Azidose-Therapie - Barbara Simonsohn - ebook

Azidose-Therapie ebook

Barbara Simonsohn

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Opis

Übersäuerung ist heutzutage eines der größten gesundheitlichen Probleme. Durch unsere Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress gerät der Säure-Basen-Haushalt aus der Balance. Die Folgen: Trägheit bis hin zu Depression und Burn-out, Krankheiten wie Osteoporose, Rheuma, Diabetes und Arteriosklerose. Barbara Simonsohn, gefragte Ernährungs- und Gesundheitsexpertin, zeigt uns anschaulich und leicht verständlich, wie wir unser Leben entsäuern, um bis ins hohe Alter gesund, fit und schön zu bleiben. Die einfache und natürliche Azidose-Therapie baut auf den Methoden ihrer Lehrerin Dr. Renate Collier auf, die erkannte, dass Säuren sich vor allem im Bindegewebe und im Darm ansammeln. Mit Fasten, Bindegewebsmassagen, Rumpfwickeln, Entspannung und einer basenbetonten Ernährung gelangen wir zurück zu einem vitalen, glücklichen und harmonischen Leben.

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BARBARA SIMONSOHN

AZIDOSE-

THERAPIE

Wie Sie Ihren Körper

natürlich entsäuern

ÜBER DIE AUTORIN

Barbara Simonsohn, Jahrgang 1954, machte ihre erste Azidose-Kur bei Renate Collier schon mit 23 Jahren, als Studentin der Sozialwissenschaften. Mit 27 Jahren ließ sie sich von ihr im ersten Ausbildungsseminar überhaupt zur Azidose-Seminarleiterin ausbilden. Sie war auch die Erste, die Seminare für Renate Collier – an der Hamburger Volkshochschule – organisierte. Barbara Simonsohn assistierte ihrer Lehrerin bei zahlreichen Kur-Seminaren, begann parallel, selbst Azidose-Seminare zu geben, und leitete Azidose- und Fastenkuren mit insgesamt einigen Hundert Teilnehmern.

Mit 24 Jahren schloss Barbara Simonsohn ihr Studium als Diplom-Politologin ab. Schon während des Studiums schrieb sie Artikel für das Hamburger Abendblatt vor allem über Umweltthemen und gab Kurse darüber an der Volkshochschule. Ein Jahr lang lebte und lernte sie auf dem Demeter-Hof Springe bei Lübeck. Barbara Simonsohn hat zwei Kinder, ihr Sohn wurde 1988 und ihre Tochter 1994 geboren. Mehrere Jahre hintereinander besuchte sie die weltbekannte Findhorn-Gemeinschaft in Schottland und engagierte sich als Entwicklungshelferin auf Haiti, wo sie zusammen mit 65 Frauen mehr als 250 Fruchtbäume pflanzte.

1981 lernte sie das authentische Reiki kennen und ließ sich 1984 in den USA und der Schweiz von Dr. Barbara Ray, direkte Schülerin von Hawayo Takata, in dieser uralten Methode zur Aktivierung universeller Energie ausbilden. Authentisches Reiki aktiviert die Selbstheilungskräfte in einem selbst und anderen und schenkt mehr Selbstwertgefühl, inneren Frieden und heitere Gelassenheit. Seither vermittelt Barbara Simonsohn in Deutschland, Österreich und auch im außereuropäischen Ausland alle sieben Reiki-Grade einschließlich der Lehrerstufen IIIB, VB und VIIB. Mit mehr als 10 000 Seminarabsolventen gehört sie zu den erfolgreichsten Lehrern dieser Selbstheilungsmethode überhaupt.

Seit 1995 schreibt Barbara Simonsohn Gesundheitsbücher mit einer Gesamtauflage von zurzeit (2016) mehr als 445 000 verkauften Exemplaren allein auf Deutsch. Viele ihrer Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Neben einem Yogabuch über die »Fünf Tibeter« und zahlreichen Reiki-Büchern liegt ihr Schwerpunkt auf dem Gebiet der gesunden Ernährung. Ihr Spezialgebiet sind Super Foods wie Papaya, Gerstengrassaft, Moringa, Chia, Hanf, Baobab und Sibirische Zedernnüsse, über die sie Grundlagenwerke verfasste. Barbara Simonsohn hält Vorträge über ihre Ernährungsthemen und gibt Azidose-Massage-Wochenendseminare sowie längere Fasten- und Basenfasten-Kurseminare bundesweit und auf Teneriffa. Sie steht auch als privater Fasten- und Azidose-Coach zur Verfügung und begleitet Einzelne auf Fasten- und Entsäuerungskuren einschließlich Wickel, Massagen, Zubereitung der Fastensuppen und -säfte und kompetenter Beratung. Im Frühjahr 2017 erscheint ihr erstes Fastenbuch. Außerdem schreibt Barbara Simonsohn Reisereportagen und engagiert sich bei der Integration von Flüchtlingen. Ihre Homepage wird jährlich von mehr als 360 000 Menschen besucht.

