Butler Parker Classic 29 – Kriminalroman - Günter Dönges - ebook

Butler Parker Classic 29 – Kriminalroman ebook

Günter Dönges

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Opis

Butler Parker ist ein Detektiv mit Witz, Charme und Stil. Er wird von Verbrechern gerne unterschätzt und das hat meist unangenehme Folgen. Der Regenschirm ist sein Markenzeichen, mit dem auch seine Gegner öfters mal Bekanntschaft machen. Diese Krimis haben eine besondere Art ihre Leser zu unterhalten. Diesen Titel gibt es nur als E-Book. Das schwere Wurfmesser war deutlich in der Luft zu sehen. Es schwirrte durch den Sonnenglast und galt einem jener Passagiere, die die Boeing 707 verließen und die Gangway hinunterkamen. Die Frauen und Männer auf der Treppe ahnten nichts davon. Sie alle hatten erwartungsfrohe und heitere Gesichter. Einige von ihnen hatten die Arme erhoben und winkten zum Flughafengebäude des Kaitak Airports hinüber. Hinter der gerade gelandeten Maschine erhob sich ein durchsichtiger gelb gefärbter Staubschleier. Durch ihn waren die Gipfel der Kowloon-Mountains zu sehen. Über allem lastete die gnadenlose, grelle Sonne von Hongkong. Das Wurfmesser hatte sein Opfer erreicht. Es stak in der Brust eines Mannes, der etwa vierzig Jahre alt sein mochte. Er war untersetzt und besaß die Andeutung eines kleinen runden Bauches. Er trug einen zerdrückten Sommeranzug und war auf den Stufen der Gangway zusammengebrochen. Die Passagiere vor ihm auf der Treppe hatten noch nichts bemerkt. Die Gäste hinter dem Getroffenen beugten sich vor. Einige von ihnen deuteten auf den abrutschenden Mann. Mit der linken Hand umklammerte er den Griff einer dunklen Aktentasche. Die rechte Hand aber hatte sich um das Heft des Wurfmessers gelegt, als wollte sie im letzten Moment noch die Waffe aus der tödlichen Wunde ziehen. "Reiner Zufall, daß diese beiden Fotos geschossen wurden", sagte Inspektor McParish vom Kriminal-Departement. "Sie stammen von einem Andenkenfotografen.

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Leseprobe: Doppelband 4 - Der exzellente Butler Parker

Der exzellente Butler Parker

E-Book 1: Parker pickt den Holzwurm auf

E-Book 2: Parker schirmt den Lauscher ab

Butler Parker Classic – 29 –

Die Gelben Drachen 

Günter Dönges

Das schwere Wurfmesser war deutlich in der Luft zu sehen.

Es schwirrte durch den Sonnenglast und galt einem jener Passagiere, die die Boeing 707 verließen und die Gangway hinunterkamen. Die Frauen und Männer auf der Treppe ahnten nichts davon. Sie alle hatten erwartungsfrohe und heitere Gesichter. Einige von ihnen hatten die Arme erhoben und winkten zum Flughafengebäude des Kaitak Airports hinüber. Hinter der gerade gelandeten Maschine erhob sich ein durchsichtiger gelb gefärbter Staubschleier. Durch ihn waren die Gipfel der Kowloon-Mountains zu sehen. Über allem lastete die gnadenlose, grelle Sonne von Hongkong.

Das Wurfmesser hatte sein Opfer erreicht.

Es stak in der Brust eines Mannes, der etwa vierzig Jahre alt sein mochte. Er war untersetzt und besaß die Andeutung eines kleinen runden Bauches. Er trug einen zerdrückten Sommeranzug und war auf den Stufen der Gangway zusammengebrochen.

Die Passagiere vor ihm auf der Treppe hatten noch nichts bemerkt. Die Gäste hinter dem Getroffenen beugten sich vor. Einige von ihnen deuteten auf den abrutschenden Mann.

Mit der linken Hand umklammerte er den Griff einer dunklen Aktentasche. Die rechte Hand aber hatte sich um das Heft des Wurfmessers gelegt, als wollte sie im letzten Moment noch die Waffe aus der tödlichen Wunde ziehen.

