

Neue Gewohnheiten verändern das Leben

Übe täglich – und lasse nichts wichtiger sein als das!

Den Alltag zum Maßstab machen

Jede schwierige Situation ist ein Zen-Training

Haltung bewahren

Innere Ruhe überwindet alles: Die Stille inmitten der Hektik

Zen und Kreativität

IIIMEHR ALS NUR DAS – EIN WEG FÜRS GANZE LEBEN

Wie gut Ihr Zen ist, können Sie an Ihren Entscheidungen erkennen

Viel Geld verdienen kann man trotzdem

Probleme ohne Zen, Probleme mit Zen

Zen ist mehr als nur das: Dem Leben eine neue Richtung geben

Dem großen Fluss folgen – Glück in Aktion

Weiterführende Zen-Literatur

Über den Autor

Vorwort

Ich glaube, dass die Arbeit zu der Freude, die diese Arbeit macht, zurzeit in einem ziemlich unschönen Verhältnis steht. Es gibt dazu sogar statistische Angaben. So besagen seit Jahren durchgeführte Studien des Gallup-Instituts, dass gut 80 Prozent aller Arbeitenden mit ihrem Job unzufrieden sind und nur eine geringe emotionale Bindung an ihr Unternehmen haben. Ist das nicht geradezu erschreckend?

Ist es – aber darüber will ich mich gar nicht auslassen. Ich befasse mich mit Zen, und eine der Grundlagen des Zen ist, dass man sich nicht über das Schlechte auslässt, sondern die Möglichkeiten des Guten für sich nutzt. Das ist es, was ich mit diesem Buch versuchen möchte: Wie kann Zen helfen, glücklicher im Job zu werden und das Leben generell entspannter und sinnvoller anzugehen?

Zen ist natürlich kein Allheilmittel. Aber es kann uns eine andere Sichtweise ermöglichen, und wenn unser Blick sich verändert, verändert sich alles. Das ist eines der Geheimnisse des Zen. Wir beginnen, anders mit unserer Wahrnehmung umzugehen, und dadurch erscheint alles in einem anderen Licht. Und wenn wir die Dinge anders zu sehen beginnen, erweitern wir direkt auch unsere Möglichkeiten und können entsprechend auf eine neue und umfassendere Weise Einfluss darauf nehmen.

Trotzdem sind 80 Prozent unglückliche Arbeitnehmer natürlich eine horrende Zahl. Ich weiß auch nicht, ob sie wirklich stimmt. Ich möchte es jedenfalls nicht glauben. In was für einer Welt würden wir leben, wenn darin sehr viele Menschen mit einer ihrer Hauptbeschäftigungen im Leben derart unglücklich wären? Da müsste ja etwas komplett schiefgelaufen sein. Eines aber ist sicher: Der Druck in der Arbeitswelt nimmt durch eine stärker werdende Konkurrenz zu, die Arbeitsabläufe werden durch die Technisierung eher stupider, aber gleichzeitig eben auch herausfordernder, und der Stress wird durch all diese Umstände nicht weniger.

Andererseits kann Arbeit aber auch etwas absolut Erfüllendes und Sinngebendes sein – sie ist eine der bedeutendsten Möglichkeiten auszudrücken, wer wir sind und woran uns etwas liegt. Wir sind hier, um unsern Beitrag zur Welt zu leisten, und unsere Arbeit ist dabei von großer Bedeutung. Sie ist eine wirklich große Gelegenheit.

Woher aber nehme ich überhaupt die Legitimation, dieses Buch zu schreiben? Nun, ich bin ein Wanderer zwischen den Welten. Ich habe 20 Jahre lang in der Kommunikationsbranche gearbeitet, ein eigenes Unternehmen aufgebaut, viel gearbeitet und viel gelernt. Aber ich beschäftige mich auch seit vielen Jahren mit Zen und konnte diese wundervolle Übungspraxis und Lebensart in mein Leben einfließen lassen und es dadurch enorm bereichern. Ich kenne also beiden Welten und finde es sehr faszinierend, sie zu verbinden. Wir sind in den westlichen Kulturkreis hineingeboren, und ich halte wenig davon, dass wir einfach blind andere Systeme oder Philosophien übernehmen. Ich glaube nicht, dass wir uns eine Praxis wie die des Zen einfach eins zu eins aneignen können. Wir müssen sie mit unserer Form des Lebens vereinen. Sie durch unsere eigenen Zellen sickern und dadurch etwas Neues entstehen lassen – so dass unser eigenes Zen entsteht.

