Aristophanes - Gesammelte Werke - - Aristophanes - ebook

Aristophanes - Gesammelte Werke ebook

- Aristophanes

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Opis

Gesammelte Werke des griechischen Dichters klassischer Komödien. In dieser Sammlung finden Sie die Dramen: Der Friede, Die Frösche, Die Ritter, Die Vögel, Die Wolken, Lysistrate (auch bekannt als Lysistrata) in deutscher Übersetzung. Aristophanes ist nicht nur "der" klassische Komödiendichter, er inspiriert Schriftsteller bis heute. Zitate wie "Wolkenkuckucksheim" und "Eulen nach Athen tragen" sind in unsere Alltagssprache vorgedrungen. Die Werke des sprachmächtigen Dichters passen in jede gute Sammlung.

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Inhaltsverzeichnis
Gesammelte Werke des Aristophanes
Der Friede
Personen
Erster Act
Erste Scene
Zweite Scene
Dritte Scene
Vierte Scene
Fünfte Scene
Sechste Scene
Siebente Scene
Achte Scene
Zweiter Act
Erste Scene
Zweite Scene
Dritte Scene
Vierte Scene
Fünfte Scene
Dritter Act
Erste Scene
Zweite Scene
Dritte Scene
Vierte Scene
Die Frösche
Personen
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Fünfte Szene
Die Ritter
Personen
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Fünfte Szene
Die Vögel
Personen
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Fünfte Szene
Sechste Szene
Die Wolken
Personen
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Fünfte Szene
Lysistrate
Personen
Erste Szene
Zweite Szene
Dritte Szene
Vierte Szene
Fünfte Szene

Aristophanes

Gesammelte Werke

Neuausgabe

Der Friede

Personen

Trygäos, ein attischer Landmann Zwei Töchterchen der Trygäos Zwei Knechte des Trygäos Hermes, der Gott. Der Krieg. Das Getümmel, sein Diener. Der Chor, aus attischen Landleuten bestehend. Hierokles, ein Wahrsager Ein Sensenschmid. Ein Helmbuschbinder. Ein Panzerschmid. Ein Trompetenmacher. Ein Helmschmid. Ein Lanzenschäfter. Zwei Knaben. Eirene, die Friedensgöttin, stumme Person. Opora, die Fruchtgöttin, stumme Person. Theoria, die Festesgöttin, stumme Person.

Jahr der Uraufführung: Olymp. 89, 3. J. 421 vor Christus.

Erster Act

Erste Scene

Der Vorhof eine Gehöftes; auf der einen Seite ein Schweinstall, worin ein großer Käfer gefüttert wird;zwei Knechte,ämsig beschäftigt, der eine an einem Backtrog, in welchem er Mistkuchen knetet, der andere am Schweinstall, den Käfer darin fütternd.

Der erste Knecht(bei dem Stalle)Schnell, reiche schnell dem Käger einen Kuchen her!

Der zweite Knecht(bei dem Backtroge)Da! Gib's dem Unhold, den der Henker holen mag, Und labe seinen Gaumen nie ein süßerer!

Der erste KnechtNoch einen andern reiche her – aus Eselsmist!

Der zweite KnechtDa sieh noch einen! Wo gerieth der andre hin? Den fraß er nicht?

Der erste KnechtBewahre, nein, er riß ihn weg, Und wälzt' ihn umher mit den Füßen, und verschlang ihn ganz.

Drum knete hurtig ihrer viel' und dick noch.

Der zweite Knecht(gegen die Zuschauer)Helft, helft, ihr Kothaufsammler, wollt ihr anders nicht Mich im Gestank gleichgültig hier ersticken seh'n!

Der erste KnechtNoch einen, einen von verliebten Knaben noch! Denn ihn verlangt nach zartgeriebnen Brocken.

Der zweite KnechtHier!(zu den Zuschauern)Von Einer Schuld, ihr Männer, denk' ich frei zu sein; Denn daß ich knetend naschte, sagt wohl Kein's mir nach.

Der erste KnechtHe, reiche mehr her; einen noch und einen noch! Und knete neue!

Der zweite KnechtBei'm Apoll, nicht einen mehr! Nicht länger halt' ich dieses Seegrundwasser aus; Ich nehm' es samt dem Troge selbst und bringe dir's.(er schafft den Backtrog nach dem Stalle hin.)

Der erste KnechtEi, trage du's zum Geier und dich selbst dazu!

Der zweite Knecht(zu den Zuschauern)Ihr, wenn es euer Einer weiß, der sage mir's, Wo man sich Nasen ohne Löcher kaufen kann. Denn kein Geschäft auf Erden kann heilloser sein, Als dieses Futterkneten für den Käger da. Schwein oder Hund schlingt Alles, was am Wege liegt, Frischweg hinunter; dieses Thier voll Uebermuths Beberdet sich gar eckl, mag Nichts kosten, wenn Ich's nicht gerieben und gerührt den ganzen Tag, Wie einem Weib sein ausgeknetet Gerstenbrod. Nun will ich nachseh'n, ob er ausgefressen hat,(er geht nach dem Stalle)Und hier die Thür halb öffnen; sonst bemerkt er mich.(er sieht hinein und spricht zum dem Käfer:)Nur munter, schling' hinunter, höre nimmer auf, Bis unverseh'ns am Ende dir der Bauch zerplazt! Wie der sich vorbückt, einem Ringer gleich, und frißt, Und seine Kiefern gierig hin und wieder schiebt, Und noch dazu den Rüssel und die Tazen vorn So wild herumwirft, Seilern gleich, die angestrengt Die dicken Taue für ein Schiff zusammendreh'n! Ein garstig Wesen, stinkend, voll Gefräßigkeit! Und welchem Gott wohl dieses Plagevieh gehört? Ich weiß es nicht; der Aphrodite sicher nicht, Auch nicht den Chariten.

Der erste KnechtWem sonst?

Der zweite KnechtIch glaube fest, Die Grauen ward vom Niederdonnerer Zeus gesandt.

Der erste KnechtDa meint vielleicht jezt Einer dort im Publikum, Ein Männchen, das sich weise dünkt: "Wo wills hinaus? Der Käfer da, was soll er?" Dann erwieder ihm Ein Mann vom Ionervolke, der ihm nahe sizt: "Ich glaube, daß auf Kleon hier gestichelt ist, Weil der den Abgang ohne Scham hinunterschlingt."Doch tränk' ich jezt den Käfer auch und geh' hinein.(ab.)

Der zweite KnechtIch will indeß die Sache noch den Kindelein, Zugleich den Männlein allen und den Männern dort, Zugleich den höchsten Männern dort zu wissen thun, Und jenen noch die Männer Uebermannenden.(er zeigt, während er diese Worte spricht, immer weiter die Stufen des Theaters hinauf.)Mein guter Herr hat eine Tollheit neuer Art, Nicht so wie Ihr, nein, unerhörter neuer Art: Den ganzen Tag lang hebt erhimmelan den Blick, Sperrt weit den Mund auf, hadert laut mit Vater Zeus Und ruft: "o Zeus, was denkst du endlich noch zu thun? Leg' ab den Besen, fege Hellas nicht hinaus!"

Zweite Scene

Der Knecht. Trygäos,anfangs hinter der Scene, dann sichtbar.

Trygäos(hinter der Scene)Hoho! Hoho!

Der KnechtSeid still! Ich höre, dinkt mich, seine Stimme da.

Trygäos(wie oben)Was willst du noch an unserm Volke thun, o Zeus? Du raubst den Städten ihren Kern und merkst es nicht?

