Atlan 662: Die Schlafenden Mächte - Arndt Ellmer - ebook

Atlan 662: Die Schlafenden Mächte ebook

Arndt Ellmer

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Opis

Es geschah im April 3808. Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Atlan und seinen Helfern auf der einen und Anti-ES mit seinen zwangsrekrutierten Streitkräften auf der anderen Seite ging überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wurde gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entstand ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agiert. Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass auch in der künstlichen Doppelgalaxis Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen. Inzwischen schreibt man den Juni 3808. Atlan, der in der Namenlosen Zone mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, konnte der SOL wieder Nachrichten zukommen lassen, die den High Sideryt bewegen, zwei Expeditionen loszuschicken. Eine dieser Expeditionen soll Atlan Hilfe bringen. Sie erreicht auch ihr Ziel - und der Arkonide seinerseits entdeckt DIE SCHLAFENDEN MÄCHTE ...

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Nr. 662

Die Schlafenden Mächte

Mit der MJAILAM in die Ellerswiege

von Arndt Ellmer

Es geschah im April 3808. Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Atlan und seinen Helfern auf der einen und Anti-ES mit seinen zwangsrekrutierten Streitkräften auf der anderen Seite ging überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wurde gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entstand ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agiert.

Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass auch in der künstlichen Doppelgalaxis Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen.

Inzwischen schreibt man den Juni 3808. Atlan, der in der Namenlosen Zone mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, konnte der SOL wieder Nachrichten zukommen lassen, die den High Sideryt bewegen, zwei Expeditionen loszuschicken.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide folgt mit seinem Team Chybrains Spur.

Tomagog – Ein Schöpfer, der vor seinen Geschöpfen flieht.

Bleichfinger – Der Erstgeschaffene hat Hunger.

Wajsto Kolsch

1.

Seine Haut knisterte spröde. Sie wölbte sich überall an seinem Körper und bildete Buckel und Wülste. Es knirschte, und die dünne Luftschicht, die sich dicht über dem Boden des Planetoiden hielt, gab die Geräusche verstärkt wieder.

Ein Schatten, übermächtig groß, zog im diffusen Licht des weit entfernten Sterns dicht über ihn hinweg und glitt weiter, ohne ihn bemerkt zu haben.

Er dankte dem Schicksal dafür. Er hatte sich aber auch gut versteckt, und sie konnten ihn nicht finden, bevor er nicht freiwillig aus seinem Unterschlupf hinausging, weil jener unselige Drang ihn trieb.

Seine Haut bildete jetzt die ersten Risse. Es zischte und sprühte, und die Gasfunken der Unterhaut hüpften in die Höhe und hüllten ihn vorübergehend in einen matten Schein, der zwischen den Felsen hin und her zuckte.

Die Haut löste sich auf. Sie fiel nicht einfach von ihm ab. Sie umfing ihn weiterhin, aber sie veränderte ihre Zustandsform. Sie wurde unsichtbar und nahm einen atomaren Zustand an.

Er versank in Starre. Er durfte sich jetzt nicht bewegen, und es durfte kein Lufthauch aufkommen, der ihm die Haut davontrieb. Alles blieb ruhig, und die winzige Schwerkraft seines Körpers konzentrierte sich auf die verschwundene Haut und band sie an den Körper. Sie wurde von der Unterhaut aufgesogen, und das steigende Wohlbefinden sagte ihm, welche Fortschritte er bei seinem Bemühen erzielte.

Kurz darauf hatte er es geschafft. Er hatte die alte Haut voll in sich aufgenommen und besaß jetzt wieder einen vollkommenen Körper.

Als habe die Natur des Planetoiden nur darauf gewartet, zog jetzt ein Brausen über sein Versteck hinweg. Der Wind entwickelte seine Kraft, und bald trieb er Staubwolken und kleinere Felsbrocken vor sich her. Es stürmte, und er schätzte sich glücklich, dass er in seinem Unterschlupf vor den Unbilden der Natur geschützt war. Die Unterhaut benötigte noch eine Weile, bis sie trocken und stabil war. Erst dann durfte er sich in gewohnter Weise um sein Reich kümmern.