»Reiner Zufall, daß diese beiden Fotos geschossen wurden«, sagte Inspektor McParish vom Kriminal-Departement. »Sie stammen von einem Andenkenfotografen. Ich fürchte, sie werden uns nicht besonders helfen.«

Anwalt Mike Rander legte die beiden Aufnahmen zurück auf den Schreibtisch des Inspektors. Mit langsamen Bewegungen zündete er sich eine Zigarette an.

»Weiß man, wer das Opfer ist?« fragte er dann.

»Natürlich. Der Mann heißt Larry Croften und stammt aus Miami. Er war Miss Morefields Vermögensverwalter.«

»Zum erstenmal hier in Hongkong?«

»Den Eintragungen in seinem Paß nach zu urteilen, zum erstenmal«, bestätigte Inspektor McParish, ein drahtiger, mittelgroßer Mann von etwa 45 Jahren.

Die Sonne von Hongkong hatte ihm im Laufe langer Dienstjahre jedes unnötige Gramm Fett aus dem Körper gebrannt. Sein Gesicht mit den grauen kühlen Augen war lederartig gespannt.

»Wann wurde er genau ermordet?« fragte Mike Rander.

»Vor knapp einer Woche«, erwiderte der Inspektor. »Es passierte, wie ja auf den Fotos zu sehen ist, gleich nach der Landung. Von den Tätern fehlt leider jede Spur.«

»Konnte die Aktentasche, die auf den beiden Fotos zu sehen ist, sichergestellt werden?« schaltete sich Josuah Parker ein. Im Gegensatz zu McParish und Mike Rander, die sich ihre Jacketts ausgezogen hatten und in Hemdsärmeln waren, trug der Butler seinen pechschwarzen Dienstanzug. Der weiße Eckkragen wirkte wie frisch gestärkt. Seine Hände, die in schwarzen Zwirnhandschuhen staken, hielten die steife Melone und den unvermeidlichen, altväterlich gebundenen Universal-Regenschirm.

»Verflixt, Parker, schwitzen Sie eigentlich nicht?« stöhnte Mike Rander. Obwohl er unter dem Deckenventilator saß, griff er verzweifelt nach dem Tischwirbler und lenkte den Luftstrom auf sein Gesicht.

»Ich gestatte es mir einfach nicht, mich der Transpiration hinzugeben«, gab Josuah Parker würdevoll und auch etwas tadelnd zurück. Während er redete, ließ er den Inspektor nicht aus den Augen. McParish unterdrückte ein Grinsen. In Hongkong hatte er schon manch seltsamen Vogel kennengelernt. Menschliches war ihm nicht mehr fremd. Doch dieser Butler Parker übertraf alle Vorgänger. Er war einmalig skurril.

»Die Aktentasche wurde sichergestellt«, antwortete McParish. »Sie enthielt Geschäftsunterlagen, Papiere, einiges Bargeld. Rückschlüsse auf den Mörder läßt der Inhalt nicht zu.«

»Könnten wir uns die Tasche mal ansehen?« bat der junge, sympathisch aussehende Anwalt, der nicht wie ein Strafverteidiger, sondern eher wie ein Sportsmann aussah. Dunkelgraue Augen, braunes Haar und regelmäßig geschnittenes, ovales Gesicht verliehen ihm das Aussehen eines großen netten Jungen, mit dem man Pferde stehlen konnte.

»Klar, läßt sich machen«, beantwortete McParish die Frage. Er beugte sich über das Mikrofon seiner Sprechanlage, drückte einen Knopf und gab seine Order durch. Dann wandte er sich wieder Rander zu. »Seit wann sind Miss Morefields Briefe ausgeblieben?«

»Seit fast drei Wochen«, gab Rander zurück. Er hatte alle wichtigen Daten im Kopf. »Da sie aber weiterhin ihr Konto plünderte, fuhr Croften hierher nach Hongkong.«

»Hat Miss Morefield eine Verfügungsgewalt über das Konto?« fragte Inspektor McParish.

