Arkon 8: Die Stunde des Smilers - Michael Marcus Thurner - ebook

Arkon 8: Die Stunde des Smilers ebook

Michael Marcus Thurner

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Im Sommer 1402 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Während die Lage in der Milchstraße eigentlich friedlich erscheint, entwickelt sich im Kugelsternhaufen Thantur-Lok – den die Terraner als M 13 bezeichnen – ein unerklärlicher Konflikt. "Dunkle Befehle" erschüttern das mächtige Kristallimperium der Arkoniden, sie lösen einen Amoklauf unter den Bewohnern aus. Raumschiffe attackieren sich gegenseitig, Planeten werden angegriffen. Wenn sich die Kämpfe ausweiten, ist der Friede in der gesamten Galaxis bedroht. Mit dem Kreuzer ATLANTIS ist Perry Rhodan zwischen den Sternen des Kugelsternhaufens auf der Flucht. In seiner Begleitung sind der Mausbiber Gucky sowie Sahira, eine geheimnisvolle junge Frau, über deren Herkunft der Terraner nach wie vor wenig weiß. Perry Rhodan ist allerdings nicht der Einzige, der sich bemüht, Arkon vor dem Bürgerkrieg zu retten – auf Aralon schlägt DIE STUNDE DES SMILERS ...

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Nr. 8

Die Stunde des Smilers

Shallowain jagt Ronald Tekener – Imperator Bostich muss gerettet werden

Michael Marcus Thurner

Im Sommer 1402 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Während die Lage in der Milchstraße eigentlich friedlich erscheint, entwickelt sich im Kugelsternhaufen Thantur-Lok – den die Terraner als M 13 bezeichnen – ein unerklärlicher Konflikt. »Dunkle Befehle« erschüttern das mächtige Kristallimperium der Arkoniden, sie lösen einen Amoklauf unter den Bewohnern aus. Raumschiffe attackieren sich gegenseitig, Planeten werden angegriffen. Wenn sich die Kämpfe ausweiten, ist der Friede in der gesamten Galaxis bedroht.

Mit dem Kreuzer ATLANTIS ist Perry Rhodan zwischen den Sternen des Kugelsternhaufens auf der Flucht. In seiner Begleitung sind der Mausbiber Gucky sowie Sahira, eine geheimnisvolle junge Frau, über deren Herkunft der Terraner nach wie vor wenig weiß.

Perry Rhodan ist allerdings nicht der Einzige, der sich bemüht, Arkon vor dem Bürgerkrieg zu retten – auf Aralon schlägt DIE STUNDE DES SMILERS ...

Die Hauptpersonen des Romans

Ronald Tekener – Der Smiler versucht alles, um den Imperator zu entführen.

Korrt Moody – Der USO-Agent versucht alles, um Tekener zu helfen.

Shallowain – Der Hund versucht alles, um seinen Imperator zu retten.

Gyhalla-Maas – Die Agentin der Aracom versucht alles, um am Leben zu bleiben.

Sheama da Zahrt

1.

Sheama da Zahrt

Der Imperator. Sie hatte auf ihn zu achten. Sie. Eine noch nicht fertig ausgebildete Kralasenin, die noch vor wenigen Pragos auf Arkon VIII im Übungseinsatz gewesen und nun gemeinsam mit elf Kollegen in die GOS'TUSSAN versetzt worden war. In das legendäre Schiff von Bostich I. Um den Herrscher mit ihrem Leben zu beschützen.

Sie. Sheama da Zahrt, Tochter des Vomp da Zahrt, Enkelin des Vamos da Zahrt. Sie, deren Ahnenreihe nicht vollständig war, deren Liste der Vorfahren Lücken auswies und die deshalb am Hofe Arkons niemals eine Würdigung erfahren hätte.

Sheama überprüfte die Funktion ihrer Waffe, betrachtete die Überwachungsgeräte, gab Anweisungen. Zum fünfzehnten Male während ihrer Schicht. Zum dritten Mal in dieser Tonta.

Die Söldner von Ersk'Ikob'I gaben ihr Bestes und befolgten ihre Anweisungen in bemerkenswerter Ruhe. Dennoch waren sie bloß Abfall. Abschaum, den es aus allen Teilen der Milchstraße hierhergespült hatte und der sich nun für Geld verdingte.

