Atlan 172: Henker der Varganen - Clark Darlton - ebook

Atlan 172: Henker der Varganen ebook

Clark Darlton

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Opis

Die letzten Varganen sollen sterben - die Herren der Eisigen Sphäre befehlen es Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Nachfolge antreten zu können. Auch wenn Orbanaschol seine Herrschaft inzwischen längst gefestigt hat - einen Gegner hat der Imperator von Arkon besonders zu fürchten: Atlan, den rechtmäßigen Thronerben und Kristallprinzen des Reiches, der nach der Aktivierung seines Extrahirns den Kampf gegen die Macht Orbanaschols aufgenommen hat und - zusammen mit einer stetig wachsenden Zahl von treuen Helfern - den Sturz des Usurpators anstrebt. Im Zuge der gegen den Usurpator gerichteten Unternehmungen vermochten Atlan und seine Freunde erst jüngst einen wichtigen Teilerfolg zu verbuchen, indem sie den Blinden Sofgart, den "Bluthund" des Imperators und einen von Gonozals Mördern, zur Strecke brachten. Die weitere Spur zum "Stein der Weisen", dem Kleinod kosmischer Macht, ist gegenwärtig verwischt und nicht weiter zu verfolgen. Doch in diesem Augenblick, als alle weiteren Nachforschungen sinnlos erscheinen, empfängt Atlan einen posthypnotischen Ruf Ischtars, der Varganin. Der Kristallprinz zögert nicht, diesem dringenden Ruf Folge zu leisten. Zusammen mit seinen engsten Freunden fliegt er nach Margon, einer der versunkenen Welten. Dort aber wartet der HENKER DER VARGANEN ...

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Nr. 172

– ATLAN exklusiv Band 35 –

Henker der Varganen

Die letzten Varganen sollen sterben – die Herren der Eisigen Sphäre befehlen es

von Clark Darlton

Im Großen Imperium der Arkoniden schreibt man eine Zeit, die auf Terra dem 9. Jahrtausend v. Chr. entspricht. Imperator des Reiches ist Orbanaschol III., ein brutaler und listiger Mann, der seinen Bruder Gonozal VII. töten ließ, um selbst die Nachfolge antreten zu können.

Auch wenn Orbanaschol seine Herrschaft inzwischen längst gefestigt hat – einen Gegner hat der Imperator von Arkon besonders zu fürchten: Atlan, den rechtmäßigen Thronerben und Kristallprinzen des Reiches, der nach der Aktivierung seines Extrahirns den Kampf gegen die Macht Orbanaschols aufgenommen hat und – zusammen mit einer stetig wachsenden Zahl von treuen Helfern – den Sturz des Usurpators anstrebt.

Im Zuge der gegen den Usurpator gerichteten Unternehmungen vermochten Atlan und seine Freunde erst jüngst einen wichtigen Teilerfolg zu verbuchen, indem sie den Blinden Sofgart, den »Bluthund« des Imperators und einen von Gonozals Mördern, zur Strecke brachten.

Die weitere Spur zum »Stein der Weisen«, dem Kleinod kosmischer Macht, ist gegenwärtig verwischt und nicht weiter zu verfolgen. Doch in diesem Augenblick, als alle weiteren Nachforschungen sinnlos erscheinen, empfängt Atlan einen posthypnotischen Ruf Ischtars, der Varganin.

Der Kristallprinz zögert nicht, diesem dringenden Ruf Folge zu leisten. Zusammen mit seinen engsten Freunden fliegt er nach Margon, einer der versunkenen Welten.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Kristallprinz empfängt eine posthypnotische Botschaft.

Fartuloon und Ra – Atlans Gefährten beim Besuch einer versunkenen Welt.

Morvoner Sprangk – Der Arkonide »vergisst« eine Landung.

Meschanort – Ein Vargane erwacht – und kämpft.

Magantilliken

1.