»Seit einem halben Jahr, nachdem sie großjährig geworden ist.« Mike Rander griff erneut nach dem Tischventilator und blies sich kühle Luft auf die schwitzende Haut. »Sie ist nach dem Tod ihrer Eltern Alleinerbin des Familienvermögens.«

»Muß sich wohl um viel Geld handeln, wie?«

»Darauf können Sie Gift nehmen, sonst hätten Miss Morefields Verwandte nicht so schnell Alarm geschlagen und uns gebeten, den Dingen nachzugehen. Um es rundheraus zu sagen, wir sollten Anwalt Croften in seinen Ermittlungen unterstützen.«

»Darauf wird er jetzt wenig Wert legen, fürchte ich.«

»Warum wurde dieser harmlose Mann ermordet?« fragte sich Rander laut. Dabei sah er den Kriminalinspektor an. »Ich vermisse jedes Motiv. Er hatte mit seiner Arbeit noch gar nicht begonnen.«

»Der Mörder wird die Antwort geben können, nicht ich.« McParish griff nach dem Tischventilator und fächelte sich damit kühle Luft zu. Er übersah, daß Randers Hand bereits darauf wartete, wieder nach dem Ventilator zu greifen.

Parker tat so, als ob er von der schwülen, drückenden Hitze im Dienstzimmer nichts bemerke. Er schien eine Klimaanlage unter dem Rock zu haben. Zurückhaltend, würdevoll, aber auch sehr aufmerksam verfolgte er die Unterhaltung.

»Haben Sie inzwischen herausbekommen, wo Miss Morefield zur Zeit wohnt?« erkundigte sich Mike Rander weiter.

»Erkundigt schon, Mr. Rander, aber leider ohne Ergebnis. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.«

»Könnte sie Hongkong verlassen haben?«

»Offiziell nicht. Aber denken Sie an die vielen Dschunken, die wir einfach nicht kontrollieren können. Wenn Sie mich fragen, so ist Miss Morefield nicht in Erpresserhänden. Sie wird sich einen netten Begleiter zugelegt haben und in den Bergen irgendwo Honigmond feiern.«

»Und zusätzlich ihr Bankkonto plündern«, meinte Rander lächelnd. »Mag ja alles stimmen und zutreffen, McParish, aber warum schreibt sie dann nicht? Warum gibt sie ihre teure Wohnung auf? Warum beantwortete sie nicht die Telegramme ihres Vermögensverwalters Croften? Nein, da muß etwas Böses mit ihr passiert sein!«

»Das ist natürlich nicht ausgeschlossen«, räumte Inspektor McParish ein. Er erbarmte sich und reichte den Tischventilator an Mike Rander zurück, der dankbar aufstöhnte. »Hier in Hongkong passieren ja die unglaublichsten Dinge. Erpressung und Entführung sind unser tägliches Brot.«

»Wo könnte man den Hebel ansetzen, Inspektor?«

»Sie brauchen Zugang zu der Unterwelt.«

»Wo finde ich den?«

»Ich kann’s nur inoffiziell tun. Ich werde Ihnen eine Telefonnummer geben. Ein gewisser Li Wang wird sich melden. Sagen Sie ihm, was vorliegt?«

»Kann man sich auf ihn verlassen?« wollte Mike Rander wissen.

»Da überfragen Sie mich, Rander. Er ist gerissen und verschlagen. Wenn er Tips liefert, dann nur, um seine eigenen Fäden zu spinnen. Versuchen Sie’s mit ihm, aber seien Sie auf der Hut.«

Inspektor McParish erinnerte sich, daß er eine Order gegeben hatte. Er drückte noch mal die Taste der Sprechanlage und fragte nach der sichergestellten Aktentasche des ermordeten Larry Croften. Im gleichen Moment klopfte es an der Tür, und ein uniformierter Beamter betrat den Raum. Er salutierte, ging zum Schreibtisch und beugte sich zum Inspektor hinunter. Er flüsterte ihm einige Worte ins Ohr.