„Das Zen des glücklichen Arbeitens“ ist eine Möglichkeit, damit zu beginnen. Wie können wir die Denkweise und die Haltung des Zen in unser Leben und in unseren Job bringen? Wie können wir profitieren von dieser alten Tradition, die uns durch Übung tiefer in uns selbst blicken lässt und uns erstaunliche Zusammenhänge aufzeigt, die uns sonst verborgen blieben?

Unsere Arbeit ist ein gutes Übungsfeld für Zen. Es herrschen da ja nicht immer ganz einfache Umstände, und Zen liebt das geradezu. Mit jedem Arbeitstag finden wir Gelegenheit, unsere Aufmerksamkeit zu schulen und unsere Haltung wie auch unsere Reaktionen zu verbessern. So ist jeder Arbeitstag dann nicht mehr nur ein Arbeitstag, sondern auch ein Zen-Tag. Wir arbeiten, werden dafür bezahlt und finden gleichzeitig Gelegenheit, uns in Zen zu üben.

Ich denke, das ist etwas vom Besten, das wir von unserer Arbeit, nebst der Freude, die sie uns eigentlich machen soll, erwarten können: dass sie uns Gelegenheit gibt, uns zu entwickeln und zu reifen. Auch wenn nicht immer alles ganz einfach ist: Wenn wir uns dadurch entwickeln können und lernen, die Dinge besser zu verstehen, können auch schwierige Umstände zu einem großen Gewinn für uns werden.

Denn dafür ist das Leben eigentlich da: dass es ein Gewinn für uns und unsere Mitmenschen ist. Auch an jedem Arbeitstag.

IArbeit und Sinn – Gegensatz oder glückliche Ergänzung?

Erfolgreicher arbeiten mit Zen?

Es mag sich unglaubwürdig anhören, aber eine so einfache Praxis wie Zen kann unser Leben tatsächlich erfolgreicher machen. Nur dass der Zen-Blick diesen „Erfolg“ nicht auf die gewohnte Weise sieht – nicht eindimensional in Form von Geld, Karriere und Prestige, sondern vielmehr auf das Ganze ausgerichtet: Es geht im Zen um Glück, innere Zufriedenheit und vertiefteres Bewusstsein. Um ein solides Gleichgewicht und eigene Stärke. Und das alles hat natürlich auch in der Arbeitswelt Platz.

Dabei spricht nichts gegen Geld, Karriere und Prestige, wenn diese mit Glück, Zufriedenheit und Erkenntnis einhergehen. Zen hat nichts Weltfremdes an sich. Es findet mitten im Leben statt. Man darf das Leben genießen, Erfolg haben, man braucht nicht allem zu entsagen, wie manchmal vermutet wird; es geht einfach darum, dass wir den Blick bei alldem immer auf das Bedeutsame gerichtet halten: auf unser wahres Glück, das eben aus einer anderen Quelle kommt.

Wenn wir im Zen also von Erfolg sprechen, geht es mehr um innere Fähigkeiten als um äußere Begebenheiten. Diese inneren Fähigkeiten werden sich zwar unweigerlich auf alles Äußere auswirken – aber das ist nicht das eigentliche Ziel, sondern ein schöner Nebeneffekt.

Der Erfolg kommt einfach, wenn wir das Richtige tun. Davon sind wir im Zen überzeugt. Und der Erfolg wird genau die Konturen annehmen, die er für uns annehmen soll. Das ist etwas von dem, was ich am Zen am meisten schätze: Wir müssen uns über so manches einfach keine Gedanken mehr machen, wenn wir einmal die Grundmechanismen des Lebens verstanden haben. Wenn wir genauer erkennen, wie Erfolg entsteht, aber auch welche Formen des Erfolgs uns häufig im Wege stehen können, dann werden wir beginnen, anders mit ihm umzugehen.

