Albrechts Chroniken II - Friedrich S. Plechinger - ebook

Albrechts Chroniken II ebook

Friedrich S. Plechinger

0,0

Opis

Fiktion und Wahrheit laufen Hand in Hand und Albrecht wird mit der Tatsache konfrontiert, dass nichts ist, wie es scheint. Unser Bewusstsein lässt nur das zu, was wir bereit sind zuzulassen, denn wie oft sehen wir Dinge, die wir nicht erklären können und schließlich nicht erklären wollen, da man sich nicht der Peinlichkeit gegenüber anderen stellen will. In Albrechts Zeiten wurden Menschen, die anders dachten und sich nicht dem Establishment der damaligen Zeit anpassen wollten, mit dem Tode bestraft. Doch auch schon damals stellte man sich die Frage, ob Jesus, Luzifer und andere nicht einfach nur Aliens aus einer anderen Welt waren, die uns hier besuchten und vielleicht immer noch besuchen. Die Templer waren Hüter vieler Mysterien und so auch die Katharer. Ihr Geheimnis kennen nur wenige und die Macht, die daraus entsteht, wird heute noch verwendet. Für das Wohle der Menschheit? Das sei dahingestellt!

Ebooka przeczytasz w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS
czytnikach certyfikowanych
przez Legimi
czytnikach Kindle™
(dla wybranych pakietów)
Windows
10
Windows
Phone

Liczba stron: 705

Odsłuch ebooka (TTS) dostepny w abonamencie „ebooki+audiobooki bez limitu” w aplikacjach Legimi na:

Androidzie
iOS



Albrechts Chroniken II

1. Auflage, erschienen 3-2019

Umschlaggestaltung: Romeon Verlag

Text: Friedrich S. Plechinger

Layout: Romeon Verlag

ISBN (E-Book): 978-3-96229-923-1

www.romeon-verlag.de

Copyright © Romeon Verlag, Kaarst

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung des Werkes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der Übersetzung, sind vorbehalten. Ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Verlages darf das Werk, auch nicht Teile daraus, weder reproduziert, übertragen noch kopiert werden. Zuwiderhandlung verpflichtet zu Schadenersatz.

Alle im Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden vom Autor nach bestem Gewissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

FRIEDRICH S. PLECHINGER

ALBRECHTS CHRONIKEN II

DIE SCHWARZE KRONE

WIDMUNG:

Für diejenigen, die „Weg eines Templers“ fertig gelesen und das Buch verstanden haben.

Mein Dankeschön an:

… meine Familie, die mich wie immer angespornt, motiviert und unterstützt hat.

Den Pfarrer, der eine Woche später ein zweites Buch, `Albrechts Chroniken/Weg eines Templers`, gekauft hatte.

Frau Egle Pichetto, die mir wertvolle Vorschläge im esoterischen Bereich weiter gab.

… alle Leser von Albrechts Chroniken/Weg eines Templers und auch an die, denen diese Geschichte nicht gefallen hat, denn nur so kann ich mich verbessern. Dank euch allen für die guten wie auch weniger guten Kritiken. Hier ist mein zweiter Versuch und ich hoffe, es wird euch gefallen!

Nach jedem Ende kommt ein Anfang.

INHALT

Vorwort

Heimkehr

Der Bischof

Nadine und der Hof

Worms

Adieu Nadine

Troyes, wir kommen

Der Abt entscheidet

Die Gründung meiner Armee

Wir segeln zum Nil

Malta

Marsch am Sinai

Äthiopien

Todesritt

Die Liste der Gefallenen

Aqaba

Ashkelon

Jerusalem

Ankunft des Großmeisters

Nichts ist, wie es scheint

Flug des schwarzen Engels

Nach jedem Ende kommt ein Anfang

VORWORT

Diese Geschichte ist die Fortsetzung von Albrechts Chroniken/Weg eines Templers.

„Die Schwarze Krone“ ist eine von mir frei erfundene Geschichte und unterscheidet sich von der ersten Geschichte dadurch, da sich in diesem Roman esoterische, mystische und spirituelle Szenarien mit einer realistischen, mittelalterlichen Welt vermischen. Albrecht wird als junger Ritter des Ordens geprüft und gefordert und durch die an ihn erteilten Missionen wächst er und kommt seinem Ziel, eines Tages die Weltmeere zu besegeln, immer näher. Jedoch zahlt mancher einen hohen Preis für all das, was man sich im Leben vorgenommen hat.

„Bon Voyage!“

HEIMKEHR

Ende August des Jahres 1127 - Regen, der aus dunklen Wolken fiel und tagelang unser Begleiter war, minderte unsere Freude nicht, als wir nach zwei Monaten der Strapazen die Tore Wetzlars vor uns sahen. Nicht mehr weit, denn nach Wetzlar würde es nur noch einen langen Tagesritt dauern, bis wir den heimischen Hof in Viermünden erreichen würden. Der Hof, den Vater vor 12 Jahren und ich vor 10 Jahren verließen.

Vater und ich freuten uns schon, als wir die Grenze Frankreichs überschritten hatten, um unsere alte Landessprache wieder hören zu dürfen, die nach all den Jahren uns plötzlich so fremd vorkam und doch aus den Wurzeln unserer Herkunft nicht wegzudenken war.

All die Jahre sprachen wir die Sprache der Fremden in Outre Mer und jetzt erfreuten wir uns wieder der deutschen Worte. Unserer Muttersprache. Nur Nadine kam sich noch fremd vor und fühlte sich sichtlich unsicher. Verständlich, denn Viermünden war alles andere als ihre Heimatstadt Troyes. Ein Dorf mit wenigen Bauern und nicht gerade in Reichtum schwelgend. Doch meine Nadine war für mich ein Geschenk des Himmels, denn sie legte keinen Wert an solchen Nebensächlichkeiten, da sie selbst eine Schäferstochter war.

Vater schaute mich an und gab mir das Zeichen weiter zu reiten. Was würde in ihm, Vater, jetzt vorgehen? Wie würde er sich verhalten, wenn er seine Frau wieder in die Arme schließen darf? Wie würde sie sich ihm gegenüber verhalten, denn schließlich verließ er damals den Hof? Wie werden mein Bruder Rudolf, Frauke und Rotmund, meine beiden, lieben Schwestern, mit unserem Wiederkommen umgehen? Unserer beider Aufregung war nicht auszuhalten.

Wir ritten durch die Tore Wetzlars und suchten nach einem Schmied, da sich zwei Eisen an Vaters Wallach lösten, und bei näherer Betrachtung sich auch bald ein Eisen oder gar zwei an Nadines und an meinem Pferd lösen könnten.

„Guter Mann, könnt Ihr uns den Weg zum Schmied zeigen?“, fragte Vater einen Händler.

„Geht geradeaus und am Brunnen dort nehmt den linken Weg. Ihr seht ihn dann schon. Nicht zu verfehlen!“

„Gott segne Euch mein Herr und seid bedankt!“

Wir folgten dem Rat des Händlers und tatsächlich sahen wir, wie aus einer Hütte Rauch und Dampf entwich und ein metallisches Klimpern verriet uns, dass einer einen Hammer auf den Amboss fallen ließ. Der Schmied, der die Statur Gondamers besaß … ach ja … Gondamer … wie es ihm wohl erging? … Begrüßte uns freundlich und nahm sich der Pferde an. Als er mein Pferd in Augenschein nahm, bemerkte er meinen Schwertknauf, der dummerweise aus der Decke ragte, die an den Sattel festgebunden war.

„Ein selten schönes Stück Euer Schwert, wenn ich das erwähnen durfte Herr! Wo habt Ihr es erstanden?“

„Ein Geschenk meines Ausbilders!“, doch dann wollte ich mir schon selbst auf die Zunge beißen. All diese Tage hatte ich kein Wort mit Fremden gewechselt und jetzt erwischte ich mich, wie ich mich fast verplapperte.

„Guter Eisen … meine Hochachtung! So, schauen wir mal die Hufe dieser armen Geschöpfe an … Bei Gott, Ihr müsst schon Tage unterwegs sein. Habt Ihr keinen anderen Schmied auf Eurem Weg gefunden? Die Hufe müssen gründlich bearbeitet werden. Bei allen fünfen!“

„So tut es guter Mann. Wir werden Euch zufriedenstellend bezahlen!“, antwortete ich beschämt, denn er hatte Recht. Wir hatten weder uns selbst noch die Pferde verschont. So schnell wollten wir Hugues de Payns hinter uns lassen. Besonders die zwei Lasttiere trugen tiefe Spuren der Vernachlässigung.

„Kommt morgen zur Mittagszeit wieder, denn das wird dauern!“, rief der Schmied kopfschüttelnd.

