Bessersprecher Spanisch - Angela Cuevas Alcaniz - ebook

Bessersprecher Spanisch ebook

Angela Cuevas Alcaniz

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Opis

Die spanische Sprache ist unglaublich reich an Bildern, ungewöhnlichen Formulierungen und historischen Bezügen. Kaum ein Satz kommt ohne eine Redewendung aus. Wer sie verstehen oder – noch besser – selbst aktiv einsetzen kann, wird das Herz der stolzen Spanier im Sturm erobern. Denn ein Lächeln ist auch auf der Iberischen Halbinsel der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen. Wenn Sie sich bereits auf Spanisch verständigen können, hilft Ihnen der Bessersprecher Spanisch, die Feinheiten kennenzulernen und sich so im Alltag, im Beruf oder im Urlaub besser auszudrücken. Und er gibt Ihnen Sicherheit, denn viele Redewendungen dürfen nur in einem klar umgrenzten Rahmen eingesetzt werden, will man Fettnäpfchen vermeiden. Mit dem Bessersprecher Spanisch lernen Sie 150 Redewendungen, die Ihnen ständig begegnen werden. Mit eingängigen und praxistauglichen Beispielsätzen und wichtigen Vokabellisten erweitern Sie Ihre Sprachkenntnisse ohne Mühe. Dazu erhalten Sie spannende und oft amüsante Hintergrundinformationen zur spanischen Gesellschaft und ihrer reichhaltigen Geschichte – Edutainment im besten Sinne, damit Sie das Gelernte stilsicher verinnerlichen. Sprechen Sie besser Spanisch mit dem Bessersprecher Spanisch!

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Inhalt

I – RELIGION/RELIGIÓN

II – MIT KÖPFCHEN/CON CABEZA

III – ESSEN UND TRINKEN/COMER Y BEBER

IV – AN DIE ARBEIT!/¡A TRABAJAR!

V – TIERISCH/COMO ANIMALES

VI – AUS DER FELDFLUR/COSAS DEL CAMPO

VII – VOM KOPF ABWÄRTS/DE CABEZA PARA ABAJO

VIII – VIEL VERGNÜGEN!/¡HAY QUE DIVERTIRSE!

IX – STIERE/TOROS

X – AUS DER GESCHICHTE/DE LA HISTORIA

E – EXAMEN FINAL

L – Lösungen

V – Vokabelliste

Die Autoren

Impressum

Bessersprecher Spanisch

Die spanische Sprache ist unglaublich reich an Bildern, ungewöhnlichen Formulierungen und historischen Bezügen. Kaum ein Satz kommt ohne eine Redewendung aus. Wer sie verstehen oder – noch besser – selbst aktiv einsetzen kann, wird das Herz der stolzen Spanier im Sturm erobern. Denn ein Lächeln ist auch auf der Iberischen Halbinsel der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen.

Wenn Sie sich bereits auf Spanisch verständigen können, hilft Ihnen der Bessersprecher Spanisch, die Feinheiten kennenzulernen und sich so im Alltag, im Beruf oder im Urlaub besser auszudrücken. Und er gibt Ihnen Sicherheit, denn viele Redewendungen dürfen nur in einem klar umgrenzten Rahmen eingesetzt werden, will man Fettnäpfchen vermeiden.

Mit dem Bessersprecher Spanisch lernen Sie 150 Redewendungen, die Ihnen ständig begegnen werden. Mit eingängigen und praxistauglichen Beispielsätzen und wichtigen Vokabellisten erweitern Sie Ihre Sprachkenntnisse ohne Mühe. Dazu erhalten Sie spannende und oft amüsante Hintergrundinformationen zur spanischen Gesellschaft und ihrer reichhaltigen Geschichte – Edutainment im besten Sinne, damit Sie das Gelernte stilsicher verinnerlichen.

Sprechen Sie besser Spanisch mit dem Bessersprecher Spanisch!

Einleitung

Spanisch ist unglaublich reich an Redewendungen, blumigen oder derben Vergleichen und an skurrilen Ausdrücken, deren wörtliche Übersetzung nicht weiterhilft, um zu verstehen, was tatsächlich gemeint ist. Was bedeutet »von verloren zum Fluss«, wieso ist jemand »schicker als eine 8« und was macht die »Prostituierte im Stoppelfeld«?

Dieses Buch soll Ihnen helfen, besser zu verstehen, was Spanier in ihre Sätze einflechten. Und es soll Ihnen zeigen, wie Sie selbst die Kommunikation anreichern und besser sprechen können. Bei Ihren spanischen Freunden und Bekannten, bei Geschäftspartnern oder in der Tapas-Bar werden Sie mit der Verwendung der Redewendungen durchschlagenden Erfolg haben – weil Sie damit Interesse signalisieren und zeigen, dass Sie die Sprache nicht nur beherrschen, sondern leben.