Sie, Sheama, war ihnen deutlich überlegen. Trotz ihrer Jugend. Trotz ihrer geringen Einsatzerfahrung. Denn was sie tat, tat sie aus Überzeugung.

Nichts ist wichtiger als die Übereinstimmung des Inneren mit dem Äußeren, hatte einer ihrer Ausbilder gepredigt. Bist du nicht mit dem Herzen dabei, wirst du niemals in Einklang mit deiner Berufung zur Kralasenin stehen.

Ein Stoß ließ die Treib-Insel schwanken. Sheama ließ sich Außenaufnahmen zeigen. Sie zogen ihre Spur durch aufgewühltes Wasser, ein Sturm tobte. Immer wieder fuhren breit verästelte Blitze am Horizont in die See, dann wieder schwappte eine gewaltige Welle über sie hinweg. Prallfelder sorgten dafür, dass die Wucht der ungebändigten Natur nicht zu spüren war und die Wassermassen über sie hinwegspülten. Doch ein Teil der Energien musste an das künstliche Habitat weitergegeben werden, hatte einer der Fährleute behauptet. Sheama hatte darauf verzichtet, sich seine Erklärungen für das Phänomen anzuhören. Sie wollte sich nicht mit einem einfachen Seemann abgeben. Kralasenen hatten unnahbar zu bleiben.

»Da Zahrt, hinab zur Ebene Eins!«

Sie drehte sich schnell um und nahm Haltung an. Milltonnen stand da. Ihr Vorgesetzter. Einer der erfahreneren Kralasenen. Ein Mann der Reserve, der reaktiviert worden war.

Sie erwies ihm die notwendige Ehrerbietung und machte sich auf den Weg. Ihr Herz schlug laut gegen die Brustplatte. Ebene Eins bedeutete: Sie würde in unmittelbaren Kontakt mit Imperator Bostich gelangen. Der Sonne nah, dem Herrscher nah, erinnerte sie sich an den Refrain eines alten Textes, den sie in der Grundausbildung eingeübt hatte.

2.

Ronald Tekener

»Du weißt, worauf du dich einlässt?« Aufmerksam musterte Perry Rhodan Vero da Laron, den Ersten Offizier der ATLANTIS.

»Es könnte meinen Tod und den der gesamten Besatzung bedeuten«, antwortete der junge Mann mit viel Fatalismus. »Aber was ist das schon im Vergleich zu dem Unglück, das uns allen droht? Es geht um den weiteren Bestand des Kristallimperiums.«

Da Laron liebte das Drama, das Pathos. Und dennoch hatte der Offizier recht.

Die ATLANTIS wurde fremdgelenkt, wurde von unbekannter Stelle aus immer tiefer ins Innere jenes riesigen Flottenverbunds gezogen, der sich auf einen Angriff auf Arkon vorbereitete.

»Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen, Perry«, drängte Ronald Tekener. »Meine Leka-Disk kann unmöglich die gesamte Besatzung der ATLANTIS aufnehmen und die Flucht versuchen. Es müssen Leute zurückbleiben. So oder so.«

»Ich weiß. Aber ...«

»Es gibt kein ›Aber‹, Perry. Je länger wir zögern, desto geringer wird die Chance, dass wir vier entkommen und gegen diesen Wahnsinn etwas ausrichten können.«

Rhodan nickte. Er traf seine Entscheidung und wandte sich wieder da Laron zu. »Also schön. Ihr bleibt zurück und beobachtet, was im Inneren des Flottenverbunds geschieht. Ihr unternehmt nichts, was Atlan oder einen anderen Befehlshaber der ARK-SUMMIA-Flotte provozieren könnte.«

»Selbstverständlich.« Der junge Mann mit dem ernsten Gesicht deutete eine Verbeugung an.

Tekener verabschiedete sich mit einem knappen Gruß und verließ die Zentrale. Er wusste Korrt Moody hinter sich, den verlässlichen USO-Einsatzagenten. Gucky, der immer noch diesen lächerlich großen Schutzanzug trug, würde teleportieren und Rhodan mit sich nehmen.