Das Gesicht von McParish färbte sich rot. Einen Moment lang sah er verlegen und etwas unglücklich aus. Doch dann räusperte er sich knapp.

»Die Tasche ist aus dem Asservatenraum verschwunden«, sagte er zu Rander. »Daß uns das passieren muß! Einfach unglaublich!«

»Darf ich Ihre Worte dahingehend interpretieren, daß die bewußte Aktentasche gestohlen worden ist?« schaltete sich Josuah Parker in die Unterhaltung ein.

»Sie dürfen, verdammt noch einmal«, schimpfte McParish. »Ich finde einfach keine Worte …!«

»Suchen Sie sie inzwischen«, meinte Anwalt Rander und stand auf. Er griff nach seinem Jackett. »Wir werden uns inzwischen um Miss Morefield kümmern. Sie erreichen uns im ›Queens‹. Wir werden hier auf der Insel wohnen.«

»Drüben im Kowloon wohnen Sie aber besser.« McParish war nicht ganz bei der Sache. Der Diebstahl der Tasche saß ihm in den Knochen.

»Hier auf der Insel hat Miss Morefield aber gewohnt. Wir wollen all ihren Schritten nachgehen, Inspektor. Falls wir auf eine Spur stoßen, werden wir Sie verständigen.«

»Ich halte Ihnen die Daumen«, sagte McParish. »Sie werden sehr viel Glück brauchen. Sie ahnen ja nicht, was sich in dieser verrückten Stadt abspielt …«

*

Selbst Josuah Parker war beeindruckt. Und das wollte schon etwas heißen.

Wanchai, die eigentliche Chinesenstadt der Insel Hongkong, glich einem aufgescheuchten, wimmelnden Ameisenhaufen. Scharen von Rikschahkulis mit ausgemergelten, alten Gesichtern trabten durch die engen, überfüllten Straßen. Lastenträger balancierten abenteuerlich Lasten an langen, schwankenden Bambusstangen durch das Gewühl. Das Geschrei der Warenausrufer, das Hupen der Autos und das irre Geklingel der Radfahrer peinigte die Ohren. Seidenfahnen mit chinesischen Schriftzeichen flatterten von Häusern, Geschäften und Lokalen bis fast zur Straße herunter. Es roch nach Fisch, nach seltsamen Gewürzen, nach Schweiß, nach Hunger, Armut, Leidenschaften und Gier. Wanchai, der Halbinsel Kowloon fast genau gegenüber gelegen, war ein riesiger brodelnder Topf, der überkochte.

Doch nicht nur Parker war beeindruckt.

Selbst die Chinesen, die ihre Neugier kaum zeigen, rätselten an diesem seltsam gekleideten Mann herum, der trotz der schwülen Hitze in korrektes Schwarz gekleidet war, der eine steife Melone trug und einen Regenschirm mit sich führte.

Prüfende und mißtrauische Blicke aus schwarzen Jettaugen trafen den Butler, der aber nichts zu bemerken schien. Er war es schließlich gewohnt, daß er Aufsehen erregte.

Anwalt Mike Rander und sein Butler waren auf dem Weg zu den Kassenschaltern der ›Victoria Bank of Hongkongs die an der Nahtstelle zwischen Wanchai und Victoria City lag. Von dieser Bank aus war das Morefield-Vermögen drüben in den Staaten bisher angezapft worden. Dort mußte Jane Morefield mehr als nur gut bekannt sein.

Parker und sein junger Herr Mike Rander blieben auf der Connaught Road Central immer wieder stehen. Hinreißend war der Blick auf den Meeresarm, der Kowloon von der Insel Hongkong trennt. Nicht umsonst wird Hongkong von erfahrenen Kennern als die schönste Stadt der Welt bezeichnet.

Im tiefen Fahrwasser ankerten Kriegsschiffe und Flugzeugträger Ihrer Majestät der Königin. Schnelle Fähren transportierten wahre Heerscharen von Menschen hinüber nach Kowloon und wieder zurück. Die vielen vorgelagerten kleinen Inseln und die Hafenbecken waren umsäumt und angefüllt mit Hausbooten und Dschunken. Auf Kowloon waren die schroff ansteigenden Berge deutlich zu erkennen. Nur wenige Meilen dahinter befand sich bereits der Bambusvorhang, hinter dem das rotchinesische Territorium beginnt.