„Könnt Ihr uns eine Unterkunft für die Nacht empfehlen Schmied?“

„Geht zu den ZWEI ROSEN. Sagt, Ihr kommt von mir. Der Gastwirt ist ein Freund. Ihr werdet zufrieden sein! Den Weg entlang, bis Ihr die alte Mühle trefft und dort biegt ihr rechts ab.“

„Wir danken Euch. Morgen Mittag dann!“

Wir gingen zum Gasthaus, wo wir freundlich begrüßt wurden. Diese Bleibe machte einen sauberen und guten Eindruck, da auch Nadine sich sichtlich erleichtert fühlte, endlich mal wieder in einem Bett schlafen zu dürfen und nicht auf einem mosigen, feuchten Waldboden. Der Wirt zeigte uns die Zimmer. Vater schlief alleine. Nadine und ich zusammen. Wir waren nicht vermählt, doch wir wussten, dass es keinen anderen Weg für uns gab, als sehr bald den Stand der Ehe einzugehen und eine Familie zu gründen. Wir verliebten uns von Tag zu Tag mehr und ließen kaum unsere Blicke voneinander los. Trotzdem zeigte mir Nadine die Grenzen, die man vor einer Ehe einzuhalten hatte. Für mich war das selbstverständlich, denn Keuschheit und Enthaltsamkeit lernte ich aus meiner Zeit in dem Orden, dem ich zwar noch zugehörte, doch wie von mir verlangt, nicht als Ritter. Wir wuschen und ruhten uns aus und Nadine knuddelte sich, mit ihren schmalen und zierlichen Körper, bei mir ein. Ich fühlte mich glücklich und befreit wie schon lange nicht mehr. Wie glücklich werde ich wieder sein, meine Mutter und meine Geschwister in den Armen halten zu können und wie stolz würde ich dann sein, ihnen allen meine Nadine vorstellen zu dürfen.

Wir wurden am Abend von einem unbändigen Hunger geweckt. Nadine zog sich an und reichte mir mein Hemd.

„Ob Vater schon wach ist?“, fragte sie auf Französisch.

„Das werden wir bald feststellen Liebste!“, antwortete ich.

Vater war nicht mehr im Zimmer, sondern schon unten im Gasthaus und genoss den ersten Humpen Wein.

„Ah da seid ihr ja, ihr Schlafmützen!“, rief er, als er uns die Treppe runterkommen sah. Wir setzten uns zu ihm an den Tisch, wo der Wirt uns zwei Becher und noch einen Humpen Wein hinstellte.

„Was darf ich euch bringen? Wir haben Fleisch- und Rübeneintopf, Rehkeule ganz frisch, gebratenen Huhn mit Kastanienfüllung und dazu geschmorte Pilze, Rauchschinken und Käse aus dem Harz …!“

„Bringt uns von allem etwas Wirt, denn ich könnte einen ganzen Ochsen verdrücken!“

„Ist recht!“

Kurze Zeit später war unser Tisch gedeckt mit köstlichen Speisen und Nadine aß wie eine ausgehungerte Wölfin, ungeniert. Vater und ich mussten lachen. Gar einer Löwin gleich, biss dieses zierliche Geschöpf in die Rehkeule rein und ließ sich durch unsere Blicke nicht stören. Wir taten es ihr gleich und wurden mit einem herrlichen Abend beschenkt.

„Was wird Mutter wohl sagen, wenn wir plötzlich nach all den Jahren vor ihrer Tür stehen, Vater?“

Ich bemerkte, wie unbehaglich diese Frage ihn traf.

„Das weiß ich nicht, mein Junge. Wahrscheinlich wird sie mich und auch dich ohrfeigen. Und dann, denke ich mal, umarmen … ich weiß es nicht. Der Gedanke allein macht mich wahnsinnig. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie die Mädchen aussehen, Albrecht. Ich schäme mich richtig Junge.“

Vater lächelte mich mit müden Augen an und auch ich vernahm eine tiefe Traurigkeit. Wie viel Kummer haben wir unserer Familie mit unserem Verschwinden bereitet? Was wäre, wenn unser Kommen uns vor unerwarteten Überraschungen stellte? Nadine berührte zärtlich meinen Arm und fragte, was los sei. Ich beruhigte sie und küsste ihre Stirn.

„Rien mon cher, tout va bien!“

Es wurde Nacht und das Gasthaus füllte sich mit allerlei Menschen und auch der Schmied ließ sich blicken. Als er uns sah, kam er auf uns grüßend zu.

„Eure Pferde sind morgen früh schon fertig. Sie schlafen friedlich auf trockenem Stroh. Keine Sorge!“

„Ich danke Euch von Herzen und was Ihr auch verlangt, wird bezahlt!“, sagte Vater.

„Ist schon recht. Ich ziehe keinen übern Tisch. Sorgt Euch nicht, denn ich will nicht in der Hölle landen!“

„Wenn du armer Mann nur wüsstest …!“, dachte ich heimlich, ohne auch nur einen verräterischen Gesichtsausdruck von mir zu zeigen.

Wie Hugues de Payns schon weislich sagte: „Der Mensch ist nicht bereit für die Wahrheit … Noch nicht!“

Vater schaute mich an, als ob er meine Gedanken zu lesen schien.

„Ich bin müde! Ich gehe zu Bett!“, rief er gähnend und

Nadine sowie auch ich folgten seinem Beispiel und zahlten beim Wirt die Zeche. Er bedankte sich und verschwand wieder in die brüllende und tobende, ja teilweise schon betrunkenen Menge, die sich in seinem Gasthaus verköstigen ließ.

Am nächsten Morgen weckte uns der Dorfhahn lauthals und schlaftrunken, wie ich noch war, wachte ich vorsichtig auf und versuchte nicht allzu viel Lärm dabei zu machen, da Nadine tief und fest schlief. Doch wie es im Leben so ist, stieß ich schon mit dem mir gegenüberstehenden Nachttisch zusammen, was den Sturz der selbigen verursachte und somit Nadines Tiefschlaf beendete.

„Was ist passiert?“

„Tut mir leid, Liebste. Das wollte ich nicht!“

„Nun hast du auch die Schüssel mit dem Waschwasser umgekippt, du Tölpel! Ich weiß schon, wer neues holen wird!“

Nackt wie sie war, stand sie vom Bett auf, küsste mich kurz auf die Nase und zog sich schnell ihr Hemd über, als es plötzlich an der Tür klopfte.

„Alles in Ordnung bei euch? Ich habe ein lautes Poltern gehört!“

„Alles in Ordnung Vater! Mach dir keine Sorgen. Nadine ist vom Bett gefallen!“

„Na dann ist gut! Sie hat sich hoffentlich nicht verletzt?“, rief er. „Ich geh schon mal runter und trinke einen Becher Milch!“ Nadine schnappte sich ein Kissen und schlug es mir über dem Kopf „… ich vom Bett gefallen? Du frecher Kerl!“

„Komm, zieh dich an. Wir müssen noch zum Schmied die Pferde holen!“

„Und wie soll ich mich waschen?“

„Ach ja … stimmt. Bin gleich wieder da!“

So ging ich zum Brunnen, um einen Eimer Wasser zu holen. Ich sah Vater, wie er sich mit dem Wirt, auf einen Schemel sitzend, unterhielt, winkte kurz den beiden zu und ging weiter zum Brunnen. Es dauerte lange, bis der Eimer die Wasseroberfläche traf, als dieser im freien Fall den Brunnen runterfiel. „Ganz schön tief …!“, dachte ich nur und als es voll war, zog ich das schwere Gefäß wieder hoch. Ich wollte mich wieder auf den Weg machen, als ein Lärm jedoch meine Aufmerksamkeit weckte und eine Reiterkolonne vorritt, gefolgt von einer üppig, mit Wappen dekorierten Kutsche. Den Wappen kannte ich nicht, doch ich bemerkte, wie der Wirt die Unterhaltung mit meinen Vater schlagartig unterbrach und zur Kutsche rannte.

Ein Soldat öffnete die Türe und ein beleibter Geistlicher stieg die kleinen Stufen der Kutsche hinunter. Um seinen Hals hing ein übergrößer, mit Edelsteinen belegter Kruzifix und an beiden Händen trug dieser Mann, der Armut und Demut repräsentieren sollte, zwei große goldene Ringe.

Der Wirt verbeugte sich mehrmals und rief: „Eure Eminenz, welch eine Ehre Euch hier begrüßen zu dürfen …!“

„Schweigt!“ Zeigt mir lieber, wo ich mich meiner Bedürfnisse entledigen kann, guter Mann und dann werde ich sofort weiterreisen. Also?“

„Ja, natürlich edler Herr. Folgt mir!“

Der Wirt rannte eiligst voraus und der Geistliche, seinen Gewändern nach ein Bischof vielleicht, folgte ihm. Sein Blick streifte meinen und ich sah Boshaftigkeit in seinen Augen. Kalte Boshaftigkeit. Und da ich die Situation nicht weiter provozieren wollte, verbeugte ich mich kurz und lief weiter.

„HALT!“, schrie er, als ich gerade meinen Rücken ihm zugewendet hatte.

Ich stellte den Eimer ab und suchte, so dass es keiner bemerkte, nach meinem Dolch. Doch welche Dummheit. Ich hatte ihn im Zimmer liegen gelassen. Was soll’s. Sie waren in der Überzahl und ich hätte das Nachsehen gehabt. Vater stand beunruhigt auf und kam mir entgegen.

„Eure Eminenz? Wie kann ich Euch dienen?“, sagte ich und verbeugte mich nochmals.

„Euer Name … wird’s bald?“

„Albrecht Viermundt, Eure Eminenz!“

„Und warum habt Ihr mir nicht den notwendigen Respekt gezollt, als ich aus der Kutsche stieg? Ich bin es gewohnt, dass man sich mir gegenüber respektvoller benimmt junger Mann!“

„Verzeiht mir Herr, mir war nicht bewusst, wer aus der Kutsche stieg …!“, versuchte ich mich zu entschuldigen, doch Vater stellte sich schützend neben mich und hatte sein Schwert, im Gegensatz zu mir, um. Was für ein Dummkopf ich wahrlich noch bin. Wie konnte ich unbewaffnet die Kammer verlassen?