Neben der Erklärung, woher ein Ausdruck stammt und in welcher Weise er verwendet wird, gibt es jeweils einige Beispielsätze oder kurze Dialoge, die den passenden Kontext herstellen. Sprache ist wie ein lebendiger Organismus – sie wächst, verändert sich, passt sich neuen Gegebenheiten an und reflektiert dabei Kultur, Geschichte und Traditionen des Landes. Einiges davon finden Sie in den Anmerkungen («Bueno es saberlo»).

Dass die Autoren das nach wie vor liebste Urlaubsland der Deutschen an manchen Stellen kritisch sehen, liegt an der Liebe zu Spanien: Denn was man liebt, das möchte man immer noch ein bisschen besser haben... »gut wie Brot«, wie man sagt.

Wir wünschen Ihnen mit diesem Buch so viel Spaß, wie wir ihn beim Schreiben hatten, und viel Erfolg beim Ausprobieren!

I – RELIGION/RELIGIÓN

1 – NO ESTAR MUY CATÓLICO

nicht ganz auf dem Damm sein; sich nicht wohl fühlen (wörtlich: nicht sehr katholisch sein)

Die Folter war ein übliches Mittel der Inquisition, wenn sie Ketzer verfolgte oder Menschen verhörte, die zum katholischen Glauben übergetreten waren. Wurde der Angeklagte gefragt, ob er von den katholischen Dogmen völlig überzeugt sei, so konnte es sein, dass die Peiniger ihn für noch nicht ausreichend »katholisch« hielten – und ihn weiter quälten. Das führte natürlich zu einem schlechten Gesundheitszustand – und zur Verbindung von Gesundheit und Glauben im Volksmund.

BEISPIELE

Voy a tener que llamar al trabajo, que no me he levantado muy católica hoy y tengo un dolor de garganta y de cabeza que no son normales.(Ich muss mich krank melden, weil ich heute nicht sehr katholisch aufgewacht bin und Kopf- und Halsschmerzen habe, die nicht normal sind.)

Anoche llamamos a David para que se viniera de fiesta, pero dijo que no estaba muy católico y que prefería quedarse en casa viendo películas. (Gestern Abend riefen wir David an, um zur Party zu gehen, aber er sagte, dass er sich nicht wohl fühlt und es ihm lieber wäre, zu Hause bleiben und Filme zu schauen.)

BUENO ES SABERLO

Gegründet wurde die Inquisition 1184, um Ketzer zu verfolgen – allen voran die Katharer, aber auch andere Glaubensbewegungen. 1249 im Königreich von Aragon als erste staatliche »Behörde« installiert, wurde sie mit der Vereinigung von Aragon mit dem Königreich von Kastilien zur »Spanischen Inquisition«, die erst 1821 aufgelöst wurde. Der letzte Mensch, der in Spanien wegen Ketzerei hingerichtet wurde, war Cayetano Antonio Ripoll: Er starb am 31. Juli 1826 in Valencia durch den Strang.

NÜTZLICHE VOKABELN

dolor de garganta, el – Halsschmerzen

llamar al trabajo – im Büro anrufen

2 – MANTENERSE EN SUS TRECE

standhaft bleiben (wörtlich: in seinen dreizehn bleiben)

Als der spanische Kardinal Pedro de Luna 1394, zu Zeiten der Kirchenspaltung, zum Gegenpapst mit Sitz im französischen Avignon gewählt wurde, gab er sich den Namen Benedikt XIII. Er überlebte drei römische Päpste und regierte 23 Jahre lang – zuletzt von seiner Burg in Peñíscola nahe Valencia aus. Er widerstand dem Druck vieler Kardinäle und Herrscher, vor allem dem König Frankreichs, die ihn zum Abdanken bewegen und damit das Schisma beenden wollten. Wer »in seinen dreizehn« bleibt, kann also ein standhafter Mensch sein, aber auch ein starrsinniger.

BEISPIELE

A veces tenemos que pensar y elegir por nosotros mismos, mantenernos en nuestras trece, sin importarnos lo que otras personas piensen o digan.(Manchmal müssen wir selbst denken und entscheiden, müssen standhaft bleiben, ohne etwas auf das zu geben, was andere Leute denken oder sagen.)

El jefe no quería darle un aumento de sueldo, pero Beatriz se mantuvo en sus trece y le dijo que o le subía el sueldo o se iba a la competencia. Al final el jefe tuvo que claudicar y darle lo que pedía.(Der Chef wollte ihr keine Gehaltserhöhung geben, aber Beatriz beharrte darauf und sagte ihm, dass sie zur Konkurrenz gehen würde. Schließlich musste der Chef einlenken und ihr geben, was sie wollte.)