Sie können mit der Autorin Kontakt aufnehmen:

Barbara Simonsohn

Holbeinstr. 26

22607 Hamburg

E-Mail: [email protected]

Tel.: 040-895338

Fax: 040-893497

Website: www.Barbara-Simonsohn.de

Die Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Sie bieten jedoch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat, sondern dienen der Begleitung und der Anregung der Selbstheilungskräfte. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne Gewährleistung oder Garantie seitens der Autorin oder des Verlages. Eine Haftung der Autorin bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

Dieses Buch enthält Verweise zu Webseiten, auf deren Inhalte der Verlag keinen Einfluss hat. Für diese Inhalte wird seitens des Verlags keine Gewähr übernommen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich.

ISBN 978-3-8434-6345-4

Barbara Simonsohn: Azidose-Therapie Wie Sie Ihren Körper natürlich entsäuern © 2016 Schirner Verlag, Darmstadt

Umschlag: Simone Fleck, Schirner, unter Verwendung von # 319708088 (© justone), # 156903569 (© leungchopan), # 247613896 (© tele52) und # 220229293 (© Fribus Mara), www.shutterstock.comFotografien der Massagen: Theo Hodapp Model für die Massagen: Esad Kodaman Lektorat: Bastian Rittinghaus, Schirner Print-Layout: Simone Fleck, Schirner Gesetzt aus der Arimo (© Ascenderfonts.com) unter der Apache-Lizenz 2.0: www.apache.org/licenses/LICENSE-2.0E-Book-Erstellung: HSB T&M, Altenmünster, Germany

www.schirner.com

1. E-Book-Auflage 2017

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten

INHALT

ÜBER DIE AUTORIN

DANKSAGUNG

VORWORT VON DR. RUEDIGER DAHLKE

EINLEITUNG ODER: WIE ICH ZUR AZIDOSE-THERAPIE KAM

Renate Collier: ein Leben gegen den Strom

AZIDOSE, WAS IST DAS?

Zur Geschichte der Azidose-Therapie – wie alles begann

Mineralstoffmangel, eine der Hauptursachen der Übersäuerung

Der Darm, ein Wunderwerk

»Die Milch macht’s«? Milch und Azidose

Allergien austesten

DIE AZIDOSE-KUR ZU HAUSE

Fasten zu Hause – geht das?

Plan für die Fastenzeit

Was, wenn Fasten nicht infrage kommt?

Der Bittersalztrunk – ein Einlauf von oben

Massagen – Säuredepots im Bindegewebe lösen

Die Rolle des Bindegewebes in der Azidose-Therapie

Sinn und Zweck der Azidose-Massage

Die Bauchselbstmassage

Die Kopf-Nacken-Selbstmassage

Die Beinselbstmassage

Die Rückenselbstmassage

Die Rückenmassage bei anderen

Die Rolle der Bewegung in der Azidose-Therapie

Warum Entspannung und Schlaf so wichtig sind

Wickel – »mein bestes Pferd im Stall«

AZIDOSE-THERAPIE – BEI WELCHEN KRANKHEITEN SIE HILFT, UND WARUM

Wie die Azidose-Therapie auf Seele und Geist wirkt

BASENKOST – WARUM DIESE HEILNAHRUNG SO WICHTIG FÜR UNS IST

SCHNELLPROGRAMM ZUM LOSWERDEN VON SÄUREN

BASEN-POWER-REZEPTE

ADRESSEN

LITERATUR

Bücher

Broschüren

Aufsätze und Artikel

BILDNACHWEIS

DANKSAGUNG

Ich danke Renate Collier, dass sie mir meine Gesundheit zurückgegeben und mir gezeigt hat, wie ich diese erhalte. Und dafür, dass ich mich aufgrund dessen seither für Ernährung interessiere und schon viele Bücher darüber geschrieben habe.