Fartuloon hatte durchaus recht, wenn er unseren geheimen Stützpunkt, den Planeten Kraumon, ein Krebsgeschwür im Gefüge des Arkonidischen Imperiums nannte. Nicht nur, dass er ständig wuchs und mächtiger wurde – eines Tages würde er für Imperator Orbanaschol III. eine tödliche Bedrohung sein.

Unsere anfänglich nur unbedeutende Streitmacht betrug heute bereits dreitausend Intelligenzwesen, zum größten Teil Arkoniden, denen Orbanaschol, der Brudermörder, genauso verhasst war wie mir, dem rechtmäßigen Nachfolger meines Vaters Gonozal. Sie alle hatten mir die Treue geschworen und waren bereit, für das große Ziel ihr Leben einzusetzen – und das war mehr als nur einmal notwendig gewesen.

Unsere Kaperkommandos hatten für die Vergrößerung unserer Flotte gesorgt. Wir besaßen nun schon drei Kugelraumer mit einem Durchmesser von zweihundert Metern, sechsundzwanzig Beiboote und vierzehn Gleiter.

Unter der Oberfläche von Kraumon entstanden unterirdische Hangars und Energieanlagen, bombensichere Unterkünfte und positronisch gesteuerte Abwehrforts. Sollte man uns eines Tages entdecken, würden wir dem Gegner empfindliche Verluste zufügen, ehe wir der Übermacht wichen und zu einem neuen Versteck flohen.

An diesem Tag, da alles begann, hatte ich die denkbar schlechteste Laune. Farnathia, meine geliebte Freundin, war tot. Darüber konnte mich auch die Tatsache nicht hinwegtrösten, dass mein bisher gefährlichster Feind, der Blinde Sofgart, nicht mehr unter den Lebenden weilte. Ich hatte Farnathia wirklich geliebt, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Ischtar mich jemals zu überzeugen vermochte, sie sei ein vollwertiger Ersatz für die Tote.

Ischtar, die Goldene Göttin Ras, eine Varganin!

Auch sie hatte ich lieben müssen, aber es war nicht aus freien Stücken geschehen. Sie hatte mich dazu gezwungen, weil sie einen Sohn haben wollte, und obwohl ich wie unter hypnotischem Zwang gehandelt hatte, war die bittersüße Erinnerung geblieben. Sie war eine faszinierende Frau, und ich konnte Ra verstehen, der sich unsterblich in sie verliebt hatte. Es war zu Differenzen zwischen ihm und mir gekommen, aber wenn mich nicht alles täuschte, hatte er mir verziehen. Das Ziel, nach dem wir alle strebten, war größer und wichtiger als Eifersucht.

Wir suchten den Stein der Weisen.

Die heiße Spur, der wir unter unvorstellbaren Gefahren gefolgt waren, gab es nicht mehr. Mit dem Tod des Blinden Sofgart war auch sie verschwunden, als hätte es sie niemals gegeben. Aber ich wusste, dass es sie gab und dass wir sie wiederfinden mussten, denn der Stein der Weisen sollte ein Machtmittel sein, das jeden Gegner vernichtete. Ihn würden wir brauchen, wollten wir Orbanaschol für den Mord an meinem Vater bestrafen.

Die heutige Besprechung hatte ich gestern selbst angeregt, und ich konnte sie schlecht absagen, obwohl ich keine Lust verspürte, an ihr teilzunehmen. Es würde doch wieder nichts dabei herauskommen, denn wenn es eine neue Spur gab, dann fanden wir sie nicht auf Kraumon.

Wenigstens glaubte ich das in diesen Augenblicken.

Ich irrte mich gewaltig.

Fartuloon nickte mir ziemlich griesgrämig zu, als ich den Raum betrat. Er saß neben dem leeren Sessel, der für mich bestimmt war, hatte die Hände auf seinem dicken Bauch gefaltet und machte den Eindruck, als habe er gerade ein ordentliches Frühstück hinter sich und gedenke, es in aller Ruhe zu verdauen.

Auch der alte arkonidische Haudegen Morvoner Sprangk kam mir satt und zufrieden vor. Wenn er noch lange so untätig auf Kraumon herumhockte, würde er dick und faul werden, was unserer Sache kaum dienen konnte. Er hasste Orbanaschol aus ganzem Herzen, aber auch den Methanatmern, den Maahks, mit denen das Imperium Krieg führte, war er nicht gerade wohlgesinnt.