Die Wege waren kurz an Bord des arkonidischen Schiffes. Binnen einer halben Minute erreichten sie den Hangar, in dem die Leka-Disk verstaut war, und begaben sich an Bord des kleinen Raumers. Gucky und Rhodan machten sich bereits mit dessen Funktionen vertraut. Sie würden nicht alles auf Anhieb verstehen. Immerhin war die TIGA'ZHYM ein Schiff, das in den Werften der USO präpariert worden war.

Tekener fläzte sich in seinen Stuhl und bereitete die Startsequenz vor. Die Positronik gehorchte, kommunizierte mit dem Schiffsgehirn der ATLANTIS. Schon nach wenigen Sekunden wurden sie aus dem Kugelraumer ausgespien und beschleunigten mit hohen Werten.

Tekener aktivierte gut versteckte Funk- und Ortungsmechanismen. Sie stammten aus USO-Werkstätten und würden ihnen helfen, sich aus der Umarmung der ARK-SUMMIA-Flotte zu befreien. Die Kompaktaggregate waren unter den Hüllen arkonidischer Geräte verborgen. Die entstehenden Strahlungsmuster wurden verfälscht und an jene ihrer Gegner angepasst. Niemand ahnte, welcher Technologie sie sich bedienten.

Ihre Feinde reagierten schwerfällig bis gar nicht, als wären sie sich ihrer Sache nicht sicher und wüssten nicht, ob sie sich an einer Verfolgung der Leka-Disk beteiligen sollten.

Der Funkverkehr war rege, unterschiedliche Anweisungen waren zu hören. Das Flottenkommando war noch längst nicht so gefestigt, wie es die ARK-SUMMIA-Verschwörer gerne gehabt hätten.

Tekener machte mehrere Fluchtkorridore aus und wählte einen davon aus.

Rhodan betrachtete derweil angespannt das zentrale Holo. Er schwieg und verzichtete darauf, Anweisungen oder Tipps zu geben.

Es tat gut, den Terraner wiederzusehen und Gucky bei sich zu haben, die beiden langjährigen Weggefährten.

»Die Arkoniden achten hauptsächlich auf Bedrohungen von außen«, mutmaßte der Mausbiber, der es sich ebenfalls in einem der Stühle bequem gemacht hatte.

»Falsch. Die ATLANTIS steht im Fokus der Aufmerksamkeit«, widersprach Tekener. »Man erwartet, dass sich die Situation rasch auflöst und der arkonidische Kommandant dieser Leka-Disk eine Vollzugsmeldung ans Flottenkommando übermittelt. Die ATLANTIS sollte untersucht und von ... hm ... subversiven Elementen geräumt wurde. So lautete meine Aufgabe. Ich war mit einer gefälschten Kennung unterwegs, um andocken zu dürfen.«

Er überprüfte einige der eintrudelnden Funkanfragen. Die Schiffspositronik war angewiesen, nicht selbstständig auf Aufforderungen zu reagieren. Tekener spiegelte ältere Nachrichten anderer Schiffe, wechselte Kennungen, gab widersprüchliche Antworten. Er gewann wichtige Sekunden und Minuten, bis ...

»Eine Nachricht von der ATLANTIS«, sagte der USO-Agent halblaut. »Man hat einen ungewöhnlichen Funkspruch erhalten. Eine Botschaft, die von einer gewissen Sahira stammt.«

Rhodan drehte ihm ruckartig den Kopf zu. »Sahira? Wo steckt sie?«

Tekener ließ sich die Informationen geben. »Sie ist mit einem Forschungsraumschiff der Aras unterwegs und wollte eben an der ATLANTIS andocken. Sie befindet sich hier.« Er griff in ein rasch aufgebautes Holo, das die ARK-SUMMIA-Flotte großmaßstäblich darstellte.

»Gucky, du bist dran!« Rhodan nickte dem Mausbiber zu.

»Du musst mich so nahe wie möglich an das Schiff der Aras heranbringen, Tek«, forderte der Mausbiber.

Der Smiler zögerte. Er überlegte, seinen beiden Freunden diese Bitte abzuschlagen. Rechenmodelle wiesen darauf hin, dass ihnen die Flucht verwehrt bleiben würde, sollten sie jetzt den Kurs ändern und sich dem Ara-Schiff mit der Kennung RT-13 annähern.

