Briefe an mein verstorbenes Kind - Margret Roeckner - ebook

Briefe an mein verstorbenes Kind ebook

Margret Roeckner

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Opis

Margret Roeckners Tochter verunglückt tödlich. Zwei Monate nach dem Tod ihrer Tochter beginnt die Mutter ihre Trauer in Worte zu fassen. Sie schreibt Briefe an ihr verstorbenes Kind Sigrid. Ein halbes Jahr lang dauert dieser imaginäre Gedankenaustausch. Margret Roeckner hat für dieses Buch ihre sehr persönlichen Briefe zusammengestellt und sie einfühlsam kommentiert. Dabei schöpft sie aus dem reichen Erfahrungsschatz, den sie sich in ihrer langjährigen Arbeit mit Selbsthilfegruppen verwaister Eltern erworben hat. Ein trostvoller Wegbegleiter für trauernde Eltern.

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Liczba stron: 191

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Margret Roeckner

Briefe an mein verstorbenes Kind

Ein literarischer Abschied

Impressum

Aktualisierte Neuausgabe des Buches „Briefe an Sigrid. Ein Wegbegleiter für trauernde Eltern“

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: Designbüro Gestaltungssaal

Umschlagmotiv: © Designbüro Gestaltungssaal

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Satz: Arnold & Domnick, Leipzig

Herstellung: CPI books GmbH, Leck

ISBN (Buch) 978-3-451-6830-0

ISBN (E-Book) 978-3-451-80924-8

Inhalt

Vorwort

Vorwort zur zweiten Auflage

Aus dem Leben gerissen und begraben

Die erste Zeit

Acht Jahre später

Was bleibt?

Nachwort

Vorwort

Am 26. März 1979, mittags um 12 Uhr 45, verunglückte unsere Tochter Sigrid während der Turnstunde in der Schule tödlich. Seitdem sind neunzehn Jahre vergangen. Fast fünfzehn Jahre hatte Sigrid sichtbar unter uns gelebt, bevor sie sterben musste.

Seit neunzehn Jahren, länger also, als ihre eigene Lebenszeit gewährt hat, lebt sie nun um mich und in mir – unsichtbar für die Umgebung.

Weil ich mich so tief mit ihr verbunden fühlte, war es mir im ersten Halbjahr meiner Trauer gar nicht möglich, den Dialog mit ihr aufzugeben. Ich musste Briefe an sie schreiben. Danach habe ich mich dazu entschlossen, dieses Schreiben aufzugeben, um Sigrid dadurch möglichst loslassen und freigeben zu können.

Nachdem ich dann eine sehr lange Zeit hindurch nur mit Schmerzen dasjenige hatte lesen können, was ich für mich selbst im Zwiegespräch mit meinem Kind während dieser ersten Zeit aufgeschrieben hatte, bin ich nun in der Lage, den Weg zu sehen, den ich im neuen Leben nach dem Verlust zu gehen hatte und gegangen bin.

Die uralte Geschichte aus 2. Mose 33,18ff. ist auch bei mir Wahrheit geworden. Mose konnte Gott aus seiner Felsspalte nur hinterhersehen und nicht, wie er sich gewünscht hatte, dessen Angesicht schauen. Während Gott an ihm vorüberzog, war um ihn tiefste Dunkelheit. Im Hinterhersehen erst hat Mose Trost und Stärkung erfahren.

Ähnliches erfuhr ich, als ich neun Jahre später wegen eines Gallenleidens innerhalb von zehn Tagen Hotelaufenthalt erneut die Zwiesprache mit meiner Tochter aufgenommen hatte. Mir die verflossenen Jahre der Trauer von der Seele schreiben zu können, war für mich die beste Medizin. Dies »Hinterher-sehen-können« auf mein eigenes allmähliches seelisches Gesunden, auf den Weg, den ich durch die Trauer zu neuem Leben gegangen bin und geführt wurde, hat mir auch körperliche Heilung gebracht.

Ich hatte im Sommer des Vorjahres mit vier Familien, die bei einem Busunglück ihre Kinder verloren hatten, Kontakt aufgenommen. Nach mehreren Treffen wollten wir auf Vorschlag einer der Mütter eine Selbsthilfegruppe gründen. Mitte Januar 1987, nach meiner Genesung und Rückkehr, begannen wir damit und spürten sehr bald, wie hilfreich und tröstlich ein gemeinsamer Austausch von Erfahrungen sein kann. Und so reifte allmählich in mir auch der Wunsch, das Erleben meiner eigenen Trauer und Heilung an andere betroffene Menschen weitergeben zu dürfen. Ich habe deshalb die »Briefe an Sigrid« sorgfältig aufbewahrt für eine Zeit, in der sie eventuell nutzbar gemacht werden könnten.