»Tomagog!«, drang eine ferne Stimme an sein Ohr. »Es ist soweit. Schöpfer, hörst du mich?«

Die Stimme kam aus dem diffusen Grau des Himmels. Sie nahm ihren Ursprung irgendwo in dem großen Planetoidenhaufen, und sie stammte ohne Zweifel von Bleichfinger. Er rief mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nach ihm, doch Tomagog blieb stumm. Bleichfinger hatte großen Hunger, wenn er nicht mehr wartete, sondern rief. Tomagog verkrampfte seine Hauptextremitäten und unterdrückte das Verlangen, seinem Lieblingsgeschöpf zu antworten.

Es ging nicht. Er hatte keine Zeit und keine Möglichkeit. Er wusste, dass sie ihn suchten und überall auf ihn lauerten, um seinem Leben ein unrühmliches Ende zu bereiten. Er durfte sich nicht darauf einlassen.

Die Gefahr war zu groß, und außerdem erwachte sein stärkster Drang in ihm wie immer, wenn er sich häutete oder ein besonders befriedigendes Erlebnis hatte.

Tomagog, der Schöpfer. So nannten sie ihn. Sie alle waren seine Geschöpfe, und manchmal fragte er sich, warum er eigentlich vor ihnen davonlief. Die Antwort darauf war einfach.

Sie wollten ihn töten. Sie waren böse Geschöpfe.

Der Austrocknungsprozess seiner zur Oberhaut gewordenen Unterhaut war abgeschlossen, und Tomagog bewegte sich. Er dehnte und bog alle seine Gliedmaßen. Er setzte sich in Bewegung und wanderte ein wenig zwischen den scharfkantigen Felsen umher. Manche ritzten seine Haut, doch er achtete nicht darauf. Die Ritzen schlossen sich, kaum dass sie entstanden waren.

Tomagog steuerte langsam aus seinem Versteck hinaus. Er hatte die Flugrichtung des Schattens bestimmt und hielt sich an sie. Wenn sie nach ihm suchten, dann hatten sie zwischenzeitlich die Richtung geändert.

Die Felsen wichen. Sie gaben den Blick frei auf eine Ebene, deren Horizont stark gekrümmt und greifbar nahe war. Die Planetoiden von Ellerswiege waren nicht sehr groß, und sie hingen in ihrer Vielzahl über der dünnen Luftschicht.

Tomagog dachte, dass die Anzahl seiner Geschöpfe die Zahl der Planetoiden längst überflügelt hatte. Ihre Schatten tauchten ab und zu auf den reflektierenden Oberflächen der Himmelskörper auf und teilten ihm mit, dass er ihnen aus dem Weg gehen sollte.

Sie waren undankbar, und die Erkenntnis stimmte Tomagog traurig. Er wünschte sich, es wäre alles anders in Ellerswiege.

Der Schöpfer verhielt sich mehrere Augenblicke lang unvorsichtig. Er trat auf einen Stein, und dieser bröckelte krachend auseinander. Tomagog zuckte zusammen und zog sich hastig zwischen die Felsen zurück.

Es war zu spät. Sie hatten das Geräusch gehört und kamen auf seiner Spur. Sie ließen sich in der Ebene vor den Felsen nieder, und Tomagog erkannte den wurzeligen Warff, den eilenden Simrock und Hellerbatzen, der geradewegs aus dem Himmel fiel und mit einem schmatzenden Geräusch gegen den Untergrund prallte.

»Wir wissen, wo du bist«, riefen sie im Chor. »Kommst du freiwillig, oder sollen wir dich holen?«

Tomagog unterdrückte einen Aufschrei. Er zog sich weiter zwischen die scharfkantigen Steine zurück. Am liebsten hätte er sich unsichtbar gemacht, aber das war nur seiner Oberhaut im Stadium der Häutung möglich.

Der Schöpfer kämpfte mit sich. Der positive Drang der Kreativität beseelte ihn. Er hielt nach einem Fluchtweg Ausschau, aber Vestibyll Zwei näherte sich ihm von hinten, indem er tapsend von einem Felsen auf den anderen sprang.