Nein. Es würde klappen, es musste klappen. Kurzerhand gab Tekener den Befehl, den Kurs zu ändern. Die Leka-Disk reagierte, während der Funkverkehr weiter zunahm. Man bombardierte ihn mit Anfragen, Anweisungen, Befehlen. Die Arkoniden hatten keinen Zweifel mehr daran, dass er den Flottenbefehlen zuwiderhandelte.

Nun, die TIGA'ZHYM war nicht irgendein Schiff. Sie vermochte Beschleunigungswerte zu entwickeln, mit denen ihre Feinde nicht rechneten. Ihre Wendigkeit und die Verarbeitung der Andruckwerte brachten weitere Vorteile im passiven Kampfverhalten.

Eine Funkverbindung zur RT-13 kam zustande. Tekener ließ sich auf keine langen Diskussionen ein. Er verlangte eine Koppelung der beiden Schiffspositroniken, die junge Frau namens Sahira befolgte seine Anweisungen umgehend.

Ein Flottenverband der Arkoniden löste sich aus einem größeren Pulk. Er beschleunigte, kam auf ihn zu. Da war Sperrfeuer, etwa sechs Millionen Kilometer vor die TIGA'ZHYM gesetzt. Eine Warnung. Ihre Feinde vermuteten nicht zu unrecht, dass sich Perry Rhodan an Bord der Leka-Disk befand – eine wichtige Geisel, die man nicht einfach hinrichten wollte.

Tekener ließ sich nicht irritieren. Er raste weiter im Unterlichtflug dahin, koordinierte das Zusammentreffen mit der RT-13, gab Gucky Anweisungen.

Der Ilt nickte. Er wirkte höchst konzentriert, wartete auf seinen Einsatz – und verschwand mit einem Mal, just in dem Moment, da sein Signal ertönte.

Hatte er es geschafft? Das Zeitfenster war bloß wenige Zehntelsekunden offen gewesen, als sich die Kursvektoren der beiden kleinen Schiffe gekreuzt hatten.

Eine Bestätigung. Rhodan nickte, Tekener atmete erleichtert durch. Gucky war punktgenau an Bord der RT-13 gelandet. Diese Leistung war mit herkömmlichen Sinnen nicht nachvollziehbar und einzig mit der großen Routine des Mausbibers zu erklären. Von einem dahinrasenden Raumschiff zum nächsten zu teleportieren ... Tekener konnte den Kleinen nur bewundern.

Er zog die TIGA'ZHYM in eine Schleife. Die Arkoniden verloren derweil die Geduld. Die Positronik machte ihn auf die Gefahr aufmerksam, Tekener ignorierte sie.

Die mehreren Tausend Schiffe der Flotte standen zu dicht beisammen, um den gefahrlosen Einsatz hyperenergetischer und überlichtschneller Waffensysteme zu gewährleisten. Auch wenn die Arkoniden ihre Kriegsraumer über einen Kubus mit einer Ausdehnung von etwa zehn Lichtstunden verteilt hatten – die Gefahr, fünfdimensionale Aufrisse zu erzeugen und eigene Einheiten zu gefährden, war zu groß.

Hoffentlich.

Ein Haken. Ein unvermutetes Bremsmanöver, das ihn zwang, die TIGA'ZHYM an die Grenzen der Belastbarkeit ihrer Andruckabsorber zu bringen. Erneute Beschleunigung mit Werten, die die Arkoniden nicht erwarten konnten.

Da war die RT-13 wieder. Sie hatte ihren Kurs beibehalten, war von den Feinden nicht weiter beachtet worden. Tekener schickte das zweite Signal an Gucky ab. Der Mausbiber bestätigte den Empfang, der Countdown lief.

Die TIGA'ZHYM näherte sich dem anderen Kleinschiff bis auf eine Entfernung von zwei Lichtsekunden. Da war ein Teleportationsfenster für Gucky, dass sich gleich wieder schloss – und der Mausbiber war da! Landete mitten in der Zentrale, mit einer jungen Frau an seiner Seite, die in einem Schutzanzug der Aras steckte, in einer Höhe von einem halben Meter.