Der KnechtDas ist das Unglück, eben das, wovon ich sprach: Da hörtet ihr ein Pröbchen seiner Raserei! Was er im Anfang, als die Raserei begann, Gesprochen, hört noch. Also sprach er da zu sich: "O könnt' ich doch gerades Wegs zu Zeus hinauf!" Er baute dann sich dünne Leiterchen zurecht, Und klomm an diesen himmelan mit Hand und Fuß, Bis er herunterpurzelnd sich den Kopf zerfiel. Nun gestern, da verläuft er sich, Zeus weiß wohin, Und bringt ein großes Aetnaroß von Käfer heim,Und zwingt mich dieses Ungethüms Stallknecht zu sein, Indeß er selbst es, wie ein Füllen, streichelnd rief: "Du mein erhabnes Flügelthier, mein Pegasos,Komm, fliege mit mir grades Wegs zu Zeus hinauf!" – Muß doch hinein hier gucken, was der Alte macht!(er geht an die innere Hofthüre und sieht hinein.)Ach, ach, ich Armer! Kommt, o Nachbarn, kommt heran! Mein Herr, o schaut ,da steigt eben hoch zu Roß Auf seinem Käfer schwebend in die Luft empor!

(Trygäos erscheint, auf einem übergroßen Käfer in die Höhe schwebend.)

TrygäosNur sacht, nur sacht, mein Käger, gemach! Nicht stürme mir allzutrozig dahin, Gleich anfangs stolz im Gefühle der Kraft, Eh Schweiß vordringt und die Sennkraft dir Der Gelenke sich löst in der Fittige Schwung! Nicht schnaube so toll, ich beschwöre dich, Wurm! Denn thust du mir dies, dann bleibe mir hier Nur lieber dahiem in meinem Gehöft!

Der KnechtO Gebieter und Herr, wie bist du verrückt!

TrygäosStill doch! Still doch!

Der KnechtWo steuerst du blindlings hin in die Luft?

TrygäosHoch flieg' ich empor, den Hellenen zu Heil: So verwegen, so neu ist, was ich ersann.

Der KnechtWas fliegst du? Warum so vergeblich getollt?

TrygäosSprich Günstiges nur! Und muxe mir ja Kein faules Geschwäz: nein, jauchze mir zu! Und den Bürgern gebeut, recht stille zu sein, Und die Gänge des Koths und die Haufen des Dungs Ganz neu mit Ziegeln umher zu verbau'n, Und ein Schloß an die Steiße zu legen.

Der KnechtUnmöglich kann ich schweigen, bis du mir erklärst, Wohin zu fliegen du gedenkst.

TrygäosWohin? Zu Zeus Hinauf in Himmelshöhen.

Der KnechtUnd was willst du da?

TrygäosIch will den Gott befragen um's Hellenenvolk Gesamt und sonders, was er ihm zu thun gedenkt.

Der KnechtUnd, steht er dir nicht Rede – ?

TrygäosDann verklag' ich ihn, Daß er dem Medervolke Hellas' Volk verrieth.

Der KnechtBei Gott, so lang Ich lebe, thust du solches nicht!

TrygäosEs ist einmal nicht anders.(er steigt höher)

Der Knecht(ruft in das Haus hinein)Holla! Hollahoh! Ihr Kinder, euer Vater geht davon und läßt Euch hier als Waisen, fliegt geheim zum Himmel auf! Ihr Armen, fleht den Vater um Erbarmen an!

(Die beiden Töchterchen des Trygäos treten aus dem Hause.)

Dritte Scene

Die Vorigen. Die Töchterchen des Trygäos

Ein TöchterchenVäterchen, Väterchen, soll ich es glauben, Was das Gerücht bis in unser Gemach trug? Willst du mit Vögeln, verlassend die Deinigen, Hoch in die Luft zu den Raben entweichen? Ist was Wahres daran? Sprich, Väterchen, wenn du mich lieb hast!

TrygäosKind, das läßt sich vermuthen: gewiß ist, daß es mich herzlich Jammert um euch, wenn ihr bittet um Brod und Papachen mir zuruft, Während von Geld auch nicht Ein winziges Körnchen im Haus ist. Wenn mir's gelingt un dich komme zurück, dann sollt ihr im Nu mir Einen gewaltigen Weck, als Zukost Püffe bekommen.

Das TöchterchenIn welcher Art denn legst du deinen Weg zurück? Denn keine Schiffe fördern dich hauf diesem Pfad.

TrygäosMich trägt ein Flügelrößchen, Schiffe brauch' ich nicht.

Das TöchterchenDoch welcher Einfall, daß du dir den Käfer hier Anschirrst, zu reiten in der Götter Reich, Papa?

TrygäosAesopos' Fabeln lehren uns, daß der allein Von allen Fluggeschöpfen kam in's Götterreich.

Das TöchterchenUnglaublich, Märchen, was du sagst, Papa, Papa, Ein solchen Stinkthier sei gelangt in's Götterreich!

TrygäosAls Feind des Adlers kam er hin vor alter Zeit, Und wälzte, sich zu rächen, ihm die Eier weg.

Das TöchterchenO hätt'st du lieber angeschirrt den Pegasos! So schienst do doch den Göttern etwas tragischer.

TrygäosDa braucht' ich doppelt Futter ja, du thöricht Kind, Indeß ich jezt mit Futter, das ich selbst zuvor Verzehrte, diesen hinterher abfüttere.

Das TöchterchenDoch, wenn in feuchten Meeresgrund er niederstürzt, Wie hilft er als ein Flügelthier sich dann heraus?

TrygäosMein Steuer nahm ich weislich mit, das brauch' ich dann, Und lenke so mein naxisch Käferboot dahin.

Das TöchterchenWelch eine Bucht denn nimmt die Umgetrieb'nen auf?

TrygäosDort im Piräeus find' ich ja die Käferbucht.

Das TöchterchenNur Eins beachte, daß du nicht im Schwindel dort Herunterfällst, und hinkend dann dem Euripedes Den Stoff zu Märchen bietest und zum Trauerspiel.

TrygäosDa werd' ich selbst schon sorgen. Nun gehabt euch wohl!(die Kinder gehen in's Haus zurück.)Doch ihr, für die ich diesen Kampf auskämpfen will, Laßt keinen Wind los, stänkert nicht, der Tage lang; Denn wenn der Käger Etwas riecht in hoher Luft, So schnellt er häuptlings mich hinab und schwelgt im Duft.(indem er immer höher steigt, zum Käfer:)Nun, Pegasos, auf, zeuch fröhlich dahin! Laß klirren des Goldzaums blankes Gebiß, Und lausche mit heiterem Ohre dem Klang! – Was beginnst du? Was ist's? Was beugst du dich so Mit den Nüstern hinab zu den Gängen des Koths? Auf, hebe dich kühn von der Erde hinweg, Und die Schwingen der Hast ausbreitend im Flug, Zeuch grade hinein zum Palaste des Zeus, Von dem Kothe die Nas' abwendend und fern Dich haltend vom Mahl alltäglicher Art.(zur Erde hinabschauend)Was machst du, Gesell, du, der dort kackt Im Piräeus links an dem Hurenrevier? "Tod bringst du mir, Tod!" He, scharr' es doch ein,Und schütte darüber des Erdreichs viel, Und pflanze darauf Serphyllon, zugleich Geuß Salbe darauf! Denn, stürz' ich hinab Und breche den Hals, dann werde das Volk Auf Chios um fünf Talente gebüßt,Um deinem Popo zu vergelten! Wie graut mir! Wehe! Nicht im Scherze ruf' ich so. Maschinenmeister, habe ja wohl Acht auf mich!Schon kreist ein Wind um meinen Nabel her; so sei Vorsichtig, oder füttr' ich gleich den Käger ab!(der Olympos wird mit den himmlischen Wohnungen sichtbar.)Doch nahe, scheint es, bin ich hier den Göttern schon; Ja recht! Ich sehe da bereits das Haus des Zeus.(er steigt ab, und pocht an die Thüre.)Wer ist des Zeus Thürhüter? Macht doch endlich auf!