Erfolg ist also zuerst einmal etwas sehr Persönliches. Für den einen mag es ein Erfolg sein, wenn er möglichst viel Geld verdient. Ein anderer wertet es als seinen größten Erfolg, wenn er eine Erfindung macht, die den Menschen weiterhilft. Wieder jemand anders braucht eher Prestige und fühlt sich wunderbar erfolgreich, wenn ihn die Menschen auf der Straße erkennen. Und dann gibt es noch jene, die einfach das tun wollen, was ihnen am Herzen liegt – die also ihrer inneren Stimme folgen möchten, ihrer wahren Berufung, ihrem eigenen Sinn.

Ich glaube also, dass Erfolg nicht gleich Erfolg ist. Und ich glaube sehr daran, dass „unser Erfolg“ kommt, wenn wir das für uns Richtige tun. Hier liegt nun aber bereits das erste Hindernis vor uns: Wir leben in einer Gesellschaft, die uns sehr strikt erklärt, welche Formen von Erfolg zulässig sind und welche weniger Wertschätzung erfahren. Wir werden also darauf getrimmt, bestimmten Erfolgsregeln zu entsprechen. Unsere ganze Ausbildung und all unsere Werte laufen auf dieses eine Erfolgsrezept hinaus: Bringe Leistung!

Nun geht es hier nicht darum, ob ich persönlich das gut finde oder nicht; es ist allein entscheidend, ob Sie das wollen oder ob Sie etwas anderes bevorzugen. Wenn Sie damit einverstanden sind – wunderbar. Wenn Sie denken, dass das nicht ganz Ihrem Empfinden entspricht, dann wird es schwieriger. Mitzumachen ist immer einfacher, als seinen eigenen Weg zu finden. Wer sich der Leistungsnorm beugt, der wird von der Gesellschaft akzeptiert und erhält Bestätigung von allen Seiten. Wer aber nicht einfach der Mehrheit folgt, wählt immer einen etwas einsameren und schwierigeren Weg.

Da Sie sich aber anscheinend mit Zen befassen wollen, sind Sie bereit, sich dem zu stellen. Zen bietet kein Prestige. Sie können damit kaum Karriere machen. Zen praktiziert man aus persönlichem Antrieb. Ich selber bin beispielsweise sehr davon überzeugt, dass eine geduldige Zen-Praxis etwas vom Besten ist, das wir für uns und unser Leben tun können. Aber es ist zuerst einmal etwas sehr Persönliches. Sie tun es für sich. An diesem Punkt beginnt Zen, und an diesem Punkt endet Zen auch. Sie und Zen. Kein Prestige, keine Karriere, keine Lohnerhöhung als vordergründiges Ziel.

Wenn Zen dann zu wirken beginnt, wenn unser Geist sich klärt und er dadurch genauer wahrnehmen und handeln kann, dann kommt der Lohn. Aber das wird nicht gleich am Anfang so sein. Das kann zwar vorkommen, ist aber eher unwahrscheinlich. Der erste Erfolg, den jemand verbucht, der Zen zu praktizieren beginnt, ist, dass er es überhaupt tut. Das Tun ist immer der erste Schritt. Ohne dass wir etwas tun, kann nichts werden.

Werten Sie es also bitte als Erfolg, wenn Sie Zen praktizieren. Wenn Sie nicht gleich aufgeben, schenken Sie sich damit völlig neue Möglichkeiten. Sie investieren Zeit und Hingabe in etwas, wovon Sie zwar vielleicht noch nicht viel verstehen, aber Sie tun es. Sie geben sich eine Chance.