»Kein sauberer Sprung. Ich werde wohl alt«, piepste der Kleine und senkte sich mithilfe seiner telekinetischen Kräfte ab. »Ich wollte eigentlich in meinem Stuhl landen, auf dem Schoß von Sahira, um augenblicklich die Dankesstreicheleinheiten in Empfang zu nehmen.«

Tekener achtete nicht weiter auf den Kleinen. Die Positronik zeigte ihm drei mögliche Fluchtwege. Er entschied sich für einen davon, gab Anweisungen, wechselte unvermittelt auf einen anderen Korridor um. Mehrere arkonidische Raumer, die die Flugbewegungen der TIGA'ZHYM antizipiert hatten, rasten ins Leere.

Es war ein Katz-und-Maus-Spiel, das mehrere Minuten in Anspruch nahm. Doch letztlich befreite Tekener sich aus der Umarmung der Arkon-Flotte. Das Schiff glitt in den Linearraum, gut geschützt vor den Hyperraumspürern ihrer Gegner. Sie hatten es geschafft!

*

Sie taten bloß einen kleinen Sprung und kehrten im Ortungsschatten der Sonne Marduk in den Normalraum zurück. Die Positronik der Leka-Disk leistete ausgezeichnete Arbeit, sie verschwanden in der Korona der gelben Sonne.

Glynth, der einzige Planet des Sterns, war von Arkoniden besiedelt. Trotz der Nähe zu Arkon, nicht mehr als vier Lichtjahre entfernt, zeigten die Glynther kein sonderliches Interesse an den Vorgängen rings um ihre Welt. Sie waren Eigenbrötler, die am liebsten für sich blieben und einen Lebensstil pflegten, der sich deutlich von dem anderer Arkonidenabkömmlinge unterschied.

Tekener löste sich aus seinem Stuhl und betrachtete Sahira. Sie war jung, sie war ausnehmend hübsch, sie erinnerte ihn an jemanden.

»Freut mich«, sagte er knapp.

»Ronald Tekener.« Sahira nickte und streckte eine schmale, zarte Hand in seine Richtung aus. »Ich habe viel von dir gehört.«

»Das ist kein guter Beginn eines Gesprächs.« Er ergriff die Hand und schüttelte sie sachte. »Ich bin selten einmal positiv in Erinnerung geblieben.«

»Ah. Der berüchtigte Zynismus. Ich wurde davor gewarnt.«

»Von wem?«

Gucky watschelte näher und löste telekinetisch ihre Hände voneinander. »Genug geflirtet«, sagte er streng. »Behalt deine Griffel bei dir.«

»Bist du eifersüchtig, Kleiner?«

»Nein. Aber du lasst gefälligst Alaskas Tochter in Ruhe.«

Alaska. Saedelaere.

Ein weiterer Unsterblicher. Einzelgänger wie er selbst. Ein Terraner, der mit kosmisch bedeutsamen Vorgängen in Verbindung gebracht wurde. Der abgesetzt vom Leben erschien und den Tekener eher mit höheren Wesenheiten in Verbindung brachte denn mit der Profanität eines Liebeslebens.

»Das hätte ich ihm nicht zugetraut«, sagte er leise. »Wirklich nicht.«

*

Sie besprachen sich und tauschten Wissen über die Geschehnisse im Kristallimperium der Arkoniden aus. Tekener erzählte von seiner Jagd auf Bostich und von der Erkenntnis, dass die ARK-SUMMIA-Bewegung mit Geschehnissen auf der Welt Iprasa in Verbindung gebracht werden musste. Und dass ein »Wandelstern« mithilfe eines sonderbaren Relikts, eines Portals, erreicht werden konnte. Bostich war auf Archetz auf der Suche nach diesem Portal gewesen. Es war allerdings zerstört worden, bevor er es hatte untersuchen können.

Wie diese Informationen zusammengehörten, entzog sich seinem Verständnis. Sehr wohl verstand er aber, dass Bostich und mittlerweile auch Atlan durch ihre Extrasinne beeinflusst wurden. Sie waren Strohmänner, die im Sinne eines unbekannten Gegners wirkten.

Sahira ihrerseits erzählte von ihren schrecklichen Erlebnissen auf Aralon – und dass der verletzte Bostich auf die Welt der Galaktischen Mediziner gebracht worden war.

»Was ist mit diesem Goloshir geschehen?«, fragte Moody, der bislang geschwiegen hatte.