Vierte Scene

Trygäos. Hermes.

HermesWo scholl die Menschenstimme her? Herakles hilf! Welch Ungethüm erblick' ich dort?

TrygäosEin Käferroß.

(Hermes gewahrt jezt erst den Trygäos.)

HermesVerworfner du, Tollkühner, Unverschämter du, Verruchter, allverruchter, erzverruchter Schuft, Wie kamst du hieher, aller Schufte Schuftigster? Was ist dein Name? Sagst du's nicht?

TrygäosVerruchter Schuft.

HermesWie heißest du von Stamme? Sprich!

TrygäosVerruchter Schuft.

HermesDein Vater, Mensch, wie heißt er?

TrygäosWie? Verruchter Schuft.

HermesHa, bei der Erde, sterben sollst du mir sofort, Bekennst du nicht zur Stelle, wie dein Name heißt.

TrygäosTrygäos, schlichter Winzer vom Athmonergau, Kein Sykophant, kein Zänker, der stets Händel sucht.

HermesWas führt dich hierher?

TrygäosDiesen Schinken bring' ich dir.(er gibt ihm ein Stück Fleisch aus seiner Reisetasche)

HermesNun, armer, Schelm, wie kamst du her?

TrygäosSieh, Leckermaul! Erschein' ich dir auch jezt noch als verruchter Schuft? Geh' izt und rufe mir den Zeus!

HermesO je! O je! Daß du den Göttern nahtest, war dir nicht bestimmt; Denn alle zogen gestern aus, hinweg von hier.

TrygäosIn welches Land?

HermesWas? Land!

TrygäosWohin sonst?

HermesGräßlich weit, Ganz oben in der Himmel Zellenwerk hinein.

TrygäosWas aber ließ man unten dich allein zurück?

HermesDer Götter übrig Hausgeräth bewach' ich hier, Die Töpfchen und die Brettchen und die Krügelchen.

TrygäosUnd was bewog die Götter, auszuzieh'n von hier?

HermesSie zürnten Hellas' Volke; da denn haben sie Hier, wo sie selbst sonst wohnten, eingelegt den Krieg,Ganz frei mit euch zu schalten, wie es ihm beliebt. Sie selber bauten möglichst hoch sich oben an, Um Nichts hinfort von euren Kämpfen mehr zu sehn, Und Nichts u hören, wenn ihr fleht um ihren Schutz.

TrygäosWas stimmte sie zu solchem Groll? Dies sage mir.

HermesWeil euch der Krieg erwünschter war, wie oft sie selbst Auch Frieden boten. Wenn das Volk Lakonia's Ein wenig Vorsprung hatte, rief es ungestüm: "Bei Kastor, büßen soll es jezt, das Athenerlein!" Und lachte dnn wieder dem Athenerling das Glück, Und trafen dann aus Sparta Friedensboten ein, So riefet ihr wohl hastig: "uns belistet man, Ja wohl, bei Pallas Athene! Gebt nicht nach, bei Zeus! Sie kommen wieder, halten wir nur Pylos fest!"

TrygäosJa, so geprägt sind unsre Reden hier zu Land.

HermesDrum weiß ich nicht, ob euch die Friedensgöttin je Fortan vor Augen kommen wird.

TrygäosWo schwand sie hin?

HermesSie ward vom Krieg in eine tiefe Kluft gestürzt.

TrygäosIn welche?

HermesDie da drunten; und du siehst zugleich,Wie viel er oben Steine noch darauf geschleppt, Daß ihr sie niemals mehr bekommt.

TrygäosO sage mir, Was hat der noch weiter vor mit uns zu thun?

HermesNichts weiß ich als das Eine, daß er Abends spät Sich einen Mörser, riesengroß, hereingeschleppt.

TrygäosDer Mörser da – zu welchem Zwecke dient er ihm?

HermesZusammenstampfen will er Hellas' Städte drin. Nun will ich gehen; denn er kommt alsbald heraus, So däucht mir; innen lärmt er schon.(geht ab.)

TrygäosIch Armer, weh! Auf, laß mich ihm entlaufen! Denn es war mir selbst, Als dröhnte mir des Schlachtenmörsers Klang in's Ohr.

Fünfte Scene

Trygäos. Der Krieg,einen mächtigen Mörser tragend.Das Getümmel.

Der KriegO Menschen, Menschen, Menschen unglückselige! Wie werden euch die Backen alsbald wehe thun!

Trygäos(gegen die Zuschauer)O Fürst Apollon, welchen Schlund der Mörser hat! Und dieser Blick des Krieges, welch ein Grauen schon! Das ist der Unhold also, den wir alle flieh'n, Der Grause, der mit festem Fuß niemals entweicht!

Der KriegHa, Prasiä, dreifach, dreißigfach und hunderfach Unglücklich, heute sollst du noch zu Grunde gehn!(er wirft Prasiä, d. i. Lauch, in den Mörser)

Trygäos(wie vorhin)Daher, o Männer, droht für uns noch keine Noth: Denn dieses Unheil trifft ja nur das Sparteland.

Der KriegHa, Megara, Megara, du zerstäubst samt Burg und Port Mit Einem Stoß in Einen Mörserbrei zerstampft!(er wirft Zwiebeln in den Mörser.)

Trygäos(wie vorhin)Poz alle Welt! Welch schweres, bittres Tränenbrod Hat da der Unhold eingebrockt den Megarern!

Der KriegAuch du Sikelia, wehe dir, sollst untergehn!(er wirft Käse hinein.)

TrygäosWeh, solche Perle soll zerschabt wie Käse sein!

Der KriegAuf,gieß' ichauch nch diesen attischen Honig drauf!(er gießt Honig darauf.)

Trygäos(halblaut)Du, nimm dir andern Honig, Freund, ich rathe dir; Der kostet vier Obole; spare den attischen!

Der KriegBursch, Bursch! Getümmel!

Das Getümmel(aus dem Hause tretend)Rufst du mich?

Der KriegBald heulst du laut: Was stehst du müssig? Koste hier einmal die Faust!

Trygäos(für sich.)Das beißt!

Das GetümmelO weh mir Armen! Ach, mein lieber Herr! Hast du vom Knoblauch was gethan in deine Faust?

Der KriegFort, hole mir den Stämpfel her!

Das GetümmelJa, guter Herr, 's ist keiner da; wir zogen gestern erst herein!

Der KriegSo springe, hole von Athen mir einen her!

Das GetümmelHerr, fliegen will ich!(für sich)Sonst erhalt' ich wieder was.(ab.)

TrygäosNun, was beginnen, arme Menschenkinder ihr? Ihr seht die Größe der Gefahr, die uns bedroht. Denn wenn er ankommt und em Herrn den Stämpfel bringt, Sezt der sich hin, und stößt die Städte klein damit. Doch (Bacchos, hilf!) er sterbe, bringe nichts zurück!

(Das Getümmel kommt zurück.)

Der KriegDu!

Das GetümmelWas verlangt dich?

Der KriegBringst du Nichts?

Das GetümmelAch, jenes Ding – Verloren ging es aus Athen, der Stämpfel, Herr – Der Gerber, der ganz Hellas einst durchrüttelte.

TrygäosO heilige Herrin Athene, das war wohlgethan, Der ging verloren für die Stadt zu rechter Zeit, Bevor er solchen Mörserbrei un eingerührt!

Der KriegJezt einen andern hole mir von Sparta her, Und eile!

Das GetümmelJa, Gebieter!

Der KriegKomm nur schnell zurück!

(Das Getümmel ab.)