„Und Ihr?“

„Adelbert Viermundt. Ich bin der Vater diese Mannes, den Ihr hier auf so unverschämte Weise anpöbelt!“

„Vater …!“

„Was erlaubt Ihr Euch …?“, rief der Geistliche.

„Erkennt Ihr mich nicht Dahlwig? Ich war der Schreiber Eures Herrn in Worms. Des Bischofs Burchard. Und Ihr seid nicht anderes als sein Lakai. Was erlaubt Ihr Euch, uns gegenüber so aufzuführen? Würde mich wundern, was der Bischof dazu sagen würde, wenn ich ihm erzähle, wie Ihr seinen Rang repräsentiert. Und jetzt geht scheißen, wie Ihr es Euch vorgenommen habt, und verschwindet mit Eurer Bande von Halbstarken. Wahrlich, ich habe Kinder in Jerusalem gesehen, die es jederzeit mit euch allen aufnehmen würden!“

„Bei Gott … Ich habe Euch nicht erkannt Adelbert … Jerusalem …?“

Der Geistliche konnte seinen Darm nicht mehr länger kontrollieren und rannte zu dem Lokus, der aus einen abgesägten Baumstamm hinter dem Pferdestall bestand.

„Du kennst ihn, Vater?“

„Ja … leider. Ein elendiger Wicht, der nichts anderes kann als Ärger zu stiften, alte Frauen und Kinder zu ängstigen und sich beim niederen Volke aufzublasen. Ihn wieder zu sehen war das Letzte, was ich wollte. Ein unwichtiger Mann, der gerne die Roben Anderer trägt. Ich denke, ich werde in den nächsten Monaten einen Besuch in Worms abstatten und den Bischof darüber berichten müssen!“

„Seid Ihr überhaupt noch befreundet?“, fragte ich in meiner Unkenntnis.

„Ja!“, antwortete Vater kurz, „… geh und hole Nadine. Wir verschwinden hier, bevor ich mich an diesem Fettsack vergreife!“

Ich hatte Vater noch nie so sprechen gehört und war sichtlich überrascht über seinen, mir noch nicht bekannten Wutausbruch. Anscheinend hatte dieser Dahlwig schlechte Erinnerungen hinterlassen, dass er Vater so in Rage brachte. Ich tat das, was mir befohlen wurde und als ich mit Nadine zurück zum Hof kam, war die Kutsche, mit samt Soldaterei, weg.

Vater küsste Nadine auf die Stirn und wir verließen das Gasthaus, um den Schmied aufzusuchen, der auf uns schon wartete.

„Da seid ihr ja. Sehen sie nicht wieder prächtig aus? Was ein bisschen frischer Hafer und guter Eisen für Wunder bewirken können. Eure Pferde sind wieder einsatzbereit. Geht mit ihnen gut um. Wahre Prachttiere. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, sie stammen aus einem sehr guten Gestüt!“

Der Schmied hatte sehr gute Pferdekenntnisse, stellte ich respektvoll fest. Ich nahm den Lederbeutel aus meinen Gurt und zahlte genau den Betrag, den er verlangte.

Ein ehrlicher und gottesfürchtiger Mann.

Gottesfürchtig war er, doch unwissend.

Wir reichten uns die Hände und ein Lächeln des Schmiedes ließ uns erkennen, dass hier die Welt anscheinend noch in Ordnung war und die Menschen doch noch einen Funken Menschlichkeit in ihren Herzen besaßen, würde man nicht an Dahlwig dabei denken.

So bestiegen wir die Rösser und machten uns auf den Weg, als plötzlich ein alter Wächter am Stadttor mir zurief:

„Heh Junge … ich kenn dich … Wolltest du nicht nach Jerusalem, mein Bürschlein?“

Und tatsächlich. Es war der Wächter, der vor zehn oder elf Jahren, als meine Reise damals gerade erst begann, sich darüber totlachte, wie ich ihm als Dreizehnjähriger sagte, dass ich auf dem Weg nach Jerusalem war.

Ich drehte mich um und stellte fest, wie alt dieser freundliche Mann inzwischen geworden war, und so stieg ich vom Pferd und reichte ihm die Hand.

„Ihr könnt Euch noch erinnern?“

„Natürlich. Du hast dasselbe Gesicht wie einst, als du noch kleiner Junge warst. Und? Hast du deinen Vater wiedergefunden?“

Als er dies sagte, war ich den Tränen nah, denn plötzlich liefen Bilder vor mir ab. Bilder wie alles einst begann. Wie ich aus dem Fenster stieg, das Floß nahm, den Fluss runtertrieb, meine Erfahrung mit dem Forellenhändler sammelte und die Stadt verließ durch genau dieses Tor. Ich sah diesen Wächter vor mir, als er noch jünger war und nicht so reichlich Pockennarben trug wie jetzt.

„Ja, ich habe meinen Vater wieder gefunden. Da auf dem Pferd sitzt er!“

Der Wächter nickte freundlich und mein Vater nickte zurück. Ich gab den guten Mann eine Goldmünze, von denen Bernard de Clairvaux uns reichlich gab, und dankend sah er mich mit übergroßen Augen an und sagte:

„Mein Gott, wie habe ich diese Gabe verdient Bürschlein?“

„Sagen wir es mal so … es war mir eine große Freude Euch wiedergesehen zu haben und ich hoffe Euch dadurch ebenso eine Freude zu bereiten. Immerhin habt Ihr mich, nach all den Jahren, wiedererkannt. Genießt die Gabe und gebt es vernünftig aus!“

„So viel Geld habe ich noch nie besessen, mein Junge. Eine Goldmünze sehe ich in meinem Leben zum ersten Mal. Vielleicht kann ich mich endlich zur Ruhe setzen, denn arg plagt mich mein Rücken vom jahrelangen Stehen.“

„So tut das, guter Mann!“

Ich verbeugte mich und wir ritten weiter. Der Wächter segnete mich mit all dem, was „Gott“ hatte, doch ich hörte ihm nicht zu. Ich wollte diesen Segen nicht.

Viel hatte sich verändert in all den Jahren und die Vorstellung, nicht mehr in Jerusalem sein zu müssen, erfüllte mich mit unbändiger Freude. Ich fühlte mich frei und prächtig, schien plötzlich die Sonne an diesem Novembertag und die wenigen Blätter, die noch an den Bäumen hingen, glühten in ihrem rotbräunlichem Gold. Trotz der Sonne war es kühl und der Boden vom Regen, der tagelang hinunterfiel, matschig und klebrig. Doch dieser Sonnentag erschien mir wie ein Geschenk des Himmels. Ja des Himmels. Den wahren, eigentlichen, universalen Himmel und nicht des biblischen Himmels, wo man nur hineinkommt, wenn man brav und „gottesfürchtig“ sein Leben auf Erden gefristet hatte. Nadine drehte sich um, um mir einen Blick zuzuwerfen. Ihr Lächeln gab mir vieles. Es half mir die Jahre unter der Bruderschaft des Ordens zu vergessen. Die Strapazen, die Mongolen, die Launen des Hugues de Payns. Wen ich nicht vergessen wollte, waren Gondamer, Papus, Farid und Severinus. Ich dachte täglich an sie und würde ich noch beten, so würde ich sie täglich in meinen Gebeten einfügen. Doch ich betete nicht mehr. Nach all den Erfahrungen und Erlebnissen, wusste ich nicht mehr, an wem ich meine Gebete richten sollte. Meine Welt hatte sich, seit Jerusalem, verändert und mein Glaube verschwand. Den hatte ich nicht mehr. Schon eigenartig, wie man sich plötzlich frei fühlen kann ohne diese Schuldgefühle, die einen jahrelang durch das Elternhaus und durch die Schule eingetrichtert wurden. Eine seelische Freiheit breitete sich in uns auf. Eine Freiheit, die allzu gefährlich wurde, wenn man seine Gedanken nicht für sich selbst behielt. Da hatten wir es wieder. Eine Freiheit, die man nicht genießen durfte, da man sonst als Ketzer verurteilt wurde und ein schreckliches Ende einem sicher war. Doch ja … eine gewisse Macht erfüllte dieses Geheimnis jedem, der es in sich trug …!

„Wo treibst du dich wieder geistig rum Albrecht?“

„Nirgends Vater. Ich war nur …!“

„Mach dir lieber Gedanken, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir Mutter und deinen Geschwistern in die Augen schauen werden!“

„Das tue ich Vater. Das tue ich!“

Am späten Nachmittag erreichten wir die Lahn. Der Fluss, der mich einst Türen und Toren für meine abenteuerliche Reise öffnete. Wie wäre mein Leben abgelaufen, hätte ich damals diesen Schritt nicht gewagt? Was wäre aus mir jetzt geworden? Ein Bauer? Ein Lehrer? Im schlimmsten Falle ein Mönch? Moment. Bin ich das etwa nicht? Ein Kriegermönch? Ein täuschender, ungläubiger und wissender Kriegermönch.

Und wieder wurde ich von Vater aus meinen Gedanken geholt.

„Sohn. Du machst mir Sorgen. Wenn du so weitermachst, wirst du Hugues de Payns immer ähnlicher. Er war ständig geistesabwesend, so gesehen vielleicht auch nicht. Nimm dich in Acht nicht so zu werden Albrecht. Du hast stundenlang kein Wort gesprochen und vernachlässige Nadine nicht, denn sie sieht traurig aus.“

„Du hast Recht, Vater. Verzeih!“

Ich reihte mich neben Nadine ein und gab ihr einen Kuss auf die linke Wange.