Sie hatten ihn eingekreist.

Tomagog zitterte ungewöhnlich stark. Er wusste selbst nicht, ob es sein Drang war, der ihn aufgeregt machte, oder ob es die Angst war, die ihn befiel. Er saß in der Falle und verwünschte sich, dass er ausgerechnet diesen unseligen Ort zwischen den Felsen für seine Häutung ausgesucht hatte. Eine der Kavernen auf Planetoid 4688 wäre eher in Frage gekommen.

Nein, korrigierte er sich. 4688 war von den jüngsten Schöpfungen besetzt, die sich nicht mit den üblichen Äußerungen ihrer Bosheit begnügten. Sie gehörten zu einer neuen Generation, und Tomagog nannte sie bei sich die Generation der Zerstörer. Sie nahmen 4688 auseinander.

Laut sagte er: »Ich komme. Ich stelle mich euch. Ich nehme den Kampf auf, aber er muss fair sein!«

Er verließ seine Deckung und eilte wieder hinaus in die Ebene. Hinter ihm plumpste Vestibyll Zwei zu Boden und quiekte schrill:

»Dein Tod ist gekommen, Tomagog!«

Gemeinsam stürzten sie sich auf ihren Schöpfer und ließen ihm keine Chance zur Flucht. Tomagog rührte sich auch nicht. Starr ließ er den Angriff über sich ergehen. Ein letzter Blick hinauf gegen den Himmel belehrte ihn, dass dort oben noch alles in Ordnung war. Dann wurde die Luft von den Körpern seiner Geschöpfe verdunkelt, die sich auf ihn warfen.

»Tomagog!«, hörte er noch einmal die Stimme Bleichfingers aus der Ferne des Leerraums. »Schöpfer, ich bin hungrig!«

*

Nichts in Ellerswiege ließ erkennen, was sich soeben ereignet hatte. Auf den Planetoiden hüpften die Geschöpfe auf und ab und bekriegten sich gegenseitig. Manche suchten, von Unrast erfüllt, den Leerraum außerhalb des Planetoidenhaufens auf. Sie blieben wie immer an der undurchdringlichen Barriere hängen und ließen ihre Wut daran aus, ohne dadurch eine Veränderung herbeiführen zu können.

Es ist gut so, dachte Tomagog. Es war nicht auszudenken, was diese bösartigen Kreaturen hätten anrichten können, wenn es ihnen gelungen wäre, Ellerswiege zu verlassen.

Falls es außerhalb noch so etwas wie ein Universum gab.

»Es ist zu lange her«, murmelte Tomagog düster. »Wenn ich mich nur erinnern könnte!«

Manchmal war er froh, dass sich sein Wissen über die Vergangenheit lediglich auf ein paar Bruchstücke beschränkte.

Der Schöpfer zog die Überreste der vier getöteten Angreifer hinter sich her. Er hatte sie mit einem Gespinst aus Hauptextremitäten umhüllt und zerrte sie von der Oberfläche des Planetoiden fort. Kraftvoll hatte er sich abgestoßen, und die Eigenschaften seines Körpers verliehen ihm im luftleeren Raum nahezu uneingeschränkte Manövrierfähigkeit. Er steuerte einen der größten Planetoiden an, die es in seiner Welt gab, und schaffte die Überreste der vier in das Synthetikon. Er ließ sie aus dem Gespinst purzeln und rief einen Roboter mit einer Plattform herbei. Die Maschine lud die Körper auf und schaffte sie in das Labor, das im Innern des Planetoiden lag.

Das Synthetikon funktionierte einwandfrei. Eine umfassende Robotmaschinerie sorgte dafür, dass Tomagog alles zur Verfügung stand, was er benötigte.

Der Schöpfer begab sich in das Reservoir und suchte sich vier passende Muster nach seinem eigenen Geschmack aus. Er tat es fiebernd vor Begeisterung. Endlich hatte er wieder einmal Gelegenheit, seine Begabung voll zur Entfaltung zu bringen. Es war schon eine Weile her, dass er vier Wesen gleichzeitig geschaffen hatte. Es kam seinem inneren Bedürfnis entgegen, das durch den Vorgang der Häutung noch verstärkt worden war.