BUENO ES SABERLO

Die Rivalität zwischen Spanien und Frankreich ist mindestens 500 Jahre alt – und dauert immer noch an. In der Schlacht von Pavia besiegte Carlos I. (Karl V.) die Armee von François I., der sich spanisches Territorium einverleiben wollte. Zahlreiche Kriege und Schlachten haben seither das Verhältnis der Nachbarn belastet. Die Spanier nennen die Franzosen abschätzig gabachos und kommen mit ihnen auch im Sport, in der Politik und in der Wirtschaft nicht besonders gut klar.

NÜTZLICHE VOKABELN

aumento de sueldo, el – Gehaltserhöhung

o... o – entweder ... oder

claudicar – nachgeben

3 – SER UN VIVALAVIRGEN

jemand, der sich um nichts kümmert (wörtlich: ein Es-lebe-die-Jungfrau)

Natürlich handelt es sich bei der virgen nicht um irgendeine Jungfrau, sondern um die Mutter Gottes. Dennoch ist ein vivalavirgen kein religiöser Mensch. Ihn zu charakterisieren ist allerdings nicht einfach: Die Bandbreite reicht vom sorglosen Tagträumer über den Lebenskünstler und den notorischen Zuspätkommer bis hin zu jemandem, dem alles ziemlich egal ist.

BEISPIELE

Bah, no se puede confiar en Juan para hacer nada, es un completo irresponsable y un vivalavirgen que nunca hace lo que dice. (Bah, man kann Juan bei nichts vertrauen, er ist total verantwortungslos, kümmert sich um nichts und macht nie, was er sagt.)

La verdad es que a veces me gustaría ser un poco más vivalavirgen y no estar siempre angustiada por cómo saldrán las cosas. (Eigentlich würde ich mich gerne ein bisschen weniger um alles kümmern und mir nicht immer Sorgen machen, wie sich die Dinge entwickeln werden.)

BUENO ES SABERLO

Wenn die Schiffe auslaufen oder in den Hafen zurückkehren, tritt die Mannschaft an Deck in einer Reihe an. Oft wird dann durchgezählt oder die Matrosen rufen ihren Namen. Der letzte in der Reihe schreit »Viva la Virgen!« und erbittet damit den Segen der Heiligen Jungfrau für Schiff und Besatzung. Warum er der Letzte ist? Vielleicht hat er den Appell verschlafen, hatte »Wichtigeres« zu tun oder nimmt es generell mit dem Drill an Bord oder mit der Pünktlichkeit nicht so genau ...

NÜTZLICHE VOKABELN

irresponsable – unverantwortlich; verantwortungslos

angustiado/-a – beklommen, verängstigt, bekümmert

salir (algo) bien/mal – (etwas) gelingen/misslingen; glücken/missglücken

4 – DE PASCUAS A RAMOS

alle Jubeljahre einmal (wörtlich: von Ostern bis Zweige)

Die Zweige (Ramos) sind in diesem Fall die Palmzweige; der Domingo de Ramos ist also der Palmsonntag – und der liegt im kirchlichen Kalender eine Woche vor Ostern. Wenn also etwas von Ostern bis zum Palmsonntag dauert, ist das nahezu ein ganzes Jahr.

BEISPIELE

La relación que tiene María con sus padres no es normal, al menos para los españoles: los llama de Pascuas a Ramos y no va a verlos nunca.(Die Beziehung von Maria zu ihren Eltern ist nicht normal, jedenfalls nicht in Spanien: Sie besucht sie nie und ruft nur alle Jubeljahre mal an.)

¡Tú dirás lo que quieras, pero escuchar una canción de los Toten Hosen de Pascuas a Ramos NO es aprender alemán!(Du kannst sagen, was Du willst, aber nur alle Jubeljahre ein Lied der Toten Hosen zu hören ist NICHT Deutsch lernen!)

BUENO ES SABERLO

Die gleiche Bedeutung haben die Wendungen de uvas a peras (von Trauben bis Birnen), weil zwischen der Weinlese im Herbst und der Birnenernte im Spätsommer so gut wie ein Jahr liegt, oder de higos a brevas: Beides sind Früchte des Feigenbaums, wobei zunächst die brevas reifen und später im Jahr die higos.