Was aber ist Zen eigentlich, wenn das reine Praktizieren schon ein Erfolg sein soll? Man kann es als Schulung des Geistes bezeichnen. Als Meditationsform. Oder man kann es als Methode sehen, unsere Wahrnehmung zu verfeinern und damit die subtileren Zusammenhänge des Lebens zu erkennen. Aber im Grunde ist Zen einfach die beste Weise, für eine gewisse Zeit des Tages nichts zu tun – woraus sich dann erstaunlicherweise unendliche und ungeahnte neue Möglichkeiten ergeben. Die Kern-Übung des Zen ist Meditation1, eine Übung, die unser Leben von Grund auf verändert. Ich selber praktiziere nur Zazen, sonst nichts. Und ich lasse dann die darin gemachten Erfahrungen einfach weiter durch mein Leben fließen. Das ist alles. Zazen, stilles Sitzen, ist die Basis. Alles Weitere entwickelt sich aus dieser Erfahrung heraus. Das ist Zen.

Wir befreien uns von unseren festgefahrenen Ansichten und Vorstellungen. Und damit eröffnet sich uns ein viel weiterer Horizont.

Ich kann meiner Freude über Zen kaum angemessen Ausdruck verleihen. Aber mein Verständnis des Zen ist eben auch ein ziemlich außergewöhnliches: nämlich ein ganz und gar alltägliches. In der Regel verbindet man mit dem Zen-Buddhismus ja eher strenge Rituale, schwarze Roben, schmerzende Beine und eine gewisse Abgewandtheit von den Dingen. Mein Zen hingegen ist pures Alltags-Zen. Es ist für mich in diesem Moment zu finden, in diesem Atemzug, in der momentanen Körperhaltung, im Umgang mit allem.

Deshalb lässt sich Zen für mich eben auch in der alltäglichen Arbeit finden. In jeder alltäglichen Arbeit gibt es diesen Moment, diesen Atemzug und die momentane Körperhaltung. Wenn ich mit diesen Dingen richtig umzugehen beginne, kann Zen auch dort entstehen. Und mit ihm mehr Zufriedenheit, Gelassenheit und ganz neue Sichtweisen. Unser Inneres wird friedlicher, alles wird leichter; es gibt zwar nach wie vor bessere und schlechtere Tage, aber es beginnt sich trotz aller Umstände etwas in uns zu entfalten, das über diesen stimmungsabhängigen Empfindungen steht und uns einfach erfüllt sein lässt von dem, was ist: indem wir einfach da sind und das tun, was wir tun.

Das ist das Zen des Erfolgs. Es mag sich zum Schluss auch in Prestige auszahlen oder in einem hohen Gehalt, aber der Kern ist immer derselbe: Wir haben in uns – durch das Praktizieren von Zazen – etwas Tieferes gefunden, das unabhängig von äußeren Bewertungen ist. Wir sind freier geworden, das zu sein, was wir sind, und das zu tun, was uns entspricht.

Das ist ein großes Glück und vielleicht sogar das Ziel unseres Lebens: Wir können uns selbst besser gerecht werden und stehen uns selbst weniger im Weg. Wir nehmen so manche Kleinigkeit nicht mehr so ernst und sind bei den für uns wesentlichen Dingen dafür umso hartnäckiger. Wir wissen einfach, worauf es ankommt und wo wir leichten Herzens auch mal nachgeben können, weil der Aufwand sich nicht lohnt.

Sie sehen also: In meinen Augen spricht nichts gegen Erfolg. Aber wir sollten einfach nicht jeden Preis dafür zahlen. Unser Leben ist mehr wert als die Arbeit, die wir tun. Unsere Arbeit sollte im Idealfall dazu beitragen, unser Leben wertvoll und erfüllt zu machen. Sie sollte helfen, das auszudrücken, was wir sind. Und sie sollte uns die Möglichkeit geben, das Leben anderer Menschen durch unseren Beitrag ebenfalls besser zu machen. Und wenn dies alles nicht der Fall ist, dann sollte uns unsere Arbeit wenigstens nicht zermürben und auslaugen. Wir sollten sie auf eine Art und Weise tun können, die es zulässt, dass wir auch in diesen kleinen Aufgaben Zufriedenheit finden. Das ist durchaus möglich. Wir können uns ganz auf das konzentrieren, was wir tun. Wir können es mit Hingabe erfüllen, mit unserer eigenen Qualität des Handelns. Es ist nicht nötig, dass jeder von uns großartige Dinge leistet. Wir alle tragen einfach unseren Teil zum Leben bei – mögen dies größere Aufgaben sein oder kleinere. Das ist nicht das Entscheidende. Ich glaube, der Maßstab ist ein anderer. Es geht nicht so sehr um die Einzigartigkeit unseres Tuns, sondern darum, wie wir etwas tun. Wir haben einen Platz erhalten im Leben, und die Art und Weise, wie wir diesen Platz ausfüllen, ist entscheidend. Wir wurden an einem bestimmten Ort geboren, wurden von unserem Umfeld geprägt und haben eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Dies können wir mit Hingabe und Weitblick tun, oder wir können einfach alles nur mit Ach und Krach erledigen. Wie wir etwas handhaben, liegt immer bei uns. Und Erfolg kommt eben oft gerade dadurch zustande, dass wir mit einer Sache auf bestimmte Weise umgehen. Mit einer bestimmten Sichtweise, Haltung, Absicht.