„Wie habe ich den verdient?“

„Dafür, dass ich dich stundenlang vernachlässigt habe!“

„Ach wo denkst du hin!“

„Habe ich nicht?“

„Nein, hast du nicht. Du warst in Gedanken und ich wollte dich nicht stören. Menschen, die nachdenken, sprechen mit dem Universum!“

„Von wem hast du das aufgegabelt, Nadine?“

„Von den Katharern im Dorf … bei uns!“

„Ja. Eigenartige Menschen!“, sagte ich ohne nachzudenken.

„Ach findest du? Da sieht man es wieder, wie kleinlich du manchmal denkst!“

„Ich muss schon sehr bitten, Liebste. Kleinlich denke ich überhaupt nicht!“

„Ach ja? Und was war in Jerusalem und in Longuedoc? Du hältst nicht viel von den Katharern und kennst sie nicht einmal! Und was ist, wenn ich eine wäre? Würdest du mich dann noch lieben?“

Ich wurde von Nadine mit Fragen überrollt und fand die Antorten dazu nicht sofort.

„Da sehen wir es wieder … Monsieur fehlen die Worte, wenn Madame mal wieder Recht behält!“

„Nadine, ich kenne die Katharer nicht. Ich weiß nur das,

was ich von Gondamer erzählt bekommen habe. Und ja … ich würde dich auch lieben, wenn du ein Katharer wärst. Was soll die Frage?“

„Also? Was war in Jerusalem?“

Ich fühlte mich ertappt und wollte mich am liebsten selbst ohrfeigen.

„Na ja … nichts Besonderes … Ich habe Bekanntschaften geschlossen mit allen drei Religionen. Dem Judentum, dem Islam und natürlich dem Christentum. Deswegen kann ich nicht kleinlich denken, was die Katharer betrifft. Ich weiß nur viel zu wenig von ihnen!“

Ich hoffte, mich derart in dieser Sache rausgeredet zu haben.

„Du weißt viel mehr, als du mir einzureden versuchst Albrecht. Ich bin nicht blöd. Eine Schafhirtin, wie ich es bin, hat täglich unter freiem Himmel gelebt. Die Natur ist mein tägliches Zuhause und von meinen Inneren heraus konnte ich mit den Sternen, den Bäumen, den Bergen, den Flüssen, den Tieren und den Himmel sprechen. Manchmal lief mir ein Bon Homme entgegen, so nennt man die Männer, die diesen Glauben streng befolgen. Einer von ihnen hatte mir die Augen geöffnet. Wie sehr wir den falschen Weg einnehmen. Wir sollten zurückkehren aus dem VERGESSEN …!“

„Aus dem VERGESSEN?“, fragte ich neugierig.

„Ja. Aus dem VERGESSEN. Wir haben den falschen Gott angebetet. Der, der uns zu Habgier und Unersättlichkeit geführt hat. Unseren Ursprung haben wir geistlich verlassen. Wir Menschen haben vergessen, was wir sind und woher wir stammen!“

„Ach Nadine. Wer ist dieser Gott, von dem du da sprichst? Verzeih mir, wenn ich dir da nicht beipflichte. Jeder spricht von Gott und jeder hat einen anderen Gott. Der Gott der Einen ist besser als der Gott der Anderen … alles Humbug!“

Nadine sah mich mit ungläubigen Augen an und könnten ihre Blicke töten, so wäre ich tot vom Pferd gefallen, und zwar sofort.

„Ich rede also Humbug … oui? Du meinst also, ich spinne, nicht wahr?“

Ich verstand nun, dass ich ein Fass voller Würmer geöffnet hatte und es war schwer dieses Fass wieder zu verschließen.

„Liebste, hör mir zu …!“

„Wenn ich dich so zuhöre, muss ich denken, du seist ein Ungläubiger. Bist du einer, Albrecht? Ist es das, was du in Jerusalem geworden bist? Ist es das, was das Heilige Land aus euch Männern gemacht hat? Ich habe es gewusst … ich habe es immer wieder geahnt, dass nichts Gutes aus diesem Kloster aus Troyes entspringen kann …!“

„Was redest du da Nadine? Beruhige dich. Ich bin nur durcheinander von all den Eindrücken, die ich dort gesammelt habe. Zu viele Götter, zu viele Riten und zu viele Meinungen. Kannst du das nicht verstehen? Ich glaube eher an das, was du mir am Anfang erzählt hast. An deine Unterhaltung mit der Natur, mit den Bergen, Bäumen, Flüssen und Tieren. Du musst wissen, ich habe als Kind, bevor ich diese Reise antrat, auch Tiere gehütet. Unsere Tiere. Schweine, Kühe und auch Ziegen und habe Ähnliches gespürt, doch konnte ich es nicht so einordnen wie du es konntest. Vielleicht weil ich einfach noch zu sehr Kind war.“

Nadine beruhigte sich etwas. Ja, sie schenkte mir sogar ein kleines Lächeln.

„Sei vorsichtig mit deinen Gedanken, Albrecht. Gib sie niemals preis. Nicht einmal mir. Ich will es auch nicht wissen, was ihr in Jerusalem getrieben habt und was in Troyes vor sich geht. Heinrich hatte Recht. Es ist ein Ort des Teufels.“

„Heinrich? Was hat jetzt Heinrich damit zu tun? Was hattest du mit Heinrich am Hut?“

„Ohlala … sind wir eifersüchtig ja? Nun, das brauchst du nicht zu sein, mon Amour. Dein Heinrich ist nicht dem weiblichen Geschlecht zugetan, wenn das dich beruhigen sollte. Im Gegenteil: Immer wenn er von dir sprach, sprach er von seinem Liebsten. Er liebt dich, der kleine, dicke Heinrich. Wenn du verstehst, was ich meine!“

„Ich bin entsetzt Nadine. Du redest wie eine Hexe. Vielleicht bist du auch eine!“

„Vielleicht? Oui? Kann schon sein!“

Nadine griff meinen Kragen, zog mich zu sich hin und küsste meinen Mund leidenschaftlich. Ich war nicht sicher, ob Vater uns zusah, denn in diesem Moment lief mir das Blut heiß die Lenden hoch.

„Lass mich los, du verrücktes Huhn. Vater könnte uns zusehen! Ich liebe dich, meine Hexe. Sehr!“

Nadines Augen strahlten vor Glück und ich wusste, eine Andere würde es für mich niemals geben. Dieses Mädchen war ein Vulkan und ein Eisberg zugleich.

„Seid ihr beiden endlich fertig dahinten? Wird ja langsam peinlich, wenn man euch so anhört!“, rief Vater plötzlich.

Wir beide ließen von uns los und lachten und kicherten wie Kinder. Vielleicht waren wir das auch noch, trotz meiner inzwischen fast dreiundzwanzig Jahren.

„Nadine hat Recht, Albrecht. Gib deine Gedanken niemals preis, sonst landen wir alle auf dem Scheiterhaufen!“

Seht ihr nun, liebe Leser, was ich meine, wenn ich sage, dass die Freiheit auch ein Gefängnis sein kann?

Gedanken, die man mit niemandem teilen darf, da man sonst gerichtet wird. Was für eine Freiheit soll das sein, ein Geheimnis in sich zu tragen, das schwer auf einem lastet?

„Wir sind da!“, rief Vater sanft.

Unser Herzschlag erhöhte sich um das Vielfache. Dort vor uns, nicht weit vom Ederfluss, stand unser Hof. Das kleine Dorf Viermünden nur einen Katzensprung entfernt und die letzten Sonnenstrahlen leuchteten uns den Weg in dieser frühen Abenddämmerung. Bald würde es dunkel und kalt werden. Wir zogen unsere Kapuzen über und gaben unseren Rössern die Sporen. Als wir näher kamen, erkannten wir aus der Ferne zwei Gestalten, die aus der Hütte traten. Sie müssen uns gehört haben, denn selten kommt hier einer angaloppiert. Es waren Rudolph und Frauke. Schließlich erschien auch Mutter. Doch wo war Rotmund?

Sie erkannten uns nicht sofort, denn die übergezogenen Kapuzen gaben uns nicht zu erkennen und als wir an der alten Linde vorbeiritten, sah ich, schweren Herzens, ein in den Boden eingeschlagenes Holzkreuz. Mein Herz fühlte sich plötzlich eingeengt an. Eine Furcht, die ich nicht erklären konnte, vermischt mit einer bösen Vorahnung, verursachte in mir eine tiefe Traurigkeit. Vater schien es nicht gesehen zu haben, doch ich ahnte, dass Rotmund, meine kleine, süße, freche Schwester, nicht mehr unter uns weilte. Mir liefen, ohne dass ich was dafür konnte, Tränen aus den Augen.

Als Erster stieg mein Vater vom Pferd und Mutter rannte ihm entgegen. Es ist hier schwer zu beschreiben, welche Gefühlsausbrüche durch dieses Wiedersehen verursacht wurden. Rudolph erdrückte mich und wir weinten vor Glück. Vater suchte nach Rotmund und was ich befürchtet hatte, erwies sich, schweren Herzens, als wahr. Ein Fieber entriss ihre allzu junge Seele aus diesem Leben. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, und so beschloss ich, zusammen mit Vater, Nadine und meiner Familie zur alten Linde zu schreiten, um Rotmund noch einmal Adieu zu sagen.