Neben ihm saß Ra, der Barbar von einer fremden, namenlosen Welt. Ischtar war ihm dort vor langer Zeit begegnet und hatte ihm ihre Zuneigung geschenkt, ehe sie wieder spurlos verschwand. Eine zweite Expedition hatte ihn aufgegriffen und entführt, um ihn auf einem der Sklavenmärkte zu verkaufen. Wir hatten ihn befreit, und nun gehörte er zu uns.

Ich grüßte zurück und nahm Platz. Die anderen Gesichter kannte ich ebenfalls, aber nicht alle Namen. Es waren Techniker, Raumschiffkommandanten, geflohene Offiziere der arkonidischen Flotte – alles Männer, die den Imperator lieber tot als lebendig sahen.

Aber bis dahin war noch ein weiter Weg.

Fartuloon eröffnete die Konferenz, indem er heftig auf den Tisch klopfte.

»Meine Herren, ich heiße Sie willkommen«, sagte Fartuloon ohne Enthusiasmus. »Die übliche Besprechung, wie Sie wissen. Hat jemand eine Mitteilung von Bedeutung zu machen?«

Niemand meldete sich. Das ging nun schon seit Tagen und Wochen so. Wir saßen regelrecht fest in unserem Stützpunkt und warteten auf irgend etwas, das nicht passierte. Die Spur war verloren. Wir hätten einen Spürhund gebraucht, aber wo gibt es schon Spürhunde, die den Stein der Weisen riechen können?

»Einer der Gleiter fiel aus«, teilte ein bärbeißig wirkender Offizier mit, den ich auf den ersten Blick für einen Piraten gehalten hätte. »Er wurde inzwischen repariert.«

Fartuloon nickte ihm anerkennend zu.

»Großartig, Kommandant. Das ist eine wichtige Mitteilung, die wir speichern müssen. Sonst noch was?«

Er machte sich einen Spaß, das war mir klar. Aber sollte ich ihm das übelnehmen? Ohne eine gewisse Portion Humor wurde jede Besprechung zu einer langweiligen Routineangelegenheit.

»Die Kühlanlage im Sektor Drei hat einen Riss«, meldete sich ein anderer. »Ich habe eine entsprechende Anweisung erlassen, damit ...«

Das hat alles nichts mit dem zu tun, was wir eigentlich besprechen wollten, kam es mir in den Sinn, aber ich war plötzlich zu träge, eine entsprechende Bemerkung zu machen. Ich saß am Tisch und hatte das Gefühl, alles nur zu träumen. Es war mir völlig egal, was die anderen sagten. Mir schien, als ginge mich das alles nichts mehr an.

Ischtar!

Warum musste ich ausgerechnet jetzt an sie denken? Ich hatte allen Grund, sie zu hassen, denn sie hatte Farnathias Tod verursacht – aber ich hasste sie nicht. Ganz im Gegenteil: ich begann sie zu bewundern. Oder begann ich bereits, sie zu lieben?

Fartuloon stieß mich an.

»Was hast du denn, Atlan? Du bist ganz blass geworden. Ist dir nicht gut?«

Ich hörte seine Worte wie durch Watte, und sie drangen kaum bis zu meinem Bewusstsein vor. Ich begriff ihren Sinn, aber der war mir völlig egal. Überhaupt war mir auf einmal alles egal, was hier gesprochen und beraten wurde. Wie unwichtig das alles war, wie nebensächlich und ohne jede Bedeutung.

Wichtig war nur noch Ischtar, die Goldene Göttin, in ihrer betörenden Schönheit, die nun auch mich verzaubert hatte.