TrygäosWie wird's mit uns geh'n Männer? Groß ist nun die Noth. Wenn unter euch hier irgendwer die Weih'n empfing In Samothrake, nun geziemt ein laut Gebet,Daß der die Beine verrenke, der den Stämpfel holt!

Das Getümmel(kommt zurück.)O weh mir Armen, wehe mir, ja wehe mir!

Der KriegWas ist es? Bringst du wieder Nichts?

Das GetümmelVerloren ging Der Stämpfel auch dem Spartiatenvolke Herr.

Der KriegWie so, du Schlingel?

Das GetümmelDort im Thrakerlande lieh'n Sie Fremden ihren Stämpfel, und verloren ihn.

TrygäosSchön, schön, o Dioskuren, das war wohlgethan!Noch kann es wohlgeh'n! Fasset Muth, ihr Sterblichen!

Der Krieg(zum Getümmel)Da nimm das Zeug und trag' es wieder weg: ich will Hinein, mir eine Keule selbst zu fertigen!

(Beide ab.)

Sechste Scene

Trygäos.Hernachder Chor

TrygäosJetzt ist das Lied des Datis ganz an seinem Platz, Das der, sich kraulend, bei der Mittagsruhe sang: "Wie freu' ich mich und labe mich und jauchze mich!" Nun, Hellas' edle Söhne, nun geziemt es uns, Vom Hader und vom Kampfe frei, den Frieden dort Den allgeliebten, aus dem Schlund herauszuzuieh'n, Bevor ein andrer Stämpfel uns es wieder wehrt! Ihr Feldbesteller, Krämer, ihr Beflissenen Der Kunst, des Handwerks, Schuzgenossen, Fremdlinge,Ihr Inselmänner, kommt heran, kommt, alles Volk! Ungesäumt ergreift die Hacken, nehmet Hebelbaum und Strick! Nun gelingt's uns, wir erhaschen einen Trunk vom guten Geist.

Der ChorWandelt Alle frohen Muthes hier heran zu Glück und Heil! Auf, Gesamthellenen, laßt uns helfen jezt, wenn irgend sonst; Abgethan sei jede Fehde, fern des Krieges blut'ger Tanz! Denn die Sonne leuchtet heute feindlich auf für Lamachos.Was dazu von uns gescheh'n muß, sage du, werkmeist're du: Denn die Hände ruh'n zu lassen, ist mir heut unmöglich, traun, Bis der Himmel höchste Göttin und die rebenfreundlichste Wir mit Hebeln und Maschinen an das Licht heraufgebracht.

TrygäosStille doch, damit ihr innen nicht im Uebermaß der Lust, Wenn ihr lärmt und schreit, des Krieges alte Glut von neuem weckt!

Der ChorSolchen Heroldsruf zu hören, freu'n wir uns von Herzen, Freund;Dess es hieß nicht: "kommt und bringet Zehrung auf drei Tage mit!"

TrygäosHütet euch jezt nur vor Ihm da drunten, vor dem Höllenhund,Daß er polternd nicht und schreiend, wie er einst auf Erden that, Uns verhindert, unsre Göttin an das Licht heraufzuziehn.

Der ChorNimmerdar soll Einer kommen, der die Holde mir entreißt, Wenn sie nur einmal in meine Hände kam: juheh, juheh!

TrygäosWeh, ihr tödtet mich ihr Männer, hemmt ihr nicht des Jubels Ruf: Denn er stürzt heraus, zerstampft uns Alles hier mit Einem Tritt!

Der ChorRüttl' er um und trete nieder, und zerstampf' er Alles hier! Können wir doch unsre Freude nicht bezähmen, heute nicht!

(Der Chor beginnt zu tanzen.)

TrygäosWelch ein Unfug! Was beginnt ihr, Leute? Bei der Götter Macht! O zerstört das schönste Werk doch nicht mit eurem tollen Tanz!

Der ChorNun, so will ich nimmer tanzen; aber selbst, aus bloßer Lust, Ohne daß ich nur mich rühre, hüpfen mir die Beine fort.

TrygäosNur für jetzt nich länger! Höre, höre nun zu tanzen auf!

Der ChorSieh, wir hören auf!

TrygäosDu sagst es, aber tanzest immer fort.

Der ChorNur den Einen Schleifer laß uns tanzen noch, dann keinen mehr!

TrygäosGut, den Einen, noch den Einen, aber dann nicht weiter mehr.

Der ChorKeinen Schritt mehr will ich tanzen, wenn es dir was nüzen kann.

TrygäosAber seht, ihr tanz noch immer.

Der ChorHoben wir das rechte Bein Nur noch Einmal auf, gewiß, dann stellen wir das Tanzen ein.

TrygäosNun, das Eine noch, um endlich meines Aergers los zu sein!

Der ChorAber auch das linke Bein hier zwingt mich fort und fort zum Tanz. Denn ich bin vergnügt und jauchze, farze laut und lache laut, Wie verjüngt vor lauter Freude, weil ich nun dem Schild entrann.

TrygäosNur für jezt nicht mehr gejubelt: könnt ihr doch nicht sicher sein! Aber, hoben wir die Göttin, dann, o Männer, freuet euch, Jubelt hell und lachet hell auf! Denn erlaubt ist Alles wieder: Schifft und rastet, schlaft und liebelt, Schaut der großen Spiele Feier, Schmaust und zechet, kottabizelt, Sybarizelt,Schreit juhei, juheissasa!

Der ChorDaß ein Gott mir noch vergönnte, diesen Tag einmal zu schaun! Denn ich trug viele Noth, Lag auf Strohbetten, hart, Wie die Streu Phormions.Traun, du sollst als Richter fortan nimmermehr mich herb und barsch, Noch erbarmungslosen Sinnes finden, wie wohl ehedem; Nein, du sollst freundlich und Sanft mich seh'n, jugendlicher, Wurden wir des Krieges los. Denn bereits lang genug Hat man uns matt gequält, Treibt man uns hin und her Zum Lykeion vom Lykeion, mir dem Wurfspeer, mit dem Schild.Aber auf, sage mir, Wo ich dir allermeist Dienen kann; denn das Stück Hat dich uns als Alleinherrn bestellt.

Siebente Scene

Trygäos. Hermes. Der Chor.

TrygäosAuf, laß mich seh'n: wo wälzen wir die Steine hin?

(Hermes kommt aus dem Hause, wie Trygäos eben um die Steinkluft beschäftigt ist.)

HermesTollkühner Frevler, was gedenkst du hier zu thun?

TrygäosNichts Arges, wahrlich, eben nur, was Killikon.

HermesDu bist des Todes, Armer –

TrygäosWenn das Loos mich trifft. Doch bist du Hermes, lenkst den Wurf, ich weiß wohin.

HermesDes Todes, ganz des Todes, Mensch!

TrygäosAuf welchem Tag?

HermesIm Augenblick.

TrygäosDoch hab' ich noch nichts eingekauft,So wenig Mehl als Käse, für den Todesgang.

HermesGleichwohl, du bist vernichtet.

TrygäosUnd wie kommt es denn:Ich merke nichts, daß solches Heil mir widerfuhr?

HermesSo wisse, Zeus hat Jedem angedroht den Tod, Der sie herauszuholen wagt.

TrygäosNun muß ich wohl Auf alle Fälle sterben, Herr?

HermesVerlaß dich drauf.

TrygäosSo leihe mir drei Drachmen für ein Ferkelchen;Denn ich bedarf der Weihe, vor dem Tode noch.

HermesO Zeus in Bliz und Donner –

TrygäosBei den Göttern, nein! Nicht wolle mich verrathen, Herr, ich bitte dich.

HermesNicht schweigen darf ich.

TrygäosUm des Fleisches willen, still! Das ich mit frohem Herzen dir heraufgebracht.