Ich konnte nicht anders, als mich hinzuknien und zu beten. Vater tat dasselbe. Wir beteten zu jemandem, den man Gott nannte. Den Gott, der nicht zur Stelle war, als dieses kleine Mädchen im Sterben lag. Den Gott, der kein Erbarmen zeigte. Nicht einmal gegenüber diesem kleinen unschuldigen Geschöpf, welches nie gesündigt oder sonst irgendetwas Schlechtes getan hatte.

„Glaube an nichts und alles ist erlaubt … Die Menschen sind nicht bereit für DIESE WAHRHEIT …!“ Diese Worte schossen mir durch den Kopf, als ich das „Vaterunser“ vor mir dahin betete, das einem sinnloser und heuchlerischer als die ganze Lüge selbst vorkam. Mein Herz wurde zu Stein und mein Verstand vergiftet. Der alte Hass, den ich nicht mehr fühlen wollte und keinem je wünschen würde, vernebelte mir die Sinne und ließ mein Blut in den Adern gefrieren. Da war er wieder … Hugues de Payns … Sein Gesicht erschien geisterhaft vor mir. Ich wurde verfolgt. Von ihm und Jerusalem. Aus dem Unterbewusstsein heraus füllte der Duft des Weihrauches meine Nase und ich hörte Glocken klingen und Mullahs aus den Minaretten schreien. Ich sah Juden, die die engen Gassen dieser verfluchten Stadt entlangliefen und ihre Köpfe zum Gebet gegen eine Wand hin und her wippten. Doch ich war hier weit weg vom Heiligen Land. Vor dieser Linde kniete ich und starrte dieses Holzkreuz an. Wie sehr wollte ich dieses Lügensymbol aus dem Erdreich reißen und in den Misthaufen werfen und plötzlich hörte ich Stimmen. „Albrecht, verzage nicht … die See wird sich wieder legen … reffe die Rah und unterwerfe dich dem Meer …!“ Was ging in mir vor? Was passiert mit mir? Höre ich jetzt Farid? Nein. Das ist nicht Farid. Es ist Eduardo. Eduardo Cortez, der seine Flotte dem Orden zur Verfügung stellte. Ich hielt mir mit beiden Händen den Kopf fest und schrie, so laut ich konnte.

Nadine, Vater und Mutter versuchten mich zu beruhigen. Dann fiel ich in Ohnmacht und wachte geschwächt in meinem Bett auf. Mutter strich mir, mit ihrer warmen Hand, über den Kopf. Sie weinte nicht. Ich sah in ihre Augen und begriff, dass sie keine Tränen mehr übrig hatte, die sie hätte vergießen können. Ein Kummer hatte sie all die Jahre bestraft für etwas, das wir, Vater und ich, begangen hatten. Dann wurde ihr Rotmund weggenommen. Nein. Sie hatte keine Tränen mehr und doch schenkte sie mir ein Lächeln. Ihr inzwischen graues Haar ließ sie immer noch wunderschön erscheinen. Wie sehr habe ich diese Frau vermisst?

„Sag Albrecht. Liebst du sie?“, fragte sie mich plötzlich aus dem Nichts.

„Ja Mutter. Das tue ich!“

„Sie spricht ja unsere Sprache nicht. Wie sollen wir mit ihr sprechen?“

„Vater und ich verstehen ihre Sprache und ich bin überzeugt, sie wird unsere Sprache schnell lernen. Gib ihr Zeit Mutter!“

„Das werde ich Albrecht. Ich danke dir, dass du sie zu uns gebracht hast. Sie ist was ganz Besonderes. Das spüre ich. Jetzt habe ich meine Familie wieder beisammen und eine Tochter noch dazugewonnen. Ich habe wieder zwei Töchter, dank dir Albrecht!“

Nadine könnte, in Mutters Herzen, Rotmund nie ersetzen, doch ihre Worte beruhigten mich und ich war ihr dankbar, dass sie Nadine angenommen hatte. Glücklicher konnte ich nicht sein, wäre ich nicht in Trauer an diesem Tag. Dann fand ich die Planke meines Bettes.

„Ich suche Vater und werde ihn wieder bringen …“, stand darauf.

„Du hast die Planke aufbewahrt?“, fragte ich meine Mutter entsetzt.

„Ja Albrecht. Und jeden Tag habe ich deine Botschaft gelesen und fest daran geglaubt. Mein Glaube an dich hat mich nicht enttäuscht. Ihr seid ja zurückgekehrt.“

Ich umarmte sie fest und erkannte, dass nur der Glaube, egal was für einer es ist, Berge versetzen kann, die einem den Weg versperrten. Mein Glaube, meinen Vater wiederzufinden, hat es ermöglicht ihn auch wieder zurückzubringen. Der Glaube meiner Mutter, dass wir zurückkehren werden, hatte sich auch erfüll, alleine dadurch, dass sie meine Botschaft täglich las. War es das, was Jesus meinte mit: „… der, der glaubt, wird selig sein“? Ich schüttelte erstmal den Gedanken wieder von mir.

Zu sehr zweifelte ich an allem, was mit der Bibel und sonstigen religiösen Lektüren zu tun hatte. Doch ja, ich glaubte fest daran eines Tages Nadine zu heiraten, eine Familie zu gründen und nach den versprochenen zwei Jahren nach Troyes zurückzukehren, um meinen Dienst beim Orden wieder anzutreten. Aber diesmal als Seefahrer. Meine Mutter ließ mich los und sagte:

„Ich muss mich um deinen Vater kümmern, denn schließlich will ich ihn nie wieder weglassen. Zu lange wurde ich vernachlässigt! Ich schicke dir Nadine.“

Und mit einem Lächeln verließ sie meine Kammer.

Die Tage und Wochen verflogen auf dem Hof und ich schwelgte im Familienglück. Nadine und ich hüteten zusammen die Tiere und trieben sie morgens auf die Wiese und abends zurück in den Stall. Die Sterne konnten wir nachts nicht sehen, denn graue Wolken bedeckten den Himmel.

„Es wird bald schneien. Ich kann es riechen!“, meinte Nadine.

„Ach ja? Ich rieche außer den Schweinen und den Misthaufen überhaupt nichts!“, konterte ich zurück.

„Das kommt daher, weil alles für dich nur Humbug ist!“

„Warte du nur, was ich für einen Humbug mit dir anstellen werde …!“

Ich griff Nadine an ihren schmalen Hüften und zog sie zu mir hin. Sie schrie kurz auf und lachte laut, als ich sie kitzelte.

„Wir sollten bald heiraten!“, sagte ich zu ihr.

„Ah oui? Pourquoi?“

„Damit ich dich endlich vernaschen kann, du böses Kind. Ich denke, ich habe mich lang genug keusch verhalten!“

„C`èst vrai … Du hast Recht. Hast du mir überhaupt einen Antrag gemacht?“

„Antrag?“

„Me oui! Hast du mich überhaupt gefragt?“

„Ich dachte, das wäre selbstverständlich!“

„Männer … Selbstverständlich ist nichts … allor … wann fragst du mich?“

„Willst du mich heiraten?“

„So fragt man einen Baum. Bin ich ein Baum?“

„Ich verstehe nicht …!“

„Natürlich nicht. Deine Kühe sind sensibler … Versuche es nochmal!“

Ich wusste natürlich, was sie wollte, doch ich genierte mich. Nun gut. Wenn meine Kühe sensibler waren als ich, musste ich ihr das Gegenteil beweisen.

„Bleib hier … ich komme gleich wieder … laufe nicht weg!“

„Lass mich nicht zu lange warten Albrecht …!“

Und schon lief ich davon. Ich rannte zurück zur Hütte und griff Mutter am Arm. Vor Schreck ließ sie den Besen fallen und ließ sich von mir ziehen.

„Mutter … Nadine will einen Antrag von mir … was soll ich tun?“

„Ihr den Antrag stellen, du Dummkopf …!“

„Ich habe aber nichts … ich will ihr dabei was schenken. Wie hatte es Vater getan?“

Sie nahm ihre Kette, die sie um den Hals trug, und gab sie mir. Es war eine goldene Kette mit einem Anhänger aus Bernstein. Nichts anderes.

„Schenke ihr das. Fall auf die Knie, denn wir Frauen mögen das. Zeig ihr, wie leidenschaftlich du sie findest und dann frag sie zärtlich. Sag ihr, dass du ihr gerne diesen Anhänger schenkst, da du sie für würdigst hälst …!“

„Mach ich …!“

„Moment … Ich bin noch nicht …!“

Aber ich war schon weg und als ich zurück zum Feld rannte, kamen mir Vater, Frauke und Rudolph entgegen. Zwei unserer Warmblüter zogen Baumstämme zurück zum Hof. Vater wollte gerade etwas sagen, doch erkannte er, dass der Moment nicht richtig war, und so ließ er es bleiben.

Als ich endlich vor Nadine stand, kniete ich mich hin, nahm ihre rechte Hand und drückte ihr den Anhänger meiner Mutter in der selbigen.

„Nadine, mit diesem Geschenk gebe ich dir zu erkennen, dass mein Herz für dich nur schlägt und so lass mich dich fragen, ob du mich zu deinem Gemahl nehmen wirst!“

Mein Herz drohte bei diesen schmalzigen Worten zu platzen, doch was tut man nicht alles, um das Herz seiner Liebsten zu gewinnen.