»Alles in Ordnung, Fartuloon«, flüsterte ich zurück, während die Meldung des Kühltechnikers an meinem Ohr vorbeirauschte. »Macht ruhig weiter, ich komme gleich wieder ...«

Fartuloon nickte, aber er glaubte mir nicht. Als ich mich ein wenig schwankend erhob, stand auch er auf, um mich zu begleiten. Er machte den anderen ein Zeichen, in der Besprechung fortzufahren, winkte Morvoner Sprangk und Ra zu, ihm zu folgen – und geleitete mich aus dem Raum.

Ich wusste, dass meine drei Freunde bei mir waren, aber ich beachtete sie nicht. Was nun geschah, erfuhr ich erst später aus ihrem Bericht. Ich muss es rekonstruieren, was mir jedoch nicht besonders schwerfällt, denn eine Spur von Erinnerung ist noch vorhanden. Hinzu kommt die genaue Schilderung der Einzelheiten durch meine drei Freunde.

»Es ist Ischtar«, murmelte ich immer wieder. »Sie hat mir etwas mitzuteilen. Bringt mich in die Positronik, ich muss die Daten speichern.«

Fartuloon sah Ra an, dann Morvoner Sprangk.

»Eine Art Posthypnose vielleicht«, vermutete der alte Haudegen. »Gibt es ja, und sie kommt erst heute zur Wirkung. Ischtar hat ihm damals etwas mitgeteilt, es versank in Atlans Unterbewusstsein und taucht nun plötzlich wieder auf. Vielleicht ein Stichwort, das während der Besprechung fiel, oder einfach der Zeitfaktor. Jedenfalls müssen wir tun, was er uns sagt. Es könnte wichtig für uns sein.«

So kam es, dass sie mich tatsächlich in das Kommandozentrum der Positronik führten, wo ich – wie sie später bestätigten – sofort mit einer geheimnisvollen Tätigkeit begann. Es war, als sei ich eine Puppe, die von unsichtbaren Fäden gelenkt würde. Ich fütterte Daten in die Berechnungsspeicher und murmelte unverständliche Worte vor mich hin, deren Sinn unklar blieb. Aber Fartuloon behauptete später, dass ich immer wieder das Wort »Margon« gesagt hätte, und dann wäre mehrmals der Begriff »Versunkene Welten« gefallen.

Ich jedenfalls konnte mich vorerst an nichts erinnern. Ich tat nur das, was Ischtar mir befahl, und ich tat es unbewusst, jedoch ohne mich gegen die Beeinflussung zu wehren. Sie musste mir die Daten bei unserer intimen Begegnung ins Unterbewusstsein eingepflanzt haben, und ein bestimmtes Ereignis oder ein Stichwort ließ sie dann wirksam werden – die Daten und damit den posthypnotischen Befehl.

Als ich von dem Schaltpult zurücktrat, kehrte ich auch gleichzeitig in die Wirklichkeit zurück. Ich wusste plötzlich wieder, wo ich war und was geschehen war. Fartuloon schilderte mir kurz die Einzelheiten meiner Verwandlung, dann konnte ich ergänzen:

»Schon gut, alter Freund, ich erinnere mich wieder. Dort in der Positronik sind die Daten eines Planeten verankert, den wir aufsuchen müssen, wenn wir die Spur zum Stein der Weisen wiederfinden wollen. Sie schlummerten in meinem Unterbewusstsein, und ich könnte sie euch jetzt nicht nennen. Aber ich weiß, dass ich die Koordinaten dieser versunkenen Welt gespeichert habe. Was seht ihr mich so an? Ich bin nicht verrückt, meine Freunde. Posthypnose – das ist die Erklärung! Vielleicht war ein Stichwort der auslösende Faktor, vielleicht musste auch einfach nur eine gewisse Frist verstreichen. Ich weiß es nicht. Jedenfalls hat uns Ischtar die Daten einer Welt gegeben, und das bestimmt nicht umsonst, Fartuloon! Wir werden sobald wie möglich starten!«

Der ehemalige Leibarzt meines Vaters hob abwehrend beide Hände.