Das ist der Zen-Ansatz. Wir üben uns darin, unsere Sichtweise zu ändern. Nicht mehr nur die Oberfläche zu sehen und die offensichtlichen Begebenheiten, sondern nach und nach tiefer zu blicken und neue Zusammenhänge zu erkennen. Dies ist der erste Schritt. Wenn sich unsere Sicht- und Wahrnehmungsweise zu ändern beginnt, hat dies direkte Auswirkungen auf unser Handeln. Sobald wir etwas anders sehen, beginnen wir anders zu entscheiden. Die Änderung der Sichtweise hat andere Gedanken zur Folge, und andere Gedanken ziehen andere Handlungen nach sich. Das ist unausweichlich. Und je mehr sich unser Blick schärft, desto größer wird unser persönlicher Erfolg. Unsere Art zu sein und zu handeln verändert sich.

Zen beginnt am Anfang, da wo alles entsteht. Es hat keinen Sinn, bei den Gedanken zu beginnen, wenn diese nur bei einer bestimmten Sichtweise entstehen. Wenn Dinge falsch laufen, weil wir Situationen falsch einschätzen, dann liegt der Fehler in unserer falschen Wahrnehmung. Wir nehmen etwas an, aber das entspricht nicht den Tatsachen. Aufgrund unserer Annahme handeln wir also entgegen der Tatsachen – und kommen so zu einem falschen Ergebnis.

Die ursprüngliche Fehleinschätzung liegt in der Wahrnehmung, in unserer Bewertung einer bestimmten Situation.

Deshalb müssen wir auch bei der Wahrnehmung und bei unseren Bewertungen beginnen. Das ist das, was wir im Zen die „Schulung des Geistes“ nennen. Wir beginnen da, wo unser Leben sich entscheidet: in unserem Geist, bei unserer Wahrnehmung. Wir beginnen, damit ganz subtil auf andere Weise umzugehen.

Eine Handlung ist nur ein finaler Akt. Gedanken sind nur eine Folge von etwas. Da, wo dieses „Etwas“ entsteht, liegt unsere wahre Chance. An der Quelle von allem.

Für mich gibt es keinen größeren Erfolg, als dies zu entdecken: das, was wir sind, und das, woraus sich unser Leben entwickelt. Das Leben zu verstehen ist für mich also Erfolg schlechthin. Mit ihm weise umgehen zu können geht über jedes Prestige und jede noch so hohe Lohnzahlung hinaus. Wir alle können ein bisschen weiser werden – und das ist nichts, was wir je wieder verlieren werden. Prestige und Geld können wir jederzeit verlieren, wahrer Erfolg bleibt. Er ist das, was wir in uns selbst entdeckt haben.

Wir können mit Hilfe der Praxis des Zazen Frieden und Glück in uns finden, welche zur Basis für wahrhaft erfolgreiches Handeln werden. Was immer wir dann auch tun, wir werden es erfolgreich anstellen. Wenn die Basis stimmt, werden die Auswirkungen entsprechend sein.

Lassen Sie uns also an dieser Basis mit der Arbeit beginnen.

1 Ich verwende die Begriffe Zazen, Zen-Meditation, Sitzen im Zen und „Sitzen“ als Synonyme. Sie meinen alle dasselbe. Auf Seite 96 finden Sie zudem eine konkrete Anleitung dafür.