Ich danke auch Ilona Schütt, einer der besten Collier-Schülerinnen, die ich kenne, für die kompetente Optimierung der Kapitel für dieses Buch. Ilona, du hast begnadete Hände! Die Azidose-Ganzkörpermassage, die ich von dir bekam, war der Himmel auf Erden.

VORWORT

VON DR. RUEDIGER DAHLKE

Schon der deutsche Arzt und Forscher Otto Warburg, der 1931 den Medizin-Nobelpreis erhielt, fand heraus, dass sich Krebszellen durch einen höheren Laktat-, d. h. Milchsäure-Spiegel aufgrund anaerober Glycolyse auszeichnen gegenüber gesunden Zellen. Er hielt diese Übersäuerung schon damals für die Entstehungsbasis von Krebs. Leider wurde dieser Ansatz von einer auf Chemotherapie und das damit zu machende Geschäft fixierten Pharmaindustrie, die immer größere Teile der Schulmedizin in ihren Einfluss brachte, ignoriert. Am Ende meines Studiums vor fast 40 Jahren wurde dieser Ansatz nur noch in der Komplementärmedizin vertreten. Heute allerdings ist Fasten durch die wissenschaftliche Forschung des Italieners Dr. Valter Longo in den USA zu einer bewährten Behandlung bei Krebs geworden und wird sogar parallel zur Chemotherapie angewandt, weil es nachweislich gesunde Zellen stärkt und kranke schwächt. Zumindest einen entscheidenden Anteil dürfte daran die Entsäuerung haben, die beim Fasten stattfindet.

Auch bei den noch erstaunlicheren Heilwirkungen pflanzlich-vollwertiger Kost im Sinne von »Peace-Food« ist Entsäuerung durch deren Basenüberschuss ein wesentlicher, wenn nicht sogar entscheidender Faktor. Fast alle Gemüse fördern eine Alkalisierung des Gewebes und wirken so den modernen Säurefluten entgegen.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich nach 45 Jahren vegetarischer Ernährung, bei der ich schon auf Milch und Eier verzichtete, und seit 10 Jahren konsequent veganer Kost und regelmäßigem Mitfasten bei meinen Fasten-Seminaren in Frühjahr und Winter berichten, von diesem tendenziell basischen Stoffwechsel sehr profitiert zu haben. Jenes Rheuma, das mir eine ärztliche Kollegin und Iridiologin aufgrund eines gut ausgebildeten Rheumaringes im Auge voraussagte, konnte ich bis heute vermeiden. Mit 65 Jahren habe ich keine Gelenkprobleme, sondern kann im Gegenteil weiter im Lotossitz meditieren und auch wieder bequem daraus aufstehen. Letzteres verdanke ich dem Umstieg von vegetarisch auf vegan. Als ich nicht nur die Milch, der ich immer widerstanden hatte, sondern alle Milchprodukte konsequent wegließ, verschwanden diesbezüglich entstandene Probleme wieder spurlos.

Tatsächlich hat dieser Lebensstil auch vielen Rheumapatienten dazu verholfen, ihr Rheuma wieder loszuwerden. Eine völlig übersäuerte, seit 40 Jahren von Rheuma geplagte Patientin hatte mit 70 ihre erste und obendrein schwere Fastenzeit mit erheblichen Erstreaktionen. Aber nach der Woche war sie ohne Medikamente fast schmerzfrei. Die zur Erhaltung dieses beglückenden Ergebnisses empfohlene pflanzlich-vollwertige »Peace-Food«-Kost traute sie sich nicht zu. Als aber die Schmerzen nach der Aufbauzeit mit der Mischkost zurückkamen, rang sie sich doch zum Pflanzlich-Vollwertigen durch und hat seitdem keine Schmerzen mehr gehabt. In ihrer zweiten Fastenwoche war sie unbeschreiblich glücklich und dann für einen Moment so traurig, dass ihr das nicht schon vor 40 Jahren geraten worden war.

Heute liegt diese Chance so nahe, und ich bin froh, in dieser Zeit Arzt sein zu dürfen, in der Fasten endlich wissenschaftliche Anerkennung bekommt, »Peace-Food« mit unzähligen Studien untermauert ist und die deutsche Ärztekammer sogar die Krankheitsdeutungen von »Krankheit als Symbol« im Rahmen der Integralen Medizin-Ausbildung für Ärzte anerkennt.