NÜTZLICHE VOKABELN

relación, la – Beziehung

al menos; por lo menos – wenigstens; mindestens

5 – HABLANDO DEL REY DE ROMA

wenn man vom Teufel spricht, ist er nicht weit (wörtlich: wenn man vom König von Rom spricht, erscheint er an der Tür)

Der Satz wird benutzt, wenn von jemandem die Rede ist und er (oder sie) in diesem Moment den Raum betritt. Zuweilen wird statt vom König auch vom »Papst aus Rom« («el Papa de Roma») gesprochen, was auf den Ursprung der Formulierung hinweist: Sie entstand zu der Zeit, als die Päpste in Avignon residierten (1309–1377) und man von der Niedertracht Roms sprach, der «ruin de Roma». Im Laufe der Zeit wurde aus ruin der rey; der zweite Halbsatz wurde wegen des Reims angefügt.

BEISPIELE

Juan siempre llega tarde, y eso me pone de los nervios. Tendría que haber llegado hace una hora y... Hombre, Juan, ¡por fin! ¡Hablando del rey de Roma! (Juan kommt immer zu spät, was mich nervt. Er hätte schon vor einer Stunde hier sein sollen und ... Oh, Juan, endlich! Wenn man vom Teufel spricht!)

Estábamos hablando de lo mal que nos parecían las últimas medidas del jefe cuando, hablando del ruin de Roma, por la puerta asoma. Nos quedamos preocupadísimos pensando en si había oído lo que estábamos diciendo. (Wir sprachen gerade darüber, wie schlecht wir die letzten Maßnahmen des Chefs fanden, und wenn man vom Teufel spricht ... Wir waren sehr besorgt, ob er gehört hatte, was wir gesagt hatten.)

BUENO ES SABERLO

Die Spanier sind bekannt für ihre Toleranz in puncto Pünktlichkeit. Verspätungen von einer halben Stunde gelten deshalb als normal und werden achselzuckend akzeptiert. Der Wartende nimmt solange einen café oder ein caña (kleines Bier). Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Die Katalanen achten eher auf pünktliches Erscheinen, im Süden dagegen kann die Wartezeit auch mal länger werden. Als Deutscher sollte man sich jedoch nicht zu stark anpassen: Uns geht der Ruf absoluter Pünktlichkeit voraus, und daran werden wir gemessen.

NÜTZLICHE VOKABEL

poner de los nervios – nerven

6 – SER MANO DE SANTO

Wundermittel (wörtlich: Hand des Heiligen)

Wunder können – so der (Aber-) Glaube – nicht nur lebendige Heilige vollbringen: Die Kräfte schlummern auch in jedem Teil ihrer sterblichen Überreste. Wer im Besitz einer solchen Reliquie ist oder sie berührt, auf den gehen diese wundersamen Kräfte über. Dass vor allem die Hände für (Wunder-) Heilungen eine besondere Bedeutung haben, zeigt sich in der Wendung »jemandem die Hand auflegen«.

BEISPIELE

Oye, ¿y el compañero ese de trabajo que no hacía más que llamarte? – ¡¿Ese?! ¡¡Qué pesado!! Nada, le dije que era lesbiana y mano de santo, ¡desde entonces no me ha vuelto a hablar! (Sag mal, dieser Arbeitskollege von Dir, der Dich ständig angerufen hat ...? – Der? Was für eine Nervensäge! Ich habe ihm gesagt, ich sei lesbisch, und – oh Wunder! – seither hat er mich nicht mehr angesprochen!)

Mi abuela siempre decía que para el dolor de garganta nada mejor que dos cucharadas de bicarbonato en medio vaso de agua y hacer gárgaras. ¡Mano de santo! (Meine Oma sagte immer, bei Halsschmerzen gibt’s nichts Besseres als zwei Löffel Natron in ein halbes Glas Wasser und damit gurgeln. Ein echtes Wundermittel!)

FETTNÄPFCHENGEFAHR

Etwas ganz anderes als die mano de santo ist die mano de Dios: Die »Hand Gottes« habe Diego Maradona geholfen, im Viertelfinale der Fußball-WM gegen England 1986 das Tor zum 1:0 zu erzielen – so jedenfalls kommentierte der Argentinier damals die Fernsehbilder, die zeigten, dass der Treffer irregulär mit der Hand erzielt worden war ...

BUENO ES SABERLO

Spaniens Diktator Franco ließ während seiner Regentschaft die Hand der Heiligen Theresa in seinem Palast aufbewahren. Die Reliquie soll ihn zu seinem Schutz sogar auf Reisen begleitet haben. Erst nach seinem Tod wurde der Körperteil an das Kloster der Carmelitas Descalzas de Ronda zurückgegeben.