„Aber das ist doch die Halskette deiner Mutter … Mon Dioux …!“

„Ja und nur du bist würdig diese Kette zu tragen, als Zeichen dafür, dass du die Einzige sein kannst für mich. Meine Mutter hat es mir … mit ihren Worten … so gegeben … aber der Antrag kommt natürlich von mir!“

Nadine kicherte entzückt und ihre Augen leuchteten vor Glück.

„Ja, Albrecht. Ich will deine Gemahlin sein!“

Und so küssten wir uns und trieben die Tiere, so schnell wir konnten, zurück zum Stall, um meinen Eltern die fröhliche Botschaft mitzuteilen. Als wir die Hütte betraten, saßen sie schon alle zusammen an der einen Seite des Tisches, so als ob sie auf uns schon warteten. Sie wussten, was wir vorhatten, und warteten auf die Worte, die ich nun vorzutragen gedachte.

„Und? Wir warten!“, sagte Vater nur.

Rudolph und Frauke hatten Mühe nicht zu lachen, doch Mutter und Vater sahen uns streng und entschlossen an.

„Wir wollen heiraten!“, sagte ich kurz und bündig, doch keine Reaktion kam aus der anderen Seite des Tisches.

Nadine schaute mich achselzuckend an und ich glaubte nicht, was ich da sah. Warum reagierten die beiden nicht? Vater sah, dass Nadine Mutters Halskette trug, als Nadine endlich die richtigen Worte fand.

„Madame, Monsieur … wir wollen euren Segen zu unserer Heirat!“

Meine Mutter sah meinen Vater an und Vater übersetzte Mutter Nadines Worte.

Als Mutter dann liebevoll Nadine anstrahlte, verstand ich, was SENSIBEL heißt.

„Ihr habt unseren Segen meine Kinder und ihr macht uns mit eurer Botschaft sehr glücklich!“

Vater sagte es erst auf Französisch und dann auf Deutsch. Rudolph schlug mir fest auf die Schulter und sagte mir, dass er auch ein Mädchen habe. Die Tochter des Müllers habe es ihm angetan und wir lachten beide laut, da wir unser Glück kaum glaubten. Vater reichte uns Becher gefüllt mit seinem selbstgebrauten Meth, der alles andere wie Meth schmeckte. Es trug eher das Aroma vom schlecht vergorenem Wein.

„Was ist das für ein Zeug?“, fragte ich etwas angewidert.

„Weiß ich nicht. Es ist aus Malz und Gerste. Ich hatte keinen Honig, aber es benebelt ganz gut. Mutter hatte es die ganzen Jahre aufbewahrt. Nicht schlecht, nicht wahr?“

„Widerlich gut Vater!“

Wir hofften, von dem Gebräu nicht zu sterben, als plötzlich die Tür aufging und ohne den Anstand eines Anklopfens drei Männer die Hütte betraten. Vater und ich zogen die Schwerter und richteten diese gegen die Hälse der Eindringlinge.

„Wer seid ihr, die es wagen unser Haus so respektlos zu betreten?“, rief ich wutentbrannt.

„Beruhigt euch. Wir sind Kuriere des Bischofs …!“

„Euer Benehmen weist euch nicht als Kuriere des Bischofs aus, sondern mehr das eines groben Gutsherren, der seine Lakaien besteuern will …!“, unterbrach Vater wütend die beiden verstörten Männer.

„… Seine Eminenz hatte erfahren, dass der ehrenwerte Schreiber, Adelbert Viermundt, aus dem Heiligen Land zurückgekehrt sei, und bittet Adelbert ihn aufzusuchen.

Hier ein Dokument mit der öffentlichen Einladung des Bischofs und mit seinem Siegel bestätigt!“, rief der Ältere von den beiden.

Vater nahm das Dokument, löste das Siegel und las. Er schaute mich an und nickte mit dem Kopf.

„Wann erwartet seine Eminenz meine Meldung?“

„In drei Tagen!“

„Unmöglich. Ich bin gerade vor kurzem hier angekommen und brauche Zeit. Worms ist weit!“

„Seine Eminenz verweilt im Moment in Marburg wehrter Herr. Dort wird er weitere zehn Tage bleiben. Also? Welche Antwort soll ich ihm bringen?“

„Ich werde kommen, doch sagt mir: Woher wusste seine Eminenz, dass ich zurückgekehrt bin? War es Dahlwig?“

„Nein mein Herr. Es war der Diener Dahlwigs, der auch zu den Dienern des Bischofs gehört.“

„Verstehe. Ihr habt meine Antwort. So lasst uns allein!“

Die Kuriere verbeugten sich und verließen die Hütte.

„Marburg ist nicht weit. Doch heute wird gefeiert.“

DER BISCHOF

Vater ließ sich damit, dem Bischof mit seinem Besuch zu beehren, Zeit. Und überhaupt entdeckte ich bei Vater eine Persönlichkeitsveränderung, die ich bei ihm, als wir noch den Orden unterworfen waren, nicht kannte.

Er wurde stärker in seinem Auftreten und in seinem Verhalten. Er nahm Dinge selbst in die Hand und es schien mir so, als ob Vater eine Wiedergeburt erfuhr, wobei sich sein Charakter veränderte. Er sah sich nicht mehr als nur einen Schreiber, denn das Heilige Land hatte ihm die Augen geöffnet und so auch mir. Ein Bischof war nichts anderes als ein irrgeleiterter Mensch, der die in Rom erstellten Doktrinen befolgte. Früher hätte sich Vater keine drei Tage Zeit gelassen, wenn er aufgefordert wurde, diesen mächtigen Mann aus Worms zu sehen. Was der Bischof wohl über solch ein respektloses Verhalten denken würde?

„Wollen wir den Mann aus Worms nicht mehr länger warten lassen, Sohn! Glück für ihn, dass er sich jetzt in Marburg aufhält und Glück für uns, dass der Ritt dorthin ein kurzer sein wird“, sagte er und so sattelten wir die Pferde, verabschiedeten uns von der Familie sowie der Liebsten und begaben uns auf den Weg nach Marburg. Der Ritt war tatsächlich nicht lang, als wir dann in der Abenddämmerung vor den Toren dieser kleinen Stadt ankamen.

Ein Wächter leuchtete uns mit seiner Fackel ins Gesicht.

„Wer seid ihr?“, rief er misstrauisch.

„Adelbert und Albrecht Viermundt. Der Bischof erwartet uns. Also lasst uns rein!“

„Habt Ihr ein Schreiben des Bischofs oder irgendetwas vorzuweisen, das Ihr mir zeigen könnt!“

Vater nahm das Dokument und reichte es dem Wächter. Ich bemerkte, dass dieser nicht lesen konnte und sich nur anhand des Siegels seine Bestätigung einholte.

„Ihr dürft weiter. Seine Eminenz wird euch in der Sakristei der Burg erwarten, wenn er nicht zu dieser Zeit schon zu Bett ist. Falls ja, könnt ihr euch im Gasthaus gegenüber unterbringen lassen. Viel Glück die Herren!“

Der Wächter schritt zur Seite und gab Befehl uns durchzulassen. Zwei Mann öffneten das Tor und wir ritten in diese burgbefestigte Kleinstadt hinein. Ich wunderte mich, was der Bischof in solch einem Kaff zu suchen hatte, doch später stellte ich fest, dass es zu der Grafschaft seines Neffen gehörte und er diesem einen Besuch abstattete.

Der feuchte Boden klebte an den Hufen unserer Rösser. Wir fanden das Gasthaus, von dem der Wächter sprach, wollten aber zunächst unser Glück beim Bischof versuchen. Und wir hatten Glück, denn als wir an der Sakristei ankamen, brannte noch an einem der Fenster das Licht mehrerer Kerzen. Wir stiegen von den Pferden ab, klopften an die große Holztüre, die kurz darauf geöffnet wurde, und erklärten dem Mönch, wer wir seien. Wir sollen uns in der Halle noch etwas gedulden, bat er uns höflich und so taten wir dies. In der Zwischenzeit durfte ich den Prunk und den Pomp dieser Halle bewundern. Nicht zu vergleichen mit der in Troyes bezeugten Armut und Demut. Brokatteppiche und mit Wappen bestickte Ornamente hingen an den kalten Steinwänden und mächtige Säulen ragten hoch, bis sie die Decke der Halle berührten.

Tausende von Kerzen erleuchteten den Durchgang und ein riesiges Kruzifix, mit dem Körper des Bekreuzigten, wurde durch dieses Licht erhellt. So bizarr mir das Ganze nach den errungenen Wahrheiten in Jerusalem erschien, umso mehr war ich von dieser kolossalen Darbietung der Kunst und der Bauweise fasziniert. Mönche knieten sich vor dem Kruzifix nieder und beteten. Ich bedauerte sie und schmunzelte über das mir dargebotene Schauspiel. Diese arme Seelen waren Gefangene einer ihnen vorgetäuschten Lüge. Am liebsten wäre ich zu ihnen hingegangen und hätte von meinen Erlebnissen im Heiligen Land erzählt. Doch ich wusste, es wäre vergebliche Liebesmühe gewesen und es hätte nicht lang gedauert und man hätte mich, wie eine Fackel, am Scheiterhaufen angezündet. Also ließ ich diese Geschöpfe in Ruhe und hoffte auf die Gnade des Bischofs, uns endlich zu empfangen. Der Mönch, der uns reinließ, erschien und gab uns zu verstehen, dass Bischof Burchard bereit sei uns zu sehen.