In diese vom Gesundheitsgesichtspunkt wundervolle Zeit passt auch dieses wichtige Azidose-Buch von Barbara Simonsohn, die seit so vielen Jahren der neuen (Ernährungs-)Medizin mit ihren Büchern dient und auf die Sprünge hilft. Dieses Buch kann vielen helfen, die Übersäuerung als eines der Grundübel unserer an Problemen reichen Gesundheitsmisere zu erkennen. Das ist besonders wichtig angesichts einer Schulmedizin, die den Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Krebs, aber auch so vielen anderen Krankheitsbildern noch immer und fast konsequent übersieht und andererseits durch die Kunstfehler ihrer Vertreter und die Nebenwirkungen der von ihnen verordneten Pharmazeutika zum Schatten ihrer selbst geworden ist, nämlich zur dritthäufigsten Todesursache nach Herzproblemen und Krebs.

Wenn ich meine vier wirksamsten Mittel anschaue, dienen drei von ihnen direkt auch der Entsäuerung, neben Fasten und »Peace-Food« auch der »Verbundene Atem«, jene Überschwemmung mit der Lebenskraft Prana. Und letztlich zielt auch das Kernstück meiner Therapieempfehlungen, die Krankheitsbilderdeutung von »Krankheit als Symbol«, auf die Verwirklichung der Mitte, die immer Ziel der Medizin wie auch der Meditation war. Insofern ist Entsäuerung auch ein echtes Remedium, wie früher Heilmittel hießen: Sie bringt zurück ins Gleichgewicht.

Das Besondere dieses Buches von Barbara Simonsohn, das es von anderen Azidose-Büchern abhebt, ist sein ganzheitlicher Ansatz, die Beschreibung der Auswirkungen von Entsäuerung nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Seele und den Geist. Übersäuerung bedeutet letztlich, zu tief in den archetypisch männlichen Pol gerutscht zu sein, was auch tiefe spirituelle Erfahrungen verhindert. Erleuchtung heißt in seiner Doppelbedeutung im englischen »Enlightenment« auch »Erleichterung«. Entsäuerung aber ist eine Form von körperlicher Entschlackung, die bis auf seelische und geistige Ebene erleichtert und befreit. Aber selbstverständlich wird auch die Rolle von Bewegung und Entspannung dargestellt beim Loswerden überflüssiger Säure.

Meines Wissens ist dieses auch das erste Buch über die Azidose-Therapie nach Dr. Renate Collier, das ihre genialen Massagen berücksichtigt und entsprechende Anleitungen enthält, sie sogar in Eigenregie durchzuführen wie eine Kopf-Nacken-Selbstmassage, eine Bauch- und eine Bein-Fuß-Selbstmassage.

So wünsche ich diesem Buch von Barbara Simonsohn den verdienten Erfolg und der Medizin, dass sie sich seinen Anregungen öffnet, sie prüft, anerkennt und verwirklicht – je früher, desto besser. Den Patientinnen und Patienten können sie zu einem schmerzfreieren, entspannteren, geschmeidigeren, ja, beschwingteren Leben verhelfen, und indem sie den großen Geißeln der Moderne wie Krebs und Entzündungen die Grundlage entziehen, haben sie echte Vorbeugung zu bieten.

Ruediger Dahlke

Bürgenstock im Juli 2016

www.dahlke.at

EINLEITUNG

ODER: WIE ICH ZUR AZIDOSE-THERAPIE KAM

»Es liegt mir am Herzen, den Menschen zu helfen, bevor sie unheilbar werden.«

(Renate Collier)

Ich war erst 23 Jahre alt und hatte oft das Gefühl, mein Leben sei nicht mehr so recht lebenswert. Oft quälte ich mich morgens aus dem Bett und schleppte mich zur Universität. In der Nacht waren meine Füße eiskalt und fühlten sich taub an. Eines Nachts waren zwei Zehen blau angelaufen, und ich hatte Angst, sie seien erfroren. Meine Verdauung war eine Katastrophe: mal Durchfall, dann wieder tagelang Verstopfung. Ich nahm schließlich Bisacodyl, ein pflanzliches Abführmittel. Was ich nicht wusste: Diese Mittel rauben dem Körper wertvolle Mineralstoffe und lassen mit der Zeit den Darm erschlaffen. Außerdem können sie zur Gewöhnung führen. Ich war in meiner »Bisacodyl-Zeit« auf 21 Tabletten täglich, und dennoch funktionierte die Verdauung oft nicht. Ich hatte fast ständig einen Blähbauch, besonders nach dem Frischkornbrei, den ich morgens aß. Fast immer war ich müde und erschöpft, fühlte mich von allem überfordert, die Lebensfreude war mir abhandengekommen.