Tomagog ließ die Muster in das Synthetikon schaffen. Er aktivierte die Anlage und gab die Überreste der vier Geschöpfe sowie die neuen Muster ein. Er wartete, bis die Computer alles sorgsam analysiert und dezentralisiert hatten. Auf Bildschirmen las er die Zahl der einzelnen Nervenstränge und Knoten ab, ihre Maße und ihre Funktion. Als alle Arbeiten abgeschlossen waren, gab der Computer ein heiseres Piepsen von sich und ließ die Einzelteile auf langen Fließbändern in eine sterile Kammer transportieren.

Diesem Augenblick hatte der Schöpfer entgegengefiebert. Jetzt kam er an die Reihe. Dies war seine Tätigkeit. Er glitt hastig in die Schleuse und ließ das Desinfizierbad ungeduldig über sich ergehen. Als sich die Innentür der Schleuse öffnete, stürmte er in die Kammer hinein und machte sich über die organischen Teile her.

Leben schaffen! Das war der Sinn seines Lebens. Nichts besaß Tomagog außer ihm. Er war allein, ein Einsiedler inmitten einer kleinen, eingegrenzten Welt. Er war ihr Herr und war es doch nicht, denn er konnte seine Geschöpfe nicht kontrollieren.

Er verscheuchte alle störenden Gedankenimpulse. Er richtete die vielen hundert Hauptextremitäten auf die Überreste und nahm auch etliche tausend Nebenexternitäten zu Hilfe. Mit einer Geschwindigkeit, die einem menschlichen Auge unheimlich vorgekommen wäre, fügte er die kleinsten Fasern und Strukturen zusammen und schuf ein neues Wesen. Es wuchs und wuchs, und der Planetoid drehte sich in dieser Zeit lediglich einmal um seine Achse. Als es fertig war, schob Tomagog es in den »Backofen«, in dem es die Wärme erhielt, die es brauchte. Auch seinen Lebensodem bekam es in dem Ofen, und in der Zwischenzeit schuf Tomagog das zweite Wesen. Auch es besaß keine Ähnlichkeit mehr mit einem seiner Vorgänger. Die Gestalt spielte keine Rolle. Sie entsprang der Phantasie des Gestalters, und die war bei Tomagog in reichlichem Maß vorhanden.

Nach fünf Planetoidentagen kam das letzte der vier Wesen aus dem »Backofen«. Es wurde von Maschinen geführt und zu dem Hypnotiseur gebracht, der ihm das geistige Grundwissen vermittelte, das es als Wesen von Ellerswiege benötigte. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten waren darin ebenso vorhanden wie das Wissen um den Schöpfer und die Hierarchie innerhalb des begrenzten Lebensraums.

Die vier Neuwesen erhielten die Hypnoschulung. Sie wurden vorbereitet und erwachten gleichzeitig aus der Trance.

Tomagog hatte den Vorgang mit bebendem Körper verfolgt. Er befand sich in einem Zustand erhöhter Euphorie.

Die Roboter rührten sich nicht. Dafür kam in die Geschöpfe Leben. Sie erhoben sich aus den Liegemulden und formierten sich zu einer Front, die sich langsam näher schob. Noch sagten die Wesen nichts, aber ihre Bewegungen machten Tomagog stutzig. Seine Stimmung ließ ein wenig nach, und er rief mit gedämpfter Begeisterung die alte Formel.

»Seid gut! Bleibt gut! Der Schöpfer wird es euch danken!«

Die Neuwesen reagierten nicht. Sie streckten alle Arten phantastischer Extremitäten von sich und bildeten Klauen und Greifhände. Sie zielten auf Tomagog, und der Schöpfer wich mit einem Aufschrei zurück.

Jetzt kam Leben in die Wesen. Sie packten ein paar der vortretenden Roboter und zerrissen sie mit wenigen Griffen. Rauchwolken erhoben sich, und die Luft prasselte von Kurzschlüssen und Entladungen chemischer Art. Tomagog ergriff die Flucht.