NÜTZLICHE VOKABELN

cucharada, una – ein Löffel voll

bicarbonato, el – Bikarbonat, Natron

hacer gárgaras – gurgeln (Achtung: Vete a hacer gárgaras heißt auch »Scher’ dich zum Teufel.«)

7 – CON LA IGLESIA HEMOS TOPADO

Probleme mit den Behörden haben (wörtlich: wir sind mit der Kirche zusammengestoßen)

Im spanischen Nationalepos, dem »Don Quijote« von Cervantes, sucht der Held ein Schloss, muss aber erkennen, dass es (nur) die Dorfkirche ist, die er gefunden hat, und sagt: »Die Kirche haben wir getroffen, Sancho.« Im Laufe der Zeit wurde aus dem Gebäude die Institution Kirche und aus dem Finden ein Zusammenstoß.

BEISPIELE

Nada, con la iglesia hemos topado, el puñetero funcionario no me ha aceptado el recurso contra la multa de aparcamiento. (Naja, Behörden, der blöde Beamte hat meinen Widerspruch gegen den Strafzettel nicht akzeptiert.)

Su madre le dijo que no salía de la casa mientras no ordenase su habitación. «Con la iglesia hemos topado», murmuró Paco entre dientes, mientras se daba la vuelta y se iba para su habitación. (Seine Mutter sagte ihm, dass er nicht aus dem Haus darf, ehe er nicht sein Zimmer aufräumt. »Stress mit der Autorität«, murmelte Paco in seinen Bart, als er sich umdrehte und in sein Zimmer ging.)

BUENO ES SABERLO

Jedes Kind in Spanien kennt den ersten Satz des Buches: En un lugar de la Mancha, de cuyo nombre no quiero acordarme... (an einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will ...). Der Roman von Miguel de Cervantes, dessen erster Teil 1605 erschien (der zweite folgte 1615), hat dort mindestens denselben Stellenwert wie bei uns Goethes »Faust«. Er enthält zahlreiche geflügelte Worte, von denen der »Kampf gegen Windmühlen« das wohl bekannteste ist.

NÜTZLICHE VOKABELN

puñetero/-a – verdammt

funcionario/-a, el/la – Funktionär/in, (der) Beamte, (die) Beamtin

multa, la – Geldstrafe, Geldbuße

murmurar entre dientes – etwas in den Bart murmeln

8 – APAGA Y VÁMONOS

Hier gibt es nichts mehr zu tun (wörtlich: schalt’ aus und wir gehen)

Aus dem Dorf Pitres in der Provinz Granada ist die Anekdote von zwei Priestern überliefert, die sich auf eine Stelle als Militärpfarrer beworben hatten. Um das Verfahren abzukürzen, vereinbarten die beiden, dass den Posten derjenige erhalten solle, der die kürzeste Messe zelebrieren konnte. Der erste bestieg die Kanzel und sagte: «Ite, misa est» (»Gehet, die Messe ist vorüber«). Der zweite zögerte einen Augenblick, dann wandte er sich an den Messdiener und sagte: «Apaga y vámonos.»

BEISPIELE

Si el nene dice que no le gusta la comida, entonces apaga y vámonos. Está tan malcriado que al final se saldrá con la suya. (Wenn der Junge sagt, dass es ihm nicht schmeckt, kann man nichts machen. Er ist so verzogen, dass er sowieso seinen Kopf durchsetzen wird.)

Si no hay azafrán, apaga y vámonos. ¡Me niego a hacer una paella sin azafrán!(Wenn es keinen Safran gibt, lass uns gehen. Ich werde keine Paella machen ohne Safran!)

BUENO ES SABERLO

Im Spanischen haben viele Verben neben der normalen auch eine reflexive Form, was die Bedeutung deutlich ändern kann. So heißt vamos »wir gehen«, vámonos dagegen »wir gehen weg«. Weitere Beispiele sind encontrar (finden, treffen) und encontrarse (sich befinden) oder llamar (rufen) und llamarse (heißen).

NÜTZLICHE VOKABELN

nene/-a, el/la – Kind

malcriado/-a – unerzogen; verwöhnt

salirse con la suya – seinen/ihren Kopf durchsetzen

azafrán, el – Safran

negarse (a hacer algo) – (etwas) verweigern

9 – ¡JESÚS!

Die alten Ägypter und Griechen glaubten, dass Niesen eine Vorwarnung der Götter sei. Die Griechen sagten in dem Fall »Lebe«, die Römer »Salve«. Während der Pestepidemien im Mittelalter galt Niesen als eines der ersten Symptome der Krankheit, weshalb man jemanden, der nieste, dem Schutz Gottes empfahl: Dios te dé salud (Gott gebe Dir Gesundheit) oder Jesús te salve (»Jesus rette dich«), was später auf salud oder eben Jesús verkürzt wurde.

BEISPIELE

A los extranjeros siempre les extraña que, cuando estornudan en España, todo el mundo les llame «Jesús». (Die Ausländer staunen immer, dass, wenn jemand niest, ihn alle Jesus nennen.)