HermesDu Thor, vertilgen wird mich gleich Zeus' Donnerstrahl, Posaun' ich's ihm nicht gellend in die Luft hinaus.

TrygäosPosaune jezt nicht, Hermchen, ich beschwöre dich!(zu dem Chore)Sagt mit, Männer, wie geschieht euch? Ganz erschüttert steht ihr da! Memmen ihr, seid nicht so lautlos: sonst posaunt er Alles aus!

Der ChorNimmermehr, gestrenger Hermes, nimmermehr, nein, nimmermehr! Weißt du noch, wie ich dir Ferkel oft aufgetischt, Die dir süß schmeckten Herr, Achte du doch solche Gabe nicht gering in solcher Noth!

TrygäosHörst du nicht, wie die dir schmeicheln, mein gestrenger Fürst und Herr?

Der ChorSchaue nicht grollend auf Unser Fleh'n, wehre nicht, Sie zu heben aus der Gruft! Nein, mit Huld blick' auf uns, Meschenfreund, gabenreich, Gütig, wie kein andrer Gott, Graut dir anders vor Peisandros' Mähnenbusch und Augenbrau'n!Und ich will Dankes voll Feierlicher Opfer Zoll Stolzer Umzüge Pomp Dir, o Herr, jubelnd weih'n allezeit!

TrygäosO laßt ihr Flehn dich rühren, ich beschwöre dich! Sie zollen dir doch Ehre, mehr denn je zuvor.

HermesSie sind ja jezt auch Diebe, mehr denn je zuvor.

TrygäosEin Ding, gefährlich, ernster Art, entdeck' ich dir, Das gegen alle Götter angesponnen wird –

HermesWohlan, enthüll' es: denn vielleicht bewegst du mich.

TrygäosSelene nämlich und der arge Sonnengott,Verschworen beide wider euch schon lange Zeit, Verrathen Hellas heimlich an's Barbarenvolk.

HermesAus welchem Grunde thun sie das?

TrygäosWeil wir, bei Zeus, Euch spenden unsrer Opfer Dank, und ihnen nur Barbaren opfern. Darum wünschen sie mit Grund Euch alle sammt und sonders ausgetilgt zu sehn, Daß sie der Götter Weihen dann allein empfah'n.

HermesDrum stahlen sie schon lange von den Tagen ab,Und kürzten an den Zeiten aus Fahrlässigkeit.

TrygäosJa freilich. Deßhalb, Lieber, lege wohlgemuth Hand an, die Göttin, uns vereint; herauszuziehn. Dir feiern wir die großen Panathenäen dann, Der andern Götter Feste samt und sonders auch, Zeus' Fest, Adonis' Feste, samt Mysterien. Ach andre Städte werden, frei der Kriegsnoth, Dem Hort in Leid, dir, Hermes, allwärts Opfer weih'n; Auch sonst des Guten wird dir viel. Vor Allem nimm Von mir den Becher hier, damit du spenden kannst.(er gibt ihm einen goldenen Becher.)

HermesO wie das Gold doch immer mir das Herz erweicht! –(zu dem Chore:)Euer ist nunmehr das Werk hier, Männer! Auf denn, geht hinan, Nehmt die Hacken, und in aller Eile schleppt die Steine weg!

Der ChorAlso thun wir: du, der Götter schlauster, sei zu Rath und That Uns gesellt, und was zu thun ist, ordne du werkmeisterlich! Auch zum andern Dienste sollst du mich bereit und rüstig sehn.

Trygäos(zu Hermes)Wohlan, geschwind denn halte du den Becher her, Daß wir das Werk einbechern und den Göttern flehn.

HermesSpende, Spende! Schweigt voll Andacht, schweigt voll Andacht!(er gießt die Spende aus.)

TrygäosZur Spende laßt uns beten, daß der heut'ge Tag Der ganzen Hellas viels Glücks Urheber sei, Und daß der Mann, der wacker an den Seilen mit Angreift, hinfort zum Schilde niemals greifen muß!

Der ChorNein, daß ich friedlich spinnen mag der Tage Rest, Und meine Kohlen schüren darf, dir Dirn' im Arm!

TrygäosWenn aber Jemand lieber Krieg zu haben wünscht, Der werde niemals fertig, bei Dionysos' Macht, Aus seinen Armen spize Pfeil' herauszuziehn!

Der ChorUnd wenn ein Mann, nach Häuptlingsehre lüstern, dir Mißgönnt an's Lich zu steigen, hohe Königin, So geh' es ihm im Felde, wie dem Kleonymos!

TrygäosUnd wenn ein Schildverkäufer, wenn ein Lanzenschmid, Des bessern Marktes wegen, Krieg und Schlacht begehrt; In Räuberhände fallend, ess' er Gerste nur!

Der ChorUnd wenn ein Bürger, wei er Feldherr werden will, Ein Knecht, der Ueberlaufen will, nicht ziehen hilft;Am Rade werd' er umgedrillt und durchgepeitscht!Doch uns erblühe Gutes! Heil, Ferntreffer, Heil!

TrygäosDas "Treffen" laß bei Seite; Heil; Heil rufe nur!

Der ChorHeil also ruf' ich, rufe nichts als: Heil, o Heil!

Trygäos(indem er den Göttern, die er nennt, die Spenden ausgießt)Dem Hermes und den Chariten,Den Horen und der Kypris und dem Eros dies!

Der ChorUnd Ares –?

TrygäosNein!

Der ChorAuch Enyalios nicht?

TrygäosO nein!

Der ChorFrisch greifet an, ihr alle! Zieht die Taue, zieht!

(Der Chor zieht an den Tauen, die durch die Orchestra hin bis ind den Abgrund reichen, um die Friedensgöttin herauszuheben, unter gegenseitigen Zurufen.)

HermesHo heia!

Der ChorHeia frisch!

HermesHo heia!

Der ChorHeia frisch!

HermesHo heia! Ho heia!

TrygäosSie ziehen ja ganz ungleich an den Tau'n.(zu den Böotern, die sich seitwärts gestellt haben:)Greift an mit einander! O sträubt euch nicht! Bald sollt ihr es büßen, Böoter!

HermesHeia nun!

TrygäosHeia ho!

Der Chor(zu Hermes und Trygäos)Ihr beide, wohlan, helft auch mitzieh'n!

TrygäosIch ziehe ja schon und hänge mich an, Und stemme mich an, und mühe mich ab.

Der ChorUnd gleichwohl geht's nicht vorwärts.

TrygäosHa, Lamachos, unrecht, daß du hier in den Weg dich drängst!

O Mensch, wir brauchen dein Gespenst im Schilde nicht.

HermesAuch Argos' Söhne ziehen hier schon lange nicht; Sie lachen nur die Leute, die sich placken, aus, Und essen ruhig hier und dort ihr Söldnerbrod.

TrygäosDoch die Lakonen, Lieber, die zieh'n tapfer an.

HermesDu weißt ja: wer von ihnen noch am Holze liegt,Die zögen gerne; doch der Wehrschmid läßt sie nicht.

Der ChorAuch dort die Megarer schaffen nichts; doch ziehen sie,Am Fleische zerrend, Hündchen gleich, recht kümmerlich; Der Hunger hat sie freilich schon ganz abgezehrt.

TrygäosWir fördern nichts, o Männer; auf einmüthig geh'n Wir alle wieder mit vereinter Kraft an's Werk!

(Alle fassen wieder an.)

HermesHo heia!

TrygäosHeia ho!

HermesHo heia!

TrygäosHo, bei Zeus!

HermesHo heia! Ho heia!

Der ChorKaum rücken wir vor!

TrygäosAbscheulich ist's, Die hier zieh'n an, die ziehn zurück! Bald fühlt ihr die Faust, ihr Argeier!