Die Räume der »Victoria Bank of Hongkong« waren im Erdgeschoß eines hohen Geschäftshauses aus Beton, Glas und Stahl untergebracht. Mike Rander ließ sich bei dem leitenden Manager anmelden. Sie brauchten nur wenige Minuten zu warten, bis sie zu ihm geführt wurden. Ein rundlicher Chinese mit sehr wachsamen Augen kam freundlich lächelnd auf Rander und Parker zu. Der Mann trug einen europäisch geschnittenen Anzug und stellte sich als Ty Hong vor. Höflich erkundigte er sich nach den Wünschen seiner Besucher.

Mike Rander ging geradewegs auf sein Ziel zu. Er nannte seinen Namen, legitimierte sich und legte seine Vollmachten der Familie Morefield auf den Tisch.

»Sie forschen nach Miss Morefield?« fragte Ty Hong erstaunt zurück. »Aber warum denn das?«

»Es besteht der Verdacht, daß sie entführt worden ist und erpreßt wird«, gab Rander zurück.

»Ausgeschlossen, Sir«, widersprach der Manager und schüttelte den Kopf. »Miss Morefield war erst vor knapp einer Stunde hier bei uns und hob zehntausend Dollar ab!«

»Wie bitte?« Mike Rander sah den Bankmanager ungläubig an.

»Es entspricht den Tatsachen. Ich habe selbst für Miss Morefield die Formalitäten erledigt. Sie erfreute sich bester Gesundheit.«

»Sind Sie sicher, daß es Miss Morefield gewesen ist?«

»Selbstverständlich. Daran besteht gar kein Zweifel.« Ty Hong sprach ein hartes, aber sehr gut zu verstehendes Englisch. »Ich kenne Miss Morefield seit drei Monaten. Seinerzeit habe ich mir alle Unterlagen und Papiere genau angesehen. Ich weiß, daß ich die ganze Zeit über mit Miss Morefield verhandelt habe.«

»Sehr schön.« Mike Rander setzte sich. »Dann wissen Sie auch, wo wir Miss Morefield erreichen können?«

»Ich werde Ihnen die Adresse geben. Schade, daß Sie nicht schon vor einer Stunde gekommen sind, Sie hätten sich dann sofort mit ihr in Verbindung setzen können.«

Ty Hong griff nach einem Scheck, der vor ihm auf der Schreibunterlage lag. Er hielt ihn hoch und wies auf die Unterschrift. Er sagte:

»Das hier ist Miss Morefields Handschrift. Und hier haben Sie auch ihre Adresse. Sie wohnt, warten Sie, an der Repulse-Bay, im Süden der Insel. Ganz in der Nähe des dortigen Country-Clubs.«

»Werden wir das Haus finden?«

»Natürlich. Aber ich mache Ihnen den Vorschlag, Miss Morefield doch anzurufen. Sie hat telefonischen Anschluß. Ich glaube, sie wird gegen Abend bestimmt wieder zu Hause sein. Wie sie mir sagte, wollte sie noch drüben in Kowloon Einkäufe machen.«

»Wie ist die Telefonnummer?«

Der Manager holte einen Zettel und schrieb Adresse und Telefonnummer nieder. Als er Rander den Zettel reichte, schüttelte er noch mal den Kopf.

»Miss Morefield und erpreßt werden? Völlig ausgeschlossen, wenn Sie mich fragen.«

»Wissen Sie, warum sie ihre Wohnung verlassen hat, ohne ihre neue Adresse anzugeben?«

Ty Hong lächelte wissend.

»Miss Morefield ist noch recht jung«, antwortete er. »Vielleicht hat sie eine Romanze. Wer kennt sich in den Herzen junger Frauen aus?«

»Darf ich mir eine bescheidene Frage erlauben?« mischte sich Josuah Parker in die Unterhaltung ein. Dann, bevor er die Erlaubnis dazu bekam, redete er weiter: »Sprach Miss Morefield davon, daß sie den Besuch ihres Vermögens Verwalters erwartete?«

»Nein«, sagte Ty Hong knapp und abwehrend.