Dann hatten wir einen »Gesundheitstag« in der Universität. Im Philosophenturm der Hamburger Uni hielt eine Ärztin einen Vortrag über Gesundheit, Übersäuerung und Azidose-Therapie. Ich war fasziniert von dieser kleinen energievollen Person. Alles, was sie sagte, hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck. Sie redete genau über meine Gesundheitsprobleme! Nach dem Vortrag konnte ich es nicht erwarten, mit ihr zu sprechen. Ich erzählte ihr von meinen Symptomen. Sie schaute mich aufmerksam an, als ob sie alles in meinem Gesicht sehen könnte. Wie ich später erfuhr, kann man tatsächlich schon am Gesicht ablesen, ob und wie stark jemand übersäuert ist. Sie empfahl mir eine offene Badekur in Westerland/Sylt, wo sie ärztliche Leiterin einer Kurklinik war. Geld für eine stationäre Azidose-Kur hatte ich als BAföG-Studentin nicht.

Keine fünf Wochen später war ich dort. Während der gründlichen Anamnese massierte Renate Collier meinen Bauch. Erst konnte sie meinen Querdarm nicht finden, doch es gab ihn: Mein Darm war so erschlafft, dass er sich unter dem Schambein »verkrochen« hatte. Renate Collier erklärte mir, warum ich solche Probleme hatte. Und, dass ich mit meiner »Therapie« mit Bisacodyl und Frischkornbrei alles nur noch schlimmer machte. Dass es für mich fünf vor zwölf sei, beinahe hätte ich mir einen Organschaden zugezogen. Schon während ihrer Bauchmassage entspannte sich mein Darm, und ich fühlte mehr Lebensenergie. Noch viele dieser Massagen sollte ich von ihr erhalten. Ihr Ansatz war ein ganzheitlicher. Während der morgendlichen Bauchmassagen interpretierte sie mir gekonnt die Träume der letzten Nacht. Durch die Entsäuerung trennte sich nicht nur der Körper von Schlacken, Säuren und Giften, die Generalreinigung betraf auch die Seele.

Im Laufe unserer Kur wurden mir und den anderen Patienten die Rückenmassage, die Kopf-Nacken-Massage im Sitzen, die Beinselbst- und die Bauchselbstmassage gezeigt. Von Anfang an massierten wir uns auch gegenseitig. Das war das ganz große Plus bei dieser Mayr-Ärztin: Sie sprach so, dass jeder sie verstehen konnte, und erzog ihre Patienten zur Selbstständigkeit. »Götter in Weiß« gab es für sie nicht, jeder wurde ernstgenommen, musste aber auch im wörtlichen Sinn mit anpacken. Dafür, dass sie ihren Patienten die Bauchmassage als Selbstmassage beibrachte, flog sie hochkant aus dem Bund der Mayr-Ärzte hinaus. Damals hatte dieser Verband nicht den mündigen Patienten im Sinn, Franz X. Mayr hätte die Angelegenheit wahrscheinlich anders gesehen. Als sie viele Jahrzehnte später wieder aufgenommen werden sollte, lehnte sie dankend ab.

Renate Collier und ihre Azidose-Therapie waren Außenseiter. Noch heute ist es so: Wenn man seinem Arzt von Säuren oder Schlacken erzählt, bekommt man meist zu hören, so etwas gebe es nicht. Wer einmal eine gründliche Azidose-Kur absolviert hat, weiß es besser. Ich habe bei Renate Collier gleich 28 Tage lang gefastet mit täglicher Darmreinigung. In der dritten Woche hörte ich in der Kloschüssel ein Geräusch, als wenn ein metallener Gegenstand hineingefallen wäre. Ich angelte den 5 Zentimeter langen, an das Silvester-Bleigießen erinnernd verschlungenen Gegenstand heraus. Renate Collier erklärte mir, dass es sich um einen versteinerten Kotrest handelte, der sich lange in meinen Darmzotten versteckt hatte. Nach Fastenkrisen am 5. und 6. Tag und vom 10. bis 12. Tag erlebte ich überschäumende Lebensfreude und eine unerschöpfliche Energie, sodass ich zierliche Person schwergewichtige Patienten behandeln und bei Windstärke 6 gegen den Sturm auf dem Deich radeln konnte – und dem Wind dabei noch laut entgegensang. Das war in der vierten Fastenwoche!