»Mein unfreiwilliger Befreier?« Sahira lächelte mädchenhaft. »Er bereut mittlerweile sicherlich seine Gutgläubigkeit. Er ist an Bord der RT-13 zurückgeblieben und wird es mit den Arkoniden zu tun bekommen. Nun, er verdient es nicht anders.«

Sie schwieg. Sie wollte nicht mehr über den Ara sagen. Tekener kannte die Skrupellosigkeit, mit der die Galaktischen Mediziner mitunter vorgingen. Die junge Frau würde erst dann über ihre Erlebnisse berichten, wenn sie dazu bereit war.

»Warum aber diese Ballung an Flottenschiffen?«, sinnierte Rhodan, der in Gedanken längst weiter war. »Warum spricht Atlan öffentlich eine Drohung gegen Arkon aus? Und das unterstützt von einer Fälschung von mir? Die Eroberung des Kristallimperiums könnte ohne Aufsehen und Blutverlust stattfinden. Schließlich befinden sich Bostich und er in der Gewalt des unbekannten Feindes. Der beherrscht sie über ihre Extrasinne und könnte sie zwingen, in seinem Sinne zu walten.«

»Es ist etwas Persönliches«, behauptete Gucky. »Der Unbekannte möchte die großen Führungspersönlichkeiten der Milchstraße in Misskredit bringen. Auch dich, Perry.«

Rhodan nickte zögernd.

»Der Feind stammt aus dem Inneren«, ergänzte Tekener. »Ich bin mir sicher, dass wir ihn bereits kennen. Vielleicht handelt es sich um einen benachteiligten arkonidischen Adeligen. Oder um ein Mitglied des Galaktikums.« Er dachte nach. Doch es wollte ihm niemand einfallen, der als Verdächtiger geeignet schien.

Oder zu viele. Es gab Tausende, wenn nicht gar Zehntausende Mächtige, die mit den Entwicklungen in der Milchstraße nicht einverstanden waren. Sie waren Teil einer gesichtslosen Masse an Unzufriedenen.

Rhodan hob die Schultern. »Wir wissen viel zu wenig über unseren Feind. Vielleicht will er die wahre Untat hinter einer Menge anderer verbergen. Vielleicht geht es ihm bloß um die Herrschaft auf Ariga oder um die Kontrolle über die Bank der Mehandor auf Archetz. Womöglich verabscheut der Unbekannte alle Arkoniden, deren Extrasinn aktiviert werden konnte. Vielleicht ist er aber auch jemand, den Bostich bei einem Empfang nicht höflich genug gegrüßt hat.« Er stand auf und nahm sich eine Tasse K'amana.

»Diese Diskussionen führen zu nichts«, sagte Gucky. »Wir wissen noch nicht einmal, ob es sich um einen Einzeltäter oder um eine größere Gruppe handelt. Fakt ist, dass wir es mit einem gut vorbereiteten Feind zu tun haben. Ob er nun vorhat, Raumschiffe zu erobern, einen Planeten, ein Sonnensystem, das Kristallimperium oder die ganze Milchstraße – er weiß genau, was er tut.«

»Wir werden ab nun zweigleisig agieren«, sagte Rhodan und nahm einen Schluck vom K'amana.

»Das bedeutet?« Tekener sah seinen Freund interessiert an. Es war genug geredet und analysiert worden. Er wollte aktiv werden, wollte erneut ins Geschehen eingreifen.

»Sahira, Gucky und ich werden nach Iprasa reisen und dort mehr über die ARK SUMMIA herauszufinden versuchen. Dein Hinweis auf die Prüfungswelt war mehr als deutlich, Tek.«

»Und Moody und ich?«

»Atlan und Bostich müssen rehabilitiert werden. Glaubst du ...?«

»Ich soll nach Aralon fliegen, in eine gut gesicherte Mantar-Klinik vordringen, mich gegen Bostichs Leibwächter behaupten und den Imperator von der Welt der Galaktischen Mediziner entführen? Das ist Wahnsinn!«

»Richtig.«

»... und deshalb gefällt es mir.« Tekener grinste. »Von mir aus kann es sofort losgehen. Allerdings haben wir ein Problem.«

»Ich weiß. Zwei Ziele, aber nur ein Raumschiff. Aber es gibt eine Lösung dafür. Unmittelbar vor unserer, hm, Haustür.«

»Was meinst du damit, Perry?«