El profesor interrumpió su clase, le dijo muy educadamente «Jesús» al alumno que había estornudado y, a continuación, siguió hablando sobre la historia medieval de España. (Der Lehrer unterbrach seinen Unterricht, sagte höflich »Jesus« zu dem Schüler, der geniest hatte, und sprach danach weiter über die Geschichte des Mittelalters in Spanien.)

BUENO ES SABERLO

Jesus wird in Spanien nicht nur angerufen, wenn jemand niest: Je nach Kontext kann der Ausruf Jesús Überraschung bedeuten oder zur Bekräftigung einer Aussage dienen. Ganz ähnlich werden andere handelnde Personen aus der Bibel »eingesetzt«: die Jungfrau (la Virgen), die Mutter (la madre oder auch madre mía) und – wie bei uns auch – Dios.

NÜTZLICHE VOKABELN

extranjero/-a, el/la – Ausländer/-in

extrañar – erstaunen

estornudar – Niesen

interrumpir – unterbrechen

a continuación – hier: danach

10 – DONDE CRISTO PERDIÓ EL GORRO

am Ende der Welt (wörtlich: wo Christus die Mütze verlor)

Jesus Christus wanderte kreuz und quer durch Judäa und predigte an unzähligen Orten. Die meisten davon sind in der Bibel oder anderen Schriften erwähnt – nicht jedoch der Ort, an dem er seine Mütze verlor. Deshalb muss es sich dabei wohl um einen Platz handeln, der sehr weit weg oder sehr einsam ist. Jedenfalls hat er bis heute keinen Namen ...

BEISPIELE

¿Al pueblo de Pedro a comer? ¡Eso está donde Cristo perdió el gorro! Mejor vamos a un sitio que esté más cerca, que no quiero tener que coger el coche. (In Pedros Dorf essen? Das ist doch am Ende der Welt! Besser wir finden etwas, was näher ist, weil ich keine Lust habe, das Auto zu nehmen.)

Y allí estaba yo, donde Cristo perdió el gorro, sin saber dónde estaba, sin dinero y sin móvil. ¡Qué mal lo pasé! (Und dort war ich, am Arsch der Welt, ohne zu wissen, wo ich war, ohne Geld und ohne Handy. So ein Mist!)

FETTNÄPFCHENGEFAHR

Coger ist im südamerikanischen Spanisch (auch) ein Synonym für den Geschlechtsakt. Wenn Südamerikaner Spanier hören, die zum Beispiel den Bus nehmen wollen (coger el aútobus), lachen sie sich tot.

BUENO ES SABERLO

Dass Spanien traditionell ein katholisches Land war (und in Teilen noch ist), zeigt sich zum Beispiel bei den Vornamen, besonders bei den weiblichen. Ihre Übersetzung ist zuweilen etwas erschreckend: Lola, die Kurzform von Dolores, bedeutet Schmerzen, Soledad heißt Einsamkeit, Angustias sind Ängste und Martirio ist das Martyrium. Aber Socorro (Hilfe) ist unterwegs und bietet hoffentlich Remedios (Lösungen) oder Consuelo (Trost); den finden wir vielleicht bei Sagrario (Tabernakel) oder Rosario (Rosenkranz) ...

NÜTZLICHE VOKABELN

coger – nehmen

móvil, el – Mobiltelefon, Handy

11 – NO SABER DE LA MISA LA MEDIA

wenig Ahnung (von etwas) haben (wörtlich: von der Messe nicht die Hälfte kennen)

Im 16. Jahrhundert lagen die Dörfer weit auseinander und die Pfarrer mussten mehrere Gemeinden versorgen. Aufgrund der Entfernungen war es unmöglich, in allen Kirchen die Messe zu lesen, weshalb man auch Geistliche mit niedrigerem Rang die Messe lesen ließ. Viele von ihnen konnten jedoch kein Latein und mussten die Liturgie auswendig lernen. Wenn sie nun beim Vortragen der Messe ins Stocken gerieten oder beim Aufsagen einen Hänger hatten, sagte man, sie würden von der Messe nicht mal die Hälfte kennen.

BEISPIELE

Ayer fui a mirar las notas de alemán, y claro, suspenso... Normal, la semana antes del examen estuve enfermo y no me sabía de la misa la media. (Gestern habe ich meine Noten in Deutsch gesehen und, klar, durchgefallen ... Kein Wunder, die Woche vor der Prüfung war ich krank und ich hatte keine Ahnung.)

Lola se piensa que sus amigos la adoran y no se entera de la misa la mitad: en cuanto se da la vuelta ya están hablando mal de ella. (Lola denkt, dass ihre Freunde sie vergöttern und sie hat keine Ahnung: sobald sie sich umdreht, lästern sie ganz schlimm über sie.)