Meine Begeisterung über das »Heilungswunder« durch Azidose-Therapie, das ich bei mir und anderen beobachtete, kannte keine Grenzen. Ich organisierte für Renate Collier die ersten Seminare an der Hamburger Volkshochschule. Auch hier wurden die Teilnehmer gleich angeleitet, sich gegenseitig zu massieren. An ihrem ersten Seminar für Azidose-Therapie-Seminarleiter nahm ich teil und hielt am Ende stolz meine Urkunde in Händen. Ich weiß nicht mehr, wie viele Vorträge und Kur-Seminare ich bei der begnadeten Ärztin besucht habe. Sie war ein Füllhorn an Wissen und Erfahrung – und dabei immer bescheiden, Bewunderung war ihr eher peinlich. Dabei hat sie Unzähligen zu einem gesünderen, säureärmeren Leben verholfen. Im Namen auch all jener: Danke schön!

Renate Collier wollte immer ein Buch über die Azidose-Therapie für Laien schreiben. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Sie starb, viel zu früh, mit 82 Jahren an einem Schlaganfall. Dieses Buch wird nun nie geschrieben werden. Mit meinem kleinen Buch möchte ich ihr, dieser mutigen Pionierin, wenigstens ein kleines Denkmal setzen. Heute sind Bücher über den Darm en vogue – man denke an »Darm mit Charme« –, doch damals vor 30 Jahren war das Thema verpönt. Wir schickten schon Menschen zum Mond, aber der Darm mit seinen vielfältigen Aufgaben als Basis unserer Gesundheit war »Terra incognita«. Ich weiß, Renate Collier hätte ihr Azidose-Buch (noch) besser und fundierter geschrieben. Vielleicht schaut sie mir von einer Wolke zu und lächelt. Möge dieses Buch einen Unterschied in Ihrem Leben machen, Sie zu noch strahlenderer Gesundheit führen. Dann hat es seinen Zweck erreicht.

Renate Collier: ein Leben gegen den Strom

»Der Säure-Basen-Haushalt ist das größte, oft existenzielle Problem des Stoffwechsels und damit des Menschen.«

(Renate Collier)

Leider hat Renate Collier nie eine Autobiografie geschrieben. Schade, angesichts ihres bewegten und bedeutenden Lebens! Sie kam nicht mehr dazu, ständig war sie »belagert« von Kurgästen, gab Seminare, hatte Besuch und genoss am Ende ihres Lebens auch die Anerkennung von vielen Ärzten, was sie lange Zeit vermisst hatte.

Ich habe Renate Collier vor rund 30 Jahren kennengelernt. Sie war wie ich eine Wassermann-Frau, daher waren wir uns vom Wesen sehr ähnlich: dickköpfig, offen für Neues, begeisterungsfähig, visionär, mit weitem Blick, allergisch gegen selbst ernannte Autoritäten. Sie war ein zierliches Persönchen, aber zäh, mit wachem Blick. Wenn sich ihr Gesicht durch ein Lächeln erhellte, war es, als ginge die Sonne auf.

Renate Collier wurde am 7. Februar 1919 in Krailling bei München geboren. Sie wuchs an der Kurischen Nehrung auf und studierte nach dem Abitur – ihre Abiturarbeit schrieb sie über den großen Arzt Paracelsus – in Königsberg Medizin. Damals war es noch nicht üblich, dass Frauen Medizin studierten, aber Renate Collier ging ihren Weg. Mit 24 Jahren leitete sie bereits die Abteilung für chirurgische und innere Medizin an einem Krankenhaus in Lyck im ehemaligen Ostpreußen. Als 1945 die Russen kamen, floh sie mit ihren transportfähigen Patienten in Richtung Westen. Diese traumatische Zeit hat sie nie vergessen. Solche Erlebnisse stärkten sie letztlich, führten aber auch dazu, dass sie ihren Gefühlen selten freien Lauf ließ. 1952 eröffnete sie eine Praxis als Kneipp-Ärztin in Bielefeld und entwickelte eine eigene Therapie. Bald erkannte sie, dass sie diese ambulant nur ungenügend durchführen konnte, und verlegte ihr Arbeitsgebiet in zum Teil selbst gegründete Kurheime und Sanatorien, wo sie 17 Jahre tätig war, bis sie sich 1984 hat pensionieren lassen und ihren immer noch sehr aktiven »Unruhestand« begann.

Wie kam Renate Collier auf das Thema Azidose? Ein Schlüsselerlebnis:1