»Atlan, du bist doch nicht verrückt? Willst du wirklich in eine Falle tappen, die dir von dieser Person gestellt wird? Sie hat dich verführt, um dich für ihre Zwecke einzuspannen, und nun fällst du schon wieder auf sie herein. Ich weiß nicht, was sie wirklich bezweckt, aber es kann nichts Gutes sein, Atlan.« Er schielte in Richtung des Resultatcomputers. »Na ja, wir können uns ja immerhin mal anhören, was er gespeichert hat ...«

Das war auch meine Meinung.

»Margon soll der Planet heißen, auf dem wir uns einfinden sollen. Er gehört zu den so genannten Versunkenen Welten, was immer das auch sein mag. Eine Welt jedenfalls, die einst von den Varganen bewohnt wurde und zu ihrem verschollenen Imperium gehörte. Sie haben Margon aus unbekannten Gründen verlassen, wie andere Welten auch. Die Natur hat den Planeten zurückerobert. Die Zivilisation, die einst auf ihm herrschte, liegt vielleicht Dutzende von Metern unter seiner Oberfläche, für alle Zeiten dem flüchtigen Beobachter verborgen – und Margon wäre nicht der erste Planet, auf dem solches geschah.«

»Margon?« Fartuloon schüttelte den Kopf. »Noch nie gehört.«

»Wahrscheinlich hat noch niemand diesen Namen gehört, denn die Varganen gelten schon lange als verschollen, so wie ihre Kultur und Zivilisation auch. Aber Ischtar gab mir den Namen und die Koordinaten. Das bedeutet, dass wir auch hinfliegen werden. Es handelt sich um eine gelbe Normalsonne mit vier Planeten, und Margon ist der zweite. Auf ihm, so hoffe ich, werden wir den Beginn einer neuen Spur entdecken.«

»Du bist verrückt!«, stellte Fartuloon abermals fest, und diesmal klang es noch überzeugter als zuvor. »Nur weil du in Trance ein paar Daten von dir gegeben hast, willst du dich auf ein so ungewisses Abenteuer einlassen ...?«

»Eine geringe Chance ist besser, als gar keine«, erwiderte ich entschlossen und wusste, dass mich nichts mehr von meinem Vorhaben abbringen konnte. »Sollen wir auf Kraumon warten, bis wir alt und grau werden? Ischtar will uns helfen, ganz sicher. Sie wird schon ihre Gründe haben, wenn sie mir die Daten nicht schon damals mitteilte. Gute Gründe, nehme ich an.«

Endlich kam mir auch Morvoner Sprangk zu Hilfe. Er meinte:

»Atlan hat recht, Fartuloon. Warum sollte die Goldene Göttin Atlan in eine Falle locken wollen? Dazu hätte sie schon hundertmal Gelegenheit gehabt, und sie tat es nicht. Ra, was sagst du?«

Der ehemalige Barbar wirkte nicht gerade begeistert.

»Vielleicht hast du recht, Morvoner. Zumindest sollten wir uns diesen Planeten ansehen. Zur Umkehr ist es dann noch immer früh genug.«

»Du willst ja bloß deine Goldene Göttin wiedersehen«, knurrte Fartuloon ungehalten. »Und dann prügelst du dich wieder mit Atlan.«

Ich winkte ab.

»Keine Sorge, Fartuloon. Wir werden uns nie mehr um sie streiten. Es geht um viel mehr.«

»Richtig!«, bestätigte Ra kurz angebunden.

Wir schienen den Dicken überzeugt zu haben, denn er verzichtete auf weitere Einwände. Er sagte:

»Also schön, einer der Kugelraumer ist überholt worden und einsatzbereit. Wir könnten schon morgen starten. Soll ich mich um die Koordinaten kümmern, Atlan?«

Ich nickte dankbar.

»Lass sie dir geben und speichere sie im Navigationscomputer des Kugelraumers. Welcher ist es?«

»Na, einer von den dreien, die wir kaperten.«

»Also die FARNATHIA!«

Er starrte mich verständnislos an.