»Wurde Miss Morefield heute bei ihrem Bankbesuch begleitet?«

»Allerdings. Sie unterhielt sich mit einem jungen, sehr sportlich aussehenden Mann. Er blieb allerdings im Schalterraum zurück, als Miss Morefield hierher zu mir kam.«

»Ist Ihnen dieser junge Mann bekannt?«

»Leider nein, ich hatte ihn noch nie gesehen. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

»Im Moment nicht«, gab Rander lächelnd zurück. »Mir scheint, alle Fragen werden sich bald beantworten lassen.«

»Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, Ihnen geholfen zu haben«, sagte der Bankmanager und geleitete sie zur Tür.

Im Korridor lachte Rander leise auf.

»Sie werden sich hier in Hongkong aber noch mächtig anstrengen müssen«, sagte er zu Josuah Parker.

»Und warum, Sir, wenn mir diese Frage gestattet ist?«

»Ich habe das Gefühl, die Chinesen können sich noch wesentlich umständlicher und höflicher ausdrücken als Sie.«

Parker verzichtete auf eine Antwort. Ob er sich Mike Randers Worte durch den Kopf gehen ließ, war fraglich. Im Grunde brauchte er Vergleiche dieser Art ja niemals zu scheuen …

*

Mike Rander stand am Rand der asphaltierten Fahrbahn und sah sich nach einer Rikschah um. Er hatte keine Lust mehr, durch die sengende Hitze zu laufen. Er sehnte sich nach einem kühlen Drink, nach Schatten und nach einer voll aufgedrehten Klimaanlage.

Plötzlich hörte er links neben sich spitze, gellende Schreie. Im gleichen Moment legte sich eine harte Hand auf seine Schulter. Mike Rander wurde ruckartig zurückgerissen, verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

Bruchteile von Sekunden später sauste dicht an ihm ein schneller Kleinlastwagen vorbei, der nun zurück auf die Fahrbahn tanzte und im Gewühl der auseinanderspritzenden Menschen verschwand.

Mike Rander fluchte in sich hinein. Für Überraschungen dieser Art war die Hitze zu groß. Er hörte hinter sich Josuah Parkers Stimme.

»Ich möchte mir zu bemerken erlauben, Sir, daß das kein Zufall gewesen sein kann.«

»Helfen Sie mir auf, Parker!« Mike Rander war noch etwas benommen. Parker hatte natürlich recht. Er war gerade einem sehr einfachen, aber auch sehr wirkungsvollen Mordanschlag entgangen. Parker hatte ihm wieder in letzter Sekunde das Leben gerettet.

»Einen Moment, Sir.« Parker hatte Rander aufgeholfen. Jetzt zauberte er aus einer seiner Rocktaschen eine schmale Staubbürste. Damit entfernte er einige Schmutzspuren von Randers Anzug. Parker schien den bösen und drohenden Zwischenfall bereits vergessen zu haben. Im Moment interessierte ihn nur Randers Anzug.

»Wir dürften bereits unangenehm aufgefallen sein«, meinte der Anwalt und wehrte Parkers Säuberungsversuche ab. »Verschwinden wir, Parker! Ich habe keine Lust, ein Wurfmesser mit meinem Rücken aufzufangen!«

»Ich möchte mir die Feststellung erlauben, Sir, daß wir wahrscheinlich seit der Landung beobachtet werden.«

»Kaum zu glauben, Parker. Wer weiß denn von unserem Auftrag, vom Termin unseres Eintreffens? Vielleicht ist das eben doch nur ein dummer Zufall gewesen.«

»Ich wage zu widersprechen, Sir. Es handelte sich, wie ich mit aller Deutlichkeit feststellen möchte, um einen wohlüberlegten Mordversuch. Wenn ich so frei sein darf, schlage ich vor, die dortige Rikschah zu nehmen und zurück ins Hotel zu fahren.«