HermesHeia nun!

TrygäosHeia ho!

Der ChorBöswillige gibt's in unseren Reih'n.

TrygäosAuf, ihr denn, die voll Sehnsuchtschmerz Nach dem Frieden verlangt, zieht mannhaft, zieht!

Der ChorDoch stören so Viele das Werk hier.

TrygäosIhr Megareer, schert euch zum Geier fort! Euch haßt die Göttin herzlich und gedenkt es euch, Daß ihr zuerst mit eurem Knoblauch sie gesalbt.Auch euch, Athener, sag' ich, faßt nicht länger mehr Das Seil an jenem Ende, wo bisher ihr zogt: Denn nichts betreibt ihr weiter als Processe nur.Doch wenn ihr ernstlich sie heraufzuheben wünscht, So ziehet euch ein wenig an das Meer zuück.

Der ChorAuf, Männer, schaffen wir allein das Werk, wir Landbesteller!

(Der Chor allein faßt die Taue.)

HermesSchon geht es, wenn ihr ziehet nur, viel besser, traun, ihr Männer!

Der ChorSchon geht es, meint er; alle denn greift an und schaffet wacker!

HermesFürwahr, die Bauern ziehen sie heraus, und weiter Niemand!

Der ChorFrisch auf! All' auf! Schon ist die Göttin nahe. Nicht nachgelassen jezo, nein, Mannhafter nur euch angestrengt! Schon ist es uns gelungen!(Die Friedensgöttin steigt aus der Tiefe, mit ihr Opora und Theoria.)Ho heia nun! Ho heia rings! Ho heia, heia, heia, heia!Ho heia heia ring!

Achte Scene

Hermes. Trygäos. Der Chor. Die Friedensgöttin. Opora. Theoria.

TrygäosO hehre Traubenspenderin, wie grüß' ich dich! Wo nehm' ich's her, das Zehentausendfuderwort, Um dich zu grüßen? Denn ich habe kein's daheim. Opora, Heil dir! Sei gegrüßt, Theoria! Welch lieblich Antliz hast du doch, Theoria! Wie duftest du, wie lieblich, bis in's Herz hinein, So wonnig süß, wie Waffenruh und Nardenöl!

HermesUnd wahlich gar nicht einem Kriegstornister gleich.

Der ChorPfui vor des eklen Söldlings, eklem Kriegsgepäck! Da duftet's ja nach Zwiebelessigrülpsen nur, Und hier nach Ernte, Luftgelag, Dionysosfest, Schalmei'n, Tragödien, Sophokles, Krammtsvögelchen, Nach Verschen aus Euripedes –

TrygäosDas büßest du, Die Göttin so zu läßtern! Denn sie liebt gewiß Den Dichter nicht mit seinen Anwaltsrednerei'n.

Der ChorWeinschläuchen, Epheu, Lämmerblöken auf der Trift, Geschürzten Frauen, eilend auf das Feld hinaus, Betrunknen Dirnen, umgestürztem Trinkgeschirr, Und vielem andern Guten.

HermesAuf, betrachte nur, Wie traulich dort die Städte, wieder ausgesöhnt, Zusammenplaudern, wie sie lachen frohes Sinns, Obgleich von Striemen grausenhaft die Haut zerfleischt Gesammt und sonders, und mit Schröpfhütlein behängt!

TrygäosNun sieh dir auch die Gesichter an im Publikum: Daran erkennst du jed Gewerb.

HermesAbah, du Schelm! Gewahrst du nicht, wie dort der Helmbuschbinder sich Das eigne Haar zaust, und der Hackenmacher hier Dem Meister Schwertner in's Gesicht den Schwefel bläst?

TrygäosUnd der Sensenmacher, siehst du wohl, wie der sich freut, Wie der dem Nachbar Lanzenschäfter Esel bohrt?

HermesAuf, schicke nun die Landbesteller wieder heim!

TrygäosIhr Völker, hört! Die Landbesteller schick' ich heim. Nehmt eure Feldgeräthe, zieht auf's Land hinaus Ungesäumt und ohne Wurfspeer, ohne Lanz' und ohne Schwert! Aller Orten waltet hier jetzt Friede, wie zur alten Zeit; Gehe Jeder denn zu Arbeit auf das Feld und juble laut!

Der ChorHolder Tag, von allen Guten und dem Landmann heißersehnt! Fröhlich, nun ich dich gesehen, grüß' ich meine Reben dort: Auch ihr Feigenbäume, dich ich selbst gepflanzt, ein Knabe noch, Wie verlangt mich's, euch zu grüßen nach so langer, langer Zeit!

TrygäosNun, o Männer laßt zuerst uns mit Gebet uns wenden hier An die Götter, die von Helmbusch uns erlöst und Gorgobild! Ungesäumt dann zieh'n wir alle friedlich heim nach Haus und Hof, Wann wir erst ein gutes Stückchen Pökelfleisch für's Land gekauft.

(Der Chor stellt sich auf.)

HermesGroßer Zeus, wie wallt so stattlich dort der Menschenschwarm dahin, Großer Zeus und festgeknetet, wie Gebäck und Volksgelag!

TrygäosJa bei Zeus, denn hergerüstet ist die Hacke glänzendhell, Und die dreigezackten Karste leuchten blank im Sonnenlicht; Stattlich, traun, in Wechselreihen ragten sie, wie Reb' und Baum! Drum verlangt's auch mich so herzlich, auf das Feld hinauszugeh'n, Und einmal mein Gütchen wieder umzuschaufeln mit dem Karst. Auf denn, eingedenk, o Männer, Sei der alten Art und Sitte, Welche sie euch einst gewährte, Jenes eingemachten Obstes, Jener Feigen, jener Myrten, Jenes ersten süßen Mostes, Auch des Veilchenbeets am Brunnen, Auch der Oelbäum' unsrer Sehnsucht: Alles dessen Fromm gedenkend, weiht, o Männer, Preis und Dank der Göttin hier!

Der ChorHeil, o Heil dir, Theuerste! Welche Wonn' uns, daß du kamest! Sehnsuchtsvoll harrt' ich dein: Denn mich trieb's lange schon, Auf das Land heimzuzieh'n. Denn du warst der größte Segen, Heißersehnte, stets für uns Alle, die, ohne Harm Lebend, ihr Feld gebaut. Uns Nuzen schafftest du allein. Vieles ja gewährte dein Walten uns, des Guten Vieles, Ungekauft, gerngegönnt. Ja, du warst uns Feldbestellern Gnadenhort und Gerstenmus. Darum beut, frischumlaubt, Reb' am Stock, Feig' am Baum, Alles, was keimt und sproßt, Zum Emfpang lachend dir frohen Gruß.

Der Chorführer(zu Hermes)Aber wo die lange Zeit durch unsre Göttin fern von uns Weilte, davon gib mir Kunde, du der Götter gütigster!

HermesIhr veramrmten Landbesteller, achtet meiner Rede wohl, Wollt ihr anders gründlich hören, wie die Göttin euch entschwand. Alles Unheils Quelle war das Mißgeschick des Pheidias.Perikles darauf, besorgend, daß er theile gleiches Loos – Denn vor eurem Zorne bangt' ihm, eurer bissigen Natur – Sezte schnell die Stadt in Flammen, eh' ihn selbst das Schlimme traf. Durch das eingeworfne Fünklein, jenen Schluß ob Megara's,Blies er an so große Kriegsflamme, daß vom Rauch sofort Allem Volk die Augen thränten, fern und nahe, dort und hier. Kaum vernahm davon der Weinstock, fuhr er alsbald knatternd auf, Kaum das Faß, vom Schlag getroffen, schlug im Zorn auf's andre Faß; Nirgend war ein Ziel des Haders, und die Göttin schwand hinweg.