»Die ... was?«

»Ich habe den Raumer soeben FARNATHIA getauft. Einwände?«

Ra und Morvoner hatten keine, aber Fartuloon meinte:

»Nicht gerade ein glücklicher Einfall, wenn du mich fragst. Wir fliegen zu einem Planeten der Goldenen Göttin, und du taufst das Schiff auf den Namen ihrer alten Rivalin. Ob sie darüber besonders erfreut sein wird?«

»Sie muss sich damit abfinden«, entgegnete ich.

Er zuckte die Achseln.

»Also gut, wie du willst. Ich kümmere mich um die Daten und die Startvorbereitungen. Das Schiff hat siebzig Mann Besatzung. Soll das so bleiben?«

Ich war einverstanden. Während Fartuloon davon eilte, um die notwendigen Arbeiten zu erledigen, begleiteten mich Ra und Morvoner zurück in den Wohnblock. Sie sprachen kein Wort, aber ich ahnte, dass beide mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt waren. Ich konnte sicher sein, dass diese Gedanken sehr unterschiedlicher Natur waren.

Ich selbst dachte an Ischtar.

*

In dieser Nacht schlief ich unruhig und wurde von grauenhaften Träumen geplagt. Immer wieder erlebte ich Farnathias Tod, aber dann wich ihr liebliches Gesicht mehr und mehr jenem Ischtars, bis die Varganin mein Bewusstsein voll und ganz ausfüllte. Ich konnte an nichts anderes mehr denken – und auch nicht träumen.

Ich stand sehr früh und übernächtigt auf, machte Toilette und kleidete mich an. Die Wachtposten grüßten mich erstaunt, als ich mich in den Hangar begab. Ich wollte mich davon überzeugen, dass die Startvorbereitungen während der Nacht nicht unterbrochen worden waren.

Die FARNATHIA stand auf ihren Teleskopstützen, und aus den offenen Luken drang Licht. Ein Techniker hatte mich bemerkt und kam mir entgegen. Er sah mich fragend an.

»Wie lange dauert es noch?«, erkundigte ich mich.

»Das Schiff ist einsatzfähig. Eine letzte Routinedurchsicht ist in wenigen Stunden beendet.«

Trotz der beruhigenden Auskunft ließ ich es mir nicht nehmen, mich selbst zu überzeugen. Im großen Hangar standen die Gleiter und Beiboote, die Kampfanzüge hingen fein säuberlich nummeriert in der Vorkammer der Luftschleuse, die Betten in den Kabinen waren frisch überzogen, und im Kontrollraum zeigten die Instrumente einen vollgespeicherten Navigationscomputer an.

Ich rief die Daten ab, stellte den entsprechenden galaktischen Sektor unseres Ziels fest, schob die betreffende Sternkarte in die Tasche und kehrte in den Wohnblock zurück. In aller Ruhe wollte ich feststellen, in welchen Teil unserer Galaxis es uns diesmal verschlagen sollte.

Dank der exakten Koordinaten, die ich posthypnotisch von Ischtar erhalten hatte, fiel es mir nicht schwer, die Position des Planeten Margon zu finden. Er umkreiste als zweiter Himmelskörper eine gelbe Normalsonne, die insgesamt vier Planeten besaß.

Die gelbe Sonne stand in der Nähe des galaktischen Zentrums in einer dichten Zone, was bedeutete, dass die Sterne dort oft nur Lichtstunden oder höchstens Lichttage voneinander entfernt waren. Es würden mehr Transitionen als gewöhnlich vorgenommen werden müssen, um eine Kollision zu vermeiden.

Zum gemeinsamen Frühstück brachte ich die Karte mit.

Fartuloon und Morvoner Sprangk studierten sie aufmerksam und gaben ihre Kommentare dazu. Viel Begeisterung sprach nicht aus ihren Worten. Sie waren davon überzeugt, dass wir die Spur zum Stein der Weisen endgültig verloren hatten und auf Margon bestimmt auch nicht wiederentdecken würden.

Ra blieb schweigsam. Ich konnte mir vorstellen, welche Gefühle ihn bewegten, und in welcher Richtung seine Gedanken den Ereignissen vorauseilten. Und ich konnte ihn gut verstehen, denn mir erging es ähnlich.