Nach nun neunzehn Jahren Abstand vermag ich meine Gefühle und Verhaltensweisen von damals objektiver zu betrachten und kann vieles ganz realistisch erkennen, was mir bisher verborgen geblieben und deshalb unbegreiflich gewesen war. So sehe ich jetzt die Möglichkeit, andere, ähnlich betroffene Menschen an meinem Erleben teilnehmen zu lassen. Auch die vielfachen Erfahrungen, die ich inzwischen als Teilnehmerin und als Gesprächsleiterin in Selbsthilfegruppen und Trauerseminaren machen konnte, möchte ich miteinfließen lassen.

Darum füge ich meine heute – nach neunzehn Jahren – erkennbar gewordenen Einsichten in anderer Schrift in die ursprünglich geschriebenen Texte ein. Auf diese Weise ist es möglich, die beiden ineinandergefügten Teile des Buches auch getrennt voneinander zu lesen, als Ratgeber und als authentischen Erfahrungsbericht.

Alle Menschen, die Verluste zu verkraften haben, machen Erfahrungen, die den meinen ähnlich sind, das weiß ich jetzt. Gemeinsam Erlebtes verbindet, bringt Wärme hervor und vermag so zu trösten.

Trauernde werden von Gefühlen überfallen, die sie nie für möglich gehalten hätten, werden aus allen gewohnten Geleisen geschleudert, so dass sie nicht mehr sie selbst zu sein glauben. Und sie meinen, sie würden nie wieder auch nur annähernd glücklich leben können.

Mit meinen Aufzeichnungen möchte ich trösten, möchte Mut machen, die schwere Zeit des Trauerns geduldig auf sich zu nehmen und auf ein gutes Ende zu vertrauen.

Vorwort zur zweiten Auflage

Sechzehn Jahre sind vergangen seit dem Erscheinen dieses kleinen Buches. Es ist längst bis zum letzten Exemplar ausverkauft. Seitdem wurde immer wieder nach ihm gefragt und bedauert, dass es nicht mehr zu bekommen sei.

So freut es mich besonders, dass der Verlag Herder es nun neu auflegen möchte. Ich, die ich mittlerweile nun vierundachtzig Jahre alt werde und in den vergangenen Jahrzehnten sehr viele trauernden Eltern kennen gelernt habe, weiß, dass es helfen kann, gerade aus den Erfahrungen anderer Trost und Hilfe zu spüren und zu entnehmen. Darum bin ich besonders glücklich, mein damaliges Schreiben nun noch einmal in die Welt schicken zu dürfen, und wünsche all denen, die es lesen werden, dass sie wie ich irgendwann noch einmal Glück und Dankbarkeit empfinden können. In einem Nachwort will ich davon erzählen.

Aus dem Leben gerissen und begraben

Ein angenehmer Frühlingstag mit Sonne war dieser Montag im März. Am Vortag hatte es noch in Strömen geregnet. Unsere Familie war bester Laune, denn in wenigen Tagen sollte es Osterferien geben. Dazu hatte unsere älteste Tochter Gertraud in der letzten Woche das Abitur gut hinter sich gebracht. Mit ihr zusammen stand ich in der Küche und kochte das Mittagessen. Es war 12 Uhr 45 und wir waren so fröhlich. Ein Glücksgefühl war über mich gekommen. Mir war so leicht zumute, als ob ich fliegen könnte. Wir lachten und neckten einander. Als wir uns zum Mittagessen setzten – wir: Vater, Mutter, Gertraud und Eckard, der von der Schule schon zurückgekommen war –, fehlte nur Sigrid. Wir konnten sie erst für etwa halb zwei erwarten. Vorsorglich füllte ich ihr eine Salatschale. Es gab Chicorée, ihren Lieblingssalat. Immer noch sehe ich diese Salatschüssel vor mir. Da klingelte es, und Gertraud, die die Haustür aufgemacht hatte, verkündete: »Es ist Sigrids Klassenlehrerin!« Ich war nur verwundert, nicht aber beunruhigt, denn Sigrids einmalige Fünf in einer Französischarbeit konnte ja wohl nicht so tragisch sein.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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