Arbeit als wesentlicher Ausdruck unserer selbst

Eine Arbeit oder Aufgabe erfüllt uns dann am meisten, wenn sie mit unseren persönlichen Wertvorstellungen übereinstimmt. Wir nennen das dann „mit der Arbeit eins sein“. Je weniger dies der Fall ist, desto mühsamer und quälender wird jede Tätigkeit. Das Optimum erreichen wir also, wenn wir im Äußeren tun, wovon wir auch im Innern überzeugt sind – so wird berufliche Erfüllung zu einem der besten Glücksrezepte. Wenn unsere Werte und unsere Ideale sich in unserem Tun ausdrücken und sich unsere positiven Eigenschaften damit entsprechend weiterentwickeln können, läuft alles wie von selbst.

Die Realität jedoch sieht anders aus. Wir übernehmen Jobs, weil wir einfach Geld verdienen müssen. Wir verharren in Tätigkeiten, weil wir das, was wir uns aufgebaut haben, nicht aufgeben wollen. Wir tun Dinge, weil sie uns vor allem (scheinbare) Wichtigkeit verleihen. Oder wir wissen überhaupt nicht, was wir eigentlich wollen. Wir tun das, was wir tun, weil wir einfach keine bessere Option erkennen können. Wir sehen nicht, was wir eigentlich tun möchten. Das ist die zermürbendste aller Varianten.

Nicht zu wissen, was man wirklich tun möchte, ist nicht so schlimm und passiert wohl den meisten Menschen irgendwann im Leben. Und es ist zudem ein wundervoller Hinweis darauf, wo wir ansetzen müssen, denn es zeigt zunächst einmal, dass wir uns selbst einfach nicht genug kennen. Wir wissen nicht, worum es uns geht und was uns wirklich etwas wert ist. Wir verstehen uns selbst nicht. Wir erkennen nicht, worauf unsere Motivationen und Absichten eigentlich gründen Und aus Ahnungslosigkeit machen wir dann einfach irgendeinen Job.

Das ist ein Hinweis darauf, dass wir uns ein wenig ernsthafter mit uns selbst befassen sollten. Wenn wir nicht wissen, worum es uns eigentlich geht, erkennen wir einen bedeutenden Teil von uns selbst nicht und investieren dann viel Zeit in etwas, das möglicherweise (oder sehr wahrscheinlich) nicht das ausdrückt, wozu wir eigentlich fähig wären. Wir widmen unsere Energie dann einer Sache, die nichts mit uns zu tun hat. Und die vermutlich nichts mit dem zu tun hat, weshalb wir eigentlich hier sind.

Laufen wir damit nicht Gefahr, dass wir unsere eigentliche Aufgabe verpassen? Dass wir nur einen Job erledigen, aber keiner Berufung folgen, wie es vielleicht sein könnte?

Wie viele Gelegenheiten haben wir, so viel von uns selbst zu zeigen und so viel beitragen zu können wie durch unsere Arbeit?

Gerade im Zen schenken wir diesem Punkt große Aufmerksamkeit. Wofür engagieren wir uns? Was ist uns wichtig? Was fördern wir? Das sagt einiges über uns selbst aus. Mit jeder unserer Handlungen unterstützen wir etwas. Was immer wir tun, hat unweigerlich seine Auswirkungen. Durch unsere Arbeit zeigen wir einen großen Teil dessen, was wir sind. Wir geben wertvolle Zeit und Energie für etwas. Wir tragen zu etwas bei.

Was ist es, wozu wir beitragen?