„Adelbert, mein allerliebster Freund. Meine Gebete wurden tatsächlich erhört. Wo im Gottes Namen habt Ihr Euch aufgehalten? Man erzählte mir, Ihr wart auf Pilgerschaft? Welch noble Tat mein allerbester Freund. Wie habe ich Euch vermisst …!“

Der Bischof nahm meinen Vater in die Arme und Vater erfreute sich sichtlich ebenso diesem Mann wieder zu sehen.

„Und wer ist dieser junge Mann, den Ihr da mitgebracht habt, Adelbert?!“

„Mein Sohn Albrecht, Eure Eminenz!“

„Der Kleine, den Ihr mir zur Taufe vor dem Becken hielt? Nein, das darf ja nicht wahr sein. Wo ist die Zeit nur hin, frage ich Euch? Damals war ich noch Prior im Kloster, als ich noch in Wetzlar lebte und nun schau dir einer diesen Mann an. 19? Wie alt sind wir denn, junger Mann?“

„Fast dreiundzwanzig Eure Eminenz!“, antwortete ich verlegen und erkannte selbst bei den Angaben meines Alters, wie Recht der Bischof doch hatte. „Tempo fugit!“ Die Zeit verflog tatsächlich. Ich war damals 12, als ich von zu Hause verschwand, und jetzt? Dreiundzwanzig.

„Dreiundzwanzig und dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten … Mein Gott, wo bleibt meine Gastfreundschaft … Ihr müsst hungrig und durstig sein … LOTHAR … LOTHAR … wo bliebt nur … ah, da seid Ihr … lasst für drei aufdecken und bringt den Burgunder, und zwar reichlich …!“, befahl der Bischof.

„Natürlich Eure Eminenz. Gedenkt Ihr hier zu speisen oder zieht Ihr den Saal vor?“, fragte der Mönch, dessen Namen wir nun wussten.

„Wir speisen hier. Und Lothar … Ich bin für niemanden zu sprechen!“

„Wie Ihr wünscht, Eure Eminenz!“

„Adelbert. Nun spannt mich nicht länger auf die Folter. Erzählt mir, wie es Euch ergangen ist. UND ZWAR ALLES!“

Ich mochte diesen Bischof. Er hatte ein sehr jugendliches und frisches Verhalten für sein hohes Alter und schien quicklebendig und nicht gebrechlich zu sein.

Zu schade, dass er mit einem Amt bekleidet wurde, das so gar nicht zu ihm passte. Vater erzählte ihm, wie alles begann und in der Zwischenzeit deckte Lothar mit zwei anderen Mönchen den Tisch des Bischofs auf. Mir fielen die Augen aus dem Schädel, als ich all die mit Edelsteinen verzierten Kelche vor mir stehen sah und das Besteck, das aus purem Gold bestand. Ich war in einer anderen Welt. Man konnte nicht diesen Tisch und den Tisch in Troyes vergleichen. Dort bekamen wir von den Mönchen Rübensuppe und wenn wir Glück hatten, gab es dazu Fleisch. Das Ganze wurde mit Holzlöffeln aus Holzschüsseln geschaufelt. Doch hier spielte sich eine ganz andere Szene ab. Hier speisten nicht die armen Soldaten Christi, sondern Männer, die königsgleich Burgunderwein und Hirschbraten genüsslich verzehrten und Geschichten erzählten. Ich befand mich in einem Schlaraffenland der Genüsse und hörte den beiden Männern kaum zu.

Als mein Vater an die Stelle seiner Geschichte kam, wo wir zurück in Jerusalem eintrafen und er dann weiter erzählen wollte, musste ich einschreiten und unterbrach ihn.

„Verzeiht Eure Eminenz, wenn ich so unhöflich unterbreche, aber wo kann man sich hier zurückziehen? Ich denke, all der Wein hat mich doch ziemlich ermüdet und es ist auch spät nachts. Nein eigentlich schon morgens, wenn ich so aus dem Fenster hinausschaue.“

„Bei Gott! Ihr habt Recht, mein bester Albrecht. Wir haben ja stundenlang geredet und haben dabei die Zeit nicht vorbeifliegen sehen. Was sagt man dazu? Nun, ich entlasse Euch, aber wir machen heute Nacht an der Stelle weiter, wo wir jetzt hier aufhören. Versprochen?“

„Natürlich Eure Eminenz!“, rief Vater und schaute mich dabei etwas verärgert an.

„Nun denn. Gottes Segen mit euch meine Kinder. Ich ziehe mich ebenfalls zurück. Es war doch ein langer Abend, muss ich gestehen. Den Krug Wein nehme ich noch mit, so schlafe ich noch schneller ein.“

Und so entließ uns der Bischof und Lothar führte uns zu unserer Kammer. Als wir dort ankamen und Lothar die Tür von außen schloss, überfiel mich Vater wütend.

„Was erlaubst du dir so respektlos das Gespräch mit einem Bischof zu unterbrechen, Albrecht? So was tut man nicht und zeugt von sehr schlechten Manieren.“

„Ich musste es tun, sonst wärst du zu weit mit den Erzählungen gegangen. Wir haben einen Eid geleistet und auch wenn du dem Orden nicht mehr zugehören willst, darfst du das Gelübde nicht brechen. Ich werde es nicht zulassen. Auf gar keinen Fall. Bedenke die Gefahr, in die du uns gebracht hättest, wenn ich dich nicht unterbrochen hätte Vater. Sogar dieser Bischof hätte uns als Ketzer in einem Kerker eingesperrt, würdest du ihm die Wahrheit erzählen!“

„Die Wahrheit? Ich frage mich, ob ich es lieber nicht tun sollte. Ich würde gern die Meinung Burchards wissen wollen!“

„Burchards? Ach jetzt heißt er Burchard und nicht Eure Eminenz. Das geht nicht Vater. Dieser Bischof ist dafür nicht bereit, wie der Rest der Menschheit es nicht ist und das weißt du so gut wie ich.“

„Du hast Recht, Sohn. Wir müssen an unsere Familie denken. Schade. Dabei ist dieser Bischof sehr belesen und wissensgierig. Aber ja. Du hast Recht. Belassen wir es dabei!“

Wir lächelten uns an und gingen zu Bett. Was ich aber damals nicht wusste, war, dass Lothar, diese Schlange, unseren kleinen Streit vor der Tür mit anhörte und nichts Besseres zu tun hatte, als dem Bischof darüber zu berichten. Dies erweckte die Neugier des Bischofs zunehmend.

„Soso, ich bin also nicht bereit diese Wahrheit zu erfahren. Sehr interessant. Danke dir Lothar. Du darfst dich zurückziehen.“

Lächelnd setzte der Bischof den weingefüllten Kelch an die Lippen und nahm sich einen kleinen Schluck.

„… Na das werden wir mal sehen, Adelbert!“

Es war kalt, als ich aufwachte, und Vater schlief noch tief und fest. Sein Schnarchen hätte Tote aufwecken können und wenn ich nicht selbst todmüde gewesen wäre, hätte ich kein Auge zubekommen in dieser Nacht.

Als die Sonne am nächsten Morgen aufging und es draußen heller wurde, zwang ich mich aufzustehen, zog mich leise an und bemerkte, dass einer die Türe zur Kammer vorsichtig öffnete. Es war Lothar.

„Ihr seid schon so früh wach, mein Herr?“, flüsterte er.

„Guten Morgen, Ja. Ich bin kein Langschläfer! Was kann ich für Euch tun Lothar?“

„Ich wollte nur nachsehen, ob alles zu Eurer Zufriedenheit ist. Seine Eminenz würde euch beiden gerne zur Morgenandacht in der Kapelle sehen und danach zum Frühstück. Ist das in Ordnung?“

„Ich danke Euch. Wir werden beide kommen. Wann?“

„Wann ihr wollt!“

Dann verließ Lothar leise die Kammer und schloss die Tür hinter sich zu.

„Wann Ihr wollt? Was ist das für eine Zeitangabe? Und überhaupt … sind wir nicht morgens erst ins Bett gegangen?“

„Ach du bist wach Vater! Ja, aber dies ist wieder ein neuer Morgen. Wir haben den ganzen Tag und die folgenden Nacht verschlafen. Steh auf. Ich habe Hunger!“

Mühsam setzte sich Vater am Bettrand und schaute schlaftrunken aus dem engen Fenster, das wenig Licht spendete. Ich bemerkte, dass seine einst braunen Haare langsam grau wurden, obwohl er noch ein relativer junger Mann gewesen war mit seinen 46 Jahren.

Als ich mich fertig angezogen hatte, überließ ich ihm die Waschschüssel mit dem eiskalten Wasser und verließ das Zimmer, um einen Ort zu finden, wo ich meiner Bedürfnisse entledigen konnte. Ich fand diesen grausigen Ort, denn ein penetranter Gestank führte mich dorthin. Keine Menschenseele war zu sehen und so setzte ich mich auf den Balken und befreite mich vom Hirschbraten, der mir noch schwer im Magen lag, als dann ein Mönch den Ort ebenfalls betrat, mich kurz grüßte und sich daranmachte sich ebenfalls zu befreien. Ich entdeckte eine lange Narbe an seinem Gesicht. Für ein Mönch war er von großer Statur und sein Gesicht war im ersten Augenblick, nicht gerade vertrauenswürdig.

„Wird wieder kalt heute!“, rief er und versuchte ein Gespräch herzustellen.