TrygäosBei'm Apollon, noch von Niemand hab' ich sowas je gehört, Wußte nie, daß mit der Göttin Pheidias verbunden sei.

Der ChorWußten's auch noch nicht bis heute. Darum war sie wohl so schön, Weil sie Pheidias verwandt ist. Unser Eins weiß wenig doch!

HermesAls darauf die Städte hörten, deren Oberherrn ihr wart, Wie erboßt ihr auf einander wärt und euch die Zähne wiest, Woben sie, die Steuern fürchtend, alle Ränke wider euch, Und gewannen der Lakonen größte Männer durch ihr Gold Diese nun, voll schnöder Habsucht, und verhöhnend Fremdlinge,Stießen frech hinaus die Göttin, griffen hastig nach dem Krieg. Und darauf ward ihre Habgier auch der Landbesteller Fluch. Denn die Schiffe, die wir rächend ausgesendet, zehrten dort Leuten auch, die nichts verschuldet, gierig alle Feigen auf.

Der ChorUnd gewiß mit vollem Recht, auch weil sie meinen Feigenbaum Ausgehau'n, den ich mit eigner Hand gepflanzt und aufgenährt.

TrygäosJa mit allem Recht, o Lieber, weil sie mein Sechsscheffelfaß, Voll von Korn, auch mir mit Steinen frech genug zerschmetterten.

HermesAls darauf das Bauernvolk zur Stadt herein vom Lande kam,War es auf dieselbe Weise hier verkauft und merkte nichts. Aber missend seine Trauben, seinen Feigen zugethan, Sh es hoffend auf die Redner. Diese, wenn sie gleich erkannt, Wie der arme Mann in Noth war, dem gebrach sein täglich Brod, Trieben schreiend unsre Göttin mit des Wortes Gabeln aus, Ob sie schon, nach diesem Land sich sehnend, oft sich blicken ließ.War der Bundesgenossen Einer fett und reich, der ward gezwackt, Und als Schuld ihm angedichtet: "dieser hält's mit Brasidas."Ihr sodann, wie kleine Hunde, packtet und zerrisset ihn. Denn die Stadt, gebleicht von Hunger, saß in Angst und Sorge da; Was man ihr verläumdend hinwarf, Alles aß sie gierig auf. Als die Bundesfreunde sah'n, wie Schlag auf Schalg die Fremden traf, Stopften sie den argen Thätern ungesäumt mit Gold den Mund; Diese wurden reiche Leute, während (und ihr merktet nichts) Hellas öd' und ausgeleert ward. Und die Schuld an all dem Trug der Gerber –

TrygäosSchweig', o schweige, hoher Hermes; nichts davon! Laß den Lederhändler drunten ruhig liegen, wo er liegt! Denn er ist nicht mehr der Unstre; die allein gehört er an.Was du denn dem Manne nachsagst, War er auch ein Schalk im Leben, Und ein Schwäzer und ein Laurer, Und ein Zänker und ein Stänker, Dieses alles sammt und sonders Wirfst du deinen Leuten vor.(sich an die Friedensgöttin wendend)Doch du, Verehrte, sage mir, warum du schweigst.

HermesWohl schwerlich mag sie reden vor dem Volke dort: Dem grollt sie schwer für Alles, was sie duldete.

TrygäosEin kurzes Wort nur rede sie denn doch zu dir!

Hermes(zu der Friedensgöttin)wie denkst du denn von ihnen? Theure, sage mir's!(er nähert sich ihr.)Sprich, du der Frauen grimmste Tartschenhasserin!(sie flüstert ihm etwas zu.)Schon gut – ich höre! – Dessen zeihst du sie? – Ich weiß.(zu den Andern)Ihr Männer, höret, wessenthalb sie Klage führt! Freiwillig, sagt sie, kam ich her nach Pylos' Fall, Der Stadt Verträge bringend, eine Kiste voll, Und ward im Rath des Volkes dreimal weggestimmt.

TrygäosDas war von uns ein Fehler; doch vergib es uns. Denn unser Sinn stand dazumal auf Leber nur.

HermesWohlan, vernimm auch, was sie jezt mich weiter frug: Wer ihr am meisten feindlich war in euerer Stadt, Wer ihr befreundet und dem Krieg entgegen war?

TrygäosIhr bester Freund von Allen war Kleonymos.

HermesUnd welches Rufes freut er sich als Krieger denn, Kleonymos?

TrygäosEin Mann von Muth; nur leider ist Er nicht der Sohn des Mannes, den er Vater nennt. Denn wenn er je zu Felde zieht, so sezt er gleich, Er selbst ein Findling, seinen Schild als Findling aus.

HermesNun höre weiter, was sie mich jezt eben fragt: Wer waltet jezt als Herrscher auf dem Stein der Pnyx?

TrygäosHyperbolos gebietet nun in diesem Raum.(zu der Friedensgöttin)Was ist dir? Wohin wendest du das Haupt, o Frau?

HermesSie kehrt sich ab vom Volke, voll Unwillen, daß Es solch verworfnen Menschen sich zum Herr erkor.

TrygäosWir brauchen ihn nicht länger mehr; einstweilen nur, Weil ihm ein Vormund fehlte, weil es nackend war, Umband das volk die Blöße sich mit diesem Strick.

HermesWie das der Stadt denn (fragt die Göttin) frommen soll?

TrygäosWie werden wohlberathner sein.

HermesIn welcher Art?

TrygäosNun, weil er Lampenmacher ist. Sonst tasteten Wir durch die Staatsgeschäfte nur im Dunkel hin, Und nun beräth man jedes Ding bei Lampenlicht.

(Die Göttin bespricht sich indessen eifrig mit Hermes.)

HermesHo! Ho! Was sie mich jezt dich Alles fragen heißt!

TrygäosUnd was?

HermesGar Vieles und Uraltes, wie sie's einst verließ. Vor Allem fragt sie, wie's dem Sophokles ergeht.

TrygäosEr lebt im Glück doch geht's ihm sonderbar.

HermesWie so?

TrygäosAus deinem Sophokles wird er ein Simonides.

HermesSimonides? Wie meinst du?

TrygäosWeil er, alt und morsch, Auf einem Strohhalm noch die See durchführ' um Geld.

HermesDoch weiter – lebt der Meister noch, Kratinos?

TrygäosNein; Er starb zu Zeit des Spartereinfalls.

HermesUnd woran?

TrygäosEr fiel in Ohnmacht: unerträglich war es ihm, Ein volles Weinfaß mit Gewalt zerschellt zu sehn. –(an die Friedensgöttin)Wie Vieles sonst noch, glaubst du, daß die Stadt erfuhr? Drum lassen wir, o Herrin, nimmermehr von dir.

HermesAuf dieses Gelöbnis nimm dir nun Opora hier Zur Ehegattin, und hinfort auf deinem Gut Dich ihr gesellend, zeuge dir die Trauben selbst!(er übergibt ihm die Opora.)

TrygäosKomm her und laß dich küssen, komm, mein süßer Schaz! – Sprich, kann's mir schaden, wenn ich nach so langer Zeit, Mein König Hermes, mit Opora schäkere?

HermesNein, trinke nur ein Schlückchen Herzpolei darauf.Jezt ohne Säumen nimm dir auch Theoria, Und führe sie zum Rathe, dem sie sonst gehört.

TrygäosO Rath, wie glücklich wirst du durch Theoria! Wie viele Brühe schlürfst du nun, drei Tage lang! Wie viel Kaldaunen schlingst du nun und Fleisch hinab! Jezt, lieber Hermes, lebe wohl!

HermesJa, lebe wohl Auch du, vergnügt zieh' hin, o Mensch, und denke mein!