BUENO ES SABERLO

Das spanische Notensystem ist anders als das deutsche: Die Bestnote ist die 10, die schlechteste Note die 0. Allerdings hat das Bildungsministerium 2007 die Null im Notensystem für die Mittelstufe, die ESO (Educación Secundaria Obligatoria), abgeschafft – vermutlich, damit die Schüler kein Trauma erleiden, wenn sie cero patatero bekommen, eine große, fette Null.

NÜTZLICHE VOKABELN

ayer – gestern

claro – hier: klar

enfermo/-a – krank

adorar – vergöttern; anbeten

hablar bien/mal de alguien – von jemandem gut/schlecht reden

12 – NO ES SANTO DE MI DEVOCIÓN

Das/er/sie ist nicht mein Fall (wörtlich: er ist nicht Heiliger meiner Hingabe)

Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Weiler hat einen eigenen Schutzheiligen. Viele Menschen haben zudem einen Heiligen, den sie selbst gewählt haben und an den (oder die) sie sich wenden, wenn sie etwas brauchen oder etwas erreichen wollen. Den hier vorgestellten Ausdruck benutzen Spanier, wenn sie mit einem Menschen, vor allem mit seiner Einstellung, nicht einverstanden sind.

BEISPIELE

Ni PP, ni PSOE, ni nadie. Ningún partido político español es santo de mi devoción, que son todos unos sinvergüenzas. (Weder PP noch PSOE oder sonst jemand. Keine der spanischen Parteien ist auf meiner Linie, das sind alles Lumpen.)

Pues si Lucas está en la fiesta, yo no voy. No es santo de mi devoción precisamente, ¿sabes? (Also wenn Lucas bei der Party dabei ist, gehe ich nicht. Er ist nicht wirklich mein Fall, weißt Du?)

BUENO ES SABERLO

So gut wie in jedem Dorf, in jeder Stadt Spaniens gibt es ein jährliches Fest zu Ehren des oder der Schutzheiligen, bei dem er (oder sie) an ihrem Heiligtum aufgesucht wird, beispielsweise die Sanfermines in Pamplona (San Fermín), die Fallas in Valencia (San José), die Fiestas de San Isidro in Madrid (San Isidro) oder die Feria de Albacete (Virgen de los Llanos).

NÜTZLICHE VOKABELN

sinvergüenza, el/la – unverschämt; Lump

precisamente – hier: genau

San (Kurzform von »Santo«) – Heilige

virgen, la – Jungfrau (Virgen mit großem Anfangsbuchstaben: Heilige Jungfrau)

13 – LLEGAR Y BESAR EL SANTO

leichter und viel schneller als gedacht (wörtlich: ankommen und den Heiligen küssen)

An den Festtagen der Heiligen bilden sich lange Schlangen vor den Heiligtümern. Es kann Stunden dauern, bis man endlich den Altar, den Schrein oder die Statue erreicht und den Heiligen berühren kann. Wie überaus angenehm, wenn man nach der Pilgerreise keine Wartezeit mehr in Kauf nehmen muss, sondern den Heiligen sofort küssen kann ...

BEISPIELE

En cuanto he entrado en la peluquería me ha dicho la peluquera que me sentara, ¡ha sido llegar y besar el santo! (Sobald ich den Friseursalon betreten hatte, sagte die Friseurin, ich solle mich setzen – völlig ohne Wartezeit!)

No te pienses que Urgencias en España es llegar y besar el santo; prepárate para estar allí un par de horas, como mínimo. (Glaub nicht, dass die Notaufnahme in Spanien »ankommen – drankommen« ist; mach Dich drauf gefasst, dass Du dort ein paar Stunden verbringst – mindestens.)

BUENO ES SABERLO

Auch wenn vor allem in der jüngeren Generation die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche merklich zurückgeht: In Spanien pflegt man noch sehr umfassend den Heiligenkult und – damit verbunden – das Pilgern. Rom, Santiago de Compostela oder Lourdes stehen für den gläubigen Menschen ganz oben auf der persönlichen Pilger-Agenda.

NÜTZLICHE VOKABELN

en cuanto – sobald

urgencia, la – Not, Notfall

Urgencias (del hospital) – Notaufnahme

prepararse – sich vorbereiten

14 – ÍRSELE A UNO EL SANTO AL CIELO

den Faden verlieren (wörtlich: mir ist der Heilige zum Himmel gegangen)

Man sieht ihn förmlich vor sich, den Priester, der über einen der Heiligen predigte – und mitten in seiner Rede dessen Namen vergaß: »Und jetzt ist er mir in den Himmel gestiegen ...«

BEISPIELE

Nada, que se me ha ido el santo al cielo y ya no sé qué es lo que estaba diciendo. (Naja, ich habe den Faden verloren und weiß nicht mehr, was ich sagen wollte.)