„Sieht so aus!“

„Heute Morgen stand schon Frost auf den Feldern. Wird ein kalter Winter werden, fürchte ich!“

„Das wird er wohl werden“, antwortete ich höflich.

„Ich heiße Otto. Otto von Salheim!“

„Angenehm. Ich bin Albrecht Viermundt. Ihr habt einen adligen Namen und doch habt Ihr Euch den Weg eines Mönchs ausgesucht?“, fragte ich neugierig, wie ich war.

„Direkt ausgesucht nicht. Ich war im Heiligen Land und wurde von Mönchen wieder zusammengeflickt, als wir dort ein Stelldichein mit den örtlichen Sarazenen hatten!“

„Einen Stelldichein? Na scheint mir keine Feier gewesen zu sein!“

„Nein, war es nicht. Ich war der einzige Überlebende. Und das auch nur, weil ein paar Mönche, die nach Jerusalem pilgerten, mich im Sand dieser höllischen Nefudwüste fanden. Gott sei gelobt, sonst wäre ich nicht hier!“

„Und was habt Ihr, verehrter Otto von Salheim, im heiligem Land gemacht? Ihr sagtet ‚WIR‘. Wart Ihr auch Pilger?“

„Nein. Wir waren Kreuzritter. Vom ersten Tag an. Wir gerieten an einem Hinterhalt, als wir uns auf den Weg nach Akkon befanden, um ein Boot nach Zypern zu nehmen. Für die Heimreise, versteht Ihr … doch daraus wurde nichts. Ich blieb weitere sechs Monate in Jerusalem, um wieder gesund zu werden. Und dort habe ich dann wieder zu Jesus gefunden. Ich wollte Buße tun und mich für meine Rettung bedanken. Doch vor allem wollte ich büßen für meine Sünden, die ich begangen hatte!“

Ach herrje. Wo hatte ich das schon mal gehört? Ach ja richtig. Hugues de Payns. Warum werde ich wieder von diesem Geist verfolgt. Ich bereute jetzt schon diesem Otto die Frage gestellt zu haben. Jetzt, wo ich wieder zu Hause war, wollte ich nichts mehr von diesem Jerusalem und von Buße hören, besonders nachdem wir die Geschichte von Jesus etwas anders nun kennen.

„Ich muss leider schon gehen, würde aber gern die Unterhaltung mit Euch fortsetzen. Mein Vater wartet auf mich. Vielleicht sieht man sich wieder, wer weiß. Gott beschütze Sie, Otto von Salheim!“

Als ich mich bewegte den Hintern zu säubern und die Hose wieder anzuziehen, sagte dieser Otto:

„Ihr wart auch dort, nicht wahr? Wahrscheinlich als Kind. Wie geht es dem guten alten Gondamer?“

Ich erschrak und mein Blut gefror in meinen Adern. Dasselbe Gefühl was mich nur in der Nähe der Bruderschaft aufsuchte, fühlte ich nun wieder hier in diesem Scheißhaus, verursacht durch einen Mönch, der leibhaftig der Satan selbst hätte sein können. Ich sagte kein Wort und beobachtete, nein starrte ihm direkt in die Augen. Wer war dieser Otto von Salheim?

„Wer seid Ihr wirklich?“, fragte ich ihn gereizt.

„Ein Freund. Denn Gondamers Freunde sind auch meine!“

„Wie habt Ihr …?“

„An Eurem Schwert Albrecht. Man erkennt einen Krieger an seinem Schwert. Ihr trägt das Schwert Gondamers, also habt Ihr ihn entweder getötet, das Schwert gestohlen oder er hat es Euch geschenkt. So wie Ihr ausseht, habt Ihr es geschenkt bekommen. Richtig?“

„Ihr kennt also Gondamer?“

„Ja. Wir waren die besten Freunde. Gondamer de Lille und ich. Wir wurden leider in Edessa getrennt, als wir zum Heiligen Land ritten. Damals beim Kreuzzug. Ich musste bei Balduin dem Zweiten bleiben. Er beschloss Graf von Edessa zu werden, als wir diese Stadt einnahmen und eroberten. Schon eigenartig. Keinen Finger hatte er krumm gemacht, um Jerusalem einzunehmen, und doch wurde er dort König.

Ich eskortierte, mit meinen Soldaten, den Zug nach Jerusalem für die Krönung und dort fand ich Gondamer wieder. Doch er hatte sich verändert. Ich fand einen am Boden zerstörten Mann. Er erzählte mir, was für Grausamkeiten bei der Einnahme geschahen und so war ich froh nicht dabei gewesen zu sein. Ich kenne sein Schwert, wie ich meines kenne. Ich blieb dort zwei Jahre und wir blieben zusammen und beschützten die Pilger, den König und bekämpften marodierende Sarazenen. Seite an Seite. Was für eine Zeit. Doch dann musste Gondamer zu seiner alten Einheit zurück, geführt von einem Spinner namens Hugue de … de … mir fällt der Name nicht ein …!“

„… de Payns?“, half ich etwas nach.

„Ihr kennt diesen Geistesgestörten?“

„Ja. Ich kenne ihn. Nur zu gut. Aber eines ist er nicht. Geistesgestört ist er auf gar keinen Fall. Eher gefährlich intelligent!“

„Was sagt man dazu?“

„Tja, schon sonderbar, dass wir uns hier, an diesem Ort, kennen lernen, verehrtester Otto!“

„Zufall ist das nicht Albrecht. Ich muss Euch warnen. Der Bischof hier hat nichts Gutes mit Euch vor. Ich wurde beauftragt Euch auszuspionieren. Doch als ich Gondamers Schwert an Eurem Gürtel sah, wollte ich mehr über Euch erfahren. Mir geht das nichts an, was Ihr dem Bischof vorenthaltet. Doch nehmt Euch auch in Acht vor Lothar und Dahlwig. Der ist Euch auch schon übern Weg gelaufen, erfuhr ich. Lothar hat Euch gestern Nacht belauscht, als Ihr Euch mit Eurem Vater in der Kammer gestritten habt und trug es dem Bischof vor. Lothar kann sein Maul nicht halten und zum Glück erzählte er es mir. Gondamers Freunde sind auch meine und jeder, der im Heiligen Land seinen Teil erlebt hatte, ist mein Bruder. Ich rate Euch, Albrecht, nehmt Euren Vater und verschwindet. Ich werde die Pferde für Euch vorbereiten!“

Ich dachte nach und wunderte mich über diesem Otto von Salheim. Ein Adliger, der Buße als Mönch in Marburg, ablegt und ein Freund Gondamers ist. Woher weiß ich nicht, dass dies alles nicht eine Falle war, und dass uns vielleicht dieser Otto schon von Troyes aus gefolgt ist. Im Auftrage von Hugues de Payns? Nein. So wichtig waren wir nicht für Hugues, dass er uns so misstraut. Oder doch? Wir waren Geheimnisträger. Ich musste nachdenken und mir fiel auch was ein.

„Ich danke Euch Otto, doch wenn wir einfach so verschwinden, würde das nur den Verdacht vergrößern, was auch immer es sei. Was will der Bischof von uns überhaupt?“

„Zunächst wollte er wirklich nur Euren Vater wieder sehen … jedoch erwähnte Lothar den Satz …“ Er, der Bischof, wäre nicht bereit für die Wahrheit … was das immer heißen mag …!

Ich verstand nun die Schwere der Lage und musste sofort zu Vater.

„Ich danke Euch Otto von Salheim. Begebt Ihr Euch selbst dadurch nicht in Gefahr uns zu warnen?“

„Ich gab einst einen Eid. Niemals meinen Kameraden zu verraten. Ihr seid meine Kameraden, denn ihr wart im Heiligen Land und kennt Gondamer. Beeilt Euch. Sucht Euren Vater auf.“

„Das tue ich sofort!“

Ich rannte, so schnell ich konnte, zur Kammer, doch diese war leer.

Erschreckt schaute ich mich um und als ich die Kammer verlassen wollte, prallte ich mit Lothar, diesen scheinheiligen Spitzel des Bischofs, zusammen.

„Wo ist Vater?“, schrie ich ihn an.

„Euer Vater speist mit dem Bischof in der Sakristei. Sie waren auch schon zur Andacht im Gegensatz zu Euch …!“

„Ach erspart mir Euren langweiligen Vorwurf … führt mich zur Sakristei, und zwar sofort!“

Ich war bereit diesen Mönch zu töten, wenn es sein müsste und am liebsten hätte ich es getan. Entsetzt von meiner Unhöflichkeit führte er mich zur Sakristei. Ich war wütend und als ich eiligst in die Sakristei schritt, mit meiner Linken am Knauf des Schwertes, hörte ich ein Lachen. Vater und der Bischof amüsierten sich köstlich und begrüßten mich lauthals, als ich eintrat.

„Na? Wo warst du denn, mein Junge? So lange kann doch kein Mensch kacken!“

Und wieder brachen Vater und der Bischof in ein lautes Lachen aus. Ich verstand die Situation in diesem Augenblick nicht, doch Vater beruhigte mich und bat mich am Tisch Platz zu nehmen. Lothar schenkte mir Milch in einem Kelch ein, der wunderschön im Morgenlicht leuchtete.

„Albrecht. So greift zu. Das Brot wurde heute Morgen aus dem Ofen geholt und versucht von der Schweinsleberwurst. Die zergeht auf der Zunge, sage ich Euch …!“

„Darf ich erfahren, worüber ihr euch so amüsiert?“, fragte ich nervös.