TrygäosAuf Käfer, heimwärts, wieder heimwärts fliegen wir!

HermesO Freund, der Käger ist ja fort.

TrygäosWo kam er hin?

HermesZeus' Wagen zieht er, mit dem Donnerstrahl bewehrt.

TrygäosUnd wo bekommt der Arme dort sein Futter her?

HermesAls Futter dient ihm Ganymed's Ambrosia.

TrygäosDoch wie gelang' ich dort hinab?

HermesGut; sei getrost: Hier neben ihr, der Göttin selbst.

TrygäosKommt, Mädchen, kommt, Und folgt mir in Eile; denn verlangenvoll Erwarten euch gar Viele mit gespanntem Hahn.

(Trygäos steigt mit den drei Göttinnen vom Himmel auf die Erde nieder; der Chor bleibt allein zurück.)

Der ChorführerZeuch fröhlich dahin. Wir wollen indeß das Geräth hier unsern Gefährten Einhändigen und zur Bewahrung vertau'n; denn Diebe ja pfelgen gewöhnlich Um die Bühne herum sich zu schleichen in Meng' und geheim zu betreiben ihr Handwerk. So bewacht denn Alles mit männlichem Sinn; wir thun dem versammelten Volke Kund, "wie uns der Brauch gebietet, was die ganze Seele füllt."

Parabase

Der Chorführer(an die Zuschauer)Wohl sollte der Stab vollzeihen sein Amt, wenn hier ein Komödiendichter Sich selbst lobpreist, an die Menge gewandt im Schwung anapästischer Weisen. Doch wenn sich's geziemt, o Tochter des Zeus, dem Ehre zu thun, der im Lustspiel Als Meister sich weit vor den Andern bewährt und den herrlichsten Ruhm sich errungen; Dann dünkt, der uns einübte das Spiel, vorzüglicher Ehre sich würdig. Denn Alle, die einst wettkämpften mit ihm, hat er ja, der Eine, beschwichtigt, Die Lumpen und Noth aushöhnten und stets sich herum nur balgten mit Läusen.Die Herakles sodann, die ewig den Mund voll kneteten, hungernd und lungernd, Und die Flüchtlinge dort und das Gaunergezücht, und was zum Vergnügen sich durchpeitscht, Die trieb er zuerst mit Schande hinweg; auch schuf er den Knechten Erlösung. Die stets auftraten mit lautem Geheul, nur aus dem ergözlichen Grunde, Daß mit hämischem Spott ihr Mitknecht dann sie wegen der Schläge begragte: "Armseliger, ach, was traf die das Fell? Brach etwa der borstige Zagel Mit Heeresgewalt in die Flanken dir ein, und zerbläute dir tüchtig den Rücken?" Solch faules Geschwäz, solch häßlichen Schund, solch niedrige Frazen vertrieb er, Und schuf uns groß die gesunkene Kunst, u nd thürmte den Bau in die Lüfte Mit Gedanken und Wort von erhab'nem Gehalt und nicht marktähnlichen Wizen,

Zweiter Act

Erste Scene

Trygäos,der mitOporaundTheoriain sein Gehöft sich niedergelassen hat.Der Chor. Ein Knecht.

(Die Scene ist wie im Anfange es Stückes.)

TrygäosWie schwierig war die Reise doch in's Götterland! Mir thun die Beine schmerzlich weh vor Müdigkeit. Klein sahet ihr von oben aus: mir kamet ihr, Aus Himmelshöh'n gesehen, niederträchtig vor, Von hier indeß um Vieles niederträchtiger.

(Ein Knecht kommt aus dem Hause.)

Der KnechtHerr, kamst du wieder?

TrygäosWie man eben sagte, ja.

Der KnechtWie ging es dir?

TrygäosVom weiten Wege schmerzen mir Die Beine.

Der KnechtNun erzähl mir einmal –

TrygäosWovon?

Der KnechtGewahrtest du noch andre Menschen außer dir, Die durch die Luft sich trieben?

TrygäosNichts, als etwa nur Dithyrambendichterseelen, zwei bis drei vielleicht.

Der KnechtWas thaten die?

TrygäosSie pflückten Verse sich im Flug Von jenen Himmelslüfteleichtdurchschwimmenden.

Der KnechtSo sahst du nichts mir im Aether, was man sagen hört, Daß wir zu Sternen werden, so wie Einer stirbt?

TrygäosEi, wohl!

Der KnechtUnd wer ist droben jezt als Stern zu sehn?

TrygäosDer Chier Ion, welcher hier auf Erden einst Den Morgenstern gedichtet; als er kam, sogleich Begrüßten Alle droben ihn als Morgenstern.

Der KnechtWas sind denn das für Sterne, die so lichterloh Und kreuz und quer hinschießen?

TrygäosDas sind Sterne, die Vom Schmaus bei einem reichen Stern nach Hause geh'n, Laternen tragend und ein Licht in jeglicher. Nun aber führe diese da geschwind hinein,(auf Opora zeigend)Spül' aus die Badewanne, mache Wasser heiß, Und rüst' ein bräutlich Lager dann für mich und sie. Wenn dies gethan ist, kehre gleich hierher zurück; Ich send' indessen diese da dem weisen Rath.

Der KnechtWoher bekamst du denn die Zwei?

TrygäosVom Himmel her.

Der KnechtSo geb' ich um die Götter keinen Deut hinfort, Wofern sie Dirnen halten, wie wir Sterblichen.

TrygäosDas nicht, indeß lebt Mancher wohl auch dort davon.

Der Knecht(zur Opora)Nun, geh'n wir also!(zu Trygäos.)Sage mir: ich geb' ihr wohl Zu essen?

TrygäosGar nichts; denn sie hat wohl keine Lust Nach Brod und Kuchen, da sie bei den Himmlischen Dort oben stets Ambrosia zu lecken pflegt.

Der KnechtSo tisch' ich auch hier unten was Leckres auf!(ab mit Opora.)

Zweite Scene

Die Vorigen ohne den Knecht.

Der ChorEin seliges Loos ist jezt, Das sehen wir deutlich hier, Dem Alten gefallen!

TrygäosWie, wenn ihr erst als Bräutigam mich seht in vollem Glanze?

Der ChorDann bist du beneidenswerth, Bist wieder ein Jüngling, Greis, Umduftet von Myrrhen.

TrygäosGewiß: und wenn ich, ihr gesellt, an ihre Brust mich schmiege –?

Der ChorBeglückter dann, als Karkino's Drehmännchen, bist du wahrlich.

TrygäosUnd nicht mit Recht, nachdem ich auf das Käferroß gestiegen bin, Und Hellas' Retter wurde, daß sie allzumal Auf ihren Aeckern ungestört der Ruh' und Liebe pflegen?

(Der Knecht kommt ohne Opora aus dem Hause zurück.)

Dritte Scene

Die Vorigen. Der Knecht.

Der KnechtDas Mädchen ist gebadet; vorn' und hinten schmuck. Gar ist der Kuchen, Sesamon darauf gestreut,Auch alles Andre fertig; nur das Männchen fehlt.

TrygäosWohlan, so laß uns ungesäumt Theoria, Die da, dem Rathe bringen.

Der KnechtWer ist diese denn?

TrygäosTheoria, dieselbe, die wir ehedem, Nach Brauron ziehend, halbberauscht herumgezaust, – Du weißt, sie ließ mit Mühe nur sich fangen.

Der KnechtHerr, Was die für jubeldicke Hinterbacken hat!

Trygäos(gegen die Zuschauer)He, wer von euch denkt ehrenhaft? Wer, sagt mir an, Wer wird mir die bewahren für den hohen Rath?(zu dem Knecht)Was zirkelst du dort?

Der KnechtAuf das Spiel der isthmischen