Seine Euphorie war weggewischt. Die Begeisterung, die er beim Schaffen dieser Wesen empfunden hatte, wich tiefer Traurigkeit. Er hörte die Explosionen und machte, dass er aus dem Synthetikon an die Oberfläche des Planetoiden kam. Rufe drangen bis zu ihm vor und zeigten ihm, dass die vier Wesen seiner Spur folgten. Nochmals klang eine Explosion auf, dann herrschte gefährliche Ruhe.

Tomagog stieß sich ab und verließ seinen Planetoiden. Er zitterte und war nicht fähig, einen geraden Kurs zwischen den Felswelten von Ellerswiege zu steuern. Er wurde zu einem sinnlos dahintreibenden Gegenstand, der von den Verfolgern nicht erkannt wurde. Sie ließen von ihm ab und eroberten den Raum für sich, den sie durch die Hypnoschulung bereits kannten.

»Sie sind schlimmer als ihre Vorgänger«, gluckste Tomagog deprimiert. Er steuerte einen kleineren Felsbrocken an, in dem er einen sandgefüllten Krater entdeckt hatte. Er landete sanft und grub sich tief in den kühlen Sand ein. Bebenwellen durchliefen seinen Körper und ließen alle seine Extremitäten erzittern. Der übermächtige Drang, Wesen zu schaffen, war wie weggewischt. Der Schöpfer fühlte sich elend und stellte sich immer wieder die eine Frage.

Warum nur? Warum musste das sein?

Tomagog litt. In dem Raum, der ihm so vertraut war, war doch alles fremd, weil es nicht zu ihm und seinen Fähigkeiten passte. Aus seinem Reich gab es keinen Weg in die Ferne. Seine anfänglichen Hoffnungen, die Kreaturen würden sich in der Ferne verlieren, hatten sich nie erfüllt.

Und doch konnte er seinem Drang nicht entfliehen. Er musste es tun, und er wünschte sich, er hätte nur einmal einen Erfolg damit errungen. Nur ein einziges Mal.

Die neue Generation war viel schlimmer, und die Wesen scheuten sich nicht, selbst im Synthetikon Zerstörungen anzurichten. Das konnte nicht der Sinn ihrer Erschaffung sein, und Tomagog zweifelte an der Richtigkeit aller seiner Wahrnehmungen.

Aus seiner Fiebrigkeit wurde Fieber, und er grub sich noch tiefer ein und wünschte sich, einfach tot zu sein und erlöst. Nicht mehr an all das Böse denken zu müssen, das ihn umgab, hoffte Tomagog, der sich für ein positives, aufrichtiges Wesen hielt.

Er spürte tief in seinem Innern, dass für Ellerswiege eine neue Zeit angebrochen war. Die Veränderungen nahmen gefährliche Ausmaße an. Es gab nur zwei Möglichkeiten, sagte ihm sein Verstand. Entweder stellte er seine Schöpfungen ein, oder das Chaos folgte ihm auf dem Fuß.

Tomagog musste Wesen erschaffen, solange er lebte. Er konnte nicht gegen seinen Drang ankämpfen. Also blieb nur das Chaos.

Tomagog wünschte sich, tot zu sein. Da aber erreichte ihn erneut ein Ruf.

»Tomagog«, ließ Bleichfinger hören. »Ich habe starken Hunger. Ich sterbe bald!«

Wie ein Blitz verließ der Schöpfer sein Versteck.

»Bleichfinger!«, antwortete er. »Lieber Bleichfinger! Gleich bin ich bei dir. Ich werde deine Fütterung vorbereiten!«

Bleichfinger saß in der technischen Sektion und überwachte die Verhüttung und die Verschrottung. Er war eines der erstgeschaffenen Wesen und im Vergleich mit den neuesten Schöpfungen so gut wie harmlos. Noch nie hatte er einen Finger gegen seinen Schöpfer gerührt. Bleichfinger war zuverlässig und treu. Er war der letzte, der von den Erstgeschaffenen noch lebte. Tomagog brachte es nicht fertig, Bleichfinger zu töten und aus seiner Biomasse ein neues Wesen zu schaffen.