Im Buch „Writings“ der Künstlerin Agnes Martin lese ich: „Arbeit ist ein Ausdruck unserer selbst. Wir dürfen nicht glauben, dass der Ausdruck unserer selbst etwas ist, was wir tun oder nicht tun können. Der Ausdruck unserer selbst ist nicht zu umgehen. In deiner Arbeit, in der Art, wie du deine Arbeit verrichtest, und im Ergebnis deiner Arbeit äußert sich dein Sein.“

Es geht also nie nur um einen Job. Wir gestalten immer auch ein wenig die Welt durch unser Tun. Wenn das mit unseren eigenen Wertvorstellungen übereinstimmt, ist eine Arbeit richtig für uns. Wenn wir durch unsere Arbeit aber Dinge unterstützen, die unseren Überzeugungen zuwiderlaufen oder einfach nichts mit ihnen zu tun haben, entzweien wir unser Inneres und unser Äußeres. Wir spalten uns in zwei Teile: einen Teil der Überzeugung und einen Teil des Handelns (der aber eben etwas anderes verkörpert als unsere innere Überzeugung).

Das ist selbstverständlich nicht hilfreich.

Denn wir können keine Zufriedenheit und keinen Sinn in dem finden, was wir tun, wenn wir diese Trennung zulassen. Wenn unser Tun derart weit von unseren Überzeugungen entfernt ist, dass es kaum Überschneidungen gibt, dann wird sich unweigerlich Frustration entwickeln. Frustration ist der Ausdruck von Nichtübereinstimmung. Frustration ist das Zeichen dafür, das etwas nicht stimmt.

Wenn Ihre Arbeit Sie frustriert, leiden Sie wahrscheinlich unter einer solchen Aufspaltung. Wenn innere Motivation und äußeres Handeln nicht übereinstimmen, entsteht das Gefühl von Sinnlosigkeit. Ich spreche dabei natürlich nicht von den kleinen Ärgernissen alltäglicher Reibereien. Oder dass einem einfach mal alles zu viel ist. Ich rede davon, dass Ihr Job nichts mit Ihnen zu tun hat. Dass er kein Ausdruck Ihrer wirklichen Aufgabe ist. Dass er Ihnen nicht entspricht, sondern Sie eben frustriert.

Wenn dies der Fall ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Es ist Ihnen entweder gar nicht bewusst, was da geschieht. Oder es ist Ihnen nicht bedeutend genug und Sie akzeptieren diesen Zustand, weil Sie einfach andere Prioritäten setzen oder setzen müssen. Wie auch immer: Diese Trennung ist jedenfalls alles andere als hilfreich und Glück verheißend.

Was können wir tun?

Das Erste, was wir verstehen sollten: dass ein Job nie einfach nur ein Job ist. Wir müssen sehen, dass diese Trennung zwischen Innerem und Äußerem nie zu wirklicher Zufriedenheit führen kann. Wir werden uns selbst nicht gerecht. Und wir werden dem nicht gerecht, was wir mitbekommen haben für dieses Leben.

Woran liegt das? Unser Bewusstsein kann das Essenzielle einfach noch nicht erkennen. Was wir sind, ist ja da. Wir sehen es nur noch nicht richtig. Alles ist in mir, aber ich habe dafür die richtige Ausdrucksform noch nicht gefunden.

Das Problem liegt also weniger darin, dass da nichts wäre, wie oft vermutet wird, sondern dass wir das, was da ist, nicht klar genug erkennen.

Zen kann helfen, hier Klarheit zu schaffen.

Wer bin ich und was will ich wirklich? Was ist nur aufgesetzt und was entspricht mir tatsächlich? Welchen falschen Idealen und Bildern hänge ich nach, die in Wahrheit aber gar nichts mit mir zu tun haben? Bin ich wirklich das, was ich meine zu sein? Aber bitte verstehen Sie das nicht falsch: Zen ist kein Berufsberatungsprogramm. Zen führt Sie einfach näher zu sich selbst. Und daraus kann sich dann die für Sie richtige Aufgabe ergeben. Denn je näher Sie Ihrem eigentlichen Kern kommen, desto mehr klärt sich auch, was Sie tun müssen. Erwarten Sie von Zen also nicht, dass während einer Meditation ein Firmenschild aufzublinken beginnt, das Sie dann zum perfekten Job führt. Erwarten Sie eher, dass Sie einfach sensibler für Ihre eigenen Fähigkeiten und Wünsche werden. Und dass es das ist, was Sie dann zur richtigen Aufgabe führt.

Zen lässt Sie nur klarer, aufmerksamer und präziser werden. Und vielleicht ein bisschen entspannter allem gegenüber.