...y justo en medio de la conferencia se le fue el santo al cielo al profesor y allí se quedó, el pobre, sin saber qué hacer ni qué decir.(... und genau in der Mitte des Vortrags verlor der Professor den Faden und dort stand er, der Arme, ohne wissen, was er tun oder sagen soll.)

BUENO ES SABERLO

Die erste Messe, die ein Papst nicht auf Latein, sondern auf Italienisch las, wurde am 7. März 1965 von Paul VI. gefeiert. Spanien war vier Wochen schneller: Die erste Messe auf Spanisch wurde am 10. Februar zelebriert, und zwar an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Sevilla – als Symbol für den Einzug der Moderne.

NÜTZLICHE VOKABEL

cielo, el – Himmel

15 – CAERSE DEL BURRO / DE LA BURRA

etwas begreifen, einsehen (wörtlich: von einem Esel fallen)

Der Esel gilt als störrisches, zuweilen auch ungeschicktes Tier; wer auf ihm reitet, mag also durchaus selbst ein wenig tolpatschig sein. Warum aber geht dem Reiter ein Licht auf, wenn er im Staub liegt? Weil genau solch ein Licht einem der Apostel erschienen sein soll: Das Licht Gottes blendete Paulus, als er nach Damaskus ritt, und bekehrte ihn zum Christentum. Zuvor hatte Paulus die christlichen Gemeinden erbittert verfolgt.

BEISPIELE

¡Por fin te caíste del burro!(Endlich ist bei dir der Groschen gefallen!)

Nada, que Laura no se cae de la burra; lleva más cuernos que un saco de caracoles y sigue diciendo que Javi le es fiel hasta la muerte. (Ach was, Laura begreift es einfach nicht. Javi hat ihr mehr Hörner aufgesetzt, als du in einem Sack voller Schnecken finden kannst, und sie sagt immer noch, dass er treu bis in den Tod ist.)

BUENO ES SABERLO

Der Esel sorgt regelmäßig für Verwerfungen zwischen Spaniern und Italienern. Obwohl beide Sprachen romanischen Ursprungs sind, gibt es einige Vokabeln, die unterschiedliche Bedeutungen haben. Wenn der italienische Tourist beim Frühstück um Butter bittet, kann die Kellnerin dies schnell als Beleidigung auffassen – denn Butter heißt auf Italienisch burro; das spanische Wort dafür ist mantequilla und hat vermutlich arabische Wurzeln.

NÜTZLICHE VOKABELN

llevar cuernos – Hörner tragen

caracol, el – Schnecke

16 – EL QUE SE FUE A SEVILLA, PERDIÓ SU SILLA

weggegangen – Platz vergangen (wörtlich: der nach Sevilla ging, verlor seinen Stuhl)

Tatsächlich verlor nicht der seinen Platz, der nach Sevilla ging, sondern der, der von dort ausgezogen war – nämlich Erzbischof Alfonso I. Er reiste im 15. Jahrhundert nach Santiago de Compostela, wo er seinem Neffen Alfonso II. den Weg auf den Bischofsstuhl ebnen wollte. Bei seiner Rückkehr musste er jedoch feststellen, dass eben dieser Neffe seinen Platz in Sevilla eingenommen hatte. Erst eine bewaffnete Streitmacht des Papstes verhalf ihm wieder zu seinem Recht.

BEISPIELE

(En el cine de verano) Perdone, pero ahí estaba sentado yo. – Ah, se siente. No haber ido al bar. El que se fue a Sevilla, ya sabe usted... ((Im Sommerkino) Entschuldigen Sie, aber das war mein Platz. – Ah, tut mir Leid. Wenn Sie nicht zur Bar gegangen wären ... Weggegangen, Sie wissen schon ...)

¿Cómo que quieres que te devuelva tu antiguo puesto en la empresa, después de haberte ido a la competencia? ¡Ah no, el que se fue a Sevilla perdió su silla! (Wieso möchtest du deine alte Stelle wieder, nachdem du zur Konkurrenz gegangen bist? Nein nein, weggegangen, Platz vergangen!)

BUENO ES SABERLO

Einen gereimten Satz, mit dem gewarnt wird, dass man verlieren kann, was man hat, wenn man in die Ferne geht (oder auch nur kurz an die Bar), gibt es in vielen Sprachen. Qui va à la chasse, perd sa place, sagt der Franzose, und im Englischen heißt es: Who loves the roam, may lose his home.

NÜTZLICHE VOKABELN

puesto, el – Arbeitsplatz; Stelle